Das monetäre Endspiel wird vorbereitet

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager magazin:

Vor zehn Jahren erreichte die Panik an den Finanzmärkten ihren Höhepunkt. Die Notenbanken haben damals die Kernschmelze verhindert. Der Preis war allerdings hoch.

Am 6. März 2009 musste man Mut haben. Die Stimmung war schlecht, das Szenario einer neuen großen Depression real und die Börsenkurse im freien Fall. Dennoch war genau an diesem Freitagnachmittag der Tiefpunkt an der Wall Street erreicht. Bei 666 Punkten drehte der S&P 500 wieder nach oben. Wer damals zugriff und bis heute an den Aktien festgehalten hat, darf sich über Gewinne von mehr als 300 Prozent freuen.

Einmal mehr waren es die Notenbanken, die die Finanzmärkte und auch die Realwirtschaft gerettet haben. Mit einer wahren Flut an Liquidität gelang es, das völlig überschuldete Finanzsystem zu stabilisieren und den Märkten das Vertrauen zurückzugeben. Steigende Vermögenspreise waren die zwingende Voraussetzung, da nur so die Abwärtsspirale gestoppt werden konnte. Sonst wäre es zu einer weiteren Welle an Zwangsliquidationen, verfallenden Vermögenspreisen und Konkursen gekommen. Der gefürchtete Margin Call hätte zur Kernschmelze geführt.

Fortsetzung der falschen Politik

Die Notenbanken, als Retter gefeiert, tragen in Wahrheit erhebliche Mitschuld an der Krise. Immer, wenn es an den Finanzmärkten oder in der Wirtschaft zu Turbulenzen kam, haben die Notenbanken der westlichen Welt schnell gehandelt. Zinsen wurden gesenkt und mehr Liquidität in die Märkte gepumpt. Anschließend wurden die Zinsen allerdings nie wieder auf das vorherige Niveau erhöht. So sanken die Zinsen über die Jahrzehnte immer tiefer. In Europa wurde dies durch die Einführung des Euro noch verstärkt, weil die EZB die Zinsen – aus Rücksicht auf das damals kränkelnde Deutschland – jahrelang zu tief hielt und erst den Schulden- und Immobilienboom in den heutigen Krisenländern ermöglichte.

Damit wurde es immer attraktiver, auf Kredit zu spekulieren. Je höher verschuldet das System ist, desto größer ist die Krisenanfälligkeit und umso bedrohlicher auch jede Krise. Deshalb mussten die Notenbanken immer heftiger intervenieren, was wiederum einen Anreiz gab, noch mehr Schulden zu machen, weil es nochmals deutlich billiger wurde. Das Medikament, das die Notenbanken geben, verstärkt die Krankheit.

Nach 2009 wurde die Dosis auf ein zuvor undenkbares Niveau gesteigert. Für über 11.000 Milliarden US-Dollar kauften die Notenbanken der USA, der Eurozone und Japans vorhandene Wertpapiere – überwiegend Staats- und Unternehmensschulden. Mit der bekannten Nebenwirkung: Statt ein Sinken der Schuldenlast zu bewirken, haben die Notenbanken den Schuldenberg weiter aufgebläht. Die Welt ist mit über 325 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, 75 Prozentpunkte mehr als 2007. Waren es vor 2009 vor allem die privaten Haushalte, steig in den letzten Jahren vor allem die Unternehmensverschuldung deutlich. In den USA trieben die Unternehmen den schuldenfinanzierten Rückkauf eigener Aktien so weit, dass sogar der IWF hier einen möglichen Auslöser für eine erneute Finanzkrise sieht.

 Zinsen müssen immer weiter sinken

Diese steigende Schuldenlast ist dabei kein Zufall, sondern zwingende Voraussetzung, um die Illusion der Bedienung der bestehenden Schulden aufrechtzuerhalten. Die Nebenwirkung gehört also dazu, wenn man unser Schuldgeldsystem eine Runde weiter bekommen möchte. Genauso wie die Nebenwirkung immer höherer Assetpreise, da Geld, das zunehmend weniger kostet, zwangsläufig die Besitzer von Vermögenswerten begünstigt. Nichts anderes steht hinter der von Piketty und Co. kritisierten Abkopplung der Vermögen von den Einkommen. Ohne zunehmenden Leverage (also Verschuldungsgrad) gibt es keine weiter steigenden Vermögenspreise. Blasen sind so gesehen keine zufälligen Ereignisse, sondern gehören zwangsläufig dazu.

Wie auch die andere Nebenwirkung: die zunehmende Zombifizierung der Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen und Banken existieren nur noch, weil Geld (fast) nichts kostet. Diese Unternehmen sind zwar nicht offiziell insolvent, sie tragen jedoch nicht zum Wachstum der Wirtschaft bei, sondern belasten die gesunden Unternehmen zusätzlich. In der Folge sinken die Produktivitätsfortschritte und damit das WirtschaftswachstumZugleich wächst der deflationäre Druck. Überkapazitäten, Fehlinvestitionen und der wachsende Anteil neuer Schulden der nur dazu dient, die Zinsen auf den Altschulden zu bedienen, erdrücken die Realwirtschaft immer mehr. Bewirkte ein US-Dollar neue Schulden in den 1960er-Jahren noch rund 80 Cent mehr BIP, so sank der Wert auf 30 Cent in den 1990er-Jahren und auf rund zehn Cent seit dem Jahr 2000. Heute ist die Wirkung nahe null. Dies gilt überall. Auch in China hat der realwirtschaftliche Effekt neuer Schulden dramatisch abgenommen.

Damit werden die Schulden noch weniger tragbar. Immer geringer ist der Risikopuffer, den wir haben. Damit ist aber auch klar, dass ein Schock die gesamte Konstruktion zum Einsturz bringen kann. Diese Sorge ist berechtigt, wie die Fülle an Krisen an den Finanzmärkten in den letzten 30 Jahren unterstreicht: Crash 1987, Sparkassenkrise in den USA, Blase in Japan, Krise in Südamerika, Asienkrise, Dotcom-Blase, Finanzkrise. In jedem dieser Fälle kam es vor dem Einbruch zu einem Anstieg der Zinsen.

