Die Warnung der BIZ vor dem globalen Margin Call

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Alle Jahre wieder warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Notenbank der Notenbanken, vor den verheerenden Folgen der heutigen Geldpolitik. So auch im neuesten Bericht, der in dieser Woche erschienen ist. Und wie von mir schon in der Vergangenheit prognostiziert, gehen auch diesmal die verantwortlichen Notenbanker und Politiker nach der bewährten Methode vor: „Gelesen, gelacht, gelocht.“

Doch lange dürfte das Spiel nicht weitergehen. Wie die BIZ zu Recht deutlich ausführt, haben wir nichts, aber auch wirklich gar nichts aus der Finanzkrise gelernt. Diese war nicht die Folge von Problemen einzelner Banken: Die Finanzkrise war Folge von Exzessen in der amerikanischen Immobilienfinanzierung und Letztere war schon gar nicht die Folge der Pleite von Lehman Brothers. All dies waren nur Symptome für eine viel tiefer gehende Problematik. Über Jahrzehnte haben wir ein immer größeres Rad mit immer mehr Schulden gedreht. Immer riskantere Geschäfte wurden mit immer weniger Eigenkapital und zu immer niedrigeren Zinsen betrieben. Die Notenbanken trugen daran entscheidende Mitschuld, weil sie auf jedes noch so kleine Problem in den Finanzmärkten mit noch mehr und noch billigerem Geld reagierten. Dies taten sie, um mit den Worten der BIZ zu sprechen, „asymmetrisch“. Sie lockerten die Geldpolitik, strafften sie im Anschluss jedoch nur halbherzig. Das Signal an die Märkte war klar: „Tut, was ihr wollt und macht euch keine Sorgen. Wir hauen euch im Krisenfall wieder raus.“

Gefährlicher Finanzzyklus

Die Finanzkrise war und ist in Wahrheit eine Überschuldungskrise. Um diese zu bekämpfen, haben wir auf die bewährte Rezeptur gesetzt: noch mehr billiges Geld und noch mehr Schulden. Die Weltverschuldung – so rechnet die BIZ vor – liegt um immerhin 40 Prozent vom BIP höher als vor zehn Jahren. Spitzenreiter ist China mit einem Anstieg um 191 Prozent. Doch auch Kanada (70 Prozent – kein Wunder, dass dort nun eine massive Immobilienblase aufgepumpt wurde), Frankreich (67), Japan (52), Korea (49), Großbritannien ( 36) und die USA (29), um nur eine Auswahl zu nennen, geben Anlass zur Sorge.

Diese Kombination aus Rekordverschuldung, niedrigem Wachstum und schwindendem Handlungsspielraum könnte die Welt in eine neue Krise stürzen, warnt die BIZ – und zwar auf genauso explosive Weise, wie die Ereignisse der Jahre 2007-2009. Der „Finanzzyklus“ – so bezeichnet die BIZ die Schwankungen zwischen zunehmender Verschuldung und anschließender Krise – wird immer bedeutender und dominiert mittlerweile die realwirtschaftliche Entwicklung.

Immer mehr werden wir zum Spielball der Finanzmärkte. Steigt die Wachstumsrate der Verschuldung, verbessert sich die Stimmung an Börsen und in der Wirtschaft. Verlangsamt sich das Wachstum hingegen, drohen Crash, Rezession und Depression. Nur immer mehr steigende Dosen an Schulden können das System noch eine Runde weiterbekommen. Dass dies nicht auf Dauer geht, leuchtet wohl allen ein – nur unseren Notenbankern und Politikern nicht. Scheuen sie doch nichts so sehr wie den kalten Entzug, der naturgemäß mit erheblichen Korrekturen an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft einhergehen würde.

Unproduktiv statt produktiv

Leser meiner Kolumnen wissen, dass in unserem Geldsystem neues Geld praktisch unbegrenzt durch das Bankensystem geschaffen wird, und zwar durch die Vergabe von Kredit. Daran ist so lange nichts auszusetzen, wie die neuen Kredite zu produktiven Zwecken eingesetzt werden. Doch leider ist nicht nur die Verschuldung in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, sondern zugleich der Anteil der unproduktiven Kredite explodiert. Ein guter Teil der neuen Verschuldung in den USA seit 2009 erfolgte beispielsweise im Unternehmenssektor, der durch immer höheres Leverage die Aktienkurse nach oben getrieben hat. Die Investitionen in echte Anlagen stagnierten derweil auf tiefem Niveau. Kein Wunder, dass die jährliche Wachstumsrate der letzten zehn Jahre mit 1,3 Prozent so tief war, wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie entsprach ziemlich genau der Wachstumsrate, die die US-Wirtschaft nach 1929 verzeichnete, allerdings blieben uns der tiefe Einbruch und die dafür schnellere Erholung erspart.

