Eisige Zeiten für die Geldanlage

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Dieser Beitrag erschien im Kundenmagazin Märkte & Mehr von Frankfurt-Trust und beschäftigt sich mit den Aussichten für die Altersvorsorge im Umfeld tiefer Zinsen.

Ausgerechnet Italien! In dem Land, das berühmt ist für seine Liebe zu den „Bambini“, hat sich schon vor mehr als zehn Jahren die historische Wende ereignet: 1995 gab es dort zum ersten Mal seit Menschengedenken – mehr Menschen über 65 als Kinder bis zu 14 Jahren. Ein in Friedenszeiten bis dahin undenkbares Szenario. Seither hat sich die Zahl der Länder mit diesem demografischen Profil auf 30 erhöht, darunter Japan, Deutschland, Spanien und Portugal. Bis zum Jahr 2030 prognostizieren die Vereinten Nationen, dass es in 56 Ländern mehr Menschen über 65 Jahre als Kinder geben wird. Weltweit dürfte sich das Verhältnis im Jahre 2075 umkehren. Dann beginnt nach Europa und Nordamerika, die ganze Welt zu vergreisen.

Abb. 1: Bevölkerungsstruktur ausgewählter Länder

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Hinzu kommt, dass sich nicht nur das Zahlenverhältnis zwischen den Jungen und den Alten verschiebt. Es steigt auch noch die Lebenserwartung. So erfreulich dies für uns alle ist, so dramatisch sind die Auswirkungen auf die staatlichen Alterssicherungssysteme. Denn nüchtern betrachtet ähneln die umlagefinanzierten Rentensysteme der westlichen Welt einem Ponzi-Schema. Als Ponzi-Schema bezeichnet man seitdem groß angelegten Betrug des Italo-Amerikaners Charles Ponzi in den 1920er-Jahren Betrugssysteme, bei denen die Mittel der neuen Investoren dazu benutzt werden, frühere Investoren zu bedienen. Dies geht so lange gut, wie die neu hinzufließenden Mittel den Abfluss übersteigen oder einfach gesagt, solange mehr Menschen neu eintreten als austreten. Als Bismarck 1889 die Rentenversicherung einführte, lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern bei 37 und von Frauen bei 40 Jahren. Versicherungsleistungen wurden erst ab einem Alter von 70 Jahren gezahlt. Zugleich lag die Geburtenrate deutlich höher. Die Vorstellung, dass es einmal weniger Kinder geben könnte, war undenkbar. Noch Adenauer verweigerte eine Umstellung auf ein kapitalgedecktes System mit den Worten: „Kinder bekommen die Leute immer.“ Kurz danach kam der Pillenknick.

Drastische Maßnahmen erforderlich

Wie dramatisch die Situation der öffentlichen Alterssicherung ist, haben Experten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schon 2010 vorgerechnet [1]:

Abb. 2: Drastische Maßnahmen sind erforderlich

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Bleiben die Zusagen für Renten und Gesundheitsleistungen auf heutigem Niveau, stehen wir vor einer Explosion der Staatsschulden. Selbst in einem günstigen Szenario, in dem die laufenden Defizite auf das Vorkrisenniveau zurückgeführt und die Altersausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf dem derzeitigen Stand eingefroren werden (was einer deutlichen Kürzung pro Leistungsempfänger entspricht), dürfte die Staatsverschuldung weiterhin in beachtlichem Tempo wachsen. Insofern verwundert es nicht, dass die BIZ zu dem Schluss gelangte, es seien drastische Maßnahmen erforderlich, um das rasche Wachstum der aktuellen und künftigen Verbindlichkeiten der Regierungen einzudämmen. In einer aktuellen Studie beziffern die Analysten der Citigroup die Lücke in den staatlichen Rentensystemen der westlichen Industrieländer auf atemberaubende 78 Billionen US-Dollar. [2]

Klar ist, dass es unweigerlich zu Kürzungen und zu mehr Umverteilung zwischen den Generationen, aber auch innerhalb der Rentnergeneration kommen muss. Die Stellschrauben sind: Beitragszahler, Lebensarbeitszeit, Beitragsniveau und Rentenniveau. Jede Veränderung dieses magischen Vierecks lässt viel sozialpolitischen Sprengstoff, quälende Debatten und halb gare Ergebnisse erwarten. Umso zwingender wird es, die private Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen.

Private Vorsorge nötig, doch unmöglich

Doch auch hier zeigt sich eine fatale Entwicklung. Das tiefe Zinsniveau macht Sparern und ihren Vermögensmanagern einen Strich durch die Rechnung. Während einige Pensionskassen noch mit durchschnittlichen Renditen von fünf Prozent kalkulieren, nähern sich die tatsächlichen Zinsen dem Nullpunkt. Schon für das Jahr 2014 wurden die Pensionsdefizite der DAX und MDAX Unternehmen auf 153 Milliarden Euro bzw. rund 27 Prozent des Eigenkapitals geschätzt. [3] Wenig tröstlich, dass es um Unternehmen in den USA noch schlimmer steht. [4] Schlechte Nachrichten für Sparer und existenzbedrohend für Unternehmen. Das Schicksal der japanischen Lebensversicherungen zeigt eindrücklich, welche Folgen langjährig tiefe Zinsen haben.