Allerdings kam der Einbruch, als die Zinsen mehr und mehr sanken. Das kann nicht verwundern, denn die immer höhere Verschuldung ist nur mit tieferen Zinsen tragbar. Schon vor Jahren warnte deshalb die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dass wir Gefangene der Verschuldung sind. Tiefe Zinsen heute regen die Verschuldung weiter an, weshalb wir morgen noch tiefere Zinsen brauchen, um die Last überhaupt tragen zu können. Präziser: um weiterhin die Illusion aufrechtzuerhalten, die Schulden zu bedienen.

Die Notenbanken in der Ecke

Die Notenbanken haben sich in eine ausweglose Situation manövriert. Die Angelsachsen würden sagen: „They painted themselves into a corner.”

  • Sie haben es mit einer Rekordbewertung der Assetmärkte zu tun. Ursache sind tiefe Zinsen und ein Rekord-Leverage. Die Börsen dürften relativ zum BIP nicht nur in den USA den höchsten Stand der Geschichte erreicht haben, sondern weltweit.
  • Sie haben es mit einer Rekordverschuldung der Realwirtschaft zu tun.
  • Sie befinden sich in einem Währungskrieg miteinander. Immer darauf achtend, dass der Wert der eigenen Währung nicht zu stark steigt.
  • Sie stecken im Dilemma, Inflation nicht zulassen zu dürfen, sie eigentlich aber anzustreben, um die Schulden real zu entwerten.
  • Sie müssten eigentlich die Zinsen deutlich erhöhen, um sie in der nächsten Krise ausreichend senken zu können, wissen aber, dass es eine überschuldete Weltwirtschaft und ein auf Leverage gebautes Kartenhaus schlecht verkraften, wenn die Zinsen steigen.
  • Sie haben es mit einer weitgehend dysfunktionalen Politik zu tun. In den USA beschließt man am Höhepunkt des Aufschwungs Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme auf Kredit und bricht zugleich einen globalen Handelskrieg vom Zaun. In Europa veranstaltet die EU eine Strafaktion gegen Großbritannien, um andere Länder von ähnlichen Ausstiegsüberlegungen abzuhalten. Gleichzeitig wird eine wirkliche Lösung der Eurokrise verschleppt, was daran liegt, dass man sich mit Scheinlösungen beschäftigt.

Die Notenbanken sind nicht unschuldig an dieser Situation. Sie ist die Folge einer Politik, die dreißig Jahre einseitig daraufgesetzt hat, die Verschuldung nach oben zu treiben. Mitleid ist deshalb nicht angezeigt.

Endspiel oder nächste Runde?

Das führt zu der spannenden Frage, ob die nächste Krise schon das Endspiel einleitet. Oder fällt den Notenbanken gar noch etwas ein, um das System eine Runde weiter zu bekommen und allen ein paar weitere angenehme Jahre steigender Vermögenspreise, stabiler Konjunktur und Wohlstandsillusion auf Pump zu ermöglichen?

Dass Notenbanker und Politiker über dieses Thema intensiv nachdenken, zeigt die Flut an Testballons, die in den letzten Jahren aus der akademischen Welt lanciert wurden. Glaubt jemand ernsthaft, dass Institutionen wie der IWF nur theoretische Fingerübungen machen, wenn sie Studien und Arbeitspapiere veröffentlichen? Ich nicht.

Die Liste der in die Diskussion gebrachten Ideen ist durchaus in sich konsistent. Es geht darum, den Notenbanken den Weg zu noch negativeren Zinsen und weiteren umfangreichen Liquiditätsspritzen zu ermöglichen und zugleich die Fluchtmöglichkeiten aus dem System zu begrenzen:

