2019 platzt Angela Merkels Wohlstandsillusion

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager magazin online:

Das Zwischenhoch in der Eurozone hat den Höhepunkt überschritten, während es auch ohne Protektionismus schlecht steht um die exportabhängige deutsche Wirtschaft. Nun rächt sich, dass in den letzten zwölf Jahren auf Verteilen und Verwalten, statt auf das Sichern der Zukunft gesetzt wurde.

Die wirtschaftspolitische Bilanz der letzten zwölf Jahre ist ausgesprochen ernüchternd. Knapp zusammengefasst kann man sagen, dass es Ziel der deutschen Regierungen unter Angela Merkel gewesen ist, mit Umverteilen und finanziellen Wohltaten Zustimmung im Inland und relative Ruhe im Ausland zu erkaufen. Von Zukunftssicherung hingegen keine Spur.

Daran ändert sich auch mit der Neuauflage der geschrumpften Großen Koalition nichts. Im Gegenteil: Der Koalitionsvertrag ist ein lautes „Weiter-so!“, gepaart mit leichtfertigen und überflüssigen Versprechungen, die letztlich deutschen Wohlstand vernichten, sollten sie realisiert werden. Diese Zusicherungen der GroKo begünstigen ein französisches Modell von Europa, das auf Umverteilen und Schulden setzt, um das Projekt Euro noch eine Runde weiterzubekommen.

Thatcher hatte Recht

„The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money“, bemerkte Margaret Thatcher schon in den 1970er-Jahren. Das Gleiche gilt für die im Kern sozialistische Politik der Bundesregierungen unter Führung von Angela Merkel. Noch nie hat der Staat so hohe Steuereinnahmen gehabt wie heute, hat uns Bürgern also so viel Geld abgenommen. Wohl noch nie mussten wir im Gegenzug erleben, wie Infrastruktur und Schulen verfallen, die innere Sicherheit in weiten Bereichen nicht mehr gesichert ist und die Bundeswehr eine Lachnummer ist. Sogar die Schweiz dürfte über mehr funktionsfähige Hubschrauber und Kampfpanzer verfügen als Deutschland.

Stattdessen wurden die Reformen der Regierung Schröder aufgeweicht, die Zahlungen für Rentner erhöht, der Mindestlohn mit einem wahren Feuerwerk an Bürokratie eingeführt und eine Migrationspolitik betrieben, die direkt in den Sozialstaat führt, statt die Grundlage für künftige Beschäftigung zu legen.

Noch wird dies alles verdeckt durch eine einzigartige Kombination an makroökonomischen Faktoren: den tiefen Zinsen, dem schwachen Euro und der ungebrochenen Nachfrage nach Autos und Maschinen aus Deutschland. Ein einzigartiger Glücksfall für die Kanzlerin, die es nur dieser Scheinblüte verdankt, immer noch im Amt zu sein.

Doch spätestens 2019 dürfte die Wohlstandsillusion platzen. Die Kombination aus Italien, Brexit und Donald Trump dürfte sich als toxisch für die deutsche Wirtschaft und damit auch für die neue Bundesregierung erweisen.

Italien beendet die Euro-Rettungs-Illusion

Es ist immer wieder faszinierend, wie entspannt die Politik auf die Veränderungen in Europa reagiert. Da wurde, wie von allen erwartet, in Italien der Protest gewählt und es ändert nichts. Dass an den Finanzmärkten nichts passiert, ist dabei nicht mal so verwunderlich. Wissen doch alle Teilnehmer, dass die EZB schon jetzt der größte Käufer von italienischen Staatsanleihen ist und solange Mario Draghi im Amt ist, wird sich daran auch nichts ändern. Zum anderen hat ja die neue deutsche Regierung schon vor Beginn der Verhandlungen zugesagt, mehr Geld zu geben.

Also aus Sicht der Italiener eine einfache Sache: Sie können sich über die Defizitgrenzen hinwegsetzen und ihre Wahlversprechen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen und sich dafür weiter verschulden. Wer sollte sie davon abhalten? Aus dem Euro und der EU wird man das Land nicht werfen. Im Gegenteil: Das Land kann mit der Einführung einer Parallelwährung drohen die Pläne dafür liegen vor -, um noch mehr Zugeständnisse der Partner also von uns Deutschen zu erpressen.

Erpressen ist dabei das Stichwort. Italien schuldet bereits mehr als 430 Milliarden Euro im Rahmen des Target2-Systems. Gläubiger dieser 430 Milliarden sind vor allem wir Deutschen als „Aktionäre“ der Bundesbank. Insgesamt hat die Bundesbank rund 900 Milliarden Euro an Target2-Forderungen, also rund 11.000 Euro pro Kopf der hier lebenden Bevölkerung. 5000 Euro davon gehen also als zins- und tilgungsfreier Kredit von jedem Deutschen an Italien und das auch noch ohne Sicherheit.

Wie heißt doch der Witz so schön: „Wenn man eine Million Schulden hat, hat man ein Problem. Wenn man 100 Millionen Schulden hat, hat die Bank ein Problem.“ Wir Deutsche haben ein massives Problem in der Eurozone und die Regierungen Merkel haben das einfach ausgesessen. Gerade die konsequente Weigerung der deutschen Regierungen, die Grundprobleme der Eurozone – Überschuldung und fehlende Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder – anzugehen, wird uns so teuer auf die Füße fallen.