Leider spricht nichts dafür, dass es zeitnah zu einer Trendwende bei den Zinsen kommt. So zeigt eine Studie der Bank of England [5], dass die Zinsen noch für mindestens weitere 15 Jahre tief bleiben werden. Die Forscher erklären dies mit sieben Einflussfaktoren, die auch in Zukunft eine Rolle spielen werden:

  • Die demografische Entwicklung führt zu einem erhöhten Angebot an Sparkapital, weil immer mehr Menschen für das Alter vorsorgen.
  • Eine zunehmend ungleiche Vermögens- und Einkommensverteilung führt ebenfalls zu mehr Sparkapital, weil Menschen mit höheren Einkommen und Vermögen mehr sparen als der Durchschnitt der Bevölkerung.
  • Die Schwellenländer versuchen, ihre Wirtschaft über eine Stärkung des Exportsektors zu entwickeln. Da Exportüberschüsse immer auch mit einem Kapitalexport einhergehen, investieren diese Länder in den Kapitalmärkten der Industrieländer und vergrößern so zusätzlich das Angebot an Ersparnissen.
  • Die Sparer bzw. die Kapitalsammelstellen sind risikoaverser geworden und deshalb bereit, ihr Geld auch zu tiefen Zinsen anzulegen, statt in andere, risikoreichere aber potenziell rentierlichere Anlagen auszuweichen.

Ein fataler Zirkelschluss: Mehr Sparen führt zu noch niedrigeren Zinsen, weil dem erhöhten Angebot an Ersparnissen eine geringere Nachfrage nach Investitionsmitteln entgegensteht:

  • In den letzten Jahren sind die Preise von Investitionsgütern deutlich gefallen, was unter anderem auf die digitale Revolution zurückzuführen ist. Deshalb benötigen Unternehmen weniger Kapital, um ihre Investitionen zu finanzieren.
  • Zugleich sind die Investitionen der Staaten deutlich zurückgegangen, was an der schon bestehenden hohen Schuldenlast der Staaten liegt.
  • Das geringere Wirtschaftswachstum, verursacht durch den Rückgang der Erwerbsbevölkerung und deutlich geringere Produktivitätszuwächse, führt zusätzlich zu wenig Investitionen, weil die Aussichten nicht hinreichend attraktiv sind.

In der Volkswirtschaftslehre wird dieses wirtschaftliche Umfeld mit schwachem Wachstum, geringen Investitionen und tiefen Zinsen als „säkulare Stagnation“ bezeichnet, ich nenne es die Eiszeit.

Tiefe Zinsen sind nötig

Die Einflussfaktoren, die von der Bank of England herausgearbeitet wurden, sind sicherlich zutreffend, jedoch nicht vollständig. Eine entscheidende Ursache für das geringe Wirtschaftswachstum und die tiefen Zinsen dürfte die hohe Verschuldung weiter Teile der Welt sein. In den 30 Jahren zwischen 1980 und 2010 ist die weltweite Verschuldung dramatisch gewachsen. Berechnungen der BIZ zeigen einen Anstieg von 160 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (gemessen am Bruttoinlandsprodukt, BIP) auf über 320 Prozent für die Industrieländer. Real, also bereinigt um Inflation, haben sich dabei die Schulden der Unternehmen mehr als verdreifacht, die der Staaten mehr als vervierfacht und der privaten Haushalte gar mehr als versechsfacht. Nach Ländern stellt sich die Entwicklung so dar:

Abb. 3: Zuwachs der Verschuldung von 1980 bis 2010

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Entscheidende Mitschuld an dieser Entwicklung dürfte die Deregulierung des Finanzsektors und die asymmetrische Politik der Notenbanken tragen, die auf jede Krise mit Zinssenkungen reagierten, ohne die Zinsen wieder ausreichend anzuheben. Damit wurde die Verschuldung zu Konsum und Spekulation befeuert, was auch der entscheidende Grund für den deutlichen Anstieg der Vermögenspreise ist. [6] Verstärkt wurde dieser Trend durch den Markteintritt Chinas und Osteuropas in den Weltmarkt. Damit stieg das weltweite Arbeitskräfteangebot um mehrere Hundert Millionen Menschen. Diese Menschen waren und sind bereit, für deutlich geringere Löhne zu arbeiten, als wir in der westlichen Welt. Schulden dienten nun dazu, fehlende Einkommenszuwächse zu kompensieren.

Doch Schulden zu Konsum- und Spekulationszwecken erhöhen das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft nicht. Die Zinsen müssen also aus dem laufenden Einkommen bedient werden, während das Einkommen immer weniger wächst. Die Produktivitätszuwächse nehmen weltweit ab. Erschwerend kommt hinzu, dass das billige Geld zu Fehl- und Überinvestitionen geführt hat, was nun, vor allem aus China kommend, das globale Güterangebot erhöht und zu einer deflationären Tendenz führt. Das reale Wirtschaftswachstum sinkt immer mehr.

