Eurozone: Fakten statt Ökonomen-Träume

Heute Morgen habe ich die Thesen der deutschen und französischen Ökonomen zur Sanierung des Euro betrachtet. Hier zur Erinnerung der Status der Eurozone:

Weniger gemeinsam wie alle Länder der Welt mit „M“

Schon im Jahr 2012 hat Michael Cembalest, Chefinvestmentstratege von JP Morgan ausgerechnet, dass die Eurozone, die denkbar schlechteste Währungsunion darstellt, die man sich vorstellen kann. Selbst eine Union von jenen Staaten, die mit einem M beginnen, wäre effizienter. 

Quelle: JP Morgan

Divergenz der Wettbewerbsfähigkeit hält an

  • „(By the) 2030s the EU will either have torn itself to pieces by then, or will have evolved so obviously into an authoritarian Caesaropapist construction that it will no longer command emotional loyalty from Western liberals. (…) The eurozone is currently enjoying a cyclical recovery driven by negative interest rates, QE a l’outrance, the end of fiscal austerity, and a catch-up effect from the Long Slump – deeper for Southern Europe, Ireland, and Finland, lest we forget, than during the Great Depression. Germany has permitted the European Central Bank to operate as a lender-of-last resort since the summer or 2012, when contagion to Italy and Spain almost blew up monetary union. This matters enormously but the euro nevertheless remains an orphan currency with no fiscal union or genuine banking union to back it up. The North-South chasm in competitiveness has not been closed.“ bto: Das schreibt der Telegraph völlig zu Recht und erinnert an die Fakten:

Quelle: Telegraph

  • „The next global economic downturn – probably in 2019 – will be traumatic for everybody, given that we have already used up our monetary and fiscal powder, and exhausted popular consent for globalisation. My guess is that those countries with strong bonds of patriotic cohesion and tested institutions will best survive this ordeal by fire. Almost by definition, these are nation states, all for one and one for all.“ bto: Das denke ich auch!
  • „The eurozone fails spectacularly on this score and it is skating on very thin fiscal ice without a system for pooling sovereign liabilities. Public debt ratios are much higher as a share of GDP than in 2008 before the Lehman crisis; plus 31 percentage points in Italy (133pc), plus 60 in Spain (99pc), plus 54 in Portugal (126pc); and plus 29 in France (97pc).“ bto: Deshalb ruft Macron auch immer wieder an!
  • „Countries are running out of time in this finite global expansion to rebuild their economic and social buffers. It is hard to believe that Latin Europe will tolerate a second round of hairshirt austerity (…)  By September the ECB’s balance sheet will have ballooned to 44pc of GDP without having lifted the eurozone out of a „low-flation“ trap. The bloc risks crashing back into deflation in the next recession.“ bto: Und dann ist das Spiel vorbei.

Konvergenz? Nicht in der Eurozone!

Wie schlecht es in Wirklichkeit aussieht, verdeutlicht die FINANZ und WIRTSCHAFT in einem exzellenten Beitrag:

  • „(…), dass diese Wachstumsraten von manchen als Beleg dafür genommen werden, dass alles wieder in Ordnung sei (…), senkt den Druck, die Währungsunion auf eine dauerhafte Basis zu stellen. Die nächste Krise wird die Schwächen dann wieder schonungslos offenlegen.“ bto: Das ist garantiert.
  • „Dass nicht alles in Ordnung ist, sieht man schon allein daran, dass die Geldpolitik nach wie vor extrem expansiv ist. Auch der Euro war bis vor kurzem eher unterbewertet. Wenn Italien unter solchen Bedingungen ein Wachstum von 1,5 Prozent erzielt, ist das wenig. (…) nicht einmal dem schnell wachsenden Spanien, die öffentlichen Schulden in der Aufschwungphase abzubauen.“ bto: Wie sollte es auch? Es würde das Wachstum sofort erdrücken.
  • „(…), dass die Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion längst nicht verschwunden sind, ist die Entwicklung der Wechselkurse. Ein neues Datenset zeigt das Ausmass der Über- und Unterbewertung (Quelle). (…) Griechenland, Italien und Portugal (haben)nach wie vor ein zu hohes relatives Preisniveau gegenüber ihren Handelspartnern innerhalb und ausserhalb des Euro haben. Sie konnten zwar alle ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit zwischen 2008 und 2016 verbessern – der blaue Balken ist deutlich kleiner als der rote. (…) Von den südeuropäischen Ländern hat nur Spanien eine reale Abwertung erreicht.“ bto: Das ist eigentlich alles bekannt, nur wird es in manchen Medien geleugnet.