In den nächsten zwölf Monaten wird uns die Rechnung präsentiert werden und die große Täuschung der Illusionisten aus Berlin fliegt auf: Die Eurokrise wird, statt bewältigt zu werden, lautstark fortgesetzt.

Brexit trifft unsere Wirtschaft massiv

Während die Medien bei uns immer den Schaden des Brexit-Votums für die Briten in den Vordergrund stellen, sollten wir uns viel mehr fragen, was die Folgen für uns sind. Ich bleibe bei meiner an dieser Stelle schon früher geäußerten Auffassung, dass der Brexit für Deutschland ein politisches Desaster ist, weil uns ein marktwirtschaftlicher Verbündeter in Europa verloren geht. Großbritannien jedoch hat die Chance, die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft zu legen, und zwar dank herausragender Universitäten und Schulen und der Möglichkeit, Migration nach eigenen Interessen zu steuern, statt sie wie bei uns einfach „geschehen zu lassen“.

Selbst wenn es nun scheint, dass der „harte Brexit“, wie von der EU-Kommission im Sinne einer Abschreckungs- und Strafaktion gewünscht, nicht kommen wird, sind die Risiken erheblich. Nur mit den USA erzielen wir im Außenhandel einen größeren Überschuss als mit Großbritannien. Fällt dieser weg, wird sich das schnell und deutlich in der hiesigen Wirtschaft bemerkbar machen. Umso erstaunlicher, wie deutsche Politiker den harten Kurs Brüssels unterstützen. Ein weiteres Beispiel für eine Hybris, die die eigene Verwundbarkeit leugnet.

Trump kann den Handelskrieg gewinnen

Donald Trump hat recht. Man kann einen Handelskrieg gewinnen. Natürlich stimmt es, dass es der Welt besser geht, wenn es keinen Protektionismus gibt. Aber wenn jemand einen Handelskrieg verliert, dann sind es die Länder mit den größten Überschüssen. Womit wir wieder bei Deutschland wären.

Schon vor über einem Jahr habe ich an dieser Stelle angemahnt, dass wir unsere Wirtschaftspolitik im eigenen Interesse anpassen müssen. Die Überschüsse, die wir erzielen,

  • verdanken wir zu einem guten Teil dem künstlich schwachen Euro, während die Produktivitätszuwächse als eigentlicher Indikator unserer Wettbewerbsfähigkeit seit Jahren rückläufig sind;
  • führen zu einem Kaufkraftentzug in anderen Ländern, weshalb es nur eine Frage der Zeit war, bis es zu stärkeren Gegenmaßnahmen kommt;
  • sind verbunden mit einem Export unserer Ersparnisse in das Ausland, was in einer überschuldeten Welt keine gute Idee ist. Wir legen unser Geld im Ausland sehr schlecht an; die Target2-Forderungen sind nur das drastischste Beispiel für diese verfehlte Politik.

Nichts ist passiert. Ökonomen und Politiker schwafeln lieber von der Überlegenheit deutscher Produkte, was sicherlich stimmt, aber ohne einen impliziten Währungsvorteil von über 20 Prozent deutlich anders aussähe. Und sie leugnen, dass es möglich wäre, an diesem Zustand etwas zu ändern.

Dabei wäre ein Programm nicht nur denkbar, sondern auch in unserem eigenen Interesse:

  • mehr staatliche Investitionen in Deutschland, vor allem in klassische und digitale Infrastruktur und Bildung aber auch in innere und äußere Sicherheit;
  • Umstellen der Besteuerung der Unternehmen, um Investitionen, Forschung und Entwicklung in Deutschland zu fördern, zum Beispiel im Bereich von Robotern und Automatisierung;
  • Senken der Abgabenlast für kleinere und mittlere Einkommen über eine Reduktion der Sozialbeiträge – gerade diese Einkommensgruppen geben am ehesten das zusätzliche Geld aus;
  • Gründen eines Staatsfonds nach dem Muster von Norwegen oder Singapur, um unser Auslandsvermögen endlich besser anzulegen;
  • wirkliches Sanieren der Eurozone durch einen umfangreichen Schuldenschnitt und eine Neuordnung der Mitgliedsländer, da nur so einige der Krisenländer überhaupt wettbewerbsfähig werden können.

Stattdessen werden wir es wohl auf die harte Tour erleben. Der Brüsseler Thinktank Bruegel hat einmal durchgerechnet, wie sich ein Importzoll von 35 Prozent auf europäische Autos auf die hiesige Industrie auswirken würde. Wenig überraschend würde es die deutsche Automobilindustrie massiv treffen. Bis zu 17 Milliarden Exportumsatz wären demnach gefährdet.

Noch hat die US-Regierung ihre Drohung gegen Deutschland nicht wahr gemacht. Stattdessen ist China (zu Recht!) im Fokus der amerikanischen Maßnahmen. Bleibt es jedoch bei den erheblichen deutschen Überschüssen, ist es nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis es auch zu Beschränkungen deutscher Exporte kommt. Die Freude in Berlin über den „Verhandlungserfolg“ des Wirtschaftsministers dürfte von kurzer Dauer sein.

