Notenbanksozialismus

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager magazin.
Zehnjährige deutsche Staatsanleihen bringen weniger als die japanischen Pendants. Klarer kann man nicht zeigen, wie weit wir schon auf dem Weg in unser eigenes „japanisches Szenario“ von Deflation und Stagnation sind.

Nächste Woche ist es wieder so weit. Mit ernstem Blick wird der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi über die unzureichende Inflation und das schwächelnde Wachstum in der Eurozone klagen und damit eine weitere Runde expansiver Geldpolitik begründen. Dabei waren nicht wenige Beobachter noch vor einigen Monaten davon ausgegangen, Draghi würde zum Ende seiner Amtszeit höchst selbst die Abkehr von der Droge billigen Geldes verkünden. Eine naive Annahme, wie sich jetzt zeigt.

Stattdessen erleichtert er seiner Nachfolgerin Christine Lagarde den Arbeitsbeginn. Geöffnete Geldschleusen, die sie nur noch mehr aufstoßen muss – und wird. Dabei wäre es an der Zeit, die Geldpolitik der letzten Jahrzehnte zu stoppen.

„Whatever it takes“ war taktisch richtig

Bevor ich aufzeige, wie uns die Politik der EZB, der Fed und der anderen Zentralbanken in das Desaster führt, sei erwähnt, dass das Versprechen Mario Draghis „alles Erdenkliche“ zu tun, um den Euro zu erhalten, absolut richtig gewesen ist. Ohne das Bekenntnis, mit allen Mitteln zu intervenieren wäre der Euro schon längst Geschichte. Dabei wäre er in einem chaotischen Prozess zerfallen und der Schaden für Weltwirtschaft- und -finanzsystem wäre erheblich gewesen.

  • Der Euro hat nicht zu einer Konvergenz, sondern zu einer Divergenz der Mitgliedsländer geführt.
  • Einige Ländern sind demzufolge nicht in der Lage, innerhalb des Euro die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen und bleiben gefangen in einem Umfeld geringen Wachstums.
  • Die Verschuldung von Staaten und Privaten hat in den ersten Jahren des Euro in den heutigen Krisenländern und Frankreich stark zugenommen und hat damit nicht nur die Divergenz zwischen den Ländern weiter befördert, sondern lastet heute auch auf der Eurozone. Verbunden damit ist ein völlig überdimensioniertes und unterkapitalisiertes Bankensystem.
  • Eine weitere Integration der Eurozone bis hin zu einem gemeinsamen Finanzminister und Budget, wie von der französischen Seite immer gefordert, würde an der Situation nichts ändern, da die erforderlichen Transfers die Leistungsfähigkeit Deutschlands übersteigen. Ohnehin zeigen Studien des IWF, dass es auf private Kapitalströme ankommt, wenn man Krisen bekämpfen will, staatliche Mittel können dies nicht bewältigen.
  • Was zur Lösung der Eurokrise führt, die nur in einer Bereinigung der faulen Schulden, einer Sanierung des Bankensystems und einer Neuordnung der Mitgliedschaft liegen kann.

So blieb Mario allein zuhause und die Probleme wuchsen immer weiter an. Es verwundert auch nicht, dass mit Christine Lagarde nun auch offiziell eine Politikerin die Leitung der EZB übernimmt. Selbst wenn man ihre Jahre beim IWF als Lehrjahre anerkennt, ist doch angesichts ihrer dortigen Bilanz offensichtlich, dass sie eindeutig dem Primat der Politik folgt. Und dies kann bei der EZB nur heißen: weiter so!

Zentralbanken führen in den Sozialismus

Dabei ist die EZB mit ihrer einseitigen Politik nicht allein. Seit den 1980er-Jahren kennen die Zinsen weltweit nur eine Richtung: nach unten. Wann immer es eine Turbulenz an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft gab, haben die Notenbanken gehandelt und die Zinsen gesenkt. Mit einer – wie es die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nennt – „asymmetrischen“ Reaktion wurden die Zinsen immer gesenkt, jedoch nie wieder auf das ursprüngliche Niveau gehoben.

Damit haben die Notenbanken die Schuldner der Welt, egal ob sie mit den Schulden investiert, konsumiert oder spekuliert haben, immer wieder aus der Patsche geholfen. Bald war klar, dass die ursprünglich mit Blick auf den Aktienmarkt „Greenspan-Put“ genannte Absicherung durch die Notenbank für alle Schuldner galt. Folge war ein historisch einmaliger Schuldenanstieg, der bis heute andauert, und der wiederum eine immer weitergehende Senkung der Zinsen erforderlich macht, nur um die Illusion der Bedienbarkeit der bestehenden Schulden aufrechtzuerhalten. Oder um es erneut mit den Worten der BIZ zu sagen: Die Zinsen müssen morgen noch tiefer sein, weil sie heute schon tief sind.

Damit führen die Zentralbanken der Welt direkt in einen monetären Sozialismus. Denn was ist es, wenn die wichtigste Restriktion des Kapitalismus, die Budgetrestriktion entfällt? Die Staaten sparen jedes Jahr Milliarden an Zinsausgaben – allein zwischen 2009 und 2018 auf Bundesebene rund 140 Milliarden Euro. Den Banken genügt es, wenn ihre Schuldner noch die Zinsen bedienen können, was zu einem sprunghaften Anstieg an Zombies bei Banken und Unternehmen führt. Und Spekulanten drehen ein immer größeres Rad. Dabei gehören knappe Ressourcen und vor allem auch das Risiko, bei falschen Entscheidungen Konkurs zu machen, zwingend zum Kapitalismus.