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • Leider haben aber auch die Überschussländer des Euroraums eine Senkung des realen Wechselkurses erfahren. Insbesondere Deutschland und die Niederlande haben kräftig abgewertet.“ bto: Das ist ein DESASTER, weil es deutlich macht, dass es NULL Fortschritt gegeben hat.
  • „Die folgende Grafik zeigt die Veränderung der Gleichgewichtskurse seit dem Jahr 2000. In Deutschland und in den Niederlanden hat sich der grösste Zuwachs ergeben.“

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

Was dann zu dieser Entwicklung von Über-und Unterbewertung führt:

Note: Positive values correspond to over-valuation; negative values correspond to under-valuation.
Source: EQCHANGE database (CEPII)

bto: Das muss man sich mal ansehen. Die unterbewerteten Länder sind HEUTE: Irland, Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Spanien und Belgien. Die brauchen es nicht oder nur bedingt.

Fazit FuW: „(…) der Euro ist nach wie vor in Schieflage. Und wenn keine Ausgleichsmechanismen implementiert werden, wird ein Teil des Kontinents immer mehr abgehängt, Südeuropa wird zum neuen Mezzogiorno.“ bto: Ist es doch schon längst. Ein Fass ohne Boden!

Und dieses Fass sollen wir Deutschen jetzt befüllen und unsere Ökonomen schlagen ernsthaft Maßnahmen in diese Richtung vor. Ach ja! Sie leben ja alle von öffentlichen Mitteln und über die entscheiden unsere Politiker.

Eurozone: die schlechtest denkbare Währungsunion

The Telegraph: „Europe’s civil wars will blow away the Treasury Brexit forecast“, 31. Januar 2018

FINANZ und WIRTSCHAFT: „Noch ist Südeuropa nicht gerettet“, 6. September 2017

10 Kommentare
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    Wolff Baer sagte:

    Endlich werden hier die Themen angesprochen, die uns große Sorgen bereiten müssen.

    Daß die EU und die inkompatible Gemeinschaftswährung auf Dauer erfolglos bleiben werden, haben verfemte Kritiker wie Herr Sinn und Sarrazin schon vor einem Jahrzehnt prognostiziert.

    Die neuesten vertraulichen Infos vom BKA sagen aus, daß pro Tag 500-800 illegale Zuwanderer erfolgreich unser Land betreten und einen Asylanspruch reklamieren, der ihnen lt.GG §16a nicht zusteht. 80% haben keine Ausweise.

    Und wer hat die Möglichkeit eröffnet, daß das unter Umgehung des Grundgestzes täglich passiert?

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    Dietmar Tischer sagte:

    >„The next global economic downturn – probably in 2019 – will be traumatic for everybody, given that we have already used up our monetary and fiscal powder, and exhausted popular consent for globalisation.>

    Das ist der Punkt:

    Der nationale Konsens für supranationale Lösungen wird immer schwächer angesichts der nationalen Probleme – und das schon in Zeiten des Aufschwungs.

    Das betrifft auch uns.

    Ich frage mich auch, was los ist, wenn es zu einem globalen Abschwung kommt.

    Dann ist es aus, die Probleme mit Geld zuzuschütten.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Es sei denn, Herr Tischer, die EZB gibt den Regierungen entgegen aller Regeln in großem Stil Helikoptergeld. Dann kann man die Probleme noch länger mit Geld zuschütten. Schließlich hat die Einhaltung von Regeln in der Vergangenheit auch kaum jemand interessiert. Allerdings wird es dann bezüglich der Inflation spannend…

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      Johannes sagte:

      DT: „Ich frage mich auch, was los ist, wenn es zu einem globalen Abschwung kommt.“

      Ihre Frage stelle ich mir auch und die aktuell die Frage, ob die gestrige Entwicklung, die von vielen erwartete Korrektur, ein erstes Vorbeben oder die Einleitung des Abschwungs ist.

