Lösung der Eurokrise durch eine europäische Bad Bank?

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Bekanntlich ist die Eurokrise eine Schuldenkrise. Die Einführung des Euro hat einen einmaligen Schuldenboom ermöglicht, dessen Folgen die Eurozone nun spürt und den wir Deutsche durch die völlig verfehlte Rettungspolitik der Bundesregierung auch in den kommenden Jahren noch spüren werden.

Entscheidende Fragen sind – wie wir am Montag gesehen haben – wie man die faulen Schulden loswird und wer den Schaden trägt. Ein wichtiger Baustein ist die angedachte Bankenunion und auch die Idee einer europäischen Bad Bank. Dabei geht es nur um eines: den Schaden anderen zuzuschieben, vor allem den angeblichen „Profiteuren“ des Euro, den „reichen“ Deutschen. Dass beides nicht stimmt, habe ich hier schon mehrfach gezeigt. 

 

Bad Bank auf deutsche Kosten

Die FT diskutiert das Thema erneut:

  • A few weeks ago Andrea Enria, the head of the European Banking Authority, proposed an EU-wide publicly funded ‚bad bank‘. The idea was that it would buy out the overhang of bad loans that still debilitates too many European banks (the Italian banking system is the most worrying casualty).“ bto: Offen wird hier gefordert, dass deutsche Steuerzahler für die faulen Schulden aufkommen. Richtig ist, dass Bad Banks in Spanien sehr geholfen haben.
  • The idea was swiftly smacked down by German ‚government sources‘. But (…) the proponents of the idea are not giving up without a fight. That is a good thing.“bto: Die glücklichen Engländer haben ja auch noch das Pfund.

Im Prinzip eine richtige Idee

  • Die FT erklärt die Logik: „It is worth restating the simple policy reason to sequester bad loans and other toxic assets from banks’ balance sheets. The value of such assets is uncertain, but plausibly much less than the accounting value. (…) The possibility of lossmaking time-bombs lurking in its portfolio can both inhibit the bank itself from undertaking new risks, and may lead its own creditors to charge more for financing it.“ bto: Und in Europa dürften wir es mit rund einer Billion Euro (oder gar mehr) zu tun haben.
  • „This (…) can hold back economic growth if it applies widely enough through an economy’s banking system. A lending drought is the last thing an economy needs after the sort of crisis that typically causes widespread bad loans in the first place.“ bto: Man muss es schon übersetzen: Eine Schuldenkrise wird gelöst, indem man faule Schulden „verschwinden lässt“, um dann wieder mehr Schulden zu machen.
  • „(…) a ‚bad bank‘ (…) can take its time to liquidate the assets or let them run off to maturity. Crucially, those decisions will not be linked to decisions determining that availability of fresh credit in the economy.“ bto: Die Zeit heilt viele Wunden, so sicherlich auch hier. Das stimmt.

USA und Island als Vorbilder

Bekanntlich haben sich die USA und Island deutlich besser erholt, was namentlich auch mit der konsequenteren Sanierung der Banken zu tun hat.

  • Die FT dazu: „Iceland’s more radical approach to its banks led to results that compare favorably to Ireland’s (and is a better explanation of the two countries’ economic performance since 2008 than their different exchange rate regimes).“ bto: Wow, das ist so richtig! Dabei haben die ausländischen Gläubiger der isländischen Banken aber in die Röhre geschaut. So hätten es auch die deutschen und französischen Banken in Irland und Griechenland tun sollen. Doch das war politisch nicht machbar. Das ist mit ein Grund für die lange Krise, weil die Gläubiger – also vor allem auch wir Deutschen – nicht merken sollten, dass unser Geld weg ist. So warten wir noch auf den Moment.
  • Why does it typically prove so difficult to do the right thing in this regard? Because removing bad assets from a bank means the losses have to be allocated. (…) (Also Bank oder Bad Bank) In the first case, the bank (…) may have to be restructured or bailed out — neither a palatable choice for most politicians. In the latter case, taxpayer money (…) given that the institution taking on the bad loans after a systemic crisis will most probably be a government-sponsored one.“ bto: Noch mal Klartext – im ersten Fall zahlen die Gläubiger/Aktionäre der Bank oder der Heimatstaat. Im zweiten Fall soll die Union bezahlen!

Warum soll die Bad Bank EU-weit sein?

