Deutschland: unfreiwilliger Gläubiger der Welt?

Wir tun es wieder! Im Rahmen der Aufführung, „Deutschland, das reiche Land, das für alle bezahlen kann“ wurde das Publikum erneut erfreut. So bei SPIEGEL ONLINE:

SPIEGEL ONLINE: „Deutschland bleibt Überschuss-Weltmeister“, 16. Januar 2018

Deutschland der Weltmeister

Da lernt man dann:

  • Deutschland hat im vergangenen Jahr erneut den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Das ergeben Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts, aus denen die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Mit umgerechnet 287 Milliarden Dollar sei das Plus mehr als doppelt so groß ausgefallen wie bei Exportmeister China, das auf 135 Milliarden Dollar kam.“ bto: Da können wir doch stolz sein!
  • „Die Leistungsbilanz erfasst sowohl Waren- als auch Zahlungsströme. (…) Hier übertrafen die Exporte die Importe allein in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um 249 Milliarden Euro. Haupttreiber war die Nachfrage nach deutschen Waren aus der EU und den USA. bto: Was bedeutet das denn für unsere Ersparnisse?
  • „Zum Überschuss trugen aber auch die Erträge aus den im Ausland angelegten Vermögen bei. Das daraus resultierende Einkommen erreichte bis November netto 49 Milliarden Euro. Das macht mehr als ein Fünftel des Überschusses aus.“ bto: Hier könnte man jetzt sagen: Genauso soll es sein! Allerdings stellt sich die Frage, ob alle unsere Kapitalanlagen so gut sind und ob die Erträge wirklich aus Einkommen bezahlt wurden oder nur auf weiterer Verschuldung unserer Schuldner basieren.
  • Das Ifo-Institut erwartet, dass der deutsche Überschuss in diesem Jahr ebenfalls bei 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen wird. Sollten die Notenbanken ihre Zinsen stärker als erwartet erhöhen, könnte er auch höher ausfallen.“ – bto: Glauben wir allen Ernstes, dass wir das lange durchhalten können?

Wie groß der Überschuss ist und vor allem seit wie vielen Jahren wir schon diese Politik betreiben, zeigt diese Abbildung sehr eindrücklich:

Quelle: The Telegraph

Dabei ist der Überschuss sehr kritisch zu sehen, wie ich immer wieder erläutert habe. Unter anderem hier:

„Deutschland wirtschaftet wie die Eichhörnchen“

Wir wirtschaften wie die Eichhörnchen

Dort steht:

„Wichtig zu wissen ist zudem, dass ein Nettokapitalimport aus dem Ausland zwangsläufig ein genauso großes Handelsdefizit bedeutet und umgekehrt ein Handelsüberschuss immer auch einen Nettokapitalexport in gleicher Höhe bedingt. (Für die Volkswirte unter den Lesern sei hier angemerkt, dass ich natürlich weiß, dass neben dem Im- und Export von Waren und Dienstleistungen auch Übertragungen von Geld ins Ausland und die Bilanz der Vermögens- und Erwerbseinkommen dazu gerechnet werden. Letztere sind aber von geringer Bedeutung verglichen zum Außenhandel).

Schauen wir uns die Zahlen für Deutschland für das Jahr 2015 genauer an (Quelle: Statistisches Bundesamt):

  • Finanzierungssaldo private Haushalte: 4,8 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das bedeutet alle Haushalte zusammen haben netto im Volumen von 4,8 Prozent des BIP gespart.
  • Finanzierungssaldo Unternehmen: 3,2 Prozent vom BIP. Also ebenfalls eine Netto-Ersparnis.
  • Finanzierungssaldo Staat: 0,6 Prozent vom BIP die berühmte schwarze Null.

