„France calls for EU ‚empire‘ and warns of euro break-up in next crisis“

Die strategisch denkenden Franzosen nutzen immer wieder geschickt die eklatante Schwäche der deutschen Politik beim strategischen Denken. Bei uns gilt bekanntlich „auf Sicht fahren“ als Ausweis besonderen Regierungskönnens. Dabei sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. Zeit wäre es, strategisch zu denken!

Kein Wunder, dass die Franzosen den Druck angesichts der Italienkrise erhöhen, um endlich deutsches Steuergeld und vor allem die vordergründig noch bestehende Verschuldungskapazität Deutschlands für die eigenen Interessen zu mobilisieren. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass es eben nicht genügt, mehr im Euroraum umzuverteilen, um die Währungsunion zu retten. Zur Erinnerung:

→ Ökonomenvorschlag zur „Rettung“ des Euros: von der Lösung eines Problems, ohne das Problem zu lösen

→ Eurozone: Fakten statt Ökonomen-Träume

→ „Jetzt wird es richtig teuer!“

So berichtet der Telegraph vom neuesten Angriff:

  • „France has launched a feverish campaign to shore up the euro before the next global downturn, warning that monetary union is not strong enough to withstand another crisis and faces disintegration without fiscal union. Bruno Le Maire, the French finance minister, said there are just weeks left for Germany and the Dutch-led ›Hanseatic League‹ to grasp the nettle on long-delayed reforms. ‘Either we get a eurozone budget or there will eventually be no euro at all,’ he said.“  bto: Der IWF hat vorgerechnet, dass das gar nicht groß genug sein kann!
  • „‘If there was new financial and economic crisis tomorrow, the eurozone could not respond. It is really urgent that we build-up the eurozone’s defences. We have been talking for too long,’ he told the Handelsblatt.“  bto: Was für ein Blödsinn, als könnte nur die Umverteilung aus Deutschland heraus die Probleme lösen. Bekanntlich machen doch ohnehin alle Schulden, wie sie wollen.
  • „Time is running out before the EU’s make-or-break summit on the future of the euro next month. The global expansion is looking tired and fragile.“  bto: Die Börsen wittern das.
  • „Mr Le Maire said Europe’s leaders had failed to learned the lessons of 2008 and the 2012 debt crisis. They had not completed the banking union, or broken the ‘bank-sovereign doom loop’ with full help from the bail-out fund (ESM).“  bto: Jedes Land hätte es umsetzen können. Weshalb sollen dann die anderen Länder für die faulen Schulden einstehen?
  • „(…) Mr Le Maire said Europe must become a ‘form of empire, like China, and the US, willing to deploy its full economic, monetary, technological, and cultural power on the world stage to confront the two great superpowers. ‘I am talking about a peaceful empire, based on the rule of law. I use the term to sharpen awareness that we are going into a world where power matters. Europe should no longer shrink from deploying its power,’ he said.“  bto: hmm. Rule of Law. Klingt gut und richtig. Nur ist die EU da wirklich ein Vorbild?
  • „Eurosceptics (…) argue that an imperial EU will necessarily become authoritarian. Their critique is that there is no unified people or ‘demos’ that can plausibly form the foundation of an authentic pan-European democracy, and that the locus of accountable government must remain the nation state.“ bto: Ach, was soll es, wenn die Stimme eines deutschen Wählers viel weniger zählt? Oder?
  • „The euro ultimately requires an EU treasury, debt union, social security system, and tax authority, eviscerating the national parliaments by depriving them of their democratic lifeblood: the power of tax and spending. Economic and Monetary Union (EMU) therefore tends towards a technocrat imperial structure, akin to the medieval papacy.“  bto: was aber von deutschen Politikern angestrebt wird, statt auf eine Stärkung des eigenen Landes zu achten. Problem ist, dass wir uns gerne aufgeben, die anderen sich aber nicht. Nur Frankreich könnte so zur beherrschenden Macht in Europa werden, vor allem, wo die Briten ausgestiegen sind.
  • „A recent book by Belgian historian David Van Reybrouck said the EU had already come to resemble the interwar colonial empires of the Belgian, Dutch, British, or French, with their show-piece ‘councils of the people’ while real power resided in a remote imperial executive.“  bto: die sich übrigens  meine feste Erwartung  keinen Deutschen an die Spitze der Kommission holen wird. Egal wie die Wahl ausgeht.
  • „The French government is alarmed by the abrupt slowdown in the eurozone over the last seven months, and by signs that Italy may be slipping into recession. (…) Incipient capital flight has pushed up risk yields on 10-year Italian bonds to 306 basis points. This erodes the capital buffers of the banks, which hold €380bn of Italian bonds.“  bto: unter anderem, weil in Italien in den letzten zehn Jahren nichts passiert ist, um die Banken unabhängiger vom Staat zu machen.
  • French bank exposure to the country is 12pc of France’s GDP, six times Greek exposure in 2010. BNP Paribas holds Italian sovereign and private debt equal to 47pc of its CET1 core capital, and Credit Agricole is at 29pc, mostly through subsidiaries. The figure for the nationalised Franco-Belgian bank Dexia is 556pc.“  bto: Wie schon in Griechenland sollen deutsche Steuerzahler französische Banken retten!
  • „The European Central Bank is already committed to winding down quantitative easing. It will halt its bond purchase scheme in December, leaving Rome nakedly exposed to the markets. The ECB has soaked up the entire net debt issuance of the Italian treasury over the last two years. There may be another round of long-term loans to euro area banks (TLTROs) to cushion the blow.“ bto: Und die EZB wird am Ende doch intervenieren!
  • Germany „(…) called for sovereign debt restructuring, a potential disaster for Italy. Lorenzo Codogno from LC Macro Advisors said this is playing with fire and could inadvertently prove the trigger for a systemic financial crisis.“  bto: und wird nicht kommen.
  • „Many in Berlin suspect that the real French objective is to lay hands on the German credit card. France has been in breach of the EU Stability Pact for most of the last decade and its debt has climbed to just under 100pc of GDP. Germany has gone in the opposite direction, running budget surpluses and cutting its debt to the Maastricht limit of 60pc. Sweet rhetoric cannot disguise this yawning divergence in interests.“  bto: Wir wissen, dass es in Wahrheit auch um unsere Finanzen nicht so gut bestellt ist.
  • „Ashoka Mody, once German desk chief for the International Monetary Fund, said there is a core axiom in Berlin: Germany will not pay the bills of other member states. ‘My reading of 70 years of history is that no German chancellor will cross that line,’ he said.“  bto: Das sehe ich anders. Unsere auf Sicht fahrenden Akteure werden einen Weg finden, es als „europäische Solidarität“ im „eigenen (Export-) Interesse“ zu verkaufen, was uns zudem ja „nichts kostet“, wie „in Griechenland“. Denn im Verkaufen von Fake-News stehen sie den anderen nicht nach.