  • Die FT dazu: „(…) why should the ‚bad bank‘ be pan-European? Zitiert werden die Ergebnisse einer Studie: „(…) economies of scale and expertise, as well as the incontestable fact that the bad loan problem in some member states has affected growth in the region as a whole (and monetary policy effectiveness for the eurozone as a whole).“” bto: Das mag ja alles zutreffen, sind aber nicht die Hauptpunkte. Es geht um die Verteilung des Schadens.
  • „(…) the supranational regulatory structure that is emerging as part of Europe’s banking union now has the power to push banks into selling off the assets that weight them down at an unsubsidised price. All that is needed, given the absence of a liquid market, is a buyer. If the EU heeds the EBA’s advice, it will earn the gratitude of Europe’s unemployed and underpaid.“ bto: Klartext: eine Bereinigung der faulen Kredite zulasten des deutschen Steuerzahlers. Martin Schulz ist da bekanntlich dabei.

bto: Ich denke, es wäre allemal besser, die EZB würde die Assets direkt aufkaufen und über 1000 Jahre abschreiben. Da bin ich bei Adair Turner.

→ FT (Anmeldung erforderlich): A European bad bank is needed to clean up European banks’ mess, 27. Februar 2017

24 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „Ich denke, es wäre allemal besser, die EZB würde die Assets direkt aufkaufen und über 1000 Jahre abschreiben. Da bin ich bei Adair Turner.“

    Bekanntlich bin ich auch ein großer Fan von Turner. Ich bin aber auch ein großer Fan des Rechtsstaats. Insofern keine weitere monetäre Staatsfinanzierung sondern monetäre Bürgerfinanzierung, die explizit nicht verboten ist. Diese Vorgehensweise verstößt nicht gegen Art. 123 AEUV, verhindert die Abschreibungen der EZB und ist letztlich etwas Ähnliches wie Ihr 1000-jähriger Vorschlag. Kauft die EZB weitere Staatsanleihen auf und behält sie ad infinitum in ihren Bilanzen, dann wird dieser Effekt genau so über QE4P erreicht. Statt Staatsanleihen mit ewiger Laufzeit gibt es eben Zentralbankgeld mit ewiger Laufzeit. Zumal das eigentliche Problem ja nicht so sehr die Staatsschulden sind, sondern die privaten Schulden. Statt einer publicly funded ‚bad bank‘ also publicly funded ‚good helicopter‘: https://zinsfehler.com/2016/09/25/ein-geldpolitisches-manifest-fuer-europa/

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Es ist richtig, dass die Eurokrise vor allem eine politische Krise ist – beginnend mit der Einführung des Euro unter Bedingungen, die zur Krise führen mussten (was manche vorhersagten und jetzt alle wissen).

      Danke für den Link.

      Daraus:

      >But can the ECB really do “whatever it takes”? Ultimately, monetary stability requires political support. Without fiscal cooperation, no central bank can maintain the value of its currency.>

      Das ist m. A. n. falsch.

      Im SYSTEM der Zentralbanken, also der ECB kann der Wert einer einzelnen (Landes)-Währung sehr wohl ohne Fiskalpolitik stabilisiert werden, weil jede dieser einzelnen Währung der GEMEINSAME Euro ist. Es kommt darauf an, was das System der Zentralbanken will. Wenn es den Wert des Euro für jedes Land erhalten will, muss es nur den Euro erhalten. Einmal abgesehen von rechtlichen Fragen, kann es dies.

      > In a monetary union, stability also requires a modicum of cooperation among governments.>

      Das ist richtig, weil richtig ist, was hier behauptet wird:

      >According to reported statements by senior representatives of the Front National (FN), if their leader (Marine Le Pen) wins the upcoming presidential election, the plan is to exit the euro and reintroduce the French Franc. France would then convert the bulk of its €2.1 trillion in government debt into the new currency, and engineer a depreciation to both make repayment easier and boost the country’s competitiveness.

      Representatives of S&P and Moody’s have said that this would be a default…

      To understand the consequences—just of the heightened risk, not the realization—consider how other euro-area countries would react if France, indeed, exited the euro. First and foremost, small peripheral economies—Cyprus? Greece? Portugal?—might be inclined to leave quickly. If, as we suspect, Italy and Spain also follow, the euro as we know it would be finished.>

      So sieht es aus, was das VERSTÄNDNIS der Konsequenzen betrifft, wenn die Kooperation zwischen den Regierungen aufgesagt wird.

