„Der Elefant im chinesischen Porzellanladen“

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager magazin online:

Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Schulden von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten weltweit um acht Billionen US-Dollar auf den neuen Rekordwert von 247 Billionen Dollar. Das ist erneut mehr als der Zuwachs am Welt-BIP, was die Schuldenquote auf über 300 Prozent des Welt-BIP treibt. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahrzehnte unvermindert fort, mit immer mehr und immer billigerem Geld Wirtschaftswachstum zu kaufen und Wohlstand vorzugaukeln.

Schulden per se sind nicht schlecht, so sie zu einem Mehrprodukt führen. Dann steigen Schulden und BIP ungefähr im Gleichschritt. Je mehr Schulden jedoch zum Konsum, zum Kauf vorhandener Vermögenswerte und zum Erhalt nicht wettbewerbsfähiger Strukturen – also Zombieunternehmen und Zombiebanken – dienen, desto schneller steigen die Schulden relativ zum Einkommen. Schon die Finanzkrise 2008 war auf übermäßige Verschuldung zurückzuführen. Seither haben wir nichts getan, diesen Trend umzukehren. Im Gegenteil haben Politik und Notenbanken alles darangesetzt, das Schuldenwachstum zu erleichtern.

Schulden wohin man blickt

Die größten Schuldner der Welt sind: die USA, China, Japan, gefolgt von Frankreich und Italien. Während es in China vor allem der Unternehmenssektor ist, der eine Verschuldung von rund 200 Prozent des BIP auf die Waage bringt, sind es in den USA Privatschulden von 150 Prozent und Staatsschulden von über 100 Prozent. Gerade die Verschuldung der US-Unternehmen ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, weshalb sogar der IWF hierin einen der möglichen Auslöser für eine neue Finanzkrise sieht. Japan liegt bei der Verschuldung des Privatsektors im soliden Mittelfeld, was nach fast 30 Jahren Schuldenabbau seit dem Platzen der Blase an Immobilien- und Aktienmarkt nicht überrascht. Spiegelbildlich sind dazu allerdings die Staatsschulden gestiegen und nähern sich dem Niveau von 240 Prozent des BIP. Ein zunehmender Anteil dieser Schulden wird von der japanischen Notenbank gehalten, weshalb sich in Japan das spannende Szenario einer Entschuldung über die Notenbankbilanz abzeichnet, sobald die Bank of Japan erklärt, diese Forderungen abzuschreiben oder aber wirtschaftlich so zu behandeln, dass sie niemals getilgt und verzinst werden müssen.

Länder wie Frankreich und Italien werden dies sicherlich genau beobachten, stehen sie doch ebenfalls vor erheblichen Schuldenproblemen. In Frankreich liegen private und öffentliche Schulden über dem Niveau in den USA, was erklärt, mit welcher Macht der französische Präsident für mehr europäische Solidarität mit mehr Umverteilung zu Lasten Deutschlands wirbt. Eurozonenbudget und Eurofinanzminister dienen weniger dem Erhalt der Währungsunion wie an dieser Stelle schon erläutert, sondern vor allem der Mobilisierung der noch vorhandenen Verschuldungskapazität Deutschlands. Ein Aspekt, den unsere Politiker geflissentlich übersehen.

Italien derweil hat ein Staatsschuldenproblem und leidet unter einem Bankenwesen mit einem Rekordniveau an faulen Krediten. Die privaten Haushalte stehen dagegen finanziell sehr gut da und sind deutlich vermögender als die Deutschen. So gesehen war es nur konsequent von der neuen italienischen Regierung einen Schuldenerlass durch die EZB in die Diskussion zu bringen, weil jeder ernsthafte Schuldenschnitt sonst vor allem die eigenen Banken und Sparer treffen würde.

Weitere Kandidaten für Schuldenprobleme in Europa sind Portugal, Spanien, Belgien und Großbritannien.

In den Schwellenländern ist die Verschuldung in den letzten Jahren besonders stark gestiegen und beträgt fast 59 Billionen US-Dollar. Besonders gefährdet sind jene Länder, die sich in Fremdwährungen verschuldet haben, wie die Türkei, Ungarn, Argentinien, Polen, Chile und Korea. Kommt es – wie in der Türkei und Argentinien gerade wieder zu beobachten – zu einem Einbruch der eigenen Währung ist eine Zahlungsbilanzkrise die unvermeidliche Folge.

Donald Trump – der Elefant im chinesischen Porzellanladen

Dass die Weltverschuldung auf einem neuen Höchststand ist, ist kein Zufall. Es ist politisch gewollt. Politiker und Notenbanken haben die Folgen einer durch zu hohe Schulden ausgelösten Krise mit noch mehr Schulden bekämpft. Ohne diese neuen Schulden und die Subventionierung bestehender Schuldner hätten wir eine neue große Depression erlebt. Es war also richtig, so zu handeln, wenn man es mit der Alternative vergleicht.

Das Problem dabei: Es ist uns nicht gelungen, uns von der Schuldendroge zu lösen. Nur durch eine immer höhere Dosis bringen wir das System eine Runde weiter. China kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur hat das Land unmittelbar zu Beginn der Finanzkrise mit einem gigantischen, schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm die eigene Wirtschaft stimuliert und so der gesamten Weltwirtschaft entscheidend geholfen. Seither lag in jedem Jahr das Wachstum der Schulden über dem Wachstum der Wirtschaft.

China steht direkt für mehr als ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft. Nimmt man die indirekte Wirkung der chinesischen Nachfrage nach Rohstoffen, Maschinen und Konsumgütern hinzu, dürfte die Bedeutung des Landes noch größer sein. Jede Abschwächung in China hat deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Welt.

