„Die Zukunft der EU steht in den Sternen“

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Die NZZ diskutiert den Aufstieg populistischer Parteien und die Zukunft von EU und Euro. Auch ich komme zu Wort:

  • 2017 gilt als Jahr der Wahrheit für die Europäische Union und die Euro-Zone. Als wären die schwelende Euro-Schuldenkrise und der schwindende innere Zusammenhalt nicht genug Herausforderung für die EU, so kommen immer weitere Schwierigkeiten hinzu. So gibt sich der neue amerikanische Präsident Donald Trump reichlich indifferent bezüglich der Zukunft der europäischen Integration.“ – bto: Das Verschleppen des Problems rächt sich.
  • Weitere Herausforderungen für EU und Euro-Zone sind die schwierige Lage vieler europäischer Banken, allen voran der italienischen, sowie die anhaltende Flüchtlingskrise und das Erstarken populistischer Parteien.“ – bto: Themen, wo gerade die deutsche Regierung eklatant versagt und so zur Verschärfung beigetragen hat.
  • „Der Ökonom Daniel Stelter rechnet mit einer Fortsetzung der schwierigen Jahre der EU, weitere ‚Unfälle‘ seien nicht auszuschliessen. Die Ursache für die anhaltende Krise sieht er in der hohen Verschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten sowie in den zahlreichen ‚Zombie-Banken‘. Das europäische Bankensystem sei quasi insolvent. Würden diese Probleme nicht gelöst, werde das Wirtschaftswachstum schwach bleiben. bto: Lesern dieser Seiten sind meine diesbezüglichen Positionen bekannt.
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) habe mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik und den künstlich niedrig gehaltenen Zinsen dabei geholfen, die Probleme in die Zukunft zu verschieben, sagt Stelter. Sie könne die Insolvenzsituation aber nicht bereinigen. Bert Flossbach von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch geht davon aus, dass die EZB vor diesem Hintergrund mehr denn je gezwungen sein dürfte, mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einigen Ländern der Euro-Zone ‚beizustehen‘. Dies bedeutet, dass sie die Leitzinsen noch lange tief halten dürfte.“ – bto: So ist es.
  • Aus Stelters Sicht kann die europäische Gemeinschaftswährung in ihrer jetzigen Form nicht überleben, zu gross seien die Gegensätze der verschiedenen Mitgliedsländer. Da die Euro-Schuldenkrise immer weiter verschleppt werde, würden die Probleme immer grösser. Als Investor müsse man das Szenario eines ungeordneten Zerfalls der Euro-Zone einkalkulieren.“ – bto: Wie man das macht, habe ich hier beschrieben.
  • „Marine Le Pen, Chefin der fremdenfeindlichen Partei Front national, möchte den Euro abschaffen und wieder eine nationale Währung einführen. Details, wie sie sich ein neues Währungssystem vorstellt, lieferte sie Anfang des Jahres. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters brachte Le Pen eine Rückkehr zu einer Art Europäischem Währungssystem (EWS) ins Spiel, wie es vor der Einführung des Euro existiert hatte. bto: Das ist doch spannend. Ein bto-Leser hatte mich darauf hingewiesen.
  • „Le Pen erwähnte in diesem Zusammenhang auch den Ecu (‚European Currency Unit‘). Dieser Währungskorb wurde früher als Rechnungseinheit der Europäischen Union benutzt und 1999 durch den Euro ersetzt. Eine nationale Währung in Koexistenz mit dem Ecu hätte keine Konsequenzen für das tägliche Leben der Franzosen, sagt Le Pen in dem Interview.“ bto: Aber es wäre das Ende des Euro, weil in Frankreich mit Franc bezahlt würde.
  • „Laut Flossbach könnten in Europa die Zinsen auch 2017 nicht steigen. Für Sparer könnten sogar noch schwierigere Zeiten anbrechen, zumal Banken zunehmend die von den Zentralbanken verhängten Negativzinsen an Kunden weitergeben könnten. Zudem könnte sich die Inflation zurückmelden.“ bto: Inflation, denke ich, noch temporär, Enteignung der Sparer: aber natürlich!
  • „Stelter weist auf den grossen Unterschied bei den Zinsen zwischen den USA und Europa hin. (…)  Je höher die Zinsen in den USA stiegen, desto mehr steigt auch der Druck in Europa, was die Spannungen in der Euro-Zone erhöhen dürfte. Der europäische Markt könne sich nicht beliebig von dem der USA abkoppeln, sagt Stelter. Würden die Zinsen in Europa steigen, so dürfte die Schuldenkrise wieder offen ausbrechen. Für europäische Anleger sei es folglich zu empfehlen, international diversifiziert zu sein.“  bto: auch dies eine bekannte Position.

