Statt Roboter als Chance zu sehen, vergrößern wir das Problem

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Meine Haltung ist bekannt:

  • Automatisierung und Digitalisierung sind nicht aufzuhalten, sondern beschleunigen sich.
  • Damit werden viele Arbeitsplätze überflüssig, weil in Zukunft Maschinen die Arbeit erledigen.
  • Dieser Trend ist global und man kann ihn nicht aufhalten.
  • Alternde Gesellschaften sind im Vorteil, weil die Maschinen niemanden Arbeit wegnehmen, sondern Menschen, die in Rente gehen, ersetzen.
  • Die richtige Antwort auf den demografischen Wandel ist deshalb, massiv auf Automatisierung zu setzen.
  • Die absolut Falsche ist, auf Migration zu setzen, weil man damit die Anzahl der Menschen, die keinen Job finden, erhöht. Man schafft sich damit ein Problem, das man im Unterschied zu Ländern mit jüngerer Bevölkerung nicht hätte.

Und dann kann man jammern – wie FOCUS MONEY ONLINE in der letzten Woche:

  • So verlockend die Errungenschaften einer neuen, einer softwaregesteuerten Welt für Firmen und Verbraucher auf den ersten Blick sind: Wer in sich geht und sich die Folgen der digitalen Ära, einer Industrie 4.0, vor Augen führt, den überkommt ein ungutes Gefühl.“ – bto: und das zu Recht!
  • Wann immer in der Menschheitsgeschichte technischer Fortschritt menschliche Arbeitskraft überflüssig machte, entstanden neue Märkte mit neuen Möglichkeiten, Arbeit zu finden. Am Ende, so das Resümee der Experten, war die Gesellschaft insgesamt immer wohlhabender. Das Problem: Diesmal ist alles anders. Wir stehen vor einem Umbruch der Gesellschaft, der strukturell der größte seit 250 Jahren ist.” – bto: In der Tat ist diesmal die Gefahr, dass es eben keine weiteren Jobs in ausreichender Zahl geben wird, real.
  • „(…) die bahnbrechende sogenannte Oxford-Studie, in der die renommierten Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michael Osborne ein düsteres Bild der Zukunft der Arbeit malen. Ihr Fazit: In den nächsten zwei Jahrzehnten ist mutmaßlich jeder zweite Job in den USA ersetzbar.“ – bto: was für ein Segen für eine vergreisende Gesellschaft wie die Deutsche. Eine enorme Chance für uns!
  • Das klassische Arbeitsmodell Leistung gegen Entlohnung, wie es jahrzehntelang funktionierte und Deutschland groß gemacht hat, wird künftig nicht mehr funktionieren. (…) A.T. Kearney, sagt für Deutschland ein ähnliches Szenario wie in den USA voraus. In 20 Jahren wird fast die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Deutschland durch Roboter, die die Jobs effizienter erledigen können, ersetzt werden.” – bto: so viel zu dem Thema wir brauchen Zuwanderung!
  • Software is eating the world, bringt der Internet-Unternehmer und Wagniskapitalgeber Marc Andreessen die schleichende Gefahr auf den Punkt. Welcher Umbruch auf die Gesellschaft zukommt, deutet sich bereits in vielen Bereichen der Wirtschaft an. Software scannt Röntgenbilder nach Tumoren, auf den Straßen rollen selbstfahrende Autos. Computer stellen Anlagedepots zusammen und prüfen Immobilienkredite.“ – bto: und ersetzt damit alle Jobs und auch die Sachbearbeiter.
  • Anders als in früheren Umbrüchen trifft der Jobabbau auch die Hochqualifizierten. Technologie lernt, versteht Muster, scannt Millionen von Daten in Bruchteilen von Sekunden. Sie unterrichtet Studenten, diagnostiziert Krankheiten und klärt Rechtsfragen. Sie ersetzt Professoren, Ärzte, Anwälte.” – bto: Ich sehe das auch bei meinen Kontakten mit Start-ups. Es ist eine Revolution.
  • Anders als damals werden mit Eintritt ins vierte digitale Zeitalter keine neuen Märkte geschaffen, sondern der zur Verfügung stehende (globale) Markt mit Hilfe von Computern und Robotern lediglich effizienter bewirtschaftet.” – bto: Das ist der ultimative Killer.
  • Wie wird das Mehr an produzierten Waren und Dienstleistungen, das mit künstlichen Helfern erzeugt werden kann, auf die, die mit dem Prozess nichts mehr zu tun haben werden, gerecht verteilt?“ – bto: Das ist eine wichtige Frage, die jedoch umso weniger wichtig ist, je weniger Unqualifizierte der jüngeren Generation man in das Land holt.
  • Die zu den Vereinten Nationen (UN) gehörende Internationale Arbeitsorganisation (ILO) prophezeit in ihrem Jahresbericht 2015 eine weltweit steigende Arbeitslosigkeit in den kommenden fünf Jahren – bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum. Demnach klettert die Zahl der arbeitslosen Menschen bis 2019 von heute 201 auf 212 Millionen – allerdings bei gleichzeitig steigender Bevölkerungszahl.“ – bto: Das ist weiterer sozialer Sprengstoff.

