Der Crash kam und er ist noch nicht vorbei (II)

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Vor zehn Jahren erschien das Buch „Der Crash kommt“ von Max Otte. Er bat mich, das Buch anlässlich des Jubiläums für eine Publikation aus seinem Hause zu besprechen. Gelesen hatte ich es bis dato nicht. Hier nun meine Einordnung des Buches und auch mein Fazit nach nunmehr fast 40 Jahren Beschäftigung mit dieser Thematik. Angesichts der Länge des Beitrages in zwei Folgen. Der erste Teil erschien gestern, hier nun Teil 2. 

Die Krise macht Pause

Schaut man nüchtern auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre, so muss man konstatieren, dass alles, was Max Otte in seinem Buch anprangert, trotz des Fastzusammenbruchs unserer Wirtschafts- und Finanzordnung, weiter fortbesteht – und zwar schlimmer als je zuvor:

  • Die Folgen der Globalisierung sind nicht bewältigt. Die Einkommensschere bewegt sich in den meisten Industrieländern – Ausnahme ist Deutschland – auseinander. Der deflationäre Druck hat sich durch die Überinvestitionen in China und dessen Rohstofflieferanten (Brasilien, Südafrika, Chile, …), sowie den Markteintritt weiterer Länder (Indien, Vietnam, …) noch verstärkt.
  • Die demografische Entwicklung schlägt, wie von Otte angesprochen, verstärkt zu. Trotz Null- und Negativzinses steigt die Sparquote in den betroffenen Ländern an. Vieles spricht dafür, dass die tiefen Zinsen den Anreiz zum Sparen sogar noch erhöhen.
  • Die Europäische Union verhält sich wie eine kältere Version des von den Eagles besungenen Hotels California. Man darf zwar eintreten, an einen Austritt jedoch nicht denken. Immer repressiver wird versucht, ein Projekt zu verteidigen, welches sich immer mehr von den Bürgern entfernt hat. Der Euro existiert nur noch dank der Interventionen der EZB, die jedoch die grundlegenden Probleme der Eurozone nicht lösen kann. Um auf Dauer funktionsfähig zu sein, müssen die faulen privaten und öffentlichen Schulden abgetragen werden und die nicht wettbewerbsfähigen Länder den Euro verlassen. Eine Anpassung innerhalb des starren Korsetts des Euro ist offensichtlich nicht möglich, wie nicht nur Griechenland, sondern auch Italien, Portugal und Frankreich zeigen.
  • Die Verschuldung ist weltweit massiv weiter gestiegen. Dabei nimmt die Produktivität neuer Schulden immer mehr ab. Führte in den 1960er-Jahren in den USA ein Dollar neuer Schulden zu rund 60 Cents zusätzlichem BIP, so liegt der Wert heute bei unter zehn Cents. Dahinter steht auch die zunehmend unproduktive Verwendung neuer Schulden. Statt die Mittel in neue Maschinen und Produkte zu investieren, werden sie vor allem zum Kauf von vorhandenen Vermögensgegenständen, am liebsten Immobilien, verwendet. Dadurch steigen zwar die Vermögenswerte, jedoch das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft erhöht sich nicht. In der Folge wachsen dann die Vermögen relativ zum Volkseinkommen, was Kritiker wie Thomas Piketty jedoch übersehen. Nur in einem Geld- und Finanzwesen wie dem heutigen können Banken aus dem Nichts Geld schaffen, in dem sie Kredite vergeben. Durch diese Kreditvergabe ermöglichen sie erst den Anstieg der Vermögenspreise, die wiederum weitere Verschuldung gestatten.[1] Da die Schulden jedoch letztlich immer aus dem laufenden Einkommen bedient werden müssen, wächst die Last auf der Realwirtschaft trotz Niedrigstzins. Es ist absehbar, dass das Spiel nicht ewig weitergeht.
  • Das Bankensystem ist zumindest in Europa nicht saniert. Die italienischen Banken leiden unter faulen Krediten im Volumen von (mindestens) 18 Prozent des italienischen BIP, was faktisch bedeutet, dass sie pleite sind. Die deutschen Banken stehen ebenfalls nicht solide da, vor allem die Deutsche Bank dreht auch heute noch ein großes Rad mit Derivaten und die Bilanz ist für Außenstehende nicht zu durchblicken. Zum Zeitpunkt, an dem dieser Beitrag verfasst wurde, stand die Bank zumindest unter erheblichem Druck der Kapitalmärkte.

Doch auch in den anderen Ländern steht es nicht gut um die Banken. Die Verschuldung ist hoch und die Tiefstzinspolitik der Notenbanken unterminiert die Profitabilität zusätzlich.

