Wahl vorbei – Krise noch lange nicht

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Die Frage, ob die Politik des neuen US-Präsidenten geeignet ist, die ökonomische Eiszeit zu überwinden, wird noch lange offen bleiben. Deshalb ist es gut, sich nochmal an die Fakten zu erinnern: die unbewältigte Krise, die ungebremste Verschuldung, die verfehlte Politik der letzten Jahre. Zunächst berichtet die FT von einem Beitrag von Brad DeLong zu den Ursachen der schwachen Erholung:

  • „DeLong has now taken a deep dive into (…) diagnoses of the disappointing post-crisis recovery, which doubles as a succinct typology of four principal competing explanations.“
  • „They are: A Bernanke global savings-glut. A Krugman-Blanchard return to ‘depression economics’. A Rogoffian-Minskyite crisis of overleverage and debt overhang. A Summers secular-stagnation chronic crisis.“ – bto: eine gute Zusammenfassung der derzeitigen Diskussion.
  • „As long as we remain in the down-phase of the debt supercycle, even low interest rates do little to encourage the investment spending needed to drive the economy to full employment.“ – bto: was wir gerade beobachten!
  • „A key mechanism by which debt overhangs are a drag on economic growth is surely that they debilitate the normal sources of aggregate demand, and, conversely, increase the share of income people desire to save rather than spend.“ bto: so simpel und so zutreffend
  • „So a debt overhang could well be the ultimate cause, or at least a big contributor, in either of the other three diagnoses.“ bto: Das sehe ich genauso, es ist der Kern allen Übels. Alles andere sind Beschreibungen von Symptomen.
  • „A debt overhang (…) obviously reduces demand and increases desired net savings directly as people divert larger income shares from spending to debt service (…) but a debt overhang can also harm the responsiveness of economies to the standard public policy levers to boost demand.“
  • „Looser monetary policy may have a stunted effect if a fall in the cost of credit simply encourages people to reduce debts faster — that may shorten the length of the deflationary period but not its drag on growth while it persists.“ bto: Genau das beobachten wir. Schlimmer noch, es gibt keine Bereinigung, siehe Japan.
  • „What is beyond dispute is that as public debt stocks become higher, the arithmetical effect of a given interest rate on the sustainability of debt becomes more severe (…) many more countries have moved towards the danger zone where their real interest rate exceeds the economy’s growth rate, so that even a balanced budget leads to an ever increasing debt burden.“ – bto: siehe Italien!
  • „(…) clearly, debt overhangs play an important role even in the alternative accounts. If they are not going away, nor is the need to figure out how to deal with them.” bto: Und um die Beantwortung dieser Frage drücken sich die Politiker.

Deshalb stimmt auch die Analyse des Lesern von bto wohlbekannten William White, ehemals Chefvolkswirt der BIZ. Erneut seine Warnungen in einem Gespräch mit der FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • Wir sind immer noch mitten in der Krise, und es wird schlimmer werden. Das sagte William White, ehemaliger Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), am Donnerstag an einem Seminar der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern.“
  • Wenn die Krise dereinst ende, würden die Zentralbanken für alles verantwortlich gemacht – weil sie den Eindruck vermittelt hatten, dass sie die Probleme bewältigen können. White folgert: Die Unabhängigkeit der Zentralbanken wird aufgehoben.
  • Die Wirtschaft sei nämlich keine Maschine, sondern ein komplexes, anpassungsfähiges System, so wie viele Systeme in der Natur und der Gesellschaft. In einem solchen System gibt es kein Gleichgewicht, ausser den Tod.
  • Schon seit 1987 seien die Zentralbanken jeder Krise mit tieferen Zinsen und Liquiditätsspritzen begegnet. (…) Nun nehme die Unsicherheit zu, denn die immer expansiveren und abenteuerlicheren Massnahmen der Zentralbanken riechen nach Panik, sagt White. Zudem könne es nur eine gewisse Zeit lang funktionieren, dass künftige Nachfrage dank günstigen Krediten auf heute vorgezogen wird. Und die bereits bestehenden Schulden hielten die Konsumenten zurück.“
  • „Die Idee, dass mit tieferen Zinsen weniger gespart und mehr konsumiert wird, hat keine theoretische Grundlage. (…) Dazu kämen weitere Probleme, etwa die Schwierigkeit der Banken, im Tiefzinsumfeld Geld zu verdienen, die durch die expansive Geldpolitik aufgeblähten Preise von Vermögenswerten, die durch die tiefen Zinsen ermöglichten schlechten Investitionen und die weltweit insgesamt nach wie vor zunehmende Verschuldung.“
  • White folgert: Wir sind auf einem schlechten Pfad und haben mehr Probleme als 2007.