Deshalb wird auch der Versuch, in den USA mehr Industriearbeitsplätze zu schaffen, scheitern, wie die FINANZ und WIRTSCHAFT treffend zusammenfasst:

  • Der Einsatz von Industrierobotern ist an sich kein neues Phänomen, doch eine Reihe von Faktoren – dazu zählen immense Fortschritte in der Rechenleistung, der Sensorik sowie der Vernetzung von Maschinen – hat in den letzten Jahren eine Art Tipping Pointverursacht und den Einsatz von Industrierobotern enorm beschleunigt.“bto: Und das wird sich nun massiv beschleunigen, weil der technische Fortschritt an Geschwindigkeit und Breite gewinnt.
  • Natürlich lässt sich keine direkte Kausalität zwischen dem Aufstieg der Roboter und dem Sinken der Industrie-Arbeitsplätze beweisen, doch die gegensätzliche Entwicklung ist auffällig.“bto: Ich denke, es ist eindeutig und jeder rational handelnde Unternehmer stellt sich darauf ein.

Quelle: BofA, FuW

  • Die internationalen Spitzenreiter in der Roboter-Durchdringung sind Südkorea, Singapur und Japan. Deutschland, Rang 4, kommt auf 301 Industrieroboter je 10.000 Arbeiter.“bto: wobei in Deutschland die Automobilindustrie der Taktgeber ist. Diese steht jedoch ihrerseits in einem existenzbedrohenden Wandel.

Quelle: EU/Chinesische Handelskammer, FuW

  • Gut möglich, dass dereinst im Zusammenhang mit Robotik viele neue, attraktive Arbeitsplätze entstehen. Gut möglich aber auch, dass in den kommenden Jahren noch Millionen von Arbeitsplätzen verschwinden werden.“bto: mit den schon angesprochenen Folgen.
  • Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass bislang in der breiten Öffentlichkeit kaum ernst genommene Themen wie die Besteuerung von Robotern oder die Einführung von einem bedingungslosen Grundeinkommen in vielen Ländern in den kommenden Jahren wieder intensiv diskutiert werden.“bto: Ich denke nicht, dass wir Roboter besteuern sollten, jedoch die Unternehmen entsprechend deutlich. Sonst haben wir einen Anreiz gegen Automatisierung, der auf Dauer hemmt. Grundeinkommen finde ich persönlich überlegenswert. Das habe ich schon in Die Billionen-Schuldenbombe entsprechend diskutiert.

Fazit: If you cant beat them, join them. Da es ohnehin kommt, lasst uns an der Spitze stehen!

→ FOCUS.de: „Job-Hammer: Roboter ersetzen die Hälfte der deutschen Arbeitsplätze“, 27. März 2017

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Die Roboter kommen“, 31. März 2017