 

NZZ: „Die Zukunft der EU steht in den Sternen“, 30. Januar 2017

17 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    Carl Christian von Weizsäcker glaubt an eine längere Phase niedriger Zinsen. Somit wäre zugleich die Geldpolitik bei der nächsten Krise völlig machtlos. Um einen Zerfall der Eurozone zu vermeiden sei es notwendig, die Schuldenbremse durch eine Leistungsbilanzbremse zu ersetzen. Zu diesem Zweck sollen nicht die Löhne überdurchschnittlich erhöht, sondern vielmehr die Mehrwertsteuer gesenkt werden: coll.mpg.de/download/Weizsaecker/CCvW%20PWP%20Paper%20Druckfassung.pdf.

    Ich habe erhebliche Zweifel, dass diese Maßnahme alleine ausreichen wird, den Euro zu retten. Zudem benötigen wir strukturelle Verschiebungen weg vom Exportsektor hin zu mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Wenn die Brücken weiter verfallen, dann werden wir auch unsere Waren bald nicht mehr in andere Länder exportieren können: welt.de/politik/interaktiv/bruecken/deutschlands-bruecken-wettlauf-gegen-den-verfall.html. Manche Unternehmen leiden deshalb schon seit einigen Jahren unter höheren Kosten: swp.de/ulm/nachrichten/wirtschaft/infrastruktur-in-deutschland_-welche-probleme-liebherr-hat-10788474.html. Und sogar die Bertelsmann Stiftung (sic) liefert nun die passenden Argumente: deutschlandfunk.de/bertelsmann-studie-schuldenbremse-und-investitionen-stehen.1818.de.html?dram:article_id=378210. Hurra, der Sachverstand ist zurück!

    Carmen Reinhart sieht das Ende des Deflationszyklus kommen: project-syndicate.org/commentary/advanced-economies-end-of-deflation-by-carmen-reinhart-2017-01, und auch Roubini macht Trump für ein fundamentales Zinsänderungsrisiko verantwortlich: project-syndicate.org/commentary/trump-market-honeymoon-over-by-nouriel-roubini-2017-02.

    LG Michael Stöcker

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  2. Stefan Bohle says:

    „2017 gilt als Jahr der Wahrheit für die Eurozone“. Und wenn dieses Jahr irgendwie glimpflich verläuft (Wilders gewinnt, kommt aber nicht an die Macht, Macron gewinnt in Frankreich, in Italien geht es weiter mit den Sozialisten, für Griechenland wird ein neuer Kompromiss gefunden) dann wird ganz bestimmt das Jahr 2018 zum nächsten Jahr der Wahrheit, nicht zu sprechen von den Jahren 2019 ff. bis irgendwann jemand kommt und den Stecker zieht.

    Wie auch immer man es dreht, sämtliche Südländer + Belgien + Frankreich werden nach dem Untergang des Euros ihre Altschulden wenn überhaupt (vgl. Target Salden) ausschließlich in ihrer wiedereingeführten Landeswährung bedienen / monetarisieren können. Ob sie diese Konversion dann mit fadenscheinigen Argumenten rechtfertigen oder es ehrlich als Staatspleite mit Schuldenschnitt bezeichnen, macht für die Gläubiger finanziell keinen Unterschied. Die Verluste sind ja heute bereits entstanden. Ihr Aufdecken wird trotzdem SEHR schmerzhaft.