Die Finanzkrise von 2009 wie auch die nächste Krise sind demzufolge nicht das Ergebnis von „Marktversagen“, wie die Politik dann erneut behaupten wird, sondern von der Abschaffung grundlegender marktwirtschaftlicher Prinzipien. Dafür trägt neben den Notenbanken auch die Politik Hauptverantwortung, hat sie doch staatliche und private Schuldenwirtschaft zum Rezept gegen jede Art von kurzfristigem Schmerz gemacht.

Vermögende und Hausbesitzer jubeln, Mieter und Sparer zahlen drauf

Dabei fühlt sich der monetäre Sozialismus zunächst gut an, so wie Sozialismus aller Art am Anfang. Der Mietendeckel in Berlin beispielsweise dürfte in den ersten Jahren durchaus populär sein, zeigen sich die negativen Folgen – Vetternwirtschaft, weniger Investitionen, Verfall der Gebäudesubstanz und letztlich noch mehr Mangel und deutlich höhere Mieten – erst nach einigen Jahren.

Der monetäre Sozialismus wirkt anders. Nicht nur nimmt er den Schuldnern immer mehr das Risiko, er bewirkt zusätzlich steigende Vermögenspreise und Geldvermögen. Neue Schulden führen zu immer mehr Geld, weil die Banken mit jedem Kreditschöpfungsakt neues Geld schaffen, neue Ansprüche auf Wertschöpfung in der Wirtschaft. In der Folge sprechen Ökonomen wie Larry Summers von einem zunehmenden „Ersparnisüberhang“, der hinter der erlahmenden Wirtschaftsleistung steht. In Wirklichkeit sind es die vielen zunehmend unproduktiv verwendeten Schulden, die das Wirtschaftswachstum immer mehr erdrücken. Die „säkulare Stagnation“ ist die Folge von zu vielen Schulden, dem Spiegelbild der vielen Ersparnisse.

Auf die Vermögenspreise wirken die neuen Schulden wie ein Turbo. Die Möglichkeit mit Kredit, Vermögenswerte zu kaufen, führt zu steigender Nachfrage und Preisen, was wiederum zu einem höheren Beleihungswert und damit zu noch mehr Nachfrage führt. Nichts beleihen Banken so gern wie Immobilien, weshalb es nur konsequent ist, dass die Preise von Immobilien weltweit mit der zunehmenden Verschuldung gestiegen sind, wie Moritz Schularick von der Universität Bonn in einer Studie vorrechnet.

Deshalb gibt es auch so viele Freunde der vorhandenen Ordnung: all jene, die Vermögenswerte besitzen und mit Kredit arbeiten können – seien es Private oder Politiker. Sie profitieren von der faktisch unbegrenzten Möglichkeit der Banken, Geld zu schaffen bei gleichzeitiger Rückversicherung der Notenbanken.

Negativzinsen geben der Wirtschaft den Rest

Spaß macht diese Entwicklung nur, solange sie funktioniert. Womit wir bei der aktuellen Problemstellung der Notenbanken – nicht nur der EZB, sondern faktisch der Notenbanken der westlichen Welt – wären: Was tun, wenn man bei null angekommen ist? Klar, man beginnt mit dem direkten Aufkauf von Schulden – „Wertpapiere“ genannt – und ist dabei immer weniger zimperlich, was die Qualität betrifft und man drückt die Zinsen unter null.

Warum nicht die Zinsen auf minus drei bis vier Prozent drücken, wenn es doch dazu dient, die Wirtschaft zu beleben und vor allem eine Deflation zu verhindern? Letztere wäre der Supergau für das System, führen fallende Preise doch dazu, dass die Illusion der bedienbaren Schulden platzt.

In der Theorie spricht wenig dagegen. Ja, die Bürger können dann auf Bargeld oder Gold ausweichen. Doch dem begeht man mit der Einschränkung von Bargeld- und Goldbesitz, am besten unter dem Deckmantel der Verhinderung von Geldwäsche und Schwarzgeschäften. Nur so ergeben die diversen Überlegungen zur Beststeuerung von Bargeld und den verschärften Meldepflichten einen Sinn.

Denn andererseits wissen Ökonomen nur zu gut, dass es eben nicht die gewünschte realwirtschaftliche Wirkung hat, die Zinsen in den Negativbereich zu treiben, wie von den Notenbankern behauptet. So zeigen Analysten der Fed-Niederlassung in San Francisco in einer Studie auf, dass die Negativzinsen in Japan statt zu höheren Inflationserwartungen zur Erwartung schneller fallender Preise geführt haben. So zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bath, dass Negativzinsen zu geringerer Kreditvergabe führen und die Solvenzprobleme der Banken verschärfen. Dass die Notenbanker dennoch konsequent diesen Weg gehen, macht überdeutlich, worum es ihnen eigentlich geht: nicht darum Deflation und Stagnation zu bekämpfen, sondern den Kollaps der Schulden-Vermögens-Blase zu verhindern.

