CORONOMICS: Zeit für den ökonomischen Notfallplan!

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager-magazin.de:

Nachdem die Börsen das Coronavirus lange Zeit ignoriert haben, scheint sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass das Virus das Zeug hat, der Weltwirtschaft mehr zu schaden als ursprünglich gedacht. Kein Wunder, dass die Aktienmärkte in den letzten Tagen tief abgetaucht sind.

War es das schon? Ich weiß es nicht. Vieles spricht dafür, dass die Börsianer immer noch mit einer v-förmigen Erholung rechnen, während die Anleihenmärkte schon längst beim „U“ angekommen sind. Von einem „L“ sprechen wir bis heute nicht, denn das wäre der schlimmste aller Fälle: die Spanische Grippe 2.0. Ein humanitäres Desaster mit fatalen Folgen für die Wirtschaft.

Schon ein „U“ können wir uns nicht leisten

Dabei kann sich die Weltwirtschaft nicht einmal ein „U“ leisten. Schon ohne die Viruskrise kämpfen wir immer noch mit den Folgen der Finanzkrise. Das Wachstum im Aufschwung seit 2010 war das geringste seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotz Rekordverschuldung, trotz eines ebenfalls auf Schulden gebauten Booms in China und trotz Null- und Negativzinspolitik der Notenbanken. Selbst in den USA muss die Regierung Trump ein Defizit von rund fünf Prozent vom BIP fahren, damit die Wirtschaft um rund zwei Prozent wächst. Kein gutes Zeichen.

Auf diese Welt trifft nun das Virus. Zunächst nur ein Problem für China, das immerhin für 18 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und rund 50 Prozent des Wachstums der Welt in den letzten Jahren steht. Nun auch ein Problem in Korea – immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens – und mit Italien mitten in Europa. Egal, was uns die Politiker erzählen, wir müssen uns darauf einstellen, dass das Virus die Welt erobert und lähmt. Kommt es wider Erwarten anders, umso besser.

Die Folgen wären für die Weltwirtschaft fatal, die Möglichkeiten, die Wirtschaft wiederzubeleben für Notenbanken und Staaten sind gering. Bei Null- und Negativzins bringen weitere Zinssenkungen wenig. Vor allem nimmt niemand einen Kredit auf, wenn die Wirtschaft stillsteht. Den braucht man erst, wenn die Wirtschaft wieder öffnet. Und das könnte dauern, muss man doch mit einer Dauer von mindestens sechs Wochen rechnen, bis eine Person genesen ist. Auch Staatsausgaben bringen wenig, wenn niemand die Steuergutschriften ausgibt und niemand auf dem Bau arbeitet. Ein Szenario, das wir zumindest in Erwägung ziehen sollten.

Margin Call für alle Schuldner

Damit hat das Virus das Zeug, den ultimativen Margin Call auszulösen. Schon früher habe ich an dieser Stelle die Mechanik von Margin Calls erläutert: Unsere Wirtschaft ist immer höher verschuldet. Unternehmen arbeiten mit immer weniger Eigenkapital, um so – die billigen Fremdkapitalzinsen nutzend – die Eigenkapitalrendite zu steigern. Man spricht vom sogenannten „Leverage-Effekt“. Besonders weit getrieben haben es hierbei die Unternehmen in den USA, die immerhin 50 Prozent mehr Schulden haben als vor zehn Jahren. Fast die Hälfte aller ausstehenden Anleihen ist nur noch mit dem Rating von BBB versehen, eine Stufe über Ramsch.

Kommt es zu Herabstufungen wie kürzlich beim Ketchup-Hersteller Kraft, sind rasche und starke Kursverluste die Folge. Zum einen, weil viele Investoren keine Papiere halten dürfen, die nicht mehr Investment-Grade sind, zum anderen, weil viele Käufer der Papiere ebenfalls auf Kredit spekulieren. Das steckt auch hinter der Krise am amerikanischen Markt für kurzfristige Finanzierungen („Repo-Markt“), wo immer mehr Spieler von Banken bis Hedgefonds mit immer höherem Leverage versuchen, trotz Tiefstzinsen eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften.

Wir haben es also mit einem mehrfachen Verschuldungsproblem zu tun: einer immer höher verschuldeten Realwirtschaft und einem mit immer geringeren Eigenmitteln zockenden Finanzsystem. In normalen Zeiten ist das ärgerlich, aber dank der allzeit bereiten Notenbanken noch beherrschbar. Nicht, dass ich das gut finde, aber es ist ein Versagen der Regulierung, hier nicht früher und entschiedener gegengesteuert zu haben.

Vermögenswerte landen auf dem Markt und verschärfen die Krise

Das Problem mit dem Virus ist jedoch, dass die Interventionen von Notenbanken und Staaten wie gezeigt nicht wirken. Schuldner werden, wenn sie Liquidität benötigen, verkaufen müssen und die Käufer werden wegen der Unsicherheit nicht kaufen. Vermögenswerte werden auf den Markt geworfen und verschärfen so die Abwärtsbewegung, ein Prozess, den Irving Fisher schon in den 1930er-Jahren in seiner Schulden-Deflations-Theorie Großer Depressionen eindrücklich beschrieben hat.

Unternehmen werden Schwierigkeiten haben, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, wenn ihre Einnahmen wegbrechen. Da tröstet es wenig, dass die Autos in drei Monaten verkauft werden. Die Einnahmen und damit der Cashflow fehlen heute. Damit droht eine Welle an Zahlungsausfällen, die die Finanzmärkte wie ein Tsunami überschwemmen. Der Crash wäre perfekt.

Natürlich muss es nicht so kommen. Doch je länger die Virus-Krise andauert und je weiter sich das Virus verbreitet, desto größer der Schaden für Realwirtschaft und Finanzsystem.

Wir brauchen einen ökonomischen Winterschlaf

Das letzte Mal, als das hoch-geleveragte System vor dem Kollaps stand, rettete uns die beherzte Intervention der Notenbanken und Staaten vor dem Kollaps. Diesmal ist die Munition weitgehend aufgebraucht oder wirkungslos. Irving Fisher wusste schon vor 90 Jahren, was zu tun ist: Man muss den Wert des auf Kredit gekauften Assets wieder auf den Vor-Krisen-Wert erhöhen. Nur so lässt sich die Krise stoppen.

Übersetzt auf heute bedeutet dies: Wir brauchen – sollte das Virus weiter die Weltwirtschaft belasten – einen ökonomischen Winterschlaf. Alle Zinszahlungen und Tilgungen werden ausgesetzt, alle Wertpapierpreise eingefroren. Wir machen Pause und nehmen den Faktor Zeit aus dem Spiel.

Wenn die Wirtschaft dann wieder anläuft – und das wird sie – dann können die Restriktionen nach und nach fallen. Die Restlaufzeit von Anleihen und Kredite wird um die Unterbrechungsperiode verlängert. Alle tun so, als hätten wir in einem erholsamen Winterschlaf gelegen.

Verrückt? Vielleicht. Aber dann kommen sie mit besseren Vorschlägen, wie eine Depression zu verhindern ist, wenn es nicht gelingt, das Virus zu stoppen.

Schlussbemerkung: Noch bin ich optimistisch, dass es nicht so weit kommt. Dennoch müssen wir uns zumindest darauf vorbereiten. Denn wie heißt es so schön: „Das Glück bevorzugt den, der vorbereitetet ist. (Louise Pasteur) Hoffen wir, dass die Politiker einen besseren Job bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen als bei der Verhinderung der Pandemie machen.

→ manager-magazin.de: „Zeit für den ökonomischen Notfallplan!“, 26. Februar 2020

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Soweit mein Kommentar bei manager-magazin.de gestern. Ich weiß – ich lese ja durchaus die Kommentare –, dass mich einige der Leser von bto für naiv halten. Richtig: Wer sollte so etwas beschließen,  geschweige denn durchsetzen? Niemand. Das stimmt. Ich glaube nicht ernsthaft daran. Aber es gäbe Hebel, wie mir eine Zuschrift beweist:

„(…) denken Sie nicht immer so groß – sondern auch an all die Kleinbetriebe wie Fitnessstudios, Kinos, Restaurant usw. Würden all diese Betriebe insolvent gehen, wird es sehr schwer, dies alles wieder aufzubauen. Es gibt so etwas wie einen nicht materiellen Unternehmenswert, bestehend aus den jahrelangen Erfahrungen der Mitarbeiter und des Besitzers.
Gerade diese Kleinbetriebe werden als erste in Liquiditätsprobleme kommen – allerdings nicht durch die laufende Verbindlichkeiten in Bezug auf Unternehmensdarlehen –, sondern aufgrund unserer Steuersystematik.
Sie werden es selber wissen – als Selbstständiger bezahlt man quartalsweise eine Abschlagszahlung auf die EST-Steuer, deren Betrag sich am Einkommen des Vorjahres misst. Brechen die Einnahmen ein, kann man natürlich einen Herabsetzungsantrag durch den Steuerberater stellen. Der muss aber gut begründet sein und auf einer Datenbasis der Buchhaltung beruhen.
In der jetzigen Liquidationsklemme würde dies zu lange. Hier müsste das Finanzministerium entsprechend die Finanzämter anweisen, extrem großzügig zu verfahren – besser von sich selber aus die Zahlungstermine aufschieben.“bto: Recht hat der Leser! Das wäre ein, wie ich zugebe, viel besserer Vorschlag als mein theoretischer des Schuldenmoratoriums.