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  3. Dietmar Tischer says:

    >„Laut Flossbach könnten in Europa die Zinsen auch 2017 nicht steigen. Für Sparer könnten sogar noch schwierigere Zeiten anbrechen, zumal Banken zunehmend die von den Zentralbanken verhängten Negativzinsen an Kunden weitergeben könnten. Zudem könnte sich die Inflation zu-rückmelden.“ – bto: Inflation, denke ich, noch temporär, Enteignung der Sparer: aber natürlich!>

    Gegenposition:

    >„Stelter weist auf den grossen Unterschied bei den Zinsen zwischen den USA und Europa hin. (…) Je höher die Zinsen in den USA stiegen, desto mehr steigt auch der Druck in Europa, was die Spannungen in der Euro-Zone erhöhen dürfte. Der europäische Markt könne sich nicht beliebig von dem der USA abkoppeln, sagt Stelter.>

    Ich denke, dass Dr. Stelter hier recht hat – ENTEGEN seiner Aussage am anderen Thread, wo er felsenfest davon überzeugt ist, dass die EZB nur Show betreibt und ihre extreme Niedrigzinspolitik weiterführen wird. Hier:

    http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/plaedoyer-fuer-eine-verkleinerte-euro-zone/ – comment-22171

    Zitat:

    >„‚The ECB made a horrible mistake when it agreed to cut bond purchases…” bto: … Undenkbar>

    Ob die Inflation in der Eurozone und/oder in der USA nur temporär ist, kann dahingestellt bleiben. Dass sie in USA höher ist und konsequenterweise auch die Zinsen, ist unbestreitbar.

    Auch wenn es keine Gewissheit gibt, dass die Zinsen in USA weiter steigen, besteht wegen deren Vollbeschäftigung zumindest die Möglichkeit, dass sie weiter steigen könnten.

    Wenn sich der europäische Markt nicht beliebig davon abkoppeln kann, ist auch nicht die EZB in der Lage, sich davon abzukoppeln.

    „Undenkbar“ ist definitiv falsch.

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  4. Jacques says:

    Le Pen ist wohl leider die einzige Hoffnung der Vernünftigen in Europa.
    Alle anderen wollen am Konstrukt Euro festhalten, das schon längst gescheitert ist!
    Die Italiener werden dem Vorbild dann sogleich folgen oder eben nach deren nächsten Wahl.
    Mir persönlich tun die jungen Menschen in Italien etc. leid, die auf dem Altar des Euros für Brüssel geopfert werden!
    Was Draghi hinsichtlich dem Euro Austritt und den Begleichen der Targetforderungen verzapft ist natürlich Unsinn und soll nur Angst machen.
    Es ist gerade bei GR völlig klar das ein Großteil der Schulden abgeschrieben wird, gleichzeitig mit dem Verlassen des Währungsraumes.

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  5. Bakwahn says:

    @ Bohle, Tischer et al
    zur Euro-, Banken-, Staatsschulden- und Griechenlandkrise ist in den vergangenen 6 – 7 Jahren alles gedacht, geschrieben und gesagt worden. Es gibt dutzende von Büchern zum Thema, Studien, Gutachten, Abhandlungen, Aufsätze, Diskussionsbeiträge. 90 bis 95 % aller Ökonomen, Finanzexperten, Wirtschaftsjournalisten sind sich in ihrer Kritik an der Eurozone und der „Griechenlandrettung“ einig. Vom Grexit bis zur Rückkehr zu nationalen Währungen: alle diese Fachleute machen sehr vernünftige und ökonomisch sowie finanztechnisch gut begründete Vorschläge.
    Jedoch:
    Jegliche noch so sachlich fundierte und ökonomisch berechtigte Kritik gegen den Eurorettungswahnsinn wirkt hinfällig, machtlos, vergebens. Der Euro ist kein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt. Der Euro soll „unumkehrbar“ sein. Das alleine ist die einzige Richtschnur des Handelns der europäischen Nomenklatura; einschließlich der EZB-Gouverneure und der Richter des EuGH.
    Die deutsche und die europäische Politik ist fest entschlossen und gewillt, nicht nur den Euro zu bewahren, sondern auch alle im Euro zu halten, auch Pleitestaaten und ihre bankrotten Banken. Sie wird dafür alles opfern, alles. Ein Bankrott Griechenlands und sein Ausscheiden aus der Eurozone käme einem Scheitern der Währungsunion gleich, was die europäische Nomenklatura um jeden Preis vermeiden möchte. Solange die Altparteien mit Merkel an der Spitze (und jetzt auch noch SPD-Schulz) diese positive Zustimmung der deutschen Mainstreammedien und damit auch der deutschen Bevölkerung genießen, wird sich in der „Eurorettung“ nichts ändern.