Und dabei gilt schon längst: jeder gegen jeden. Denn die Wirksamkeit der Medizin „billiges Geld“ ist schon lange verpufft. Um überhaupt noch die Illusion der Wirksamkeit auf die Realwirtschaft aufrechtzuerhalten, bedurfte es des Abwertungseffekts. In der Eurozone hat das gut funktioniert, wertete der Euro in den letzten Jahren doch deutlich ab. Dies und nicht die Brillanz hiesiger Politik steht hinter der guten Exportkonjunktur der letzten Jahre. Wer zuerst abwertet, ist der Gewinner, galt in den 1930er-Jahren und gilt auch heute. Nur droht jetzt der Gegenschlag der US-Regierung unter Donald Trump, die entweder den Dollar abwerten wird oder aber, wenn dies nicht gelingt, Strafzölle gegen deutsche Autos verhängt. Blickt man auf die aktuelle Zinsdifferenz, ist klar, dass die USA für eine Intensivierung des Währungskrieges deutlich besser gerüstet sind. Fallen die Zinsen in den USA, wie von einigen Auguren erwartet, im Zuge der kommenden Rezession ebenfalls unter null, dürfte der Dollar deutlich abwerten und die EZB hätte wenig Möglichkeiten, dagegenzuhalten. Spätestens dann wäre die Eurokrise wieder für jeden offensichtlich akut.

Die Finanzwirtschaft ruft „mehr!“

Kein Wunder, dass die Finanzwirtschaft wittert, dass die guten Zeiten sich unweigerlich dem Ende nähern. Die Geldpolitik verliert ihre Wirksamkeit und damit fehlt der entscheidende Treibstoff für die Vermögenswerte weltweit. Kommen die Märkte ins Rutschen, könnte es diesmal sein, dass die Medizin nicht mehr wirkt. Deshalb – und wohl wirklich nur deshalb – fordern anerkannte Branchengrößen wie BlackRock, dass die Notenbanken dazu übergehen sollen, Aktien zu kaufen. Die Bank of Japan tut dies schon seit Jahren und besitzt fast vier Prozent der Tokioter Börse. Ohne spürbaren Erfolg für die Kursentwicklung übrigens. Die Schweizer SNB ist ebenfalls Großaktionär führender Unternehmen wie Apple.

Konsequent zu Ende gedacht würde der Notenbank-Sozialismus damit zur Verstaatlichung der Wirtschaft führen. Kevin Kühnert dürfte es freuen. Er müsste dann nur noch die Notenbank ganz offen unter staatliche Kontrolle stellen. Eine Entwicklung, die auch ohne sein Zutun zu erwarten ist.

Mit dem Kauf von Aktien ist es aber nicht getan. BlackRock fordert nun auch den Einstieg in die direkte Finanzierung von Staaten und ist damit nicht mehr weit von den Ideen der sogenannten „Modern Monetary Policy“ (MMT) entfernt, die, wie bereits früher an dieser Stelle erklärt, weder modern noch monetär ist, sondern nichts anderes als eine Wiederauflage der Geldpolitik Venezuelas, Mosambik und Weimar-Deutschlands.

Zu kritisieren ist das nicht. Es ist nur konsequent. Angesichts der Schulden- und Vermögensblasen, der Tatsache, dass rund 20 Billionen Anleihen weltweit mit Negativzins notieren und ein Einbruch an den Finanzmärkten katastrophale Wirkungen hätte, muss man alles auf eine massive Monetarisierung der Schulden verbunden mit deutlicher Inflation setzen. Problem dabei ist bisher nur: Es will nicht klappen.

Falsche Lehre aus der Großen Depression

Die Notenbanken betonen immer wieder, aus den damaligen Fehlern gelernt zu haben. Es gilt als Gemeingut, dass es nur zur Großen Depression kam, weil die Notenbanken zu spät die Zinsen gesenkt hätten und damit die Krise erst entstanden wäre. So wurde auch beim alljährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole argumentiert. Die US-Fed hätte 2009 schneller und konsequenter reagiert und nur so eine Wiederholung der Depression verhindert.

Eine überaus optimistische Einschätzung. Damals gelang es erst mit der Aufrüstung für den Weltkrieg und durch die erhebliche finanzielle Repression der Nachkriegsjahre – das Zinsniveau wurde künstlich deutlich unter der Wachstumsrate der Wirtschaft gedrückt – aus der Krise zu kommen. Heute haben wir die Krise nicht überwunden, sondern sie nur mit noch billigerem Geld unterdrückt.

Vorstellen kann man sich das so: Die Notenbanken drücken den Schulden-Ballon unter Wasser, damit er nicht zum Problem wird. Derweil wird dieser Ballon jedes Jahr größer und drückt mehr an die Oberfläche. Nur durch noch mehr Druck kann er unter Wasser gehalten werden, nur bläht er sich umso mehr auf, je mehr man ihn unter Wasser drückt. Irgendwann kann ihn die Notenbank nicht mehr halten und er schießt mit aller Macht nach oben.

Dann haben wir die Krise mit voller Wucht. Je höher die Schulden und der Verschuldungsgrad – Leverage – im System, desto größer der deflationäre Druck. Das wissen wir seit der Großen Depression und der immer noch gültigen Erklärung durch Irving Fisher. In seiner Schulden-Deflations-Theorie großer Depressionen erklärt er den desaströsen Ablauf. Im Kern ist es nichts anders als ein gigantischer Margin Call.

Diesen versuchen die Notenbanken seit Jahren zu verhindern und machen damit das Problem immer größer. Mit jeder weiteren Rettungsaktion pumpen sie den Ball weiter auf und legen damit die Grundlage für die größte Schulden-Deflation aller Zeiten. Es ist eine große Wette: Gelingt es ihnen (doch noch) eine hohe Inflation zu erzeugen und damit einen etwas schmerzfreieren Weg zur Entschuldung zu finden oder platzt die Blase? Klar ist auf jeden Fall, dass es einen freiwilligen Ausstieg aus dem Spiel nicht geben wird. All-in ist das Motto. Dumm nur, dass wir da unfreiwillig mitspielen müssen.

