Chinas „Dead Money“ Trap

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

China war schon länger kein Thema mehr bei bto. Nicht, weil alles paletti wäre, sondern weil es im Sommer weniger Nachrichten gab.

Zur Erinnerung diese drei wichtigen Beiträge zu China auf bto:

→ China: Wirklich Schuldenwirtschaft nach westlichem Vorbild

→ Wie China Deflation exportiert

→ „Deflationärer Schock aus China trifft Anleger weltweit“

→ An China hängt die Weltwirtschaft

Auch haben wir an dieser Stelle schon die Parallelen zwischen China und Japan diskutiert:

→ China wie Japan 1989?

→ Warum China um 21 Prozent wachsen muss, während die Demografie zuschlägt

Nun berichtet Ambrose Evans-Pritchard über die Bemühungen Chinas das Schlimmste noch abzuwenden:

  • „China is at mounting risk of a Japanese-style liquidity trap as monetary policy loses traction and the economy approaches credit exhaustion, forcing a shift towards Keynesian fiscal stimulus. (…) Sheng Songcheng, the PBOC’s head of analysis, set off a storm last month by warning that the economy had started to show some signs of being caught in a liquidity trap.“
  • The powerful State Council has now joined the chorus with calls this week for a $75bn cut in business taxes to boost confidence and channel stimulus to the productive economy.“
  • Chinese companies are hoarding record sums of dead money rather than spending it. The growth rate of private investment has dropped to 2.1pc over the last seven months, the lowest since global financial crisis.“ bto: ja, willkommen im Klub. Es gibt viele gute Gründe nicht zu investieren in der heutigen Zeit.
  • While the term ‘liquidity trap’ is loosely used, it has menacing echoes of the Great Depression, and has plagued Japan on and off for fifteen years.“
  • „() Oxford Economics said credit expansion is achieving ever less bang for the buck as money floods into real estate speculation and financial assets (…) it took 44 yuan to generate 100 yuan of gross fixed capital formation from 2002 to 2008. This rose to 62 last year. It is now running at 70.

China

Quelle: The Telegraph

  • The International Monetary Fund earlier this month that corporate debt has reached 145pc of GDP. Vulnerabilities are still rising on a dangerous trajectory. They must be addressed immediately, it said.“
  • The financial system is clearly out of kilter. The outstanding stock of mortgages has jumped by 30pc over the last year alone to $2.5 trillion, crowding out the credit market. Net new loans to businesses contracted in June for the first time in eleven years.“  bto: klares Zeichen für die unproduktive Verwendung der Mittel.
  • Es gibt aber auch optimistische Stimmen, dass das noch eine Weile gut geht: „Simon Ward, a monetary expert from Henderson Global Investors, said there is nothing to fear. The surge in M1 is a sign that companies and consumers are shifting money into their accounts in order to spend it, and this will cause economic growth to pick up yet further over coming months.“

bto: Fazit: Entweder China macht weiter mit dem schuldenfinanzierten Wachstum oder wir alle bekommen Probleme.

→ The Telegraph: „China caught in ‚dead money‘ trap as central bank pleads for fiscal stimulus“, 22. August 2016

8 Antworten
  1. Uwe Stein says:

    Ich sehe da gar nicht so große Probleme mit dem schuldenfinanzierten Wachstum in China. Anders als in den westlichen Industrienationen (insbesondere USA) tragen in China die Verschuldung der Unternehmen zum Wachstum bei und nicht die Konsumentenverschuldung (in China ist der Konsument im internationalen Vergleich sehr gering verschuldet). Da die meisten Unternehmen in China in Staatsbesitz sind oder staatlich gelenkt werden, entspricht die Verschuldung also quasi einer Staatsverschuldung. Mit erheblichen Währungsreserven von ca. 3,2 Bil USD, die sich seit Monaten auf diesem hohen Niveau halten, verfügt die Regierung über genügend Ressourcen zur Stimulierung der Konjunktur. Das vergleichsweise hohe Zinsniveau bietet hierfür ebenfalls Spielraum, ohne eine Kapitalflucht ins Ausland auszulösen. Wie sehr sich ein Staat (via eigener Notenbank) verschulden kann, hat das Beispiel Japan gezeigt. Hohe Schulden sind nur bei fehlendem Wirtschaftswachstum riskant (siehe Italien). Wenn aber, wie in China, die volkswirtschaftlichen Schulden fast ausschliesslich im eigenen Land liegen und die volkswirtchaft über ein starkes Wachstum verfügt, ist die Situation nicht vergleichbar mit der von den USA und der von ihnen ausgelösten Finanzkrise. Zum Vergleich: die Auslandsverschuldung der USA beträgt ca. 18 Billionen USD, die von China 1,4 Bil. USD bei stärker steigenden Unternehmensgewinnen und wesentlich niedrigeren Aktienbewertungen. Damit ist klar, welches das eigentliche Hochrisiko Land ist.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Wenn aber, wie in China, die volkswirtschaftlichen Schulden fast ausschliesslich im eigenen Land liegen und die volkswirtchaft über ein starkes Wachstum verfügt, ist die Situation nicht vergleichbar mit …>

      Das ist richtig – WENN.

