„Brexit, Trump, Le Pen – die Folgen der Eiszeit“

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Dieser Beitrag erschien am letzten Donnerstag bei der WirtschaftsWoche Online. Leider ziemlich versteckt.

Die Wahl Donald Trumps ist Folge der Eiszeit. Unsere Depression in Zeitlupe tritt damit in die entscheidende Phase. Noch können wir uns mit der Geldanlage darauf einstellen.

Am Mittwoch gab es in verschiedener Hinsicht eine Überraschung: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der USA gewählt und die Börsen sind nicht gecrasht. Nach einer anfänglichen Korrektur haben die Aktienbörsen relativ gelassen reagiert. Dasselbe gilt für die Anleihenmärkte, auf denen sich der leichte Zinsanstieg fortsetzte, und auch für Gold mit nur einen geringen Anstieg von circa zwei Prozent. Könnte es sein, dass ein Präsident Trump gar nicht so schlecht für Wirtschaft und Finanzmärkte ist? In dieser Kolumne geht es traditionell nicht um das kurzfristige Taktieren, sondern um den langfristigen Ausblick, um die Strategie der Geldanlage. Diese möchte ich direkt mit Ihnen diskutieren, im Rahmen des WirtschaftsWoche Clubs am kommenden Donnerstag (17.11) in Frankfurt. Wenn Sie sich noch nicht angemeldet haben, tun Sie das rasch. Denn die Plätze sind beschränkt.

Depression in Zeitlupe

Viel ist geschrieben worden über die fatalen (wirtschafts-)politischen Ansichten von Trump. Einige Beobachter fürchten gar eine neue große Depression als Folge seiner Wahl. Mit Protektionismus würde er genau den Fehler wiederholen, der in den 1930er Jahren zur Weltwirtschaftskrise und damit auch zu Nationalsozialismus und Krieg geführt habe. Die Gefahr besteht, nur denke ich nicht, dass die Wahl Trumps – wie übrigens auch das Brexit Votum zuvor – der Auslöser für diese Entwicklung ist, sondern die Folge. Die Folge einer verfehlten Politik der Krisenbekämpfung der letzten sieben Jahre.

2009 stand die Welt am Beginn einer neuen großen Depression, die das Potenzial hatte, die Entwicklung der 1930er-Jahre in den Schatten zu stellen. Ursächlich für die Krise war 1930 und ist heute die Überschuldung der Welt. Dabei haben wir es diesmal deutlich wilder getrieben, als in den goldenen 20er-Jahren.

Die Antwort auf die Krise war gekennzeichnet von den Lehren aus der letzten Depression. Die G20-Staaten verpflichteten sich, keine protektionistischen Maßnahmen zu ergreifen, starteten Konjunkturprogramme (vor allem in China und den USA) und fluteten die Märkte mit Geld. So, dachte man, könnte eine neue Depression verhindert werden.

Vordergründig ist das auch gelungen, die Wirtschaft stabilisierte und erholte sich, die Kapitalmärkte setzten zu einem beispiellosen Höhenflug an. Das Problem jedoch: Diese Politik hat wie bei einem Fiebersenkungsmedikament die Symptome unterdrückt, die Krankheit aber nicht geheilt. Wir sind immer noch in einer Depression gefangen, einer Depression in Zeitlupe, die ich Eiszeit nenne.

Während die Symptome unterdrückt wurden, ist die Verschuldung weltweit auf einen neuen Rekordwert gestiegen, die wirtschaftliche Erholung schwach, die Arbeitslosigkeit hoch oder verdeckt und die Finanzmärkte immer weiter losgelöst von der Realität. Damit wächst die Unzufriedenheit in breiten Schichten der Bevölkerung, die spüren, dass die Entwicklung nicht gut ist.

Verstärkt wird diese Unzufriedenheit durch die zunehmend ungleiche Vermögensverteilung, die eine direkte Folge der aggressiven Geldpolitik und der Verschuldung ist (über den Leverage-Effekt, hier nochmals zum Nachlesen) Politiker wie Trump und Farage (Ukip) greifen das auf. Das italienische Referendum im Dezember und die Präsidentschaftswahl in Frankreich könnten die nächsten Dominosteine sein, die fallen.