In diesem Szenario schwachen Wachstums der Weltwirtschaft und ungelöster Schuldenprobleme erinnert das Verhalten Donald Trumps an den Elefanten im Porzellanladen. Nichts kann die Weltwirtschaft weniger gebrauchen, als einen ausgemachten Handelskrieg. Dennoch steuern wir ungebremst genau in ein solches Szenario. Dabei ist Trump mehr ein Symptom für die ungelöste Finanzkrise als die eigentliche Ursache für die bevorstehende Krise. Aus der Geschichte wissen wir, dass schwere Finanzkrisen immer zu Protektionismus und Nationalismus führen. Diesmal hat es nur etwas länger gedauert.

Stürzt Trump China in die Rezession?

Die chinesische Wirtschaft ist angesichts der hohen Verschuldung besonders anfällig für die Maßnahmen der US-Regierung. Ein guter Teil der neuen Schulden ist in unproduktive Bereiche geflossen oder hat zum Aufbau erheblicher Überkapazitäten in einigen Branchen beigetragen. Schon vor Monaten warnte der damalige Chef der chinesischen Notenbank vor einem „Minsky-Moment“ für China, womit der Moment gemeint ist, an dem man merkt, dass die Schulden nicht mehr tragbar sind. Die politische Führung des Landes hat darauf reagiert. Seit dem letzten Volkskongress laufen die Bemühungen die Verschuldung des Landes in den Griff zu bekommen. Regionalregierungen und Unternehmen werden aufgefordert, Schulden abzubauen, das Schattenbankensystem, welches für einen Gutteil der Kreditschöpfung in den letzten Jahren stand, kommt unter vermehrten Druck.

Diese Maßnahmen zeigen bereits deutliche Wirkung. Nicht nur fällt die offiziell ausgewiesene Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft. Auch die Finanzmärkte des Landes reagieren. Die Börse in Schanghai hat mehr als 20 Prozent korrigiert und ist damals offiziell in einer Baisse. Dabei sind es nicht die exportorientierten Unternehmen, die unter Druck sind, sondern die Unternehmen, die vor allem auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet sind. Der sich verschärfende Handelskrieg wird noch zusätzlich zu einer Belastung führen.

Deutschland selber schuld

Eine Abschwächung der Weltkonjunktur ausgehend von China ist damit mehr als nur eine theoretische Gefahr. Uns in Deutschland wird das überproportional hart treffen, sind wir doch mit einem Exportanteil von 46 Prozent so abhängig von der Welt wie noch nie. Kommt es dann noch zum harten Brexit, weil es die EU mit ihrem Streben, Großbritannien möglichst hart für den Ausstieg aus dem Club zu bestrafen übertreibt, ist eine Rezession hierzulande unvermeidlich.

In diese fragile Situation stößt nun Donald Trump mit seiner offenkundigen Absicht, die EU zu spalten und vor allem Deutschland für die jahrelangen Exportrekorde zu bestrafen. Strafzölle auf europäische Autos bieten sich da förmlich an. Die Massenhersteller aus Italien und Frankreich treffen diese ohnehin nicht, weil sie nicht in die USA liefern. Die deutschen Hersteller werden hingegen heftig getroffen.

Es dürfte der EU schwerfallen, passende Gegenmaßnahmen zu beschließen. Wie sollten denn die anderen Regierungen ihren Wählern erklären, dass sie eigenen Unternehmen die Exportmöglichkeiten nehmen, nur weil Deutschland von den Handelsmaßnahmen Donald Trumps getroffen ist? Vor allem wo auch in unseren europäischen Partnerländern die Kritik an der „merkantilistischen“ Wirtschaftspolitik Deutschlands wächst.

Schuld an der Entwicklung tragen wir durchaus selbst. Alle Kritik an unserer einseitigen Exportorientierung zum Trotz haben wir nichts getan, die Überschüsse zu reduzieren. Dabei wäre dies, wie ich mehrfach und ausführlich an dieser Stelle erläutert habe, in unserem ureigenen Interesse. Statt immer mehr zu einem Gläubiger einer völlig überschuldeten Welt zu werden, sollten wir lieber unser eigenes Land auf Vordermann bringen. Ansatzpunkte gibt es genug: Investitionen in Bildung und Infrastruktur, digitale Offensive, Herstellung einer funktionierenden Bundeswehr …

Drei Märchen – oder die Zeit der Selbsttäuschung endet

Jetzt bekommen wir die Quittung für diese naive Politik. Die drohende Rezession hierzulande wird uns jäh aus einigen weiteren Wunschvorstellungen reißen:

Märchen 1: Die Finanzkrise ist bewältigt

Schnell wird klar werden, dass wir keine Fortschritte bei der Bewältigung der Finanzkrise gemacht haben. Schulden werden wieder offensichtlich untragbar und eine Welle von Pleiten und Bankrotten ist zu erwarten. Natürlich werden die Notenbanken darauf mit einer nochmals aggressiveren Geldpolitik reagieren. Die sprichwörtlichen Helikopter werden startklar gemacht und die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich getrieben. Ob diese Maßnahmen nochmals schaffen, uns eine Runde weiter zu bekommen, ist offen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich im Gespräch mit der Bundesregierung sehr besorgt gezeigt.

Märchen 2: Euro ist gerettet

Geht es der deutschen Wirtschaft schlecht, geht es der Eurozone schlecht. Die vom billigen Geld und dem massiven Aufkauf von Wertpapieren durch die EZB nur verdeckten Probleme der Währungsunion werden wieder offen zutage treten. Es rächt sich, dass die Politik die letzten Jahre nicht dazu genutzt hat, die Probleme der Eurozone zu lösen. Das hat vor allem damit zu tun, dass man sich nicht an die eigentlichen Ursachen herangetraut hat, namentlich die untragbar gewordenen Schulden und die unzureichende Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder. Hier wird im Korsett einer Währungsunion zusammengezwängt, was nicht zusammenpasst. Die Diskussionen der letzten Monate mit Blick auf die französischen Reformideen entsprechen derweil der berühmten Neuausrichtung der Stühle auf der Titanic.

