Fehlanreize für Manager ‒ Schnelles Geld und geschönte Zahlen

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Warum investieren wir nicht?, ist eine der wesentlichen Fragen unserer Zeit. Meine Thesen dazu sind wohlbekannt.

Es gibt dafür neben den guten makroökonomischen Gründen auch andere Gründe, nämlich die ganz menschlichen: Wie sind die Anreizsysteme für die Entscheidungsträger gestaltet. Wie ich mehrfach beschrieben habe, ist es um ein Vielfaches riskanter und gefährlicher das Geld in wirkliche Investitionen und Innovationen zu stecken, wenn man als Manager agiert. Besser sind allemal die Zahlung von Dividenden und der Rückkauf von Aktien.

Die Anreizsysteme wirken dabei sehr direkt, wie die FT festhält:

  • Die Produktivität sinkt in allen Industrieländern. Dies ist kein Zufall, sondern die direkte Folge von zu geringen Investitionen. Diese sind namentlich in den USA und UK die Folge der „Bonus-Kultur“.
  • Seit 1990 ist in UK die Investitionsquote von 26 auf 17 Prozent des BIP gefallen.
  • Investitionen sind die (wie ich meine schwerwiegendste!) Entscheidung des Managements. Interessant: Börsennotierte Firmen in den USA investieren HALB SO VIEL wie die nicht notierte Vergleichsgruppe, obwohl die Investitionen in Summe gleich groß sind. ‒ bto: Jetzt könnte man sagen, dass kleinere Unternehmen eher mehr investieren als große, was ich bezweifle. Aber es könnte dahinter liegen. Nur wenn dem so wäre, müsste das Steuerrecht die Kleinen begünstigen. Tut es aber nicht ‒ nicht nur in den USA ‒, weil die kleineren nicht so gut ausweichen können.
  • Eigentümer; die ihre eigenen Firmen managen, denken langfristig. Dies bedeutet; sie denken an die Wettbewerbsfähigkeit, was günstige Preise bedeutet und hohe Produktivität. Letzteres gibt es nur bei adäquaten Investitionen.
  • Manager denken hingegen kurzfristig an den nächsten Bonus. Da geht es um die laufenden Erträge. Später mag sich dies rechnen, aber da sind die Manager nicht mehr im Amt. ‒ bto: ganz so wie Politiker!
  • Ein weiteres Problem ist der Mangel an Wettbewerb. Wir haben zu viele monopolähnliche Strukturen. Folge: Überrenditen und mangelnder Investitionsdruck.
  • Lösung: Statt Ist-Profite zu belohnen, sollten wir Produktivitätsfortschritte mit Boni honorieren. ‒ bto: netter Gedanke. ABER: Auch die Aktionäre handeln viel kurzfristiger, wie man an der Haltedauer von Aktie sieht ‒ nur noch wenige Monate. Wer denkt da schon in einem 10-Jahres-Horizont?

Doch damit nicht genug. Manager investieren nur nicht, sie schönen auch die Zahlen, die wir alle ‒ vor allem die schlechteren Medien, die ich hier nicht nennen mag ‒ einfach für bare Münze nehmen. Zero Hedge dazu mit einem Beitrag:

Zunächst ein Vergleich der echten Gewinne (gemäß US-GAAP, General Accepted Accounting Principles, also Gewinnen bei strenger Anwendung der Bilanzierungsregeln) und der Pro-forma-Ergebnisse, bei denen alle möglichen Dinge nach eigener Definition bereinigt wurden. Wie ich bereits in meiner Serie Was tun mit dem Geld geschrieben habe: Ordentliche Erträge sind außerordentlicher, als man denkt, außerordentliche Aufwendungen sind ordentlicher, als man denkt.

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, hier ist er: 2008 waren die meisten Unternehmen in echten Schwierigkeiten und haben ihre Zahlen massiv geschönt. 2014 sind sie auch sehr pflegend unterwegs.

Zero Hedge geht danach auf einzelne Unternehmen ein und macht deutlich, wie groß die Unterschiede sind. Vor allem die Bezahlung der Mitarbeiter mit Aktienoptionen führt zu einer Verzerrung. So können Unternehmen Milliardengewinne ausweisen, obwohl sie Verluste machen. ‒ bto: Dazu muss ich anmerken, dass man dies nicht, wie Zero Hedge das macht, auf die Zahlen eines Quartals beschränken darf. Die Optionen wurden über längere Zeiträume verdient. Damit sind die Dimensionen nicht so schlimm, was aber nichts daran ändert, dass die Zahlen der Unternehmen manipuliert sind.

Fazit: Die Anreize führen zu einem real schlechten Verhalten (wenig Investitionen) und einer Täuschung des Publikums. Beides nicht gut.

FT (Anmeldung erforderlich): Executive pay holds the key to the productivity puzzle, 28. Mai 2015

Zero Hedge: The Non-GAAP Revulsion Arrives: Experts Throw Up All Over „Made Up, Phony, Smoke And Mirrors“ Numbers, 8. Juni 2015

2 Kommentare
  1. Benjamin Roth says:

    „Börsennotierte Firmen in den USA investieren HALB SO VIEL wie die nicht notierte Vergleichsgruppe, obwohl die Investitionen in Summe gleich groß sind.“

    Ich wuerde annehmen, dass das damit zusammenhaengt in welcher „Lebensphase“ ein Unternehmen an die Boerse geht: und dies geschieht zu einem immer spaeteren Zeitpunkt, vor allem im High-Tech-Bereich. Der Boersengang kann dann oft als Cash-out der urspruenglichen Investoren angesehen werden, wenn die riskanten urspruenglichen Investitionen schon lange getaetigt sind und sich ausgezahlt haben. Das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt ist dann Vergleichsweise wenig innovativ (aber etabliert), und die Manager versuchen mit dem was da ist eben noch ein bisschen Profit zu machen, ohne wirkliche Zukunftsvisionen zu entwickeln.

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