      Sicher, die Target2-Salden würden herangezogen werden, um eine Grundlage für das ausdrücklich anerkannte repayment zu haben. Der FN würde aber NICHT das fanzösische Defizit ausgleichen wollen.

      Davon gehen die Märkte aus und würden so REAGIEREN, dass die anderen Länder unter Druck gerieten durch steigende Spreads zu den Bundesanleihen.

      Deshalb ist Stabilität unmöglich ohne ein Mindestmaß an Kooperation.

      Bei Austritt eines gewichtigen Landes ist das Mindestmaß an Kooperation nicht mehr gegeben, um den Zerfall der Eurozone zu vermeiden.

      HINTERHER durch Kooperation der Schaden zu begrenzen, was ich durchaus glaube und hier am Blog diskutierten Austritt Italiens auch ausgedrückt habe, kann den VERLUST von Stabilität nicht kompensieren.

      Es kann allen- und bestenfalls zu neuer Stabilität führen.

      Antworten
      • Michael Stöcker says:

        „Danke für den Link.“

        Sehr gerne!

        „Wenn es den Wert des Euro für jedes Land erhalten will, muss es nur den Euro erhalten.“

        Ich bin hier dezidiert der Meinung von Schoenholtz und Cecchetti: „Without fiscal cooperation, no central bank can maintain the value of its currency.”

        Warum? Wenn sich die Fiskalpolitik verweigert (schwarze Null sowie Fiskalpakt statt antizyklische Fiskalpolitik im Kreditzyklus) und es unterlässt, die nötigen Investitionen in Bildung und insbesondere Infrastruktur zu unterlassen, dann sinkt mittelfristig das Potentialwachstum und die Währung wertet tendenziell ab. Man kann sich nicht nur zu Tode amüsieren, man kann sich auch zu Tode sparen.

        „Es kommt darauf an, was das System der Zentralbanken will.“

        Die ZBen sind zwar weitestgehend unabhängig; das heißt aber nicht, dass sie machen können, was sie wollen. Insofern kommt es also nicht darauf an was sie wollen, sondern vielmehr, was ihr gesetzlicher Auftrag ist; und der ist klar definiert.

        Das Problem bei der ganzen Geschichte ist allerdings, dass die EZB das primäre Ziel gar nicht ohne Unterstützung der Fiskalpolitik hinbekommen kann; denn die Zentralbank hat nur einen sehr geringen Einfluss und relativ stumpfe Instrumente, um den Kreditzyklus zu steuern; insbesondere am ZLB. Zentralbanken können immer nur auf Marktentwicklungen reagieren (insbesondere auf den Auslastungsgrad des Produktionspotenzials), sie können diese Entwicklungen aber nicht autonom steuern. Sie erinnern sich eventuell an meinen Beitrag von vor über 3 Jahren (inkl. Diskussion mit veblen): https://zinsfehler.com/2013/09/06/allmachtsfantasien-zur-zinssetzungshoheit/.

        Der Irrglaube, dass eine Zentralbank die Inflationsrate autonom steuern könnte, ist allerdings sehr tief verankert. Verantwortlich für diesen Irrglauben ist unter anderem der naive Monetarismus 1.0 eines Milton Friedman mit dem Märchen vom Basisgeld und dem Geldschöpfungsmultiplikator, das bis heute noch in den meisten Lehrbüchern zu finden ist und bis zum Jahre 2008 so auch von der Bundesbank und anderen Zentralbanken erzählt wurde. Es war einer der Gründe, weshalb ich 2013 mit einem eigenen Blog ins Rennen gegangen bin.

        LG Michael Stöcker

  2. Dietmar Tischer says:

    Ob die europäischen Steuerzahler die Lasten einer europäischen Bad Bank tragen sollten, ist letztlich eine Frage des politischen Wollens.

    Man kann dafür sein und sollte unter den Umständen auch dafür sein, wenn die KONSEQUENZEN erkennbar nachhaltig positiv wären.

    Wären sie das?

    Die FT:

    >„(…) a ‚bad bank‘ (…) can take its time to liquidate the assets or let them run off to maturity. Crucially, those decisions will not be linked to decisions determining that availability of fresh credit in the economy.“>

    Richtig, das ist eine Konsequenz, die positiv wäre.