  • Kampf gegen das Bargeld: Schon seit Jahren läuft eine Kampagne gegen die Nutzung von Bargeld. Zunächst haben Ökonomen wie der ehemalige Chefvolkswirt des IWF, Kenneth Rogoff, dafür plädiert, Bargeld möglichst weitgehend abzuschaffen, vordergründig, um Schattenwirtschaft und Kriminalität zu bekämpfen. Dann wurde der 500-Euro-Schein abgeschafft, was die Lagerkosten für Bargeld deutlich erhöht. Nun kam der IWF mit der Idee, Bargeld zu versteuern für den Fall, dass es auf dem Bankkonto Negativzinsen gibt. All dies passt zu dem Szenario einer geplanten Entwertung von Geld und damit von Forderungen und Schulden.
  • Kampf gegen das Gold: Passend dazu erklärt der IWF in einem weiteren Arbeitspapier, dass Gold ein destabilisierender Faktor für die Wirtschaft ist. Dies ist natürlich richtig, wenn man ein System unterstützt, in dem beliebig viel Liquidität geschaffen werden kann und soll, um die Wirtschaft zu beleben. Da nirgendwo eine Rückkehr zum Goldstandard erkennbar ist, fragt man sich schon, wieso der IWF gerade heute mit diesem Thema kommt. Ein Grund könnte sein, damit eine solide Finanz- und Geldpolitik (wie sie in der guten alten Zeit von Deutschland betrieben und gefordert wurde) zu diskreditieren. Ein anderer, die moralische Argumentation für eine Einschränkung privaten Goldbesitzes zu liefern. Denn Gold ist das ultimative Geld, in das man flüchten kann und sollte angesichts dessen, was uns bevorsteht. Wer denkt, ein Verbot privaten Goldbesitzes sei undenkbar, der sei an die deutsche, aber auch US-amerikanische Geschichte erinnert!
  • Kapitalverkehrsbeschränkungen: Passend dazu werden Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs in Abhängigkeit vom Umfeld als geeignetes Instrument gesehen, um Krisen vorzubeugen und Finanzmärkte zu stabilisieren. Dabei sind sie unvermeidbar, wenn man die Flucht der Sparer verhindern will. Fallen Bargeld und Gold als Ausweichmöglichkeiten weg, muss nur noch die Flucht in ausländische Währungen abgewendet werden, um die Sparer unter Kontrolle zu bekommen.
  • Monetarisierung der Schulden: Sind Ausweichreaktionen unter Kontrolle gebracht, kann man sich auf die „Lösung“ des Schuldenproblems konzentrieren. Da ist zunächst die schon länger diskutierte „Monetarisierung“ der Schulden. Gemeint ist, dass die Notenbanken die aufgekauften Schulden von Staaten und Privaten einfach annullieren. Sie könnten sie auch einfach für hundert Jahre zins- und tilgungsfrei stellen, was ökonomisch auf das Gleiche hinausliefe. Beobachter gehen davon aus, dass eine solche Maßnahme, so sie denn einmalig bleibt, keine Gefährdung für den Geldwert darstellte. Was wirklich passiert, wird man sehen. In Japan, das uns auf dem Weg der Monetarisierung einige Jahre voraus ist, dürfte es schon in wenigen Jahren dazu kommen.
  • Helikopter-Geld: Das Entsorgen der Altschulden über die Bilanzen der Notenbanken dürfte zur Lösung der Probleme nicht genügen. Die Zombies wären weiter da, die ungedeckten Verbindlichkeiten der Staaten blieben ungedeckt, die Produktivitätsfortschritte wären immer noch schwach und die Erwerbsbevölkerungen würden deutlich zurückgehen. Das Wachstum bliebe also zu gering, um soziale Spannungen zu mindern. Die Antwort darauf liegt in staatlichen Konjunkturprogrammen, direkt von den Notenbanken finanziert. In Anlehnung an Milton Friedman spricht man von „Helikopter-Geld“. Das wird in diesem Fall nicht aus Helikoptern abgeworfen, sondern dem Staat geschenkt, damit der es unter die Leute bringt, zum Beispiel, indem er investiert. Auch hier mehren sich die Stimmen in der Wissenschaft, die in diesem Vorgehen das Normalste aller Dinge sehen.
  • Modern Monetary Theory (MMT): Doch warum eigentlich nur im Krisenfall den Staat direkt von der Notenbank finanzieren lassen? Wäre es nicht ohnehin besser, wenn man den Staat dauerhaft und großzügig direkt von der Notenbank finanzierte, anstatt wie heute den Umweg über die Geschäftsbanken zu gehen? Vorreiter dieser Überlegungen, bezeichnen es als „Modern Monetary Theory“. Als Skeptiker müsste man anführen, dass es so „modern“ nicht ist, wurde es doch schon in der Weimarer Republik ausprobiert. Die Befürworter sehen das natürlich ganz anders. Ihnen zufolge können Staaten, die die Kontrolle über die eigene Notenbank haben (also z. B. die USA, aber eben nicht Italien) so viel neu geschaffenes Geld ausgeben, wie sie wollen, solange die Wirtschaft unausgelastete Kapazitäten hat, sowie innovativ und produktiv genug ist, um alle Wünsche zu erfüllen! Und sollte dennoch Inflation drohen, müsste der Staat über Steuern nur einen größeren Teil des Geldes, das er in den Kreislauf gebracht hat, wieder entziehen. So gesehen, waren Zimbabwe, Venezuela und Weimar-Deutschland auf dem richtigen Weg und haben nur bei der Beststeuerung nicht richtig aufgepasst. Sogar der nicht gerade staatskritische Nobelpreisträger Paul Krugman steht der Idee skeptisch gegenüber. Egal, was man von der Idee hält, sie zeigt ganz klar, in welche Richtung es geht.

Nachdem sie sich selbst in die Ecke manövriert haben, werden die Notenbanken in der nächsten Krise – die nicht eine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“ ist – alles auf eine Karte setzen. Das Endspiel der bestehenden Geldordnung steht bevor. Schwer vorstellbar, dass sie das übersteht.

→ manager-magazin.de: „Das monetäre Endspiel steht bevor“, 5. März 2019

39 Kommentare
  1. Avatar
    foxxly sagte:

    ……… ich verstehe nicht ganz, warum die notenbanken am ende sein sollten? ja, der zinsspielraum ist eingeengt. aber sie können und werden weiter unmengen an geld drucken. natürlich ist die langfristig auch keine lösung. aber, welche lösung erwarten wir mit diesen schuldgeldsystem, wo es niemals eine lösung geben kann? dieses system ist auf aufbau und zerstörung programmiert, – ausweglos!
    das geld darf niemals den banken, oder einer anderen institution gehören. es muss ausschließlich dem volke gehören und die allfallenden zinsen selbst einnehmen!!

    Antworten
  2. Avatar
    Lentz sagte:

    Die Institutionen sind auf der einen Seite, die Bürger auf der anderen. Beide benötigen Geld für ihre Existenz und so laufen die Ansprüche gegeneinander. Der Erfindungsreichtum auf der Finanzseite ist nicht zu unterschätzen. Fraglich ist, was der Bevölkerung davon noch „verkauft“ werden kann.

    Ich gehe davon aus, dass in vielen Ländern nur noch ein entscheidender Funke fehlt. Frankreich ist das jüngste Beispiel, wo quasi aus dem Nichts die Bewegung der Gelben Westen entstand. Seitdem befindet sich das Land am Rande eines Bürgerkriegs, in dem auch die Polizei mit entsprechender Bewaffnung agiert. Es gibt etliche Schwerverletzte und Tote bei den Demonstranten. Man versucht also im wahrsten Sinne des Wortes mit aller Gewalt am System festzuhalten.

    Von daher bin ich mir nicht sicher, ob es zu einem Unfall im Finanzsystem kommt oder ob der Crash doch eher von der Straße ausgeht.