17 Antworten
  1. Wolfgang Selig says:

    bto: Die absolut Falsche ist, auf Migration zu setzen, weil man damit die Anzahl der Menschen, die keinen Job finden, erhöht. Man schafft sich damit ein Problem, das man im Unterschied zu Ländern mit jüngerer Bevölkerung nicht hätte.
    Damit haben Sie recht, wenn man es nur aus der nationalen Brille und unter Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit betrachtet. Nur – arbeitslos waren die Leute in ihren Heimatländern auch schon vorher, einer der Gründe, warum sie kommen. Gut, kann man sagen, was interessiert das die Deutschen? Die Einstellung kann man vertreten, sie ist aber politisch in Deutschland umstritten. Von den anderen Fluchtursachen (Klimawandel, Kriege, Diskriminierung von Minderheiten, usw.) will ich gar nicht reden, denn sie werden auch durch die Robotisierung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften nicht beseitigt. Meines Erachtens übersehen Sie, dass trotz Robotisierung die Deutschen viele Jobs nicht machen wollen, die (noch nicht?) automatisierbar sind. Das fängt bei den Eisenflechtern im Rohbau an und hört bei den Pflegekräften in Seniorenheimen noch lange nicht auf. Hier wird die Robotisierung wohl noch viele Jahrzehnte auf sich warten lassen. Was ich damit sagen will: Robotisierung ja, aber auch Einwanderung, allerdings nach dem kanadischen Punktemodell gemäß Bedarf und nicht versteckt unter dem Vorwand des Asyls. Hier fehlt es an Ehrlichkeit bei manchen Zuwanderern, aber auch bei einem großen Teil der deutschen Politik (die macht sich auch noch selbst etwas vor).

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  2. Michael Stöcker says:

    „ein düsteres Bild der ‚Zukunft der Arbeit‘“

    So ein Gedankengut ist durch und durch mit einem Übermaß an protestantischem Arbeitsethos infiziert. Nein, nicht Arbeit macht frei, sondern die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben. Niemals in der Geschichte der Menschheit waren die Voraussetzungen hierfür günstiger als heute.

    Tatsächlich geht es in Zukunft um ein neues Gleichgewicht von Erwerbsarbeitszeit und sinnerfüllter Freizeit. Der Weg dorthin geht über eine generelle Arbeitszeitverkürzung in Verbindung mit neuen Erwerbs- und Bildungsmodellen. Dazu zählt keinesfalls ein BGE, sondern eine GJG (a government-job guarantee): https://www.bloomberg.com/view/articles/2017-04-03/americans-want-more-than-just-money-to-live-on, ergänzt und finanziert durch ein niedriges zentralbankfinanziertes Bürgergeld (auch Staatsschulden werden grundsätzlich niemals zurück gezahlt, sondern stets revolviert).

    Ich halte es übrigens für ein Märchen, dass uns die Arbeit ausgehen wird. Wer mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt geht, wird dies sehr schnell feststellen. Das einzige, was uns in den letzten Jahren ausgegangen ist, sind die Ideen. Und diese werden immer wieder durch Denkverbote (Stichwort TINA) und neoliberale Gebetsmühlen unterdrückt. Nachdem der Sozialismus vor nun bald 30 Jahren krachend gescheitert ist, sollten wir nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren und das Ende des Kapitalismus tatenlos erwarten, sondern endlich die ideologischen Gräben (Markt vs. Staat) verlassen und uns evolutorisch an die kommenden Verhältnisse anpassen. Dazu zählt dann übrigens auch diese Frage: http://blogs.faz.net/fazit/2017/04/05/bleiben-zentralbanken-unabhaengig-8613/.

    Und hier noch die Sicht von Tobias Straumann: http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/41676/der-groesste-technologie-schock-der-schweizer-geschichte/.

    LG Michael Stöcker

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    • Horst says:

      „Ich halte es übrigens für ein Märchen, dass uns die Arbeit ausgehen wird. Wer mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt geht, wird dies sehr schnell feststellen. Das einzige, was uns in den letzten Jahren ausgegangen ist, sind die Ideen.“

      D´accord. Nur, die Arbeiten, die getan werden müssten (um bspw. ein funktionierendes Allgemeinweisen sicherzustellen), erwirtschaften jedoch nicht die in Augen der Kapitaleigentümer notwendigen Renditen.

      „Nachdem der Sozialismus vor nun bald 30 Jahren krachend gescheitert ist, …“

      Sind Sie sich hierbei sicher? M.E. sind ausreichend sozialistische Strömungen erkennbar als Begleiterscheinung eines sich erneut konstituierenden „Kapitalismus“.

