Noch eine Studie zum Ende des Euro

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

In der letzten Woche habe ich an dieser Stelle die Studie der Deutschen Bank zum Szenario eines Zerfalls der Eurozone vorgestellt und diskutiert.

→ Was passiert, wenn der Euro platzt

Nun berichtet DIE WELT von einer ähnlichen Studie der Bank of America. Da mir diese nicht vorliegt also die Zusammenfassung, basierend auf dem Artikel in der WELT:  

Szenario für den Zerfall

  • DIE WELT reflektiert, dass in letzter Zeit die Existenz des Euro nicht mehr infrage stünde: „Doch nun kommt plötzlich erneut ein amerikanisches Finanzinstitut, die Bank of America mit einer Studie an die Öffentlichkeit, in der sie sich der Frage widmet, wie Europas Währungswelt wohl nach einem Auseinanderbrechen des Euro aussehen würde.“ – bto: Dass mit der Deutschen Bank ein hiesiges Institut ebenfalls eine solche Studie vorgelegt hat, wird an dieser Stelle vergessen.
  • Zentraler Punkt sei die Frage, „wie sich die nationalen Nachfolgewährungen des Euro entwickeln würden, wie stark diese auf- oder abwerten würden. (…) Heraus kommt, wenig überraschend, dass die neue D-Mark am meisten gegenüber dem alten Euro aufwerten müsste, nämlich rund 15 Prozent“. – bto: Das sei nicht überraschend und ähnlich zur Deutschen Bank.
  • „Doch sehr wahrscheinlich würde sie sogar noch weit stärker im Wert steigen. (…) Auf der anderen Seite müsste ein neuer französischer Franc rund fünf Prozent abwerten, Spaniens und Griechenlands Währungen sogar 7,5 Prozent.“ ­– bto: Zur Erinnerung, die Deutsche Bank hielt den Franc nicht für überbewertet.

Quelle: BofA, DIE WELT

Fatal für Deutschland

  • „(…) der volkswirtschaftlich gerechtfertigte Abstand zwischen neuer Mark und neuer Peseta oder Drachme betrüge also fast ein Viertel, durch die Tendenz der Finanzmärkte, Entwicklungen zu überzeichnen, dürfte sich diese Divergenz dann aber noch deutlich ausweiten. Am Tag nach dem Euro-Aus wäre die Mark also auf einen Schlag 30 oder 40 Prozent teurer als die südeuropäischen Nachfolgewährungen des Euro – mit entsprechenden Konsequenzen für die Export-Wirtschaft.“ – bto: fast wie damals, als in der DDR die D-Mark eingeführt wurde. Nur darf die Antwort als Folge nicht lauten, dass wir einfach wie bisher weitermachen.
  • „Doch es bleibt die Frage, warum die Bank of America ausgerechnet jetzt mit solch einer Studie kommt. Soll die Euro-Krise wieder neu befeuert werden?“ – bto: Ich denke, solche Überlegungen sind Quatsch. Die Märkte haben sich lange von der EZB sedieren lassen.

EZB finanziert Staaten

  • Tatsächlich hat sich der Schuldenstand der südeuropäischen Staaten in den vergangenen Jahren drastisch erhöht, ohne dass sich die Zinslasten entsprechend erhöht hätten. (…) So haben sich Spaniens Staatsschulden seit 2008 fast verdreifacht, sind von 440 Milliarden auf knapp 1,2 Billionen Euro gestiegen. Die Zinslast ist jedoch nur um 80 Prozent gestiegen, von 17 auf 31 Milliarden Euro.“
  • „Noch deutlicher zeigt sich die Wirkung der Nullzinspolitik im Falle Italiens. Von 1670 Milliarden im Jahr 2008 erhöhte sich der Schuldenstand auf 2270 Milliarden, Rom zahlt jedoch heute nur noch 66 Milliarden Euro Zinsen dafür, während es 2008 noch über 80 Milliarden waren.“ – bto: Damit kauft die EZB Zeit und kann die Zinsen eben nicht mehr erhöhen.
  • „(…) wenn die Zinsen wieder steigen, bekämen viele Staaten erneut Probleme. Und diese würden sich noch erhöhen, wenn die Euro-Zone von einem Schock irgendeiner Art getroffen würde, der ihre Wirtschaft wieder zurück in die Rezession führe. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Märkte die Nachhaltigkeit der Euro-Zone wieder hinterfragen, (…).“ – bto: Das denke ich auch.