bto: Bekanntlich teile ich diese Sicht zu 100 Prozent. Deshalb wird trotz meines Optimismus, dass Trump in der Tat etwas ändern könnte keine verlust- und schmerzfreie Lösung geben. Es ist nur die Frage, wie Verluste und Schmerzen verteilt werden.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „More musings on debt“, 4. November 2016

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Wir haben mehr Probleme als 2007“, 4. November 2016

20 Antworten
    • Ralph klages says:

      @ Anna: Eigentlich liegt die Lösung auf der Hand: Die Einen haben schon jede Menge Assets, auch Immobilien, und wissen nicht, wie sie ihr Geld sonst noch vernünftig anlegen können. Abgesehen davon sind die Vermögenspreise ohnedies für diese Investorenschicht schon viel zu hoch, gemessen an den zu realisierenden Erträgen – und das bei dem nicht gerade ermutigendem wirtschaftl. Umfeld. Die Anderen haben wenig zur Verfügung und oft genug noch so viele Schulden, dass sie besser die Finger von jeder Art größerer Investition lassen, bzw. die Banken ihnen auch nicht geben sollten.
      Wenn Sie irgendwo dazwischen liegen und überdies noch Miete zahlen, ist es durchaus sinnvoll -zu halbwegs vernünftigen Preisen ! – eine Immobilie zur Selbstnutzung zu erwerben. Aber eigentlich stellen Sie dabei mittlerweile eine weiter schrumpfende Minderheit dar, wenn sie sich o.g. vor Augen halten. LG

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      • Anna says:

        Das mag wohl sein. Was mich persönlich letztlich vom Bauen abhält , ist ein sehr spezielles Problem mit Grundstück, das uns per Erbe zugefallen ist. Ich müsste normalerweise nicht mal eine überteuerte Bestandsimmobilie kaufen, nur die etwas angezogenen Erstellungspreise berappen.
        Aber mir war nicht klar, dass ich mit dieser Situation (auch ohne das nervige Wegerechtsproblem) so allein bin – im Vergleich.
        Was mich außerdem zaudern lässt, das ist der Rat, in diesen Zeiten keine Kredite auf Immobilien einzugehen. Da die Schulden im Falle des „großen Resets“ bleiben, die Immobilie aber neu bewertet werden könnte. So habe ich es jedenfalls verstanden.

  1. Dietmar Tischer says:

    Zu Brad DeLong:

    Die vier Erklärungen, stehen nur dann im Wettbewerb miteinander, wenn man an der Oberfläche bleibt, d. h. – vereinfacht ausgedrückt – nur die das Sichtbare bewertet, aber nicht die URSACHEN, die zum Sichtbaren geführt haben. Erklärungen müssen immer einen Bezug zu Ursachen haben, sonst sind sie keine Erklärungen, sondern lediglich Feststellungen über beobachtbare/messbare Sachverhalte.