Konjunkturabsturz und neue Eurokrise

Damit deutet sich ein gefährliches Szenario an: Die Eurokrise bricht zu einem Zeitpunkt wieder auf, in dem die deutsche Wirtschaft in eine Rezession stürzt, ausgelöst durch den teilweisen Wegfall zweier großer Exportmärkte. Ganz Europa rutscht in eine Rezession, was wiederum die Divergenzen im Euro noch deutlicher zutage treten lässt. Die EZB wird noch massiver intervenieren, um das Konstrukt vor dem Einbruch zu bewahren, damit aber weitere protektionistische Maßnahmen heraufbeschwören, weil nicht nur die USA darin einen erneuten Versuch sehen, über die Abschwächung des Euro einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

Über Nacht werden wir aus der Wohlstandsillusion erwachen. Wir werden erkennen, dass wir unseren konjunkturellen Aufschwung selbst finanziert haben und dabei in erheblichem Maße Forderungen aufgebaut haben, die nicht werthaltig sind. Es wird schlagartig sichtbar, dass wir nicht in der Lage sind, ganz Europa zu finanzieren. Und es wird klar, dass unsere Politik die guten Jahre nicht dafür genutzt hat, vorzusorgen, sondern unsere Lasten so zu erhöhen, dass uns der nächste Abschwung umso brutaler trifft.

Der Illusionskünstlerin im Kanzleramt mag noch der eine oder andere Trick gelingen. Doch auch bei ihr gilt der Grundsatz, den schon Abraham Lincoln prägte: „You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time.” Die Zeit läuft aus.

manager-magazin.de: „Merkels Wohlstands-Illusion platzt 2019“, 28. März 2018

38 Kommentare
  1. Hansjörg Pfister sagte:

    Ich bin zwar ökonomischer Laie, doch habe ich mir ein relativ gutes Bauchgefühl zugelegt. Deswegen habe ich vor einigen Wochen schon den größten Teil meiner Aktien verkauft und den MDax geshortet. Was ich mir jetzt noch überlege ist, den Eurostoxx 600 oder den Dax zu shorten und meine Fremdwährungspositionen auszubauen, insbesondere den SGD habe ich dabei im Auge. Mir geht es dabei in erster Linie darum die Vermögensverluste, die jeder von uns wohl langfristig zu erleiden hat, für mich etwas erträglicher zu machen. Immerhin bin ich als jahrzehntelang Selbstständiger auf mein bescheidenes Vermögen als Alterversorge angewiesen.

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      • Gregor_H sagte:

        Wikipedia schreibt:
        „Der Singapur-Dollar ist eine frei gehandelte Währung, die über einen Warenkorb mit anderen Währungen durch die Behörde Monetary Authority of Singapore überwacht wird.“

        M.W.n. sind ausländische Devisenreserven die einzige Basis, auf dem der Wert des SGD beruht.

        Singapur hat keine Bodenschätze. Seine Wirtschaft bekommt jedesmal eine „mittlere bis schwere Erkältung“ wenn es zu einer weltweiten Wirtschaftskrise kommt. Jedesmal verliert dann der SGD an Wert (zum EUR, zum USD), u.a. auch massiv.

        Ich glaube nicht, daß der SGD einen sicheren Hafen darstellt. Auch wenn Dr. Stelter in schon ein paar Mal empfohlen hat.

        Falls mitlesende Foristen meine Ausführungen korrigieren wollen, bin ich ganz Ohr.

    • Carsten Pabst sagte:

      Hallo Herr Pfister, Hallo Gregor_H,
      auch ich halte von dem SGD wenig und zwar aus folgenden Gründen:
      Geopolitische Spannungen im Pazifik zwischen China auf der einen und Japan, Phillipinen, Vietnam und den USA auf der anderen Seite. Kapital ist ein flüchtiges Reh und bei einer Krise sehr schnell aus dem asiatischen Raum ins andere Revier gewechselt. Siehe Island und die baltischen Staaten in der Finanzkrise 2008 (In der wir uns weiterhin befinden). Außerdem hat Singapur eine Staatsverschuldung von ca. 110% des BIPs. Somit halte ich den SGD für nicht empfehlenswert. Wenn ich das scheue Reh wäre, würde ich mir die Weiden und Wälder Norwegens, Kanadas, der USA, der Schweiz und Australien aussuchen. Die USA, Kanada, Schweiz und Australien haben übrigens auch sehr gute Münzprägeanstalten. Denn auch Fremdwährungen bestehen halt aus Papier und Baumwolle.
      Freundliche Grüße
      Carsten Pabst

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      • Hansjörg Pfister sagte:

        @Herr Probst, Herr Gregor_H,
        vielen Dank für Ihre Hinweise. Ich lasse das mal lieber mit dem SGD. Ich habe mir vor dem Ölpreisverfall eine größere Position NOK in norwegischen Staatsanleihen aufgebaut, dann kam derselbige, was dem Kurs der Anleihen nicht gut getan hat. Man steckt halt nicht drin. Zu Australien meint mein Bruder, der Ökonom ist und eine Zeit lang in Australien gelebt hat, dass die Aussis im Prinzip davon leben ihre Bodenschätze an die Chinesen zu verhökern. Das erscheint mir, falls es stimmt, auch keine nachhaltige Volkswirtschaft zu sein. Aber ich kenne mich damit zu wenig aus, nicht meine Baustelle. Die Kiwi-Nation ist wohl auch ziemlich mit den Aussis verbandelt.

      • Gregor_H sagte:

        @Pfister & @Pabst
        Nachdem Hr. Stelter, m.E. vollkommen richtig, immer wieder die diversifizierte Anlage des eigenen Vermögens betont, fände ich es gut, die von Herrn Pfister angestoßene Diskussion über eine Anlage in zu EUR alternative Währungen fortzuführen. Diese „diversifizierenden“ Währungen müßten sich m.E. negativ korreliert zum EUR verhalten.