Medizin wirkt nicht

Politiker und Volkswirte wollen derweil nicht einsehen, dass ihre Medikamente nicht wirken. Noch immer wird von einer erfolgreichen Bewältigung der Krise gesprochen, obwohl wir weit davon entfernt sind. Es stimmt eben nicht, dass es genügt, den Freihandel zu bewahren und die Banken nicht Pleite gehen zu lassen, indem man die Schuldner mit billigem Geld am Leben erhält. So bewältigt man eine Depression nicht, man verlängert sie. Zombie-Banken und Zombie-Schuldner dämpfen das Wachstum, verhindern die dringende Erneuerung und Bereinigung und verschärfen damit das Problem. Ohne eine Bereinigung der faulen Schulden gibt es kein Ende der Krise.

Die Politiker der westlichen Staaten haben sich um diese Aufgabe gedrückt und die Zeit, die ihnen die Notenbanken gekauft haben, nicht genutzt. Das Wunder, auf das sie gehofft haben – hohes Wachstum und/oder Inflation – hat sich nicht eingestellt. Nun kommt die Quittung an der Wahlurne und die Eiszeit kommt in die nächste Phase.

Eines der Szenarien, welches ich in meinem Buch für das Ende der Eiszeit beschreibe, ist der politische Umbruch. Bevölkerungen, die Dauerstagnation und Sparen satthaben, wählen „radikale“ oder „populistische“ Parteien und setzen damit eine Form der Krisenbewältigung in Gang. Wäre es bisher möglich gewesen in einem kooperativen Verfahren die Schulden geordnet zu bereinigen, drohen damit die radikaleren Varianten: Zahlungseinstellungen, Euroaustritte oder drastische Inflationierung.

Letzteren Weg könnten die USA nun am erfolgreichsten beschreiten. Als größter Schuldner der Welt in eigener Währung verschuldet und mit einem Präsidenten, der nicht nur am klarsten für die direkte Finanzierung des Staates durch die Notenbank eintritt, sondern auch noch mit einem Parlament zusammenarbeiten kann, in dem seine Partei die Mehrheit hat. „Mit Trump kommt die Reflation“ war schon in der vergangenen Woche die These meiner Kolumne. Das gilt auch noch nach seinem Wahlsieg. Als Erstes dürfte die Fed mit Blick auf die „gestiegenen Risiken“ die Zinserhöhung weiter aufschieben.

Jeder kämpft für sich alleine

Die Politik der USA wird dann tatsächlich negative Folgen für andere Regionen haben, vor allem für China und Europa. China könnte auf eine Abschwächung der Wirtschaft mit weiteren Stimulierungsmaßnahmen reagieren, damit aber die Ungleichgewichte weiter erhöhen und das Potenzial für eine eigene Finanz- und Schuldenkrise erhöhen. Europa hingegen hat wenige Instrumente. Die EZB kann versuchen, noch mehr Wertpapiere aufzukaufen und die Zinsen noch tiefer zu treiben. Die Euro-Staaten können jedoch nicht koordiniert handeln und die Anwendung von Helikopter-Geld ist bis auf Weiteres undenkbar.

Damit fällt die Anpassungslast einer relativ besseren US-Entwicklung auf Europa und eine etwaige Rezession wird den europa- und eurokritischen Kräften weiter Auftrieb geben. Damit werden sowohl ein Uscitalia wie ein Frexit wahrscheinlicher.

Aus Sicht der Geldanlage bedeutet dies wohl (deutlich) höhere Inflation in den USA sowie Rezession und deflationärer Druck in Europa mit wieder aufflammender Eurokrise. Gegen Inflation schützen Immobilien, Aktien und Gold. Gegen Deflation und Zahlungsausfälle Gold und ausgewählte Qualitätswerte. Spannende Themen für die kommende Woche.