Statt einer neuen großen Depression bekamen wir eine Depression in Zeitlupe, während zugleich die Finanzmärkte immer mehr aufgeblasen wurden. Doch auf Dauer kann dies nicht gehen.

Spekulation statt Produktion

Der Kauf auf Kredit ist ein gutes Geschäft, solange es gut geht, was ich an einem Beispiel erläutern möchte: Nehmen wir an, Sie könnten sich eine Aktie zu 100 Euro kaufen, die eine sichere Dividende von zehn Euro pro Jahr bezahlt. (ja, in der heutigen Zeit undenkbar) Setzen Sie für den Kauf nur Eigenkapital ein, erzielen Sie eine Rendite von zehn Prozent. Attraktiver wäre es, sich 100 Euro von der Bank zu leihen und gleich zwei Aktien zu kaufen. Gibt die Bank sich mit fünf Prozent Zinsen zufrieden, gehen fünf Euro an die Bank und 15 Euro bleiben bei Ihnen. Macht 15 Prozent Rendite. In der Praxis dürfte die Bank noch großzügiger sein und sich mit nur 20 Prozent Eigenkapital zufriedengeben. Sie können sich also zu Ihren 100 Euro noch 400 Euro von der Bank leihen und fünf Aktien kaufen. Von den 50 Euro Dividende gingen dann 20 Euro an die Bank (fünf Prozent auf 400) und Ihnen blieben 30 Euro! Eine Rendite von dreißig Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital.

Nun merken auch andere, was für ein gutes Geschäft das ist und geben sich mit Renditen unter 30 Prozent zufrieden, zahlen also mehr für die Aktie.

Steigt der Kurs auf 140 Euro, haben Sie nicht nur einen schönen Kursgewinn erzielt, sondern auch wieder erheblich mehr Eigenkapital. Ihre zur Beleihung zur Verfügung stehende „Margin“ erhöht sich dadurch auf 300 Euro (100 plus 200 Kursgewinn). Zwar ist die Dividendenrendite von zehn auf nur noch sieben Prozent gefallen. Doch liegt sie damit immer noch über dem Zinssatz der Bank. Sie leihen sich weitere 840 Euro und kaufen dazu. Dann haben sie elf Aktien im Wert von 1540 Euro und Schulden von 1240 Euro. Die Rendite auf ihr Eigenkapital von 300 Euro sinkt zwar auf 16 Prozent, der Gesamtüberschuss (Dividende minus Zinsen) wächst allerdings von 30 auf 48 Euro. Es lohnt sich, solange mehr Schulden aufzunehmen, wie die Dividendenrendite über dem Zinssatz der Bank liegt. Man spricht vom Hebeleffekt (Leverage).

Das war in den letzten 30 Jahren ein sicheres Geschäft. Die Zinsen sanken von über zehn Prozent auf heute null und die Banken gaben sich mit immer weniger Margin zufrieden. Alle Assetpreise haben davon profitiert: Aktien, Anleihen, Immobilien, Kunst. Die Kreditvergabe der Banken zum Kauf von vorhandenen Assets hat sich in diesem Zeitraum vervielfacht.

Margin Call

Das funktioniert aber nur so lange, wie die Papiere im Wert steigen und der Kreditgeber keinen Nachschuss auf das Eigenkapital („Margin Call“) verlangt. Die Crashgefahr in den Märkten steigt, sobald die Finanzierungskosten über der Wertsteigerung des auf Kredit gekauften Gutes liegen. Da die Wertsteigerung mit zunehmender Verschuldung und damit erfolgter Nachfrage abnehmen muss, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Punkt eintritt.