Zu guter Letzt sind die Notenbanken mit ihrem Latein zunehmend am Ende. Sie haben zwar noch einmal erfolgreich die Instrumente der letzten dreißig Jahre angewendet, doch bei Nullzins und nach dem Aufkauf eines großen Teils der verfügbaren Staats- und Unternehmensanleihen ist das Potenzial für weitere Maßnahmen begrenzt. Beim diesjährigen Treffen der Notenbankexperten in Jackson Hole wurde deshalb offen über die Alternativen diskutiert. Neben den Überlegungen die Bargeldnutzung einzuschränken, mit dem Ziel, leichter negative Zinsen durchsetzen, ging es vor allem um die direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken, damit diese die Nachfrage ankurbeln und so die Stagnation – ich nenne es die Eiszeit – zu überwinden. Idealerweise soll den Staaten über Helikopter-Geld der Notenbanken Geld geschenkt werden, um neben der Stimulanz der Nachfrage auch die Inflation anzureizen.

Dies alles unterstreicht eindrücklich, der Crash kam und die Ursachen nicht beseitigt wurden. Stattdessen entschieden sich die Verantwortlichen für die falsche Medizin und erhöhten auch noch die Dosis in ihrem Kampf gegen die Symptome der Krankheit Krise. Die Folge: Die Probleme werden immer größer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Phase der Krise ausbricht. Die Krise macht nur Pause und wird mit voller Wucht zurückkehren.

Sollte es Max Otte am Ende so ergehen wie Paul C. Martin? Dessen Analysen lesen sich auch heute noch als zutreffend, trotzdem hat es die Politik geschafft, das System über einige Krisen zu retten. Immer weiter stieg die Verschuldung, immer langsamer erholte sich die Realwirtschaft. Und ein Blick nach Japan zeigt, dass es mit der Verschuldung durchaus noch weiter deutlich nach oben gehen kann. Schaut die Krise von 2009 in ein paar Jahren auch nur wie ein Stolperer auf dem ewigen Aufwärtstrend aus, wie der Börsenkrach von 1987? Ich bezweifle es – obwohl auch ich mich schon ein paar Mal im Timing geirrt habe. Ich denke, zu viele Zeichen sprechen für eine Endphase der Entwicklung:

  • Die Verschuldung hat immer weniger Wirkung auf die Realwirtschaft.
  • Länder, die vor zehn Jahren noch erhebliches Verschuldungspotenzial hatten, allen voran China, haben dieses schon ausgeschöpft.
  • Die Zinsen liegen schon bei null, jetzt geht es nur noch mit massiven Eingriffen wie einem Bargeldverbot, was das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Geldwesen erschüttern kann.
  • Der politische Konsens innerhalb und zwischen den Ländern erodiert zunehmend. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit von Protektionismus und auch von Austritten aus dem Euro.
  • Die demografische Entwicklung schlägt nun mit voller Kraft zu, die Erwerbsbevölkerung schrumpft in Europa ab jetzt.

Verglichen mit 2009 war 1987 ein Lüftchen. Alles spricht dafür, dass 2009 ein Lüftchen ist, gemessen an dem, was uns 20xx bevorsteht. Bis dahin bleiben wir in einer Eiszeit gefangen, aus der es nur wenige Auswege gibt:

  • den deflationären Kollaps mit Pleiten, Konkursen und ungeordneten Austritten aus dem Euro;
  • einen geordneten Schuldenschnitt, finanziert mit Steuern und Vermögensabgaben, verbunden mit einer geordneten Neustrukturierung des Euro;
  • eine deutliche Inflation.

Da die vierte Option – ein Wachstumswunder –unrealistisch ist, muss man sich persönlich darauf einstellen und Vorsorge treffen.

Empfehlungen stimmen noch immer

Max Otte hat sich vor zehn Jahren nicht nur mit seiner Prognose unter Gesichtspunkten des Timings aus dem Fenster gelegt, sondern auch noch sehr konkrete Hinweise zur Geldanlage gegeben. Dabei hebt er sich wohltuend von der heute populären Crashliteratur ab. Er erweckt niemals den Eindruck, die alleinige Lösung für das Problem des Vermögenserhalts in der Krise zu haben. Er empfiehlt auch keine Streuobstwiesen und Whiskysammlungen, wie es einige der „Experten“ sogar im SPIEGEL tun durften. Deshalb sind seine Empfehlungen gerade auch für kleinere und mittlere Vermögen auch heute noch aktuell.