Wäre Deutschland eine geschlossene Volkswirtschaft, befänden wir uns in einer schweren Krise. Es würde massiv Nachfrage, immerhin im Volumen von 8,6 Prozent des BIP, fehlen, weil wir alle sparen. Doch von Krise ist keine Spur! Das verdanken wir dem Ausland, wohin wir unsere überschüssigen Ersparnisse von 8,6 Prozent vom BIP exportiert haben.

Dies bedeutet aber zugleich, dass das Ausland im Volumen von 8,6 Prozent des deutschen BIP mehr Waren aus Deutschland gekauft als nach Deutschland exportiert hat. Der Titel des Exportweltmeisters gilt folglich für Waren und für Ersparnisse gleichermaßen.“

Und da sind wir beim Problem: Es ist keine gute Idee in einer überschuldeten Welt Gläubiger zu sein. Wir könnten das ändern oder nicht?

Kann man nichts machen?

Zunächst ist es nicht sehr populär im Ausland, wenn wir weiterhin so hohe Überschüsse machen. Ich erinnere an

„Der wahre Kern des Deutschland-Bashings“

Außerdem ist es in unserem eigenen Interesse, die Ersparnisse lieber im Inland zu investieren, statt sie in Target2 und ähnlichen Vehikeln zins- und tilgungsfrei vor sich hingammeln zu lassen.

Was zu tun wäre, ist angesichts der oben dargestellten Rechnung klar: Wir müssen die Nettoersparnis senken und zwar indem Staat und Unternehmen weniger sparen. Zusammen sparen beide rund 3,8 Prozent vom BIP. Bekämen wir das auf null, sähe es ganz anders aus.

Doch ginge das überhaupt? Das Institut für Weltwirtschaft hat unter Leistung des von mir sehr geschätzten Stefan Kooths berechnet, warum es nicht geht. Ich denke, wir müssen aber einen Weg finden, wie es ginge. Zunächst zur Studie:

  • „Um den deutschen Leistungsbilanzsaldo nachhaltig zu reduzieren und von heute rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter die von der Europäischen Kommission geforderte Marke von 6 Prozent zu bringen, hat die heimische Politik kaum Mittel und Wege. Eine vielerorts geforderte schuldenfinanzierte Erhöhung der öffentlichen Ausgaben hätte ebenso nur einen begrenzten Effekt wie nicht gegenfinanzierte Steuersenkungen.“ bto: Es ist klar, dass es nicht mit einer Umverteilung zwischen Staat und Privaten getan ist. Es muss in Summe weniger gespart werden.
  • „Wollte man den deutschen Leistungsbilanzsaldo mit einer einzelnen Maßnahme bis 2021 unter den von der EU-Kommission geforderten Zielwert drücken, wären Schulden und Steuererleichterungen in unrealistischer Größenordnung nötig. (…) Die öffentlichen Investitionen beispielsweise müssten schuldenfinanziert um jährlich etwa 90 Mrd. Euro erhöht werden, ein Anstieg um 150 Prozent, der eine Schuldenaufnahme in Höhe von 3 Prozent des BIPs nötig machen würde.“ bto: was der Größenordnung entspricht, die auch ich sehen würde.