33 Kommentare
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    Dietmar Tischer sagte:

    Es gibt an diesem Blog immer wieder einen Disput darüber, was die Ursachen für die hohe Verschuldung ist.

    Klärung tut not, nicht der Rechthaberei wegen, sondern aus übergeordnetem Interesse.

    Alexander sagt:

    >Die säkuläre Stagnation ist Folge von Überschuldung, d.h. der Verlängerung von Wohlstand durch Kreditschöpfung für Konsum.>

    Dr. Stelter sagt:

    >Die „säkulare Stagnation“ ist die Folge von zu vielen Schulden, dem Spiegelbild der vielen Ersparnisse.>

    Er bringt darüber hinaus die Notenbanken in Verbindung mit der Verschuldung, ohne mit einer KLAR differenzierden Ursachenzuordnung der Auffassung entgegenzuwirken, dass die Notenbanken die Ursache der zu hohen Verschuldung seien (härter ausgedrückt, aber keineswegs grob verfälschend ließe sich auch sagen: … so der Auffassung Vorschub leistend, dass die Notenbanken die Ursache der hohen Verschuldung seinen).

    Ich kritisiere die Notenbanken auch und bin der Meinung, dass vieles, was Dr. Stelter an ihnen kritisiert, richtig ist, behaupte aber dennoch:

    >Die säkulare Stagnation ist die Folge vor allem der GLOBALISIERUNG und der DEMOGRAFISCHEN Entwicklung in den entwickelten Volkswirtschaften, die wiederum zu Nachfragedefiziten und Wachstumsschwäche geführt haben.>

    Warum ist Klärung derartig unterschiedlicher Auffassungen WICHTIG?

    Sie ist wichtig, weil es hierbei letztlich nicht vorrangig um Theorie geht, sondern um die PRAKTISCHE Relevanz der Ursachenbestimmung und damit -zuordnung.

    Wenn die Notenbanken die Ursache der zu hohen Verschuldung sind, MUSS man konsequenterweise die Lösung bei den Notenbanken liegen.

    Man muss das Personal auswechseln und/oder ihre Satzungen ändern.

    Es wäre eine Lösung auf INSTITUTIONELLER Ebene.

    Wenn hingegen die Globalisierung und Demografie die Ursachen sind und diese zugleich nicht willkürlich änderbare Megatrends, dann MUSS die Lösung in GESTALTUNG durch ANPASSUNG bestehen.

    Das kann institutionelle Änderungen einschließen, ist aber keine Lösung auf institutioneller, sondern POLITISCHER Ebene.

    Es sollte klar sein, dass das ein fundamentaler Unterschied ist.

    Er ist insbesondere deshalb bedeutsam, weil er im Spektrum der öffentlichen Meinung von VERANTWORTLICHKEITEN ablenkt.

    Die Politik hat Verantwortung und muss sie auch wahrnehmen statt mit Schuldzuweisungen, u. a. an die Notenbanken – leicht gemacht bei einem Verständnis, dass diese die Verursacher der Probleme seien – von der eigenen Verantwortung abzulenken.

    Die Politik der Notenbanken ist problematisch, in Aspekten sogar sehr problematisch, aber sie ist nicht ORIGINÄR verantwortlich für Entwicklungen, die nicht zu lösen sind wie z. B. kontinuierlich fallende Langfristzinsen oder von der Politik nicht gelöst worden sind wie z. B. sich verfestigende strukturelle Hemmnisse.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Dietmar Tischer

      Ich teile Ihre Einschätzung zur Ursachenanalyse, möchte diese aber noch um zwei weitere Aspekte ergänzen.

      1. Aufgrund des tendenziellen Falls der Profitrate in reiferen Volkswirtschaften sowie eines eher linearen Wachstumstrends müssen die Wachstumsraten und somit auch die Zinsen als Gewinnbestandteil grundsätzlich fallen. Die logische Folge sind wiederum fallende Zinssätze.

      2. Aufgrund dieser Tendenz wurden die Lohnzuwächse durch Schwächung der Gewerkschaften in den 80er Jahren (Thatcher, Reagan) begrenzt und blieben hinter dem Produktivitätswachstum sowie der (Ziel)inflation zurück. Die hierdurch induzierte schwache Nachfrage wurde durch die Einführung der Kreditkarte kompensiert. Damit konnte das Renditespiel in die Verlängerung gehen.

      Die Geldpolitik ist dieser Entwicklung immer nur gefolgt, hat diese aber nicht vorangetrieben. Insofern ist mAn die Ursache exakt anders herum, als es Alexander sieht. ZUERST gab es die Tendenz zur säkularen Stagnation und ANSCHLIESSEND kam es zur zunehmenden Verschuldung, um diese Tendenz zu unterbinden (später dann durch Sub-Prime Immobilienkredite, Abzahlungsgeschäfte etc.). Richtig ist allerdings, dass diese Aufschuldung der vergangenen Jahrzehnte die heutige säkulare Stagnation verschärft, da die Löhne nicht ausreichend gestiegen sind, zugleich aber via Zinszahlung immer mehr Nachfrage der verschuldeten Mittelschicht im Finanzkasino landet und nicht mehr den Weg in die Realwirtschaft findet.