Natürlich war es nicht konsequent von Otte, trotz seiner Warnung vor Banken auch einige Banken in seiner Empfehlungsliste zu haben. Gerade die von ihm gelobte Royal Bank of Scottland erwies sich als Flop erster Güte. Nur dank Staatshilfe konnte die Bank überleben, und auch heute noch steckt sie in erheblichen Schwierigkeiten. Doch trotz dieses Fehlgriffs dürften Anleger, die seinen Überlegungen folgten, heute relativ gut dastehen:

  • Seine Warnung vor Zertifikaten, geschlossenen Fonds, Kunst, Schmuck und anderen Sammlerstücken gelten nach wie vor. Zwar haben sich Kunst und einige Sammlerstücke wie Autos in den letzten Jahren gut entwickelt. Dies widerspiegelt jedoch vor allem die Geldflut der letzten Jahre. Im Zuge der nächsten Krise dürften Käufer für diese Dinge jedoch fehlen.
  • Die Warnung vor Schulden gilt ebenfalls weiterhin. Es ist zwar richtig, dass Schulden so billig wie noch nie sind und die Notenbanken es auf eine massive Inflationierung absehen. Dennoch kann eine deflationäre Entwicklung nicht ausgeschlossen werden. Niemals darf eine Situation entstehen, in der man verkaufen muss.
  • Auch in Zukunft liegt das Heil in einer disziplinierten Diversifikation auf Aktien, Immobilien, Gold und Liquidität/Anleihen. Mit seiner Warnung vor Anleihen lag Otte zwar falsch, weil die Zinsen nochmals deutlich gefallen sind. Heute ist jedoch klar, dass Anleihen nur noch ertragsloses Risiko darstellen. Wenn überhaupt dienen sie der Wertaufbewahrung, wenn man dem Geld auf dem Bankkonto nicht traut (richtig!) und nicht alles bar vorhalten möchte. Aktien gehören in jedes Portfolio, obwohl sie schon sehr teuer geworden sind, wiederum als Folge der Geldpolitik. Wie Otte würde ich hierbei auf Qualitätswerte setzen und den gesamten Finanzsektor ausklammern. Immobilien gehören ebenfalls in das Portfolio, sollten aber kein Klumpenrisiko darstellen. Bei den meisten Deutschen stellt die Immobilie den größten Besitz dar. Dies ist angesichts der Möglichkeit des Staates, über Besteuerung zuzugreifen, und der demografischen Entwicklung keine intelligente Strategie. Gold wiederum gehört physisch in jedes Portfolio, und dass es noch nicht die von Otte prognostizierten 2000 US-Dollar erreicht hat, ist eher ein Kaufargument.
  • Alleine die Empfehlung aus dem Euro in andere Währungen wie den Schweizer Franken, den Singapurdollar und die norwegische Krone zu diversifizieren, hat sich für die Leser des Buches gelohnt. Der Euro stand bei über 1,60 Schweizer Franken vor der Krise. Heute ist es schwerer geworden, aus den Währungen zu flüchten. Vielleicht wird das britische Pfund nach einer weiteren Abwertung interessant? Letztlich befinden sich jedoch alle Papierwährungen in einem Wettlauf zu ihrem intrinsischen Wert von null. Da bleibt nur noch Gold als ultimatives Zahlungsmittel.

Ein Aspekt der Geldanlage hat seit 2006 deutlich an Bedeutung gewonnen: die Kosten. Im heutigen Umfeld von Nullzins und fast Nullertrag in allen Vermögensklassen ist es besonders wichtig, auf die Kosten der Geldanlage zu achten. Die offenen und verdeckten Kosten erreichen bei traditionellen Anbietern nicht selten drei Prozent des Vermögens. Hier gilt es, durch einen Wechsel zu günstigeren Anbietern die Kosten der Geldanlage zu drücken.

Machen Sie ihr Haus wetterfest

„Der Crash kommt“ war vor zehn Jahren ein visionäres Buch mit einem guten Gefühl für das Timing. Die Analyse, die Max Otte damals zu der Überzeugung geführt hat, der Crash stünde bevor, trifft heute in allen Dimensionen noch mehr zu als damals. Dies ist eine furchtbare Erkenntnis, die uns alle sehr besorgen muss. Die Politik hat sich dazu entschlossen, das Spiel mit immer mehr Einsatz und immer größerer Aggressivität fortzusetzen. Ihr Ziel ist es, das bittere Ende so weit wie möglich in die Zukunft zu schieben. Dabei steigt die Fallhöhe mit jedem Tag und der Schaden wird immer größer.