    Bakwahn – Vientiane

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  6. Bakwahn says:

    Es wird auch keinen „Knall“, „Zusammenbruch“, „vor-die-Wand-fahren“ geben. Alle diese Katastrophenmetaphern, die ja anzeigen sollen, daß ein Ende des Euro mit einer Plötzlichkeit, vergleichbar einem Erdbeben oder einem Vulkanausbruch, erfolgen wird, werden sich meiner bescheidenen Meinung nach nicht bewahrheiten.
    Stattdessen wird auch Deutschland in ein kaum merkliches wirtschaftliches Siechtum übergehen.
    Die Experten dieses Blogs könnten doch mal ein paar Aufsätze zu den Nachteilen dieser Art der „Eurorettung“ schreiben.

    Ich versuche – als Laie – einen kleinen Synapsentango, ein Brainstorming.
    Die gesamte Eurozone, Deutschland dabei an erster Stelle, wird diese liederliche Geldpolitik mit einem schleichenden, langanhaltenden wirtschaftlichen Siechtum und Niedergang bezahlen; laienhaft formuliert, nur ein paar Stichworte, die mir spontan einfallen:
    Geldvermögen und Erspartes werden entwertet, kapitalgedeckte Altersversorgungen lohnen nicht mehr etc. Das hat fatale Folgen für Millionen! Darüber hinaus: Die deutsche Wirtschaft wird an Effizienz, Produktivität, Innovationsfähigkeit und internationaler Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Auch Deutschland wird ärmer, langsam, schleichend.
    Außerdem kommt es – bedingt durch die Niedrigzinspolitik – zu dem, was „Fehlallokationen“ genannt wird; etwa am Immobilien- und am Aktienmarkt .
    Hier meine stichwortartige Auflistung:
    * Sparer und Geldbesitzer gehören schon jetzt zu den großen Verlierern
    * allmählicher Anstieg der Inflationsrate
    * private Altersvorsorge (Riesterrente) ist obsolet, lohnt nicht mehr
    * auch Betriebsrenten werden unsicher und gar nicht mehr machbar für Unternehmen
    * die Weich- und Ramschwährung Euro wird Importe drastisch verteuern (Energie, Rohstoffe, Vorprodukte etc.)
    * Exporte werden viel zu billig ans Ausland verkauft
    * Exportfirmen werden ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit langsam verlieren
    * Vermögenswerte wie Firmen, Immobilien, Aktien etc. können von Inhabern stärkerer Währungen billig gekauft werden
    * Blasen und Fehlallokationen (wie oben angedeutet)
    daraus folgt:
    langanhaltendes wirtschaftliches Siechtum
    hohe Arbeitslosigkeit
    Abschmelzen unseres Wohlstandes
    deutlich niedrige Einkommen etc. usw. usf.

    Das ist alles sehr traurig. Nur meine Meinung.

    live aus dem Cafe Parisien im Schatten des That Luang – Vientiane
    Bakwahn

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    • Horst says:

      „Das ist alles sehr traurig. Nur meine Meinung.“

      Das ist scheinbar system- („kapitalismus-„)immanent.

      „Sparer und Geldbesitzer gehören schon jetzt zu den großen Verlierern“

      Dafür gehörten sie zuvor zu den „großen oder größeren Gewinnern“ (wenn man das jenseits der Supra-/Ultra-Vermögen so in Gänze sagen kann und/oder darf).

      „Die Kapitalisten verdienen, was sie ausgeben, und die Arbeiter geben aus, was sie verdienen.“
      Michal Kalecki

      Wenn beide Sektoren ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, sich in dieser Situation der Staat zusätzlich zurückzieht (das Ausland lediglich eine „kreditfinanzierte“ gefühlte Stabilität (noch: siehe die Diskussionen um die LB-Überschüsse) aufrechterhält)), darf sich niemand beschweren, dass, wenn es kommt, auch so kommen musste.

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  7. Dietmar Tischer says:

    @ Bakwahn

    >Jegliche noch so sachlich fundierte und ökonomisch berechtigte Kritik gegen den Eurorettungswahnsinn wirkt hinfällig, machtlos, vergebens.>

    Ja, wenn man daraus UNMITTELBAR gestaltende Maßnahmen ableitet. Ob „steter Tropfen höhlt den Stein“ in diesem Fall richtig ist, lasse ich offen, weil ich das m. A. n. nicht zu beantworten ist.

