„Helikoptergeld-Effekt würde am Deutschen verpuffen“

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Das sagt eigentlich schon alles:
dwo-fi-geld-sparen-as-jpg

Ich war ja einer der ersten, der mit der Idee des Helikopter-Geldes für die Bürger in die Medien gegangen ist:

„Bürger retten statt Banken – warum die EZB jedem EU-Bürger 10.000 Euro zahlen sollte“

SPIEGEL: 500 Euro für jeden? Milliarden-Geschenk soll die Wirtschaft ankurbeln“

Natürlich sind 10.000 Euro etwas anderes, dennoch ist das Ergebnis der Studie für alle Befürworter des Helikopter-Geldes ernüchternd. DIE WELT fasst zusammen:

  • „Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bekommen, lässt die Europäische Zentralbank (EZB) Geldscheine vom Himmel regnen. (…) Das ist keine Idee einiger Shopping-Wahnsinniger, sie wird unter Volkswirten ernsthaft diskutiert. Fast 50 Jahre ist es her, dass Nobelpreisträger Milton Friedman sie erstmals aufbrachte. Helikopter-Geld.“
  • „(…) eine Studie des Finanzkonzerns ING legt den Schluss nahe, dass eine solche Tat (…) nicht viel bringen würde. (…) Lediglich 26 Prozent der Deutschen würden das meiste Geld ausgeben. Der Großteil der Deutschen und aller Europäer würde es auf dem Konto belassen, anlegen oder damit seine Schulden reduzieren.“
  • Dieses Ergebnis hat nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass Europäer sparsam sind, sondern wahrscheinlich auch mit der Angst, dass eigentlich nichts im Leben umsonst ist, schreibt ING-DiBa. Die Menschen seien misstrauisch, ob das Hubschraubergeld wirklich bleibe oder ihnen von anderer Stelle wieder abgenommen werde.“
  • „Insgesamt gehen hierzulande nur 31 Prozent der Befragten davon aus, dass Draghis Freiflug tatsächlich zu einem höheren Wirtschaftswachstum führen würde. Nur in den beiden Hauptkrisenländern Spanien und Italien erhofft sich die Mehrheit tatsächlich einen positiven Effekt. Auch eine höhere Inflationsrate, bekanntlich das erklärte Ziel der EZB, würden in Deutschland nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten erwarten.“
  • „Statt den Bürgern das Geld direkt zu geben, gibt die Notenbank lieber weiterhin Monat für Monat Milliarden für den Kauf von Anleihen aus. So sollen die Zinsen niedrig und die Kredite billig gehalten werden, alles in der Hoffnung, dass die Investitionsfreude von Unternehmen und Verbrauchern steigt.“
  • „Laut ING-Experten wäre es eine Alternative, das Geld an die Staaten für Infrastrukturausgaben, Steuersenkungen oder zur Verringerung der Staatsschulden zu übergeben. Doch diese Option kommt für die EZB ihrerseits nicht infrage: Ihr ist es verboten, Regierungen zu finanzieren.“
  • „Interessant ist übrigens, dass selbst viele Deutsche, die der Zinspolitik der EZB bekanntlich kritisch gegenüberstehen, zwar am Nutzen einer solchen Maßnahme zweifeln, sie aber dennoch begrüßen würden. Fast die Hälfte hält die direkte Verteilung des Geldes an die Bürger für eine gute oder sehr gute Idee.“

bto: Allemal besser als die heutige Politik, würde ich sagen.

DIE WELT: „Helikoptergeld-Effekt würde am Deutschen verpuffen“, 18. Oktober 2016

30 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    DIE WELT spielt mal wieder Blockade-KÜGELCHEN oder aber stellt sich noch blöder an als die Summe ihrer Holgers. Als wenn es mal wieder nur um Deutschland ginge! Die sollten mal über eine Umfirmierung nachdenken: ALTES DEUTSCHLAND als echte Konkurrenz zum Neues Deutschland.

    Es kommt schon darauf an, WIE man Helikoptergeld initiiert, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen. Da es selbstverständlich wie alle anderen Einkunftsarten der Einkommenssteuer unterliegt, können die nationalen Regierungen bei Bedarf die Grenzsteuersätze marginal erhöhen und somit bei den Konsum- und Investitionsverweigerern die nötigen Mittel für Investitionen in Bildung und Infrastruktur abschöpfen; das Geld also, das insbesondere den Regierungen im Süden Europas schon seit 8 Jahren so dringend fehlt, um eine drohende Radikalisierung zu vermeiden. http://makronom.de/14-argumente-fuer-ein-zentralbankfinanziertes-buergergeld-17593

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Es kommt schon darauf an, WIE man Helikoptergeld initiiert, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen.>

      So ist es und so wird man es initiieren oder, genauer, inszenieren:

      Man wird nicht die Grenzsteuersätze erhöhen, sondern die Dosis.

      Wenn die Leute zu viel des Helikoptergeldes sparen, dann muss man sie eben mit Helikoptergeld so sehr zuschütten, dass sie sich nur noch mit Ausgeben des Geldes vor der Flut „retten“ können.

      Das ist und war die LOGIK aller Maßnahmen, wenn die Konzepte nicht funktioniert, siehe z. B. QE.

      Sie müssen die REALITÄT zur Kenntnis nehmen statt ihr durch Ausflüchte („als wenn es mal wieder nur um Deutschland ginge“) und Designakrobatik („bei Bedarf“) entkommen zu wollen.