      „“Schwarzer Montag an der Wall Street alarmiert die Anleger und erschüttert den Glauben der Anleger.“

      Die in dem Artikel geäußerte These eines Flash-Crash mag zutreffen und es passiert womöglich weiter nichts. Beachtenswert finde ich aber diese Passage:

      „Viele Investoren haben Aktien auf Pump gekauft. Das Volumen der Wertpapierkredite hatte zuletzt einen Rekord von 581 Milliarden Dollar erreicht. Verlieren die Papiere an Wert, müssen die Anleger Geld nachschießen, oder aber die Aktien werden liquidiert.“

      Haben die Anleger soviel Geld verfügbar? Ein Flash-Crash als Trigger für einen „Unfall“, der den Reset (siehe Kommentar von Herrn Selig) einleitet?

      https://www.welt.de/wirtschaft/article173238056/Boersenabsturz-Schwarzer-Montag-an-der-Wall-Street-alarmiert-die-Anleger.html

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig + Johannes

      Die Notenbanken sind nicht zu unterschätzen.
      Ich denke heute ganz anders über sie als vor 10 Jahren.

      Insoweit ist m. A. n. klar, dass diese auf der MONETÄREN Ebene tun werden, was überhaupt nur geht:

      a) wenn die Banken unter Druck kommen, weil im Abschwung mehr Kredite notleidend werden, dürften sie aufkaufen, was nur geht – selbst den wertlosesten Mist –, weil das Finanzsystem nicht kollabieren darf, damit die Realwirtschaft nicht in Schockstarre fällt.
      Deshalb ist auch die Formel „lender of last ressort“ falsch. Die Notenbanken sind KÄUFER, nicht Kreditgeber. Und sie bezahlen natürlich nicht mit erwirtschaftetem Einkommen, sondern mit bedrucktem Papier bzw. verschickten Bits.

      und

      b) sie werden auch die Staaten finanzieren und zwar, ganz richtig, letzten Endes mit Helikoptergeld. Auch da werden die Hemmungen fallen, denn wenn das System auf dem Spiel steht, sind Regeln Schall und Rauch. Und selbstverständlich werden in letzter Konsequenz auch die Märkte aus dem Spiel genommen. Das haben wir die letzten Jahre erleben dürfen.

      Kurzum:

      Es wird nicht an Geld fehlen, nirgends auch bei den Menschen nicht (Steuersenkungen im großen Stil, mit Helikoptergeld finanziert)

      Die spannende Frage ist in dieser Situation:
      Schafft die VERFÜGBARKEIT von Geld, d. h. hinreichende Kaufkraft, soviel NACHFRAGE, dass die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt?

      Meine Zweifel:

      a) Wenn es zu einem Abschwung gekommen war, dann besteht jede Ursache, die nicht auf mangelndem Geld bzw. der Unwilligkeit Kredite aufzunehmen, beruht, WEITERHIN. Hier sind wir wieder bei dem REALWIRTSCHAFTLIHEN Gegebenheiten, insbesondere den Megatrends. Dazu gehört auch der nachfragemindernde Entschuldungsprozess, um die Bilanzen in Ordnung zu bringen.

      b) Die Menschen haben ANSPRÜCHE, die sich zum einen mit ihren Lebensgewohnheiten entwickelt haben und zum anderen auf RECHTSANSPRÜCHEN beruhen, die ihnen der Staat verschafft hat. Menschen sind anpassungsfähig und ich glaube nicht, dass die Welt untergeht, wenn sie nicht gleich erfüllt werden. Ich sehe aber auch keinen Automatismus, dass ewig Ruhe herrscht, wen sie nicht erfüllt werden. Und sie werden nicht erfüllt werden, weil vor allem die Rechtsansprüche vielfach Ansprüche sind, die in wirtschaftlichen Schönwetterperioden gewährt werden und in schlechten Zeiten nicht einfach einzukassieren sind: Rechte, zu denen der Bundestag verhilft, sind für viele unverrückbare Menschenrechte, wenn sie nur lang genug gewährt werden.