Dass ich nicht allein bin mit meiner Skepsis, zeigt übrigens der Kommentar des ehemaligen Asien Chairmans von Morgan Stanley bei Project Syndicate und in der FuW. Ein paar Auszüge:

  • „(…) die Verwundbarkeit der meisten grossen Volkswirtschaften im Laufe des vergangenen Jahres zugenommen, was die Aussichten für Anfang 2020 umso unsicherer macht. In Japan, der viertgrössten Volkswirtschaft der Welt, schrumpfte das Wachstum auf das Jahr hochgerechnet im vierten Quartal 6,3 % – viel stärker als nach einer weiteren Erhöhung der Mehrwertsteuer erwartet. Die Industrieproduktion ging im Dezember sowohl in Deutschland (–3,5 %) als auch in Frankreich (–2,6 %), der fünft- bzw. der zehntgrössten Volkswirtschaft der Welt, stark zurück. Die Vereinigten Staaten, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, zeigten sich im Vergleich dazu relativ widerstandsfähig, doch ein reales Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,1 % im vierten Quartal 2019 kann kaum als Boom bezeichnet werden (…).“ – bto: natürlich nicht. Wir sind nicht hochgekommen mit unserem Jumbo „Weltwirtschaft“.
  • „(…) es gab zu Beginn dieses Jahres keinen Raum für einen Unglücksfall. Doch es hat ein grosses Unglück gegeben: China ist durch den Coronaschock erschüttert worden. (…) Täglich vom China-Team der US-Grossbank Morgan Stanley zusammengestellte Aktivitätsaufzeichnungen unterstreichen die landesweiten Auswirkungen dieser Störung. Am 20. Februar war der Kohleverbrauch (nach wie vor 60 % des gesamten chinesischen Energieverbrauchs) gegenüber dem Vorjahr 38 % geringer, und Vergleiche des landesweiten Verkehrswesens fielen sogar noch schwächer aus, was es den fast 300 Mio. Wanderarbeitern in China extrem erschwert hat, nach dem Neujahrsfest in die Fabriken zurückzukehren.“ – bto: In gewisser Hinsicht ist es ja gut, es hilft dem Klima (und gibt einen Vorgeschmack auf die Verbotskultur).
  • „China ist nicht nur der mit Abstand grösste Exporteur der Welt, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle im Mittelpunkt der globalen Wertschöpfungsketten. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass fast 75 % des Wachstums im Welthandel auf globale Wertschöpfungsketten zurückzuführen sind und China der wichtigste Ausgangsort dieser Expansion ist. (…) auch die Auswirkungen auf der Nachfrageseite sind von grosser Bedeutung. Schliesslich ist China heute für die meisten asiatischen Volkswirtschaften das grösste Exportziel. Daher überrascht es nicht, dass die Handelsdaten sowohl von Japan als auch Korea Anfang 2020 unübersehbare Anzeichen von Schwäche zeigen. Somit ist so gut wie sicher, dass Japan zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem BIP-Wachstum verzeichnen wird und nach der dritten Erhöhung der Mehrwertsteuer (1997, 2014 und 2019) zum dritten Mal in die Rezession rutschen wird.“ – bto: Und bei uns machen jene, die das Land nicht fit für die Gefahren der Welt gemacht haben, einen Schönheitswettbewerb für den CDU-Parteivorsitz. Gut möglich, dass das Virus auch den seit Langem Regierenden den Rest gibt.
  • „Das Ausbleiben der Nachfrage aus China dürfte (…)  besonders Deutschland sehr hart treffen.“ – bto: So ist es.
  • Covid-19 ist in einer Zeit ausgebrochen, in der die wirtschaftliche Verwundbarkeit viel grösser ist. Bezeichnenderweise konzentriert sich der Schock auf den wichtigsten Wachstumsmotor der Welt. Der Internationale Währungsfonds beziffert den Anteil Chinas an der globalen Produktion in diesem Jahr auf 19,7 %, was mehr als doppelt so hoch ist wie der Anteil von 8,5 % im Jahr 2003, als Sars ausbrach. Da China seit 2008 für volle 37 % des kumulativen Wachstums des weltweiten BIP verantwortlich ist und keine andere Volkswirtschaft die Lücke füllt, scheint das Risiko einer ausgewachsenen globalen Rezession in der ersten Hälfte des Jahres 2020 durchaus möglich.“ – bto: Und das sind dann auch schlechte Nachrichten für alle Schuldner der Welt und das Finanzsystem.
  • „(…) Schocks (sind) per Definition lediglich eine vorübergehende Unterbrechung eines zugrunde liegenden Trends. (…) Die Weltwirtschaft war schwach und wurde schwächer, als Covid-19 ausbrach. Der V-förmige Erholungsverlauf ähnlich wie bei Sars wird daher viel schwieriger zu reproduzieren sein – vor allem, da die Währungs- und Finanzbehörden in den USA, Japan und der EU so wenig Munition zur Verfügung haben. Das war natürlich die ganze Zeit die grosse Gefahr.“ – bto: weshalb es letztlich auch egal war/ist, was der Auslöser ist.

→ ManagerMagazin: „Zeit für den ökonomischen Notfallplan!“, 26. Februar 2020

Kommentare (54) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    @ trodoon

    Schön, dass Sie ohne herumtischern sachlich nachhaken und schreiben:

    „Selbstverständlich wäre es für den Staat (ALLEINE betrachtet) möglich Investitionen vorzunehmen ohne neue Schulden aufzunehmen. Er würde im Gegenzug andere Leistungen, die keine Investitionen sind, reduzieren.“

    Jetzt muss ich doch noch ein wenig mehr ausholen. Vielleicht hatte ja auch Herr Tischer einen Spezialfall im Hinterkopf, der allerdings für Deutschland keine Rolle spielt. Dieser Spezialfall wäre dann die Ausnahme von der Regel. Betrachten wir die drei relevanten unterschiedlichen Szenarien:

    1. Eine geschlossene Volkswirtschaft bzw. eine offene VW mit ausgeglichener Leistungsbilanz.
    2. Eine VW mit einem persistenten LB-Überschuss, wie Deutschland oder die Schweiz.
    3. Eine VW mit einem persistenten LB-Defizit, wie Griechenland oder Mexico.

    Zum elementaren Grundverständnis: Der größte Teil des für die Realwirtschaft benötigten (Giral)Geldes entsteht durch die Kreditvergabe der Geschäftsbanken (der sehr kleine Teil, der sich z. B. aus Goldankäufen der Zentralbank von Nichtbanken ergibt ist zudem schon für vergangene Finanzierungen als Bestandsgeld im Umlauf). Ich denke doch, dass wir uns hier einig sind, dass wir aus Vereinfachungsgründen diesen kleinen Teil einfach ignorieren können.

    1. Im Aggregat verschulden sich die Haushalte nicht, sondern es sind die Unternehmen, die sich im Aggregat verschulden und somit ex post die Ersparnisse der Bevölkerung ermöglichen.

    2. Für langfristige Investitionen müssen langfristige Kredite aufgenommen werden, bei den kurzfristigen Ausgaben müssen insbesondere die Löhne sowie die Vorprodukte kurzfristig vorfinanziert werden (Kontokorrent) während das Working Capital (Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten) ebenfalls langfristig finanziert sein sollte (Goldene Bilanzregel).

    Falls Sie mir hier zustimmen können, bitte um ein kurzes ok, damit wir eine erste gemeinsame Basis für die weiteren Überlegungen haben. Zudem wäre es schön, wenn Sie noch kurz ein paar Anmerkungen zu „für den Staat (ALLEINE betrachtet)“ machen können. Mir ist nicht so ganz klar, was Sie mit ALLEINE meinen; denn wenn es NUR den Staat in der sektoralen Betrachtung gäbe, dann wäre dessen Aktivität exakt 0,00.

    Off topic: Ich hatte ja eigentlich gedacht, dass ich beim Hüther der Marktwirtschaft etwas Sinnvolles zu unserem Thema finden kann. Leider aber auch bei ihm die mittelalterlichen Vorstellungen über die Funktion der Banken:

    „Volkswirtschaftlich gesehen nehmen Banken im Kapitalmarkt eine Mittlerrolle zwischen Kreditnehmern und Sparern ein (Fama, 1980). Anleger, also etwa institutionelle Investoren oder private Sparer, geben Banken Kapital aufgrund in Aussicht gestellter Erträge, welches die Banken dann an Kreditnehmer weiterreichen.“ https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2015/206811/Langfristfinanzierung_Analysen_Nr101.pdf Seite 35. Die neoklassische Synthese als Fama-Morgana der LAMA Fraktion. Und das im Jahre 2015; also 7 Jahre nach der Richtigstellung durch die Bundesbank.

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      troodon sagte:

      @Michael Stöcker
      „für den Staat (ALLEINE betrachtet)“ → Ohne die Betrachtung der anderen Sektoren Unternehmen, private Haushalte,Außenhandel.

      Sie hatten mir das Thema ja schon einmal erläutert, insofern „verstanden“ bzw. okay.

      Ich habe, ich meine nicht zum erstem Mal, mein Problem mit dem „müssen“ bei Ihnen in „Für langfristige Investitionen müssen langfristige Kredite aufgenommen werden“. „Sollten“, definitiv ja, es sei denn die Investition eines Unternehmens kann aus dessen vorhandener Liquidität beglichen.
      Unternehmen A lässt von Unternehmen B neue Halle bauen für 1 Mio, zahlt jeweils anteilig im voraus an B die verlangten Kosten, alle Beteiligten haben ihr Konto bei der gleichen Bank. Am Ende hat A eine Mio weniger auf seinem Konto und B und seine Arbeiter,Lieferanten u.a. insgesamt 1 Mio mehr. Da sind keine NEUEN Schulden entstanden.
      Dass dies kein übliches Vorgehen wäre, und B in der Realität etwas vorfinanzieren würde, ist ein anderer Punkt.

      Und theoretisch kann ein Unternehmen eine langfristige Investition auch mit kurzfristigen Krediten finanzieren, wenn es denn eine Bank dafür findet. Es geht jetzt nicht um die Frage der Sinnhaftigkeit einer solchen Finanzierung. Oder erachten Sie es als theoretisch gar nicht für möglich ?

      Grundsätzlich denke ich, dass ein möglicher Dissens zwischen uns ist, dass Sie meist/immer die ganze Volkswirtschaft betrachten und ich einzelne Sektoren isoliert (zumindest jetzt bei dem Merz Thema).

      Und wahrscheinlich sind jetzt in meinen Formulierungen wieder Ungenauigkeiten drin, aber damit muss ich leben.
      Wollte noch schnell vor dem WE antworten. Da haben meine Kids dann Vorrang ;) .