Die Krise von 2008 war folglich kein Zufall. Sie war die unvermeidliche Konsequenz von zu vielen Schulden. Nur durch noch mehr Schulden und noch tiefere Zinsen gelang es, eine große Depression wie in den 1930er-Jahren zu verhindern. Nur zu Tiefst- und Negativzinsen gelingt es den Notenbanken, diesen Schuldenturm vor dem Einsturz zu bewahren. Doch während das billige Geld dazu dient, das Fundament des Schuldenturms zu stabilisieren, setzen wir oben immer weitere Stockwerke drauf. Private und staatliche Schulden stiegen weltweit seit 2008 um mehr als 60 Billionen US-Dollar. Eine Normalisierung der Zinsen ist in diesem Umfeld undenkbar.

Bereinigung nötig

Zeitgleich mit dem Höhepunkt der Erwerbsbevölkerung hat die westliche Welt auch einen Rekordberg an Schulden angehäuft. Ohne eine deutliche Bereinigung dieser Schuldenlast wird es nicht möglich sein, zu höherem Wachstum und zu normalen Zinsen zurückzukehren.

Die Optionen zur Lösung des Problems offener und verdeckter Schulden sind bekannt:

  • Höheres Wirtschaftswachstum: Am besten wäre es, wir könnten aus der Schuldenlast herauswachsen. Leider ist dies nicht möglich, weil sowohl die demografische Entwicklung wie auch die geringen Produktivitätszuwächse und der Schuldenberg das realwirtschaftliche Wachstum dämpfen. Reformen, zum Beispiel der Arbeitsmärkte, können das Wachstumspotenzial zwar heben, dennoch dürften die Effekte zu lange brauchen und nicht groß genug sein. Wie schwer es ist, Reformen durchzusetzen, gerade in einem schlechten wirtschaftlichen Umfeld, können wir zurzeit in ganz Europa beobachten.
  • Mehr Inflation: Seit Jahren versuchen die Notenbanken, die Inflation zu erhöhen. Ohne Erfolg. Dies liegt an dem erheblichen deflationären Druck aus Fehlinvestitionen, Überkapazitäten und Überschuldung. Das Beispiel Japan zeigt, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis es zu Inflation kommt, wenn überhaupt. Es scheint, dass es nur gelingt, Inflation zu erzeugen, wenn man das Vertrauen in Geld zerrüttet. Die sich dann ergebende Inflation wäre allerdings nicht mehr zu kontrollieren.
  • Schuldenrestrukturierung: Alternativ wären die Schulden von Staaten und Privaten wie bei einer Unternehmensinsolvenz in einem geordneten Prozess abzuschreiben. Dies ginge zwangsläufig mit erheblichen Verlusten für die Gläubiger, also die Sparer einher. Da dies unpopulär ist, scheut die Politik sich bisher, diesen Weg zu gehen. Eine Untervariante wäre ein Schuldenschnitt, der über Steuern auf Vermögen und Einkommen finanziert wird.

Die Politik setzt jedoch vorerst auf eine immer aggressivere Fortsetzung der derzeitigen Geldpolitik – in der Hoffnung, doch noch Wachstum und Inflation zu erzeugen. Als Nächstes wird die direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken erfolgen, idealerweise zins- und tilgungsfrei in Form von „Helikopter-Geld“. Der Ausgang des Experiments ist ungewiss. Unzweifelhaft ist nur, dass eine erhebliche Vermögensvernichtung droht. Wir wissen nur noch nicht auf welchem Weg.

Konsequenzen für die Geldanlage

Macht Geldanlage in solch einem Bedrohungsszenario überhaupt noch Sinn? Unbedingt, sie muss sich nur auf mehrere Szenarien einstellen! Mein Basisszenario ist die „Eiszeit“: eine lange Phase wirtschaftlicher Stagnation, die sich allerdings auf unterschiedliche Weise auflösen kann. Im chaotischen deflationären Kollaps mit Bankpleiten und politischen Verwerfungen. In der Hyperinflation nach dem Verlust des Vertrauens in die Zentralbanken und das von ihnen geschaffene Geld. Oder, im glücklichen Fall, einen gelungenen Reset durch geordnete Umschuldung und Abschreibung uneinbringlicher Forderungen.

Die verschiedenen Szenarien mögen zwar unterschiedlich wahrscheinlich sein, doch die bei dem Zukunftsprojekt Altersvorsorge gebotene Vorsicht verbietet es, alles auf eine Karte zu setzen. Ziel der Geldanlage ist zunächst der Return of Capital, bevor man sich einen Return on Capital wünscht. Globaler kaufkraftbereinigter Vermögenserhalt plus x ist das Ziel. So landen wir unweigerlich bei einer sehr bodenständigen Anlagestrategie. Statt hektischen Handelns empfiehlt sich die Definition eines stabilen Portfolios aus Aktien, Immobilien, Gold und Anleihen/Liquidität, welches nur ein-, maximal zweimal im Jahr angepasst wird. Dabei ist auch auf eine internationale Streuung zu achten, weil die selbst professionelle Anleger oft einem „Home  Bias“ unterliegen. Nur in Deutschland und Europa investiert zu sein, ist angesichts der hier geschilderten Rahmenbedingungen sicherlich keine gute Idee.

In der Strategie der breiten Streuung ist das Element der Qualität entscheidend: die Qualität der Aktien, der Schuldner, der Immobilien und der Bank, bei der man Liquidität hält. Würde sich zum Beispiel im Reset-Szenario die Bonität ausfallgefährdeter Schuldner verschlechtern, drohen bei mangelnder Qualität des Anleiheportfolios drastische Kursverluste. Nur wenn in allen Teil-Portfolien die Qualität stimmt, wird man Vermögen erhalten – auch wenn man vor zwischenzeitlichen Kursverlusten nicht zu 100 Prozent geschützt ist.