    Die Geschäftsbanken hätten wieder Spielraum für die Kreditvergabe, weil sie vom Joch ihrer maroden Bilanzen befreit wären. Demgegenüber ist zweitrangig, wie die europäische Bad Bank die faulen Kredite sterilisieren würde.

    Schlussfolgerung der FT:

    >If the EU heeds the EBA’s advice, it will earn the gratitude of Europe’s unemployed and underpaid.”>

    Das mag schon sein als kurzfristige POLITISCHE Dividende für die Einrichtung einer solchen Bad Bank, ist aber mit Blick auf das ÖKONOMISCHE Problem ein grandioser FEHLSCHLUSS.

    Kredit bekämen auch und vor allem die Unternehmen, die INSOLVENT sind bzw. am Rande der Insolvenz sind, weil die Kredite am nötigsten brauchen. Die REALWIRTSCHAFTLICHE Ursache der Malaise wird dadurch aber nicht bereinigt. Die Bad Bank ist kontraproduktiv (im wahrsten Sinn des Wortes). Denn sie würde die Verfestigung von Strukturen ermöglichen, die zum Desaster geführt haben.

    Das muss m. A. n. die BEGRÜNDNG dafür sein, warum eine Bad Bank keine Lösung ist, wenn es nicht Folgelösungen, insbesondere Insolvenzen in der Realwirtschaft gibt.

    Es könnte sie geben, weil der entlastete Banksektor sie tragen könnte.

    Es würde sie aber nicht geben, weil der gesellschaftlich-politische Konsens wäre, Kredite auszureichen, um die Konjunktur anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu verringern.

    Es wäre die Wiederkehr dessen, was wir gehabt haben – die Entwicklung hin zu einer ERNEUTEN Überschuldungskrise.

    Allerdings: eine mit ZEITGEWINN.

    Keine Lösung also, aber immerhin etwas, das man nach Lage der Dinge als Erfolg bezeichnen könnte.

    Antworten
  3. Stefan Wehmeier says:

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht

    „Lache nie über die Dummheit der anderen. Sie ist deine Chance.“

    Winston Churchill

    Die größte Dummheit der anderen besteht darin, dass sie das Geld nicht verstehen. Also sollte man diese größte Chance nutzen. Dazu ist es erforderlich, erst einmal selbst das Geld zu verstehen, was nicht besonders schwer ist:

    Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld
    https://www.swupload.com//data/Band_11.pdf

    Dann stellt sich die Frage, warum die anderen diese „banalsten Selbstverständlichkeiten“ nach einem Jahrhundert noch immer nicht verstanden haben. Das ist schon etwas schwieriger zu verstehen, aber auch auf diese Frage gibt es nur eine mögliche Antwort:

    Himmel und Erde = Nachfrage (Geld) und Angebot (Waren)
    Garten Eden / Paradies = freie (d. h. monopolfreie) Marktwirtschaft
    Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
    Baum des Lebens = Geldkreislauf
    Baum der Erkenntnis = Geldverleih
    Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins (S. Gesell) / Liquiditätsprämie (J. M. Keynes)
    Gott (Jahwe) = künstlicher Archetyp: „Investor“
    Mann / Adam = Sachkapital / der mit eigenem Sachkapital arbeitende Kulturmensch
    Frau / Eva = Finanzkapital / der in Sachkapital investierende Kulturmensch
    Tiere auf dem Feld = angestellte Arbeiter ohne eigenes Kapital (Zinsverlierer)
    Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine)
    Nachkommen der Schlange = Geldersparnisse
    Nachkommen der Frau = neue Sachkapitalien
    Kopf der Schlange = Kapitalmarktzins (Sachkapitalrendite)
    Erbsünde = Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz)
    Vertreibung aus dem Paradies = Verlust der Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus
    Cherubim = Denkblockaden

    Das ist nun wirklich nicht mehr zum lachen, aber man sollte dennoch den Humor nicht verlieren:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2016/10/gesetze-der-zukunft.html

    Antworten
      • Stefan Wehmeier says:

        „Man darf nicht glauben, eine Idee könne durch den Beweis ihrer Richtigkeit selbst bei gebildeten Geistern Wirkungen erzielen. Man wird davon überzeugt, wenn man sieht, wie wenig Einfluß die klarste Beweisführung auf die Mehrzahl der Menschen hat. Der unumstößliche Beweis kann von einem geübten Zuhörer angenommen worden sein, aber das Unbewußte in ihm wird ihn schnell zu seinen ursprünglichen Anschauungen zurückführen. Sehen wir ihn nach einigen Tagen wieder, wird er aufs neue mit genau denselben Worten seine Einwände vorbringen. Er steht tatsächlich unter dem Einfluß früherer Anschauungen, die aus Gefühlen gewachsen sind; und nur sie wirken auf die Motive unserer Worte und Taten.“

        Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

        Und wer noch nicht einmal ein „geübter Zuhörer“ ist, sagt nur „was für’n Quatsch…“.