      Es geht nicht nur, aber zuerst auch einmal um Deutschland, weil das Konzept der hiesigen Bevölkerung verkauft werden muss. Was woanders läuft, kann hierzulande sehr wohl ein Problem sein, auch wenn angeblich fast die Hälfte der Bürger Helikoptergeld begrüßen würde. Die andere Hälfte ist damit noch nicht im Boot. Ich will das nicht als Killerargument verstanden wissen, aber so wie Sie kann man das Ergebnis nicht beiseite wischen. Vor allem: Wer auf Fakten verweist, blockiert nicht automatisch wie Sie es unterstellen.

      Im Übrigen:

      Das Umfrageergebnis ist ein Argument gegen alle, die sich von höheren Nettoeinkommen (Lohnerhöhungen und/oder Steuersenkungen) einen Nachfrageschub erwarten.

      Auch die jüngsten Vorschläge von einigen FDP-Granden sind damit ein Schuss in den Ofen.

      Das Ergebnis unterstützt hingegen die These, dass wir eine relative Bedarfssättigung haben und die Menschen aufs Sparen fixiert sind.

      Antworten
      • Michael Stöcker says:

        „Sie müssen die REALITÄT zur Kenntnis nehmen statt ihr durch Ausflüchte („als wenn es mal wieder nur um Deutschland ginge“) und Designakrobatik („bei Bedarf“) entkommen zu wollen.“

        Schön für Sie, dass Sie die zukünftige Realität schon kennen. Ausflüchte und Designakrobatik? Sie üben sich in mephistophelischer Verbalakrobatik, statt konkrete Vorschläge auf den Tisch zu legen:

        „Ich bin der Geist, der stets verneint!
        Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
        Ist wert, daß es zugrunde geht;
        Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
        So ist denn alles, was ihr Sünde,
        Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
        Mein eigentliches Element.“

        Ich nehme die Realität zur Kenntnis; nur eben nicht immer so wie Sie. Allein aus Kenntnisnahme erfolgt noch keine Erkenntnis. Erkenntnis ist wiederum Voraussetzung für die Tat, mittels derer jeder von uns einen kleinen bescheidenen Beitrag leisten kann, der wiederum die zukünftige Realität mitbestimmt.

        „Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«

        Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
        Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
        Ich muß es anders übersetzen,
        Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
        Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
        Bedenke wohl die erste Zeile,
        Daß deine Feder sich nicht übereile!
        Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
        Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
        Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
        Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
        Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
        Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“

        „Das Ergebnis unterstützt hingegen die These, dass wir eine relative Bedarfssättigung haben und die Menschen aufs Sparen fixiert sind“

        Wer bitte schön ist wir? Der saturierte Europäer sicherlich. Dessen Konsum sollte durch eine deutlich höhere CO2 Steuer fiskalisch sanktioniert werden. Aufs Sparen fixiert ist das abgehängte Perkariat allerdings auch; und zwar zwangsfixiert. Da muss man dann auch schon mal am Schulausflug sparen oder am Zoobesuch. Aber zum Glück gibt es ja tierisches Tittytainment bei RTL II. Das ist die Realität, die ich zur Kenntnis nehme.

        LG Michael Stöcker

      • Rob says:

        > Das Ergebnis unterstützt hingegen die These, dass wir eine relative Bedarfssättigung haben und die Menschen aufs Sparen fixiert sind.

        Nein, es spricht viel dafür, dass andere Faktoren bestimmend sind für dieses Verhalten. Zitat aus der Zeit:

        > Sehr niedrige Zinsen können zudem kontraproduktiv wirken. Darauf hatte kürzlich Daniel Gros vom Brüsseler Center for European Policy Studies hingewiesen: „Unter bestimmten Umständen können niedrigere Zinsen zu höheren Ersparnissen führen. Da sie das Einkommen der Sparer mindern, verbrauchen diese weniger, insbesondere wenn sie ein Sparziel für ihre Altersvorsorge verfolgen.“ Studenten der Volkswirtschaft dürften sich an das Konzept der rückwärts gekrümmten Sparkurve erinnern.
        http://blog.zeit.de/herdentrieb/2016/03/03/minuszinsen-sind-das-falsche-rezept_9386

        Dazu kommt: bei jeder „Alarmmeldung“, wonach die Renten für sehr viele ziemlich karg zu werden drohe (vergangene Woche auch wieder, Bericht von der Bundesregierung), steigt die Sparquote weiter an.

        Es ist meine Überzeugung, dass es diese Faktoren sind, die dazu führen würden, dass substantielle Anteile des Helikoptergeldes gespart werden würden. Das das der Wirtschaft gar nicht voranbringt, ist natürlich klar.
        Auch wenn man diese „Einnahmen“ zur Entschuldung verwenden würde (Randy Andy), dürfte das tendenziell auch nicht förderlich sein. Denn in vielen Fällen dürften die entsprechenden Mittel bei den Gläubigern keine Verwendung finden (Stichwort: Anlagen-Notstand).