Acht Szenarien durchgerechnet

  • „Ein Maßnahmenbündel mit etwas realitätsnäherer Ausgestaltung könnte (…) den Leistungsbilanzsaldo bis 2021 um gut einen Prozentpunkt reduzieren. Dazu  müssten die öffentlichen Investitionen schuldenfinanziert um 15 Mrd. Euro jährlich erhöht und die Unternehmenssteuern in einem Volumen von ebenfalls 15 Mrd. Euro gesenkt werden, was jeweils etwa 0,5 Prozent des BIP entspricht. Somit wären jährlich rund 30 Mrd. Euro neue Schulden nötig.“ bto: Das wäre besser als nichts.
  • „Die größte Wirkung im Sinne einer Reduzierung hätte demnach ein schuldenfinanziertes Absenken der Unternehmenssteuern. Nationale Ersparnisse würden absorbiert, die heimische Konjunktur durch Investitionen angekurbelt und die Importe würden steigen.“ bto: was mich stutzig macht. Die Unternehmen sparen doch jetzt schon Zuviel. Weshalb sollten sie damit aufhören?
  • „Würde der deutsche Staat schuldenfinanziert in einem Umfang von 1 Prozent des BIPs seine Investitionen erhöhen, würde dies den Leistungsbilanzsaldo nur um 0,7 Prozentpunkte reduzieren. Eine Steigerung der Konsumausgaben brächte eine Minderung um 0,6 Prozentpunkte, eine Steuerentlastung für private Haushalte nur noch 0,4 Prozentpunkte.“ bto:  Da könnte man doch was kombinieren?
  • Werden die Maßnahmen gegenfinanziert, verringert sich die Wirkung auf den Leistungsbilanzsaldo allerdings merklich, so die Forscher.“ bto: was jedem klar ist, der die Mechanik versteht. Die Ersparnis muss in Summe sinken, nicht eine Umverteilung bei gleicher Ersparnishöhe passieren.

Wie wäre es mit höheren Unternehmenssteuern?

O. k., ich weiß, dass ich damit meine wirtschaftsliberalen Leser schocke und in gewisser Weise schocke ich mich selbst , wenn ich die Idee aufbringe, Unternehmen höher zu besteuern. Wer nicht (in Deutschland) investiert, sollte höhere Steuern zahlen, die dann ausschließlich dazu dienen, staatliche Investitionen zu finanzieren:

  • digitale Infrastruktur
  • klassische Infrastruktur
  • Bildung
  • Forschung
  • Bundeswehr
  • Sicherheit

Außerdem könnte so noch eine deutliche Entlastung bei den Sozialabgaben finanziert werden, um die Breitenkaufkraft zu stärken.

Investitionen der Unternehmen in Robotertechnik und Automatisierung sollten dabei besonders gefördert werden, weil wir damit der demografischen Herausforderung begegnen können.

Das sollten die Jamaiker-Träumer lesen!

Vielleicht mag das IfW das Szenario auch noch durchrechnen?

Haben wir überhaupt ein Problem?

Das IfW sieht allerdings auch kein Problem: „Unabhängig von den Ergebnissen des Gutachtens halten es die Konjunkturforscher des IfW nicht für angemessen, die Leistungsbilanz als wirtschaftspolitische Zielgröße zu betrachten. „Bislang sind die Ursachen für den Leistungsbilanzüberschuss nicht hinreichend geklärt und es ist fraglich, ob und in welcher Höhe überhaupt Korrekturbedarf besteht“, sagte Kooths. „Wirtschaftspolitische Maßnahmen sollten nicht alleine deshalb ergriffen werden, weil sie den Leistungsbilanzüberschuss senken könnten.“

bto: Das sehe ich anders. Ich denke, wir bauen wertlose Forderungen auf und machen uns zudem weltweit und in Europa immer unbeliebter. Da wäre es doch Zeit für das „Stelter- Szenario„.

→ „Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik: Wirkungen auf die deutsche Leistungsbilanz“

16 Kommentare
  1. SB sagte:

    „Außerdem ist es in unserem eigenen Interesse, die Ersparnisse lieber im Inland zu investieren, statt sie in Target2 und ähnlichen Vehikeln zins- und tilgungsfrei vor sich hingammeln zu lassen.“

    Unser eigenes Interesse an Investitionen in unser Land, zählt ganz offensichtlich nicht mehr. Sonst würden „wir“ nicht Millionen kulturfremde Analphabeten ins Land holen, die auf unsere Kosten konsumieren. Das ist keine Investition, ganz im Gegenteil! Dabei vergammelt zeitgleich die öffentlich-rechtliche Infrastruktur in einem Ausmaß, dass es dem Betrachter und Nutzer nur so graust (Berlins Straßen sind zum großen Teil keinen Deut mehr besser, als die, welche man noch aus DDR-Zeiten kennt). Aber die Agenda der Mainstreampolitik ist ja auch klar definiert: zurück ins Mittelalter. Hier neben der Zuwanderungspolitik und der Energiewende ein weiterer (eher symbolischer) Baustein, der dieses Szenario untermauert: Grünen-Politikerin will Esel-Taxis einführen https://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/weil-keine-busse-mehr-fahren-gruenen-politikerin-will-esel-taxis-einfuehren_id_8375556.html