      c) Wir laufen gesamtgesellschaftlich in immer stärkere Verteilungskämpfe, die es immer schwieriger werden lassen, Ansprüche zu befriedigen. Heißt: Jeder Abschwung, fällt mit der „Anpassung nach unten“ zusammen und verstärkt die Schwierigkeiten der Konsensfindung bei Verteilungskämpfen.

      d) Die Menschen haben ein kollektives Gedächtnis. Ich glaube daher nicht, dass sie einfach zur Tagesordnung des Geldausgebens gehen, wenn sie wissen, dass es keine ERWORBENES, sondern GESCHENKTES Geld ist. Helikoptergeld ist LEISTUNGSLOSES „Einkommen“.

      e) Sie haben auch noch ein anderes kollektives Gedächtnis: In USA haben sie sich bei nahezu Vollbeschäftigung und TROTZ eines Aufschwungs daran erinnert, dass es ihnen in Schnitt schlechter geht als zuvor bzw. als ihren Eltern Jahrzehnte vorher. Deshalb ist Trump Präsident geworden und ihrer Ansicht nach legitimiert, die Welt durch Protektionismus in den Abschwung zu befördern.

      Wenn a) bis e) einzeln oder in der Summe dazu führen, dass es der Aufschwung nicht oder nicht wie erhofft wird, eintritt – und auch durch die vermeintliche Wunderwaffe FISKALPOLITIK nicht eintreten kann –, dann wird es MEHR und NOCH MEHR Helikoptergeld geben MÜSSEN.

      Dann allerdings kann es sehr spannend werden mit der Inflation.

      Und dies nicht deshalb, weil die Leute wieder Arbeit haben und deshalb etwas mehr auftrumpfen können bei Lohnverhandlungen, sondern weil das VERTRAUEN ins Geld verlorengegangen sein wird .

      Ich habe keine Ahnung, wie das alles im Einzelnen ablaufen wird, bin aber sicher, dass REALWIRTSCHAFTLICHE Schwierigkeiten, die z. B. in einem globalen Abschwung münden könnten, nicht durch gedrucktes Papier behoben werden können.

      Sie werden ohne einen Reset, in welchem Rahmen und Ausmaß auch immer, nicht zu beheben sein.

      Er wird nicht zum Nulltarif zu bekommen sein.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Eigentlich brauchen wir wohl einen reset: Auflösung der EU und Neustart auf nationaler Ebene. Alles andere ist nicht mehr einvernehmlich korrigierbar. Dann kann man anschließend wieder schrittweise Themen wie die Vier Grundfreiheiten einführen, ohne gleich wieder in Transfers und in eine Währungsunion zu schlittern. Nur zieht wohl bisher lediglich das Vereinigte Königreich den Stecker. Mal schauen, wann bei uns die politischen Mehrheitsverhältnisse kippen. Ich vermute, erst nach einem Kippen von Frankreich. Dazu muss Macron entzaubert werden. Gefühlt hat er noch maximal zwei Jahre, in denen er in seinem Land keinen Mentalitätswechsel schaffen wird und das dann auch jeder merkt. Dann wird es spannend, vor allem, wenn der margin call noch vor 2020 eintritt.

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    Johannes sagte:

    bto: ‚Und dieses Fass sollen wir Deutschen jetzt befüllen …´

    So scheint es in der Tat der Wille maßgeblicher deutscher Politiker zu sein. Gelegenheiten gegen zu steuern gab es in den letztem 8 Jahren zahlreiche. Sie verstrichen wiederholt ungenutzt. Im Gegenteil: alle Heilung- und Rettungsversuche, bürdeten und bürden Deutschland enorme finanzielle Lasten auf. Die sozialen Lasten werden später folgen.

    Ich werte dieses Verhalten der deutschen Politik als das was es dem tatsächlichen Handeln (und nicht nach den salbungsvollen Vorwahlreden) nach scheint: Deutschland soll im wesentlichen den ´Preiś und die Lasten eines künftigen europäischen Bundesstaates schultern. Deshalb – hier wage ich eine Prognose – wird in der Eurozone auch nie der Mechanismus eingeführt werden, der in den USA so extrem disziplinierend wirkt: der Saldenausgleich zwischen den US-amerikanischen Bundesstaaten, mit werthalten Assets. Denn ein solcher institutionalisierter Ausgleich würde die Eurozone sprengen…

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