    Die Ursachenbestimmung muss m. A. n. einschließen:

    Globalisierung mit einer völlig neuen Strukturierung komparativer Kosten und der Bereitschaft, sie nahezu uneingeschränkt wirksam werden zu lassen; demografische Entwicklung in den entwickelten Volkswirtschaften; relativ hohe Gütersättigung in diesen Gesellschaften mit entsprechenden Nachfrage- und Angebotsänderungen speziell auf dem Arbeitsmarkt – raus aus dem hochproduktiven produzierenden Sektor mit vergleichsweise hoher Bezahlung hin zu dem unproduktiveren Dienstleistungssektor mit geringerer Bezahlung; Abfederung des Umbruchs und Verhinderung von Insolvenzwellen durch Nachfrageanreize mit wachsender Verschuldung; wachsende Verschuldung nicht nur als Effekt, sondern weitere, alles betreffende Ursache für Eiszeit: Schuldendienst lähmt Nachfrage. Fehlallokationen werden nicht bereinigt, sondern weiten sich aus, Zombiwirtschaft setzt Wettbewerb außer Kraft, Kompetenzverluste auf der ganzen Linie inkl. Politik; weitere absehbare Effekt: erzwungene Anpassung nach unten mit wachsenden Risiken für die gesellschaftliche Stabilität.

    Dies und sicher noch einiges mehr muss stimmig in ein Gesamtbild von Wirkmechanismen eingegossen werden, um als Erklärung gelten zu dürfen.

    >„As long as we remain in the down-phase of the debt supercycle, even low interest rates do little to encourage the investment spending needed to drive the economy to full employment.“ – bto: was wir gerade beobachten!>

    Was beobachten wir denn gerade – in USA?

    Wenn ich richtig sehe, ist das quasi VOLLBESCHÄFTIGUNG.

    Dazu hat es keiner Investitionsschübe gebraucht, sie waren eben NICHT erforderlich.

    Man wundert sich, wie ein so kluger Kopf wie DeLong zu seinen Aussagen kommt.

    Meine Erklärung:

    Er, wie viele andere, orientiert sich an der VERGANGENHEIT, in der Vollbeschäftigung in der Tat mit Investitionen vor allem des produzierenden Gewerbes verbunden war. Wenn das aber an Bedeutung verliert, dann verlieren auch DIESE Investitionen an Bedeutung.

    Umdenken, DeLong und andere!

    Wir brauchen selbstverständlich Investitionen, aber es müssen welche sein, die auf der Anpassung nach unten – die USA ist anderen m. A. n. hier Meilen voraus – aufsetzen und die mit hoffentlich steigender Partizipationsrate in den Arbeitsmarkt neu oder wieder Eintretenden akkommodieren. Vergangene Verhältnisse wieder herstellen zu wollen, ist kontraproduktiv und würde scheitern.

    Zu White:

    >Zudem könne es nur eine gewisse Zeit lang funktionieren, dass künftige Nachfrage dank günstigen Krediten auf heute vorgezogen wird. Und die bereits bestehenden Schulden hielten die Konsumenten zurück.“>

    Woher weiß White, WAS die künftige Nachfrage ist?

    Ich sehe das daher etwas anders:

    …, dass jeweils HEUTIGE Nachfrage, die es andernfalls nicht gäbe, dank günstiger Kredite GENERIERT wird.

    Die Effekte sind aber auch dann die, die er beschreibt.

    Deshalb von mir nur 99% Zustimmung zu White.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Wenn ich richtig sehe, ist das quasi VOLLBESCHÄFTIGUNG.“

      Sie sehen es falsch: https://fredblog.stlouisfed.org/2016/01/how-healthy-is-the-labor-market-really/. Daran dürfte sich in den letzten Monaten nicht wesentlich etwas geändert haben.

      „Man wundert sich, wie ein so kluger Kopf wie DeLong zu seinen Aussagen kommt.“

      Man? Dietmar Tischer.