  2. MSt sagte:

    >Mehr sttatliche Investitionen in Deutschland, vor allem in klassische und digitale Infrastruktur und Bildung, aber auch in innere und äussere Sicherheit> Bei den ersten 3 Punkten kan ich folgen. Bei äusserer Sicherheit ist mir nicht klar, wie mehr Kampfhubschrauber und Panzer zur Zukunftsicherung beitragen. Gegen wen wollen wir diesmal Kriege führen, um unsere Zukunft zu sichern? Ausserdem hat doch die Groko doch vereinbart, Ausgaben für Bundeswehr zu erhöhen.

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    • Hansjörg Pfister sagte:

      Es geht nicht darum Krieg zu führen.Krieg ist zwar heute – gottseidank – zumindest in unserer Kultur keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln mehr, aber Rüstungspolitik schon. Z.B. müssen wir Trump weniger Zugeständnisse machen, können selbstbewußter auftreten usw. wenn wir unseren Bündnisverpflichtungen diesbezüglich nachkommen, d.h. wenn wir eine kampffähige Bundeswehr haben. Das Gleiche gilt auch gegenüber Putin. Was schreckt Putin davon ab z.B. die baltischen Staaten zu überfallen, wie er es mit der Ostukraine und der Krim getan hat? Das Schutzversprechen der USA ist diesbezüglich weniger wert als eigene schlagkräftige Kampfverbände. Mit ihrer Argumentation könnte man die Bundeswehr auch gleich ganz abschaffen. Das ist allerdings keine gute Idee. Die Welt ist immer noch ein sehr gewaltätiger Ort und unsere (noch) heile Welt hier verführt viele zu so einer Art Wohlbefindensdekadenz. Ich bin sehr für Wohlstand, Wohlbefinden und Gewaltlosigkeit, aber man darf nicht leugnen was diese Dinge zur Bedingung haben, nämlich Abschreckung und dazu braucht es Gewaltbereitschaft und die adäquaten Mittel dazu.

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      • Hans sagte:

        „Was schreckt Putin davon ab z.B. die baltischen Staaten zu überfallen, wie er es mit der Ostukraine und der Krim getan hat?“
        Sie sind leider Opfer der westlichen Propaganda geworden. Hätte sich der Westen nicht Russlands Grenzen genähert, wäre nicht der gewählte russlandfreundliche ukrainische Präsident im Februar 2013 mittels westlicher Hilfe per Putsch gestürzt worden, hätte es obige Probleme nicht gegeben. Es hätte die Krim weiter an Russland verpachtet werden können. Nur der Westen war interessiert, Zwist zwischen Russland und seinen Nachbarn zu säen. Also das Beispiel Krim und die Ostukraine zieht nicht. Und warum sollte Russland wegen des Baltikum Krieg riskieren?

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Hans

        >Nur der Westen war interessiert, Zwist zwischen Russland und seinen Nachbarn zu säen.>

        Das ist nicht richtig – seien Sie vorsichtig, nicht auch Opfer irgendwelcher Propaganda zu werden.

        Richtig begründend stellt sich die Entwicklung so dar:

        Der Westen, aber nicht nur der, braucht immer GRÖSSERE Märkte, um wirtschaftlich Skaleneffekte zu erzielen, d. h günstiger produzieren und verkaufen zu können.

        DESHALB der Versuch, die Ukraine anzubinden.

        Die FOLGE – und das ist entscheidend für die richtige Analyse – wäre ein WOHLSTANDSBEDROHUNG Russlands mit der Gefahr, das Land zu DESTABILISIEREN.

        Putin hat nämlich eine prägende Erfahrung gemacht als er in Dresden stationiert war:

        Der überlegene WESTDEUTSCHE Wohlstand hat letztlich die DDR destabilisiert.

        Ein Mann wie er braucht keine Nachhilfe, um die RICHTIGE Schlussfolgerung für den Fall zu ziehen, dass die Russen in der Ukraine einen deutlich höheren Wohlstand wahrnehmen könnten.

        Verständlich, dass er deshalb die Ukraine destabilisieren will.

      • Hans sagte:

        @Herr Tischer
        „Verständlich, dass er deshalb die Ukraine destabilisieren will.“ – Wer freut sich schon über instabile Nachbarn? Erhielt die Ukraine nicht einst Vorzugspreise für Öl und Gas? Nein, der Gegner Russland als unabhängige Macht, die noch dazu seit Putin die eigenen Bodenschätze für die eigenen Bedürfnisse einsetzt, soll geschwächt werden, indem potentielle oder tatsächliche Verbündete möglichst „umgedreht“ bzw. wenigstens destabilisiert werden.
        Die Ukraine wurde schon vom Geostrategen Brzezinski (Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft; siehe http://tazelwurm.de/wp-content/uploads/2015/02/Die-einzige-Weltmacht.pdf) als Schlüsselland identifiziert. Dem Westen ist es zu teuer, dem Land zu Wohlstand zu verhelfen. Eher soll es in Konflikte mit seinem großen Bruder getrieben werden.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Hansjörg Pfister

        Hier noch eine These:

        Eine andere ÄUSSERE Bedrohung ist der religiös-kulturelle Fanatismus.

        Deshalb, glaube ich, hat Russland auch gegen den IS gekämpft.