Märchen 3: Deutschland ist ein reiches Land

Auch das dritte Märchen wird ein Ende finden. Die Geschichte von Deutschland als reichem Land. Wir werden feststellen, dass

  • unsere Einkommen und die hohe Beschäftigung, tiefen Zinsen und schwachem Euro geschuldet sind.
  • unser Staat nicht gespart hat, sondern nur die Zinsersparnis und die Progressionsgewinne kassiert hat, ohne in die Zukunft zu investieren.
  • wir uns Lasten für Renten und Integration aufgeladen haben, die nur im Umfeld einer Hochkonjunktur temporär tragbar waren.
  • unsere Exporterfolge zu Forderungen an das Ausland geführt haben, auf denen wir erhebliche Verluste erleiden. Dabei denke ich auch, aber nicht nur, an die fast eine Billion Euro Forderungen, die die deutsche Bundesbank im Rahmen des Taget2-Systems an die Krisenländer der Eurozone hat.

So steuern wir auf ein Szenario zu, welches äußerst bedenklich stimmen muss. Am meisten Sorgen muss dabei die Tatsache bereiten, dass die Politik der letzten zehn Jahre die Krisenanfälligkeit der Weltwirtschaft deutlich erhöht hat. Blickt man in die Wirtschaftsgeschichte so muss man feststellen, dass große Krisen immer von zu vielen Schulden ausgelöst wurden. Wenn man also eine deflationäre Depression herbeiführen will, muss man genau das machen, was in den letzten Jahren gemacht wurde.

→ manager-magazin.de: „Der Elefant im chinesischen Porzellanladen“, 25. Juli 2018

 

 

25 Kommentare
  1. Christian Garburg sagte:

    Auslöser der nächsten globalen Wirtschafskrise:
    Meiner Meinung nach wird der Auslöser für den Begin der nächsten global wirksamen Wirtschaftskrise aus dem Reich der Mitte kommen.
    Eine total undurchsichtige staatlich geförderte/gelenkte Bankenszene, ein daraus resultierendes absolut undurchsichtiges Geflecht von Krediten und Zahlungsverpflichtungen bergen genug ökonomischen Sprengstoff um eine unheilvolle globale Entwicklung in Gang zu setzten.

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  2. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Eurozonenbudget und Eurofinanzminister dienen weniger dem Erhalt der Währungsunion wie an dieser Stelle schon erläutert, sondern vor allem der Mobilisierung der noch vorhandenen Verschuldungskapazität Deutschlands. Ein Aspekt, den unsere Politiker geflissentlich übersehen.“

    Mit Verlaub, Herr Dr. Stelter, Sie übersehen es m.E. nicht, zumindest nicht die in den höheren Positionen. Aber sie wissen genau, dass die Mehrheit im Inland das nicht hören will, im Ausland schon gar nicht.

    Denn der Wähler will davon nun mal weitestgehend nichts wissen. 25.000 Demonstranten bei „ausgehetzt“ in München, wenn der Bundesinnenminister abgeschobene und vom Verwaltungsgericht abgelehnte Asylbewerber von der Polizei nicht wieder einreisen lassen will, aber keinerlei öffentlicher Aufschrei, wenn der Targetsaldo der Bundesbank die Billionengrenze erreicht.
    Jeder, der in der Spitzenpolitik nur vorsichtig etwas zur Besonnenheit aufruft, wird von der Öffentlichkeit und Teilen der eigenen Partei sofort fertig gemacht.

    Beispiele? BT-Fraktionsvorsitzende Frau Wagenknecht von der Linkspartei von der eigenen Parteiführung, SPD-Chefin Nahles von den Jusos und dem Mittelbau, C. Lindner bei der FDP von den Medien oder aktuell die CSU-Führung bzw. die „Werteunion“ von der „Union der Mitte“, Boris Palmer (Mitglied) und Oswald Metzger (Ex-Mitglied) von der Führung und der Parteibasis der Grünen. Nur die AFD zeigt noch halbwegs Geschlossenheit in diesen Fragen, ist aber für alle anderen die „Pfui-Partei“ wegen zahlreicher schräger bzw. fragwürdiger Äußerungen von „Vogelschiß in der Geschichte“ über den Vorschlag erhöhter Renten für deutsche Beitragszahler bis zur Diffamierung des Holocaust-Denkmals; die Finanzvorschläge der AFD hört dann kaum mehr einer.

    Woran das liegt? Weil wir auf Droge sind. Keine verbotenen Substanzen, sondern Zins- und Schuldendrogen. Und das wollen die meisten Wähler, Kommunalpolitiker, Journalisten, etc. einfach nicht gerne hören. Und wie beim echten Drogenkonsum braucht es eine Entziehungskur bzw. eine harte Schuldnerberatung. Ob der Entzug heiß oder kalt sein wird, weiß noch keiner. Ich glaube, dass der Entzug nicht freiwillig kommen wird. Auch die Deutschen werden erst von der Schuldendroge ablassen, wenn die Kapitalmärkte, die Inflation oder politische Unruhen den Anstoß dazu geben. Zu viele Leute können sich nicht mehr vorstellen, was es heißt, wenn man dem Geld nicht mehr trauen kann bzw. nichts Vernünftiges mehr dafür kaufen kann. Leider ist die Erfahrung mit der Währungsreform 1948 bzw. mit DDR-Geld bis zur Währungsunion inzwischen zu wenigen Leuten noch aktiv bewusst und nur als Thema aus dem Geschichtsbuch noch in Grundzügen vorhanden. Und das wird sich in ein paar Jahren schwer rächen. Der einzige Trost ist, dass die übrigen Industrieländer meist nicht wirklich besser sind als Deutschland…

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      >Denn der Wähler will davon nun mal weitestgehend nichts wissen … einerlei öffentlicher Aufschrei, wenn der Targetsaldo der Bundesbank die Billionengrenze erreicht.>

      So ist es.