  2. Michael Stöcker says:

    Da haben sich wohl Holger & Co. vom naiven Inflationsmonster der EZB kirre machen lassen: https://www.welt.de/finanzen/article158869432/Die-wachsende-Angst-vor-der-Inflation.html. Schon Onkel Dagobert hat so machen auf den falschen Gold-/Geldpfad geführt. Lieber Holger, du solltest vor ganz anderen Monstern Angst haben und weniger auf die Ganz ganz großen Volkswirte hören (Gagagrovos). Korrelation ist eben noch lange nicht Kausalität.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  3. Stefan Bohle says:

    Egal ob QE, QE4P, Helicopter Money, etcetc.: alle diese Programm sind letztlich die Fortsetzung dessen, was in früherer Zeit das Strecken von Goldmünzen mit Zinn zum Zwecke der „Wohlstandsmehrung“ war, mit den Mitteln der Papiergeldpolitik. Es gibt hierfür keine Legitimation, erst Recht nicht im Kontext der Euro-Währungsunion.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Es gibt hierfür keine Legitimation, erst Recht nicht im Kontext der Euro-Währungsunion.“

      Oh doch, die gibt es. Insbesondere im Kontext der Währungsunion. Es ist das Inflationsziel von unter aber nahe 2 %. Kein exzessives Kippen und Wippen, sondern in Höhe dieser 2 %. An diesem Ziel orientiert sich die Höhe des von mir vorgeschlagenen Betrages von 100 EUR pro Kopf und Monat. Es sind somit aktuell ca. 2 % des BIP.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Gedichtzitate – das soll Argumentation sein?

    Dürftige Ausflucht.

    >Schön für Sie, dass Sie die zukünftige Realität schon kennen.>

    Ja, ich bin überzeugt sie zu kennen, soweit sie hier bestimmtes Verhalten betrifft (was nicht heißt, dass ich dessen Ergebnisse kenne).

    Im vorliegenden Fall heißt das: Erhöhung der Dosis.

    So war es aus Erfahrung immer, wenn die Wirkung ausbleibt.

    >Sie üben sich in mephistophelischer Verbalakrobatik, statt konkrete Vorschläge auf den Tisch zu legen … „Ich bin der Geist, der stets verneint!“>

    Unsinn, ich bin kein Nihilist.

    Ich verneine allerdings einen Aktionismus, der – um der bitteren Wahrheit auszuweichen – Lösungen anbietet, die nicht an den fundamentalen Problemen ansetzen, sondern mehr oder weniger an der Oberfläche kratzen und es damit richten wollen. Oberfläche ist für mich auch, mit dem Geldsystem ansetzen zu wollen. Dass es möglicherweise Teil einer anders ansetzenden Lösung sein kann, wird
    damit nicht ausgeschlossen.

    Das bezieht sich auf alle, inkl. Nobelpreisträger wie Krugman oder Koryphäen wie Summers, die in der Nachfragestimulierung die Lösung sehen.

    Klar, ohne Nachfrage geht nichts, aber Nachfragestimulierung als Lösung ist etwas anderes.

    Daher vor allem, vor jedem konkreten Vorschlag:

    Eine andere Einstellung aufgrund der Erkenntnis, dass wir realwirtschaftliche Umwälzungen durchlaufen (und in der Folge vor heute krisenhaften Problemen stehen), die mit NUR nachfrageorientierten die Lösungen, seien diese konventionell oder unkonventionell, nicht zu beherrschen sind.

    Heißt in der Konsequenz:

    Anpassung, auch Anpassung nach unten GEWOLLT zulassen und sie so sozialverträglich wie möglich gestalten.

    Mit welchen MASSNAHMEN das zu erreichen ist, muss im gesellschaftlichen Konsens festgelegt werden. Wer immer schon weiß, wie es geht, der generiert angesichts der Lage nur Widerstand.

    Zugegeben, da steckt eine ordentliche Portion Idealismus drin.

    Aber so müsste es geschehen, wenn es rational geschehen solle.

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    @ Rob

    > Das Ergebnis unterstützt hingegen die These, dass wir eine relative Bedarfssättigung haben und die Menschen aufs Sparen fixiert sind.
    Nein, es spricht viel dafür, dass andere Faktoren bestimmend sind für dieses Verhalten.>

    Das Thema hatten wir schon einmal.

    Ich wiederhole:

    Es sind AUCH andere Faktoren bestimmend für die Fixierung aufs Sparen.

    Eine relative Bedarfssättigung haben wir dennoch.

    Die Umfrage unterstützt dies.

    Wenn Sie sich die Grafik genau anschauen, dann sehen Sie:

    Nur ca. 13 bis 15% der Deutschen würden das Geld für NOTWENDIGE Ausgaben nutzen, einem teileuropäischen Mittelwert nach inkl. Italien und Spanien, sind es knapp 20%.

    Heißt:

    Für den Rest, also 85% resp. 80% der Bevölkerung besteht keine Notwendigkeit, das Helikoptergeld auszugeben.

    Diesen Sachverhalt nenne ich relative Sättigung.

    Anders die Deutung für nicht notwendige Ausgaben:

    Wenn das zusätzliche Geld nicht ausgegeben wird für Güter und Dienstleistungen, die nicht notwendig sind, dann spricht das dafür, dass andere Präferenzen bestehen, z. B. verstärktes Sparen fürs Alter, wofür – ganz richtig – das niedrige Rentenniveau ein Anreiz ist.

    Antworten
    • Rob says:

      Gut, in Deutschland würden ca. 26% das Geld ausgeben. Wenn man die Größe des Niedrigslohnsektors betrachtet (ca. 22%), würde ich sagen: plausibel, gemäß den Annahmen der Ökonomen.