        Es hätte bedrohlich für Russland werden können, wenn russisch-islamische Ethnien durch den IS „aktivierte“ worden wären. Hier Befürchtungen, dass das Thema noch nicht durch ist:

        https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2013/09/12/russland-islamisierung-bis-ende-des-21-jahrhunderts-befuerchtet/

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Hans

        >Dem Westen ist es zu teuer, dem Land zu Wohlstand zu verhelfen.>

        Was ist denn das für eine Idee?

        Der Westen will niemandem zu Wohlstand verhelfen.

        Der Westen will Geschäfte machen und wenn DABEI jemand zu Wohlstand kommt, um die Waren und Dienstleistungen aus dem Westen zu kaufen, dann hat er nichts dagegen.

        Das gilt auch für die Beziehungen des Westens untereinander und für die zu China, Japan und auch Russland.

        Deshalb hat der Westen auch in Russland investiert und mit Russland gehandelt.

        Deshalb hat der Westen versucht und versucht es immer noch, in der Ukraine Geschäfte zu machen.

        Niemand will jemand schwächen, insbesondere einen großen Staat wie Russland nicht, indem er dessen potenziellen oder tatsächlichen Verbündeten schwächt.

        Das kostet Geld und zahlt sich noch nicht einmal aus.

        Ihre Zinnsoldaten-Logik macht keinen Sinn und passt nicht zur Wirklichkeit.

    • MSt sagte:

      @Hansjörg Pfister. Ihre Argumentation kann man wie folgt zusammenfassen: Russland bedroht Baltikum ( Prämisse 1). Die Bedrohung besteht, weil unsere militärische Abschreckung (Panzer, Hubschrauber etc.) zu schwach ist. Wäre die Abschreckung grösser, würde Russland Baltikum nicht mehr bedrohen (Prämisse 2). Konklusion: wir müssen die Abschreckung erhöhen, um die russische Bedrohung einzudämmen. Zur Prämisse 1 möchte ich mich hier nicht äussern, das würde die Diskussion ins Grundsätzliche ziehen. Die Prämisse 2 ist einfacher, weil offensichtlich an Haaren herbeigezogen. Die Militärausgaben Russlands sind heute schon ein Bruchteil des Militärbudgets der Nato Staaten. Wenn also die 10-fache Überlegenheit nicht hilft, woher wissen wir, dass eine 15- oder 20-fache Überlegenheit helfen wird? Ich sehe da nur 2 Optionen: (1) Die Bedrohung durch Russland existiert nur in Medien-Berichterstattung oder (2) es kommt nicht auf die Höhe der Militärausgaben an, sondern darauf, wie smart man diese einsetzt. In beiden Fällen sieht die Grundlage für mehr Rüstungsausgaben schwach aus.

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      • Hansjörg Pfister sagte:

        Sie haben mich nicht verstanden. Es kommt nicht darauf an wer wen real bedroht, es kommt darauf an wer sich von wem bedroht fühlt. Der Bedrohte reagiert mit einer Appeasementpolitik, wenn er glaubt der Bedrohung im Ernstfall nicht standhalten zu können. Ferner besteht das spezielle Problem darin, dass Putin die baltischen Staaten überrennen kann bevor die nötigen Truppen, Ausrüstung usw. über den Atlantik herbeigeschafft wären. Die Psychologie ist so: Wären die USA bereit wegen der baltischen Saaten einen großen Krieg vom Zaum zu brechen? Daran bestehen berechtigte Zweifel. Wären wir bereit – so wir es denn könnten – die baltischen Staaten zu verteidigen? Auch daran bestehen berechtigte Zweifel. Aber der Gegner, also Putin, hätte es im Falle starker europäischer Armeen mit zwei Unwägbarkeiten zu tun und nicht nur mit einer. Außerdem wären europäische Truppen zumindest theoretisch schon in der ersten Phase vor Ort. Ein Angreifer braucht, so weit ich weiß, die dreifache Überlegenheit gegenüber dem Verteidiger um einigermaßen sicher zu sein, auch zu gewinnen. Hat Putin erstmal die baltischen Staaten unter Kontrolle, sind militärisch gesehen die anderen die Angreifer und nicht mehr er. Ich möchte aber betonen, dass es mir hier nicht um Kriegsrethorik geht, sondern um politische Psychologie. Nach dem zweiten Weltkrieg führen die großen Blöcke nur noch Stellvertreterkriege, ansonsten betreiben sie Rüstungs- und Militärpolitik als Mittel der Außenpolitik.

    • Dietmar Tischer sagte:

      @ MSt + Jens

      Aufwachen!

      Auslandseinsätze sind NOTWENDIG, um die innere Sicherheit zu gewährleisten.

      Oder haben Sie noch nichts davon gehört, dass in Afrika eine Lawine losgetreten wird, die geradewegs auf Europa zurollt?

      Wir müssen die Menschen, die zu uns wollen aufhalten.

      Das wird friedlich in Nordafrika durch Unterstützung der dortigen Pufferstaaten geschehen und militärisch im Mittelmeer.

      Das klingt nicht schön und ich schreibe das nicht gern.

      Aber so ist nun einmal die Wirklichkeit.

      Antworten
      • MSt sagte:

        Denken wir doch daran, wie und von wem die Lawine losgetreten wurde. Am Anfang stand der NATO-Einsatz in Lybien. Dann wurde Gaddhafi ermordet. Dann zerfiel der lybische Staat und Schleuserbanden bekamen die Möglichkeit sich zu entfalten. Jetzt hoffen wir durch mehr Militäreinsätze andere Ergebnisse zu erzielen?