      Der Hauptfehler der Notenbanken lag im Vertrauen auf die positiven Kräfte eines liberalisierten Finanzmarktes. Das wird vermutlich eines Tages als deren großes Versagen/Geschichtsvergessenheit in den Geschichtsbüchern stehen.

      Falls Alexander mitlesen sollte, ich hatte ihm hier geantwortet: https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/negativzinsen-fuehren-zu-geringeren-inflationserwartungen-nicht-hoeheren-wie-erhofft/#comment-84971

      LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >ZUERST gab es die Tendenz zur säkularen Stagnation und ANSCHLIESSEND kam es zur zunehmenden Verschuldung, um diese Tendenz zu unterbinden (später dann durch Sub-Prime Immobilienkredite, Abzahlungsgeschäfte etc.).> … mit der Deregulierung des Finanzsektors und dem unausgesprochenen, aber weitgehend akzeptierten Paradigmenwechsel: Wenn nicht mehr durch wachsendes Arbeitseinkommen zu Wohlstand, dann durch zunehmendes Vermögen aufgrund geringerer Verschuldungskosten (Zinsen).

        Richtig, mit der säkularen Stagnation und ihren Ursachen beginnt das Verständnis, von dem aus einzelne Treiber in der Interaktion mit anderen als Trendursachen abzuleiten sind.

        Wenn Alexander glaubt, dass „Die säkulare Stagnation die Folge von Überschuldung“ ist, dann muss er z. B. erklären können, warum die extrem hohe Staatsverschuldung der USA nach WK II nicht zu säkularer Stagnation geführt hat. Denn es gab vielmehr starkes Wachstum mit Abbau der Verschuldung, was man schlüssig erklären kann u. a. mit der hohen Nachfrage nach innovativen langlebigen Konsumgütern wie Automobilen und Haushaltsgeräten.

        Mein Ergänzungen zu dem, was Sie sagen:

        Ihr 2. ist nicht die Folge von 1.

        Ob 1. richtig ist, scheint noch nicht eindeutig geklärt zu sein. Ich glaube, dass die Unternehmen (Durchschnitt) in den letzten Jahrzehnten unter einem Renditewettbewerb standen, der nicht über vermehrte Nachfrage und organisches Wachstum ausgetragen werden konnte, eben der säkularen Stagnation wegen, sondern als Kostenwettbewerb geführt werden musste: gleich bleibende oder sogar steigende Rendite durch Kostenreduzierung.

        Von daher Druck auf die Löhne UND kontinuierliches Produktivitätswachstum.

        Das Produktivitätswachstum in der Güterproduktion wird in aller Dramatik deutlich, wenn man sich einmal in Filmen die Produktionshallen von VW in den späten 50er bis in die 60er Jahre und die von heute vor Augen führt: Damals buchstäblich nur Menschen, aber keine Autos zu sehen, heute fast nur Autos und Roboter, kaum Menschen.

        Heißt: weniger Menschen, weniger Kosten – und tendenziell weniger Nachfrage, wenn die Menschen hochbezahlte Jobs verlieren.

        Die Defensive abhängig Beschäftigter hat bereits vor den 80er Jahren begonnen und sich deutlich verstärkt fortgesetzt in den 90ern nach Fall des Eisernen Vorhangs in Europa und der Beschleunigung des Wachstums in China mit Verlagerung der Investitionen dorthin.

        Thatcher und Reagan haben diesen Prozess NICHT ursächlich bestimmt. GB ist ein spezieller Fall, weil dort die Gewerkschaften mit wilden Fabrikbesetzungen und Produktionsstörungen auf dem Weg zur Anarchie waren (Meldung damals, unlöschbar in meinem Gedächtnis verankert: 5.000 Ford-Arbeiter streikten, weil ein Tisch, an dem in der Mittagspause Karten gespielt wurde, nicht dort stand, wo er zu stehen hatte).

        Es ist nicht zu beweisen, aber auch nicht abwegig anzunehmen, dass das Wachstum der Löhne und Gehälter sogar geringer gewesen wäre, wenn Reagan und Thatcher nicht eingegriffen hätten.

        Mehr Unternehmen hätten vermutlich in der Folge aufgegeben oder wären verstärkt in die Billiglohnländern migriert.

        Wie auch immer, wir sind uns einig, in einem hohen Maß zurückgebliebene Arbeitseinkommen eine Ursache der Nachfrageschwäche waren.

        Heute tendiere ich als Erklärung für die mangelnde Nachfrage mehr zur Gütersättigung, was letztlich heißt: Der Kapitalismus war zu erfolgreich.

        >Richtig ist allerdings, dass diese Aufschuldung der vergangenen Jahrzehnte die heutige säkulare Stagnation verschärft, da die Löhne nicht ausreichend gestiegen sind, zugleich aber via Zinszahlung immer mehr Nachfrage der verschuldeten Mittelschicht im Finanzkasino landet und nicht mehr den Weg in die Realwirtschaft findet.>

        Ich sehe diese Verbindung nicht, sondern sage:

        Die steigende Aufschuldung berührt direkt nicht wesentlich die sich fortsetzende säkulare Stagnation, wendet sie jedenfalls nicht in spürbares Wachstum, weil sie an der wertschöpfenden Realwirtschaft vorbei die Assetpreise treibt.

        Die Notenbanken können z. B. mit Negativzinsen Druck auf die Geschäftsbanken ausüben, Kredite zu gewähren, ihnen aber nicht vorschreiben, WELCHE Kredite es sein müssen. Wenn die wertschöpfende Realwirtschaft keine Nachfrage nach Krediten zeigt, dann werden sie eben zum Aufpumpen der Assetblasen vergeben.