      Doch selbst wenn sie es wissen wollten – und warum sollten sie es wollen, wenn sie tagtäglich genug praktische Probleme zu bewältigen haben –, würden sie es nicht VERTSTEHEN, so dass von daher keine VERNÜNFTIGE Politikbeeinflussung zu erwarten ist.

      „Vernünftige“ Politik kann nach Lage der Dinge in einer Demokratie nur heißen:

      Ihr, die ihr durch uns an die Macht gekommen seid, haltet den Laden soweit zusammen, dass die große Mehrheit der Bevölkerung nicht politisch ausbüchst. Könnt ihr es nicht, werdet ihr abgewählt.

      Es ist diese Sanktionsdrohung an die Politiker, die das SCHLIMMSTE (hoffentlich) verhindert, OHNE dass sie sich um beständige LÖSUNGEN bemühen müssten.

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  3. Dietmar Tischer sagte:

    >Am meisten Sorgen muss dabei die Tatsache bereiten, dass die Politik der letzten zehn Jahre die Krisenanfälligkeit der Weltwirtschaft deutlich erhöht hat.>

    Es hat aber in den letzten 10 Jahren KEINE Krise gegeben (was ich NICHT „naive Politik“ nennen würde).

    Zu wenige Leute machen sich daher Sorgen.

    Das ist die GRÖSSTE Besorgnis.

    Ansonsten:

    Griechenland wird nicht erwähnt.

    Das ist in Ordnung, weil das Land „gerettet“ ist.

    Entscheidend:

    Die Problemländer werden immer größer und zwar ÜBERALL.

    USA:

    Bei einem Wachstum von zuletzt über 4% haben nicht nur Beschäftigung sowie Löhne und Gehälter zugenommen, sondern auch die VERSCHULDUNG der Privaten Haushalte wird wachsen, da auch die Inflationsrate zunimmt und nach wie vor ca. 2/3 des Wirtschaftswachstums vom Konsum abhängt.

    China:

    Wie beschrieben und – bereits jenseits des Minsky Moments – erste GROSSE Unternehmenspleiten.

    EU:

    Wie beschrieben und ein WEITERES Auseinandertriften, auch zwischen Frankreich und Deutschland, weil Trump die EU spaltet:

    Der Juncker-Deal mit vermehrten IMPORTEN von amerikanischen Agrarerzeugnissen in die EU – wichtig für Trump, die Farmer sind seine Klientel – ist von Macron schon abgebügelt worden:

    Nichts gegen die Rücknahme der Drohung, deutsche Automobilexporte nach USA zu verschonen, aber nicht auf Kosten der französischen Bauern. Diese rote Linie ist gezogen.

    NICHTS, aber auch NICHTS bessert sich.

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    • Wolfgang Selig sagte:

      @Ondoron: Der erste Unterschied zu rotem und braunem Sozialismus ist (noch?) der, dass Sie diese Sätze auf bto schreiben dürfen, ohne dass morgen früh um 7.00 Uhr zwei in Zivil gekleidete Herren ohne richterlichen Durchsuchungsbeschluss Ihre Wohnung betreten und Ihnen klar machen, was die politische Führung von einem anständigen Staatsbürger erwartet. Der zweite Unterschied ist, dass Herr Dr. Stelter noch publizieren darf und nicht als politischer Häftling wegen „umstürzlerischer Absichten“ auf unbestimmte Zeit im Gefängnis einsitzt.

      Für mich sind das schon wichtige Unterschiede.

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      • Ondoron sagte:

        @ W. Selig
        Als wenn dieser Blog von Dr. Stelter eine Gefahr darstellte. An der Uni dürfen Sie auch das meiste sagen – wobei sich hier die Zeiten ändern. Das entscheidende ist, wie der Mainstream die Stimmung massiert. Lesen Sie mal das Buch „Propaganda“ von Edvard Bernays – ein Neffe Sigmund Freuds übrigens.

        Sie können gern diesem Staat vertrauen. Ich sehe dafür keinerlei Anlass.

      • Wolfgang Selig sagte:

        @Ondoron und NoFiatMoney: Zu Ihren Einwänden:

        Nein, ich vertraue diesem Staat seit dem geschmeidigen Brechen wichtiger Regeln bei Fragen der Staatsfinanzierung durch die Notenbank und Duldung unberechtigter Personen nach Dublin III nicht mehr, vor allem, weil die Mainstreammedien das auch noch goutieren und als 4. Gewalt ausfallen. Schon gar nicht traue ich dem Bundesverfassungsgericht, das willfährig alles abnickt, was wirklich gefährlich ist. Vermutlich, weil die Herrschaften weder vernünftig rechnen können („iudex non calculat“) noch politisch mutig sind.

        Ja, ich schreibe bewusst „noch“, weil ich die Tendenz in Deutschland in die falsche Richtung gehen sehe. Und ja, mir gruselt sehr wohl, weil ich Kinder habe, die hier gerne wohnen bleiben wollen.