Als könnten mehr Ausgaben bei uns den Euro retten

  • Und dann kommt die typische Forderung, die das Problem nicht löst, dennoch populär ist: „Dazu sei vor allem Deutschland in der Pflicht. Es müsse die Inlandsnachfrage stärken und eine Inflation zulassen, die weit über dem offiziellen Ziel der EZB von knapp zwei Prozent liegt, und zwar über mehrere Jahre hinweg.“ – bto: Und was soll das bitte an den Grundproblemen der Eurozone lösen? Wie sind dann die Schulden weg?
  • „Außerdem müssten in Deutschland der Staat und die Unternehmen erheblich mehr investieren. Denn durch die bisherige Politik des eisernen Sparens werde die Inlandsnachfrage knappgehalten, und dies erhöhe künstlich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands – zulasten der anderen Euro-Mitgliedsländer.“ – bto: Dieser Meinung bin ich bekanntlich auch, wobei ich mir aus deutschem Eigeninteresse einen Politikwechsel wünsche.
  • BofA: „Allerdings glauben wir, dass eine solche Politik unwahrscheinlich ist, was bedeutet, dass die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone langfristig steigt.“ – bto: Aber das Risiko wächst nicht, weil wir zu wenig investieren, sondern weil die Grundübel nicht angegangen werden.

→ DIE WELT: „Der Tag nach dem Euro – Das würde in Europa passieren“, 3. April 2017

13 Kommentare
  1. Michael Stöcker says:

    „Dieser Meinung bin ich bekanntlich auch, wobei ich mir aus deutschem Eigeninteresse einen Politikwechsel wünsche.“

    Diese Meinung scheint so langsam aber sicher der neue Mainstream zu werden. Nun mutieren selbst die Hardcore-Monetaristen zu Keynesianern und liefern eine hierzu passende Studie: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Kurzmeldungen/Research_brief/2017_11_geldpolitik_finanzmaerkte.html

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  2. Michael Stöcker says:

    „Und was soll das bitte an den Grundproblemen der Eurozone lösen? Wie sind dann die Schulden weg?“

    Nicht alles, aber so einiges. Höhere Inflation in Deutschland ist schon deshalb notwendig, da das Inflationsziel von Deutschland in der Vergangenheit unterschritten wurde. Damit die EZB ihr Ziel erreichen kann, muss also die Inflation in D über einen längeren Zeitraum über 2 Prozent liegen und im Süden unter 2 Prozent. Erreicht die EZB dieses Ziel nicht, dann wird es mit den Schulden noch schwerer. Andere denken ernsthaft über ein höheres Inflationsziel nach: http://www.moneyandbanking.com/commentary/2017/4/2/the-case-for-a-higher-inflation-target-gets-stronger

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  3. Wolfgang Selig says:

    Ich denke, Herr Stöcker trifft den Punkt. Inflation ist von den Südländern gewünscht und auch mit ihrer Tradition vereinbar. Und das wäre auch eine Lösung. Und jetzt muss man einfach schauen, wer den längeren Atem hat, der inlationsaffine Süden oder der stabilitätsorientierte Norden. Das Grundübel kann in einer Demokratie ohne Leidensdruck nicht angegangen werden. Und der ist in der Eurozone m.E. noch nicht groß genug.

    Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    Höhere Inflation, höhere Inlandsnachfrage, höhere Investitionen in Deutschland – ein Paradigmenwechsel soll dafür sorgen, dass die Währungsunion nicht zerfällt und damit auch die Währungsdivergenzen mit ihren desaströsen Folgen vermieden werden.

    Das ist Illusion, weil

    a) selbst wenn er zu realisieren wäre, ein derartiger Paradigmenwechsel nicht das Ausmaß haben kann, um die Ungleichgewichte in der Währungsunion auf Dauer aufzuheben.

    und

    b) er nicht zu realisieren ist, ohne dass sich Deutschland destabilisieren würde und die Währungsunion auf der Basis demokratischer Willensbildung verlassen würde (wobei ich hier unterstelle, dass der Paradigmenwechsel erheblich und zudem nachhaltig sein müsste, um in Deutschland ein mehrheitliches Austrittsverlangen zu generieren)

    Kurzum:

    Dieses Wunschdenken sollte man ganz schnell zu den Akten legen, SOWEIT damit die Rettung der Eurozone verbunden ist.