        >Der Hauptfehler der Notenbanken lag im Vertrauen auf die positiven Kräfte eines liberalisierten Finanzmarktes.>

        Ich sehe es etwas anders:

        Die Notenbanken sahen es ihrem Paradigma gemäß als SINNVOLL an, bei geringer Inflation nach 1990 die Zinsen zu senken (natürlich nur die kurzfristigen ihrer Geldpolitik), um der Realwirtschaft zu mehr Wachstum zu verhelfen.

        Wenn das ein Fehler war, dann der, nicht erkannt zu haben, dass die Realwirtschaft in den entwickelten westlichen Volkswirtschaften längst nicht mehr in dem gewohnt zyklischen Konjunkturmodus, sondern in einem TRENDKANAL sich abschwächenden Wachstums war.

        Unterm Strich:

        Was das Grundverständnis anlangt, liegen wir weitgehend auf einer Linie, bei den Weiterungen unterscheiden wir uns schon, teilweise auch in den Wertungen.

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        Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        >extrem hohe Staatsverschuldung der USA nach WK II nicht zu säkularer Stagnation geführt hat

        Den Sieg im II WK haben sich vier Mächte geteilt, aber nur eine war nicht stehend k.o. Wer hätte die Schulddienstfähigkeit der USA anzweifeln sollen, in Asien, Afrika oder Südamerika?

        Nach zwei weiteren Kriegen und der Niederlage in Vietnam kamen Zweifel auf und das System von Bretton Woods wurde reformiert.

        In der Zwischenzeit gab es Aufbaunachfrage=Kreditnachfrage und Innovationen aus der zivilen Verwertung der militärischen Forschungen, die für extreme Produktivitätssteigerungen sorgen sollten. Die gesamte Industrie 3.0 fällt in diese Zeit.

        Die sozialen Ausgabenprogramme der Regierungen Brandt/Schmidt versuchten mit Staatsausgaben diese Konjunktur zu verlängern, wie der Krieg der Sterne unter den Reagen Administration. Die Produktivität sankt & der Konsum ersetzte laaaangsam die Investition.

        Als Unternehmer interessiert mich der Zinssatz nur zweitrangig, wenn der Gewinn aus Produktivitätsgewinn/Rationalisierung stimmt. Sinkenden Zinsen als Konjunkturprogramm sind auch ein Spiegelbild von nachlassender Innovation/Produktivität, wenn Konsum Ursache der Nachfrage ist….

        Unproduktive Konsumschulden führen zur Überschuldung, weil es Ausgaben ohne den „Mehrwert“ (vgl. Karl Marx) sind.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        1. Bitte lesen:

        Es geht hier nicht um Schuldendienstfähigkeit, sondern um den ABBAU von Schulden

        2. Sie erklären nicht, WARUM er gelang, sondern verweisen auf anderes und andere.

        Das ist nicht die erforderliche Antwort.

        Und Vorsicht, wenn Sie „Mehrwert“ mit Marx in Verbindung bringen.

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        Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Kam es in den USA zum staatlichen Schuldenabbau oder zur Inflationierung der Schuld durch Vermögenspreisinflation im Zuge von Prolongation?

        In den Nachkriegsjahren halte ich privaten Schuldenabbau für problemlos, weil es an Nachschuldner niemals mangelte – die Verschuldungsbereitschaft war hoch – entsprechend zu den Perspektiven. Flasbeck kritisiert den Stillstand unternehmerischer Verschuldungsbereitschaft seit Jahren….

        Markanter privater gewerblicher Schuldenabbau fand in der BRD in den 1980ern statt, als Folge der Produktivitätsgewinne – sie verdoppelte sich in den 1990ern als Folge des verlorenen Globalisierungswettlaufes und Innovationsverlangsamung. (Quelle BIZ)

        Ganz bewusst habe ich den Ausdruck „Mehrwert“ gebraucht, wegen der nicht monetär bewertbaren stillen Gewinne aus Fortschritt/Arbeitserleichterung/Produktivitätssteigerung. Erst kürzlich fiel hier die Erkenntnis, dass fitives Giralgeld nicht gleich Kapital ist. Marx wusste was er umverteilen wollte.

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    assets4all sagte:

    Es wirkt so, als ob es nur weitergehen kann, wenn die Leitzinsen wieder auf über 10 % gesetzt werden. Damit sie wieder über viele Jahre fallen können und uns einen neuen Zyklus guten Wirtschaftens bescheren können. Zu dumm, dass all die satten Vermögenswerte dann ernsthaft Federn lassen müssen, dass man die nicht unbeschadet rüber retten kann, das ist einfach zu tragisch.

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    Dietmar Tischer sagte:

    „NOTENBANKSOZIALISMUS“ trifft es schon im Kern.

    >Die Finanzkrise von 2009 wie auch die nächste Krise sind demzufolge nicht das Ergebnis von „Marktversagen“, wie die Politik dann erneut behaupten wird, sondern von der Abschaffung grundlegender marktwirtschaftlicher Prinzipien. Dafür trägt neben den Notenbanken auch die Politik Hauptverantwortung, hat sie doch staatliche und private Schuldenwirtschaft zum Rezept gegen jede Art von kurzfristigem Schmerz gemacht.>

    Endlich wird das einmal klar und deutlich in einem verbreitetem Medium ausgesprochen.

    Ergänzung dazu, sollte man auch nicht unterschlagen:

    „Kurzfristiger Schmerz“ kann auch starker Schmerz sein und auch einer, der als Krise wahrgenommen wird. Unkalkulierbare Folgen nicht ausgeschlossen.