    Antworten
    • Avatar
      Zweifler sagte:

      @lentz
      „am Rande eines Bürgerkriegs“???
      Na,na, ist schon ziemlich übertrieben. Demos mit Toten hat es auch in den 68ern gegeben, aber Bürgerkrieg ist schon ein ganz anderes Kaliber.
      Aber vielleicht hätten Sie ihn gern, den Bürgerkrieg, genau wie @Mlynek, der darin die Lösung sieht.
      Ich will niemandem was unterstellen oder jemanden beleidigen, aber ich behaupte mal ganz allgemein, daß sich Loser-Naturen häufig Krieg wünschen.

      Antworten
      • Avatar
        guguk sagte:

        Es wird Krieg geben.
        Ob man will, oder nicht.
        Und dieser Krieg wird ein Weltkrieg sein und Jahre dauern.
        Die einzige Möglichkeit, durch massivste Zerstörung das Finanzsystem zu retten und für weitere 100 Jahre fit zu machen.
        Die Herren des Geldes wissen schon, wie man das machen muss…..
        Und das Volk ist zu dumm, um zu verstehen.

  3. Avatar
    foxxly sagte:

    ich denke, dass die „lenker“ zunächst noch alles daran setzen, damit es nicht zu einem vorzeitigen crash /reset kommt. ein totaler zusammebruch ist auch für diese machthaber ein etwas unkalkulierbarer ausgang. ausserdem wird vor dem crash noch mehr von unserer arbeitskraft und laufender enteigung, von unten nach oben umverteilt. das wollen die, sollange es irgendwie geht. trotz aller zuspitzung müssen wir auch damit rechnen, dass der reset erst in einigen jahren kommt

    Antworten
  4. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Das führt zu der spannenden Frage, ob die nächste Krise schon das Endspiel einleitet.“

    Das werden die Eliten zum aktuellen Zeitpunkt selbst noch nicht entscheiden können.
    Ausschlaggebend wird sein, wie sich dieses dynamische System in der Krise entwickelt, denn niemand, auch nicht die besten Hedge Fonds oder Notenbanken, haben den vollständigen Überblick über das Gesamtsystem und können psychologische Reaktionen unterschiedlicher Marktteilnehmer fehlerfrei vorhersagen.

    Als Privatanleger sollte man sich auf beides vorbereiten: nächste Runde UND Endspiel. Gold außerhalb der EU und die eigene Bildung (bzw. die der Kinder) gehören in beiden Fällen dazu, langlaufende Staatsanleihen aus dem Euro-Raum definitiv in beiden Fällen nicht. Insofern sind auch Gemeinsamkeiten bei beiden Varianten feststellbar.

    Bei Aktien oder Immobilien ist der Unterschied „Endspiel oder nicht“ schon groß, denn er entscheidet maßgeblich über Ein- und Ausstiegszeitpunkte.

    Antworten
  5. Avatar
    Arda Sürel sagte:

    ‚Kampf gegen das Gold: …Da nirgendwo eine Rückkehr zum Goldstandard erkennbar ist …‘

    Die Staaten Asiens sind gerade dabei, die Reserven Ihrer Zentralbanken weitestmöglich vom Dollar zu diversifizieren und u.a. durch Gold zu ersetzen und ihre internationalen Transaktionen so weit es geht, im Rahmen von Gold-unterstützten Systematiken zu verwirklichen. Dieser Prozess ist erst am Anfang, wird aber immer mehr als unerlaesslich erachtet.

    ‚Monetarisierung der Schulden: … Gemeint ist, dass die Notenbanken die aufgekauften Schulden von Staaten und Privaten einfach annullieren…. Beobachter gehen davon aus, dass eine solche Maßnahme, so sie denn einmalig bleibt, keine Gefährdung für den Geldwert darstellte.‘

    Was diese Beobachter aber vielleicht nicht beobachten ist, dass waehrend des Prozesses des Aufkaufs von Schulden in vermutlich Billionenhöhe – Schulden, die derzeit weitgehend von Finanzinstitutionen gehalten werden – eine Blase aufgeblasen wird, die dann irgendwann platzen muss. Das Geld landet – nach einem Schuldaufkauf – z.B. auf dem Reservekonto einer Bank und diese ist dann sofort mit dem Problem konfrontiert, dass sie irgendwas mit diesem Geld anfangen muss. Die Kredite, die zur Lösung dieses Problems vergeben werden, dürften eine Form darstellen, wie besagte Blase aufgeblasen werden kann. Die Rückzahlung besagter Summen an die Einleger und eine Bilanzverkürzung, würde das Problem auf die Einleger verlagern, die – falls sie sich entscheiden das Geld auszugeben – dann z.B. eine Inflationsblase erzeugen können.

    Auch Helikopter-Geld und MMT kommen an dem Grundproblem, dass ein Schuldenüberhang nur (ich ignoriere das irreale ‚Herauswachsen‘) bewusst politisch abgeschrieben oder eben weginflationiert werden kann, nicht vorbei. Und bei den Volumina, um die es geht, handelt es sich um Hyperinflation.

    Antworten
    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      @ Arda Sürel

      „Das Geld landet – nach einem Schuldaufkauf – z.B. auf dem Reservekonto einer Bank und diese ist dann sofort mit dem Problem konfrontiert, dass sie irgendwas mit diesem Geld anfangen muss.“

      Wie stellen Sie sich das ganz konkret vor? Es ist Geld im Geldreislauf der Banken. Diese Menge kann nicht abnehmen, sofern die Zentralbank dies nicht möchte und mit diesem Geld kann eine Bank auch nicht aktiv operieren. Sie kann lediglich über den Interbankenmarkt für eine andere Verteilung zwischen den Banken sorgen. Auch hier gilt das Hot-Potatoe-Phänomen von Tobin: https://cowles.yale.edu/sites/default/files/files/pub/d01/d0159.pdf

      Bei der Kreditgewährung an eine Nichtbank entsteht hingegen immer neues zusätzliches Geld im zweiten Geldkreislauf der Privaten.