Tiefe Zinsen und Verschuldungsboom haben die Preise fast aller Vermögenswerte auf ein so hohes Niveau getrieben, dass man selbst ohne Turbulenzen in den Märkten für die kommenden Jahre nur geringe Erträge erwarten darf. Der größte Teil der Rendite wurde in den letzten Jahren schon realisiert. Deshalb kommt den Kosten der Geldanlage eine übergeordnete Bedeutung zu. Dabei helfen sicher kostengünstige Instrumente wie ETF. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass sie in der Regel breite Märkte abbilden, sich analog zu diesen entwickeln und eine Selektion nach Qualitätskriterien schwierig ist.

Die Realität in den Portfolios institutioneller Anleger sieht leider anders aus. Versicherer und Pensionskassen sind nach wie vor auf zinstragende Anlagen fokussiert – zwangsläufig. Hier ist der Regulierer gefordert. Im durchaus berechtigten Streben nach Systemstabilität und Anlegerschutz hat er diesen Kapitalsammelstellen ein Sicherheitsregime auferlegt, in dem sie kaum noch Renditen erwirtschaften können.

Wir brauchen eine ehrliche öffentliche Debatte über die Zukunft unserer Altersvorsorge. So richtig es ist, auf die Defizite des Systems hinzuweisen und unerfüllbare Versprechen zu kassieren, so falsch ist es, die verschiedenen Säulen der Altersvorsorge pauschal zu diskreditieren. Das makroökonomische Umfeld ist schwer zu beeinflussen. Das, was der umlagebasierten Säule die Demografie ist, ist der kapitalmarktbasierten Säule der Nullzins. Diese Zusammenhänge deutlich zu machen, ist der erste Schritt für einen Konsens zur Reform der gesetzlichen Altersvorsorge und eine politische Initiative zur Erleichterung der Anlagerichtlinien für Versicherer und Pensionskassen.


[1] BIS Working Paper No. 300, „The future of public debt“, Stephen G Cecchetti, Madhusan Mohanty und Fabrizio Zampolli, März 2010, abrufbar unter: http://www.bis.org/publ/work300.pdf

[3] Mind the Gap, Flossbach von Storch Institut, April 2015, abrufbar unter: http://www.fvs-ri.com/files/mind_the_gap_1.pdf

[4] The biggest companies in America have a record $600 billion retirement problem, Business Insider, 11. Juni 2016, abrufbar unter: http://www.businessinsider.de/sp-500-600-billion-retirement-problem-2016-7?r=US&IR=T Ähnliche Werte zeigt die bereits zitierte Studie der Citigroup.

[5] Secular drivers of the global real interest rate, Lukasz Rachel und Thomas D Smith, Bank of England, Staff Working Paper No. 571, 11. Dezember 2015, abrufbar unter: http://www.bankofengland.co.uk/research/Pages/workingpapers/2015/swp571.aspx

[6] siehe ausführlich zum Zusammenhang von Schulden und Vermögen: Die Schulden im 21. Jahrhundert, Daniel Stelter, Frankfurt, 2014

26 Antworten
  1. Heinz says:

    Also das demographische Problem ist wirklich unser kleinstes. Ich würde sogar behaupten, dass es gar keines gibt. Im Mittelalter und noch bis ins frühe 19. Jahrhundert mussten 90% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten um 100% zu versorgen. Heute sind es 1,5%. Die industriellen Kapazitäten in Deutschland sind mehr als ausreichend um die Bevölkerung mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen. Knapp 25 der Leute verdienen ihr Geld noch im produzierendem Gewerbe. Oder anders gesagt, wir haben etwa 74% Dienstleister und ich würde mal sagen, 50% von denen gehen eigentlich nur einer Art Beschäftigungstherapie nach. Oder anders gesagt, knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist in keiner Weise irgendwie produktiv tätig. Ich halte es für nicht weiter tragisch, ob nun statt die Hälfte oder 2/3 sind, sofern die Ressourcen weiterhin vorhanden sind. Problematisch wird es nur, wenn es zu einer Ressourcenknappheit kommt. Eine Hungersnot in Deutschland erledigt das Problem der über 65-Jährigen sehr rasch und damit auch deren fiktiven Pensionsansprüche. Ich habe es gerade bei meinem Vater gesehen (80). 2 Tage ohne Essen und er war zu schwach, um noch Aufstehen zu können.

