China stürzt ab und zieht die Welt in die Rezession

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Der Chefvolkswirt der Citigroup, Willem Buiter, ist bekannt für seine provokanten Aussagen. Stichworte: „Gold die größte Blase aller Zeiten“ und die Unterstützung der Idee eines Bargeldverbotes. Dabei sind seine Analysen durchaus gut. Deshalb ist es interessant, dass er sich deutlich kritischer als der Mainstream zu den Auswirkungen der chinesischen Abschwächung auf die Weltwirtschaft äußert:

  • Mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit gerät die Weltwirtschaft in eine Rezession, die bis 2017 anhält.
  • Auslöser dafür ist die Abschwächung Chinas, die auf die anderen Schwellenländer ausstrahlt.
  • Der chinesische Schuldenboom und die Blasen bei Aktien und Immobilien „sind das klassische Rezept für Rezessionen“.
  • China wird nur noch mit vier Prozent wachsen, Brasilien, Russland und Südafrika stecken bereits in der Krise.
  • Andere Schwellenländer werden auch in die Rezession fallen, vor allem jene, die von Rohstoffen abhängig sind.
  • China wird zwar keinen Währungskrieg starten, die eigene Währung aber durchaus weiter schwächen. – bto: … und damit Deflation exportieren, wie oft diskutiert.
  • Diese schwächere Weltwirtschaft würde eine schwache Erholung in den USA und der Eurozone treffen – und die Notenbanken haben wenig Munition, vor allem weil einige „Politiker sehr skeptisch mit Blick auf weitere geldpolitische Maßnahmen sind“. – bto: Damit dürfte er vor allem Deutschland meinen.

Buiter bleibt sich dabei treu: Er fordert schon lange unkonventionelle Maßnahmen bis hin zum Helikopter-Geld.

Doch damit nicht genug! ZeroHedge berichtet sehr prominent von einer neuen Studie des Daiwa Institute of Research, der Forschungsabteilung von Daiwa Securities. Diese werfen einen tieferen Blick auf die chinesische Wirtschaft. Zunächst auch für Leser von bto nicht viel Neues. China hat sein Wirtschaftswachstum mit massiven schuldenfinanzierten Investitionen erkauft und dabei erhebliche Überkapazitäten geschaffen und Fehlinvestitionen getätigt. Die Anpassung wird schmerzhaft. Nun kommt aber die schlechte Nachricht: Es dürfte nicht bei einer Abkühlung auf ein Wirtschaftswachstum auf vier Prozent bleiben. Im Gegenteil, es droht, dass die Fehlinvestitionen die Wirtschaft in eine Stagnation treiben, verbunden mit erheblichen negativen Wirkungen für die Weltwirtschaft. Dieses Negativszenario ist für Daiwa der „Base Case“, also das wahrscheinlichste Szenario.

Die Analysten schauen dabei auf den Kapitalkoeffizienten (realer Kapitalstock/reales BIP). Wie die Abbildung zeigt, ist dieser nach 2008 (nochmals) deutlich gestiegen, weil China mit einem groß angelegten Investitionsprogramm darauf reagiert hat. Der weitere Anstieg in den letzten Monaten deutet auf zunehmende Probleme und Überkapazitäten hin. Nimmt man den langjährigen Trend, so kommt man zu Überkapazitäten von 19,4 Billionen Yuan (3 Billionen US-Dollar), was 12 Prozent des gesamten Kapitalstocks entspricht. (Diese Zahl ist noch gering, verglichen mit den auf 6,8 Billionen US-Dollar geschätzten Fehlinvestitionen).

Der Überhang muss angebaut werden. Zwar kann die Regierung den Prozess etwas verlangsamen – aber nicht verhindern.

Daiwa berechnet dann die Wirkung auf das Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Zunächst kommt die Erkenntnis, dass die Produktivität in den letzten Jahren nicht mehr gewachsen ist. Faktisch der gesamte Zuwachs an BIP kam direkt durch die Investitionen. Nachdem über dreißig Jahre die Faktorproduktivität (mehr Arbeiter, höhere Produktivität durch technologischen Fortschritt und Kapitalausstattung) um fünf Prozent pro Jahr gewachsen ist, lag das Wachstum in den letzten Jahren bei nur noch zwei Prozent.

Deshalb sieht Daiwa für China auch nur noch ein Potenzialwachstum von rund vier Prozent im Jahr. Verbunden mit der nötigen Anpassung bei den Investitionen kommen die Analysten dann zu ihrer Aussage, dass das tatsächliche Wachstum eher bei null liegen dürfte. Doch damit nicht genug. Sollten die Investitionen fallen und die Wirtschaft damit weniger wachsen, werden die Probleme mit faulen Schulden immer offensichtlicher und könnten die Wirtschaft in eine Abwärtsspirale drücken.

Mit fatalen Wirkungen für die Weltwirtschaft. Siehe Buiter oben. Allerdings mit einem Unterschied: Buiter erwartet eine milde Rezession in China und der Welt. Daiwa ist deutlich skeptischer. Sollte Daiwa recht behalten, ist die Reaktion der Kapitalmärkte berechtigt. Denn dann dürfte es den Notenbanken schwerfallen, weiteres Schuldenwachstum zu inszenieren.

Eine These, die sich jetzt auch im Mainstream zunehmend findet.

→ The Telegraph: „China leading world towards global economic recession, warns Citi“, 9. September 2015

→ ZeroHedge: A Major Bank Just Made Global Financial ‚Meltdown‘ Its Base Case: ‚The Worst The World Has Ever Seen‘“, 12. September 2015

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