      „Auch Helikopter-Geld und MMT kommen an dem Grundproblem, dass ein Schuldenüberhang nur (ich ignoriere das irreale ‚Herauswachsen‘) bewusst politisch abgeschrieben oder eben weginflationiert werden kann, nicht vorbei. Und bei den Volumina, um die es geht, handelt es sich um Hyperinflation.“

      Von daher ist meine Empfehlung ja eine Mischung aus Helikoptergeld und Erbschaftssteuer, damit das fiktive Kapital gerade keine stark inflationären Wirkungen haben kann.

      Der Mechanismus einer Hyperinflation ist mir immer noch nicht plausibel in gesättigten Märkten mit Überkapazitäten. Dazu müsste es mAn zuerst zu einem desaströsen Deflationsschock kommen, der zu Masseninsolvenzen führt und einen großen Teil des Kapitalstocks entwertet/vernichtet.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  6. Avatar
    horst sagte:

    „Steigende Vermögenspreise waren die zwingende Voraussetzung, da nur so die Abwärtsspirale gestoppt werden konnte. Sonst wäre es zu einer weiteren Welle an Zwangsliquidationen, verfallenden Vermögenspreisen und Konkursen gekommen. Der gefürchtete Margin Call hätte zur Kernschmelze geführt.“

    Waren/sind steigende Vermögenspreise nicht zwingende Voraussetzung, um die Bilanzen der an die Realwirtschaft Kredit gebenden Geschäftsbanken zu stabilisieren im Prozess der Einhaltung der Basel III-Vorschriften?

    Wäre es dann nicht vor allem zu einer Welle von Konkursen unter den Geschäftsbanken gekommen?

    Einigkeit besteht dahingehend, dass der Margin-Call wohl zu einer Kernschmelze geführt hätte, die sich dann auch auf die Realwirtschaft übertragen hätte.

    „Mit einer wahren Flut an Liquidität gelang es, das völlig überschuldete Finanzsystem zu stabilisieren und den Märkten das Vertrauen zurückzugeben.“

    Über diese Form der Stabilisierung kann ebenfalls trefflich gestritten werden, siehe z.B. hohe Jugendarbeitslosigkeit in der südlichen EU-Peripherie. Dennoch, was auch immer als stabil gelten mag, in Europa sind wir von bürgerkriegsähnlichen oder 1929-Szenarien weit entfernt, trotz aller Missstände.

    „Die Welt ist mit über 325 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, 75 Prozentpunkte mehr als 2007.“

    Fast jeder private Immobilieneigentümer ist höher verschuldet; dieser hat in aller Regel auch nur seine Arbeitskraft und nicht den Spielraum von Staaten (Steuergesetzgebung) und Notenbanken (s. QE, LTRO etc.), um ausstehende Kreditlinien zu bedienen. Warum der Aufschrei?

    Antworten
  7. Avatar
    Ehnibald sagte:

    Eine Frage treibt mich seit längerem um, nämlich inwieweit Probleme durch die Globalisierung oder durch die grottenschlechte Politik deutscher und europäischer „Politiker“ entstehen. Die Eurokrise ist in erster Linie hausgemacht, die Niedrigzinssituation generell ist ein allgemeines Phänomen, das man unter der Globalisierung subsummieren könnte…

    Womit ich mich nun schwertue, ist einzuschätzen, ob nun der Euro noch vor dem globalen Meltdown zusammenbricht. Falls ja, könnte Deutschland in völlig naivem Vertrauen auf die Einhaltung von Regeln durch Andere (selber nicht unbedingt) regelrecht zusammenbrechen (z.B. Staatspleite durch Haftungs- und Schuldenübernahme etwa als letztes verbleibendes Euroland und/oder Hyperinflation, dadurch Zunahme sozialer Spannungen und Kriminalität aufgrund nicht mehr bezahlbarer Sozialpolitik), vermutlich je später desto schlimmer. Falls nein, würden nicht die radikalen Maßnahmen, die im Artikel von Herrn Dr. Stelter beschrieben werden, die Probleme der Eurozone übertünchen und damit den Euro auf mehrere Jahrzehnte „retten“?

    Antworten
      • Avatar
        Quintus sagte:

        @ Michael Stöcker
        Hier ist jemand deutlich pessimistischer:
        https://connectiv.events/neue-zahlen-der-deagel-liste-deutschlands-bevoelkerung-schrumpft-auf-ein-drittel/

        Liste der Partner,welche dieser Seite Daten zur Verfügung stellen,(offiziell):
        National Security Agency
        North Atlantic Treaty Organization (NATO – OTAN)
        Organisation for Economic Co-operation and Development (OECDOSCE)
        Russian Defense Procurement Agency
        Stratfor (George Friedman)
        The World Bank
        United Nations (UN)

        Dieses Szenario soll im übrigen NUR durch den Kollaps des Finanzsystems der westlichen Welt und der daraus resultierenden Folgen eintreten! Wenn man sich die Bevölkerungsreduktion von Minus 77% für GB anschaut, so wird wohl bereits mit einem harten Brexit gerechnet, der einen, der EU vorauseilenden, wirtschaftlichen Abschwung hervorrufen wird.
        Ziemlich starker Tobak….

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        „Dieses Szenario soll im übrigen NUR durch den Kollaps des Finanzsystems der westlichen Welt und der daraus resultierenden Folgen eintreten!“

        Insofern sollten wir es nicht kollabieren lassen. Demografie ist eine echte Herausforderung aber angesichts von Industrie 4.0 eigentlich kein wirkliches Problem. Sind in Japan schon die Lichter ausgegangen?