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  2. Wolfgang Selig says:

    Herr Dr. Stelter, Sie werden keinen Konsens und keine ehrliche Debatte bekommen, weil Sie ein emotionales Massenthema in einer Demokratie nicht rational diskutieren können. Natürlich in kleinem Kreis, wie in diesem Blog. Aber nicht in den Massenmedien, in breiten Schichten der Bevölkerung und daher auch nicht in den Parlamenten. Macht aber m.E. nichts. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten schrittweise eine „Reform“ nach der anderen bei der öffentlichen und privaten Altersversorgung erleben, die jedes Mal die Situation für die Rentner etwas verschlechtert. Es ist absolut undenkbar, dass radikale Entscheidungen für mehrere Jahrzehnte fix getroffen werden, wenn auch nur der geringste Verhandlungsspielraum für einen faulen Zwischenkompromiss vorhanden ist. Man sieht es sehr schön an der großen Koalition, wo die Rentenmaßnahmen von Herrn Müntefering aus wirtschaftlich schwierigeren Zeiten sofort wieder mit Maßnahmen wie der Mütterrente oder der Rente mit 63 konterkariert werden. Ich prognostiziere, dass das die nächsten Jahrzehnte so weiter gehen wird, ja muss, weil der Leidensdruck jeweils mitwachsen muss. Und das tut er halt nur relativ langsam, dafür aber mit der Sicherheit eines Naturgesetzes.

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    • Dietmar Tischer says:

      Genauso ist es.

      Wir irren so lange vorwärts bis es zu einer Situation kommt – NICHT mehr im Konsens zu besänftigender Leidensdruck eines großen Teils der Bevölkerung – , wo der Ruf nach dem starken Mann so laut wird, dass die Dinge in möglicherweise nicht mehr beherrschbares Fahrwasser geraten.

      Diese Situation kann m. E. viel schneller erreicht werden als wir es uns heute vorstellen.

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  3. Ondoron says:

    Wenn ich dann an Ihre Aussagen, Herr Dr. Stelter, zum Euro denke: Die Deutschen müssten den Euro „retten“… mit Verlaub, da zweifel ich wirklich an Ihrer Urteilskraft.
    In gleicher Weise bezeichnen Sie das FIAT-Money-System als Ponzi-Schema, beim Euro kommt noch der Moral Hazard der teilnehmenden Staaten hinzu, und Sie schwadronieren von Möglichkeiten, die die Zentralbanken noch haben. Das ist ein logischer Widerspruch: Entweder Ponzi und Kollaps, oder die konstruktivistischen Ideen, wie man ein Ponzi-Schema „retten“ könne. Nun gut, da haben Sie natürlich Ihre Sekundanten hier im Forum, die auch eifrig konstruktivistisch eine „Lösung“ der Kalamitäten nach der anderen präsentieren, sei es der Helikopter oder sonst was. Selbstverständlich herrschen hier Paraphrasierungen vor; denn mehr vom Gleichen hilft mehr.

    Wissen Sie, was Konstruktivismus bedeutet? Darüber nachzudenken lohnt…

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  4. Dietmar Tischer says:

    >Klar ist, dass es unweigerlich zu Kürzungen und zu mehr Umverteilung zwischen den Generationen, aber auch innerhalb der Rentnergeneration kommen muss.

    Das ist die Analyse.

    >Die Stellschrauben sind: Beitragszahler, Lebensarbeitszeit, Beitragsniveau und Rentenniveau. Jede Veränderung dieses magischen Vierecks lässt viel sozialpolitischen Sprengstoff, quälende Debatten und halb gare Ergebnisse erwarten.>

    Das sind die Variablen, die für Anpassungen zur Verfügung stehen.

    Das ist die SCHLUSSFOLGERUNG:

    >Umso zwingender wird es, die private Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen.>

    Das ist ein Fehlschluss, weil diese Aussage nicht aus den beiden vorherigen gefolgert werden kann (non sequitur).

    Man kann vom Aggregat nicht so zum Individuum springen.

    Es sollte auch klar sein, warum das so ist:

    Die hier sehr deutlich darglegten Zusammenhänge betreffen nicht nur das Subsystem der Rentner, die durch die GRV finanziert werden. Es betrifft auch nicht nur Beitragszahler in die und Rentner der GRV. Es betrifft mehr oder weniger ALLE. Ich erinnere nur daran, dass schon HEUTE pro Jahr mehr als EUR 80 Mrd. in die GRV fließen, die aus dem Steueraufkommen und/oder durch Staatsverschuldung finanziert werden. Auch diejenigen die private Altersvorsorge betreiben bzw. betrieben haben, sind an der Finanzierung beteiligt.

    Was wäre dann die Schlussfolgerung?

    Brächte man noch ein die eine oder andere Prämisse in die Argumentation ein, z. B. die Bereitschaft, den Lebensmittelpunktes in Länder mit vorteilhafterer Demografie und weniger Staatsverschuldung zu verlagern, dann kann man mit dem ZIEL, der dargelegten Rentenproblematik zu entkommen, sehr wohl für eine private Altersvorsorge plädieren. Inwieweit die in die eigene Hand zu nehmen sei, ist nochmal eine andere Frage.

    Ich will hier nicht weiter darauf eingehen, dass man dort, wo man als Rentner mit hohem verfügbare Einkommen lebt (vor allem weil man dem Zugriff der Verteilungsgemeinschaft entkommen ist), nicht immer gut lebt (Sozialisierungsprobleme, mangelhafte ärztliche Versorgung, fehlende Sicherheit, kulturelle Vakuum, beschwerliches Klima etc.).

    Es sei hier lediglich noch einmal darauf verwiesen, dass es angesichts der absehbaren Konflikte um die Verteilung des zukünftigen BIP eine sehr EFFEKTIVE VORSORGE-STRATEGIE ist, sich auf ein materiell BESCHEIDNERES Leben im Alter einzustellen.