    >Der Euro ist kein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt.>

    Richtig.

    >Der Euro soll „unumkehrbar“ sein. Das alleine ist die einzige Richtschnur des Handelns der europäischen Nomenklatura; einschließlich der EZB-Gouverneure und der Richter des EuGH.>

    Ja, bis jetzt.

    Es sollte aber nicht übersehen werden, dass Schäuble einen etwas anderen Euro wollte, durchaus eine Umkehr, als er 2015 Griechenland den Austritt nahelegte.

    >Die deutsche und die europäische Politik ist fest entschlossen und gewillt, nicht nur den Euro zu bewahren, sondern auch alle im Euro zu halten, auch Pleitestaaten und ihre bankrotten Banken.>

    Das ist FALSCH.

    DIE deutsche und europäische Politik umfasst mittlerweile nicht nur den Mainstream, sondern auch von breiten Wählerschichten getragene Kräfte, die nicht im Euro bleiben und ihn auch nicht bewahren wollen.

    Die zukünftigen Ereignisse, die dadurch in Gang gesetzt werden, sind zwar am heutigen Tag nicht absehbar. Schon möglich, dass die nationalpopulistischen Kräfte nicht in dem Ausmaß die Oberhand gewinnen, dass der Mainstream und seine Nomenklatura abgelöst werden.

    Auf jeden Fall muss und wird der Mainstream auf diese Kräfte reagieren müssen, wenn er Mainstream bleiben will.

    Damit ist ihr apodiktisches Diktum, dass die deutsche und die europäische Mainstream-Politik für die Bewahrung des Euro ALLES opfern werde, höchst fragwürdig.

    NATIONALE Stabilität hat VORRANG – wenn es irgendwie geht, mit dem Euro.

    Wenn nationale Stabilität NUR noch ohne den Euro zu erhalten ist oder auch nur scheint, ist der Euro tot.

    Das Gravitationszentrum politischen Handelns liegt in den NATIONALSTAATEN – siehe Brexit, siehe Trump … demnächst vielleicht mit weiterer Bestätigung, dass dies so ist.

    Antworten
  8. Bakwahn says:

    Tischer zitiert mich
    >Die deutsche und die europäische Politik ist fest entschlossen und gewillt, nicht nur den Euro zu bewahren, sondern auch alle im Euro zu halten, auch Pleitestaaten und ihre bankrotten Banken.>

    und er behauptet:
    „Das ist FALSCH.“

    Ich behaupte das seit Ausbruch der Krise vor etwa 7 Jahren. Seit dieser Zeit habe ich richtig gelegen.
    Ein Blick in die mittlere Zukunft; ich mache es so kurz wie möglich, nur Stichworte.
    Kein Südland wird den Euro verlassen.
    Griechenland:
    Syriza in Hellas wollte raus. Man hat es unterlassen. Die Syriza-Leute aus Gründen der persönlichen Bereicherung. Man hat die alten Eliten aus den lukrativen Positionen in Staat und Gesellschaft rausgeschmissen und die eigenen Leute eingesetzt. Die greifen dort Geld ab, so wie ihre Vorgänger.
    Das Land insgesamt, weil es zu den eigentlichen Profiteuren des Euros gehört. Es bekommt Geldgeschenke in Milliardenhöhe, dazu Schuldenerlasse, und der Euro erlaubt dem Land einen Lebensstandard, der 10 bis 15 % über dem liegt, was es mit seiner Volkswirtschaft erwirtschaftet.