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      Michael Stöcker sagte:

      @ troodon

      “Wollte noch schnell vor dem WE antworten. Da haben meine Kids dann Vorrang ;) .“

      Dafür habe ich VOLLSTES Verständnis!!! Danke, dass Sie dennoch so schnell geantwortet haben.

      „Und theoretisch kann ein Unternehmen eine langfristige Investition auch mit kurzfristigen Krediten finanzieren, wenn es denn eine Bank dafür findet. Es geht jetzt nicht um die Frage der Sinnhaftigkeit einer solchen Finanzierung. Oder erachten Sie es als theoretisch gar nicht für möglich ?“

      Das halte ich nicht nur für möglich, sondern Fristentransformation ist DAS große Dilemma der Menschheit schlechthin. Der Verstoß gegen die goldene Bilanzregel ist einer der Hauptgründe für Finanzkrisen (Corona & Co mal außen vor).

      Wir Menschen treffen immer wieder unvernünftige und/oder kurzfristige Entscheidungen, die in einem Desaster enden können. Die Zeit war, ist und bleibt die wichtigste Dimension.

      „Grundsätzlich denke ich, dass ein möglicher Dissens zwischen uns ist, dass Sie meist/immer die ganze Volkswirtschaft betrachten und ich einzelne Sektoren isoliert (zumindest jetzt bei dem Merz Thema).“

      Das vermute ich auch. Ich denke als Volkswirt IMMER Makroökonomisch, wenn es um die gesamte Gesellschaft geht.

      Ein potentieller Kanzler/Wirtschaftsminister/Finanzminister sollte mAn ebenfalls IMMER makroökonomisch denken UND handeln und KEINE Klientelpolitik betreiben. Alles andere ist für mich das Elend des methodologischen Individualismus der LAMA-Fraktion.

      Mal schauen, ob wir am WE noch zu weiteren und/oder anderen Erkenntnissen kommen. Die besten Erkenntnisse kommen einem immer dann, wenn man sich mit etwas ganz anderem Kreativen beschäftigt.

      Insofern wünsche ich Ihnen ein fröhliches, erholsames und kreatives Wochenende mit Ihren Kindern/Familie! Die erden einen immer wieder und hauen zudem immer mal wieder die eine oder andere fundamentale Weisheit heraus, die wir aus dem Blick verloren haben.

      LG Michael Stöcker

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        troodon sagte:

        @ Michael Stöcker
        „Ein potentieller Kanzler/Wirtschaftsminister/Finanzminister sollte mAn ebenfalls IMMER makroökonomisch denken UND handeln“

        Deshalb sollte Merz doch trotzdem sagen dürfen, dass in einem Sektor (Staat) ER es für möglich/sinnvoll erachtet zu investieren ohne neue Schulden zu machen. Neue Staatsschulden sind kein Selbstzweck, nicht in jeder Verwendung sinnvoll. Oder sind Sie da anderer Auffassung ?

        Unabhängig davon bin ich bekanntermaßen gegen die schwarze Null in D.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ troodon

        „Neue Staatsschulden sind kein Selbstzweck,“

        Sehe ich auch so; sie sollten immer Mittel zum Zweck sein; und zwar unter Berücksichtigung der Leistungsbilanz. Ich hatte das heute am anderen Thread mit Bezug auf von Weizsäcker thematisiert: https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/die-macht-der-demografie/#comment-118213

        Insofern passen die Empfehlungen von Merz für Länder mit hohen LB-Defiziten, aber eben nicht für Länder mit persistent hohen Überschüssen.

        Neue/Zusätzliche Staatsschulden wären insofern Mittel zum Zweck, WEIL sie die hohen Leistungsbilanzüberschüsse von Deutschland reduzieren und somit einen wesentlichen Beitrag leisten können, die internationalen Leistungsbilanzungleichgewichte zu verringern OHNE unter das Produktionspotential zu rutschen.

        LG Michael Stöcker

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        Michael Stöcker sagte:

        Konkretisierung/Erweiterung:

        Insofern passen die Empfehlungen von Merz für Länder mit hohen LB-Defiziten SOWIE einer ausgeglichenen Leistungsbilanz, aber eben nicht für Länder mit persistent hohen Überschüssen.

        Länder mit hohen persistenten LB-Defiziten müssten ihre konsumtiven Staatsschulden sogar stärker kürzen als die Investitionen erhöht werden, während Deutschland sich (noch) beides zugleich leisten kann und sollte.

        LG Michael Stöcker

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        troodon sagte:

        @ Michael Stöcker
        Wir brauchen das nicht endlos diskutieren.

        1) Abschaffung der schwarzen Null in D macht für mich Sinn, ist nur schwierig/nicht in Sicht wegen 2/3 Mehrheit für GG Änderung.
        2) Trotzdem gilt auch für mich „Kluge Investitionen sind ohne neue Schulden MÖGLICH“
        3) „Nicht zu wenig Geld, sondern zu viel Bürokratie ist unser größtes Problem“ Der Staat geht nun einmal nicht effizient mit dem Geld der Steuerzahler um
        4) Steuersenkung für geringe und mittlere Einkommen würde ich bevorzugen, da Geld für neue staatliche Investitionen gar nicht schnell genug abfließen würde. Es reicht eben nicht zu beschließen, wir investieren, und dann passiert erst einmal wenig bis nichts.
        5) Womit wir wieder beim Thema Bürokratie wären…

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Die ursprüngliche Wertung von Michael Stöcker zur Aussage von F. Merz war (weiter unten an diesem Thread):

        >Insbesondere auch F. Merz gehört zu den restlichen 99,99%, der bar jeglichen Verständnisses der festen Überzeugung zu sein scheint, dass man Investitionen auch ohne Schulden realisieren kann>

        Nachdem die BEGRÜNDUNG mit einem Schwall von Verweisen, die NICHTS mit den Ausführungen von F. Merz zu tun haben, gründlich in die Hose ging, kommt jetzt die neue Wertung:

        >Insofern passen die Empfehlungen von Merz für Länder mit …>

        Auch dies ist keine Begründung dafür, dass man Investitionen NUR mit Schulden realisieren kann.

        Aber man kann Merz wenigstens gratulieren.

        Denn bar jeglichen Verständnisses etwas ausgesprochen zu haben, was u. U. „passen kann“, ist schon etwas. Soviel Anerkennung bekommt nicht jeder von Scharfrichter der Ökonomie.

        Michael Stöcker sagt:

        >Die besten Erkenntnisse kommen einem immer dann, wenn man sich mit etwas ganz anderem Kreativen beschäftigt.>

        Ich nehme ihn beim Wort:

        Mein Vorschlag, damit er zur Erkenntnis kommt, ist – vorausgesetzt sein Bankguthaben ist hoch genug – folgender:

        Er kauft sich für das, was er auf der Bank liegen hat, einen Lieferwagen und tritt damit als Sub-Unternehmen in die Dienste von DHL.

        Dies sollte bei seinen Fähigkeiten kein Problem sein.

        Er würde damit nicht nur das kreativ, sondern praktisch erworbene Einsehen haben können, dass nicht nur der Staat, sondern er stellvertretend für einen beliebigen „man“ Investitionen auch ohne Schulden realisieren kann.

        Und dieses Blog könnte aufatmen, weil er von einer Menge dummer Feststellungen entlastet würde.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ troodon

        „Wir brauchen das nicht endlos diskutieren.“

        Nein, dass brauchen wir nicht; denn es ist in der Tat – wie Sie weiter oben vermutet hatten – eine Frage, ob man aus Mikro- oder aber aus Makro-Perspektive auf dieses Thema blickt (Produktivitätserhöhung via Bürokratieabbau wäre nochmals ein ganz anderes Thema, das aber nichts mit der Finanzierung von Investitionen im Aggregat zu tu hat).

        Herr Tischers „Kommentar“ zeigt einmal mehr, dass er noch nicht einmal im Ansatz verstanden hat, welche unterschiedlichen Implikationen sich hieraus ergeben. Er war, ist und bleibt vermutlich auch weiterhin im simplifizierenden Modus des methodologischen Individualismus verhaftet. Sein DHL-Beispiel ist ganz typisch für diesen epidemischen Trugschluss der Verallgemeinerung.

        „Und dieses Blog könnte aufatmen, weil er von einer Menge dummer Feststellungen entlastet würde.“

        Es wird immer bunter mit ihm. Jetzt können bei Herrn Tischer schon Blogs aufatmen. Da hilft nur noch eins:

        Ganz tief durchatmen!

        LG Michael Stöcker

  2. Avatar
    Bauer sagte:

    >> „Wir brauchen einen ökonomischen Winterschlaf“

    Es spricht einiges dafür, dass der Zeithorizont von bto und Kommentatoren zu kurz angenommen wird. In China mehren sich die Zeichen, das das Virus nun nacheinander auch andere Provinzen heimsuchen wird, schwächer zwar ob der wachsenden Routine bei der Seuchenbekämpfung, aber trotzdem disruptiv für die Wirtschaft. Ein ähnliches Szenario muss für die Welt angenommen werden. Mit S-Korea und Italien stehen wir da erst am Anfang.

    Es ist ausserdem nicht ausgeschlossen, dass das Virus auf senem Weg mutiert und dann zu einer zweiten Weltreise ansetzt. Es könnte uns derart noch länger beschäftigen, wenn nicht zum Dauerbegleiter werden.

    Kann die Welt wieder ins Mittelalter zurückfallen? Ja, das kann sie im Extremfall. Es lohnt, den Abstieg vom römischen Imperium ins Mittelalter zu studieren. Erst nach über 1000 Jahren gelang es, mit der Aufklärung wieder den Anschluss zu finden.Und wir sind schon wieder dabei, die Werte der Aufklärung in Frage zu stellen.

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      foxxly sagte:

      @bauer: es kann leider keinen ökonomischen winterschlaf geben. denn dieses, unsere Geld- und wirtschaftssystem ist auf gedeih und verderb auf exponentiellen wachstum programmiert. alles geld der welt ist ein kredit von den banken; – folglich ist auch unsere arbeitsleistung durch mensch und maschine, eine kreditbelastung. das ist der systemfehler!! dieser Fehler erzwingt ein „immer mehr“ und ein „nie ist genug“. die gesamte wirtschaft braucht also stets neuen kredit um wachsen zu können. bei einem wirtschaftlichen „null-wachstum“ gibt es keinen neuen kredit. in der folge werden dann reihenweise die wirtschaftsteilnehmer pleite.