    Das ist kein Widerspruch zu dem, was Dr. Stelter hier mit „die private Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen“ empfiehlt.

    Es ist aber die, wie ich meine, INTELLIGENTESTE Art für das Alter SICHER vorzusorgen angesichts der Tatsache, dass man auch als privat Vorsorgender nicht dem STÄRKER werdenden Zugriff der Verteilungsgemeinschaft entkommen kann.

    Wer wenig hat und damit auskommt, dem wird auch nur wenig, wenn überhaupt etwas entzogen.

    Damit entkommt man nicht einer Gesellschaft voller Verteilungskonflikte, aber der direkte Zugriff auf einen läuft ins Leere.

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    • Michael Stöcker says:

      Etwas mehr Bescheidenheit sollten wir uns alle insbesondere wegen der Klimaerwärmung auferlegen. Sehr hilfreich wäre hier eine generell höhere Besteuerung ALLER Energieverbräuche, die nicht aus regenerativer Energie stammen. Hinweis für alle Atom-Freaks: Die CO2-Debatte ist ebenso fehlgeleitet wie die Geldsystemdebatte. Es geht ausschließlich um die Wärmebilanz als Folge der Freisetzung potenzieller Energie; und da ist es dem Klima völlig schnuppe, ob das nun über die Verbrennung von Kohle, Gas, Öl, Kernkraft oder Geothermie passiert. Wir haben es auch hier mit einem kollektiven Versagen zu tun, da die abnehmenden arktischen Reflexions- und Kühlflächen zu einem sprunghaften Anstieg der Temperaturen führen werden, wenn diese Flächen aufgebraucht sind. Die ganze CO2-Zertifikate-Idee basiert auf einem kollektiven Irrtum; so, wie auch beim Thema Geld und Kredit. Insofern ist eine Kritik an der CO2-These von Schellnhuber zwar durchaus berechtigt, aber eben ganz anders, als es DIE WELT ohne Sinn und Verstand macht: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article149254589/Schellnhubers-unverhohlener-Antrag-auf-den-Nobelpreis.html

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Zum Thema Verteilungskonflikte: Hier gibt es insbesondere aus deutscher Sicht noch so einiges an Potenzial. Der Kuchen muss nicht unbedingt real größer werden. Wir müssen „nur“ diesen Teil umlenken: https://cdn.static.finanzen100.de/foto/7314_original.jpg und die zahlreichen Bullshit-Jobs in Banken, Versicherungen und Verwaltung strukturell eliminieren. Da wir zugleich die inländischen Investitionen zu Lasten automobiler Blechträume im Rest der Welt unterlassen, wird die Kuchenform zukünftig deutlich kleiner sein, als sie sein müsste. Das hat man dann davon, wenn man illusionäre Forderungen akkumuliert. Diese Liebe zu Forderungen endet so tragisch wie die Geschichte vom König Midas. Denn auch das Gold ist nur ein Symbol für das was gilt (guilty). Und das was gilt, dass muss entgolten werden. Am Ende erstarrt alles im goldenen/gültigen Glanze zu Tode. Aber das verstehen unsere durch und durch trivialisierten und säkularisierten Austrian-Gold-Bugs nicht und schwadronieren und paraphrasieren endlos und respektlos vor sich hin.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    @ Heinz

    >Sie haben meinen Beitrag nicht verstanden. Das Niveau mit dem die Bevölkerung versorgt werden kann hängt von den Ressourcen hab und nicht von den wie auch immer generierten Ansprüchen.>

    Das ist eine Binse, über die man nicht einmal ansatzweise zu diskutieren braucht.

    Lesen Sie noch einmal den Beitrag, in dem unter anderem festgehalten ist:

    >Klar ist, dass es unweigerlich zu Kürzungen und zu mehr Umverteilung zwischen den Generationen, aber auch innerhalb der Rentnergeneration kommen muss.>

    Warum wohl?

    Weil die ANSPRÜCHE nicht befriedigt werden können durch das, was mit den Ressourcen möglich ist.

    DAS ist das Problem.

    Antworten
  6. Remember_Skorates says:

    Bertrand Russell schreibt in „Denker des Abendlandes“ über den griechischen Philosophen Sokrates: „… er hatte wenig Geld und strengte sich auch nicht an, mehr zu verdienen. Sein liebster Zeitvertreib war die Diskussion mit Freunden und anderen …“

    So hat Dietmar Tischer wohl recht: Die intelligenteste Altersvorsorge ist sich auf ein bescheideneres Leben vorzubereiten und den Anspruch fallenzulassen, es finanziell möglichst bald „geschafft“ zu haben.
    Und sich knowhow- und gesundheitsmäßig so fit zu halten, um sich über die Grundversorgung hinaus fallweise ein wenig Luxus hinzuverdienen zu können. Vielleicht kommt der demografische Fachkräftemangel ja wirklich und der grauhaarige aber wissensmäßig noch zeitgemäße Ingenieur kann als (Teilzeitkraft ?) wieder einsteigen …

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Schön, dass Sie meine Gedanken teilen.

      Was den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben betrifft:

      Ich bin nie ausgestiegen und mich dem Greisenalter nähernd mische ich immer noch mit (auf Sparflamme) so wie eh und je mit einer Tätigkeit, die wie Kreuzworträtsel lösen ist: herausfordernd, an meine Kreativität appellierend, mich in den Wettbewerb zu anderen stellend – heute Menschen betreffend, die ein halbes Jahrhundert jünger als ich sind.