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ MSt

        Das ist falsch.

        Die Lawine wird durch den hohen BEVÖLERUNGSZWACH losgetreten und sie rollt auf Europa und speziell Deutschland zu, weil wir WOHLHABEND sind.

        Lybien ist ein spezielles Thema, was die Abwehr der Flüchtlinge natürlich nicht einfacher macht.

      • ikkyu sagte:

        Lybien gibt es nicht!

        Deswegen ein Zitat zu Libyen:

        Anna Bono:
        „Die Welle begann, als Gaddafi Macht verlor.
        Gaddafi hielt laut dem Abkommen mit Italien von 2008 die libysche Küste effektiv unter Kontrolle und verhinderte Migranten aus anderen afrikanischen Ländern ins Meer aufzubrechen.
        Vor dem Sturz Gaddafis war die Zahl der Afrikaner, die nach Italien kamen, gering; sie waren auch nicht so gut organisiert wie heute.
        Europäern ist daran zu erinnern, dass Libyen vor 2011 ein relativ reiches und stabiles Land war, in dem etwa eine Million Gastarbeiter aus Schwarzafrika lebten.
        Mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges, kehrten manche von ihnen nach Hause zurück, die meisten beschlossen doch nach Italien zu kommen.“

        @MSt

        Sie sehen das schon richtig!

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        Geschenkt, dass es Libyen und nicht Lybien heißen muss und geschenkt ebenfalls, was diese Anna Bono schreibt, nämlich, dass zu Gaddafis Zeiten etwa eine Million Gastarbeiter in Libyen lebten.

        Der Punkt ist:

        Es EXISTIERT eine Lawine, die aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums und der unterentwickelten Wirtschaft in Afrika losgetreten wird und auf Europa zurollt. Aufgrund der hohen Geburtenrate in Afrika wird sie nach Meinung von Fachleuten gigantisch anwachsen.

        Sie war zu Gaddafis Zeiten wohl geringer als heute, rollte aber auch damals schon auf Europa zu, ohne es zu erreichen

        Insofern ist falsch, was MSt sagt:

        > Am Anfang stand der NATO-Einsatz in Lybien>

        Es ist falsch mit Blick auf die Lawine, auch wenn es richtig ist, dass sie Europa nicht erreicht hatte.

        Klar, es gibt kein stabiles Libyen und Schlepperbanden, wodurch es einfacher erscheint, Europa zu erreichen. Klar auch, dass DADURCH die Lawine, die auf Europa zurollt größer ist.

        Konsequenz:

        Entweder geben wir viel Geld aus, um den gesamten nordafrikanischen Raum als Bollwerk wie zu Gaddafis Zeiten zu stabilisieren – was möglicherweise auch östlich und westlich von Libyen nicht dauerhaft erfolgreich sein würde – oder wir geben viel Geld dafür aus, dass die Lawine auf dem Mittelmeer gestoppt wird. Ich halte es jedenfalls für aussichtslos, in Afrika dafür zu sorgen, dass sie überhaupt entsteht.

        @ MSt:

        >Jetzt hoffen wir durch mehr Militäreinsätze andere Ergebnisse zu erzielen?>

        Offensichtlich hoffen wir darauf.

        Oder wollen Sie darauf hoffen, dass jetzt ANDERE, über die wir keine Kontrolle haben, die Lawine stoppen werden? Ich verweise auf das Theater mit der Türkei, damit die syrischen Kriegsflüchtlinge nicht zu uns kommen.

        Einige nordafrikanische Länder schicken uns doch schon HEUTE ihre EIGENEN arbeitslosen jungen Männer.

      • ikkyu sagte:

        @D. Tischer

        Aber zur Sicherung der Grenzen müssen Sie im Notfall ja Waffen einsetzen.
        Als das mal eine Politikerin der AfD erwähnte, wurde sie von den etablierten Parteien und den deutschen Medien ans Kreuz genagelt.

        Man muß also erst einmal diese Realitätsverweigerung und Heuchelei in der veröffentlichten und öffentlichen Meinung aufgeben.
        Am derzeit gezeigten Wahlverhalten kann man diesen notwendigen Gesinnungswandel leider nicht erkennen, so dass die Situation erst eskalieren muß und wird.

        Wahrscheinlich hat Frau Dr. Merkel deswegen auch die Strategie entwickelt, vorrangig die Fluchtursachen – nämlich unseren Wohlstand und das daraus gespeiste deutsche Sozialsystem – zu bekämpfen.
        So ergäbe ihre Politik auch einen Sinn.

        Und ich denke mittlerweile: Sie schafft das!

        PS:
        In Bayern soll eine 1000 Mann starke Landesgrenzschutz-Truppe aufgebaut werden. Die notwendigen Strukturen für eine eventuell notwendige Abspaltung von Berlin werden also schon vorbereitet. :-)

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        > Aber zur Sicherung der Grenzen müssen Sie im Notfall ja Waffen einsetzen.>

        Ja, das wäre so – im NOTFALL (im wahren Leben: in dem Fall, der als Notfall angesehen wird, aber möglicherweise nicht wirklich einer ist)

        Genau das macht Trump, wenn er die Nationalgarde zum „Schutz“ der mexikanischen Grenze einsetzen will.

        >Man muß also erst einmal diese Realitätsverweigerung und Heuchelei in der veröffentlichten und öffentlichen Meinung aufgeben.>

        Richtig. Das schreitet fort.