      „Vergangene Verhältnisse wieder herstellen zu wollen, ist kontraproduktiv und würde scheitern.“

      Grundsätzliche Zustimmung, aber wir befinden uns in einem schleichenden Prozess der Reglobalisierung und mit Trump wohl auch einer tendenziellen Deglobalisierung.

      LG Michael Stöcker

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      • Dietmar Tischer says:

        Ist doch klar, dass ich das falsch sehe.

        Man kann ja Indizes ERFINDEN, um zu zeigen, dass der Arbeitsmarkt nicht gesund ist.

        Habe nichts dagegen. Schließlich habe ich nicht behauptet, dass er gesund ist (was immer das heißen soll).

        Er ist Angebot und Nachfrage und sonst nichts, die etwas über Vollbeschäftigung aussagen. Punkt.

        Warum eine erstaunlich hohe Anzahl von Menschen, die Arbeit annehmen könnte, aus wel-chen Gründen auch immer keine annimmt, ist etwas ganz anderes, obwohl dies nicht nur, aber natürlich auch mit dem Arbeitsmarkt zu tun hat (Qualifikation, Jobs, Bezahlung etc.)

        Und die zweite Grafik ist lediglich der Beweis dafür, dass nichts verstanden worden ist:

        Wenn Ende 2015 bei steigender Tendenz nur knapp 85% der männlichen Bevölkerung im Alter von 25 bis 54 Jahren beschäftigt war, aber in der Zeit von Anfang der 80er Jahre bis etwa 2008 ausnahmslos mehr als 85%, besagt das nichts, aber auch gar nichts darüber, ob Vollbeschäftigung herrscht oder nicht.

        Ich kann mir gut vorstellen, dass die Zahl der Beschäftigten in den nächsten Jahren kontinu-ierlich steigt, wenn sich nichts Dramatisches ereignet. Nicht unwahrscheinlich jedenfalls, wenn die Anpassung nach unten weiter geht und anziehende Inflation die Kaufkraft schmälert. Nehmen wir einmal an, dass in 2025 wieder eine Beschäftigungsrate von 90% in obiger Bevölkerungsgruppe erreicht worden sei.

        Heißt dies, dass bis 2025 keine Vollbeschäftigung herrschte?

        Unsinn, es herrschte die ganze Zeit lang (annähernde) Vollbeschäftigung, wenn genügend Jobs angeboten werden.

        RÜCKWÄRTSGERICHTETES Denken VERLEUGNET die Realität, um recht zu behalten.

      • Michael Stöcker says:

        „Ist doch klar, dass ich das falsch sehe.“

        Nein, das ist es nicht. Ich bin von Ihnen deutlich Besseres gewohnt.

        „Er ist Angebot und Nachfrage und sonst nichts, die etwas über Vollbeschäftigung aussagen. Punkt.“

        Ach, Herr Tischer, von anderen immer abverlangen, hinter die Kulissen zu schauen und nun bockig das unbedarfte Wirtschaftskundelehrer-Mantra zum Besten geben. Hier mal eine etwas ältere Analyse, die an Aktualität aber bis heute nichts eingebüßt hat: http://www.miprox.de/USA_speziell/USA-Arbeitslosenstatistik.html

        Sie machen es sich in diesem Punkt zu einfach mit Ihren neoklassischen Plattitüden.

        LG Michael Stöcker

  2. Bakwahn says:

    Wahl vorbei – Krise noch lange nicht

    Ich möchte mich noch einmal zur Wahl Trumps äußern.
    Für die mittlere Zukunft gibt es drei Möglichkeiten, Entwicklungen:

    1.
    Trump scheint mir von seinem Charakter, seiner ‚Persönlichkeit‘ her für das Amt des Präsidenten ungeeignet. Wenn Trump sich als Präsident nicht mäßigt, sich nicht „normaler“ politischer Umgangsformen bedient, wahllos sich widersprechende Entscheidungen trifft, dabei sich großzügig über seine besonnenen Berater hinwegsetzt, vielleicht sogar geltendes amerikanisches Gesetz bricht, dann verbünden sich die Mächtigen der USA, die Hauptstrommedien, die Demokraten und große Teile seiner Republikaner, eventuell sogar die Justiz gegen ihn und strengen ein Amtsenthebungsverfahren an.
    Wir kennen das schon: Nixon mußte gehen und Clinton ist haarscharf einer Amtsenthebung entronnen.