    Wenn der Zerfall der Eurozone vermieden werden soll, dann wird dies NUR durch Transfers und/oder strukturelle Anpassungen der Peripherie möglich sein.

    Unabhängig davon sind höhere Investitionen in Deutschland wünschenswert und zwar sowohl private wie auch staatliche. Auch eine steigende Inlandsnachfrage ist wünschenswert, wobei sie allerdings nicht auf erheblich zunehmender Verschuldung basieren sollte. Höhere Inflation deutlich über 2 % ist als kritisch anzusehen, solange die EZB ihre Geldpolitik fortführt.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Es ist nicht alles falsch, was die Dame sagt.

      Sie sagt auch:

      >Wenn Deutschland sich solidarisch zeigen würde, könnte das einen neuen Impuls für gemeinsame Projekte geben und es würde Deutschlands Partnern als Anregung dienen, Reformen durchzuführen.

      Wenn Frankreich bereit wäre, weniger selbstgerecht aufzutreten, könnte das wieder zu einem konstruktiven Dialog führen.>

      Heißt:

      Wir BEZAHLEN für Projekte, was die anderen ANREGEN würde, Reformen durchzuführen.

      Frankreich muss NUR weniger selbstrecht sein, damit es zu einem konstruktiven DIALOG kommt.

      Wer das ernsthaft als „Lösung“ vorschlägt, hält uns für dumm.

      Damit meine ich auch SPON und Le Monde, die den Beitrag abdruckt.

      Antworten
  5. Ralph Klages says:

    Sinn hat schon vor drei Jahren aufgezeigt, dass der Süden deflationieren (ca. 2%jährlich) und der Norden mit ca. 4-5% inflationieren müßte, um wenigstens rechnerisch nach 10 Jahren Gleichstand zu erreichen. Konjunktiv. Nur: Die Südländer, da von jeher „inflationsaffin“ (schönes Wort !), legen wenig Wert auf Wettbewerb. Neulich war ich bei Aldi in Spanien: Die Marmelade, aus D importiert, ist immer noch deutlich billiger, als die spanische, OBWOHL DIE ERDBEEREN DER ALDI-MARMELADE AUS SPANIEN STAMMEN. Bei Lidl nicht anders.
    Ein schräger und nicht durchdachter Vorschlag zu Lösung: Der Norden kauft bzw. investiert im Süden (Marmeladenfabrik) und rationalisiert was das Zeug hält. Womöglich wäre das Produkt dann sogar weltmarkttauglich, denkt man mal an die USA.
    Egal. Politisch wäre der Norden dann keine Hegemonialmacht mehr, wie derzeit, sondern Imperialmacht. Und das will im Moment niemand.
    Bleibt also alles wie es ist. LG

    Antworten
  6. Katalin says:

    Hallo,

    wenn die die den Euro haben wollten, ihn (weil für die Verlierer immer weniger übrig bleibet, da die Gewinner nie genug haben, kann man z.B. an den LB-Überschüssen erkennen) auch nur ein wenig in Richtung Zerfall gehen sehen, lassen Sie z.B: den hier; http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/f-a-z-exklusiv-gabriel-will-mehr-geld-fuer-europa-ausgeben-14935843.html los um die Bevölkerung darüber aufzuklären, wer der Wahre Gewinner des Euros ist, wobei er selbstverständlich es unerwähnt lässt, dass es unter den Gewinnern auch wiederum große Gewinner und Verlierer gibt.

    Auszüge:

    Wahrer Gewinner: „Deutschland sei größter Netto-Zahler, aber auch größter Netto-Gewinner der EU“

    Wie und warum, kein Problem hier: „Jeder Euro, den wir für den EU-Haushalt zur Verfügung stellen, kommt – direkt oder indirekt – mehrfach zu uns zurück“, schreibt Gabriel.“

    Warum gibt es den Euro überhaupt, logische Antwort – um den Süd und Ost Europ. es zu ermöglichen auf Kredit d.h. durch Schulden Deutsche Produkte sich leisten zu können.
    bei ihm kling es auch nicht viel anders, hier;
    „Millionen von Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik hingen davon ab, dass es den Menschen in anderen EU-Ländern so „gut gehe“, dass sie sich unsere Produkte leisten können“

    Gruß

    Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.