    Merkels fürchterliches Gestammel in Davos, das allerdings nach Entschlüsselung eine klare Botschaft hatte, war erneut der Beweis, dass es genauso gewollt ist. Ein lesenswerter Kommentar dazu: Merkel will die Bürger unter Kontrolle bringen http://vera-lengsfeld.de/2018/01/26/merkel-will-die-buerger-unter-kontrolle-bringen/

    Zurück zur Frage: „Haben wir überhaupt ein Problem?“ – Ja haben wir…und nicht nur eins. Das Leistungsbilanzdefizit mag ein großes Problem sein, ist aber sicher nicht das größte.

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  2. Mr. Dave sagte:

    Ich bin bei Ihrer Analyse ganz bei Ihnen, Herr Dr. Stelter. Der Leistungsbilanzüberschuss wird in seinem aktuellen Trend für alle Beteiligten problematisch werden und die Unternehmen sollten mehr in neue Technologien investieren. Steuersenkungen für R&D-intensive Unternehmen sind aber nur eine Stellschraube, die zweite Stellschraube wurde nicht berücksichtigt: Die Löhne! Steigen die Löhne, steigen automatisch die Anreize der Unternehmen durch neue Technologien den einen oder anderen Arbeitsplatz durch intelligente Maschinen zu ersetzen. Damit würde auch die Kaufkraft der einfacheren Leute steigen, was im Land mit dem grössten Niedriglohnsektor Europas schon wünschenswert wäre, so würde es auch ohne weitere staatliche Umverteilung die Ungleichheit verringern. Als netter Nebeneffekt würde auch die Produktivität steigen. Und die einfacheren Leute geben auch meistens ihr ganzes Geld wieder aus, was auch die Binnennachfrage stärken würde, im Vergleich zu der nur die Wohlhabenden noch reicher machenden Notenbankpolitik der niedrigen Zinsen. Die Löhne scheinen aber irgendwie ein deutsches Tabuthema zu sein, wieso?

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    • Wolfgang Selig sagte:

      Das klingt ganz gut, aber dafür müssten die Gewerkschaften mal aus ihrer Angststarre ausbrechen und anfangen, wieder Lohnpolitik zu machen. Egal, ob die Arbeitslosenquote in diesem Land hoch oder niedrig ist und die Branche brummt oder nicht. Die Gewerkschaften wollen lieber durch Arbeitszeitverkürzungen die Mitgliederzahlen erhöhen statt für die Bestandsmitglieder mehr zu erreichen. Daher haben Sie recht: Löhne sind ein deutsches Tabuthema, begonnen mit der Wende und spätestens seit Gerhard Schröder.

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  3. Can Devrim Kum sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter,
    mir fehlt eine oder mehrere Aussagen zu der Frage der Löhne in der Problematik der EU Binnenwirtschaft und die Außenhandelsüberschüsse Deutschlands. Deutschland hat praktisch JEDEM EU Mitgliedsland gegenüber einen Handelsüberschuss!
    Dem muss man doch unbedingt damit Begegnen, dass die Deutschen Waren teurer werden in der EU, damit wiederum die angeschlagenen EU Staaten (PIIGS) mit Deutschland konkurieren können! Denn sie können ja nicht abwerten, weil sie sonst aus der Währungsunion austreten müssten. Folgerichtig sollten doch die Lohnstückkosten für die Deutsche Industrie und Export-Maschinerie angehoben werden.
    Maßnahmen: Hohe Tarifabschlüsse, deutliche Erhöhung des Mindestlohns, höhere Sozialleistungen, höheres Arbeitslosengeld 1 u. 2 , etc.

    Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie die zentrale Rolle der Lohnarbeit ablehnen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Can Devrim Kum

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter sagte:

      Zum Thema Löhne: Ich lehne es nicht pauschal ab, bin aber vorsichtig. Gründe:
      – die größten Überschüsse haben wir mit nicht Euro-Ländern. Da würden wir uns auch schwächen.
      – Italien und Co haben im internationalen Maßstab an Wettbewerbsfähigkeit verloren, da nutzen ihnen höhere Löhne in D wenig
      – wir haben uns einen massiven Niedriglohnsektor geschaffen und brauchen den auch weiter, weil wir eine Masse an un/gering gebildeten Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren müssen. Sonst klappt das mit der Integration gar nicht.
      – es geht um mehr als Löhne. Produktivität, Innovation – denken sie an die Patente/Kopf. Hier liegen die Hauptdefizite der Krisenländer.

      Also: Löhne können einen Beitrag leisten. Durch unsere Migrationspolitik erschweren wir die Anpassung. Doch selbst wenn es ginge, wäre es nur ein Beitrag, keineswegs die alleinige Lösung.

      LG

      DSt

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  4. Paul Ziegler sagte:

    Ja, bei höheren Unternehmenssteuern bin ich in der Tat geschockt, insb. da das ja gerade gegen den Trend wäre. Was wirklich nötig ist, ist Steuergerechtigkeit: Talia und Amazon, Siemens und Apple, die müssten diegleichen Steuersätze haben, zumindest für Umsatz/Cash Flow in Deutschland.
    Aber was wäre damit: Banken und Versicherungen kaufen Aktien und Immobilien im Ausland anstatt (Staats)Anleihen, Bundesbank kauft Gold (und meinetwegen sogar Aktien wie die SNB) im Ausland, die Bundeswehr bleibt in Deutschland (Auslandseinsätze sind ja auch Kapitalexport in beträchtlicher Höhe), die Bundesregierung zieht ihre Haftungsversprechen für ESM, etc. zurück (die nicht kassierte Prämie für diese „Versicherung“ ist auch Kapitalexport), usw…
    Und sollte dann noch Geld (d.h. Überschuss) übrig sein, kann man auch Steuern und Sozialabgaben senken, ich denke die meisten hätten nichts gegen ein paar zusätzliche Urlaubstage in Griechenland oder sonstigen Ländern mit LB-Defizit gegenüber D einzuwenden, die viele von ersparten Steuern freiwillig verbringen würden.
    Politik kann so einfach sein, oder irre ich hier?

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  5. Alex sagte:

    Da fällt mir ein dazu passender Artikel aus der Ökonomenstimme ein. Es geht um Verlustverrechnungen.
    http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2018/01/die-us-steuerreform-und-unternehmerische-investitionstaetigkeit/

    Eine höhere Unternehmenssteuer könnte man nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche aufbauen. Steuer erhöhen, aber die Möglichkeit geben diese abzusetzen in diesen 6 von Herrn Stelter genannten Bereichen. Oder es könnte ähnlich der Kirchensteuer sein. Der Staat nimmt ein und gibt es einer validen Organisation die es investiert. Vllt. wäre es sogar interessant wenn der Staat weniger Einfluss auf diese Einnahmen hätte, damit aus dem Privaten die Initiative kommt (der Staat höchstens als Kontrollorgan).

    Sonst ganz plakativ. Die Diskussion um die Außenhandelsbilanz wirkt auf mich, als ob in Deutschland schon alles erfunden wurde was es gibt, deswegen gibt es nichts mehr zu tun. Es ist nur etwas befremdlich wenn man bedenkt das Deutschland massiv in die USA investiert/exportiert und unter Umständen kann wieder eine Entwertung stattfinden (Subprime-Krise). Deutschland wäre in der Lage Kapital anzuziehen. Nur wofür wenn nicht einmal der Staat müßig ist sich mal auf die Puschen zu setzen und was zu tun.