      Antworten
  3. Avatar
    bob sagte:

    Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren

    Das Spiel kennen wir doch nun schon.
    Ein „guter“ Unternehmer, stellt ein nachgefragtes Produkt her, beachtet seine Rücklagen, erhält sich gewisse Redundanzen und kann auch längere Durststrecken durchstehen.

    Das Virus ist keinen Monat in Europa, schon müssen die Hilfstöpfe geöffnet werden.

    @David, Ich bin ganz bei Ihnen!
    “ Die jahrelange irrsinnige Spekulation auf Pump muss auch seine Spuren hinterlassen, sonst geht es ja immer weiter, wenn in der Not helfende Hände ins Spiel kommen.“

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  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    @ Dr. Stelter

    NOTFALLPLAN – es ist richtig und wichtig, das Thema in die öffentliche Diskussion zu bringen.

    Sie sehen zwei situative Unternehmensszenarien:

    a) verschuldete Unternehmen (mit folgendem konzeptionellen Lösungsansatz):

    >Alle Zinszahlungen und Tilgungen werden ausgesetzt, alle Wertpapierpreise eingefroren. Wir machen Pause und nehmen den Faktor Zeit aus dem Spiel.

    Wenn die Wirtschaft dann wieder anläuft – und das wird sie – dann können die Restriktionen nach und nach fallen.>

    Sie sehen auch die Schwierigkeiten der Umsetzung einer PRINZIPIELL richtigen Lösung.

    b) NICHT notwendigerweise verschuldete Unternehmen (den Verweis einer Zuschrift aufnehmend):

    >Unternehmen werden Schwierigkeiten haben, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, wenn ihre Einnahmen wegbrechen … Die Einnahmen und damit der Cashflow fehlen heute. Damit droht eine Welle an Zahlungsausfällen, die die Finanzmärkte wie ein Tsunami überschwemmen. Der Crash wäre perfekt.>

    Die in der Zuschrift angedeutete Aussetzung der Abschlagszahlungen auf die zu leistenden Steuern hilft nicht, wenn der Unternehmer/das Unternehmen u. a. wie im anderen Thread festgestellt, Löhne und Gehälter weiter bezahlen muss.

    Hier droht nicht nur eine Welle von Zahlungsausfällen, sondern INSOLVENZEN. Man muss nicht weiter auf die Insolvenzen begründende Problematik von Liquidität vs. Überschuldung eingehen, um festzustellen:

    Insolvenzen sind das besonders DRAMATISCHE in einer sich realwirtschaftlich auf „L“ zubewegender Wirtschaft.

    Denn Insolvenzen begründen einen rechtlichen Unternehmensstatus, der das Unternehmen nicht nur Pause machen lässt, sondern es NACH der Pause in einen Zustand NICHT autonomen Handlungsvermögens versetzt (was ein Konkursverwalter daraus macht, ist wieder eine andere Sache).

    Kurzum:

    In Fällen der Insolvenz sind Unternehmen nicht nur „eingefroren“, sondern nicht mehr aus sich selbst heraus handlungsfähig – in gewisser Weise operativ gelähmt oder sogar erledigt.

    Ich habe auch keine Lösung, wie man verhindern kann, dass Insolvenz beantragt werden, außer den Gerichten die Annahme einer derartigen Beantragung zu untersagen.

    Man kann m. A. n. jedenfalls niemanden ZWINGEN einen Kredit oder Überbrückungsliquidität welcher Art auch immer anzunehmen, damit das Unternehmen nicht Insolvenz anmelden muss.

    Gibt es KEINEN angenommenen Insolvenzantrag, gibt es auch KEINE rechtlich festgestellte Insolvenz.

    Damit agierte der Staat noch im Rahmen SEINER Handlungsdomäne, Gesetze und Vorschriften für Unternehmen müssten m. A. n. nicht außer Kraft gesetzt zu werden.

    Immerhin das, auch wenn es an der operativ dramatischen Situation nichts ändert.

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      Dieter Krause sagte:

      @ Dietmar Tischer
      Immer wenn ich Ihre hippen Kommentar hier lese, Herr Tischer, mit denen Sie sich als jemand outen, der wirklich auf jedes politische, ökonomische und gesundheitstechnische Problem eine Lösung hat, denke ich, dass besser Sie als Frau Merkel (oder demnächst Herr Merz) Bundeskanzler werden sollten! Oder noch besser EU-Kommissionspräsident. Wäre das etwas für Sie?

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      Alexander sagte:

      @ Dietmar Tischer

      In unserer Welt gibt es kein Risiko mehr, sonst wären die Zinssätze nicht 0.
      Ohne Risiko benötigt niemand Rückstellungen, also gibt es keine Reserven.

      Die Renditen sind im Normal so gering, dass alle fremdkapital gehebelten Einnahmen auch nicht hinreichen um adäquate Reservern nach Steuern zu bilden….also wird alles konsumiert oder für weitere Kapitalhebel investiert.

      Insolvenzen sind nur noch für die das Geldmittel emittierende „Bevölkerung“ ein Problem, weil den Schuldnern gar nichts gehört. Für die Pfänder gibt es keinen Markt, nicht einmal Stellflächen außerhalb der Schuldnerimmobilien….

      Vielleicht ist der chinesische Virus der Auslöser für diese Schachmatt Situation, aber angelegt ist das Ende seit Beginn geldpolitischer Massnahmen ohne Einhaltung eigentumsökonomischer Mindestregeln.

      In so einer Lage den Machterhalt um jeden demokratischen Preis zu bewerkstelligen hat viel mit grenzenloser Kompetenz zu tun und ganz wenig mit dem Verstehen von Zusammenhängen. Die zu erwartenden Rettungsmassnahmen/Nothilfen/Überbrückungsdarlehen/Finanzierungshilfen dürften zerstören was sich bis jetzt noch ohne Hilfe bewegt.

      Insolvenzanträge unbearbeitet liegen zu lassen wäre allerliebstes Detail eines „failed state“.

      Eine Reorganisation im Zuge von MassenAusfällen dürfte mit dieser Parteiendemokratie nicht zu bewerkstelligen sein. Die Opfer bis zur Neuordnung durch Gewaltherrschaft nicht vorhandener polizei/militärischer Mittel dürften nicht nur finanzieller Natur sein.

      An seinen abgelaufenen Fristen scheiterte bisher jedes Regime, mit oder ohne Krieg.

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      Bauer sagte:

      @ D. Tischer

      Ihre Worte: „Gibt es KEINEN angenommenen Insolvenzantrag, gibt es auch KEINE rechtlich festgestellte Insolvenz.“

      Ganz so ist es doch nicht. Ein Insolvenzantrag muss vom Gericht angenommen werden, es sei denn er wäre „mangels Masse“ abzulehnen, mit anderen Worten, die Kosten des Insolvenzverfahrens sind nicht mehr gedeckt. Das ist das definitive Ende und alle involvierten Parteien gehen mit Totalverlust nachhause.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        Ja, im normalen Leben.

        Aber ich habe doch gesagt, dass die Regierung die Gerichte anweisen könne – MÖGLICHERWEISE entgegen geltenden Rechts – die Annahme zu verweigern.

        Wenn sie dies TUT und – falls es entgegen geltenden Rechts ist, sie es also auch als Notfallmaßnahme nicht anordnen könnte – die Gerichte der Anordnung aber folgten, dann gibt es zwar gegebenenfalls den VERSUCH eines Insolvenzantrags, weil er aber scheitert, bleibt es beim Versuch, d. h. es gibt KEINEN Insolvenzantrag.

        Die Logik ist ganz einfach:

        Man MUSS Maßnahmen treffen, die verhindern, dass Insolvenzanträge erfolgen können.

        Ein Weg wäre auch, die zuständigen Gerichte unter QUARANTÄNE zu stellen, auch unter „kommunikative Quarantäne“.

        Dann gibt es sie operativ nicht.

        Und dann gibt es auch keine Insolvenzanträge.

        Kurzum:

        Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.

        ABER – und ist die Gefahr:

        KOLLATERALSCHÄDEN.

        Wenn etwas für den Staat VORTEILHAFTES in außergewöhnlichen Zeiten erfolgreich ist, dann – so die fatale Logik – kann es doch IMMER erfolgreich sein. Also führen wir es ein, auch wenn es das System zum Nachteil der Bürger ändert.

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    Michael Stöcker sagte:

    Unser(e) foxxly ignoriert weiterhin sämtliche orthografischen Konventionen und schwadroniert in stoischer Ignoranz bar elementarster Grundlagen über die Funktionsweise eines zweistufigen Geldsystems auf Fix und Foxi Niveau.

    Immerhin ist er/sie aber schon einen kleinen Schritt weiter als der überwiegende Teil der LAMA-Fraktion und hat die Bedeutung des Geldsystems für eine prosperierende Gesellschaft erahnt.

    Peter Bofinger hat hierfür gut 12 Jahre gebraucht, nachdem die Bundesbank ihre fundamentalen Fehler in der Erklärung der Geldschöpfung 2008 im Kontext der Finanzkrise korrigiert hatte. Dafür meldete er sich nun umso deutlicher zu Wort und lässt die neoklassische Synthese in luftiger Höhe mit einem lauten Knall platzen und ruft nun ebenfalls die kopernikanische Wende im Geldsystemverständnis aus:

    „Macroeconomics is a sick science.”

    “For economics as a science, the neoclassical synthesis has led to huge reputational damage. Its inability to recognise the Great Financial Crisis (GFC) is due to the fact that in the classical model the role of banks is reduced to that of mere intermediary between savers and investors.”