      Für die meisten anderen, die weniger darauf angewiesen sind, es an sich gerne ausgeben würden, treffen die Punkte zu, die ich angedeutet haben, und die Sie auch sehen, und zusätzlich dürfte eine Rolle spielen (aus dem Report:)

      The fact that this policy is likely to be used only in a situation of
      “economic emergency” may make people doubtful.
      The concept of helicopter money may be so alien to them, that they
      might not be convinced they will never have to return the money, for
      instance in the form of higher taxes in the future. As a result, they
      may resort to saving instead of spending the money.

      https://www.ezonomics.com/ing_international_surveys/helicopter-money-2016/ (mit Report-Download)

      Aus diesem Report lernt man: es wird sehr, sehr auf die Kommunikation ankommen. Nehmen wir z.B. Rumänien und Polen: sehr zurückhaltend bei den geplanten Ausgaben, aber gerade sie befürchten eine deutliche Zunahme der Inflation (ein Spargrund!).

      Anmerkung: Schade, dass der genaue Fragenkatalog nicht dokumentiert ist. Ferner: es wäre interessant, eine solche Befragung mit unterschiedlich verfassten Infopapieren (also fiktivem Begleitschreiben der EZB) durchzuführen. Man hätte dann herausgefunden, welche Kommunikationsstrategie am Besten wäre.

      Antworten
  6. deepinsidehps says:

    Geld aus dem Helikopter ist mehr als nur „Geld welches dem Konsum dienen sollte“ (und dienen muss). Geld aus dem Helikopter ist Zentralbankgeld, welches nicht verschwindet durch Krisensituationen. Giralgeld hat nun mal die Eigenschaft zu verschwinden wenn es „übel“ in der Welt wird und so die destruktiven Kräfte zusätzlich zu stützen. Zentralbankgeld kann nicht verschwinden, es sei denn die Zentralbank will es so. Das echte Problem in der aktuellen Situation bleibt das Verteilungsproblem. Die aktuelle Krise ist keine Staatsschuldenkrise, keine Eurokrise, keine Konsumkrise oder sonst was. Das aktuell wichtigste Problem ist das Verteilungsproblem. Die zwei Seiten der gleichen Medaille sind sehr unterschiedlich verteilt. Während sich die Vermögen sehr stark am oberen Ende verteilen, sind die Schulden sehr homogen verteilt und werden noch homogener verteilt in Zukunft. Jede Neuaufnahme von Staatsschulden verteilt die Schuld noch gleichmäßiger. Wenn Konsumenten und Unternehmen Nettosparer werden, wird also zwingend die Schuld (durch neue Staatsschulden) gleichmäßiger verteilt. Durch diesen Umstand wird nun aber jedes Finanzsystem instabil, liegt ja in der Natur der Sache.

    An dieser Stelle setzte nun Helikoptergeld an. Die Verteilung des Vermögens wird ebenfalls etwas homogener, da für den sehr vermögenden Menschen weitere 10.000 Euro keinen Mehrwert darstellen, im Gegensatz zu den Menschen an der unteren Kurve der Vermögen. Diese Umstand stabilisiert das System, völlig unabhängig davon, ob das „Geld ausgegeben wird“ oder nicht. Alleine, dass dieses Geld da ist sorgt aber für den psychologischen Effekt, dass der ein oder andere Unternehmenslenker doch wieder Potenzial erkennt für zukünftige Produktionsabsätze. Und Investitionen der Firmen sind am Ende eben Gehalt der Menschen und so könnte es sich etwas aufklaren am Himmel.

    Leichte Lösungen gibt es nicht, aber Helikoptergeld ist und bleibt aktuell einer der wenigen verbliebenden Möglichkeiten (ich schreibe nicht Lösung) um das System zu stabilisieren.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Das echte Problem in der aktuellen Situation bleibt das Verteilungsproblem.“

      Danke, für diese Stimme der Vernunft. Es ist der altbekannte Matthäus-Effekt, der früher oder später noch jedes System zum Einsturz gebracht hat.

      Und ja, es liegt allein am Willen der Zentralbank und/oder dem Finanzminister. Goethe wurde 1782 zum Kammerpräsidenten (Finanzminister) ernannt (siehe hierzu auch Benedikt Fehr, der seit 2011 Leiter des Zentralbereichs Ökonomische Bildung bei der Bundesbank ist: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/wirtschaftsgeschichte-johann-wolfgang-von-goethe-dichter-denker-oekonom-1488609.html). Aber unübertroffen ist und bliebt selbstverständlich das Original:

      Mephistopheles
      Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt?
      Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.
      Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen;
      Doch Weisheit weiß das Tiefste herzuschaffen.
      In Bergesadern, Mauergründen
      Ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden,
      Und fragt ihr mich, wer es zutage schafft:
      Begabten Manns Natur- und Geisteskraft.

      Kanzler
      Natur und Geist – so spricht man nicht zu Christen.
      Deshalb verbrennt man Atheisten,
      Weil solche Reden höchst gefährlich sind.
      Natur ist Sünde, Geist ist Teufel,
      Sie hegen zwischen sich den Zweifel,
      Ihr mißgestaltet Zwitterkind.
      Uns nicht so! – Kaisers alten Landen
      Sind zwei Geschlechter nur entstanden,
      Sie stützen würdig seinen Thron:
      Die Heiligen sind es und die Ritter;
      Sie stehen jedem Ungewitter
      Und nehmen Kirch‘ und Staat zum Lohn.
      Dem Pöbelsinn verworrner Geister
      Entwickelt sich ein Widerstand:
      Die Ketzer sind’s! die Hexenmeister!
      Und sie verderben Stadt und Land.
      Die willst du nun mit frechen Scherzen
      In diese hohen Kreise schwärzen;
      Ihr hegt euch an verderbtem Herzen,
      Dem Narren sind sie nah verwandt.