        Nein, ich bin anderer Meinung als Ondoron bzgl. der Gefahr dieses Blogs. Blogs wie bto stellen sehr wohl eine erhebliche Gefahr für die politische Klasse dar, da sie zur politischen Meinungsbildung massiv beitragen. Jetzt werde ich mal pathetisch: Mahatma Gandhi war der britischen Armee militärisch hoffnungslos unterlegen und hat langfristig trotzdem gewonnen. Blogs wie bto haben nicht (und wahrscheinlich nie) die Reichweite von Bild-Zeitung oder Marietta Slomka, aber bto, Tichys Einblick oder Cicero legen in der Leserresonaz zu; die anderen nehmen ab. Wer als Staat über die Bundesbank bedenken- und beschlusslos 1.000 Mrd. € unbesicherte und unverzinste sowie in der Laufzeit unbegrenzte Kredite (mit steigender Tendenz!) ins Ausland vergibt, der achtet m.E. bald auch elementare Freiheitsrechte nicht mehr. Und Dr. Stelter ist ein schärferer wirtschaftspolitischer Gegner der Groko, als die wirtschafts- und finanzpolitischen Sprecher von Grünen, Linkspartei und FDP zusammen.

        Und nein, ich will jetzt nichts vom Zinsfehler hören…^^

      • Ondoron sagte:

        @Wolfgang Selig
        Ihre Überlegungen ehren Sie.
        Aber lesen Sie mal diesen Beitrag, denken nach und recherchieren selbständig (was unerwünscht ist!):
        https://www.rubikon.news/artikel/die-macht-der-symbole

        Lippmann ist der Gottvater unserer Medien. Und Sie – wie die anderen auch – nur Versuchskaninchen. Der Fehler besteht darin zu meinen, es habe sich in der letzten Zeit grundlegend erst etwas geändert. Nein, ich sage, es war immer so. Die Kulmination der Situation ergibt sich aus den aktuellen Zwängen des FIAT-Money-Systems, das womöglich vor dem Kollaps steht. Da muss dann das Framing angepaßt werden – und zwar in einer Weise, daß die Intelligenteren argwöhnisch werden.
        Und dann gibt’s da natürlich viele Verhaltensoriginelle mit einem Fehler.

    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Ondoron

      Sie haben recht – PRINZIPIELL.

      Man kann sich den UMSTÄNDEN NACH aber keine starke Währung wünschen.

      Denn gäbe es sie, müsste sie es in der gesamten Währungsunion geben.

      Wäre es so, ist die Währungsunion am Ende und WIR – erst einmal – mit einer SUPERSTARKEN Währung wären auch am Ende.

      Sie reden von Ideologien.

      Warum nicht, aber wenn Sie nicht die REALITÄT mit einbeziehen, sind Sie ebenfalls auf Ideologie-Niveau.

      Antworten
      • NoFiatMoney sagte:

        Wer politischen Projekten wie der Zwangsgemeinschaftswährung Euro das Wort redet, noch an ihnen festhält, obwohl deren ökonomischer Unsinn klar auf der Hand liegt, setzt Ideenlehren (oder besser Ideenleeren?), also Macht, vor ökonomische Gesetzmäßigkeiten. Prof. W. Hankel z.B., einer der sog. Eurofighter, wurde nicht müde, immer wieder auf den darin liegenden Irrtum und seine Folgen hinzuweisen.

        Ja, eine Beendigung des politischen Konstruktes wäre schmerzhaft. Von den Ergebnissen seiner Fortsetzung würde sich dieses Land aber noch schwerer erholen.
        Wobei mir seit Sept. 2015 eine Genesung ohnehin als ausgeschlossen erscheint. Mit dem Euro geht’s halt schneller.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ NoFiatMoney

        Es ist keine Frage, dass die Zwangsgemeinschaftswährung Euro auf einem Irrtum, von mir aus auch auf einer Idee beruht, die sich als falsch erwiesen hat.

        Aber nun ist sie aber einmal da, weil auch Irrtümer Fakten schaffen.

        >Ja, eine Beendigung des politischen Konstruktes wäre schmerzhaft.>

        Schön, dass das auch mal ein Kritiker des Projekts sagt.

        Die Befürworter eines Weiter so sollten diese Einsicht freilich nicht zum Ende der Diskussion erklären – nichts wäre falscher.

        Denn auch wenn es nur eine Meinung ist, muss man sie ernst nehmen:

        >Von den Ergebnissen seiner Fortsetzung würde sich dieses Land aber noch schwerer erholen.>

        Was also, wenn zwei KONTRÄRE Meinungen aufeinander treffen und beide KEINE guten Perspektiven anzubieten haben:

        Schmerzhaftes Beenden oder irgendwann eine noch schmerzhaftere Situation bei einem bis dahin einigermaßen erträglichen Weiter so?

        Es gibt keine Zauberformel, die uns die Entscheidung abnimmt.

        Wir müssen sie im Diskurs suchen.

        Leider ist es so, dass es keinen objektiven Diskurs gibt. Damit meine ich einen, der nur auf Basis von Sachverhalten und Argumenten geführt wird.

        Die Mehrheit wird für Weiter so votieren, vor allem wenn sie von alten Menschen dominiert wird.

        Das scheint evolutionär in uns zu liegen, ist aus Sicht der Alten auch rational, aber mit Blick in die Zukunft ein ziemliches sicheres Desaster.

        Soviel lässt sich wohl sagen, auch wenn man die Zukunft nicht so genau kennen kann.