    “How can the Keynesian revolution be completed? The chances of achieving this today are not very good, because to do so would devalue the human capital of most macroeconomists. Thus, young students need to wake up and realise they are being taught models whose laws of motion are as inconsistent with reality as Ptolemy’s world view. We need a ‘Fridays for Keynesianism’ movement.“

    https://www.socialeurope.eu/fridays-for-keynesianism

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      Michael Stöcker sagte:

      Yuval Noah Harari schätzte in seinem Vortrag in Davos 2020, dass ca. 1 % der Menschen das Finanzsystem verstehen. Das scheint mir dann doch deutlich zu hoch gegriffen zu sein. Grob geschätzt sind es vermutlich nur 1 % der Hauptakteure im Finanzsystem, die das System halbwegs verstehen. Der Rest ist der neoklassischen Synthese aufgesessen und/oder den Schülerheften der Deutschen Bundesbank von vor 2008.

      @ Dietmar Tischer: Insbesondere auch F. Merz gehört zu den restlichen 99,99%, der bar jeglichen Verständnisses der festen Überzeugung zu sein scheint, dass man Investitionen auch ohne Schulden realisieren kann: https://www.friedrich-merz.de/wp-content/uploads/2020/01/20191208_Merzmeint.jpg . Sancta simplicitas im Gewande des methodologischen Individualismus.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Mit Blick auf F. Merz:

        Sie VERRENNEN sich einmal mehr im Wahn, Ihnen nicht genehme Positionen als „bar jeden Verständnisses“ abzuqualifizieren.

        Merz drückt im von Ihnen verlinkten Artikel NICHT die Überzeugung aus, dass Investitionen ohne Schulden zu realisieren seien.

        Die Überschrift lautet vielmehr:

        „Kluge Investitionen sind ohne neue Schulden möglich“.

        Sie haben „NEUE“ nicht gelesen, weil Sie es nicht lesen WOLLTEN.

        In dem Artikel ist sein Thema:

        „NICHT ZU WENIG GELD, SONDERN ZU VIEL BÜROKRATIE IST UNSER GRÖSSTES PROBLEM“.

        Begreifen Sie endlich einmal, dass es ABSURD ist, jeder Ihnen nicht genehmen Person „bar jeden Verständnisses“ zu unterstellen, wenn diese in irgendeinem Zusammenhang das Wort „Schulden“ in den Mund nimmt.

        Ich werde fortan nicht mehr auf Ihre Hysterie eingehen, es ist sinnlos.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        “Sie haben „NEUE“ nicht gelesen, weil Sie es nicht lesen WOLLTEN.“

        Oh doch, das habe ich sehr wohl gelesen. Und genau das ist der Stein des Anstoßes. Wenn Sie mir allerdings erklären können, wie man Investitionen auch mit ALTEN Schulden finanzieren kann, dann schlage ich Sie noch hier und heute für den Alchemie-Nobelpreis vor.

        „NICHT ZU WENIG GELD, SONDERN ZU VIEL BÜROKRATIE IST UNSER GRÖSSTES PROBLEM“.

        Das ist in der Tat oftmals ein großes Problem, aber mit SICHERHEIT nicht unser größtes Problem. Ein größeres Problem ist z. B. die lobbyistische Einflussnahme des finanziellen Sektors auf die Legislative (=Bürokratieaufbau), damit das Steuerverschiebungs- und Steuervermeidungskarussell für eine stabile Auftragslage auch bei der Anwaltskanzlei Mayer Brown LLP sorgt.

        „Ich werde fortan nicht mehr auf Ihre Hysterie eingehen, es ist sinnlos.“

        Hysterisch ist Ihre Reaktion auf einen sachlichen Kommentar. Über die Gründe kann man nur spekulieren: https://youtu.be/2Rlkmy-9gHM?t=483

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ M.Stöcker
        Herr Merz spricht doch ausdrücklich im Artikel über den Staat. Selbstverständlich wäre es für den Staat (ALLEINE betrachtet) möglich Investitionen vorzunehmen ohne neue Schulden aufzunehmen. Er würde im Gegenzug andere Leistungen, die keine Investitionen sind, reduzieren.

        Ob dies sinnvoll ist, ist eine andere Diskussion.

        Und dass, wenn der Staat keine neue Schulden für die Investitionen macht, jemand anderes dann die Lücke der geringeren sonstigen staatlichen Ausgaben schließen muss, ist ebenso ein anderes Thema.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Dank dafür, dass Sie die Antwort für mich übernommen haben.

        Leider wird Ihnen nun wahrscheinlich Ihr ganzes hiesiges Blog-Leben lang als Attribut angehängt werden, dass Sie „bar jeden Verständnisses sind“.

        Denn es ist nun einmal nicht zu ändern, dass man „bar jeden Verständnisses ist“, wenn man einem SACHLICHEN Kommentar von Herrn Stöcker widerspricht.

    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      Wenn schon ein gestandener Ökonom wie Peter Bofinger hierfür 12 Jahre benötigt hat, wie lange wird es dann erst bei einem Juristen dauern, der stramm auf die 70 zugeht? Ein hoffnungsloses Unterfangen! Insbesondere bei Beratungsresistenz (sorry Herr Tischer, dass ich schon wieder „diesen Herrn Bachmann“ vor mich herschiebe).

      Mehr zu diesen fundamentalen Irrungen, die nicht nur Deutschland, sondern die gesamte EU destabilisieren, finden interessierte Leser in meinem Beitrag Bankmythen aus dem Jahre 2014, der wie folgt endete:

      „Damit hätte auch den Ökonomen spätestens seit 1936 klar sein können, dass die Geschichte von Banken und Versicherungen als Finanzintermediäre nur eins ist: Das größte Ammenmärchen der FinanzINDUSTRIE. Es braucht eben immer erst eine Krise, um zu neuen/alten und besseren Erkenntnissen zu kommen. Bis die sich dann allerdings durchgesetzt haben, vergehen oftmals Jahrzehnte, manchmal verschwinden sie auch wieder in der Versenkung. Wir sollten dafür Sorge tragen, dass dieses Ammenmärchen nicht mehr weiter erzählt wird. Der Schaden ist schon groß genug.“ https://zinsfehler.com/2014/09/04/bankmythen/

      Sollte das Corona-Virus noch viel größeren Schaden anrichten, werden sich diese alten/neuen Erkenntnisse vermutlich nicht durchsetzen, weil wir dann ganz andere Probleme zu lösen haben.

      Goethe hatte schon gewusst, warum Faust II erst nach seinem Tode veröffentlicht werden sollte. Seitdem leider kein Erkenntnisfortschritt. Insofern zum Abschluss noch ein wenig Realismus vom Großmeister:

      O glücklich, wer noch hoffen kann,
      Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.
      Was man nicht weiß, das eben brauchte man,
      Und was man weiß, kann man nicht brauchen.

      LG Michael Stöcker

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      „We need a ‘Fridays for Keynesianism’ movement“

      Im Moment haben wir wirklich wichtigere Probleme – und freitägliche Massendemonstrationen sind aktuell auch, freundlich gesagt, keine besonders gute Idee.

      Antworten
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    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Ich würde FASTENZEIT statt Eiszeit vorziehen: Die Kohlehydrat-gemästeten Konsumenten werden die exzessiv-globale, grenzenlose Arbeitsteilung rück-abwickeln müssen. Jeder Lymphknoten funktioniert als “ Grenzposten “ im Körper , der dem Immunsystem anzeigt, was “ fremd“ und potientiell gefährlich sein kann. Die PANdemie wird den Machthabern die Glaubwürdigkeit rauben, die Medien werden an die leeren Worte von “ Beherrschbarkeit“ erinnern.

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    foxxly sagte:

    der absturz der wirtschaft ist bedingt durch das schuldgeldsystem mit zwangsläufig, heftig bis katastrophalen auswirkungen.
    dieses system hat einen wachstumszwang erzeugt der zunehmend an seine grenzen stößt. es klar dass es exponentielles wachstum nur zeitbegrenzt geben kann. (in der natur ist dies genauso, > epidemien etc.)für mich ist es unnatürlich, dass menschen sich selber so ein kaputtes und falsches system sich geben und akzeptieren. ursächlich ist, dass eine arbeitsleistung von mensch und maschinen, ein kreditschuld ist. dies erzeugt zwangsweise ein exponentielles und tödliches wachstum. dieses finanzsystem verstärkt massiv epidemische probleme.
    diese virus-epidemie ist eine willkommende ablenkung der hüter und protagonisten, bzw profiteure dieses geldsystems, welches in der bisherigen form seinem ende entgegen geht.

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    Arda Sürel sagte:

    ‚…aber es ist ein Versagen der Regulierung, hier nicht früher und entschiedener gegengesteuert zu haben‘

    Regulierung, die der Vielschichtigkeit heutiger Finanzverhaeltnisse und den daraus folgenden Manipulationsmöglichkeiten und den potentiell hoch destruktiven Instabilitaeten gerecht wird, müsste mit Instrumenten wie viel detaillierterem und komplexerem Einsatz von Mindestreservevorgaben, Eigenkapitalanforderungen, Limitierung von Ausschüttungen, Kontrolle der Positionen unterhalb des Bilanzstrichs, Laender-, Sektoren- und sonstige Limits, inhaltliche Überwachung einzelner Assetklassen (z.B. Verbot des Verkaufs von Asset Backed Securities an Nichtbanken, oder des strengen Beschraenkung der Vergabe von Fremdwaehrungskrediten an Privatpersonen) arbeiten – und das auch noch ohne dabei in dümmlichen Bürokratismus abzugleiten.

    Dies waere eine Art von ‚Kreditpolitik‘, die mit Geld-, Fiskal- und genereller Wirtschaftspolitik abzustimmen waere – was noch nicht einmal in der Theorie auch nur in Ansaetzen angedacht ist.

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    • Avatar
      ruby sagte:

      @Arda Sürel
      Regulierung funktioniert, wenn Ihr Handlungsrahmen überschaubar und vollständig steuerbar ist sowie Wertberichtigungen tragfähig bleiben: Abschreibungsquote =Gewinn-/Wagnisquote der Kalkulation.
      Dieses System bleibt zu erreichendes Ziel und setzt die Grenzen des Anwendungsraumes bereits mit Definition, Akzeptanz.