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      • Michael Stöcker says:

        „Nur, die Arbeiten, die getan werden müssten (um bspw. ein funktionierendes Allgemeinweisen sicherzustellen), erwirtschaften jedoch nicht die in Augen der Kapitaleigentümer notwendigen Renditen.“

        So ist es. Die Kapitaleigentümer sind aber ausschließlich an einer monetären Rendite interessiert. Solche Renditen werden aber durch die privatisierte Altersvorsorge sowie den Matthäus-Effekt unterminiert, da dem Markt effektive Nachfrage entzogen wird. Zudem müssen nicht alle Aktivitäten durch Kapitaleigentümer initiiert werden. Auch hier gilt: It takes two to tango. Mehr staatliche Investitionen in Bildung und Infrastruktur, indirekt finanziert durch ein steuerpflichtiges zentralbankfinanziertes Bürgergeld in Verbindung mit höheren Grenz- und Erbschaftssteuersätzen sorgt für die nötige Liquidität am Markt, mittels derer die Kapitaleigentümer auch wieder ihre Wunschrenditen einfahren können. Zu den Details siehe insbesondere: https://zinsfehler.com/2015/03/23/die-citoyage-keynesianischer-monetarismus-als-ordnungspolitisches-korrektiv/

        „Sind Sie sich hierbei sicher?“

        Ja, da bin ich mir sehr sicher. Alle Ismen dieser Welt grenzen sich gegen andere Ismen ab und beanspruchen für sich selbst einen universellen Wahrheitsanspruch. Und wenn’s dann doch schiefgegangen ist, dann haben wir es ‚lediglich‘ nicht genügend sozialistisch/kapitalistisch/keynesianistisch/monetaristisch/… gemacht. Da halte ich es doch ganz mit Goethes „Eins und Alles“:

        Es soll sich regen, schaffend handeln,
        Erst sich gestalten, dann verwandeln;
        Nur scheinbar steht’s Momente still.
        Das Ewige regt sich fort in allen:
        Denn alles muss in Nichts zerfallen,
        Wenn es im Sein beharren will.

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer says:

        >Nur, die Arbeiten, die getan werden müssten (um bspw. ein funktionierendes Allgemeinweisen sicherzustellen), erwirtschaften jedoch nicht die in Augen der Kapitaleigentümer notwendigen Renditen.>

        Das kann durchaus so sein.

        Wenn so, was tun?

        Dann werden die Arbeiten so organisiert, dass es auf Rendite nicht ankommt – also in staatlicher Regie, was in aller Regel heißt:

        Praktisch JEDER hat einen Anspruch auf die dabei angebotenen Leistungen und der Gerechtigkeit wegen – so gut wie immer ein Thema, wenn der Staat etwas anbietet – sind diese kostenlos.

        Wenn dabei die Qualität sinkt, ist das nicht weiter schlimm.

        Sie wird dann eben der neue Standard.

        Sollte das nicht für genügend Beschäftigung sorgt, dann wird eben ZUSÄTZLICH welche geschaffen.

        Man muss nur genug regulieren, anweisen, erheben, auswerten und kontrollieren.

        So sehe ich die Begleiterscheinungen eines sich erneut konstituierenden Kapitalismus, genauer ausgedrückt: eines vergemeinschafteten Kapitalismus ODER einer kapitalistisch kaschierten Vergemeinschaftung.

        Das erkenne ich aus heutiger Sichtweise.

        Erst wenn man sich nicht mehr auf die eine oder andere Charakterisierung einigen kann, hat man etwas grundlegend Neues.

  3. drgro says:

    Eine Frage wäre, wo wir in einer alternden Gesellschaft die Massen an Mechatronikern hernehmen, die notwendig wären, all die Roboter zu warten und zu reparieren.

    Antworten
  4. Dix Doblat says:

    Wenn Roboter auf der erwarteten Breite die Arbeitsplätze übernehmen, dann kommt es auf ein paar Migranten mehr oder weniger auch nicht mehr an! Roboter sind – weil es sich quasi um materialisierte Informationstechnologie handelt – möglicherweise systematisch auf Dauer nicht mit dem Kapitalismus, wie wir ihn kennen, vereinbar. Wen die optimistische, an Charly Marxens Idee des tendenziellen Falls der Profitrate orientierte Ableitung dieses Gedankens interessiert:
    http://www.deutschlandfunk.de/re-das-kapital-4-6-der-niedergang-des-kapitalismus.1184.de.html?dram:article_id=370390

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  5. Dietmar Tischer says:

    >Die richtige Antwort auf den demografischen Wandel ist deshalb, massiv auf Automatisierung zu setzen.