  4. Ommm sagte:

    diesem in wiwo beschriebenen Szenario sind wir in 2018 schon einige Meter näher
    https://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/finanzkrise-und-die-folgen-was-droht-in-einer-weltwirtschaftskrise-seite-2/5141060-2.html

    @Herr Stelter
    Alhambra spricht bzgl. der deflationären Krise von einem worldwide „L“ –
    welches die Chinesen schon lange begriffen haben.
    Könnten Sie dazu die genaue Bedeutung von „L“ bzw den Status quo genauer erläutern ?
    Vielen Dank im Voraus.
    „“ There are two simple facts at play here. The “dollar” system is broken, and there is no alternative to that broken system. If there was, it would have been ready and implemented long before now. This deflationary direction has given the Chinese and Russians every reason and incentive for a decade to have accomplished something else before they, too, suffered the fate of this global deflationary “L”, or double “L” for some. „“
    http://www.alhambrapartners.com/2018/07/27/golden-deflation/

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  5. troodon sagte:

    „Schnell wird klar werden, dass wir keine Fortschritte bei der Bewältigung der Finanzkrise gemacht haben. “
    Es ist immer die Frage, was man mit „wir“ meint… Im europäischen Bankenbereich verringern sich die NPE weiter. Lt. aktuellen EZB Zahlen auf rd 757 Mrd für Q1 2018, gegenüber 770 in Q4 2017 und zB. 1000 Mrd in Q1 2016. Aktuelle Coverage Ratio rd 47% ggü. rd 44% per Q1 2016. Und Sicherheiten haben auch noch einen Wert. 250 Mrd € Abbau NPE innerhalb von zwei Jahren finde ich jedenfalls schon erwähnenswert…
    Gemessen an den NPL ergibt sich ein Rückgang auf 688 Mrd per Q1 2018 ggü. 951 in Q1 2016. NPL Ratio entsprechender Rückgang auf 4,81% in Q1 2018 ggü. 6,85% für Q1 2016.

    Selbstverständlich ist der Weg bei weitem noch nicht zu Ende und jede neue Krise würde die NPE/NPL wieder anschwellen lassen, aber es passiert eben in diesem Bereich doch etwas…
    https://www.bankingsupervision.europa.eu/ecb/pub/pdf/ssm.supervisorybankingstatistics_first_quarter_2018_201807.en.pdf?b1d08d667698c409f8287f8100e46817

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      >Es ist immer die Frage, was man mit „wir“ meint… Im europäischen Bankenbereich verringern sich die NPE weiter>

      Richtig, der Blick darf und soll umherwandern.

      Und da sieht man dann schon, dass sich hier und da einiges bessert.

      Was sieht das Auge, wenn es sich zu dieser Aussage berechtigt sieht:

      „Schnell wird klar werden, dass wir keine Fortschritte bei der Bewältigung der Finanzkrise gemacht haben.“?

      Ein einziger Satz, der erste des Beitrags, belegt es:

      >Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Schulden von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten weltweit um acht Billionen US-Dollar auf den neuen Rekordwert von 247 Billionen Dollar. Das ist erneut mehr als der Zuwachs am Welt-BIP, was die Schuldenquote auf über 300 Prozent des Welt-BIP treibt.>

      Wenn die Gesamtschulden der Welt STÄRKER steigen als das Welt-BIP, dann haben wir – die WELT– keine Fortschritte bei der Bewältigung der Finanzkrise gemacht.

      Ich sag es einmal so:

      Schön, wenn ein paar Leute im Boot einen komfortableren Platz gefunden haben.

      Wenn das Boot aber nicht den Kurs ändert, fährt es dennoch auf die Niagarafälle zu.

      >Selbstverständlich ist der Weg bei weitem noch nicht zu Ende …>

      Zur Zeit sieht es doch eher so aus, als ob da einer das Boot noch vor den Niagarafällen zum Kippen bringen möchte …

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      • troodon sagte:

        „Wenn die Gesamtschulden der Welt STÄRKER steigen als das Welt-BIP, dann haben wir – die WELT– keine Fortschritte bei der Bewältigung der Finanzkrise gemacht.“
        Prinzipiell einverstanden.

        Aber es kommt m.E. schon auf die Sektoren an.

        Da ich ein funktionierendes Finanzsystem für unabdingbar erachte für eine angemessene gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist der Rückgang der Verschuldung/BiP der Finanzunternehmen von rd. 100% in Q1 2007 auf rd. 76% für Q1 2018 für mich schon eine positive Entwicklung, die man schon AUCH zur Kenntnis nehmen sollte. Mit den 76% liegt die Zahl sogar unter der aus dem Q1 2003 mit 86,6%.
        Aus meiner Sicht ist die Reduzierung im Finanzsektor für die gesamtwirtschaftliche Stabilität wichtiger als umgekehrt der Anstieg bei der weltweiten Staatsverschuldung zum BIP von rd 64% per Q1 2007 auf rd. 83% per Q1 2017. Umgekehrt würde es mir deutlich mehr Unbehagen bereiten. Aufschuldung bei den Staaten kann m.E. länger erfolgen als im privaten Sektor…

        Es kann m.E. somit noch 10 Jahre und länger weitergehen, ohne dass der GROßE Crash kommen muss. Dies ist immer nur als kleiner Hinweis an die zu sehen, die der Auffassung sind, es MUSS jetzt richtig knallen. Können kann es, aber es ist m.E. eben bei weitem nicht so klar, dass es tatsächlich so kommt.
        VG

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Schon klar, dass es auf die Sektoren ankommt.

        Schließlich besteht das Ganze aus Sektoren (wenn man so will).

        >Da ich ein funktionierendes Finanzsystem für unabdingbar erachte für eine angemessene gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist der Rückgang der Verschuldung/BiP der Finanzunternehmen von rd. 100% in Q1 2007 auf rd. 76% für Q1 2018 für mich schon eine positive Entwicklung, die man schon AUCH zur Kenntnis nehmen sollte>

        Stimme zu und finde es gut, dass Sie darauf verweisen und hier mit Zahlen belegt zur Kenntnis bringen.

        Die Frage ist natürlich, WO sich die Verschuldung AUFBAUT, wenn sie im Finanzsystem zurückgeht und insgesamt gewachsen ist.

        Auch keine Kritik an Ihrem letzten Absatz, wobei die Allerwenigsten die Aussage wagen würden, dass es „JETZT richtig knallen MUSS“.

        Ob es TATSÄCHLICH so kommt?