        Ich halte es hier mit Mark Twain:

        „Wenn man die Zeitung nicht liest, ist man nicht informiert. Wenn man die Zeitung liest, ist man falsch informiert.“

        Oder um mal wieder Goethe zu zitieren:

        „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“

        Oder aber in unseren unaufgeklärten Tagen mit Kant argumentieren:

        „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

        Wer sich übrigens über das Mysterium Geld „aufklären“ lasen möchte, der sollte sich hierhin verirren: https://was-ist-geld.de/

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Damit wollen Sie reflexartig Wahrheiten verkünden und zitieren quer durchs Gemüsebeet, ohne auch nur einen durchgängigen Gedanken entwickeln zu können.

        Wenn man in „unseren unaufgeklärten Tagen“ mit Kant argumentieren will, muss ihn erst einmal verstehen.

        Der von Ihnen zitierten Passage folgt u. a. Folgendes:

        „Zu dieser Aufklärung wird aber nichts erfordert als FREIHEIT; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken ÖFFENTLICHEN GEBRAUCH zu machen“ (Hervorhebungen von Kant, D.T.).

        „Öffentlichen Gebrauch zu machen“ heißt schon für Kant nicht nur in der Öffentlichkeit sagen, was man will, sondern auch HANDELN können nach eigenen Erkenntnissen der Vernunft (natürlich nur im Rahmen des Möglichen).

        Diese Art von Freiheit riecht für Sie offensichtlich schon wieder so sehr nach Neoliberalismus, dass Sie schon den Begriff unterschlagen.

        Falls Sie mal wieder Kant zitieren wollen:

        Für Kant ist der Vernunftgebrauch ohne Freiheit nicht denkbar, wortwörtlich so zu verstehen:

        Wer vom Vernunftgebrauch redet und Freiheit nicht mitdenkt, der weiß nicht, von was er redet.

  8. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >„Die Welt ist mit über 325 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, 75 Prozentpunkte mehr als 2007.“>

    Ich lege auch Wert auf Genauigkeit, aber hier wird mit GEWOLLTEM Missverstehen kritisiert, geradezu böswillig. Anders kann man das nicht nennen.

    @ EW

    >„Die Welt ist mit über 325 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet“
    Gegenüber wem? Marsmenschen?>

    und

    @ M. Stöcker

    >Da frage ich mich immer, beim wem „die Welt“ denn da verschuldet ist? Beim Mars oder beim Pluto>

    Statt sich immer Ihren Unsinn zu fragen, sollten Sie im Kontext lesen.

    Obige Zahlen sollen lediglich den Anstieg der Schulden von 2007 zu heute belegen.

    Denn nur einen Satz davor hat Dr. Stelter geschrieben:

    >Statt ein Sinken der Schuldenlast zu bewirken, haben die Notenbanken den Schuldenberg weiter aufgebläht.>

    Es geht um den Schuldenberg IN unserer Welt und nicht um diese Schulden gegenüber den Gläubigern in einer anderen Welt.

    >Ein Land, das überwiegend bei seinen eigenen Bürgern verschuldet ist, hat grundsätzlich KEIN Problem>

    Dr. Stelter hat nicht das Gegenteil behauptet – warum schreiben Sie das?

    Sie schreiben es, um abwiegeln

    > Warum der Aufschrei?> von @ horst aufzunehmen mit

    >Gute Frage>

    Auch er hat Unsinn geschrieben:

    >Die Welt ist mit über 325 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, 75 Prozentpunkte mehr als 2007.“

    Fast jeder private Immobilieneigentümer ist höher verschuldet;>

    In dem Augenblick von 23 Posts am Thread 3 mit ersichtlichem Unsinn ist zu viel.

    Das hat dieses Blog nicht verdient.

    Wem soll das dienen?

    Antworten
    • Avatar
      Horst sagte:

      ad Herr Tischer:

      Meiner Aussage habe ich folgende Berechnung zugrunde gelegt:

      Erwerbs-/bzw. Grundstückspreis
      230.000 EUR Gebäude (1), 75.000 EUR GRD (2) = 305.000 EUR

      Quellen:
      (1) https://www.cash-online.de/immobilien/2018/baufinanzierung-wie-hoch-ist-das-durchschnittliche-baudarlehen/438380
      (2) https://www.immowelt.de/immobilienpreise/deutschland/grundstueckspreise (Annahme: 500 m2 GRD * 150 EUR je m2)

      Eigenkapital: 20% (obwohl vermehrt Banken zwischenzeitlich bei guter Bonität auch zu 100% finanzieren); ergo 61.000 EUR, zu finanzierender Betrag einschließlich Nebenkosten ca. 12%): 270.000 EUR, Zinskosten bei einem Annuitätendarlehen über 30 Jahre ca. 60%, d.h. 432.000 EUR

      Durchschnittseinkommen Deutschland ca. 36.000 EUR BRUTTO 2018

      de.statista.com/statistik/daten/studie/164047/umfrage/jahresarbeitslohn-in-deutschland-seit-1960/https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164047/umfrage/jahresarbeitslohn-in-deutschland-seit-1960/

      Annahme: 2 Vollverdiener (obwohl beinahe unrealistisch, da Frauen wegen der Kinder sehr oft in Teilzeit arbeiten; das klammere ich aus), Summe 72.000 EUR BRUTTO gleich 42.000 EUR netto (Annahme Steuersatz 42%).

      Sie sehen: Viele private Kreditnehmer sind um ein Vielfaches höher verschuldet als Staaten, warum das Bsp. Unsinn sein soll, erschließt sich mir nicht.

      „Obige Zahlen sollen lediglich den Anstieg der Schulden von 2007 zu heute belegen.“

      Ja, das soll es, und es zeigt die Dynamik des Schuldenaufbaus der letzten 12 Jahre, es zeigt aber auch die Dynamik des Vermögensaufbaus der letzten 12 Jahren – das Geld ist ja nicht weg – also ist die Frage berechtigt, warum ein solcher Aufschrei.