    Die absolut Falsche ist, auf Migration zu setzen, weil man damit die Anzahl der Menschen, die keinen Job finden, erhöht.>

    Ich halte diese Alternative für kontraproduktiv und daher für falsch.

    Selbstverständlich müssen wir auf Automatisierung – im breiteren Kontext heißt das Künstliche Intelligenz (KI) – setzen. Würden wir es nicht tun, verlören wir an Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand, was Probleme schafft. Dies unabhängig davon, dass wir eine ungünstige demografische Entwicklung haben.

    Migration hin oder her, wir brauchen auf jeden Fall hochqualifizierte Menschen, die KI beherrschen, d. h. Algorithmen verstehen und programmieren können sowie damit nützliche Produkte und Dienstleistungen zu schaffen vermögen.

    Diese Menschen gibt es offensichtlich nicht hinreichend im eigenen Land, jedenfalls nicht, wenn es um die Besten geht, die eigentlichen Innovationstreiber. Dass dies so ist, zeigt sich am massiven Konflikt zwischen Silicon Valley und Trump in Sachen Zuwanderung in USA.

    Unser Problem ist, dass wir in der EU Zuwanderung akzeptieren MÜSSEN, die am bestehendem Wohlstand PARTIZIPIEREN will, ihn aber nicht oder nicht wesentlich STEIGERN kann. Darüber hinaus wird ein Inder, der Englisch beherrscht, eher nach USA auswandern als sich hierzulande mit der deutschen Sprache herumzuquälen.

    Das ist m. A. n. die Grundeinsicht mit der richtungsweisende Optionen ergriffen werden sollten.

    Ansonsten:

    >Wir stehen vor einem Umbruch der Gesellschaft, der strukturell der größte seit 250 Jahren ist‘.

    Das mag so sein und daher sollten wir uns gesamtgesellschaftlich eine OFFENHEIT aneignen, mit der wir Unvorhergesehenes und neue, so nicht bekannte Probleme angehen sowie unkonventionelle Lösungen wahrnehmen können. Ein Halleluja ist ebenso wenig angebracht wie Untergangsstimmung.

    Wenig hilfreich sind da Feststellungen wie:

    >Anders als damals werden mit Eintritt ins vierte digitale Zeitalter keine neuen Märkte geschaffen, sondern der zur Verfügung stehende (globale) Markt mit Hilfe von Computern und Robotern lediglich effizienter bewirtschaftet.” >

    Selbstverständlich werden neue Märkte geschaffen und selbstverständlich verschwinden heute bestehende. Dass KI nicht additiv wirkt, ist doch klar.

    >Alternde Gesellschaften sind im Vorteil, weil die Maschinen niemanden Arbeit wegnehmen, sondern Menschen, die in Rente gehen, ersetzen.>

    Ich verstehe nicht, wie man derartige Sätze schreiben kann. Denn selbstverständlich verlieren Menschen durch Maschinen ihre Arbeit und KI wird vielen die Arbeit wegnehmen. Maschinen bzw. KI ersetzen nicht nur Menschen, die in Rente gehen, sondern auch viele, die noch weit weg von der Rente sind.

    Hier noch die Sicht von zwei renommierten Ökonomen.

    Die eine, bereits von M. Stöcker am anderen Thread verlinkt, ist von L. Summers:

    http://larrysummers.com/2017/03/27/the-robots-are-coming-whether-trumps-treasury-secretary-admits-it-or-not/

    Die andere ein Kommentar dazu von B. DeLong:

    https://www.project-syndicate.org/commentary/mnuchin-automation-low-skill-workers-by-j–bradford-delong-2017-04

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Danke für den Link.

      Wenn es nur Analyse wäre – Dorn verweist auf EMPIRISCHE Untersuchungen.

      Was so wichtig daran ist:

      Die Verbindung von Ökonomischen mit Sozialem – Dorn zeigt auf, dass fallende Industriebeschäftigung zerfallende Sozialbeziehungen zur Folge hat.

      Schon dies sollte jeden unruhig werden lassen.

      Wenn dann aber noch Leute an die Macht kommen, die rumposaunen, dass die verlorenen Arbeitsplätze zurückgeholt werden können, statt sich mit den Konsequenzen des Verlusts zu befassen, wird es schlimm.