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    • Alexander sagte:

      Wissen Sie warum die IT Hardware im Grunde überaltert, in vielen Firmen? Selbst in Konzernbüros entdecke ich amüsiert die Office Budget PC bis 409€, weil das unter GWG fällt. Über 409€ waren fünf Jahre Abschreibung fällig und das tut sich niemand an, wenn die CPU kurz nach Gewährleistung abraucht.

      Weil wohl die IT Branche diesen Zusammenhang an das Finanzministerium gemailt hat, dürfen wir ab 01.01.18 eine Anpassung auf 800€ feiern – der ersten Aufstockung seit den 1950er Jahren!

      Wer eine Gesellschaft derart unter Druck setzt, wie es die EU mit ihren offenen Grenzen macht, den darf nichts mehr wundern.

      Welches Unternehmen würde für 30 Jahre investieren, wenn nicht klar ist, ob die Wertschöpfung (incl. Ingenieurwesen) nicht nächstes Jahr schon nach Asien ausgelagert wird – weil eine chinesische Firma gekauft hat?

      Welcher Lieferant hat noch welchen Planungszeitraum, wenn nicht klar ist, was den BWL Schnöseln morgen als nächstes einfällt? Wer bis heute getrieben wurde ist Zombie und alle anderen haben sich 2009(!) zurück gezogen.

      Wer die Eigentumsökonomik verstanden hat, weis um den einen Punkt, wenn Eigentümer keine Verschuldungsbereitschaft mehr zeigen – mit allen Konsequenzen!

      Deutschland ist für Kapital so attraktiv, wie für Nettozahler unter den Einwanderern.

      Sie dürfen mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber nicht mit Sprüchen sondern mit unternehmerischen Taten.

      Antworten
  6. prestele sagte:

    Ich verstehe den Fatalismus des Kieler Instituts nicht. Nach wie vor gilt doch wohl das Stabilitätsgesetz, das u.a. ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht fordert. Angesichts der im Stelter-Szenario aufgezeigten Möglichkeiten und Notwendigkeiten staatlicher Investitionen zur Zukunftssicherung unseres Landes sollte das Tabu höherer Unternehmenssteuern zur Finanzierung ebendieser Investitionen gebrochen werden. Natürlich, ich weiß, die USA geht gerade den entgegengesetzten Weg. Aber müssen wir allen SchwachSinn aus den Staaten kopieren.

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  7. Peter Walz sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    Ihrer Analyse ist voll zuzustimmen, die Exportüberschüsse werden sich als Geschenke an die Schuldner-Staaten entpuppen (in Griechenland ist es ja schon passiert): Wir geben Autos und bekommen „Papier“ (digitale Schuldscheine). Längerfristig war/ist das Ergebnis, dass wir eine einseitig exportorientierte Industrie haben, die auf eine Scheinnachfrage ausgerichtet ist, von Akteuren, die nicht wirklich am Welthandel teilnehmen. Wir investieren also nicht nur zu wenig, wir investieren – wenn wir Pech haben – auch noch in die falschen Sektoren (und bilden unsere Facharbeiter in den falschen Fachrichtungen aus); eine echte Marktkontrolle gibt es jedenfalls nicht.