    2.
    Vielleicht tritt er auch nach anderthalb oder zwei Jahren zurück, weil er aus vielerlei Gründen zur schmerzhaften Erkenntnis gekommen ist, daß er doch der falsche Mann für diese Aufgabe ist.

    3.
    Vielleicht aber macht er eine Wandlung durch; eine Metamorphose vom Rülpser, Beschimpfer, Beleidiger, Vereinfacher zu einem national wie international respektierten Staatsmann, den man zwar als Antipoden, sogar als Erzfeind politisch mit harten Bandagen bekämpft, aber sonst als politischen Gegenpart irgendwie akzeptiert, dulden muß.

    ==============

    Die Wahl Trumps war ein wuchtiger Hammerschlag ins Gesicht und in die politische Hauswirtschaft der deutschen politischen und journalistischen Nomenklatura.

    Die durch Entsetzen, Haß und Wut verzerrten Gesichter der Fernsehjournaille am Morgen nach der Wahl waren höchst amüsant anzuschauen. Eine unverhohlene Schadenfreude hat sich wohl bei vielen Zuschauern und Zuhörern eingestellt; vermute ich mal.

    Mein Überschwang, Vergnügen hat weniger mit der Person und dem Charakter Trumps zu tun als vielmehr damit, daß ein einzelner Kandidat, ein Solist ein demokratisches Wunder vollbracht hat, gegen den geballten Widerstand der eigenen Partei wie auch gegen große Teile der amerikanischen Öffentlichkeit.

    Live aus der Düsseldorfer Uni-Bibliothek – 16.55 Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Zu Ihren Möglichkeiten:

      1. Nicht gänzlich ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich. Er ist Geschäftsmann und will Erfolg haben, nicht Recht behalten.

      2. NIEMAND ist für diesen Job der falsche Mann, wenn er den Job einmal hat. Jeder wird mindestens soweit der richtige Mann sein, dass er ihn nicht verliert.

      3. Er muss keine große Wandlung durchmachen, um respektiert zu werden, weil schon das Amt ihm Respekt verleiht.

      Wenn ich mich in ihn versetze, würde ich mir sagen:

      Ich habe Euch, den US Bürgern jede Menge Bull Shit erzählt, damit ihr in mir einen erkennt, der alles anders machen will – und es daher wert ist, Eure Stimme zu erhalten. Hat funktio-niert. Aber Bull Shit ist auch nach einer gewonnen Wahl Bull Shit. Ich werden schon versuchen, ein ganz paar Dinge anders zu machen. Das, was geht und mich nicht den Job kostet.

      Das war es dann auch schon in der Tendenz.

      Wer jedem meiner Worte glaubt und Wunder von mir erwartet, ist eine Idiot.

      Antworten
    • mg says:

      Spannend dazu die folgende kleine Spekulation:
      http://norberthaering.de/de/27-german/news/713-trump#weiterlesen

      Die herkömmlichen Medien verlieren an Reichweite, und wer auf Twitter und Facebook gut vernetzt ist, kann auf diese Weise die öffentliche Wahrnehmung erheblich beeinflussen. Das müssen keine Geheimdienste sein (wie Haering unterstellt), aber „Spin-Doctoring“ dürfte die Haupttätigkeit einer jeden Regierungspressestelle und die eines jeden zukünftigen Wahlkampfteams seien.