      Das Schönste daran (neben dem Geschenk, gesund zu sein):

      Man zahlt mir Geld dafür.

      Mehr Anerkennung kann es nicht geben.

      Dass ich mir mit dem Geld etwas kaufen kann, ist keine für mich.

      Antworten
  7. Johann Schwarting says:

    In einer Situation der Überschuldung, die Sie mit den Worten des Satzes

    „Real, also bereinigt um Inflation, haben sich dabei die Schulden der Unternehmen mehr als verdreifacht, die der Staaten mehr als vervierfacht und der privaten Haushalte gar mehr als versechsfacht.“

    beschreiben, sind die Schuldenverwalter die Herren im Hause – wie jeder weiß, der in einer Privatinsolvenz steckt. Kaum ein Politiker hat die umfangreichen Verträge, die in den Parlamenten zur Abstimmung stehen, je gelesen – geschweige denn verstanden. Es sind vor allem in diesen Zeiten die Schuldenkontrolleure aus den Beraternetzwerken – z.B. http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/wg2004.pdf – , die den Debitismus kennen, die weltweit ihr Wissen und ihre Dienste anbieten und die gleichzeitig bei Verhandlungen auf beiden Seiten der Konferenztische sitzen, um das Fortbestehen der Staaten und Unternehmen zu gewährleisten. Wir haben echte Probleme, weil die Geldanlagen nichts anderes als der Kauf von Verschuldungen sind, die niemals sinken dürfen, weil sonst die Sicherheiten der nominell fixierten Kredite abwerten und Lücken in den Besicherungen auftreten. Für den Staat, dessen Existenz ohne Verschuldung nicht definierbar ist, bedeutet das den Rückbau der Machtkreisläufe – vor allem der Rechtsräume – und die Rücknahme von Redistributionen, die der Machterhaltung dienen. Das sehen wir gegenwärtig in den zunehmend autoritären Regierungen Polens und Ungarns. Aber auch in der Türkei dürfen wir die Transformation einer säkularen Zentralmachtordnung, die vor 100 Jahren von Mustafa Kemal Atatürk gegründet wurde, hin zu einer islamischen Zentralmachtordnung unter einem diktatorischen Präsidenten Erdogan bewundern. Unter Assad wird Syrien um seiner Erhaltung willen auf den Terrorismus einer informellen gesetzlosen Macht reduziert. Wegen des Zwanges zur Aufschuldung und der Zwänge die kapitalistischen Kettenbriefe nicht reißen zu lassen, ist die Erkenntnis sehr bitter, dass die innere und äußere Sicherheit, die auch vorfinanziert werden muss, ein wachsendes Anlageprodukt ist. Die bevorstehende Gesetzgebung über ‘Fake News‘ ist auch in Deutschland eine weitere Rücknahme des Machtkreislaufes – vielleicht zu einem Wahrheitsministerium, dessen Staatsanwälte eines Tages wegen falsch formuliertem Wahren oder richtig formuliertem Falschen Anklage erheben. Friedrich Nietzsche: „Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: ‘Ich, der Staat, bin das Volk.‘ “ Die Berater werden sich die Kontrolle der Verschuldung nicht nehmen lassen – sie sind wegen ihres Wissens die wahren Machthalter. Da die europäischen Staaten allein nicht mehr finanzierungsfähig sind, läuft es auf eine Stärkung der Brüsseler Zentrale hinaus, die alles in die Erhaltung der EU steckt und die Bevölkerung bei minimaler staatlicher Versorgung sich selbst überlässt – sie muss sich ihrer Eigenverantwortung stellen. Wir erleben in Europa wie früher im Römischen Reich einen Übergang von „demokratischen“ nationalen Republiken zu einem „Brüsseler“ Prinzipat. Also nichts Neues unter dem Firmament.

    Antworten
  8. Alexander says:

    Jeder Unternehmer ist Kapitalanleger in seinem Unternehmen. Jeder Unternehmer muss sich fragen, wie lange er hofft die gängigen Kapitalmarktzinsen „ausgerechnet“ in seinem Unternehmen schlagen zu können. Aus vielerlei Gründen sind tiefe Zinsen logisch, wirtschaften bei null Rendite ist sinnlos. Bei niedrigsten Renditen wird real Kapital verzehrt und das ist ein endlicher Prozess, weil jedem Kredit eine Sicherheit gegenüber steht. Das japanische Modell ist Lösung für ein Land, nicht für alle. Was bleibt ist die Hoffnung, dass der Kollaps schneller kommt, als die Zerstörung der Pfänder – im Sinne einer Zukunft.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >… wirtschaften bei null Rendite ist sinnlos.>

      Ja – aus Sicht des Unternehmers bzw. derer, die Kapital einsetzen.

      Ja – auch aus volkswirtschaftlicher Sicht, weil Rendite generell und insbesondere Rendite über den gängigen Kapitalmarktzinsen einen Mangel signalisieren, der durch unternehmerische Tätigkeit mit Kapitaleinsatz und Beschäftigung von Menschen abgebaut wird.

      Dennoch ist Wirtschaften bei null Rendite keineswegs sinnlos.