→ telegraph.co.uk: „France calls for EU ‚empire‘ and warns of euro break-up in next crisis“, 12. November 2018

Kommentare (13) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    MFK sagte:

    Frankreich wird die Kontrolle über seine Atomwaffen sicherlich mit Freude an einen deutschen, italienischen oder spanischen Oberbefehlshaber von EU Streitkräften abgeben.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Herr Dr. Stelter, Sie postulieren, dass sich die EU keinen Deutschen an die Spitze der EU holt. Das glaube ich für 2019 nicht.

    Unter normalen Umständen würde ich Ihnen zustimmen, aber die Zeiten sind nicht normal. Italiens aktuelle finanzielle Erpressung wird m.E. bis nach der Europawahl aufgeschoben. Dann wird der deutsche Manfred Weber als Spitzenkandidat der EVP Nachfolger des Weinliebhabers Juncker mit der einzigen Aufgabe, die Deutschen medial davon zu überzeugen, dass die EU jetzt unter scheinbar deutscher Führung endgültig vereinigt wird. Dann wird der allgemeine deutsche Größenwahn ein Einknicken der Regierung bewirken. Und dann wird offiziell Italien und weniger offensichtlich Frankreich finanziell langfristig geholfen werden, weil nur die AFD protestiert. Oder gerade deswegen. Und dann wird 2023 wieder ein französischer oder eventuell wallonischer Kommisionspräsident eingesetzt, der die Machtverhältnisse wieder gerade rückt. Darauf würde ich ausnahmsweise sogar eine kleine Wette abschließen…

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    Richard Ott sagte:

    Das letzte Mal, als die Franzosen ein „europäisches Imperium“ errichten wollten, gab es in ganz Europa Krieg. Napoleon lässt grüßen.