      Mephistopheles
      Daran erkenn‘ ich den gelehrten Herrn!
      Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
      Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
      Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
      Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
      Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.

      Kaiser
      Dadurch sind unsre Mängel nicht erledigt,
      Was willst du jetzt mit deiner Fastenpredigt?
      Ich habe satt das ewige Wie und Wenn;
      Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff es denn.

      Mephistopheles
      Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr;
      Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer;
      Es liegt schon da, doch um es zu erlangen,
      Das ist die Kunst, wer weiß es anzufangen?
      Bedenkt doch nur: in jenen Schreckensläuften,
      Wo Menschenfluten Land und Volk ersäuften,
      Wie der und der, so sehr es ihn erschreckte,
      Sein Liebstes da- und dortwohin versteckte.
      So war’s von je in mächtiger Römer Zeit,
      Und so fortan, bis gestern, ja bis heut.
      Das alles liegt im Boden still begraben,
      Der Boden ist des Kaisers, der soll’s haben.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Alleine, dass dieses Geld da ist sorgt aber für den psychologischen Effekt, dass der ein oder andere Unternehmenslenker doch wieder Potenzial erkennt für zukünftige Produktionsabsätze.>

      Dem Helikoptergeld schon magische Kraft anzudichten, weil dieses Geld DA ist, diskreditiert die Idee des Helikoptergelds.

      >Helikoptergeld ist und bleibt aktuell einer der wenigen verbliebenden Möglichkeiten (ich schreibe nicht Lösung) um das System zu stabilisieren.>

      Selbst wenn Sie einmal vorsichtiger formulieren, sind Sie spekulativ.

      Man hofft, dass es das System stabilisiert oder, wie einige meinen, ihm auch wieder auf die Beine hilft.

      Es kann sein, dass dies eintritt.

      Sicher ist es nicht.

      Was dagegen spricht, ist die GENERIERUNG von Helikoptergeld, der kein intrinsischer, sie begrenzender Mechanismus innewohnt.

      Kritische Befürworter von Helikoptergeld sehen das und schließen nicht aus, dass diese Art der Geldschöpfung ein nicht zu unterschätzendes Potenzial für ausufernde Inflation hat.

      Kommt es zum Tragen, wäre es vorbei mit der Stabilisierung des Systems.

      Abgesehen davon:

      Es ist oberflächlich, in der aktuellen Situation das Verteilungsproblem als das echte Problem zu bezeichnen,

      Es ist ein Problem, keine Frage.

      Die echten Probleme sind andere.

      Dieser Blog thematisiert dies mit jedem Beitrag.

      Antworten
  7. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Im Gegensatz zu Ihnen und Waldorf ist er nicht in der österreichischen Sackgasse gelandet …>

    Vorsicht mit Urteilen über mich.

    Ich halte die Österreichische Schule keineswegs für eine Sackgasse, in der ich Ihrer Meinung nach nicht gelandet bin.

    Ich finde sogar, dass sie Sackgassen verhindert.

    Hayeks „Der Weg zur Knechtschaft“ beispielsweise ist zwar nicht Ökonomie im eigentlichen Sinn, aber grundlegend für das Verständnis, WIE Wirtschaften begriffen und gestaltet werden kann – und wie es sollte, um uns nicht als Entmündigte in die Knechtschaft zu führen.

    Da bin sehr nah bei Hayek.

    Keynes hat sich so zu diesem Werk geäußert:

    > In my opinion it is a grand book […] Morally and philosophically I find myself in agreement with virtually the whole of it: and not only in agreement with it, but in deeply moved agreement.>

    Er kritisierte es auch:

    Moderate planning will be safe if those carrying it out are rightly orientated in their own minds and hearts to the moral issue. This is in fact already true of some of them. But the curse is that there is also an important section who could almost be said to want planning not in order to enjoy its fruits but because morally they hold ideas exactly the opposite of yours, and wish to serve not God but the devil.

    Keynes rechtfertigt hier Planung, wenn auch nur moderate, mit „richtiger moralischer Orientierung“.

    Damit liegt er völlig falsch.

    Es gibt erstens nicht eine richtige oder falsche moralische Orientierung mit Blick auf die grundlegende Gestaltungsalternative, d. h. als KRITERIUM für die Gestaltung und zweitens ist Moral in Form von „sozialer Gerechtigkeit“ die RECHTFERTIGUNG für weit über „moderat“ reichende Planungseingriffe geworden, d. h. Keynes hat nicht erkannt, dass die moralische Begründung kein Qualitätsausweis für Planung ist, sondern dazu missbraucht werden kann, Planung zum Vorteil von Partikularinteressen voranzutreiben.

    Kurzum:

    Es geht darum, wie eine Gesellschaft einigermaßen STABIL gehalten werden kann. Das ist nicht eine Frage der Moral, sondern eine von Zumutbarkeiten an die und Akzeptanz von der Bevölkerung.

    Da dies immer mit Bezug auf die bestehende Gesellschaft zu beurteilen ist, kann ich kein vorbehaltloser Verfechter der Österreichischen Schule sein.

    NUR deshalb.

    Hayek hat einmal gesagt, dass es kein Nachfrageproblem gibt.

    Das stimmt in einem Wirtschaftssystem, das nach den Grundsätzen der Österreichischen Schule betrieben wird.

    Das ist unser Wirtschaftssystem nicht.