Dann geht es aber nicht in einem langsamen und geordneten Prozess bergab. Die Wirkung des Leverages dreht sich nämlich um. Steigt der Wert aller Aktien/Immobilien/Kunstwerke etc. mit einer einzigen Transaktion zu einem höheren Preis, so sinkt auch der Preis aller Assets, sobald eine einzige Transaktion zu einem tieferen Preis vollzogen wird. Aufgrund der Schulden und des deshalb drohenden oder tatsächlich eintretenden „Margin Calls“ durch die Kreditgeber, die um ihre eigene Existenz fürchten müssen – man denke an die Eigenkapitalquoten der Banken, die nun wahrlich wenig Puffer bieten – kommt es zu einer Flucht aus den Märkten. Preise, die über Jahrzehnte kontinuierlich und mit geringen Schwankungen gestiegen sind, gehen in den Sturzflug über.

Der berühmte Crash ist nur denkbar in Märkten, in denen mit viel Kredit gearbeitet wird. Dass die BIZ nun erneut davor warnt, zeigt, wie weit wir es in den letzten Jahrzehnten getrieben haben.

Nicht ob, nur wann

Damit ist es nicht eine Frage, ob es zur nächsten Krise kommt, sondern wann. Märkte, die bei geringster Volatilität, trotz gemischter realwirtschaftlicher Daten auf rekordhohen Bewertungsniveaus notieren, sind anfällig für Störung jeglicher Art. Das trifft gerade auf die USA zu. Bricht das Vertrauen, kommt es zum Crash. Genau dasselbe hätte man allerdings auch 1997 schreiben können, als der damalige US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor der „irrational excuberance“ warnte. Bekanntlich ging die Party dann erst richtig los, bevor sie zweieinhalb Jahre später bitter endete. Genauso könnte es auch diesmal sein. Skeptisch stimmt, dass der weltweite „Kreditimpuls“, also die Wachstumsrate der Neu-Kredite rückläufig ist. Noch immer war das der sichere Vorbote für Turbulenzen an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft.

Die Reaktion der Notenbanken und Politiker auf eine erneute Krise dürfte dieselbe sein wie bisher. Mit noch mehr Geld würde man versuchen, das System doch noch eine Runde weiterzubekommen: Negativzinsen, Bargeldverbote und Helikoptergeld werden die Stichworte sein, mit denen uns die endgültige Rettung versprochen wird, mag die BIZ auch noch so laut warnen.

Freiwillig wird es nicht zu einer Abkehr von diesem Irrweg kommen. Erst wenn das Geldsystem völlig zerrüttet ist, dürfen wir auf einen Neuanfang hoffen. Das wahrhaft Alarmierende ist jedoch: Die Politiker werden wie immer jede Schuld von sich weisen und von „Marktversagen“ sprechen, um uns noch mehr in Richtung Staatswirtschaft zu treiben. Dabei ist die Krise in Wahrheit die Folge einer staatlich verordneten Manipulation des wichtigsten Preises überhaupt: des Zinses.

→  manager-magazin.de: „Das Alarmsignal der Ober-Notenbanker“, 27. Juni 2017

16 Kommentare
  1. Wolfgang Selig says:

    „bto: Die Politiker werden wie immer jede Schuld von sich weisen und von „Marktversagen“ sprechen, um uns noch mehr in Richtung Staatswirtschaft zu treiben. Dabei ist die Krise in Wahrheit die Folge einer staatlich verordneten Manipulation des wichtigsten Preises überhaupt: des Zinses.“
    Meines Erachtens alles richtig, Herr Dr. Stelter, und doch unvollständig. Der Hauptpunkt liegt für mich in einem jahrzehntelangen gesellschaftlichen Versagen, das wir meinetwegen „Volksversagen“ nennen können, wobei ich hier 90 % der sog. Intellektuellen gleich noch mit dazu nehme. Solange in Demokratien immer nur die Politiker gewählt werden, die am meisten Wahlgeschenke versprechen, verschuldet man sich einfach zu Lasten späterer Wahlperioden. Wo ist denn auf der Welt die Bevölkerung, die Parteien mit soliden geldpolitischen Zielen wählen will? Außer in der Schweiz und in Singapur sehe ich hier keine ernsthaften Gruppierungen von nennenswerter Größe, weder in Ostasien noch in Nordamerika noch in Europa. Und dann kommt halt dasselbe raus wie bei der Edelmetallverwässerung römischer Münzen in der späten Antike, nur technische aufgerüstet zu quantitative easing und ähnlichem Unfug.
    Der manipulierte Zins ist doch selbst nur wieder ein Symptom, nämlich das einer Bevölkerung, die eine Regierung will, die Pleiten nicht zulassen will und Wahrheiten nicht hören will. Das fängt beim unreformierbaren Arbeitsmarkt in Südeuropa an, geht bei fehlendem Bildungswillen in den USA weiter und hört bei demographischen Augen-zu-Spielen in Japan noch lange nicht auf. So ist das nun einmal, wenn man in einer Demokratie für die eigene Generation Zeit kaufen kann. Die Deutschen sind übrigens mit 95 % gefühlter „Ich will ein Wahlgeschenk“-Wählerschaft meiner Meinung nach auch nicht besser. Nur die Wünsche der Leute unterscheiden sich. Aber ob mehr Hartz4, weniger Erbschaftsteuer oder zusätzlich Baukindergeld; man denkt unabhängig vom Einkommen nur an sich selbst und nicht mehr an nachfolgende Generationen. Das gilt finanziell, das gilt für das Klima und leider auch für viele andere Bereiche des Lebens. Es ist wohl wie bei der Allmende-Problematik. Die res publica umfasst wohl zu viele Personen, um noch an die Selbstzurückhaltung der Leute zu appelieren, wie dies in kleinen Clan- und Stammesverbünden wohl eher vermittelbar wäre.