      Das volkswirtschaftlich starke Wachstum Chinas ist immer noch sehr vom Export getrieben.

      Der hängt nun einmal ganz wesentlich von den USA und Europa und Japan ab.

      Die Chinesen müssten sehr schnell und sehr konsequent auf eine steigende Binnennachfrage umschalten. Das wissen sie und versuchen es auch, speziell mit dem Dienstleistungssektor.

      Das geht aber nun mal nicht von heute auf morgen und vor allem nicht ohne Friktionen, die – wenn die Umsteuerung zu sehr forciert wird – das Land auch destabilisieren könnte.

      Deshalb ist das nicht die Lösung für UNSERE Volkswirtschaft (und insgesamt die entwickelten).

      Antworten
      • Uwe Stein says:

        In allen Punkten einverstanden. Weltweit befinden sich die Volkswirtschaften im Labor-Modus. Die Notenbanken experimentieren mit negativen Zinsen, ohne die (mittel- bis langfristigen) Auswirkungen zu kennen. China experimentiert mit (teilweiser) Währungskurs Freigabe, Zinssenkungen und Strukturwandel. Es ist klar, dass da überall Unbekannte und Gefahren lauern. Doch insgesamt sollte China bessere Ausgangsvoraussetzungen als Europa, Japan oder die USA haben.

        Ob unserer Volkswirtschaft das helfen wird, hängt ja auch ganz entscheidend von Faktoren ab, die wir nicht oder nur schwer beeinflussen können (da wir uns in der Zwangsjacke des Euro gefangen sehen): Dollar-Stärke/Euro-Schwäche, beeinflusst vom Leitzins, auswirkend auf unsere Leistungsbilanz und hier insbesondere auf die Handelsbilanz. Nicht zu vernachlässigen geopolitische Verwerfungen.

  2. Dr. Bubble says:

    Der grosse Knall kommt, weil das China Hot Money die weltweiten Immobilienmärkte befeuert hat, und sich jetzt beginnt zurückzuziehen. Vancouver, Toronto, San Francisco, Aspen, Miami etc. haben bereits den Rückwärtsgang eingelegt (s.u.). Das ist ein Remake der späten 80er Jahre, als die Japaner mit ihrem Bubble Money die weltweiten Preise hochtrieben – und dann kollabieren liessen. Bald kommt Eiszeit – oder Vulkanausbruch.

    https://www.youtube.com/watch?v=SBjXUBMkkE8

    http://www.zerohedge.com/news/2016-07-23/foreign-buyers-continue-inflate-global-residential-real-estate-bubbles-will-end-badl

    http://www.zerohedge.com/news/2016-06-20/chinese-real-estate-bubble-has-gone-parabolic-land-prices-soar-50-one-year

    http://www.zerohedge.com/news/2016-08-29/furious-chinese-envoy-slams-vancouver-real-estate-tax-local-housing-market-implodes

    http://www.zerohedge.com/news/2016-08-27/%E2%80%9Ci%E2%80%99ve-never-seen-anything-housing-markets-hamptons-aspen-and-miami-are-all-crashing

    Sogar die Schweiz könnte es diesmal, nach 25 Jahren, wieder mal erwischen, nachdem man den Ball dort 2001-2008 noch flach gehalten hat: http://www.thelocal.ch/20160204/real-estate-bubble-risk-continues-to-rise

    Antworten
  3. Dr. Bubble says:

    Die deutschen Exporte sind zwar sehr breit aufgestellt (ein Grund, warum DE 2007-2009 so gut überstehen konnte), aber das Hauptwachstum kam im letzten Jahrzehnt natürlich aus China (und auch Russland bis zu den Sanktionen..), deshalb wird es Deutschland diesmal mit voller Härte treffen. Dann noch 2-3 Millionen zusätzliche Menschen, die kaum in den Arbeitsmarkt integriert sind, das könnte sehr anspruchsvoll werden.

    http://atlas.media.mit.edu/de/visualize/line/hs92/export/deu/show/all/1995.2014/

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.