Seit 1988 beschäftige ich mich mit den Auswüchsen unserer Wirtschaft auf Pump. Immer wieder habe ich gedacht, dass dies der letzte Crash wäre, der das System bereinigt. Immer wieder wurde ich überrascht: Es ging eine Runde weiter. Alle Crash-Bücher habe ich gelesen, selber auch das eine oder andere verfasst. Immer dachte ich, es käme ein Crash, der das System bereinigt und einen Neustart erlaubt. Zunehmend beschleicht mich der Gedanke, wir könnten es diesmal so weit treiben, dass es keinen Neustart mehr gibt und dass die nächste – oder ist es die übernächste? – Krise zum Ende des Systems führt, das ich für das Beste halte, zum Ende des Kapitalismus. Da bin ich ganz Schüler von Paul C. Martin und Gunnar Heinsohn, die überzeugend darlegen, dass es sich eigentlich um den Debitismus handelt. Ein System, das aus dem Schuldendruck heraus immer produktiver wird und damit immer mehr Wohlstand schafft. Erst der Eingriff von Politikern und Notenbanken hat das System krankgemacht. Schulden wurden gemacht, ohne die Bereitschaft, diese durch eine Mehrleistung zu bedienen. Der Konkurs als disziplinierendes Element wurde für viele Bereiche außer Kraft gesetzt. Banken sollten eine Wohlstandsillusion finanzieren, ohne jegliches Risiko für die eigene Existenz. Vor allem sollten sie es Politikern ermöglichen, Wohltaten zu verteilen, ohne die eigentliche Grundlage dafür zu haben. Nun, wo die Folgen dieser Abkehr von ur-kapitalistischen Regeln offensichtlich werden, bedauert die Politik lauthals Markt- und Kapitalismusversagen, um noch mehr in das System einzugreifen. Die Krise als Folge von politisch herbeigeführtem Marktversagen wird so zum Vorwand für noch mehr Interventionen der Politik. Weniger Freiheit, weniger Wohlstand und letztlich weniger Demokratie werden die Folge sein. In seinem Buch „Der Crash kommt“ warnte Max Otte auch hiervor. Vergeblich.


[1] Siehe ausführlich: Daniel Stelter, Die Schulden im 21. Jahrhundert, Frankfurt 2014

-> Der Crash kam und er ist noch nicht vorbei (I)

19 Antworten
  1. Johannes says:

    „Machen Sie ihr Haus wetterfest“

    Exakt das ist zu tun. Die Politik ist nicht bereit, die notwendigen Maßnahmen zuzulassen. Im Gegenteil, sie ist inzwischen zum größten Problem und Treiber der immer noch anhaltenden Krise geworden und die Fallhöhe wird Tag für Tag erhöht.

    Kassandra hatte es damals nicht leicht und allen warnenden Stimmen (Ihre eingeschlossen) ergeht es heute genau so. Das Heulen und Zähneklappern in der Politk (und Bevölkerung) wird nachher groß sein und natürlich kam die dazu führenden Entwicklung für die Politik völlig unvorhersehbar und überraschend – wie immer.

    Es ist schon eine traurige Erkenntnis, dass diese Entwicklung partout nicht beeinflussbar scheint, geschweige sich denn aufhalten lässt.

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  2. Katalin says:

    Hallo,

    Ihr Fehler Herr Stelter liegt daran, dass Sie nur eine (kurze) Zeitspanne der Geschichte analysieren (obwohl Sie wahrscheinlich die Ganze Geschichte kennen) und aus dieser Schlussfolgerungen ziehen.

    Eine freie Marktwirtschaft und oder richtige Demokratie hat es nie gegeben. Die alten Reiche wie das Römische wurden durch die Versklavung und Plündering anderer Völker reich.
    Ich möchte nur noch einmal daran erinnern, dass Westeuropa seinen Aufstieg der Plünderung anderer Kontinente verdankt. Erst alls die Spanier das südamerikanische Gold entdeckten began der Aufsteig Westeuropas. Das Ursprungsland der ind. Revolution, die Britten musste die Chinesen zu Rauschmittelkonsum zwingen (durch Kriege) um an die Chinesische Produkte zu gelangen, da die Chiesen den Schrott den die Britten und damit ganz Westeuropa hatte, nicht gebrauchen konnten.

    Die Industrialierung verschaffte den Europ. Ländern 1 – 2 Jhd. Vorteile, wobei die Könige durch eine Geldelite aus Monopolistischen Unternehmen in Händen von wenigen Familien und deren Helfer aus Politik und Banken ersetzt wurden, die enorme Vermögen anhäuften und auf die Sie unrealistische Zinsen haben wollten. Dies ging einige Jahrzente gut, da sich die Staaten verschuldeten um die Geldvermögen und Zinsen zu ermöglichen. Die Verlierer wurden durch die Sozialhilfe ruhig gehalten und durchgefuttert damit sie keinen „extremistischen“ Parteien wählen, alles finanziert durch die Arbeitnehmer.