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    H. Hoffmeister sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    in Anbetracht einer globalen Sektorverschuldung von ca. drei Weltsozialprodukten ist der Spielraum für liquiditätsschaffende Mechanismen jedweder Art stark eingeschränkt. In so einer Situation wird es sehr schnell zum Arrest der auf Bar- oder Giralgeld basierenden Tauschvorgänge kommen, da dem inneren Wert der Tauschgüter viel mehr Beachtung geschenkt werden wird (muss). Da aber die Schöpfung von Tauschgütern mit echtem inneren Wert (technische Güter, Nahrungsmittel, Arzneimittel etc.) in hoch arbeitsteiligen Wertschöpfungsketten durch eine Pandemiestörung sehr schnell zum Erliegen kommen könnte, droht uns ein wirtschaftlicher Absturz mit nicht vorhersehbaren Folgen. Allein ein dadurch entstehender Produktivitätsrückgang in der Landwirtschaft wäre verheerend, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass inzwischen 8 Milliarden Menschen den Globus bevölkern.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ H. Hoffmeister

      „in Anbetracht einer globalen Sektorverschuldung von ca. drei Weltsozialprodukten ist der Spielraum für liquiditätsschaffende Mechanismen jedweder Art stark eingeschränkt.“

      Da ich Ihren Background nicht kenne, bin ich mir nicht so sicher, ob Sie ein korrektes Verständnis zum Thema Geld/Liquidität (1. Stufe des Geldsystems) und Kredit/Giralgeld (2. Stufe des Geldsystems) haben. Eine Zentralbank kann JEDERZEIT UNBEGRENZT Liquidität zur Verfügung stellen; und sie sollte es auch tun, SOFERN es sich um eine Liquiditätskrise handelt und NICHT um eine Solvenzkrise. Das hat ausschließlich Auswirkungen auf die Geldmenge M0, die den Geldkreislauf der Banken NIEMALS verlassen kann, nicht aber auf die für die Realwirtschaft relevante Geldmenge M1/M2/M3. Mehr dazu finden Sie u. a. hier: https://zinsfehler.com/2019/01/23/warum-konnen-wir-unser-geldsystem-nicht-richtig-verstehen/

      Davon unabhängig teile ich Ihre pessimistischen Einschätzungen, falls die Lieferketten längerfristig unterbrochen sein sollten. Da hilft auch kein QE 99 und auch kein QE4P. Das hilft lediglich der Masseninsolvenz vorzubeugen und erleichtert somit die Anpassungen im Nachkrisenmodus.

      Und noch als Ergänzung für unsere LAMA-Fraktion:

      Statt liquidate, liquidate, liquidate (Mellon Doctrine)

      benötigen wir

      Liquidity, Liquidity Liquidity (Mehrling Doctrine)

      LG Michael Stöcker

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    troodon sagte:

    „Wir brauchen – sollte das Virus weiter die Weltwirtschaft belasten – einen ökonomischen Winterschlaf. Alle Zinszahlungen und Tilgungen werden ausgesetzt, alle Wertpapierpreise eingefroren. Wir machen Pause und nehmen den Faktor Zeit aus dem Spiel.

    Wenn die Wirtschaft dann wieder anläuft – und das wird sie – dann können die Restriktionen nach und nach fallen. Die Restlaufzeit von Anleihen und Kredite wird um die Unterbrechungsperiode verlängert. Alle tun so, als hätten wir in einem erholsamen Winterschlaf gelegen.“

    Wenn es tatsächlich zu MASSIVEN Problemen bei Zins-und Tilgungen von Unternehmen kommt, wird man wahrscheinlich tatsächlich Banken anweisen, diese großzügig zu handhaben. Und dann kommt die Übernahme der faulen Kredite durch die EZB… Warum auch nicht in der dann vorherrschenden Situation, wenn man davon ausgeht, dass der Virus zeitlich beschränkt wirkt. Die Alternative, dem deflationären Crash einfach nur zuzusehen hätte unweigerlich negativere Auswirkungen.
    Dies ändert nichts daran, dass man in den letzten Jahren versäumt hat, das Bankensystem mit mehr EK zu versorgen, z.B. Dividenden Auszahlungen unterbinden.
    Und klar kann die spätere Übernahme der neuen NPL durch die EZB die jetzige und noch kommende Ausbreitung des Coronvisrus mit all seinen negativen realwirtschaftlichen Auswirkungen nicht bremsen, aber die Folgen können abgemildert werden.
    Die Welt geht nicht unter.

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      Alexander sagte:

      @troodon & Richard Ott

      Ich verstehe die Folgen dieser Politik als geldpolitische Machtergreifung.

      Wer keine Produktionsmittel bewirtschaften kann, kontrolliert die weit wichtigeren Zahlungsströme und steuert die Gesellschaft nach Wunsch.

      Jeder Grundschüler begreift was passiert wenn man die letzte Schlüsselindustrie mit absurden Forderungen belagert. Die Kfz Produktion ist jetzt unter das Niveau vom Absturz 2009 gefalllen, die Schockwellen werden schlimmer sein als offene Grenzen für Grippeviren…

      Die Transformation der Gesellschaft läuft längst und alle bangen um ihren nächsten Zahlungstermin. Ob die Anweisungen von oben noch Sinn machen frägt kein Schuldner, wenn die BETRIEBSERLAUBNIS „für was auch immer“ verloren geht.

      @all würde ich gerne auf diesen Podcast über den verstorbenen Philosophen Jean Baudrillard verweisen, jeder Satz über die Kultur der Simulation gewinnt in diesen Zeiten neues Gewicht: https://www.podcast.de/episode/419404455/Jean+Baudrillard+und+die+Kultur+der+Simulation/

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        Richard Ott sagte:

        @Alexander

        „Ich verstehe die Folgen dieser Politik als geldpolitische Machtergreifung.“

        Die Gefahr sehe ich auch, aber andererseits ist die Geldpolitik auch das einzige Politikfeld, das noch halbwegs handlungsfähig ist. Oder vertrauen Sie etwa auf die Kompetenz von Spahn? Und das Aufschieben von irgendwelchen Steuerterminen ist noch nicht einmal Geldpolitik, sondern nur im weitesten Sinne Fiskalpolitik.

        Bei der Finanzkrise und der Euroschuldenkrise war das ja schon ähnlich, wobei wir unter den Nachwirkungen des Machtgewinns der Finanzindustrie und der Geldpolitiker bis heute leiden.

        „Wer keine Produktionsmittel bewirtschaften kann, kontrolliert die weit wichtigeren Zahlungsströme und steuert die Gesellschaft nach Wunsch.“

        Nein, so einfach ist es nicht. Wer keine Produktionsmittel bewirtschaften kann, kann auch nichts produzieren. Da hilft dann auch kein Gelddrucken mehr, wenn sich die Bevölkerung von dem vom Staat kontrollierten Geld abwendet und lieber Tauschhandel betreibt.

        Diese Erkenntnis haben wir in Deutschland im 20. Jahrhundert nun wirklich oft genug gemacht, aber anscheinend ist die Erinnerung daran beim Großteil der Bevölkerung schon wieder verloren gegangen. Und die staatsgläubigen Sozialisten werden sowieso aggressiv, wenn man an die Erfahrungen mit Währungsreformen und Hyperinflation erinnert, da könnten Sie auch einem Flacherdler Bilder von der Internationalen Raumstation zeigen.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        Der relative Niedergang der D- Wirtschaft wird sich fortsetzen, ob man es dann als „schleichend“ oder als „in Zeitlupe“ betrachtet ist Definitionssache. Die Epidemie kann den Niedergang etwas beschleunigen.
        Im anderen Post schreiben Sie “ Ganz viel Wissen existiert gar nicht mehr…. „. Ich möchte ergänzen „oder bestand nie, wurde nie ausreichend gelehrt“.
        Ich kenne nicht die unterschiedlichen Lehrpläne der Schulen in den Bundesländern. Wenn aber an Gymnasien in Brandenburg Informatik kein Pflichtfach ist ab der 7.Klasse und sogar später nur als zusätzliches Fach mit dann höherer Stundenzahl gewählt werden kann, dann fällt mir dazu wenig ein. Der Rückstand in diesem Bereich ist nicht aufzuholen. Folge wird sein, was hier immer besprochen wurde, Wegfall gut bezahlter Industriearbeitsplätze z.G. Dienstleistung. Andere verlassen das Land Richtung USA (z.B. Tobias W) Dies ist nicht aufzuhalten.

        D wird damit immer noch einen höheren Wohlstand halten können als z.B. die südeuropäischen Länder, aber Osteueropa wird m.E. aufholen. Kein Grund zur Panik, aber es wird die Verteilungskonflikte erhöhen, die Forderungen nach Mehr Umverteilung erhöhen. Auch eine schwere Rezession wird daran nichts ändern.
        Wenn die Erbengeneration eine etwas andere Einstellung zum Geld hat und das Geerbte investiert/ausgibt anstatt auf dem Sparbuch zu lassen, kann dies wiederum Verteilungskonflikte langfristig etwas abmildern. Selbst unsinnige Anschaffungen/Investitionen bekommen dann einen Sinn. Also „Hauch wech den Sch..“, dann ist die Kohle vielleicht beim Handwerker der den noch zu teuren Stromspeicher installiert. Gesamtwirtschaftlich wäre das dann immer noch besser als 2,5 Bio auf Konten dauerhaft rumliegen zu lassen.

        „Jeder Grundschüler begreift was passiert wenn man die letzte Schlüsselindustrie mit absurden Forderungen belagert. “
        Dann haben die Klimakids keine Grundschule besucht ?