    Wir haben ein Nachfrageproblem, zumindest in Bezug auf das Qutput-Potenzial.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Ich finde sogar, dass sie Sackgassen verhindert.“

      OK: Aber am Ende des Weges bleibt dann nur der Abgrund. Allerdings: Es gibt einzelne sehr wichtige Aspekte, bei denen von Hayek klarer blickte als alle anderen. Das von Ihnen erwähnte Buch gehört nur bedingt dazu, da es die Tyrannei eines allmächtigen Staates zu recht geißelt, ohne dabei zu erkennen, dass es somit implizit eine Tyrannei der Märkte glorifiziert. Aber gut: Es war eben die Zeit der Ost-West-Konfrontation. Da haben wohl beide Seiten reichlich übertrieben.

      Der wichtigste Punkt bei von Hayek ist für mich die Anmaßung von Wissen und somit auch die ganzen Illusionen hinsichtlich der unsichtbaren Hand, die alles ganz automatisch in ein neoklassisches Gleichgewicht bringt. Die zentralplanerischen Allmachtsfantasien des Kommunismus sind ganz offensichtlich gescheitert, das gesamte neoliberale Projekt steht vor einem Scherbenhaufen und auch die Vollgeldbewegung unterliegt einem Planungsirrtum. Viele weitere Irrtümer hatte Goethe so wunderbar und tiefgründig im Faust II zu Papier gebracht. Zu hören und/oder schauen seit Ende 2015 nun auch auf YouTube in der herausragenden Inszenierung von Peter Stein. Geld- und Weltökonomie im 1. Akt Szene 2.1 und 2.2 bringt viele aktuelle/ewige Probleme auf den Punkt: https://www.youtube.com/watch?v=FFODspEe0t0&list=PLYusIpl7XQ5xzAh25ECYBrwLSmyC9u5Zu&index=2. Goethe verfügte, dass das Werk erst nach seinem Tod veröffentlicht werden dürfe. Die politische und religiöse Brisanz seiner Worte ist aber wohl den wenigsten bewusst geworden.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Das von Ihnen erwähnte Buch gehört nur bedingt dazu, da es die Tyrannei eines allmächtigen Staates zu recht geißelt, ohne dabei zu erkennen, dass es somit implizit eine Tyrannei der Märkte glorifiziert.>

        „ Der Weg zur Knechtschaft“ ist nach wie vor eines der wichtigsten Bücher, weil es mit der VOR-ökonomisch zu beantwortenden Frage konfrontiert, mit welchem System grundsätzlich gewirtschaftet werden soll und auch, was die Konsequenzen sind für die conditio humana, wenn man sich für Planwirtschaft entscheidet. Selbstverständlich können andere mit gleicher Berechtigung die Konsequenzen aufzeigen und betonen, die ein marktwirtschaftliches System hat. Von Marx angefangen bis zum heutigen Tage haben sich darüber immer wieder Berufene und Unberufene ausgelassen.

        Man muss sich entscheiden.

        Weil die Entscheidung immer eine für ein bestimmtes System ist, das sich allenfalls etwas modifizieren lässt, kann man nicht sagen, dass das eine wie das andere Tyrannei ist.

        Jedes System operiert mit Regeln und erlegt Zwänge auf. Andernfalls wäre es nicht funktionsfähig, sondern Chaos.

        An etwas gebunden zu sein, ist nicht Tyrannei. Insbesondere ist es dann nicht Tyrannei, wenn es mehrheitlich akzeptiert wird.

        Was die Marktwirtschaft angeht, besteht ein ambivalentes Verhältnis zu Wissen:

        Man muss einerseits seine Präferenzen KENNEN, um im Markt nutzenorientiert agieren zu können und zum anderen Wissen ERWERBEN – nach Hayek ein Entdeckungsverfahren –, um effektiv agieren zu können.

        Beides ist am INDIVIDUUM festgemacht und daher alles andere als Tyrannei, allerdings mitunter mühsam.

        Die Ergebnisse des Marktgeschehens (soweit es heute überhaupt noch eines ist) sind freilich für viele Menschen nicht akzeptabel.

        Das ist aber etwas anderes, wenn gleichwohl bedeutend für die Stabilität der Gesellschaft.

        Daher kann es auch keine „reine“ Marktwirtschaft geben.

        Auf den Weg in eine mehr oder minder verbrämte Planwirtschaft, auf dem wir meiner Einschätzung nach sind, muss man sich aber noch lange nicht begeben.

        Wir sollten es dabei belassen.

        Der Bloginhaber dürfte langsam nervös werden angesichts solcher Diskussion, die ich allerdings auch unter „bto“ verorten würde.

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Nein, der Blog-Inhaber wird nicht nervös. Ich lerne aus allen Beiträgen etwas dazu, befindet sich das Niveau der Diskussion auf einem unstrittig hohen Niveau.Insofern ist das auch alles gut. Ich denke es ist ein großer Fehler der politischen Diskussion (wobei vermutlich systemimmanent notwendig) und auch der wirtschaftlichen, dass zu sehr in schwarz/weiss, links/rechts etc gedacht wird. Wir brauchen im echten Leben eine Mischung. Und nur eine solche Mischung kann auch nachhaltig funktionieren. Generell sehe ich mich in diesem Spektrum aber näher an Hajek/Freiheit/Marktwirtschaft als an Dirigismus und Staatskontrolle. Im Finanzbereich haben wir aber die Mechanismen ausser Kraft gesetzt, die eigentlich zu einer Risikobegrenzung führen sollten (individuelles Risiko). Und das müssen wir ändern.