      • Stefan Wehmeier says:

        Bleiben Sie einfach sachlich. Dann müssten Sie allerdings den unumstößlichen Beweis annehmen. Das wollen Sie nicht ohne weiteres, sind aber trotzdem neugierig. Anderenfalls hätten Sie gar nicht geantwortet, anstatt „was für’n Quatsch…“ zu schreiben. Also, was wollen Sie wissen?

      • mg says:

        Soso. Haben Sie die bescheuerte Zeitungsanzeige in der Thüringer Allgemeinen in Auftrag gegeben?

      • Stefan Wehmeier says:

        Wenn Sie mir verraten, welche bescheuerte Zeitungsanzeige Sie meinen, lässt sich vielleicht ergründen, warum Sie solche bescheuerte Fragen stellen.

      • mg says:

        An der Verbreitung solcher Foulspiele beteilige ich mich grundsätzlich nicht, deshalb werde ich das hier auch nicht verlinken.

        Aber, egal. Es geht hier schliesslich um Sie. Es sieht so aus, als ob Sie hier und vermutlich auch anderswo aus dem Kontext gerissene, überzeichnete und häufig schlichtweg erfundene Zitate in rufschädigender Absicht platzieren.

        Meine Fragen dazu: geht es Ihnen danach besser? Oder ist das so eine Art schlechte Angewohnheit, der sie nahezu dauernd nachgehen ohne Ihr Ziel zu erreichen? Und glauben Sie wirklich, ich sei neugierig auf Sie oder würde das Forum hier wegen Ihnen lesen???

  4. Dietmar Tischer says:

    @ M. Stöcker

    >Ich bin hier dezidiert der Meinung von Schoenholtz und Cecchetti: „Without fiscal cooperation, no central bank can maintain the value of its currency.”

    Warum? Wenn sich die Fiskalpolitik verweigert (schwarze Null sowie Fiskalpakt statt antizyklische Fiskalpolitik im Kreditzyklus) und es unterlässt, die nötigen Investitionen in Bildung und insbesondere Infrastruktur zu unterlassen, dann sinkt mittelfristig das Potentialwachstum und die Währung wertet tendenziell ab.>
    Ich lasse dahingestellt, ob es DAS sein muss, was Sie hier Ihre Auffassung begründend benennen und was der Einfluss der Fiskalpolitik überhaupt ist bezüglich des Werts einer Währung.

    Ich bin nicht in der Lage, darüber etwas Fundiertes zu sagen.

    Richtig ist aber sicher, dass die Zentralbank allein nicht den Wert einer Währung gegenüber anderen Währung bestimmen kann. Dies schon deshalb nicht, weil es in anderen Währungsräumen Handlungsoptionen gibt, auf die eine andere Zentralbank keinen Einfluss hat, z.B. die Fiskalpolitik betreffend, die dort betrieben wird.

    Wenn man bei der Aussage „Ultimately, monetary stability requires political support“ unter „monetary stability“ die Verhinderung des ZERFALLS der Währungsunion versteht – und um die Währungsunion und deren Zerfall und nichts anderes geht in der Abhandlung – , dann halte ich diese Aussage für falsch. Ich lese jedenfalls nicht, dass es um den Außenwert des Euros geht. Es geht hier um die „Future of the Euro“ – darum, ob er Bestand hat als Währung.

    >„Es kommt darauf an, was das System der Zentralbanken will.“

    Die ZBen sind zwar weitestgehend unabhängig; das heißt aber nicht, dass sie machen können, was sie wollen. Insofern kommt es also nicht darauf an was sie wollen, sondern vielmehr, was ihr gesetzlicher Auftrag ist; und der ist klar definiert.>

    Das ist richtig und weil ich in weiser Voraussicht gesehen habe, dass dieser Einwand kommen könnte, habe ich geschrieben:

    >Wenn es (das System der Zentralbanken) den Wert des Euro für jedes Land erhalten will, muss es nur den Euro erhalten. Einmal abgesehen von rechtlichen Fragen, kann es dies.>
    Dafür muss sie keinen Kreditzyklus steuern und auch nicht ihr Primärziel einer bestimmten Inflationsrate erreichen.