      • Avatar
        ruby sagte:

        @Alexander
        Ein Aspekt um direkt zwischen vertrauenswürdigen Produzenten Zeit und Masse zu gewinnen sind zinsfreie Lieferantenkredite sowie Kontokorrentänderungen. Diese schalten die Fremdfinanzierung durch Kreditbanken aus und stärken bei nachfolgender Umsatzerlösung das Eigenkapital der Parteien. Beschäftigte leisten durch ihre Arbeit, die nachschüssig entlohnt wird, genauso Vorfinanzierung, die als Rücklage das EK erhöhen sollte – „Startkapitalarbeitsrücklage“. Einbehaltung vs. Ausschüttung sowie Zinsbasis.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        „Kompetenz von Spahn?“
        Mir ist Spahn an dieser Stelle deutlich lieber als etliche andere Schwafelminister…
        Er kann sich in dieser Situation beweisen. Mal abwarten, wie er sich schlägt.
        Selbstverständlich wissen viele natürlich alles besser.
        Hybris statt Demut ist ein Teil unserer Zeit.
        In 6 Monaten kann man dann ein Urteil über Spahn und seine Handlungen fällen. Warten wir es ab.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @troodon
        Wenn Sie Spahn möglicherweise für kompetent halten, wie erklären Sie sich dann das:

        https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/minister-zum-coronavirus-spahn-warnt-vor-ausgrenzung-infizierter/25499114.html

        Gegen die „Ausgrenzung Infizierter“ zu sein bringt sicherlich viel reflexhaften Applaus bei deutschen Gutmenschen, ist beim Ausbruch einer neuen hoch ansteckenden Infektionskrankheit aber eine wirklich außergewöhnlich dumme Idee.

        „Er kann sich in dieser Situation beweisen. Mal abwarten, wie er sich schlägt.“

        Ja gut, das könnte man immer sagen, auch wenn Kaiser Caligula sein Lieblingspferd zum Senator ernennt.

      • Avatar
        troodon sagte:

        „+++ 11:07 Altmaier richtet Hotline für Unternehmen ein +++
        Bundeswirtschaftsminister Altmaier wird eine Coronavirus-Hotline für Unternehmer einrichten. Das erfuhr ntv aus dem Wirtschaftsministerium. Demnach können sich Unternehmen, die unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufgrund der derzeitigen Viruslage leiden, ab dem Nachmittag an eine Zentral-Nummer wenden. Sie werden dann mit den jeweiligen Fachabteilungen verbunden.“

        Erster Schritt, dann nach Prüfung 0% Zins + tilgungsfreier Kredit über xJahre über KfW ? Bei Nichtbedienung bei Fälligkeit Weiterreichung an die EZB ?

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Spahn im Artikel vom 1.2.2020:
        “ „Was mir im Moment am meisten Sorge macht, sind Verschwörungstheorien aller Art, die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden“, sagte der Minister.

        Er berichtete davon, dass sich Kfz-Werkstätten in Bayern geweigert hätten, die Autos von Mitarbeitern einer Firma zu reparieren, unter deren Beschäftigten mehrere Infektionsfälle aufgetreten waren.“

        Daraus die Überschrift zu machen „Spahn warnt vor Ausgrenzung Infizierter“ finde ich nicht ganz passend. Oder habe ich etwas überlesen?

        Ähnliche Übertreibung heute bei einer Schlagzeile auf n-tv:
        „+++ 10:10 NRW-Minister schließt Quarantänen von Städten aus +++ „schließt aus“ Aha.
        Im Text darunter wird er zitiert mit:
        „Für den nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gibt es vorerst keinen Anlass, NRW-Städte unter Quarantäne zu stellen. Er halte dies aktuell nicht für die richtige Maßnahme, …Zudem gehe es nun darum, „Schritt für Schritt“ jeden Tag über geeignete Maßnahmen zu entscheiden. “

        „voerst“ „Schritt für Schritt“

        Daraus “ schließt aus“ zu machen muss Qualitätsjournalismus sein.

        Abgesehen davon, jedes Wort immer auf die Goldwaage zu legen, jeden kleineren Fehler/Nichtwissen (die ich jetzt in dem Spahn Artikel nicht gesehen habe) politisch auszuschlachten, ist für mich auch eine klare negative Entwicklung der letzten Jahre. Wer alles besser weiß, ab in die Politik und besser MACHEN.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @ruby

        Zwischen den Unternehmen gibt es die Vertrauenskredite früherer Dekaden nicht mehr, unter Ausschluß persönlicher Haftung hat das „Wort“ keine Bonität mehr.

        Zwang aus Macht ersetzte gute Sitten.

        Zinsfreie Lieferantenkredite nimmt die Autoindustrie schon lange, wenn man Zahlungsläufe von 10 Monaten praktiziert. Das wird von Banken zwischenfinanziert.

        Nachschüssige Mitarbeiterentlohnung ist nach >20 Jahren billiger Konsumschulden keine Option mehr, wenn Langzeitfinanzierungen wackeln sobald Gewinnausschüttungen (Kfz Industrie) sinken…..oder Nachtschichten gespart werden. Wagecuck zu sein ist globale Normalität https://www.urbandictionary.com/define.php?term=wagecuck

        Nach 30 Jahren Nötigung zum Konsum von Eigenkapitalien helfen keine Schummelleien mehr, niemand nimmt Rücksicht – ökonomisch herrscht Krieg und ich würde gerne etwas anderes erlebt haben…

        there is no mercy.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @troodon

        Übertrittszeugnisse an weiterführende Schulen bedürfen in Bayern keiner überdurchschnittlichen Leistung mehr, sondern sind Ausdruck des Elternwunsches.
        Brutal ausgesiebt wird im Zeitalter von Chancengleichheit schon länger nicht mehr.
        Die FFFkids wurden einfach durchgewunken, damit nichts der Massenakademisierung im Wege steht.

        Mit fehlendem Wissen meine ich z.B. die junge Generation von Landwirten, die kaum mehr an den Verfahren ihrer Großeltern anknüpfen könnten, wenn sie es denn wollten. Es handelt sich ohnehin nur noch 1-2% der Bevölkerung und Ackerflächen werden gerade zu Solarplantagen zweckentfremdet.

        Der Verfall frisst sich seit zwei Dekaden durch alle Gewerke und das nachlassende Potential verheißt nichts gutes. „Akademisch geht es seit den Bologna Reformen unentwegt bergauf auf – wußten Sie das nicht?“

        Käme es zu einer scharfen Rezession, ließe sich die deflationäre Abwärtsspirale angesichts der Verschuldungsgrade nicht glimpflich mildern. Von Vermögen und Erben würde ich dann nicht mehr ausgehen.

        Mit den zu erwartenden Renteneintritten zwecks Kapazitätsabbau dürften sich sämtliche Probleme verschärfen, weil die Auszahlungen nicht aus sinkenden Einnahmen gespeist werden können…

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        „Mit fehlendem Wissen meine ich z.B. die junge Generation von Landwirten, die kaum mehr an den Verfahren ihrer Großeltern anknüpfen könnten, wenn sie es denn wollten. Es handelt sich ohnehin nur noch 1-2% der Bevölkerung und Ackerflächen werden gerade zu Solarplantagen zweckentfremdet.“
        Stimme Ihnen zu, vielfach hier besprochen, Aufwand/Ertrag lohnt sich finanziell leider in etlichen Wirtschaftsbereichen weniger als z.B. in der Finanzindustrie. Dann sind die Konsequenzen der jungen Menschen bzgl. Berufswunsch nachvollziehbar.

        „Übertrittszeugnisse an weiterführende Schulen bedürfen in Bayern keiner überdurchschnittlichen Leistung mehr, sondern sind Ausdruck des Elternwunsches.“
        So kannte ich das von früher. Bin überrascht, dass das in Bayern aktuell so der Fall ist.
        Übergang auf das Gymnasium am Wohnort in BB wurde letztes Jahr schon nicht erreicht mit Noten 1,2,2 (in den Hauptfächern Ma,D,Eng). Dieses Jahr hoffe ich, dass 1,1,2 für meine Tochter reicht… Ist aber für mich auch ein Zeichen von niedrigen Anforderungen, wenn die Noten zahlreich so gut sind.

        „Der Verfall frisst sich seit zwei Dekaden durch alle Gewerke und das nachlassende Potential verheißt nichts gutes.“ Absolut.

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        troodon sagte:

        @ Alexander
        “ ließe sich die deflationäre Abwärtsspirale angesichts der Verschuldungsgrade nicht glimpflich mildern. Von Vermögen und Erben würde ich dann nicht mehr ausgehen.“
        Bei alleine 2,5 Bio € Kontoguthaben/Bargeld bin ich da weniger pessimistisch.

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        Alexander sagte:

        @troodon

        Bei Ihrem Optimismus haben Sie staatliche Begehrlichkeit über unverdiente Vermögen bedacht? Der staatlichen Verschuldung aus konjunktureller Konsumverschuldung stehen diese Vermögen gegenüber, weniger privaten Pfändern :o)

        Den Linksruck aus sprudelnder Weisheit, (vgl. Hamburg Wahlergebnis), verhindert keine alternde Gesellschaft und schon gar keine EinzelEnkelkinder mit fünf ererbten Häusern…Geldvermögen sind schon jetzt erbschaftssteuerpflichtig.