      Wenn Trumps Wähler bemerken, dass der neue Präsident seine Versprechen nicht halten kann, könnte sich das auf die Stimmung im Land durchaus unangenehm auswirken:
      http://www.spiegel.de/video/donald-trump-warum-weisse-maenner-ihn-gewaehlt-haben-video-1719863.html

      Antworten
    • egp says:

      Wie sprach Herbert Wehner in seinem berühmten Interview mit dem Journalisten Dieter Lueg (Youtube): „ICH. WEISS. NICHTS. —– SIE. WISSEN. NICHTS.“ ——“ UND. TROTZDEM. REDEN. WIR…….“

      „For a Hammer Everything is a Nail“ Warum vergessen wir nicht einmal, dass wir alle Hammer sind? Warum legen wir nicht unsere selbstgebastelten, unveränderbaren Urteile oder Vorurteile beiseite: Die Kakophonie des weltumspannenden, ökonomischen, ach so wissenschaftlichen Konzerts hat uns in diese Malaise gebracht und jeder weiter Schritt hat die Probleme verschärft – ob Abe oder Schäuble oder Banker, Politik, Lehrstühle, Nobelpreisträger oder Journalisten oder Marktteilnehmer. Auch Trump wird daran nichts ändern können – wie sollte er auch, er WEISS. JA. AUCH. NICHTS., denn der Inputvariablen sind unendlich viele und der Interdependenzen noch viel mehr.

      Nicht einmal in der Rückschau wissen wir etwas. Oder kennen wir die allgemein anerkannte und unumstößliche Ursache der Geschehnisse von 1929? Oder die Ursache der Genesung nach 1929? Jeder glaubt seiner Lehrmeinung – mehr ist da nicht. Consensus ist ein Gefühl – nicht mehr. Consensus heißt per definitionen schon ‚Nicht wissen‘, nur fühlen. Hätte Roseveldt Yelly Beans gegessen, wären Yelly Beans zur Lösung erklärt. So wird die Kakophonie der Meinungen das weitere Geschehen bestimmen und anschließend das Geschehen mit vielen Theorien begründet werden. So, what! Sollte das etwas mit der Philosophie der Phänomenologie zu tun haben? Ach, was. Es gibt doch Lehrmeinungen.

      Ist die Wahl Trumps Wahl zufälligerweise am Kulminationspunkt des ‚Großen Kreditzyklusses‘ erfolgt, wird er zum Hero. Wenn der Kulminationspunkt später kommt, dann eben nicht.

      So ist am Ende möglich, dass nicht irgendeine Theorie oder Heilslehre, sondern Nassim Talebs „Fat Tony“ aus Talebs Buch „Antifragility“ die Welt retten wird. Üben wir uns in Antifragilität. Jean Tinguely ~: „Chaos is everywhere, but it works“! (Jean Tinguely ist kein Ökonom, aber er stellte die Systemfrage – ähhh – welchen Systems?).

      Antworten
      • Stefan Ludwig says:

        Hallo zusammen,
        interessante Beiträge.
        an Herrn Tischer:
        Mich wundert dass Sie (seinerzeit) auf eine Art die auf mich arrogant wirkte Kybernetik recht schnell als eher wenig relevant beiseite geschoben haben.
        Beantworten Sie mir doch bitte die folgende Frage: Da gibt es eine Wissenschaft die sich damit auseinandersetzt wie Systeme funktionieren Kybernetik eben. Nehmen wir an es gibt eine Gruppe die das Zusammenspiel der Systemteile (kybernetisch) erforscht und eine zweite Gruppe die das systemische weitgehend aussen vor lässt. Welche Gruppe wird ein besseres/tieferes Verständnis des Systems entwickeln?

        an egp: Die Komplexität der Welt ist in der Tat so hoch dass man mit noch so sorgfältiger Analyse der Einzelteile und Analyse der der einzelnen Wechselwirkungen niemals zu einem umfassenden Verständnis kommen wird.
        Braucht man aber auch nicht. Ich sage es jetzt bewusst salopp: wenn es kybernetisch analysiert wird, wird man auch nicht hinter das Komma prognostizieren können aber man wird die grundlegenden Tendenzen und Richtungen herausfinden.