    >Die „säkulare Stagnation“ ist die Folge von zu vielen Schulden, dem Spiegelbild der vielen Ersparnisse.>

    „Spiegelbild“ ist falsch.

    Die säkulare Stagnation ist die Folge vor allem der GLOBALISIERUNG und der DEMOGRAFISCHEN Entwicklung in den entwickelten Volkswirtschaften, die wiederum zu Nachfragedefiziten und Wachstumsschwäche geführt haben.

    DEREN Spiegelbild sind die vielen Ersparnisse.

    Die Zunahme der Schulden, befördert durch die Notenbanken VERSTÄRKT die säkulare Stagnation lediglich, aber natürlich erheblich.

    Ansonsten:

    Ich finde, dass der Artikel eine genaue, stimmige Beschreibung der Verhältnisse sowie wesentlicher Mechanismen ist inkl. des Verweises auf Draghis „alles Erdenkliche“ tun zu wollen, was – hätte er sich nicht dazu bekannt – in der Tat zu einem chaotischen Zerfallsprozess geführt haben würde.

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      Alexander sagte:

      @ Dietmar Tischer

      Die säkuläre Stagnation ist Folge von Überschuldung, d.h. der Verlängerung von Wohlstand durch Kreditschöpfung für Konsum. Konsumschulden sind immer unproduktiv, das gilt insbesondere für Immobilien. Mit einer Halle produziert ein Unternehmer nichts auch wenn Immobilien bessere Kreditpfänder sind als Anlagen/Maschinen.

      Globalisierung hat es in der Geschichte schon immer gegeben, genau wie demographischen Wandel (Epedemien, Kriege, Seidenstraße, Phoenizier…)

      Aufgabe der Politik wäre es gewesen adäquat darauf zu reagieren, anstelle durch ungedeckte Versprechen Ausgabenprogramm für Zombiefizierung zu stemmen.

      Aufgabe der Wähler wäre es gewesen den Prozeß durch Interesse einzuleiten, anstelle sich durch laissez fair Hedonismus , Ablenken zu lassen.

      Wenn diese Gesellschaft, die sich jetzt anschickt ihr Werk durch MMT Geldpolitik zu vollenden eines bewiesen hat, dann dass sie nicht zukunftswillig ist.

      Fazit
      „Sollen sie doch Kuchen essen“

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        Hansjörg Pfister sagte:

        @Alexander: Sie haben schon recht mit der Feststellung, dass am Ende Wählerversagen vorliegt. Allerdings sind die Leute wie sie sind, da was dran zu ändern ist das sprichwörtliche Bohren sehr dicker Bretter. Meiner Ansicht nach sind es die Mainstreammedien, denen der Hauptvorwurf zu machen ist: Ideologisch links – grün borniert und unwillig ihrer wesentlichen Aufgaben nachzukommen, nämlich zu sagen was ihrer Ansicht nach objektiv der Fall ist und die Herrschenden zu kritisieren. Objektiv zu sagen was der Fall ist, ist die Kunst seinen eigenen Willen, wie andere die Welt sehen sollen, hintanzustellen. Übrigens: Vorgestern hat mich doch glatt ein Winzer hier im Ort nach Markus Krall gefragt, es besteht also noch Hoffnung!

  4. Avatar
    Hansjörg Pfister sagte:

    „..das Versprechen Mario Draghis „alles Erdenkliche“ zu tun, um den Euro zu erhalten, absolut richtig gewesen ist.“
    Das denke ich nicht. er hat – bildlich gesprochen – die Bewohner eines vom Parterre brennenden Hochhauses eine Etage höher gelotst. Damit waren sie dann vorläufig in Sicherheit. Nun brennt das Feuer aber von unten nach oben. Klar kann man immer noch eine Etage höher, aber irgendann ist man auf dem Dach angekommen und von dort oben runterzuspringen ist ungleich schmerzhafter (oder tödlich) als aus einem unteren Stockwerk aus dem Fenster zu springen, auch wenn das erstmal weh tut. Er hat die Fallhöhe erhöht. Und ich meine das nicht nur wirtschaftlich, unsere Gesellschaft wird auch in anderen Bereichen vollumfänglich an die Wand gefahren. Die trügerische Ruhe und vorgegaukelte Sicherheit ermöglicht es den Akteuren ihre destruktive Arbeit weiter zu betreiben. Deswegen hat uns Draghi einen Bärendienst erwiesen.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Hansjörg Pfister

      „Das denke ich nicht. er hat – bildlich gesprochen – die Bewohner eines vom Parterre brennenden Hochhauses eine Etage höher gelotst.“

      Es wäre Ihrer Meinung nach also besser gewesen, die erste Etage zu sperren und die Bewohner verbrennen zu lassen? Tolle Lösung!

      „Nun brennt das Feuer aber von unten nach oben.“

      So ist es, Herr Pfister. Und das liegt wiederum an der Politik, die Dank schwarzer Null und Schuldenphobie weiter Öl ins Feuer gegossen hat, statt die Löschfahrzeuge anrücken zu lassen und anschließend zusätzliche Brandschutzmaßnahmen zu beschließen.

      „Deswegen hat uns Draghi einen Bärendienst erwiesen.“

      Deswegen hat uns die Politik der schwarzen null sowie die nicht erfolgte Aufarbeitung der desaströsen Rolle der Landesbanken – aber auch der Geschäftsbanken – einen Bärendienst erwiesen.