WiWo.de: „Brexit, Trump, Le Pen – die Folgen der Eiszeit“, 10. November 2016

27 Antworten
  1. Johann Schwarting says:

    Hallo Herr Dr. Stelter

    „Politiker und Volkswirte wollen derweil nicht einsehen, dass ihre Medikamente nicht wirken. … indem man die Schuldner mit billigem Geld am Leben erhält. … Zombie-Banken und Zombie-Schuldner dämpfen das Wachstum, …“

    Um Wirtschaftswachstum zu erzeugen, bedarf es der Verschuldung an der Basis der Ökonomie: Am Beginn müssen vorfinanzierte Produktionsketten stehen, dann nachfinanzierte Handelsketten und schließlich verschuldungsfähige Konsumenten am Ende – Wirtschaftswachstum wird nur verteidigt durch Neukredite. Alan Greenspan hatte das zum Schluss wohl verstanden: We need „new credits“ – „new credits“! Der Anleihekauf durch die Zentralbanken bringt uns nur Ärger. Anleiheemissionen sind doch nur als Derivat der Kreditbasis zu verstehen – von Verschuldung, die schon gekauft hat. Wenn ich eine Anleihe zeichne, kaufe ich sie doch mit dem Geld, das schon im System ist. QE schafft kein neues Geld – sondern führt letztendlich zu den Problemen, die Sie auflisten. Vor allem wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer und führt zur Spaltung der Gesellschaft – was die Menschen am meisten aufregt! MfG JS

    Antworten
    • Rob says:

      > Um Wirtschaftswachstum zu erzeugen, bedarf es der Verschuldung an der Basis der Ökonomie:

      Quatsch! Die, die die riesigen Forderungen auf ihren Namen haben, müssen diese „Gutscheine“ ausgeben, zumindest dann, wenn die Verschuldung insgesamt zu hoch geraten ist.

      Antworten
      • Johann Schwarting says:

        „Quatsch! Die, die die riesigen Forderungen auf ihren Namen haben, müssen diese „Gutscheine“ ausgeben, zumindest dann, wenn die Verschuldung insgesamt zu hoch geraten ist.“

        Monetär-Milliardäre, die über große Liquidität verfügen, halten diese nicht zu Hause im Tresor. Sie horten das Geld auch nicht auf dem Konto der Bank, sondern legen es monetär (Buffet), realwirtschaftlich (Albrecht) oder industriell (Quandt) an – das sind normale kapitalistische Investitionen und Vorgehensweisen. Der Verkauf alter und der Kauf neuer Beteiligungen müssen zur Schaffung von „ new credits – fresh money“ (Alan Greenspan) führen.

      • Michael Stöcker says:

        Lieber Herr Schwarting,

        es ist zwar richtig, was Sie dort beschreiben; aber das Geld ist immer noch im Umlauf. Es verschwindet ja nicht durch den Kauf von Assets, sondern wechselt nur das Konto. Geld verschwindet nur durch Kredittilgung oder Vernichtung/Verlust von Bargeld durch Nichtbanken. Operiert eine ZB allerdings als Staatsfonds (SNB), dann kann sie durch den Verkauf von Assets ebenfalls Geld vernichten.

        LG Michael Stöcker

      • Johann Schwarting says:

        „Ich denke wir brauchen fundamentale Faktoren wie Erwerbsbevölkerung und Produktivität und dann in der Tat ein Schuldenwachstum. Da bin ich Debitist.“

        Ende des Jahres 2012 hat Peter Turchin, ein Professor an der Universität von Connecticut, auf drei Bedingungen hingewiesen, die zu revolutionären Umbrüchen in der Geschichte führten.
        – an increase in the elite population,
        – a decrease in the living standards of the masses
        – huge levels of government indebtedness
        Ich möchte nur auf die erste eingehen – die beiden anderen sind im Blog bekannt. Eltern und Politik sagen immer, dass Bildung das höchste Gut sei – die Kinder sollen es einmal „besser“ haben. Das führt zu einem hohen Anteil studienberechtigter junger Leute und zu einer „Eliteproduktion“, die als „eine erhöhte Anzahl von Aspiranten für das begrenzte Angebot an Elitenpositionen“ bezeichnet werden kann. Das Ergebnis ist dann sehr oft große Unzufriedenheit. Ich hoffe, dass der Link

        https://www.rt.com/op-edge/366639-us-election-citizens-elite/

        dazu funktioniert. In Deutschland bekommen wir in Verbindung mit dem demographischen Wandel echte Probleme, wie der Inhalt des folgenden Beitrages

        http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=397419

        zeigt. In der nächsten Woche – nach mehr als vier Monaten – wollen die Dachdecker eines 125 Jahre alten Meisterbetriebes, der ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt, bei uns die Carport-Dächer erneuern. Der Handwerksbetrieb hat ein volles Auftragsbuch.