      Und noch schlimmer:

      Oben drauf auf das Desaster kommt jetzt auch noch die Invasion von Robotern, Automaten und Künstlicher Intelligenz.

      Und wir in Deutschland, die wir noch nicht ganz so weit sind wie die USA, haben nichts Besseres zu tun als einen Wahlkampf um soziale Gerechtigkeit, dritte Stelle hinter dem Komma, zu führen.

      Antworten
      • Wolfgang Selig says:

        Tja, mit der Wahlthemenkritik haben Sie natürlich recht, aber ein SPD-Kandidat, der zu den Gewerkschaften sagt, dass mit einer ordentlichen Robotisierung der Wohlstand steigt, auch wenn leider, leider ein paar Millionen Mitglieder arbeitslos werden, kommt dort halt schlechter an als einer, der ihnen beratungsbedürftige künftige Mitglieder aus anderen Ländern ins Land holt. Ich glaube daher nicht, Herr Schulz bei seinem Thema eine echte Wahl hat. Leider.

  6. Johannes says:

    Die von Herrn Stelter vertretene Haltung kann ich in allen Punkten nachvollziehen. Beruflich habe ich eine Menge mit KI zu tun und kann das Potential gut einschätzen. Wir antizipieren künftige Entwicklungen der KI und Robotik in einer linearen Art und Weise.Die Grundlagenentwicklungen in diesem Bereich verlaufen aber nicht linear, sondern exponentiell. Dies, weil zunehmend KI zur Fortentwicklung der KI eingesetzt wird. Da resultieren Ergebnisse, die noch vor 5 Jahren undenkbar waren:

    https://motherboard.vice.com/de/article/google-ki-entwickelt-verschluesselung-die-selbst-google-nicht-versteht
    https://motherboard.vice.com/de/article/google-forscher-erschaffen-ki-die-selbststndig-ki-programmieren-kann
    http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2016-10/google-kuenstliche-intelligenz-erfindet-eigene-verschluesselung

    „Zwei künstliche neuronale Netzwerke von Google haben selbstständig gelernt, ihre Kommunikation kryptografisch abzusichern. Wie sie es tun, weiß kein Mensch genau. “

    Darum: die Form der Zuwanderer, die sich derzeit nach Europa und Deutschland aufmacht, ist nicht die Form von Zuwanderung, die wir benötigen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >…die Form der Zuwanderer, die sich derzeit nach Europa und Deutschland aufmacht, ist nicht die Form von Zuwanderung, die wir benötigen.>

      Darüber sind sich, glaube ich, ALLE einig, die sich rational mit der Problematik befassen.

      Das Thema ist ein anderes:

      Wieviel welcher Art von Zuwanderung wäre optimal für uns unter Einbeziehung von voraussichtlichen Entwicklungen, wie u. a. Demografie und IK?

      Und:

      Was sind die Konsequenzen, wenn wir das Optimum nicht einmal annähernd erreichen?

      Und:

      Wie gehen wir damit um, wenn die Ursache dafür zum einen EU-bedingt ist (Armutsmigration innerhalb der EU) und zum anderen das Migrationsproblem, wenn überhaupt, nur als EU zu lösen ist (Zuwanderer aus Afrika an den Außengrenzen der EU aufhalten)?

      Diese oder ähnliche sind m. A. n. die Fragen, denen sich eine der Problemlage ANGEMESSENE öffentliche Diskussion stellen müsste.

      Antworten
  7. Heinz says:

    ch bin bei weitem nicht so optimistisch, wie Herr Stelter. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die den durch die IT Produktivitätswachstum hinterfragen. Insbesondere, wenn man den Energie- und Ressourcenverbrauch gegenrechnet bleibt meiner Ansicht nach nicht mehr viel übrig. Oder um es an einem Beispiel festzumachen, welcher Produktivitätsfortschritt sollte darin liegen, wenn ich meinen Kadaver durch einen 700kg schweren, von mir selbst gesteuerten VW-Käfer im Jahre 1972 oder durch einen 3000kg schweren selbstfahrenden Tesla im Jahre 2020 durch die Gegend chauffieren lasse? Bis dato war noch jeder Produktivitätsfortschritt mit einer Steigerung des Energie und Ressourcenverbrauches verbunden (Jevons` Paradoxon)

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