    Griechenland ist ein failed State, ein dritte Welt Land, verkommen, korrupt bis in die Knochen.
    Vor knapp 3 Jahren lief in der ARD eine Doku zu nachtschlafender Zeit; eine Sternstunde der Fernsehjournalistik:
    Griechisches Roulette – Wie Athen und Brüssel Steuermilliarden verzocken
    https://www.youtube.com/watch?v=ACI-35MbAEs
    Nehmen Sie sich Zeit. Hochinteressant.

    live aus dem Cafe Parisien im Schatten des That Luang – Vientiane
    Bakwahn

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  9. Bakwahn says:

    Fortsetzung:
    In dieser Doku wird uns das wahre Hellas in seiner Mentalität, Lebensform präsentiert.
    Vor ein paar Jahren schrieb ich zu Griechenland:

    Griechischer Geist
    Hellas ist ein „Failed State“; ein Dritte-Welt-Land. Korruption auf allen Ebenen, Schattenwirtschaft, skandalöse Steuermoral; ganz offensichtlich völlig unfähige Finanz- und Katasterämter. Ein aufgeblähter öffentlicher Dienst, staatliche und halbstaatliche Unternehmen, die vom Markt und damit von der Konkurrenz abgeschottet sind und höchst unproduktiv und defizitär wirtschaften. Von den ca. vier Millionen Arbeitnehmern sind eine Million im öffentlichen Dienst beschäftigt! Überhaupt scheint die gesamte öffentliche Verwaltung ein einziger Sauhaufen zu sein, gekennzeichnet durch Unfähigkeit, Unwilligkeit und Korruption. Eine Volkswirtschaft in unserem Sinne existiert nur in rudimentären Ansätzen. Arbeitsplätze gibt es eigentlich nur im öffentlichen Dienst.
    Dieser knapp skizzierte Zustand von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft entspricht der griechischen Mentalität. Heglianisch formuliert: der Zustand der griechischen Gesellschaft in ihrem politischen, sozialen und wirtschaftlichen Sosein ist eine Entäußerung des griechischen Geistes, seiner Mentalität. Dieser Geist hat in diesem Zustand den authentischen Ausdruck seiner selbst. So wie wir sind, so wollen wir sein. Dieser Zustand, dieses Sosein ist Ausdruck der hellenischen Identität, Mentalität und Kultur.
    Stelter und andere Kommentatoren haben recht: Man hat nur kosmetische Veränderungen betrieben, substanziell hat sich nichts verändert.

    @ Alle
    Schmökern Sie den Roman von Nikos Kazantzakis „Alexis Sorbas“ oder schauen Sie sich die gleichnamige Verfilmung an mit Anthony Quinn in der Titelrolle.
    Der Roman entstand 1946 und wurde dann 1964 verfilmt. Beide präsentieren uns auf sehr sympathische Weise griechische Lebensart, Mentalität und Eigensinn. Der wohlhabende englische Schriftsteller Basil finanziert den Wiederaufbau und die Inbetriebnahme eines Braunkohlebergwerks auf Kreta. Er trifft auf Alexis Sorbas, den er als Vorarbeiter und Manager des Projektes einstellt, das vielen Kretern sichere Arbeit und guten Lohn bringen soll. Das Bauprojekt endet aufgrund von Sorbas‘ katastrophalen Fehlern und Fehlverhalten in einer Katastrophe. Am Ende hat der Investor sein Geld verloren, und für viele Kreter gibt es weder Arbeit noch Einkommen. Alles ist wie quasi vorher. Aber beide, Sorbas und Basil, tanzen frohgemut einen Sirtaki am Mittelmeerstrand.
    Dieser Sorbas repräsentiert bis heute griechischen Lebensstil, Mentalität und Eigensinn. Wegen dieser griechischen Lebensart, Mentalität und diesem Eigensinn drohen uns Deutschen (und allen Nordländern) gewaltige finanzielle Verluste.

    live aus dem Cafe Parisien im Schatten des That Luang – Vientiane
    Bakwahn

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  10. Bakwahn says:

    Fortsetzung:
    Italien:
    Nehmen wir an, Lega Nord und Grillos 5 Sterne erreichen eine Mehrheit, bilden eine Koalition und die Regierung. Auch die werden im Euro bleiben. Denn sie merken, die EZB schenkt ihnen Geld in Milliardenhöhe, erläßt ihnen Schulden.
    Bei einem Ausstieg müßten die Mittel- und Süditaliener wirklich hart arbeiten, müßten sich beruflich qualifizieren, ein völlig anderes Arbeitsethos entwickeln.
    Vor ein paar Jahren schrieb ich:
    Giorgio Agamben und die lateinsch-mediterrane Lebensart