    Ihre Theorie ist leider falsch, das Sie auf die freie Marktkräfte hoffen, die hat es leider nie gegeben, sondern eine gesteurte Wirtschaft durch einige wenige zum Vorteil einiger weniger. Solange es Wachstum gab fuktionierte das Ganze. Sie glauben doch nicht wirklich, dass diese Leute von denen die Rede ist, frewillig auf diese Privilegien und diesen Luxus verzichten indem sie eine Marktbereinigung (d.h. Reuzierung der Schulden und Vermögen) zulassen.

    Gruß

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  3. SMK says:

    „Immer dachte ich, es käme ein Crash, der das System bereinigt und einen Neustart erlaubt. Zunehmend beschleicht mich der Gedanke, wir könnten es diesmal so weit treiben, dass es keinen Neustart mehr gibt und dass die nächste – oder ist es die übernächste? – Krise zum Ende des Systems führt, das ich für das Beste halte, zum Ende des Kapitalismus.“

    Das wäre durchaus kongruent mit der Prechter These eines Grand Supercycle Bear Market. Aus der Lektüre von Kindleberger’s „Manias, Panics and Crashes“ kann man in jedem Fall schon jetzt einen Zielbereich für die Aktienkurse abschätzen. Laut Kindleberger werden die „Manias“ durch die „Crashes“ immer unter ihren Ausgangspunkt korrigiert. Sehen kann man das z.B. am Bärenmarkt der Great Depression, dessen Endpunkt auf dem Chart deutlich unterhalb der großen Seitwärtsbewegung von 1908-1921 lag. Auf die heutige Zeit extrapoliert würde das beim Dow Jones für ein Kursziel zwischen 500 und 1000 Punkten sprechen, da das der Bereich der Seitwärtsbewegung von 1966-1982 war.

    An ein Ende des Kapitalismus glaube ich nicht, aber an ein Ende des Zentralbanksystems mit Kreditgeld. Vmtl. wird den Banken das Privilieg der Geldschöpfung gänzlich entzogen und es kommt so etwas wie Vollgeld oder ganz was anderes. Nach der Krise wird es ein „weiter so wie bisher“ auf jeden Fall nicht geben.

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  4. Dietmar Tischer says:

    >Schulden wurden gemacht, …

    falsch ist aber:

    >… ohne die Bereitschaft, diese durch eine Mehrleistung zu bedienen.>

    Die Bereitschaft war sicher da in den allermeisten Fällen. In einer deflationär geprägten Wirt-schaft ist die Möglichkeit dazu allerdings beschränkt. Es war in vielen Fällen auch nicht mög-lich, die Verschuldung zu reduzieren, wenn man als Unternehmen im Renditewettbewerb mit Skaleneffekten die Kosten senken wollte und die privaten Haushalte durch deren Verschul-dung dazu bringen musste, den größeren Output zu kaufen.

    Und natürlich:

    >Der Konkurs als disziplinierendes Element wurde für viele Bereiche außer Kraft gesetzt.>

    Was denn sonst in einer Wohlstandsgesellschaft, wenn damit in der Konsequenz Menschen entlassen werden, der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zunimmt und dadurch die Arbeits-einkommen unter Druck geraten.

    Kurzum:

    Die „Krankheit“ des Systems ist im System selbst angelegt. Das System wurde demnach nicht erst durch Politiker und Notenbanker krank.

    Richtig ist allerdings, dass Politiker und Notenbanker im Rahmen des gesellschaftlichen Konsenses es nicht erlaubt haben, dass das System sich selbst wieder in einen stabilen Zu-stand bringt – durch und nach einem Kollaps.

    Dass es einen solchen Konsens gab und immer nur gibt, ist nur zur verständlich.

    Denn bei Wohlstand und fortgeschrittenem Alter ist es rational, so lange wie möglich einen Kollaps zu vermeiden. Dies nicht nur wegen der unberechenbaren gesellschaftlichen Desta-bilisierung, die mit einem Systemkollaps verbunden wäre, sondern auch aus individualistischer Motivation heraus: Wenn sich der Kollaps erst nach meinem Tod ereignet, habe ich es ge-schafft. Da ich keine Kinder habe, ist „nach mir die Sintflut“ die richtige Handlungsoption.

    Fazit:

    Das System und die Menschen im System folgen einer STIMMIGEN Logik.

    Das ist die Erklärung für die Krankheit des Systems, nicht ein unterstellt willkürliches Handeln von Politikern und Notenbankern.