  2. Dietmar Tischer says:

    Mein Urteil zur Entwicklung:

    Die Politik der Krisenbekämpfung der letzten sieben Jahre hat eine neue Depression verhindert. Ob nur vordergründig oder nicht – es ist Fakt.

    Richtig ist vor allem für die USA auch, dass sich die Wirtschaft nicht nur stabilisiert hat, sondern sich auch erholt, wenngleich mühsam und anfällig.

    Ich bewerte dies so:

    Die USA hat den Weg der „Anpassung nach unten“ – griffig ausgedrückt – von der Güterproduktion zu den Dienstleistungen am konsequentesten beschritten. Wenn das ein unvermeidbarer Weg war, wovon ich überzeugt bin, dann ist das ein ERFOLG. Ein Erfolg, den man in erster Linie der Fed anrechnen muss.

    Dass auf diesem Weg viele ERWARTUNGEN enttäuscht wurden ist ebenfalls richtig und nicht verwunderlich, da es Anpassung nach unten ist. Das Wahlergebnis zeigt, dass dies so ist.

    Deshalb ist notwendig, auf dem Erreichten so aufzubauen, u. a. durch Investitionen in die Infrastruktur, aber z. B. auch in das Gesundheitssystem – gerade da sind Produktivitätssteigerungen unerlässlich – , dass es zu einem sich verstetigendem Wachstum kommt. Ein Inflationsniveau von, sagen wir, 2% sollte dabei problemlos erreichbar sein und auch ohne große Diskutiert werde können.

    ABER:

    Richtig ist auch, dass auf dem beschrittenen Weg die Verschuldung dabei auf einen neuen Rekord gestiegen ist.

    Das ist die Krux oder wie im Beitrag auf den Punkt gebracht:

    >Ohne eine Bereinigung der faulen Schulden gibt es kein Ende der Krise.>

    Nach Lage der Dinge wäre es möglich, diese Bereinigung durch schnelle, kräftige Inflationierung zu erreichen – was neue Krisen hervorrufen und das, was ich oben Erfolg genannt habe, zerstören würde. Möglich wäre auch eine geordnete Entschuldung, die allerdings ebenfalls neue Krisen hervorrufen würde und daher nicht gewollt wird. Wachstum und Masseninsolvenzen sind theoretisch möglich, aber eben nur theoretisch. Ersteres lässt sich nicht erzwingen (Demografie), letzteres ist kollektiver Selbstmord.

    Es gibt noch eine Möglichkeit, hier speziell als „neoklassische Plattitüde“ an M. Stöcker adressiert:

    MASSVOLL eingesetztes Helikoptergeld, um OHNE weitere Verschuldung langsam, aber stetig aus den bestehenden Schulden herauszuwachsen.

    Es ist eine Möglichkeit, aber zugleich ist sie durch die NOTWENDIGE Qualifizierung UTOPIE.

    Sorry, M. Stöcker, dass ich Sie wieder einmal enttäuschen muss.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Sorry, M. Stöcker, dass ich Sie wieder einmal enttäuschen muss.“

      Ach, Herr Tischer, Sie enttäuschen mich in diesem Punkt keinesfalls. Ich bin eher hoch erfreut darüber, welche Lernfortschritte Sie in den letzten 4 Jahren unserer Diskussion hingelegt haben: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2016/10/14/der-wachstumsschock_9914?sort=asc&comments_page=4#comment-217592. Große Bocksprünge sollte man im fortgeschrittenen Alter sowieso nicht mehr machen. Aber Sie sind ein lebendiges Beispiel, dass die kognitive Dissonanz kein unüberwindbares Hindernis ist. Allerdings sind die wenigsten von uns bereit und/oder in der Lage, sich so intensiv mit der Thematik auseinander zu setzen.