  8. Dietmar Tischer says:

    @ Dr. Daniel Stelter

    >Im Finanzbereich haben wir aber die Mechanismen ausser Kraft gesetzt, die eigentlich zu einer Risikobegrenzung führen sollten (individuelles Risiko). Und das müssen wir ändern.>

    Nicht nur im Finanzbereich, aber da am nachhaltigsten mit den bekannten Konsequenzen.

    Ich bin ganz Ihrer Meinung:

    Angesichts der Tatsache, dass immer größere Risiken eingegangen werden können (und eingegangen werden), ohne dass diejenigen, die sie eingehen, die KOSTEN eines Fehlverhaltens tragen müssen, weil die Allgemeinheit dafür aufkommt, ist eine effektive Risikobegrenzung erforderlich.

    Dies nicht nur wegen Fehlallokation, Ungerechtigkeit etc.

    Sie ist erforderlich, damit die Gesellschaft sich nicht selbst zur VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT ihrer Mitglieder konditioniert mit der möglichen Folge, dass „Retter“ auf der politischen Bühne erscheinen, wenn der Karren im Dreck steckt und dann „Lösungen“ entwickelt werden, die im zivilisatorischem Desaster enden.

    Möglicherweise verheerend für Generationen – das wären dann Kosten, die nicht einmal zu beziffern sind.

    Der Ansatz für die Risikobegrenzung ist konsequente HAFTUNG für eigenes Handeln, d. h. eine Freiheit des Handelns, die an Verantwortung gebunden ist.

    Käme er zum Tragen, wären viel Gerechtigkeitsdebatten überflüssig und zudem ließe sich Marktgeschehen/Liberalismus nicht mehr so leicht diskreditieren.

    Ich habe allerdings keine große Hoffnung, dass wir uns darauf zubewegen.

    Dies nicht nur wegen objektiver Schwierigkeiten, wie u. a. technologisch bedingter Marktmacht.

    KEINE Partei will das, weil damit den Bürgern/Wählern etwas abverlangen würde, was sie nicht honorieren:

    Die Möglichkeit des SCHEITERNS.

    Nach heute bereits weit verbreiteter Auffassung hat der Staat dafür zu sorgen, dass man nicht wirklich scheitern kann. Allein schon Subventionen ohne Ende belegen das.

    Ich sehe nicht, wie wir davon durch Einsicht wegkommen.

    Es wird freilich ein vielfaches Scheitern geben, die Anpassungsmechanismen werden es ERZWINGEN.

    Antworten
  9. Thomas Stümmler says:

    Hier wird in der Diskussion wieder der Fehler gemacht, daß sozialistische Träume, die am Ende immer auf „Money for nothing“, also Geld ohne Gegenleistung hinauslaufen, ernsthaft diksutiert werden. Würde man den Bürgern direkt Geld geben, würde es nicht lange dauern, bis die nächste Ladung freies Geld gefordert würde und so weiter und so weiter….am Ende hat man dann produktiv nichts erreicht ausser einer Hyperinflation. Im besten Fall gibt es der Bürger für Urlaube und Konsumquatsch aus, was uns strukturell überhaupt nicht weiterbringt.

    Wenn wir schon Geld schaffen, dann wollen wir doch dafür wenigstens echte harte Vorteile erwerben, oder?

    …..Helikoptergeld kann dann sinnvoll wirken, wenn es direkt für sinnvolle Infrastrukturmassnahmen ausgegeben wird. Stellen wir uns vor, die EZB finanziert eine europäische Energieagentur, die dann europaweit hundertausende von Elektrotankstellen für batteriebetriebene Autos baut und die notwendigen Stromnetze baut, um den Windstrom sinnvoll zu vertteilen und die Speicherseen, mit denen dieser Windstrom gespeichert werden kann. Weiterhin finanziert Sie den Bau der notwendigen riesigen Batteriefabriken und einen Knackigen Zuschuss beim Kauf eines neuen Elektroautos.
    Dieses Geld würde zu 100% in den Wirtschaftskreislauf fliessen und wir hätten am Ende die Energieuanbhängigkeit vom Öl erreicht. Wenn man mal gegenrechnet, was Europa dann im Jahr an Öl spart, dürfte dabei sogar noch eine ganz ordentliche Rendite rauskommen.

    Ich gehe noch weiter: Wir haben doch das Problem der Überalterung und fehlenden Nachwuchses….eine absehbare wirtschaftliche Katastrophe, gegen die wir bisher kein Mittel gefunden haben…..Was wäre, wenn die EZB jedem Ehepaar 50.000 Euro pro Kind ab dem zweiten Kind zahlt? Ein Riesenanreiz und ein gut gebildeter Mitteleuropäer erwirtschaftet in seinem Leben ca. 1,3 Mio an Lohnsumme, so daß auch hier eine sehr positive Rendite erzielt würde.

    Weiterhin sollte die EZB in den Krisenländern lokale Bankneugründungen finanzieren, die lokale Kredite vergeben….die aktuelle AUsteritätspolitik ist unmenschlich und gescheitert und führt doch absehbar zum Zerfall des Euro und Europas. Schäuble und die Bundesbank sind die Totengräber Europas.

    Bei maroden Banken sollte die EZB diese nicht künstlich am Leben erhalten, sondern im Pleitefall für alle Verbindlichkeiten der Bank sofort einstehen. Damit gibt es keine Panik und keiner ist „too bi to fail“. Gegen den „Moral hazard“ sollte die EZB im Gegenzug alle Aktien übernehmen und dann die lebensfähigen Teile verkaufen. Neben den Aktionären sollten alle Bondholder ihr Geld verlieren und auch alle Arbeitsverträge der Bankmanager sofort unwirksam werden, so dass diese in der Pleite nicht noch Boni bekommen. Das sollte Aktionäre, Bondholder uns Manager wesentlich vorsichtiger machen und es setzt das kapitalistische Urprinzip wieder in Kraft, daß Banken pleite gehen können. Diese haben keinerlei Erpressungspotenzial mehr und die Staaten müssen auch keine Wahnsinnschulden aufnehmen, um eine Bank zu retten.