    Die sind lediglich Handlanger im System, wenn auch mächtige.

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    Hier der ganze Text, weil beim vorherigen Posting der Anfang nicht übertragen wurde:

    Die Würdigung ist auch die richtige Beschreibung der Situation.

    Aber dennoch Widerspruch – dort, wo es um Kausalitäten geht:

    >Ein System, das aus dem Schuldendruck heraus immer produktiver wird und damit immer mehr Wohlstand schafft.>

    Soweit, so richtig.

    > Erst der Eingriff von Politikern und Notenbanken hat das System krankgemacht.>

    Das kann man nicht sagen, weil dies

    a) nicht stimmt

    und

    b) damit für einen Sachverhalt, der URSÄCHLICH im SYSTEM selbst liegt, Schuld zugewiesen wird.

    Das ist irreführend, erschwert das Verständnis der Zusammenhänge und verstellt die Akzep-tanz für konstruktive Lösungsmöglichkeiten.

    Die Schuldzuweisung stimmt nicht, weil das System nicht nur immer mehr Wohlstand ge-schaffen hat, sondern SO VIEL Wohlstand (in den entwickelten Volkswirtschaften), dass es zu GESAMTGESELLSCHAFTLICH destruktiven Verhalten geführt hat (was die weitere Ent-wicklung des Systems anlangt).

    Wichtigster Faktor:

    Der Wohlstand hat dazu geführt, dass man glaubte, auf Kinder verzichten zu können. Durch die Erfindung der Pille ist dies einfach und komfortabel. Das ist die REVOLUTION in der Evolution. Dies mit der Konsequenz, dass der im wahrsten Sinne des Wortes „organische“ KONSUM- und INVESTITIONS-Mechanismus gestört wurde – Kinder sind wirtschaftlich be-trachtet eine Investition der Gesellschaft in die Gesellschaft, die wiederum Konsum und In-vestitionen erfordert. Politiker und Notenbanker sind nicht dafür verantwortlich zu machen, dass dies nicht mehr hinreichend stattgefunden hat und immer noch nicht hinreichend statt-findet.

    Politik und Notenbank, aber nicht nur sie, sondern im unausgesprochenen Konsens praktisch die ganze Gesellschaft haben versucht, den Konsequenzen zu entkommen.

    Es ist über Jahrzehnte gelungen und gelingt bis heute.

    Nämlich so, wie richtig festgestellt wird:

    >Schulden wurden gemacht, …

    falsch ist aber:

    >… ohne die Bereitschaft, diese durch eine Mehrleistung zu bedienen.>

    Die Bereitschaft war sicher da in den allermeisten Fällen. In einer deflationär geprägten Wirt-schaft ist die Möglichkeit dazu allerdings beschränkt. Es war in vielen Fällen auch nicht mög-lich, die Verschuldung zu reduzieren, wenn man als Unternehmen im Renditewettbewerb mit Skaleneffekten die Kosten senken wollte und die privaten Haushalte durch deren Verschul-dung dazu bringen musste, den größeren Output zu kaufen.

    Und natürlich:

    >Der Konkurs als disziplinierendes Element wurde für viele Bereiche außer Kraft gesetzt.>

    Was denn sonst in einer Wohlstandsgesellschaft, wenn damit in der Konsequenz Menschen entlassen werden, der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zunimmt und dadurch die Arbeits-einkommen unter Druck geraten.

    Kurzum:

    Die „Krankheit“ des Systems ist im System selbst angelegt. Das System wurde demnach nicht erst durch Politiker und Notenbanker krank.

    Richtig ist allerdings, dass Politiker und Notenbanker im Rahmen des gesellschaftlichen Konsenses es nicht erlaubt haben, dass das System sich selbst wieder in einen stabilen Zu-stand bringt – durch und nach einem Kollaps.

    Dass es einen solchen Konsens gab und immer nur gibt, ist nur zur verständlich.

    Denn bei Wohlstand und fortgeschrittenem Alter ist es rational, so lange wie möglich einen Kollaps zu vermeiden. Dies nicht nur wegen der unberechenbaren gesellschaftlichen Desta-bilisierung, die mit einem Systemkollaps verbunden wäre, sondern auch aus individualistischer Motivation heraus: Wenn sich der Kollaps erst nach meinem Tod ereignet, habe ich es ge-schafft. Da ich keine Kinder habe, ist „nach mir die Sintflut“ die richtige Handlungsoption.

    Fazit:

    Das System und die Menschen im System folgen einer STIMMIGEN Logik.

