An China hängt die Weltwirtschaft

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Bekanntlich ist China von überragender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft:

China Importe

Im letzten Jahr habe ich mich immer wieder mit der Lage beschäftigt, vor allem mit Blick auf die enormen Schuldenprobleme:

→ „Deflationärer Schock aus China trifft Anleger weltweit“

→ „Chinas Verschuldungsboom – gefährliche Parallelen“

→ „The Coming China Crisis“

Chinas Schulden sind viel zu hoch

→ China gibt Gas

Besonders hervorheben möchte ich noch diese eindringliche Warnung aus dem September, wo von einer deutlichen Rezessionsgefahr in China die Rede ist: → China stürzt ab und zieht die Welt in die Rezession.

Sicherlich auch angeregt vom turbulenten Start in das neue Jahr kommt die Bank of America (BofA) zu einem eindeutigen Schluss: China steht vor einer Rezession und wird die Schuldenprobleme nur mit drastischen Maßnahmen in den Griff bekommen.

Dabei schauen die Analysten zunächst auf eine einfache Kenngröße: das Wachstum der Schulden. Wie auch bei bto immer wieder betont, ist die Geschwindigkeit des Schuldenwachstums von erheblicher Bedeutung. Je höher das Wachstum, desto größer die Gefahr von Unfällen. Findet sich mit Blick auf China bereits in Die Billionen-Schuldenbombe (übrigens immer noch ein aktuelles Buch, welches die Grundlagen der Krise deutlich erklärt).

Die BofA meint, sobald die Privatschulden eines Landes innerhalb von vier Jahren um mehr als 40 Prozent vom BIP wachsen, droht mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Finanzkrise: in Form einer notwendigen Rekapitalisierung des Bankensystems, deutlicher Abwertung der eigenen Währung, hoher Inflation, Staatspleiten oder einer Kombination davon:

Wie wild es die Chinesen getrieben haben, sieht man an dieser Darstellung. Seit 2009 sind die Schulden des Privatsektors um immerhin 75 Prozent gestiegen (nichts Neues für Leser von bto, interessant ist der Vergleich. So viel zu dem Märchen des „Deleveraging“):

Die höchste Wachstumsrate lag bei 49 Prozent über vier Jahre (2009-2012) – damit wäre die 90-Prozent-Voraussetzung erfüllt.

Mit Ausnahme der Staatspleite hat China seit den 1970er-Jahren alle diese Maßnahmen bereits erlebt: deutliche Abwertung der Währung in den 1990ern, Hyperinflation in den 1980ern und regelmäßige Wertberichtigungen bei den Banken, verbunden mit Rekapitalisierungen. Der Anteil der Non Performing Loans NPL lag bei rund 40 Prozent Ende der 1990er-Jahre und die Regierung musste zwischen 1999 und 2005 faule Kredite im Volumen von rund 20 Prozent des BIP bereinigen.

 

BofA kommt dann zu einem ähnlichen Schluss wie bto bisher: China hat den Punkt verpasst, an dem man die Schulden noch hätte unter Kontrolle bringen können. Aus der Misere herauswachsen dürfte auch nicht gehen. Erwartet wird:

  • eine Abwertung der Währung – bto: was bekanntlich den (tödlichen) Export von Deflation in die Welt bedeutet;
  • Banken-Rekapitaliserung mit Berichtigung der Forderungen;
  • möglicherweise hohe Inflation – bto: wobei mir unklar ist, wie diese ohne Vertrauensverlust in Geld funktionieren soll.

Das Risiko eines „credit crunch“ ist demnach hoch. „The only uncertainty is timing and potential triggers of such instabilities.“

Dabei herrscht enorme Unsicherheit bezüglich der weiteren Aussichten von China, wie THE WALL STREET JOURNAL zusammengefasst hat:

Bis vor Kurzem war das Conference Board – ich leite übrigens den Economist Council des CB in Europa – am negativsten eingestellt. Die anderen folgen.

Sollte China wirklich nur noch mit rund vier Prozent wachsen, so hätte dies laut UBS erhebliche Auswirkungen auf das Wachstum im Rest der Welt:

Die entscheidende Reihe ist meines Erachtens die „CPI“-Linie: in Europa, Japan und den USA würde der deflationäre Trend verstärkt. Genau das können wir nicht gebrauchen!

→ Zero Hedge: „‚It’s Coming To A Head In 2016‘ – Why Bank of America Thinks The Probability Of A Chinese Crisis Is 100%“, 4. Januar 2016

→ Zero Hedge: „How Would World Markets Respond To 4% Chinese GDP Growth?“, 22. Dezember 2015

4 Kommentare
  1. Dietmar Tischer says:

    Völlig klar, was China für den Rest der Welt bedeutet und auch, was ein sich derart abschwächendes Wachstum – entscheidend ist die negative Veränderung, nicht das Niveau des Wachstums – zumindest tendenziell für andere Wirtschafträume heißt.

    Dennoch: Der Crash-Auslöser muss nicht China sein.

    Wenn der Ölpreis wirklich auf $ 20 pro Barrel fallen und einige Zeit da verweilen würde, kann man von NPLs der amerikanischen fracking industry in erheblicher Milliardenhöhe ausgehen. Der nächste Finanzcrash ist damit m. A. n. nicht mehr ausgeschlossen.

    Es gibt zu viele ökonomische Sachverhalte, aber nicht nur ökonomische, die – falls sie aus dem Ruder laufen – für den Rest der Welt nicht mehr beherrschbar sind.

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