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    • Dietmar Tischer says:

      >Der Hauptpunkt liegt für mich in einem jahrzehntelangen gesellschaftlichen Versagen, das wir meinetwegen „Volksversagen“ nennen können, wobei ich hier 90 % der sog. Intellektuellen gleich noch mit dazu nehme.>

      Das sehe ich vom Ansatz her genauso.

      Modifikation mit Blick auf die möglichen Perspektiven:

      Mit Blick auf die SITUATION der 80er Jahre, ab der die Verschuldung deutlich zunahm und das Wirtschaftswachstum überholte, kann man nicht von Versagen reden.

      Es war die Option, die in der Folge mehrere Jahrzehnte lang die Dinge (Beschäftigung vor allem) stabil gehalten hat.

      Das ist kein Versagen.

      Mit Blick auf die HEUTIGE Situation einer nicht mehr einfangbaren Verschuldungsdynamik ist das allerdings Versagen – und ganz richtig, kollektives Versagen.

      Oder kann mir irgendjemand eine Person, Regierung oder Institution nennen, die gesagt hat:

      Wir machen das jetzt einmal so, z. B. als Notenbank bezüglich unserer Geldpolitik, auch wenn wir WISSEN, dass dies irgendwann einmal zu einer nicht mehr beherrschbaren Krise führen WIRD?

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  2. Dietmar Tischer says:

    >Dabei ist die Krise in Wahrheit die Folge einer staatlich verordneten Manipulation des wichtigsten Preises überhaupt: des Zinses.>

    Das ist eine sehr gewagte Behauptung.

    M. A. n. wäre noch nicht einmal die Behauptung richtig, dass der Zins eine Folge staatlichen Handelns – ob manipuliert oder nicht – sei.

    Was die langfristigen Zinsen betrifft, würden Ihnen Ökonomen widersprechen.

    Nennen Sie bitte den Mechanismus einer „verordneten Manipulation“, wenn Sie Ihre Auffassung aufrechterhalten wollen.

    Meine Meinung:

    Die langfristigen Zinsen haben sich aufgrund einer sich ändernden Systemkonfiguration (Globalisierung, Demografie, technologischer Wandel, Warensättigung) geändert.

    Staaten sind als Akteure natürlich auch dabei.

    Sie haben die Zinsen m. A. n. vergleichsweise geringfügig beeinflusst, in den letzten Jahrzehnten durch Verschuldung und Nachfrage eher in Richtung eines höheren Niveaus, aber ganz gewiss nicht manipuliert.

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    • MT says:

      Na prima, dann schreiben sie das gleich dem Herrn Draghi: er könne sofort alle „Wertpapier“käufe einstellen und die Leitzinsen brav gemäß der Taylor Regel setzen.
      Sollte ja auch bestens laufen. Und er Sparte sich die ätzende Kritik des (für mich nur scheinbare) Dauernörglers Schäuble.
      Win-win.

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      • Dietmar Tischer says:

        >Na prima, dann schreiben sie das gleich dem Herrn Draghi: …>

        Ich verstehe nicht, was Sie mir damit sagen wollen.

        Ich habe hier doch nicht gesagt, WER WAS tun sollte.

        Ich habe versucht, zu ERKLÄREN, mit welcher Handlungsorientierung was zustande gekommen ist und wie dies aus welcher Perspektive wie zu bewerten ist.