    Das ist die Erklärung für die Krankheit des Systems, nicht ein unterstellt willkürliches Handeln von Politikern und Notenbankern.

    Die sind lediglich Handlanger im System, wenn auch mächtige.

    Antworten
      • Michael Stöcker says:

        Schon richtig, Herr Tischer. Sie stehen hier als pars pro toto. Und da der kinderlose Teil dieser Gesellschaft immer größer geworden ist, ist der Planungshorizont ein endlicher, der über die Belanglosigkeit der eigenen Existenz nicht hinauskommt. Typisch für eine hoffnungslose und säkularisierte Ich-Gesellschaft, die nur noch auf das eigene Ende starrt.

        Eine frohe Hoffnung bleibt dann aber doch: Die sterblichen Überreste verwesen in der Eiszeit kaum und ersparen den nachkommenden Generationen den faulen Geruch einer absterbenden Gesellschaft.

        Das war nun das Wort zum Wochenende. Wohl bekomm’s!

        LG Michael Stöcker

  6. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Als ich schrieb „Wenn sich der Kollaps erst nach meinem Tod ereignet, habe ich es geschafft. Da ich keine Kinder habe, ist „nach mir die Sintflut“ die richtige Handlungsoption.“, habe ich mich nicht auf mich bezogen, sondern wollte ich die individualistische Motivation betonen.

    Das ist das, was ich bewusst getan habe.

    Ihr Bezug auf mich ist dennoch berechtigt.

    Dies nicht nur, weil ich mich so ausgedrückt habe, sondern auch, weil er insoweit es meine Kinderlosigkeit betrifft, richtig ist.

    Es mag durchaus mein Unterbewußtsein mitformuliert haben – ich kann das nicht bestreiten.

    Unabhängig davon:

    Dass ich keine Kinder habe, ist nicht notwendigerweise in dem begründet, was ich als Rationalität in einer alternden Gesellschaft verstehe. Kann sein, das es dies ist, kann aber auch sein, dass es dies nicht ist. Ich weiß es nicht.

    Ich bin aber überzeugt, dass das, was ich einer alternden Gesellschaft bezüglich rationalen Verhaltens zuschreibe, richtig ist.

    Fraglich ist allerdings, ob die Menschen sich rational verhalten, also aufgrund des angegebenen Motivs auf Kinder verzichten. Wenn sie sich diesbezüglich irrational verhalten, ist irrelevant, was ich geschrieben habe.

    Ich unterstelle hier Rationalität, um zu einer im und für das Gesamtsystem stimmigen Erklärung zu kommen.

    Im Übrigen:

    Man kann über vieles diskutieren, z. B. auch darüber, welchen Anlass es geben könnte, über die eigene Existenz HINAUS zu planen.

    Dass wir Menschen dies können aufgrund unserer herausragenden mentalen Fähigkeiten, die wir evolutionär erreicht haben, bedeutet nicht, dass wir es MÜSSEN.

    Aus evolutionärem Verständnis heraus müssen wir jedenfalls überhaupt nichts über unsere Existenz hinaus.

    Wir können allerdings wollen.

    Antworten
  7. weico says:

    Das Geldsystem MUSS, schon rein SYSTEMBEDINGT,scheiten (Zeitwert des Geldes).
    Die grosse Frage ist nur WANN.

    Warum man aus diesem SYSTEMBEDINGTEN scheitern und dem WANN , ein so grosses Aufheben macht ,ist mir schlicht unverständlich.Es wird am Schluss,wie immer,Verlierer und Gewinner geben. Einfach darauf schauen,dass man am Ende zu den Gewinner gehört …

    weico

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Es wird nach Lage der Dinge nur Verlierer geben.

      Das ist das wirklich Schlimme, weil eine solche Situation nicht einschätzbar ist mit Blick auf das, was damit ausgelöst wird.

      Allerdings werden einige materiell weniger verlieren als andere.

      Es wird welche geben, die viel verlieren werden, aber materiell dennoch besser dastehen als andere, die weniger verlieren.

      Was diese beiden Aspekte betrifft, wird es so sein wie immer.

      Antworten
  8. prestele says:

    Mir scheint, dass bei all diesen Diskussionen ein wesentlicher Aspekt unbeachtet bleibt. v. Hajekt schrieb einst, dass die Basis für den Liberalismus „freedom, justice and honesty“ sein. Letzteres wohl am besten mit Anstand oder auch mit „den Tugenden eines ehrbaren Kaufmanns“ übersetzt. Ähnlich liest sich das Buch von Adam Smith „Theory of Moral Sentiments“Nur scheint diese Tugend in weiten Teilen der Wirtschaft und Politik verloren gegangen zu sein, wie es z.B. die Auswüchse im Finanzsektor zu sein. Jenseits aller Modelldiskussionen stellt sich damit mehr die Frage nach den Wegen zu einer „Re-Ethisierung“ von Wirtschaft und Gesellschaft

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Nur scheint diese Tugend in weiten Teilen der Wirtschaft und Politik verloren gegangen zu sein, wie es z.B. die Auswüchse im Finanzsektor zu sein.>

      Diese Beobachtung ist m. A. n. korrekt.