    Der italienische Philosoph Giorgio Agamben hat unter Intellektuellen für viel Wirbel gesorgt hat: Que l’Empire latin contre-attaque! (das lateinische Imperium schlägt zurück). Dazu gab es Artikel von Thomas Assheuer und Jürgen Kaube, dazu viele Kommentare der Leser, die sich mit besagtem Agambenaufsatz und Interview beschäftigen.
    Agamben befürchtet, daß die romanisch geprägten Südländer in der durch den wirtschaftlichen Hegemon Deutschland beherrschten Eurozone ihre kulturellen Selbstverständlichkeiten und ihre spezifische Lebensweise einbüßten.
    Die angeblich so knallharten Forderungen – Geld und Hilfe nur gegen Austerität und strukturelle Reformen – bedeuteten die zwangsläufige Übernahme von Tugenden und Einstellungen sowie eines Arbeitsethos und Lebensstils, die der deutschen protestantischen Ethik entsprächen, was ein nicht hinzunehmender Angriff auf die lateinisch-mediterrane Identität und Mentalität darstelle. Sich den Imperativen einer kapitalistischen Marktwirtschaft zu unterwerfen „würde zum Verschwinden eines Kulturguts führen, das vor allem in einer Lebensform liegt.“ (Agamben) Die besondere lateinisch-mediterrane Kultur gilt es also zu verteidigen.
    Assheuer von der Zeit resümiert: „Frankreich hat Kultur. Deutschland nur Zivilisation.“
    Hier werden die Differenzen deutlich und es drängt sich der Verdacht auf, wir sollen ihnen diesen Lebensstil per Transferunion finanzieren.
    Heute sieht man: die EZB finanziert direkt, wir finanzieren indirekt über Verluste. Siehe die Bücher, Aufsätze von Stelter, Sinn und Co.
    Ich höre mal auf. Eine Gruppe laotischer Gäste wollen sich mit mir unterhalten. Darunter zwei schicke Damen. Ich vermute – aufgrund des Habitus, der Kleidung und des Benehmens – die kommen aus einem der Ministerien ein paar hundert Meter die Straße runter.

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    Bakwahn

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    • Dietmar Tischer says:

      Wenn Sie mich zitieren, dann bitte nicht SINNENTSTELLEND, sondern im thematischen KONTEXT vollständig.

      A. Von mir gesagt, aber von Ihnen UNTERSCHLAGEN:

      >“Der Euro soll „unumkehrbar“ sein. Das alleine ist die einzige Richtschnur des Handelns der europäischen Nomenklatura; einschließlich der EZB-Gouverneure und der Richter des EuGH“.>
      Ja, bis jetzt.>

      Damit habe ich Ihnen für die Vergangenheit recht gegeben.

      Sie argumentieren daher mit Ihren vergangenen 7 Jahren gegen eine Position, die ich nicht vertrete. Ihre Entgegnung bzw. Erklärungen zu Griechenland und Italien sind daher neben der Sache – und argumentativ WERTLOS (unabhängig davon, ob sie richtig oder falsch sind).

      B. Von mir gesagt, aber von Ihnen UNVOLLSTÄNDIG zitiert:

      >Die deutsche und die europäische Politik ist fest entschlossen und gewillt, nicht nur den Euro zu bewahren, sondern auch alle im Euro zu halten, auch Pleitestaaten und ihre bankrotten Banken.>
      Das ist FALSCH.
      DIE deutsche und europäische Politik umfasst mittlerweile nicht nur den Mainstream, sondern auch von breiten Wählerschichten getragene Kräfte, die nicht im Euro bleiben und ihn auch nicht bewahren wollen.>

      Sie haben den letzten Satz als Begründung für meine Falsch-Bewertung einfach unter den Tisch fallen lassen.

      GEGEN die Begründung müssten Sie argumentieren, z. B. behaupten, dass es diese Kräfte nicht gibt.

      Es gibt sie und sie wollen nicht im Euro bleiben wie Le Pen, die demnächst möglicherweise die stärkste politische Kraft in Frankreich wird.

      Ob die Nationalpopulisten irgendwo stärkste Kräfte werden und dann tatsächlich austreten wollen ist eine andere Sache. Und nochmals eine andere ist, ob es ihren Ländern dann der „Mentalität“ entsprechend besser oder schlechter gehen würde.

      Soviel zu DIE Politik …

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