        Zu Draghi und den Notenbanken könnte ich konsistent mit meiner Auffassung sagen:

        Auch sie wählen die OPTION, die auf KURZE Sicht großen Schaden vermeidet.

        Oder wie ich woanders geschrieben habe:

        Es ist die Leistung der Notenbanken, dass eine Große Depression bisher vermieden werden konnte.

        Wenn die Krise eingetreten ist, wird man ihr Tun sicher anders bewerten.

    • Paul Ziegler says:

      Ohne der Antwort von Hrn. Stelter vorgreifen zu wollen, aber m.E. war und ist die Förderung des Investments in Staatsanleihen, oder in den USA auch Anleihen anderer Gebietskörperschaften, durch regulatorische Vorschriften aller Art der Sündenfall. Insb. die Basel-Eigenkapitalvorschriften begünstigen staatliche Anleihen immens, ohne dass dies auch nur im Entferntesten etwas mit sinnvoller Kapitalallokation bzw. „Marktwirtschaft“ zu tun hat.
      Das gleiche gilt natürlich auch für Versicherungen, Pensionsfonds, etc. Dort waren es eher Vorschriften der Art, dass z.B. Wechselkursrisiken vermieden werden müssen, usw. Wir sehen also, dass seit Jahrzehnten von staatlicher Seite Risikobewertungen privater Investoren massiv verzerrt werden. Die Aktivitäten von Zentralbanken kommt dann noch obendrauf.

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      • Dietmar Tischer says:

        >… durch regulatorische Vorschriften aller Art der Sündenfall>.

        Das kann man so sehen vom Standpunkt konsequent alles umfassender Marktwirtschaft.

        Mein Punkt ist aber (siehe weiter oben @ Wolfgang Selig):

        Auch die regulatorischen Vorschriften sind KOLLEKTIV gewollt worden, zumindest nicht gegen einen mehrheitlich artikulierten Willen zustande gekommen.

        Was Dr. Stelter zu belegen hätte:

        Die Welt war so wie sie war mit „normalen“ Zinsen.

        Dann hat irgendwann einmal der Staat MANIPULATIV eingegriffen, d. h. derart, dass sie sich verändert haben.

        Es muss der Aussage nach eine oder von mir aus auch mehrere URSÄCHLICHE staatliche Handlungen gegeben haben, die – und NUR die (!) – das Zinsniveau verändert haben.

        Anders kann man die Aussage nicht verstehen.

        Dass wir als Wähler, Uninteressierte, Wissende und Versicherungen, Pensionsfonds sowie der Staat durch seine Organe und Institutionen in der einen oder anderen Art und Weise MITBETEILIGTE sind, ist eindeutig etwas anderes als Dr. Stelter sagt.

        Und es ist etwas Kontraproduktives, weil Irreführendes, was er sagt:

        Er macht den Staat bzw. die Regierungen ALLEIN haftbar für etwas, das sie nicht allein zu verantworten haben, wie auch Sie sehen, wenn Sie mit „Das gleiche gilt …“ auf Versicherungen und Pensionsfonds etc. verweisen.

        M. A. n. ist das nicht hilfreich für das Verständnis, warum die Welt und das Zinsniveau so sind, wie sie sind.

  3. Felix Kurt says:

    Staatlich beeinflusst/manipuliert/reguliert: genannt seien hier Stichworte wie: „Mündelsichere Anlagen“, „Deckungsstockfähige Anlagen“, Vorschriften des Kapitalanlagerechts, welche direkt die Asset Allokation, also Höchst- oder Mindest-Grenzen für bspw. Aktien-, Rentenanteile, Vorschriften/Regulierung der Anlagerichtlinien für Versicherungen und Pensionsfonds, etc. …..

    Nicht zuletzt, weil der Staat als größter Schuldenmacher seine (günstige) Refinanzierung sichern will.

    Bspw. die Zinskonvergenz seit den 90ern im Zuge der Euro-Einführung spiegelt nicht die individuellen Risiken der Länder wieder. Diese wurden durch politische, also staatliche Regeln „überschrieben“.

    „KOLLEKTIV GEWOLLT“, wie Herr Tischer schreibt, kann ich mir nicht vorstellen. Für diese Regulierung durch den (hier deutschen) Staat fehlt der Bevölkerung die Transparenz und das Wissen. Das versteht selbst der kleine Bevölkerungsanteil der beruflich damit Befassten nur teilweise. Wie soll da ein „mehrheitlich artikulierter Wille“ zustande gebracht werden?? Und nur, weil dieser nicht expressis verbis vorlag/vorliegt, kann der Umkehrschluss nicht gelten, dass die „Mehrheit“ es will/gut findet.