      Ich sage das mit der Überzeugung, zu der ich mit Rückblick auf mehr als 60 Jahre bewertbare Lebenserfahrung gekommen bin.

      Die Erkläre, die ich für diesen Wandel habe:

      In einer Wachstumsgesellschaft, wie ich sie unmittelbar nach dem Krieg in Westdeutschland und später anderswo erlebt habe, bestehen konkret wahrnehmbare Perspektiven für Partizipation am zunehmenden Wohlstand.

      Wenn das Wirtschaftswachstum stagniert und zudem nachhaltige deflationäre Tendenzen bestehen, gibt es nicht mehr derartige Perspektiven, jedenfalls nicht mehr in diesem Umfang und nicht mehr für so viele Unternehmen und Menschen.

      Wenn dann unter dem Diktat des Renditewettbewerbs und zudem auch noch unter nicht abwehrbarer Ansprüche agiert werden muss, wächst die Gefahr, dass unethisch gehandelt wird, um Zielvorgaben zu erreichen.

      Um sich das zu vergegenwärtigen muss nicht auf notorisch kriminelle Banken schauen.

      Der Dieselskandal von VW ist ein sehr gutes Beispiel:

      Das Unternehmen muss nicht nur normale Ansprüche erfüllen (Gewinne für F& E, ordentliche Löhne und Gehälter sowie für Ausschüttungen etc. erwirtschaften).

      In einem extrem kompetitiven Umfeld muss es darüber hinaus auch noch die Ansprüche des Anteileigners Niedersachsen befriedigen: maximale Beschäftigung, um dem Land möglich hohe Steuereinkünfte und geringe Sozialkosten zu ermöglichen.

      Die Konsequenz daraus:

      Das Unternehmen hat eine viel zu hohe Fertigungstiefe, so dass der Konzern insgesamt knapp 600.000 Menschen beschäftigt, während Toyota den nahezu gleichen Umsatz mit ca. 350.000 Beschäftigten schafft.

      Unter diesen Umständen sieht es natürlich düster beim Gewinn aus.

      Was tun?

      Druck auf von ganz oben, wo die in der Summe enormen Forderungen aller auflaufen, nach unten weitergeben.

      Da kann dann kein Hauptabteilungsleiter sagen:

      Klar schaffen wir die Umweltstandards, bei denen dank grünäugigen Sendungsbewusstseins munter draufgesattelt wird, mit einem Filter zu EUR 600.- Mehrkosten. Sagt er es, wird er ausgetauscht.

      Also, letzte Ausfahrt Brooklyn:

      BETRUG.

      Welchen Weg zur Re-Ethisierung kann es da geben?

      Leute entlassen, um die Kosten zu senken und die Renditeziele so anständig zu erreichen.

      Das ist natürlich nicht zufriedenstellend und wird neue Probleme generieren.

      VW wird diesen Weg aber gehen (müssen), wenn es zukunftsfähig bleiben will.

      Im Raum steht, dass VW allein in Niedersachsen mehr als 10.000 Stellen streichen wird.

      Es wird sozialverträglich geschehen.

      Unter den Umständen kein schlechtes Beispiel für „Ethik“, wenn man so will.

      Woanders ginge es viel rabiater zu Sache.

      Antworten

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  1. […] Man könnte jetzt diskutieren, ob die Investoren wirklich die Risiken ausblenden oder aber gar keine andere Möglichkeit haben, als sich auf dieses „Spiel“ einzulassen und so zumindest in der Zwischenzeit die Gewinne zu genieren, die einen weiteren (Rekord-!) Mittelabfluss bei den Hedge-Fonds vermeiden helfen. Aber das wäre nur Semantik. Viel wichtiger finde ich, dass viele „Dooms-Day Sayer“ mittlerweile davon ausgehen, dass ein etwaiger Crash zwar gerade durch die laxe Politik der Notenbanken verstärkt würde, dieser aber auf Grund der Marktverzerrungen als Folge der Geldschwemme nicht einmal mehr ansatzweise vorhergesagt werden könne. Ähnlich äußerten sich kürzlich erst Jim Rickards oder Daniel Stelter. […]

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