      „Es ist eine Möglichkeit, aber zugleich ist sie durch die NOTWENDIGE Qualifizierung UTOPIE.“

      ??? Bitte um kurze Erläuterung.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        MASSVOLL heißt:

        NICHT die Dosis erhöhen, wenn populistischer Druck oder sonstige Interessen es wollen.

        Das werden diejenigen, die über die Dosierung entscheiden, nicht durchhalten – die Dosis würde erhöht werden.

        Sie werden die Dosis immer wieder erhöhen, weil es dem Handlungsmotiv in Demokratien entsprechend die kurzfristig BILLIGSTE Option ist, Interesse zu befriedigen.

        Damit ist aber ein langsames, stetiges Wachstum aus den Schulden nicht möglich.

        Es würde in die INFLATIONÄRE ENTWERTUNG der Schulden kippen.

        A. Turner und andere, die Helikoptergeld grundsätzlich positiv sehen, erkennen diesen Lauf der Dinge zumindest als Risiko.

        Für mich tritt die skizzierte Entwicklung ein, weil am Handlungsmotiv nicht zu rütteln ist. Es ist so sehr in Demokratien verankert, dass es KONSTITUTIV für eine sehr umfassende Konsensfindung in dieser Gesellschaftsform ist.

        Wenn wir andere Menschen mit anderen Interessen hätten und damit auch anders handelnde Regierungen, dann ja …

        Aber das ist Utopie.

        Und so ist die avisierte Funktion von Helikoptergeld UTOPIE.

        Wie wäre es mit einem Lernfortschritt in dieser Richtung bei Ihnen?

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Da bin ich bei Herrn Tischer. Die Politik wird sich nicht bremsen können. Ansonsten ist Ihre Diskussion sehr interessant. Verzichten Sie ruhig auf die persönlichen Sticheleien :-)

      • Michael Stöcker says:

        „Das werden diejenigen, die über die Dosierung entscheiden, nicht durchhalten – die Dosis würde erhöht werden.“

        Von daher ja mein Vorschlag einer Konzertierten Aktion, die alle 4 oder 5 Jahre über die Höhe der permanenten Injektion neu entscheidet.

        „Sie werden die Dosis immer wieder erhöhen, weil es dem Handlungsmotiv in Demokratien entsprechend die kurzfristig BILLIGSTE Option ist, Interesse zu befriedigen.“

        Bislang wurden durch die Zentralbanken insbesondere die Interessen der 1 % befriedigt; und das ganz ohne demokratische Legitimation.

        „Es würde in die INFLATIONÄRE ENTWERTUNG der Schulden kippen.“

        Das ist die eine Option über eine indirekte Inflationssteuer. Die andere lautet Steuererhöhung. Bekanntlich bin ich für diese Doppelstrategie: leichte Inflationierung über ein niedriges ZB-Bürgergeld sowie höhere Grenz- und Erbschaftssteuersätze.

        „Wenn wir andere Menschen mit anderen Interessen hätten und damit auch anders handelnde Regierungen, dann ja …“

        Die Menschen sind immer die gleichen und haben auch schon immer gleich gehandelt. QE und/oder HM ist nun wirklich keine Erfindung der Neuzeit. Hier ein aktueller Beitrag mit guter Diskussion: https://longandvariable.wordpress.com/2016/11/14/helicopter-money-are-they-doing-it-anyway-and-if-so-so-what/

        „Und so ist die avisierte Funktion von Helikoptergeld UTOPIE.“

        Nein, es ist keine Utopie, da die Helikopter schon lange über die Wallstraße fliegen. Damit sie auch über die Hauptstraße fliegen, muss allerdings noch sehr sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Auch das Wahlrecht für Frauen war einst Utopie. Olympe de Gouges hatte diese utopische Forderung aus dem Jahre 1791 noch mit dem Leben bezahlen müssen. Es hat dann noch meist 100 weitere Jahre gedauert. Die letzen in Europa waren 1984 (!) die Liechtensteiner. Es kann von daher gut sein, dass wir zwei aufgrund unseres fortgeschrittenen Alters eine solche Entwicklung nicht mehr erleben werden.

        LG Michael Stöcker

    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Das könnte eventuell wirklich funktionieren. Massvolles Helikopter-Geld finanziert ein höheres Nominalwachstum, während gleichzeitig die Zinsen tief gehalten werden um die finanzielle Repression zu ermöglichen.

      Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    @ M. Stöcker

    >… mein Vorschlag einer Konzertierten Aktion, die alle 4 oder 5 Jahre über die Höhe der permanenten Injektion neu entscheidet.>

    Die Konzertierte Aktion – die haben wir doch PERMANENT, es IST der FORTWÄHRENDE Interessenausgleich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich kurzfristig den geringsten Kosten.

    Das ist die ERFAHRUNG, was auf der obersten Ebene in einer Demokratie zu Entscheidungen motiviert und Entscheidungen prägt.

    Und da soll alle 4 bis 5 Jahre neu (!) entschieden werden, EGAL welcher Druck sich zwischenzeitlich wo aufbaut mit dem Motto „Wir wollen mehr Geld – es kostet doch nichts“?

    Ich bitte Sie, das ist vom anderen Stern.

    Wer immer die Entscheider sein würden, als jeglicher Gerechtigkeitserwägung unzugängliche Nichtsnutze würden sie aus dem Amt gejagt – Glück für sie – oder als störrische Rechthaber („Feinde des Volkes“) auf offener Straße erschossen. Oder soll die konzertierte Aktion etwa eine des Volkes sein? Ich glaube nicht, dass irgendjemand, auch Sie nicht, diese Variante ernsthaft in Erwägung ziehen wird nach den Entscheidungen, die zwei maßgebliche Völker dieses Jahr mehrheitlich getroffen haben.

    Wenn gegen „Gern, aber es kostet leider zu viel“ heute schon vielfach nichts auszurichten ist, dann ist gegen KOSTENLOS kein Kraut gewachsen.

    Sie BLEIBEN im (rein) Konzeptionellen und zeichnen damit – immerhin – ein Bild, das stimmig sein könnte.

    Dass es JE in der REALITÄT nachgezeichnet werden könnte, halte ich für absolut ausgeschlossen. Absolut – über meinen Tod hinaus.

    Wenn Sie das anders sehen und an einen Fortschritt analog dem Wahlrecht für Frauen glauben, dann sei Ihnen das unbenommen. Ich kann und will Sie nicht davon abhalten.

    Es ist dann aber nicht mehr Erfahrung, sondern Liebe, Glaube, Hoffnung.

    Bis dahin sind wir mit dem Kopf gegen die Schuldenmauer gerannt oder haben mit dem Helikopter ins Inflationsdelirium abgehoben.

    Auch da bin ich mir ganz sicher.

    Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Liebe, Glaube und Hoffnung… wofür lohnt es sich sonst zu leben?>

        Es geht hier nicht darum, was ein lohnendes oder – noch anspruchsvoller – was ein gelungenes Leben sein könnte.

        Nicht ausbüchsen, sondern beim Thema bleiben:

        Es geht darum, mit welchem Geldsystem, genauer: mit welchem monetären Finanzierungsmodell wir dem uns „erdrosselnden“ Verschuldungsmechanismus entkommen können, wenn die bekannten Möglichkeiten des Entkommens zu destruktiven „Lösungskrisen“ führen.

        Helikoptergeld ist ein solches Finanzierungskonzept, weil es sehr DIREKT auf die Generierung von Nachfrage abzielt, dabei NICHT an den Verschuldungsmechanismus gebunden UND sehr leicht zu realisieren ist – man muss nur ein paar Gesetze ändern, um der Notenbank grünes Licht zu geben. Das ist nicht als Problem anzusehen in einer Zeit, in der kontinuierlich Gesetze und Vereinbarungen gebrochen werden, um einen fragilen Status quo aufrechtzuerhalten.

        Kurzum:

        Helikoptergeld ist so einfach, dass es geradezu nach Realisierung schreit.

        Und so GENIALISCH einfach, dass es IN der Realisierung mit dem politischen Mechanismus, den ich oben beschrieben habe, EXTENSIV, quasi unbegrenzt eingesetzt und zu zerstörerischer Inflation führen würde.

        DAMIT müssen Sie sich auseinandersetzen.

        Jeder ernsthafte Versuch wäre interessanter als dauernd hören zu müssen, wer was nicht verstanden hat.