    Der DIREKTE EINGRIFF der deutschen Versicherungsaufsicht im Sommer 2002 – mit der Aufforderung das Aktienexposure (die Kurse waren bereits auf einem tiefen Niveau) zu reduzieren – hatte nochmals dramatische Konsequenzen. Dass die Aktienkurse darauf hin bis März 2003 nochmals deutlich unter Druck kamen bestätigt nicht die Richtigkeit dieses Eingriffs, sondern war URSACHE.

    Schlimmer noch: Keine Versicherung/Pensionsfonds hat anschließend das niedrige und nach dem dramatischen Kursrückgang nun risikoarme Kursniveau genutzt (weil sie es nicht durften), um das Aktienexposure wieder zu erhöhen. Zum Teil, oft leider zum großen Teil bis heute nicht. Dadurch ist den Versicherten ein IMMENSER ERTRAGS-SCHADEN entstanden.

    Es liegt in der Natur der vielfach vorgeschriebenen RISIKO-MATHEMATIK, dass das Risiko NACH einem drastischen Kursereignis, i.d.R. ein Kurssturz, am höchsten und deswegen die Allokation am geringsten ist. Bei vergleichsweise stetig steigenden Kursen, als besonders nach längeren Phasen von Kurssteigerungen ist das statistische Risiko am geringsten: mit anderen Worten: wenn das Preis-/Wert-Verhältnis unattraktiv geworden ist. Allerdings ist dann PARADOXERWEISE das tatsächliche Risiko eher wieder hoch und die Assetklasse wieder niedriger zu gewichten.

    All dies hat nichts mit effizienten Märkten zu tun, so dass die Wahrnehmung (weil z. B. regulatorisch, definitorisch vorgegeben) und Bepreisung von RISIKO nicht/nicht alleine durch den Markt erfolgt, sondern durch all die Eingriffe verzerrt ist.

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    • Dietmar Tischer says:

      >„KOLLEKTIV GEWOLLT“, wie Herr Tischer schreibt, kann ich mir nicht vorstellen.>

      Ich glaube, dass ich Sie verstehe.

      Wenn mit „gewollt“ eine EXLIZITE Willenserklärung gemeint ist, haben Sie natürlich völlig recht.

      Die hat es mehrheitlich nie gegeben und wird es bei derartigen Entwicklungen auch nie geben.

      Wenn doch, müssten die Leute die Zusammenhänge mindesten einigermaßen verstehen und es hätten Abstimmungen veranstaltet werden müssen.

      Insofern: „gewollt“ kann man so verstehen.

      Ich verstehe es anders und habe das, glaube auch zum Ausdruck gebraucht:

      Viele haben dran gestrickt, wie schon gesagt die Regierungen und Kapitalsammelstellen etc., etc.

      und wir alle haben es GEWOLLT, weil es keinen Protest dagegen gegeben hat.

      Also: gewollt im Sinne STILLSCHWEIGENDER Billigung.

      So ist es mit vielem, letztlich z. B. auch mit der Währungsunion:

      Ein paar Ökonomen mit Bedenken, immerhin, die große Mehrheit war zufrieden damit.

      Dann kam eines zum anderen und die Dinge haben sich weiterentwickelt.

      Bei der Verschuldung genauso wie bei der Eurozone.

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  4. Dietmar Tischer says:

    Jetzt, da kaum noch etwas zu retten ist, wird es geradezu grotesk.

    Hier das OFFIZIELLE Statement zur „Rettung“ der italienischen Vorzeigebank Monte dei Paschi:

    http://finanzmarktwelt.de/bankenrettung-in-italien-der-totale-eu-irrsinn-jetzt-amtlich-im-wortlaut-in-deutscher-sprache-hier-bei-uns-62925/

    Unfassbar, wie hier die EU-Kommission und mitbeteiligt die EZB uns für dumm verkaufen.

    Und das unverschleiert, mit einer Unverfrorenheit, die zum Himmel schreit.

    Aber keine Angst, es wird keinen Aufschrei einer revolutionären Bevölkerung geben.

    Warum auch, gerettet ist gerettet und morgen scheint die Sonne.

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