      LG Michael Stöcker

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        „Es wäre Ihrer Meinung nach also besser gewesen, die erste Etage zu sperren und die Bewohner verbrennen zu lassen? Tolle Lösung!“

        Machen Sie aus jeder Insolvenz gleich einen -im ursprünglichen Wortsinn- Holocaust? Was wäre denn konkret passiert wenn wir ein paar Unternehmen und Banken hätten pleite gehen lassen? Glauben Sie im Ernst, dann hätten wir alle sterben müssen?

        Der Ausweg wäre gewesen, die Hausbewohner aus dem langfristig abbrennenden und nicht zu rettenden Haus zu führen. Da ist es zwar ein bisschen kalt (Insolvenzen sind nie angenehm) und windig, aber das ist immer noch besser als in einem brennenden Hochhaus immer eine Etage höher zu klettern.

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    Michael Stöcker sagte:

    „Notenbanksozialismus“ ist wohl dem medialen Aufmerksamkeitswettbewerb geschuldet. Etwas weniger reißerisch, dafür aber ums so besser, ist diese Diskussion im Rahmen eines „Workshops About the future of Europe and the role of ideas of F.A. Hayek and J. M. Keynes” mit Lord Robert Skidelsky und Mojmir Hampl von der tschechischen Zentralbank: https://soundcloud.com/user-133551036/robert-skidelsky-and-mojmir-hampl-the-future-of-europe-hayek-or-keynes

    LG Michael Stöcker

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    Zweifler sagte:

    „…Ja, die Bürger können dann auf Bargeld oder Gold ausweichen. Doch dem begeht man mit der Einschränkung von Bargeld- und Goldbesitz…?

    Ich versteh da nie, warum „die Bürger“ gerade auf Bargeld oder Gold ausweichen sollen/müssen? Es gibt ja noch andere Vermögenswerte, beispielsweise Aktien. Die können zwar höher besteuert werden, aber der Sachwert Aktie wird wohl eher nicht eingeschränkt oder verboten werden.

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      Richard Ott sagte:

      @Zweifler

      „Die können zwar höher besteuert werden, aber der Sachwert Aktie wird wohl eher nicht eingeschränkt oder verboten werden.“

      Irgendwann schon. Der Sozialismus ist ja nur eine Übergangsphase auf dem Weg zur kommunistischen Gesellschaft. Schon Genosse Wladimir Iljitsch Lenin schrieb:

      „Es ist klar, daß man zur völligen Aufhebung der Klassen nicht nur die Ausbeuter, die Gutsbesitzer und die Kapitalisten, stürzen, nicht nur ihr Eigentum abschaffen muß, man muß auch sonst jedes Privateigentum an den Produktionsmitteln abschaffen, [usw. usw.] “

      Sie sind reichlich naiv wenn Sie glauben, Sie dürften dann Ihre Aktien behalten – zumal deren Besitz ja normalerweise in Aktionärsregistern verzeichnet ist, effektive Stücke gibt es heute kaum noch.

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        Richard Ott sagte:

        @Zweifler

        „Sie erwarten also eine kommunistische Gesellschaft…vielleicht behalten Sie Recht…dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein, ich gebe mich geschlagen.“

        „Erwartung“ ist übertrieben, aber ich glaube, die Sozialisten werden ernsthaft versuchen, eine zu errichten. Das wird auch dieses Mal nicht funktionieren, weil Kommunismus eine völlig hirnrissige Gesellschaftsform ist, die der menschlichen Natur vollkommen widerstrebt, aber Einsicht war noch nie deren Stärke. Wie es losgeht, sehen Sie ja gerade in Berlin, die konzentrieren sich dort aber mit staatlichen Eingriffen auf den Wohnungsmarkt und setzen anonsten auf Migranten als „revolutionäres Subjekt“.

        Der Notenbank-Sozialismus wäre ein höchst eleganter Weg, über die Aktienkäufe der Notenbank einen Großteil der Kapitalgesellschaften unter staatliche Kontrolle zu bekommen. Interessant wird es an dem Punkt, wo die restlichen Aktionäre aus strategischen Gründen oder aus Prinzip nicht an die Notenbank verkaufen wollen, egal wie viel frisch geschöpftes Geld die Notenbank bietet. Denken Sie an das Lenin-Zitat – *jedes* Privateigentum an den Produktionsmitteln muss abgeschafft werden, da kennt der Kommunismus keine Kompromisse. Was macht der Enteignungs-Kevin wohl dann?

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        Horst sagte:

        Ihr Sozialismus-/Kommunismus-Gefasel ist durch nichts zu überbieten.

        Selbst im Wunderland der freien Marktwirtschaft (den USA) wurde bereits einige Zeit, bevor Berlin anfing, den Mietwohnungsmarkt zu regulieren (ohne die Methoden und deren Wirkmechanismen zu bewerten), die sog. „rent control“ in einigen Bundesstaaten eingeführt.

        https://www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/gesetzlicher-mietendeckel-so-funktioniert-er-in-new-york_84342_492864.html

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        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Jaja, der New Yorker Mietendeckel. Wegen dem gibt es in New York auch so viel und so günstigen Wohnraum, nicht wahr?

        Und was ist jetzt Ihr Argument?

        Etwa: „Zwangsbewirtschaftung von Immobilien kann nicht sozialistisch sein, weil die USA nicht sozialistisch sind und man auch in den USA Beispiele für Immobilen-Zwangsbewirtschaftung findet“?

        Totaler Unsinn.

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