    PS: Besonders schlecht lief damals der Russland-Feldzug.

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        Richard Ott sagte:

        Weil das Grundproblem ist, dass imperiale Ambitionen eines europäischen Landes automatisch immer einen Konflikt mit Russland provozieren, den das europäische Land militärisch nicht gewinnen kann. Aber dieser Größenwahn ist den Politikern in Europa einfach nicht auszutreiben.

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    Ondoron sagte:

    Man sollte natürlich auch zur Kenntnis nehmen, dass in Deutschland die AfD die einzige Partei ist, die im Stelterschen Sinne deutsche Interessen verträte. Von den Alt-Parteien gibt es so etwas nicht; die wollen Deutschland auflösen (vor allem die grüne Mischpoke) und meinen, damit seien alle Probleme getilgt. Das Ergebnis eben der Re-Education in West-Deutschland nach dem Krieg, das war „social engineering“ vom Feinsten, die Grundlage der heutigen gründummen Gesinnungsethik. Kein Wunder, dass die Menschen in den neuen Ländern – zum Glück – anders wählen. Wer meint, dort seien die Nazis unterwegs, hat nichts verstanden. Wenn eine Partei gefährlich wird für die Eliten, dann wird sie schnell mit Rechtsextremen vom „Verfassungsschutz“ (ein Euphemismus, wer das noch nicht begriffen hat) an oberster Spitze aufgefüllt.

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        Ondoron sagte:

        @Zweifler
        Ja, die haben sich die Köpfe eingeschlagen. Aber nicht aufgrund der in den Ihnen indoktrinierten Narrativen festgezurrten Erklärungen. Denkfabriken gab es schon damals.
        Das ist eben das Problem, wenn man nicht in der Lage ist, selbständig zu denken. Das ganze „politische Projekt“ EU und Euro basiert auf falschen Narrativen. Übrigens ist genau das der Grund, warum dieses Projekt scheitern wird. Aber da sind einige schon intellektuell überfordert.

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    Ondoron sagte:

    Ich bin dafür, dass Deutschland seine Staatsverschuldung auf das italienische Niveau anhebt und die Mittel der Bevölkerung zur Verfügung stellt, abzüglich vorzüglicher Investitionen in die deutsche Infrastruktur. Dann möge der Euro kollabieren – er wird es ohnehin.
    Wenn die Deutschen so agieren, dann ist keiner mehr am Euro interessiert von den anderen EUROpäern. Dann gibt es nämlich niemanden, der anderer Länder Rechnungen bezahlt.

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    Stefan Bohle sagte:

    „Wie schon in Griechenland sollen deutsche Steuerzahler französische Banken retten!“
    Wenn es wenigstens die Steuerzahler wären…, dafür wäre wenigstens ein entsprechender Bundestagsbeschluss notwendig, als Ergebnis eines rechtsstaatlichen Gesetzgebungsverfahrens.

    Am Ende werden aber die deutschen Geldvermögensbesitzer – also die Mitte der deutschen Gesellschaft – die französischen Banken und den italienischen Staat retten, da das benötigte Geld von der EZB bereitgestellt wird. Ganz ohne Bundestagsbeschluss.

    Das von den vielen das vermutlich größte Kainsmal auf der Kanzlerschaft Merkel.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Stefan Bohle

      So einfach ist es nicht.

      Die EZB kann nicht ewig die Zinsen ganz unten lassen und QE weiter betreiben, wenn die Inflation anzieht.

      Bei uns ist das der Fall – der Verbraucherpreisindex liegt deutlich über 2%, auch wenn nicht rasant steigend, weil der Ölpreis und damit die Energiekosten fallen.

      Wenn woanders die Zinsen steigen, etwa in USA, dann wird es einen Kapitalabfluss aus der Eurozone geben, der nicht gewollt sein kann. Die EZB wird also nachziehen.

      Kurzum:

      Alles hängt mit allem zusammen und niemand hat in dieser Welt VOLLKOMMENE Handlungsfreiheit – selbst diejenigen nicht, die wie die EZB eigentlich niemand fragen müssen.

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