        Antifragilität (= Robustheit) finde ich ein gutes Stichwort. Lebende Systeme verfügen ausnahmslos über ein hohes Maß an Robustheit. Wie kommt das?
        Lebende Systeme haben die längsten und härtesten Tests hinter sich die das Universum aufbieten kann. Millionenmal härter und länger als jede menschliche Theorie, Konzepte oder was auch immer. All diese lebenden Systeme haben sich zu den gleichen Grundprinzipien hin-„evolutioniert“. Ich ziehe daraus die Schlussfolgerung dass diese Grundprinzipien die allerbesten sein MÜSSEN die überhaupt möglich sind. Naja und sobald die Menschheit DAS begreift – bin ich der Überzeugung – geht es aufwärts. Zusammengefasst: Menschheit halte dich an die Gesetze des „Systemfunktionierens“ (= wende Kybernetik umfassend an) und dann läuft es.

        Wer jetzt neugierig geworden ist ob der markigen Worte recherchiere einmal
        zu Kybernetik im allgemeinen und Stafford Beer speziell zu Management-Kybernetik bzw. VSM (Viable System Model)

        Ich behaupte Das was Nassim Taleb „chaos but it works“ nennt ist in Wirklichkeit ein zwar komplexes (und deshalb nicht völlig analysierbares) System aber eines das sich nach kybernetischen Prinzipien selbst organisiert und deshalb so große Stabilität hat.

        mit freundlichen Grüßen

        Stefan Ludwig

  3. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Es herrscht quasi Vollbeschäftigung in USA.

    Als Gegenargument anzuführen, als was sich 6 Millionen Amerikaner BEZEICHNEN würden, die von der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst werden, ist geradezu lächerlich. Sie werden nicht erfasst und zählen daher nicht zu den Arbeitslosen.

    Die Statistik ist das Maß und sonst nichts. Und das mit allen ihren Ungenauigkeiten, z. T. auch fehlleitenden Indikatoren. Das gilt bei bei 8% Arbeitslosigkeit genauso wie bei jetzt unter 5%.

    Relativierungen und sachfremde Aspekte bis hin zu den Suppenküchen, um zu beweisen, dass keine quasi-Vollbeschäftigung herrscht, können die Aussagen der Statistik nicht er-schüttern.

    Die Statistik weist quasi Vollbeschäftigung in USA aus. Damit HERRSCHT nach anerkannter Messung Vollbeschäftigung.

    Über alles andere kann man und muss man reden, z. B. dass die Statistik besser, d. h. auch realitätsnäher sein sollte (so lange sie aber ist, wie sie ist, signalisiert sie Vollbeschäftigung); dass der Arbeitsmarkt nicht so stabil ist, wie man sich das wünschte; dass es wünschenswert ist, mehr Jobs für angebotene, aber nicht nachgefragte Fähigkeiten zu haben; dass eine höhere Bezahlung wünschenswert ist; dass die Arbeitsverhältnisse speziell in USA stabiler sein sollten etc., etc.)

    Kurzum: Ich habe nicht gesagt, dass alles Bestens ist und man sich zurücklehnen könne.

    Weit davon entfernt. Es muss viel getan werden und es muss dringend etwas getan werden. Dafür gibt es gute Begründungen.

    Für die Vollbeschäftigung, die wir heute in USA haben, waren keine Investitionen erforderlich, jedenfalls nicht in dem Umfang früherer Jahrzehnte. Brad DeLong liegt falsch mit seiner Aussage. Ohne Investitionen bekommen wir allerdings nicht die Vollbeschäftigung, die wir uns WÜNSCHEN. Das ist aber ein anderes Thema.