      Antworten
      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter sagte:

        Ich sehe erst jetzt diese Diskussion und möcht nur kurz daran erinnern:

        1. Ja, es gibt immer einen zeitgleichen Anstieg von Schulden und Vermögen. Das muss man mir nun wirklich nicht erklären – siehe: Die Schulden im 21. Jahrhundert.
        2. Es ist ein Problem, sobald die Schulden zu hoch werden und zwar für beide, Schuldner wie Gläubiger.
        3. Eine Anpassung der Schulden setzt immer auch eine entsprechende Reduktion der Vermögen voraus.
        4. Dann sind wir bei der Frage a) WER verliert und b) WIE verliert er.
        5. Die Idee, dass es nur die „Reichen“ trifft, ist falsch, weil es meist die „Masse“ trifft: Versicherungen, Bankguthaben, etc.
        6. Die Idee, dass es nur eine finanzielle Sache ist, die die Realwirtschaft nicht betrifft, ist auch falsch: Große Depression, Finanz-, Eurokrise, etc.
        7. Also hat das WIE erhebliche Auswirkungen auf die Realwirtschaft
        8. Nun kann man Untergruppen bilden, die mehr oder weniger „schlimm“ sind. Beispiel: nur in eigener Währung im eigenen Land – dann verlieren ja „nur“ die Inländer. Beispiel (in Grenzen): Japan. Doch auch hier hätte ein Bankrott Verteilungswirkung. Auch die Alternative der Inflation trifft unterschiedlich.
        9. Am anderen Ende sind die in fremder Währung bei Ausländern verschuldeten. Argentinien. Hier mag es „leichter“ sein Pleite zu machen, doch ist es auch nicht ohne negative reale Wirkung.

        So gesehen ist es zwar richtig, die Zusammenhang Schulden – Vermögen zu erwähnen (was ein Piketty übrigens nicht versteht, vor allem auch nicht den Turbo-Effekt von Schulden auf Vermögenswerte). Aber es ist falsch zu suggerieren, die Schulden wären deshalb kein Problem. Das kann man nur, wenn man sich mit dem Thema nur oberflächlich beschäftigt. Was für regelmäßige Besucher dieser Seiten sicherlich nicht gilt.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ horst

        >„Obige Zahlen sollen lediglich den Anstieg der Schulden von 2007 zu heute belegen.“

        Ja, das soll es, und es zeigt die Dynamik des Schuldenaufbaus der letzten 12 Jahre, es zeigt aber auch die Dynamik des Vermögensaufbaus der letzten 12 Jahren – das Geld ist ja nicht weg – also ist die Frage berechtigt, warum ein solcher Aufschrei>.

        VERMÖGENSAUBAU?

        Richtig wäre:

        Zunahme der FORDERUNGEN von Gläubigern.

        Wenn, wie hier immer wieder thematisiert und vorgerechnet, die globale Verschuldung mehr zunimmt als das reale Wachstum (Welt BIP), dann ist Vermögensaufbau IRREFÜHREND.

        Denn Forderungen sind letztlich nur ANSPRÜCHE an andere.

        Natürlich kann man die Ansprüche aller an alle saldieren und damit ausweisen:

        >das Geld ist ja nicht weg>

        Klar, bei dieser Feststellung braucht man nicht aufzuschreien.

        Wenn man aus gutem Grund HINTER solche Banalitäten blickt, wird man mit Besorgnis erkennen müssen, dass die Feststellung „das Geld ist ja nicht weg“ nicht im Geringsten der vorliegenden Problematik gerecht wird.

        Lesen Sie, was Dr. Stelter auf Ihren Kommentar geantwortet hat.

      • Avatar
        horst sagte:

        ad Herr Stelter:

        zu 1. Dass ich Ihnen nichts erklären muss, ist schon klar… Sie sind derjenige, der in Talkshows referiert und Bücher publiziert. Ich habe herausgestellt, dass durchschnittlich private Kreditnehmer höher verschuldet sind als Staaten; um diesen Vergleich geht es mir, den Herr Tischer als Unsinn abtut.
        zu 2. Zustimmung
        zu 3. Zustimmung
        zu 4. Am Ende verlieren alle; das sehe ich ebenso; siehe 5.
        zu 6. und 7. Das habe ich nicht bestritten und mit einem früheren Kommentar bestätigt.
        zu 8. und 9.Es ist gleich wer bei wem verschuldet ist, werden die Forderungen nicht bedient, Conclusio siehe 5.

        ad Herr Tischer:

        Es ist so banal (da irgendjemand irgendwo Vermögen in dieser Höhe aufgebaut hat), da die Forderungen dann nicht mehr bedient werden können, wenn wir Kreditnehmern im privaten Sektor keine Lohnsteigerungen zubilligen wollen und wenn aus dem Gesamtsystem „nicht Luft“ abgelassen wird via u.a. höherer Vermögens- und Erbschaftsteuer; Positionen, die auch Herr Stelter vertritt.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Horst
        “ Ich habe herausgestellt, dass durchschnittlich private Kreditnehmer höher verschuldet sind als Staaten;“
        Das mag für einzelne Kreditnehmer gelten, die sich gerade ein Haus gekauft haben.
        In der Summe -Schulden privater Haushalte/BIP ggü. Staatsschulden/BIP – gilt es manchmal, aber eben auch nur manchmal.

        Ich verstehe aber, worauf Sie hinauswollten: bei 325% muss noch lange nicht Schluss sein.

      • Avatar
        horst sagte:

        „Das mag für einzelne Kreditnehmer gelten, die sich gerade ein Haus gekauft haben.“

        Vielen Dank für die Klarstellung; auf diese Vergleichsgruppe stelle ich u.a. ab, da diese in den vergangenen 12 Jahren – vor allem in Ballungsgebieten – erheblich gestiegen ist. Es betrifft, rechnerisch, jedoch auch vermeintlich schuldenfreie Immobilieneigentümer ähnlich, wenn berücksichtigt wird, dass ein Gebäude bei 3% Abschreibung p.a. nach 33 Jahren einen Wert von 0 Währungseinheiten aufweist, obwohl die Restnutzungsdauer noch um einige Jahre „gestreckt“ werden kann.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Horst
        „Es betrifft, rechnerisch, jedoch auch vermeintlich schuldenfreie Immobilieneigentümer ähnlich, wenn berücksichtigt wird, dass ein Gebäude bei 3% Abschreibung p.a. nach 33 Jahren einen Wert von 0 Währungseinheiten aufweist, obwohl die Restnutzungsdauer noch um einige Jahre „gestreckt“ werden kann.“

        Sorry, aber das scheint mir dann doch Unsinn zu sein. Selbst wenn einzelne Immobilien (ohne Grundstück) keinen Wert mehr haben sollten, wo zaubern Sie jetzt die Verbindlichkeiten her ?