    Sie muss nur DAUERHAFT für Liquidität sorgen, z. B. wenn erforderlich entgegen ihrer Satzung für eine Karre Mist einen Kredit in Millionenhöhe bewilligen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Sie muss nur DAUERHAFT für Liquidität sorgen, z. B. wenn erforderlich entgegen ihrer Satzung für eine Karre Mist einen Kredit in Millionenhöhe bewilligen.“

      An wen darf/kann denn eine Zentralbank einen Kredit bewilligen? Wenn Sie sich diese Frage beantwortet haben, werden Sie feststellen, dass Ihre Argumentation logisch nicht haltbar ist. Durchdenken Sie in diesem Kontext bitte die Funktionsweise eines zweistufigen Geldsystems.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        O.k. Meister des Geldwissens, ich habe mich in der Verkürzung falsch ausgedrückt.

        Deshalb ausführlich so:

        Eine Geschäftsbank vergibt einen Kredit für die Sicherheit einer Fuhre Mist oder, da mit dauerhafter Werthaltigkeit dieses Pfands gerechnet werden muss, einer Fuhre Kieselsteine in Höhe von Mio. 1 EUR.

        Damit kommt Liquidität ins System.

        Sie wird das ohne Konsequenzen für die eigene Liquidität tun (können), wenn sie sicher sein kann, dass ihr jemand ihre Forderung an den Kieselsteinelieferanten abkauft. Kein Problem:
        Sie bündelt diese Forderung mit anderen in ein ABS und kann die verbriefte Forderung an die EZB verkaufen, WENN diese signalisiert hat, dass sie sie kaufen werde.

        Kauft sie, wird der Geschäftsbank ein entsprechendes Guthaben, hier EUR 1 Mio. für den Kieselsteinanteil des ABS gutgeschrieben.

        Die Zentralbank hat ZUSÄTZLICHES Zentralbankgeld geschaffen

        Recht so?

        Das ist logisch haltbar, aber natürlich nicht rechtlich.

        Macht aber nicht, in der Not frisst bekanntlich der Teufel Fliegen.

        So war das nach Ansicht vieler mit den ELA-Krediten 2015 in der Griechenlandkrise, als die vermutlich überschuldeten griechischen Banken mit Liquidität versorgt wurden.

        Sogar der Großmeister Hellwig hat da mal ganz schnell die Rechtsebene verlassen und gegen Sinn und Fuest argumentiert: Wäre es besser gewesen, Griechenland pleitegehen zu lassen?

        Es wäre vermutlich nicht besser gewesen.

        Aber man hat dafür eben die rechtlichen Beschränkungen überschreiten müssen.

      • Michael Stöcker says:

        „Eine Geschäftsbank vergibt einen Kredit für die Sicherheit einer Fuhre Mist oder, da mit dauerhafter Werthaltigkeit dieses Pfands gerechnet werden muss, einer Fuhre Kieselsteine in Höhe von Mio. 1 EUR.“

        Im Zweifel würde ich mich dann doch für die Fuhre Mist entscheiden. Guter Dünger ist in Krisenzeiten durchaus ertragreicher als die Ausbringung von Kieselsteinen auf Grund und Boden.

        Ansonsten völlig d’accord!

