Monetary Policy for the Next Recession

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Es klappt einfach nicht. Mit billigem Geld lässt sich Zeit kaufen, aber nicht das grundlegende Problem einer überschuldeten Wirtschaft lösen. Deshalb habe ich bereits vor sechs Monaten hier und in einigen Medien diskutiert, dass die Geldpolitik noch aggressiver wird ‒ und auch werden muss, so lange sie alleine agiert. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass ‒ solange man im Rahmen des bestehenden Wirtschafts- und Finanzsystems agiert ‒ die Idee des Helikoptergeldes nicht falsch ist. Allemal besser, als das Geld nur Banken und Staaten zukommen zu lassen. Dann lieber Geld für alle.

Nun gewinnt das Thema wieder an Aktualität. Nicht zuletzt, weil immer mehr Stimmen darauf verweisen, dass die Wirtschaftspolitik die Depression nur verschoben, aber nicht verhindert hat und die Munition ausgeht.

Bloomberg fasst zusammen:

  • Was früher „unkonventionell“ war, ist heute normal. Die Geldpolitik ist in Zeiten des Quantitative Easing angekommen. Es wurde damit eine große Depression verhindert. Aber das Wachstum der Realwirtschaft kommt nicht wieder in Gang. Was passiert bei der nächsten Rezession?
  • Die Antwort wäre eigentlich die Fiskalpolitik. Doch schon 2008 ging das nur gebremst, weil die Schulden schon viel zu hoch sind. Es wird bei einer neuen Rezession erst recht nicht gehen. ‒ bto: Deshalb legt der IWF schon den Grundstein, weil er von erheblichen Verschuldungskapazitäten schwafelt.
  • Bloomberg erwartet eher noch unkonventionellere Maßnahmen: Helikoptergeld. Egal ob man es „Geld für jeden“ oder „direkte Staatsfinanzierung“ nennt. Es bleibt inhaltlich dasselbe. ‒ bto: mit dem Ziel der Monetarisierung.
  • Die Notenbanken, so die Argumentation, können dieses Geld aus dem Nichts schaffen und könnten zudem nicht Pleite gehen. Negatives Eigenkapital spielt bei ihnen demnach keine Rolle. ‒ bto: Das hatten wir schon mehrfach hier. Ich erinnere jedoch daran, dass in der Logik der Eigentumsökonomik Geld nur aus der Vergabe von Krediten gegen gute Sicherheiten entsteht. Wird Geld einfach so verteilt, ist es die Grundlage für Geldentwertung. Aber diese wäre ja das Ziel.
  • Diesen Befürchtungen wird entgegengetreten, weil die Notenbanken selbst dann noch Inflation bekämpfen könnten. Vier Instrumente stünden bereit: a) Zinsen auf Mindestreserven erhöhen, b) Ausgabe von Anleihen (also die Notenbank verschuldet sich beim Privatsektor, c) Erhöhung der Mindestreserveanforderung und d) andere regulatorische Eingriffe. ‒ bto: Das mag in der Theorie stimmen. Was die Notenbanken jedoch nicht kontrollieren können ‒ wie sich gerade auch heute zeigt ‒ ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Sobald Inflationsangst um sich greift, explodiert Letztere. Dann sind die Notenbanken machtlos. Alle großen Inflationen spielten sich in kurzer Zeit ab. Siehe Weimar, Argentinien und Simbabwe.
  • Im Kern funktioniert Helikoptergeld nur in der Kombination: Das Geld wird geschaffen und auch ausgegeben, entweder von den Privaten oder vom Staat ‒ für mehr oder weniger sinnvolle Investitionen.
  • Wer die Unabhängigkeit der Notenbanken gefährdet sieht, der muss erkennen, dass schon heute die Notenbanken nicht wirklich unabhängig sind. (Ich würde sagen, ein Blick auf die EZB genügt.) Bloomberg hält sie aber für kompetenter als Politiker.
  • Für die nächste Krise brauchen die Notenbanken ein breiteres Mandat. Helikoptergeld also.

Für mich nur ein weiterer Beweis für die Dramatik der Situation, in der wir uns befinden.

→ Bloomberg: Monetary Policy for the Next Recession, 31. Mai 2015

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