    So hätten wir am Ende die Wirtschaft angekurbelt, die Energiewende geschafft, unsere Abhängigkeit von russischen Öl aufgelöst und das demografische Problem gelöst. Weiterhin das lokale Wachstum in Krisenländern angeschoben und die Bankenkrise gelöst, sowei den Euro und Europa zusammengehalten. DAFÜR sollte man Geld schaffen, denn alle diese Probelme werden uns sonst – auch ganz ohne die aktuelle Krise – über kurz oder lang wirtschaftlich schwer schädigen.

    Was noch wichtiger ist: Wir haben kein Geld ohne Nutzen und ohne echte Gegenleistung geschaffen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, Herr Stümmler. Wir haben uns aber mit der Schuldenbremse, Art. 123 AEUV sowie schwarzer Null handlungsunfähig gemacht. Letztlich ist ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld buchungstechnisch nichts anderes als wenn die EZB direkte Staatsfinanzierung betreibt. Man kann aber so formaljuristisch diese Blockade sprengen und wir werden wieder handlungsfähig. Wenn wir im gleichen Atemzug dieses Manna wieder über höhere Grenzsteuersätze abschöpfen, dann haben wir die Mittel für reale Investitionen.

      Und was ist schlimm am Konsum? Wer ordentlich in Griechenland Urlaub machen könnte, der hat anschließend auch die nötige Energie für die Energiewende.

      Ihre 50.000 Euro Wurfprämie sollten Sie besser noch einmal überdenken; insbesondere im Hinblick auf die Zielgruppe, die Sie damit besonders ansprechen. Den Eltern – und somit uns allen – ist mehr geholfen mit höherer Anrechnung bei Rentenansprüchen sowie exzellenten steuerfinanzierten Kitas inkl. hochwertiger Essensversorgung sowie musischer, sportlicher und künstlerischer Förderung.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  10. Thomas Stümmler says:

    Hallo Herr Stöcker,

    das Bürgergeld hat aber – genau wie alle Sozialleistungen – das Problem, daß es hier Leistung ohne Gegenleistung gibt. Gewisse Bevölkerungsschichten werden ganz schnell immer mehr davon verlangen und es wird Politiker geben, die diese Forderungen unterstützen. Diesem neu geschaffenen Geld steht dann am Ende ausser kurzfristiger Strohfeuereffekte keine echte strukturelle Verbesserung gegenüber, denn das Geld wurde ja für Konsum verjubelt.

    Bei meinen Vorschlägen bekommen wir aber konkrete Gegenleistungen: Die Infrastruktur steht hinterher und spart uns jedes Jahr hunderte von Milliarden an Erdöl. Auch bei der Kinderprämie steht einem Invest von 50K ein dauerhafter konjunktureller Effekt durch einen gebildeten Mitteleuropäer entgegen. 50K sind bis weit in den Mittelstand hinein eine Menge Geld, die viele Ehepaare dazu verleiten wird, mal ganz intensiv über weitere Kinder nachzudenken, denn wie lange braucht selbst ein Facharbeiter, um nach Steuern 50K zu sparen?

    Die Hartzer werden ja heute schon durch das Sozialsystem genug zum Kinderkriegen animiert. Wenn wir die höheren Einkommen erreichen wollen, brauchen wir einen fetten Anreiz.

    So eine schwule Verrechnung mit irgendwelchen Rentenansprüchen kapiert doch keiner und wegen musischer Erziehung werden wohl nur ein paar Feingeister im Kinderwunsch bestärkt…aber 50 Mille, das kapiert jeder und Bargeld lockt und rockt! (Ich formuliere das hier mal bewußt etwas drastisch, um die Empfängerebene darzustellen.)

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Gewisse Bevölkerungsschichten werden ganz schnell immer mehr davon verlangen und es wird Politiker geben, die diese Forderungen unterstützen.“

      Warum gibt es dann nicht schon jetzt deutlich höhere Hartz IV Sätze?

      „denn das Geld wurde ja für Konsum verjubelt.“

      Das „verjubelte“ Geld generiert Einkommen bei Dritten sowie höhere Steuerzuflüsse für die nötigen Investitionen.

      „Die Hartzer werden ja heute schon durch das Sozialsystem genug zum Kinderkriegen animiert.“

      Und 50.000 Euro Wurfprämie wäre nach Ihrer Logik dann kein Gebärturbo für die von Ihnen inkriminierte Klientel? Hier haben Sie Gelegenheit, Ihr Weltbild noch einmal zu überdenken: https://www.welt.de/wirtschaft/article115274008/Das-Maerchen-vom-faulen-Hartz-IV-Empfaenger.html

      „(Ich formuliere das hier mal bewußt etwas drastisch, um die Empfängerebene darzustellen.)“

      Auch die 3-F-Empfängerebene (Fressen, Fic…, Fernsehen) darf sich angesprochen fühlen; aber mehr Chancengleichheit schaffe ich nicht mit mehr Familienkonsum, den Sie soeben noch gebrandmarkt haben.

      LG Michael Stöcker

      Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.