      Es ist sehr sinnvoll für Menschen zu arbeiten und ein Einkommen zu erzielen auch dann, wenn das Unternehmen keine Rendite erwirtschaftet.

      Das ist das GRUNDVERSTÄNDNIS in der Gesellschaft. Nicht nur die Politik, sondern praktisch alle – Gewerkschaften, Arbeitgeber, Finanzsektor, Notenbanken etc. – werden alles tun, damit es nicht zerstört wird. Daher dürfen Pleiteunternehmen auch nicht kollabieren, wenn sie nur bedeutend genug als Arbeitgeber sind. Daher u. a. die Geldpolitik der Notenbanken.

      Allerdings ist den Entscheidern auch klar, dass dies, ganz richtig, ein endlicher Prozess ist.

      Was ist zu tun?

      Man muss die Leute dazu bringen, Nachfrage zu generieren. Sie müssen kaufen, kaufen, kaufen, auch wenn sie dies nicht wollen oder nicht können.

      Wie bekommt man sie dazu?

      Ganz sicher nicht indem man ihnen etwas von volkswirtschaftlichen Kreislaufmodellen und dgl. erzählt.

      Man bekommt sie mit Zuckerbrot oder Peitsche dazu.

      Entweder beschenkt man die Menschen indem man die Helikopter Geld abwerfen lässt oder man kürzt ihre Bankguthaben als Strafe für Nachfrageverweigerung.

      Ob das eine oder andere machbar ist, weiß man nicht so genau. Es werde sich Wege finden lassen, einfachere für Helikoptergeld – Not macht erfinderisch.

      Wie lange das gut geht, weiß niemand, vermutlich ist das auch ein endlicher Prozess.

      Muss auch niemand wissen, Hauptsache es ist wird etwas Zeit gewonnen

      Das ist der Prozess wie abläuft.

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  9. H.C. says:

    Ich würde bei der Diskussion bzw. Ursachensuche des „ganzen Problems“ noch weiter schauen.

    Das Problem für mich ist die Energiebasis – und da wird es jeden Tag schlechter. Das Gesamtsystem globale Wirtschaft verbraucht immer mehr Energie und versucht als Ausweg seine Komplexität zu erhöhen um Energie pro $ Welt-BIP zu senken, Effizienz (aber nicht unbedingt Gesamtsystemeffektivität) zu gewissen.

    Zurück zur Energiebasis: Immer mehr Aufwand erzeugt hier immer weniger „Überschussenergie“, die wir für die Sicherung von (Wirtschaftlich-Materieller) Expansion und einem „schönem Leben“ sprichwörtlich verbraten können. Dies, da die Bereitstellung von Energie durch das energetische System (Öl, Gas, Kohle, EE, etc.) immer mehr seines eigenen Outputs für Sicherung der Bereitstellung des zukünftigen Outputs frisst.

    An dieser physikalischen Gesetzmäßigkeit werden sich alle Zentralbanken die Zähne ausbeissen. Entweder wir machen uns in den nächsten Jahre noch eine vollkommen neue – und bisher unbekannte – Quelle an ‚leicht verfügbarer und speicher-fähiger On-Demand-Energie“ mit einem hohen Potential für Exergie nutzbar… oder das ganze System geht den Weg aller komplexen Systeme die Ihren Grenznutzen überschreiten, wie es auch schon der Archäologe J. Tainter beschrieben hat.

    In diesem Zusammenhang empfehle ich mal nach „ETP-Modell“ zu googeln. Dies beschreibt die grundlegenden Mechanismen meiner Ansicht nach sehr gut. Bezüglich es Timings und der Implikationen des Modells sehe ich allerdings noch etwas Luft…. hoffentlich bis an die Ende der 20er bzw. anf. der 30er Jahre.

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  10. Alexander says:

    „Es ist sehr sinnvoll für Menschen zu arbeiten und ein Einkommen zu erzielen auch dann, wenn das Unternehmen keine Rendite erwirtschaftet. “

    Ein 18 jähriger Auszubildender für Feinmechanik danach befragt, was er mit 500td€ Erbe anstellen würde -> ein Haus bauen natürlich!

    Auf die Frage ob er nicht eine Maschine kaufen wolle um „reich“ zu werden, die Antwort -> ich bin doch nicht verrückt!

    Auf das Angebot er könne den besten Mann seines Ausbildungsbetriebes mitnehmen und durch dessen Fähigkeiten „reich“ werden -> nein, auch nicht mit dem besten Mann.

    Auf die Frage warum dann der Chef des Unternehmens so verrückt ist und Maschinen kauft, um Arbeitsplätze zu schaffen und „reich“ zu werden, die Antwort – der investiert doch nicht sein Geld, der geht zur Bank!

    Voi la, wir haben eine Bankenkrise und die KMU Betriebe stellen 99.7% der Unternehmen, 80% der Ausbildungsplätze und 67% der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze.

    Die Verschuldung in der BRD lt. BIZ (2011, working paper 352):
    Staat: 77%, privat 64%, Firmen 100% jeweils zum BIP.

    Und an diesen 100% zum BIP verschuldeten Firmen hängen die Arbeitsplätze zur Finanzierung von Sozialstaat und als Grundlage des Steueraufkommens?

    Eiszeit.

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