        >Am derzeit gezeigten Wahlverhalten kann man diesen notwendigen Gesinnungswandel leider nicht erkennen, so dass die Situation erst eskalieren muß und wird.>

        Doch, man kann erkennen, dass er eingesetzt hat.

        Selbst aus der CDU kommen jetzt ganz andere Töne als vor der Wahl.

        Spahn z. B. fordert zum Schutz der EU-Außengrenzen eine MASSIVE Personalverstärkung der Grenzschutzbehörde Frontex, hier:

        http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_83498030/cdu-gesundheitsminister-jens-spahn-will-eu-grenzschutz-massiv-ausweiten-.html

        Merkel hat längst nicht mehr das Heft allein in der Hand.

  3. Jacques sagte:

    Man kann nicht prognostizieren das genau 2019 Europa in eine Rezession stürzt.
    Der Zyklus in Europa sieht weiterhin gut aus. Das Problem konjunkturtechnisch sind eher die USA mit Zinssteigerungen und einer Steuerreform welche die Überhitzung anfeuern könnte. Dies sollte aber auch in 2019 noch kein Problem sein.
    Eine Rezession in 2019 müsste schon durch einen unvorhersehbaren externen Schock verursacht werden, wie China oder eine italienische Bankenkrise. Dies ist aber eben unmöglich festzumachen.
    Vllt gibt es auch doch ein Überraschungsbündnis in Italien, das eine Parallelwährung einführt, einfach weil es nicht mehr anders funktioniert…Da helfen auch keine Transfers aus dem Norden, wenn die Jugendarbeitslosigkeit nicht abnimmt.

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @Jacques: sehe ich ähnlich. Ein exakte Rezessionsterminierung ist sehr schwierig. Entscheidend wird m.E. sein, wie es nach Draghi bzw. nach 2019 mit der Geldpolitik der EZB weitergeht, falls nicht vorher ein externer Schock kommt. Ich gebe Herrn Dr. Stelter zwar mit seiner Analyse recht, sehe aber eine Krise auch als Chance, denn sonst stauen sich die Probleme noch viel stärker auf. So würden wenigstens mal viele unserer Schlafmützen in Deutschland aufwachen (müssen).

      Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Jacques + Wolfgang Selig

      Das erkennbar wohl größte Problem und damit ein, wenn nicht der Schockauslöser sind die USA:

      Zum einen wird die US-Regierung ab Oktober jährlich etwa 1,2 BILLIONEN Dollar neue Schulden aufnehmen.

      Zu diesem an sich schon gigantischen Angebot an US-Staatsanleihen kommt wohl ab Oktober jährlich der Verkauf von etwa 600 MILLIARDEN. Dollar der Fed aus deren Anleihen-Portfolio – das ist die andere Seite von QE, die jetzt wirksam wird.

      In der Summe ist das etwa ein ZUSÄTZLICHES Angebot von 1,8 BILLIONEN Dollar, das Käufer suchen wird.

      Das ist aberwitzig.

      Denn dieses Angebot wird Käufer nur zu DEUTLICH höheren Zinsen finden.

      Das sagt David Stockman, ehemals Budget-Direktor unter Reagan. Hier:

      https://www.cnbc.com/video/2018/02/27/david-stockman-market-crash-will-be-a-doozy.html

      Das bedeutet für die übrige Welt und damit auch für Europa und die Eurozone:

      Auch da MÜSSEN die Zinsen steigen.

      Wenn nicht, werden die sich relativ zu USA weniger gut rentierenden Anleihen nicht gekauft.

      Das ist unser PROBLEM, weil Eurozone und EZB können NICHT verhindern, was in USA geschieht.

      Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Nachtrag:

      Die chinesische Regierung hat gerade gedroht – durch Blume, aber dennoch zielgenau interpretierbar –, nicht mehr amerikanische Regierungsanleihen zu kaufen und, weiter gedacht, evtl. auch welche aus ihrem Besitz zu verkaufen.

      Wenn so, dann sind wir locker bei über 2 Billionen Dollar, die ZUSÄTZLICH im Markt untergebracht werden müssten.

      Fazit:

      Trump kann vielleicht den Krieg gewinnen, weil die USA stark sind.

      Aber sie sind nicht so stark, dass sie am Ende nicht gewaltig draufzahlen müssten und VIEL verloren haben.

      Antworten
  4. Axel sagte:

    Das Einzig Gute an einer Rezession 2019 wäre: Die Kanzlerin bekäme die Quittung für ihren Politikstil, verwalten statt zu regieren, noch selbst präsentiert und könnte die Konsequenzen ihres (Nicht) Handelns nicht auf eine Nachfolgeregierung abwälzen.
    Um zu vermeiden, als Verantwortliche für den Abstieg Deutschlands gebrandmarkt zu werden, wird sie aber vermutlich in ihrem Überlebenskampf zu drastischsten Mitteln (Umverteilung, Abgabenerhöhungen, Rechtspopulisten verantwortlich machen…) greifen. Man wird sehen.
    Vielleicht hat das ja aber auch Alles einen reinigenden Effekt auf die Bevölkerung, indem bei den Wahlen dann endlich mal der eigene Verstand gebraucht und hinter die Kulissen der phrasendreschenden Parteiideologen und Beschwichtigungsfloskeln geschaut wird.
    Während anderswo allerdings eine Empörungs-, bzw. eine gesunde Selbstbehauptungskultur herrscht, bin ich beim deutschen Untertanengeist eher skeptisch, daß sich hier mal eine Kultur der Vernunft und Autonomität das Denkens, statt von feigen obrigkeitshörigem Handeln geprägtes Verhalten den Weg in die breite Masse der Gesellschaft bahnt…..