      • Michael Stöcker says:

        „DAMIT müssen Sie sich auseinandersetzen.“

        Ich muss zwar nicht, aber ich habe mich damit auseinander gesetzt.

        „Jeder ernsthafte Versuch wäre interessanter als dauernd hören zu müssen, wer was nicht verstanden hat.“

        Ich habe hierzu schon mehrfach meine Sicht der Dinge niedergeschrieben. Und was kommt von Ihnen? Mephistophelische Redundanz:

        Ich bin der Geist, der stets verneint!
        Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
        Ist wert, daß es zugrunde geht;
        Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
        So ist denn alles, was ihr Sünde,
        Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
        Mein eigentliches Element.

        Aber für Sie ein letztes Mal die wichtigsten Punkte, die ich bereits vor 3 Jahren in meinem 10-Punkteplan skizziert hatte:

        1. Verankerung eines Inflationsziels von 2 %. Bei einer Überschreitung dieses Ziels bzw. einer drohenden Überschreitung ist eine Erhöhung des zentralbankfinanzierten Bürgergeldes untersagt.

        2. Über die Höhe des schuldfreien Geldes entscheidet eine Konzertierte Aktion, die sich aus Vertretern zentraler gesellschaftlicher Interessengruppen zusammen setzt (EZB, Gewerkschaften, Arbeitgebervertreter, Kirchen, Abgeordnete des Europaparlaments).

        3. Verfassungsmäßige Verankerung eines Haushaltsüberschusses in Höhe von 1 %: https://zinsfehler.com/2013/10/13/zehn-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/#3.

        4. Höhere Erbschaftssteuer: https://zinsfehler.com/2013/10/13/zehn-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/#8.

        5. Einführung eines dreistufigen Geldsystems: https://soffisticated.wordpress.com/123-stufige-geldsysteme/.

        Gibt es damit eine Garantie, dass dieses Instrument nicht auch missbraucht werden kann? Nein, eine solche Garantie gibt es nicht. Aber das gilt auch für ALLE anderen Instrumente und Vereinbarungen auf dieser Welt. Wenn der kollektive Wille Hyperinflation möchte, so sei es denn. Das Ganze nennt man Demokratie und ist ein ständiger Irrweg. Sie sollten dabei aber nicht so sehr auf die verblendeten Schwätzer aus dem ökonomischen Olymp vertrauen, sondern vielmehr auf Michael Hudson (siehe Link von gestern), Tomáš Sedláček: https://www.youtube.com/watch?v=tJTdKMuVdVs oder eben auch Steve Keen: https://www.youtube.com/watch?v=KIaXVntqlUE

        LG Michael Stöcker

  4. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Sie leiten aus Ihren 5 Punkten ab:

    >Gibt es damit eine Garantie, dass dieses Instrument nicht auch missbraucht werden kann? Nein, eine solche Garantie gibt es nicht. Aber das gilt auch für ALLE anderen Instrumente und Vereinbarungen auf dieser Welt. >

    Richtig, aber am ARGUMENT VORBEI.

    Meine These ist doch nicht, dass es keine Garantie bei Helikoptergeld gegen Inflation oder Hyperinflation gibt.

    Natürlich gibt es die so wenig wie bei anderen Geldsystemen.

    Meine These ist, dass Helikoptergeld so PROBLEMLOS generiert werden kann (wenn es einmal etabliert und akzeptiert ist) und auch wird unter den Bedingungen demokratischer Konsensbildung, dass es quasi ZWANGSWEISE zu letztlich Hyperinflation führen muss.

    Nehmen Sie dagegen Schuldgeld:

    Die im System generierte Geldmenge ist u. a. an das Bonitätskriterium gebunden. Das kann sich über die Zeit verändern bis zu dem heute herrschenden Zustand, dass Bonität zumindest teilweise keine Rolle mehr spielt für die Schöpfung von Geld.

    Wieviel einfacher, schneller – verbunden mit ganz anderen Volumina – geht das, wenn sich die Vertreter der zentralen gesellschaftlichen Interessengruppen entscheiden müssen, ob mehr Geld ins System muss.