    Ich wiederhole mich: Selbstverständlich brauchen wir Investitionen, natürlich auch für an-spruchsvolle, besser bezahlte Jobs.

    Das heißt aber auch, dass diejenigen Investitionen, die wir brauchen, ANDERS begründet werden müssen.

    Darum geht es. Offensichtlich verstehen Sie das nicht und möglicherweise ist das für einen Brad DeLong überflüssiger Luxus, auf den er verzichten könne.

    Übrigens:

    „Neoklassische Plattitüden“ nehme ich dafür, dass Sie keine Argumente haben, um darzulegen, dass meine Behauptung FALSCH sei.

    Sagen Sie doch einfach, dass sie die Realität nicht an der Statistik messen.

    Muss man nicht, ist fine with me.

    Damit wäre das Thema erledigt, für Sie wenigstens.

    Aber für Ökonomen GILT die vorhandene Statistik als Maßstab – bis es einen anerkannt an-deren gibt.

    Daran kommt niemand, der sich in der Ökonomie aufhält, vorbei.

    Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    @ Stefan Ludwig

    Wenn ich die Kybernetik recht schnell und als wenig relevant beiseitegeschoben habe, dann kann es nur mit Blick auf den ANSPRUCH gewesen sein, den Sie damit verbinden.

    Hier schon wieder:

    >… niemals zu einem umfassenden Verständnis kommen wird.
    Braucht man aber auch nicht. Ich sage es jetzt bewusst salopp: wenn es kybernetisch analysiert wird, wird man auch nicht hinter das Komma prognostizieren können aber man wird die grundlegenden Tendenzen und Richtungen herausfinden.>

    Die Probleme beginnen bereits im Vor-Verständnis, was Ihnen nicht bewusst zu sein scheint:

    Was ist das System?

    Das System oder seine Teile sagen uns nicht, dass sie das sind, was wir als System verstehen sollen.

    Die Bestimmung ist interessengebunden, in der Regel und allgemein: sie erfolgt durch Nutzenerwägungen. Deshalb wird in der Ökonomie entwickelter Volkswirtschaften auch nicht die Differenz zwischen höchster Tages- und tiefster Nachttemperatur in den ersten drei Monaten des Jahres als so systemrelevant angesehen, dass sie in die Modellierungen eingeht.

    Selbst wenn man sich geeinigt haben sollte, was als System zu gelten hat, wird man durch kybernetische Analyse nicht zwangsläufig die grundlegenden Tendenzen und Richtungen herausfinden (was immer das sein soll), sondern allenfalls – und das ist in der Tat sehr viel – wie sich das System mit Blick auf Steuerung und Regelung verhält. Das und nicht mehr kann Kybernetik analysieren.

    Ansonsten stellen Sie steile Thesen auf wie diese:

    >Lebende Systeme haben die längsten und härtesten Tests hinter sich die das Universum aufbieten kann>

    Ich glaube nicht, dass jemand mit Gewissheit sagen kann, was die längsten und härtesten Tests des Universums sind.

    Außerdem:

    Manche lebende Systeme haben nicht überlebt, weil sie lange und harte Tests bestanden haben, sondern einfach nur, weil sie Glück hatten, d. h. nicht von Meteoriten ausgelöscht wurden:

    http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/gewaltige-meteoriteneinschlaege-praegten-erde-ueber-lange-zeit
    Ich glaube, dass ich Ihnen dem Sinn nach schon einmal gesagt und geraten habe:

    Die Kybernetik ist sehr hilfreich und unverzichtbar. Sie ist aber nicht der Schlüssel, mit dem man jede Tür öffnen kann. Wenn man so auf sie fixiert ist wie Sie, verführt sie dazu, Lösungen mit dem Tunnelblick – zugegeben der besonderen Art, aber dennoch nur einem Tunnelblick – erkennen zu wollen.

    Rüsten Sie ab, erweitern Sie den Blickwinkel.

    Antworten

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