        LG Michael Stöcker

  5. Wolfgang Selig says:

    „If you fool me once, shame on you. If you fool me twice, shame on me.“
    Kann mir irgendjemand erklären, warum die Deutschen die Stagnation der überschuldeten Staaten beseitigen helfen sollen, nur damit die gleiche Prozedur der unproduktiven und im wesentlichen konsumtiven Verschuldung von vorne losgehen kann? Wir haben naiverweise die erste Verschuldungswelle finanziert. Mit der jetzigen Einstellung geht doch im Süden sonst der Spaß wie 1999 von neuem los. Das wäre dann die zweite Welle. Oder habe ich übersehen, dass in den betroffenen Ländern gerade ein riesiges nachhaltiges Interesse an Produktivitätssteigerung, Hochtechnologie, Sparwille und vorbildlichem Verwaltungshandeln entstanden ist, um die Probleme künftig vermeiden zu können? Die aktuelle Eiszeit hat einen riesigen politischen Vorteil: die Südländer bekommen Gelegenheit zu prüfen, ob sie den für eine gemeinsame Hart-Währung notwendigen Lebensstil dauerhaft annehmen wollen. Und die Nordländer können überlegen, ob sie die Südländer alimentieren wollen, wenn diese dazu keine Lust haben, natürlich zu Lasten des eigenen Wohlstands. Oder beide gehen ein wenig aufeinander zu. Und darüber ist bei den Wahlen der Völker in den nächsten Jahren abzustimmen. Argumente gibt es für alle Seiten. Mal schauen, wer sich wie stark bewegen will… Aber dadurch wird die politische Debatte über die Zukunft der EU mal kräftig angeschoben. Und genau das war der Hauptgrund für die Einführung des Euro. Dumm nur für den arbeitslosen Jugendlichen im Süden, heißt es. Nur – sind seine Großeltern vor 60 Jahren nicht aus den gleichen Gründen schon vor der Währungsunion Gastarbeiter geworden? Daher meine nicht zynisch gemeinte Meinung: ohne Krise keine Entscheidung. Leider.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Ich bin mir aber nicht ganz so sicher wie Häring, da die EZB doch sehr stark nach den alten monetaristischen Vorstellungen der Bundesbank konzipiert wurde und Trichet seinerzeit keinesfalls als geldpolitische Taube gelten wollte und von daher mit der Leitzinserhöhung 2011 die falsche Entscheidung getroffen wurde. Von daher neige ich eher zu dieser Interpretation:

      „Erstens: Verschwörungstheorien sind manchmal wahr. Und zweitens: Oftmals lassen sich Ereignisse realistischer dadurch erklären, dass die handelnden Personen schlicht und ergreifend inkompetent waren, und dem ganzen überhaupt kein großer Plan zugrunde lag. Im Englischen nennt man diese Theorien „cock-up theories“, was sich am ehesten als „Mist gebaut“- oder „Pfusch“-Theorie übersetzen lässt.“

      http://makronom.de/grexit-was-uns-verschwoerungstheorien-ueber-die-politik-in-griechenland-erzaehlen-koennen-19900

      Meine Sicht schätzte Häring 2014 wie folgt ein: „Ihr Mangel an Zynismus ehrt Sie. Ich werde allerdings, um Sie zu überzeugen, dass hier durchaus zielgerichtet vorgegangen wird, in Kürze Herrn Schäuble zitieren.“

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Ich lasse einmal strittige Fragen offen, so z. B. ob es tatsächlich WIR waren, die die erste Verschuldungswelle finanziert haben. Ja auch, aber nicht nur, würde ich sagen.

      Mir geht es hier um etwas anderes:

      Ihre Auffassung, dass die Eiszeit einen riesigen politischen Vorteil hat, halte ich für falsch.

      Die Südländer wollen nicht prüfen, ob … und die Nordländer wollen nicht überlegen, ob …

      Denn das würde einen rational geführten öffentlichen Diskurs nicht nur über die jeweiligen Vorteile, sondern auch einen über die KOSTEN beinhalten. Kosten gäbe es auch dann, wenn man aufeinander zuginge.

      Öffentliche Debatten über Kosten führen zu Ablehnung. Deshalb werden sie tunlichst vermieden zumal es hier um Kosten ginge, bei denen man nur die Vorteile der andere sehen würde. Dass jede Seite auch SELBST Vorteile hat bei Inkaufnahme der Kosten, fällt unter den Tisch, weil Vorteile als selbstverständlich angenommen werden.

      Wenn die Eiszeit einen politischen Vorteil hat, dann den, dass sie die ENTSCHEIDUNG reifen lässt für die situationsgerecht RELEVANTE Frage, die so lautet:

      Ist die Lage so unerträglich, dass ich das hohe Risiko möglicherweise auch schwerwiegender Austrittsfolgen in Kauf nehmen will oder ist sie es nicht?

      Mit der Beantwortung, ausgedrückt in demokratischen Wahlen, fällt die Entscheidung, d. h. mit der Lastengewichtung durch Millionen von Wählern, nicht mit einem abwägenden Diskurs.

      Wenn es dennoch einen Diskurs gibt wie z. B. vor dem Brexit, dann ist er übelste Demagogie, wie wir gesehen haben.

      Antworten

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