    Ihrem Therapie-Vorschlag möchte ich allerdings nicht folgen. Die markro-ökonomischen Aggregate verführen dazu, jeden ausgegebenen Euro gleich zu werten. In einer statischen Modellwelt ist das auch nicht verkehrt, beachtet man aber die Auswirkungen auf die Wachstumsdynamik, gibt es erhebliche Unterschiede, die einen nur dazu führen können, keinen zusätzlichen Cent dem Staat anzuvertrauen, weder durch Schulden noch gar durch höhere Steuern. Wo würde wohl das zusätzliche Geld hinfließen? Wo sind die gigantischen Steuermehreinnahmen der letzten Jahre hingeflossen? Was passiert, wenn die Zinsen steigen, bei uns, in Südeuropa? Gibt es eine wirtschaftspolitische Agenda zur Steigerung der Wachstums- und Investitionsbedingungen? Energiekosten, Infrastruktur (Verkehr, Glasfaser), Bildung, Abschaffung der Erbschaftssteuer, Realismus bei den Öko-Themen und und und. Und ganz allgemein: Ich unterhalte mich mit vielen Unternehmern, mag nicht repräsentativ sein, aber dem IFO-Index entspricht die Stimmung für Investitionen nicht. Den Ton in der öffentlichen Diskussion geben jedenfalls nicht die Macher an, sondern die Empfänger von Staatsknete. Solange es keine Agenda in diese Richtung gibt, kann man auf keinen Fall neue Schulden oder höhere Steuern befürworten. Von einer staatlichen Lenkung in Richtung Roboter und Inland halte ich auch nichts. Das sollen die Unternehmer entscheiden, der Staat soll den Rahmen schaffen..

    Zu höheren Nominal-Löhnen ist keine pauschale Aussage zu machen, gerade im Niedriglohn-Sektor halte ich das auch für gefährlich (der Mindestlohn befindet sich aus meiner Sicht auch noch in der Inkubationszeit und wird bestimmt schneller steigen als das allgemeine Lohnniveau). Das Problem sind hier die Lohnnebenkosten und noch viel mehr die Mehrwertsteuer. Der Konsum steigt, schön. Aber viel Raum für größere Konsumausgaben hat eine Durchschnittsfamilie bestimmt nicht: 19 % und dann auch noch die anderen Verbrauchssteuern, z.B. die Mineralölsteuer. Auch für die Senkung dieser Steuern würde ich keine Verschuldung oder Kompensation durch andere Steuern in Kauf nehmen, man wird bestimmt genug rausgeschmissenes Geld finden, so dass es noch nicht einmal kurzfristig zu einer einfachen Verlagerung vom Staat zu den Privaten kommt (und selbst wenn, gibt es ja auch qualitative Unterschiede in der Nachfrage), mittelfristig wird man mehr Wachstum und dann auch wieder Investitionen in Produkte für die Binnennachfrage bekommen.

    Fürs Erste wird natürlich nichts davon passieren, zumindest solange Zinsen und Ölpreis niedrig sind. Auf was wird das ganze also zusteuern? In der Eurozone können sich die Ströme organisch nicht umkehren. Ein zwingender kurzfristiger Auslöser für eine anorganische Lösung ist nicht zu erkennen, am ehesten wird sie über die Wirkungskette Inflation/Zinsen/Staatsinsolvenz/Euro-Ende/Aufwertung-D-Mark-neu kommen. Der Dollar scheint aufgrund eines Trump-Effekts bereits abzuwerten, tendenziell wird das wegen der unterschiedlichen Geldpolitik nicht nachhaltig sein. Dann wird Ihr Vorschlag umgesetzt werden. Dann sehen wir ja, ob es klappt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Peter Walz

    Antworten
  8. Der Euro schadet uns sagte:

    Ich stimme Ihrer Analyse der Situation klar zu. Investiert werden sollte aber nur, wenn eine Rendite zu erwarten ist. Neben Auslandsschulden können auch Inlandsinvestitionen nicht werthaltig sein. Das Problem ist und bleibt der künstlich niedrige Euro. Unsere Produkte sind zu billig im Vergleich, auch die Löhne würden bei einer Aufwertung relativ zu Importen jeden falls steigen. Wer den Komparativen Vorteil ignoriert und künstlich konkurriert, der kommt eben in diese Situation.

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