        Dazu ein Gedanke, der am Blog immer wieder diskutiert wird und bei mir mehr und mehr in den Vordergrund rückt:

        Monetisierung der Schulden.

        Natürlich verboten … aber ich glaube mittlerweile, dass es DER Ausweg aus der Verschuldungskrise sein wird, weil es der praktisch am EINFACHSTEN zu beschreitende ist. Unvorstellbar für mich, dass er nicht beschritten wird, wenn man am Abgrund steht.

        Der Mann auf der Straße würde es nicht einmal merken, obwohl wir in Deutschland natürlich nicht nur unter den Geldintellektuellen eine existenzielle Jahrhundertdebatte hätten, wenn es dazu käme.

        In Japan, wo mittlerweile mehr als 40% der horrenden Staatschulden von der BoJ gehalten werden, reget das anscheinend niemanden auf.

        Mag sein und sogar wahrscheinlich, dass damit der „Knall“ nur verschoben ist und in ganz anderer Art – ungebändigte Inflation – zu anderer Zeit wirksam wird.

        Würde es darauf hinauslaufen, dann ist das Verschuldungsdrama letztlich eine Fata Morgana, weil es eines wäre, das es nie gegeben hat.

  6. NoFiatMoney sagte:

    @ Dietmar Tischer 30. Juli 2018 um 22:10:

    Punkt für Punkt meine Antwort, wobei die Zitate aus Ihrem Kommentar oben jeweils in Anführungszeichen gesetzt werden und ich meine Antworten jeweils mit „A:“ beginne:

    „Es ist keine Frage, dass die Zwangsgemeinschaftswährung Euro auf einem Irrtum, von mir aus auch auf einer Idee beruht, die sich als falsch erwiesen hat.“

    A: Sie sprechen damit zwei für die Bewertung entscheidende Aspekte an. Würde der Euro zumindest inzwischen von den Akteuren, insbesondere den politischen Akteuren in CDUCSUFDPSPDGRÜNEDIELINKE als Irrtum gesehen und erkannt, müßte es -obschon propagandistisch begleitete- Rückzugsbestrebungen geben. Die gibt es dort jedoch nicht. Bleibt also die Idee, der politische Wahn. Der wird verfolgt, „koste es, was es wolle“ und „Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“

    „Aber nun ist sie aber einmal da, weil auch Irrtümer Fakten schaffen.“

    A: Stimmt, sie schufen Fakten. Exakt das ist ja die Vorgehensweise, die Juncker in seinem bekannten Zitat (SPIEGEL, Heft 52, 1999) beschrieb. Und wissen Sie, daß am Ende jenes Artikels folgendes steht? „Der Bundesstaat Europa wird sogar eine Art Multikulti-Staatsvolk aufweisen. Hielten die Leute 2002 erst einmal die Banknoten und Münzen des Euro in den Händen, sagt Luxemburgs Juncker voraus, „dann bildet sich bald ein neues Wir-Gefühl: wir Europäer“.
    Fakten schaffen jedoch kein Recht und auch keine vom Untertanen hinzunehmende Rechtfertigung für Regel- und Rechtsbruch.

    „Ja, eine Beendigung des politischen Konstruktes wäre schmerzhaft. Schön, dass das auch mal ein Kritiker des Projekts sagt.“

    A: Nach meinem Kenntnisstand hat kein Projektkritiker -schön, daß Sie zugestehen, daß es sich um ein solches handelt- behauptet, der politische Irrsinn ließe sich ohne Schmerzen wieder aus der Welt schaffen. Aber vielleicht benennen Sie ja einen, der sich dahin verstieg?

    „Die Befürworter eines Weiter so sollten diese Einsicht freilich nicht zum Ende der Diskussion erklären – nichts wäre falscher. Denn auch wenn es nur eine Meinung ist, muss man sie ernst nehmen: >Von den Ergebnissen seiner Fortsetzung würde sich dieses Land aber noch schwerer erholen.> Was also, wenn zwei KONTRÄRE Meinungen aufeinander treffen und beide KEINE guten Perspektiven anzubieten haben: Schmerzhaftes Beenden oder irgendwann eine noch schmerzhaftere Situation bei einem bis dahin einigermaßen erträglichen Weiter so?“

    A: Daß Sie hier nicht nüchtern-sachlich bzw. wissenschaftlich argumentieren, ist Ihnen sicherlich klar. Denn Einschätzungen über das Maß des Schmerzhaften und daraus etwaig abzuleitende Konsequenzen rechnen dem Politischen zu. Auch auf dieser Ebene bin ich jedoch der Meinung, es muß beendet werden. Was Sie mit noch „bis dahin einigermaßen erträglichen Weiter so“ beschreiben, halte ich -mit Verlaub- für eine moralische Ungehörigkeit gegenüber Ihren und meinen Nachkommen, die ich jetzt nicht heftiger charakterisieren möchte.

    „Es gibt keine Zauberformel, die uns die Entscheidung abnimmt.“

    A: Ich weiß nicht, wen Sie und auch andere immer mit jenem „Wir“ oder „Uns“ meinen. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen selbst ; sogar innerhalb dieses 3/4-Sozialismus. Und ich will gerade nicht, daß andere mir meine Entscheidungen über mein Leben abnehmen. Darin liegt m.E. ein Kern, der Sie von mir unterscheidet.
    Ich denke, der Markt, ließe man ihn denn, würde Ihre und meine Entscheidung abbilden.

    „Wir müssen sie im Diskurs suchen.“

    A: Nein, es gibt Dinge, die keinen Diskurs lohnen und die sich mittels Diskursen auch nicht lösen lassen. An diesem Punkt scheiden sich unsere Geister offensichtlich besonders deutlich. Sie dort in der m.E. keynesianischen Denkweise. Und ich im Barbarentum der Austrians. Da gibt es keine Brücke. Die Annahme, sie schlagen zu können, halte ich für einen der schlimmsten Fehler und Irrtümer einiger Neo-Liberaler, z.B. auch einiger der Freiburger Schule.