    Die müssen nichts prüfen, sondern nur BESCHLIESSEN – OHNE bei einer Mehr-Geld-Entscheidung, SPEZIELL für ihre Interessengruppe Sanktionen befürchten zu müssen.

    Banken müssten das für sich bei Geldschöpfung durch das Risiko von Abschreibungen (normalerweise),

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „dass es quasi ZWANGSWEISE zu letztlich Hyperinflation führen muss.“

      Woraus leiten Sie diesen Zwang ab? Aus einer zwanghaft destruktiven Lust aller Verantwortlichen?

      „Die müssen nichts prüfen,…“

      Oh doch: Punkt 1. Sie müssen ihn nicht nur prüfen, sondern sich auch noch daran halten. Wenn Ihnen das nicht reichen sollte, dann machen wir es wie mit vielen Gesetzen: Der Bundespräsident muss mit seiner Unterschrift die Beschlussfassung bestätigen.

      Sorry, aber Sie verrennen sich.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Wer redet von einer zwanghaft destruktiven Lust (??) aller Verantwortlichen?

        Ich verrenne mich nicht, sondern Sie psychologisieren, weil Sie NICHT verstehen wollen.

        Die Prämisse meiner Argumentation ist, dass in Demokratien viele Partikularinteressen fortwährend hohe Ansprüche stellen, die im Konsens befriedigt werden müssen (weil Demokratie eben Demokratie und nicht Diktatur ist) und dass dies in aller Regel nur zu den jeweils kurzfristig geringsten Kosten möglich ist. Ansonsten könnte man nicht so viele Interessen befriedigen mit der Folge von sozialer und politischer Destabilisierung. Lesen Sie an den jüngsten Wahlergebnissen ab, was geschieht, wenn zu viele Interessen nicht mehr hinreichend befriedigt werden.

        Das ist der Mechanismus, der immer wieder große Summen Helikoptergeldes als Konsenslösung in Umlauf setzen wird, weil dieses Geld nichts kostet, d. h. dessen Generierung keine Kompromisse erfordert. Dieser Mechanismus wird zur Entwertung des Geldes führen.

        Sie können diesen Mechanismus nicht mit Checks und Balances entwerten.

        Ziele können nichts verhindern. Ein Inflationsziel hat nicht verhindern können, dass die Inflation zumindest zeitweise aus dem Ruder gelaufen ist. Sie können obigen Wirkmechanismus nicht außer Kraft setzen.

        Sie können allerdings sagen:

        Es gibt ihn nicht.

        Dann würde ich sagen, dass auf empirischer Basis mir mehr Experten recht geben müssten als Ihnen. Dies wäre dann das Ende der Diskussion.

        Nochmal die Alternative Schuldgeld:

        Das Volumen der Schulden in der Welt ist über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen.

        Warum?

        Weil die Verantwortlichen aus einer zwanghaft destruktiven Lust heraus gehandelt haben?

        Natürlich nicht, sondern weil es durch die Bank – Doppelsinn beabsichtigt – die einfachste und günstigste Konsenslösung war. Günstiger z. B. als hohe Arbeitslosigkeit.

        Millionenfach von allen so gewollt und so vollzogen.

      • Michael Stöcker says:

        „Ein Inflationsziel hat nicht verhindern können, dass die Inflation zumindest zeitweise aus dem Ruder gelaufen ist.“

        Wenn Sie die 70er Jahre ansprechen, dann lag die Ursache in veränderten terms of trade (OPEC). Solche Entwicklungen haben nichts mit nationaler Geld- und/oder Fiskalpolitik zu tun. Es war damals der Fehler der Gewerkschaften, hierauf mit 13 % Lohnforderungen zu reagieren. Die ZBen sind somit letztlich von den Gewerkschaften genötigt worden, die Zügel straff anzuziehen; Volcker hatte dann allerdings ebenfalls überdreht.

        „Millionenfach von allen so gewollt und so vollzogen.“ … und nicht verstanden; bis heute nicht.

        LG Michael Stöcker

  5. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Mag ja alles so sein.

    Sie bestätigen damit meine Auffassung, dass Zielsetzung nicht Wirkmechanismen außer Kraft setzen kann, die Zielerreichung ausschließen.

    Ihr obiger Einwand trägt nicht.

    Antworten

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