    Antworten
  5. Märchen - Euro sagte:

    Man müßte eben wieder zu eigenen Währungen zurückkehren.

    Dann wäre Südeuropa rasch wieder wettbewerbsfähig und die Staatsschulden zu festgeschriebenen Niedrigzinsen entsprechend dem Verfall der südeuropäischen Währungen bald keine Last mehr.

    Die unselige Einheitswährung Euro schadet und spaltet Europa nur.

    Der Bonus durch die Euro – Konvergenzphantasie ab 1995 ist schon lange verfrühstückt…

    Man erinnere sich:

    Was kostet uns der Euro?
    a) Muß Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen?

    Ein ganz klares Nein !!!
    Der Maastrichter- Vertrag verbietet ausdrücklich, daß die Eurpäische Union oder die anderen EU- Partner für die Schulden eines Mitgliedstaates haften.
    Mit den Stabilitätskriterien des Vertrages und dem Stabilitätspakt wird von vornherein sichergestellt, daß die Nettoneuverschuldung auf unter 3% des Bruttoinlandsprodukts begrenzt wird .Die Euro-Teilnehmerstaaten werden daher auf Dauer ohne Probleme ihren Schuldendienst leisten können. Eine Überschuldung eines Euro-Teilnehmerstaats kann daher von vornherein ausgeschlossen werden.

    http://www.kas.de/wf/doc/kas_21866-1290-1-30_220.jpg?111228101151

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  6. Dietmar Tischer sagte:

    Was 2019 passiert, wissen wir nicht und daher wäre ich vorsichtig damit, was 2019 platzt. Aber gut, etwas Provokation muss wohl sein.

    Zur Innenpolitik:

    >Die wirtschaftspolitische Bilanz der letzten 12 Jahre ist ausgesprochen ernüchternd. Knapp zusammengefasst kann man sagen, dass es Ziel der deutschen Regierungen unter Angela Merkel gewesen ist, mit Umverteilen und finanziellen Wohltaten Zustimmung im Inland und relative Ruhe im Ausland zu erkaufen. Von Zukunftssicherung hingegen keine Spur.>

    Sehe ich genauso, kann man überhaupt nicht anders sehen.

    Der Preis für die relative Ruhe – und sie ist immer noch nur RELATIV – ist die Umverteilung:

    SPD, du kannst umverteilen, aber funk Schäuble und mir nicht rein in der Außenpolitik, insbesondere der, mit der wir relative Ruhe in der EU/Eurozone herstellen.

    >Daran ändert sich auch mit der Neuauflage der geschrumpften Großen Koalition nichts.>

    Wieso sollte es auch etwas ändern, wenn es in der Vergangenheit so gut geklappt hat (aber leider halt mit Stimmverlusten bei den letzten Wahlen)?

    Die STIMMENVERLUSTE sind die Krux, die das Weiter so INNENPOLITISCH brüchig werden lassen.

    Zur Außenpolitik:

    >Donald Trump hat recht. Man kann einen Handelskrieg gewinnen. Natürlich stimmt es, dass es der Welt besser geht, wenn es keinen Protektionismus gibt. Aber wenn jemand einen Handelskrieg verliert, dann sind es die Länder mit den größten Überschüssen. Womit wir wieder bei Deutschland wären.>

    Das ist so nicht richtig.

    ALLE erleiden Wohlstandsverluste bei einem Handelskrieg und sind somit Verlierer.

    Aber EINIGE können als Verlierer BESSER dastehen als andere, die auch Verlierer sind.

    Wir werden vermutlich SCHLECHTER dastehen, OBWOHL wir mit der EU den größten Wirtschaftraum haben.

    Gründe:

    Es gibt zu viele unterschiedliche NATIONALE INTERESSEN in der EU, um das wirtschaftliche Gewicht auszuspielen gegenüber US und China. Polen wird z. B. Flüssigas-Geschäfte mit den USA tätigen, ohne Rücksicht auf EU-Gesamtinteressen. Der „Deal-Politiker“ Trump hat insoweit gute Karten.

    Zum anderen ist unser Exportanteil an der nationalen Wertschöpfung EXTREM hoch im Vergleich mit anderen Ländern, so dass wir relativ stark von einem Handelskrieg betroffen wären.

    Fazit:

    >Die Zeit läuft aus.>

    So sieht es jedenfalls aus.

    Ich glaube auch, dass wir mehr oder weniger schockartig erwachen könnten.

    Hoffentlich müssen wir nicht die USA BEWUNDERN mit Blick auf das, was dann hierzulande abläuft.

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  7. Prestele sagte:

    Ich bewundere ja die ger-stratgegische Weitsicht und den ökonomischen Sachverstand der Foristen .Aber down to earth:
    1. Kann man mir erklären warum die Steuerquote 2005 am Ende der Regierung Schröder bei 20,9% und 2013 am Ende der schwarz-gelben Koalition bei 23,5% lag. Und was das mit sozialistischer Umverteilungspolitik zu tun hat?
    2. Wie die sicherlich richtigen Politikvorschläge von Herrn Stelter aufkommensneutral finanziert werden können?

    Antworten

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