    „Leider ist es so, dass es keinen objektiven Diskurs gibt. Damit meine ich einen, der nur auf Basis von Sachverhalten und Argumenten geführt wird.“

    A: Das Bedauern teile ich. Nur werden doch auch hier bei bto Fakten geleugnet. Das T2-System bot gerade anschauliche Beispiele. Ein Diskurs selbst jedoch kann niemals objektiv sein; aber immerhin um Lauterkeit und Ehrlichkeit bemüht könnte er sein. Muß er aber nicht.

    „Die Mehrheit wird für Weiter so votieren, vor allem wenn sie von alten Menschen dominiert wird.“

    A: Keinerlei Widerspruch. Im Gegenteil, darauf bauen die Akteure der Neuen Weltordnung und schufen die Voraussetzungen dafür. Und das zeigt zudem, daß die AfD letztlich keine Bereinigungen der Kernprobleme wird herbeiführen können.

    „Das scheint evolutionär in uns zu liegen, ist aus Sicht der Alten auch rational, aber mit Blick in die Zukunft ein ziemliches sicheres Desaster.“

    A: Jein. Es ist zwar aus der Sicht derjenigen Alten, welche in die staatsabhängige Versorgung gedrängt wurden, rational, aber nicht an sich und nicht zwangsläufig im Sinne eines Evolutionsprozesses. Denn die Rahmenbedingungen wurden von der Politik erst künstlich geschaffen, sind gerade keine Ergebnisse von marktwirtschaftlicher Abläufe. Die Politik war es, welche Familien und deren evolutionäre Solidargemeinschaft mit Bedacht u.a. mittels Wohlfahrtsstaat und Fiat-Money zerstörte und die heutigen Verwerfungen erst schuf.

    „Soviel lässt sich wohl sagen, auch wenn man die Zukunft nicht so genau kennen kann.“

    A: Es läßt sich durchaus mehr sagen; gerade wenn man das Geschehen durch die Brille der Austrian School of Economics sieht. Aber an dieser Stelle sind wir dann wieder bei dem grundsätzlichen und fundamentalen Gegensatz in unserer Sicht.

    So, jetzt habe ich einige Zeit aufgewandt, um eine Antwort zu verfassen. Nehmen Sie es mir aber bitte nicht übel, daß ich damit keinen Diskurs beginnen will. Ich habe die Zeit dafür nicht und sehe auch keinen Sinn darin, da weder Sie mich noch ich Sie werde überzeugen können. Ich raffte mich nur deshalb auf; weil Ihre lange Antwort unter dem Gesichtspunkt der Höflichkeit eine Erwiderung angezeigt erschienen ließ.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ NoFiatMoney

      Ziemlich lange Antwort nur aus Höflichkeit:

      Ich kann mich nicht erinnern, dies jemals erlebt zu haben.

      Aber gut, ich respektiere Ihren Wunsch, antworte daher nicht Punkt auf Punkt und erwarte auch keine Antwort.

      Nur zwei kurze Bemerkungen, über die Sie auch unabhängig von den hier behandelten Themen nachdenken können:

      >Ich weiß nicht, wen Sie und auch andere immer mit jenem „Wir“ oder „Uns“ meinen.>

      Ich meine wie Sie INDIVIDUEN, die sich aber bewusst sind und anerkennen, dass sie nicht unabhängig von anderen in dieser Welt leben und daher ein „WIR/UNS“ von vorneherein als VORAUSSETZUNG einer jeden Begegnung, u. a. auch beim Diskurs, ansehen.

      Beachten Sie bitte: Ich sage Voraussetzung, nicht Macht, Institution, Staat etc., die von vornherein über uns Individuen bestimmen. Und ich sage Begegnung, meine damit nicht all unser Tun und Handeln und gestehe somit dem Individuum Freiräume zu, die unantastbar sind.

      Ich meine, dass wir uns bezüglich dieser Sichtweise NICHT unterscheiden KÖNNEN.

      >Was Sie mit noch „bis dahin einigermaßen erträglichen Weiter so“ beschreiben, halte ich -mit Verlaub- für eine moralische Ungehörigkeit gegenüber Ihren und meinen Nachkommen,…>

      Ich habe eine grundsätzlich lebensweltliche ALTERNATIVE aufgezeigt, ohne zu WERTEN, welche vorzuziehen ist.

      Wenn sie jenen, die für eine bestimmt votieren, UNMORAL vorwerfen, können Sie das natürlich tun.

      Ich gebe nur zu bedenken, dass Sie mit moralisch/unmoralisch ein SOLLEN ausdrücken, das nicht nur IHRE Präferenz widerspiegelt, sondern andere, die ihre nicht teilen, DISKREDITIEREN.

      Das ist das Verhalten gerade auch jener, die Sie kritisieren und hilft nicht weiter, weil es BESCHULDIGUNG ist, d. h. den Gegenstand der Diskussion verschiebt – weg von der Sache, hin zum Menschen, der wählen muss.

      Klar, an ihm bleibt’s hängen, sollte es auch, aber erst NACHDEM über die Alternativen und deren KONSEQENZEN diskutiert worden ist.

      Antworten
      • NoFiatMoney sagte:

        „Ich meine, dass wir uns bezüglich dieser Sichtweise NICHT unterscheiden KÖNNEN.“
        Das allein manifestiert ideologische Enge. Danke für die nicht mit Argumenten, sondern Versalien unterstrichene Klarstellung. Den Rest habe und werde ich -wie angekündigt, weder lesen noch kommentieren; ich Böser.

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