      • Avatar
        horst sagte:

        Ich unterstelle: Da die Immobile den Vermögensaufbau darstellt, wie kolportiert, haben eher weniger Kreditnehmer Mittel, parallel zum Tilgungsprozess, anzusparen – in welcher Form auch immer. Das bedeutet, dass mit der faktischen Abschreibung der Immobilie nach 33 Jahren erneut Kredite benötigt werden, um die Immobilen zu sanieren (wahrscheinlich ist der Zyklus noch enger gefasst, wenn ich die Art des Bauens heute betrachte, fern der technologischen Überholung der TGA; dieser Zyklus ist wohl noch einmal wesentlich kürzer) oder erneut zu errichten.

        Bevor Sie Unsinn schreien, fragen Sie doch einfach nach, wie sich das Bild anderer zusammensetzt.

      • Avatar
        troodon sagte:

        „Da die Immobile den Vermögensaufbau darstellt, wie kolportiert…“
        Die eigengenutzte Immobilie ist keine renditeorientierte Geldanlage.
        Sie ist eher unter dem Aspekt Sicherheit, Freiheit oder Luxus zu betrachten.
        Trotzdem kann sie ein sinnvoller Baustein der Altersvorsorge sein, da dann nach kompletter Tilgung die monatlichen Belastungen i.d.R. geringer sind als ohne Eigentum. Aber da geht es nicht um Rendite.

        Und das bei einer eigengenutzten Immobilie laufend Instandhaltungsrücklagen gebildet werden sollten, sollte allgemein bekannt sein. Wenn dies nicht geschieht, DANN kommt es irgendwann zu den großen Aufwendungen.
        Aber selbst dann ist die Immobile, insbesondere mit eigenem Grundstück, in den seltensten Fällen wertlos.
        Und nochmal, es geht hierbei nicht um einen renditeorientierten Vermögensaufbau.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Und nochmal, es geht hierbei nicht um einen renditeorientierten Vermögensaufbau.“

        Natürlich nicht, so wird es aber oftmals suggeriert – die Immobilie als Altersvorsorge etc.

        Und dass auch Grundstücke Wertschwankungen erfahren können, versteht sich von selbst – Immobilien (unter der Annahme nicht fristgerechter Sanierungen) tendieren im Laufe des Lebenszyklus in ihrem Wert gegen 0 Währungseinheiten.

        Und dass gerade nicht genügend Rückstellungen gebildet werden (auch wenn für Sie selbstredend), kann ich jeden Tag bei der Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit beobachten.

  9. Avatar
    Systemzweifler sagte:

    Wer in etwa eine Vorschau haben möchte, was mit Deutschland in den nächsten Jahren passiert, kann sich ja mal mit dem Niedergang der UdSSR beschäftigen. Viel Aufwand, wenig Ergebnis. Siehe Pflege-, Gesundheits- und Erneuerbare-Energien-Industrie.
    Am Ende zählt immer nur die Produktion und Wertschöpfung einer Gesellschaft, und die sind in Deutschland im Sinkflug.

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Systemzweifler

      Das WIRKLICHE Problem ist:

      Immer weniger junge Menschen müssen die Wertschöpfung leisten für immer älter werdende Menschen mit wachsendem Bedarf an Gesundheits- und Pflegedienstleistungen sowie entsprechenden Einrichtungen.

      Das wird öffentlich kaum diskutiert und die Parteien verdrängen es, weil die Thematisierung Wählerstimmen kosten würde.

      Fatal auch:

      Immer mehr junge Menschen besuchen die Hochschulen und saugen allermögliches Wissen auf – und sind dennoch zu dumm/uninteressiert/lethargisch, eine eigene Partei zu gründen, um IHRE Interessen durchzusetzen.

      Stattdessen lassen sich die Aktiven unter ihnen in den Parteien von den dort tonangebenden Alten domestizieren.

      Dabei ist die Entwicklung mit Händen greifbar das reinste DYNAMIT für die zukünftige Gesellschaft.

      Es ist nicht zu fassen.

      Antworten
  10. Avatar
    Lentz sagte:

    @ Zweifler
    Ich bin weitab davon ein Looser zu sein und genauso weit entfernt davon, mir so etwas zu wünschen. Ich frage mich allerdings, warum manche Leute bei Entgegnungen auf Kommentare sofort den Schreiber angreifen?

    Die Auseinandersetzungen zwischen Macron und den französischen Bürgern kann man jedenfalls nicht mehr als Demonstration bezeichnen, das ist mehr. Die Polizei schießt mit Sprengstoffhaltigen Granaten auf die eigenen Bürger. Denen werden bei Kontakt Hände abgerissen und das sind keine Einzelfälle. Es gibt Tote und Schwerverletzte durch die verwendeten Gummigeschosse. Die Summe der Verletzten dürfte auf beiden Seiten bei über 3000 liegen, die der Toten mittlerweile im zweistelligen Bereich. Genaue Zahlen sind schwierig und über allem liegt der Mantel des Schweigens des „liberalen“ französischen Prasidenten. Das geschieht alles zu einem Zeitpunkt, wo die Finanzblase noch stabil ist. Bagatellisierungen sind da wohl eher fehl am Platze. Immerhin handelt es sich um ein EU-Kernland und keine drittklassige Bananenrepublik.

    Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.