        „Demokratie ist, wenn sich zwei Wölfe mit einem Schaf über die nächste Mahlzeit unterhalten“ (Autor unbekannt)

        Bei sinkendem Potential trifft Geldvermögen auf welche Dienstleistungsfähigkeit, d.h. welche Kaufkraft und Produktqualität erwirbt der Reiche? In Brasilien kauft man großen Pfusch mit teurem Geld und darf froh sein sicher zur Einfahrt zu gelangen.
        youtube.com/watch?v=ANX0VNVniGY
        & youtube.com/watch?v=0ZroBg28Z-w

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        ruby sagte:

        @troodon & Alexander
        Richard Werner analysiert genau und nennt vorwärts gerichtete Kreditgewährung sbegleitung („..imposing regulations on banks concerning the quantity and allocation of bank credit.“), Bilanzierungsregeln und Rechtsinstitutionen werden folgend eingefordert:
        „The role of accounting and law in economics should be increased, both in research and in the teaching of economics. This includes the role of national income accounting and flow of funds information (see Winkler etal., 2013a, Winkler et al., 2013b), which have to be reconciled with those records of the banks. These are not only the “central settlement bureau, a kind of clearing house or bookkeeping centre for the economic system” (Schumpeter, 1934, p. 124), but also the creators and allocators of the money supply.“

        Gleichen wir das mit der Banking-Reality ab, steht eine Finanzmonpolreregulierung an, die ich mit einer Backward-Punishment für die angesammelten Vermögensbillionen (2,5 Bio. troodon) koppele. Ganz klar, ein eiskalter fight gegen die bisherigen Besitzstandsbanker als ungestörte Kreditgeldschöpfer und die Wissenschaftstheoretiker auf der Staats- sowie Gesetzes- und Verwaltungsebene. Hard stuff for best people meine Herren Ökonomen, Juristen, Verwaltungs- sowie IT-Experten von unten bis oben durch die Hierarchien!
        true competence
        https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521915001477#s0100

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        troodon sagte:

        @Alexander
        „Den Linksruck aus sprudelnder Weisheit, (vgl. Hamburg Wahlergebnis), verhindert keine alternde Gesellschaft und schon gar keine EinzelEnkelkinder mit fünf ererbten Häusern…Geldvermögen sind schon jetzt erbschaftssteuerpflichtig.“
        Trotzdem bleibe ich dabei, dass man mit den 2,5 Bio eine Menge Dummheiten machen könnte und trotzdem den Verfall abmildern könnte. Relativen Niedergang von D aufhalten, selbstverständlich nein.Und man wird voraussichtlich einen größeren Teil der 2,5 Bio auch nicht zur Zirkulation aktivieren können, es sei denn es gäbe tatsächlich in den nächsten Jahren massenhaft Erben mit dem Motto „Hau wech…, weil Vermögen nur stresst“

        Solange man in D „nur“ den Pfusch bekommt, aber sicher zur Einfahrt kommt , ist doch noch alles weitesgehend in Ordnung ;)
        Pfusch sichert Folgeaufträge (für andere) ;)
        Unter Blinden ist der Einäugige der König.

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        Alexander sagte:

        @troodon

        Individuelle Zufriedenheit/Auskommen sind auch dann gegeben wenn man deutlich erkennt, dass wir unserer kollektiven historichen Verantwortung viel zu gering nachkommen.

        Als jemand der sich schon länger mit der Krise beschäftigt gestehe ich gerne, dass meine Anlageansichten für die schwere Zeit nach dem Verlust monetärer Wirksamkeit dem Glauben zu Beginn widersprechen.
        Umso mehr amüsiert mich die Schläue, mit der jüngst noch Desinteressierte sofort illiquide Investments tätigen um als Sieger aus dem Schlamassel zu gehen. Viel davon dürfte extreme Wertverluste erleiden + meint auch Geldanlagen.

        Geld ist immer ein Versprechen auf zukünftige Leistung und sein Wert hängt von Leistungsfähigkeit in einer Zukunft ab, die keiner kennt.

        „Unter Blinden ist der Einäugige der König.“ – sagt ebenso ein befreundeter Ausbilder der Handwerkskammer gerne über die zukünftigen Gesellen…seit ungefähr 20 Jahren. Und…..die Einäugigen studieren jetzt alle.

  11. Avatar
    Alexander sagte:

    Ein wenig geht der Diskussion immer wieder die Dimension verloren.

    Steuervorauszahlungen sind ein Problem? Nicht wirklich, wenn man 5 Mitarbeiter beschäftigt und jeder Arbeitsplatz >200td€ an Einrichtung/Anlagen/Ausrüstung kostet, ohne Immobilie.

    Kurzarbeitergeld hilft, Stundung von Leasing/Pacht/Miete/Tilung/Zins schiebt das Problem nur auf, wenn verlorene Umsätze vom Februar/März in 2020 nicht mehr nachgearbeitet werden können.

    Inzwischen wollen ALLE essen, medizinische Versorung, tanken und ihre tägliche GEZ Nachrichtendosis beim Bier konsumieren. Mastbetriebe brauchen ständigen Nachschub an Futtermitteln, schlachtreife Tiere müssen verarbeitet werden, diverse Lieferketten dürfen nicht pausieren um keine Massen an Abfällen entsorgen zu müssen.

    Alle Wertschöpfungsketten wurden dank günstiger Finanzierung von Lagerhaltung auf just in time umgestellt.

    Wieviele Tage vergehen bis der Verkehr steht, wenn die KfZ Werkstätten auf Ersatzteile warten, sollten diese überhaupt noch arbeiten?

    Für Zwangsbewirtschaftung gesellschaftlich systemischer Strukturen fehlt es an Personal und Übersicht.
    Obwohl wir jetzt im absoluten Überfluss von Waren leben, die am Markt vorbei produziert wurden dreht sich das Ganze im Krisenfall binnen einer Woche in einen Alptraum.

    Die Bundeswehr hat nur für 1 Tag Munition vorrätig…

    Globalisierung, Demographie und Geldpolitik haben die Verteidigungslinien so sehr ausgedünnt, dass gar nichts mehr passieren darf – sonst droht Disfunktion.

    Mit Geld ist das Problem nicht lösbar…..im Falle von Stillstand, ganz egal ob der Auslöser eine Epedemie, Massenpleiten von Zwergen oder Kriegsereignisse im Zuge der Ausfälle wären…..

    Die hohe Besiedelungsdichte macht prepperei sinnlos, weil sich niemand gegen Plünderei schützen kann. Die Jagd, Fischzucht gibt nicht genug her und Energiebauern haben dem regelmässigen Urlaub wegen, neben Ackerbau auch Viehzucht an industrielle Betriebe outgesourced.

    Ganz viel Wissen existiert gar nicht mehr…. und natürlich ist Berlin nicht einmal fähig den Bundestag im heißen Krisenfall zu betrieben, geschweige denn das ganze Land.

    Drohte eine heiße Pandemie, wie der schwarze Tod im Mittelalter, müssten die Regierungen schon jetzt alle Grenzübertritte unter Quaratäne stellen und das öffentliche Leben unter Planwirtschaft legen….alleine wegen der Atomsicherheit.

    Was wir bis jetzt sehen ist clickbait von Systemmedien und Angstpornographie von Verkäufern.

    Was bleibt ist der Eindruck, dass die Geldpolitik im Zuge der Rezession die Macht übernimmt….und alle dankbar an ihre Arbeitsplätze wagecucken…(..der lückenlosen Rentenbeiträge wegen)

    Für Zurechtrücken von Denkfehlern bitte gerne korrigieren.

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      Richard Ott sagte:

      @Alexander

      „Kurzarbeitergeld hilft, Stundung von Leasing/Pacht/Miete/Tilung/Zins schiebt das Problem nur auf, wenn verlorene Umsätze vom Februar/März in 2020 nicht mehr nachgearbeitet werden können.“

      Ja, aber in diesem speziellen Fall ist „das Problem nur aufschieben“ genau das, was wir wollen! Rentabilitätsfragen können wir später klären, im März 2020 müssen wir uns erstmal darauf konzentrieren, die Epidemie zu bekämpfen ohne dass gleichzeitig der Nachschub an Versorgungsgütern oder unser Gesundheitssystem zusammenbricht. Das dürfte als Aufgabe anspruchsvoll genug sein, außer für Gesundheitsminister Spahn, der sich offenbar aus Unterforderung langweilt und nebenbei noch Wahlkampf für sich und Laschet als neue CDU-Doppelspitze machen kann…

      Ein bisschen an den Schräubchen für die Fristen im Steuersystem zu drehen wird die absehbaren Liquiditätsprobleme nicht alle lösen, aber es wäre eine sehr einfache und billige Möglichkeit, um gerade für kleinere Unternehmen und Selbstständige schnell mehr Liquidität zu schaffen.

      „Globalisierung, Demographie und Geldpolitik haben die Verteidigungslinien so sehr ausgedünnt, dass gar nichts mehr passieren darf – sonst droht Disfunktion.“

      Vergessen Sie nicht das Glaubensdogma der EU: Offene Grenzen im Schengenraum. Die dürfen auf keinen Fall angetastet werden, egal ob UK deshalb wegen der Flüchtlingskrise den Brexit beschließt oder eine Virusepidemie sich durch ganz Europa verbreitet.

      Wahrscheinlich ist es in der EU mittlerweile einfacher durchsetzbar, eine ganze Großstadt abzuriegeln als zeitweilig Grenzkontrollen zwischen einzelnen Nationalstaaten wieder einzuführen…
      https://de.nachrichten.yahoo.com/bislang-keine-grenzkontrollen-schengenraum-wegen-coronavirus-geplant-110612276.html

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    David sagte:

    Guten Morgen,

    normalerweise teile ich Ihre Meinung, doch an folgender Stelle muss ich Ihnen widersprechen:

    „einen ökonomischen Winterschlaf. Alle Zinszahlungen und Tilgungen werden ausgesetzt, alle Wertpapierpreise eingefroren.“

    Wo bleibt denn da der Nutzen für all diejenigen, die sich der Verschuldung nicht hingegeben haben? Gerade in Krisenzeiten zeigt sich doch, wer sich verspekuliert und wer zu teuer gekauft hat. Erst durch den Rückgang der Preise für Aktien und Immobilien kommt es wieder zu einem fairen Bewertungsniveau, bei dem dann auch wieder gekauft werden kann.

    Die jahrelange irrsinnige Spekulation auf Pump muss auch seine Spuren hinterlassen, sonst geht es ja immer weiter, wenn in der Not helfende Hände ins Spiel kommen.

    Antworten
    • Avatar
      troodon sagte:

      @ David
      Bei “ Preise für Aktien und Immobilien“ bin ich bei Ihnen. Bei betroffenen Unternehmen befürworte ich Prüfung im Einzelfall und Unterstützung z.B. durch KfW Kredite.

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  13. Avatar
    Richard Ott sagte:

    „Sie werden es selber wissen – als Selbstständiger bezahlt man quartalsweise eine Abschlagszahlung auf die EST-Steuer, deren Betrag sich am Einkommen des Vorjahres misst. Brechen die Einnahmen ein, kann man natürlich einen Herabsetzungsantrag durch den Steuerberater stellen. In der jetzigen Liquidationsklemme würde dies zu lange. Hier müsste das Finanzministerium entsprechend die Finanzämter anweisen, extrem großzügig zu verfahren – besser von sich selber aus die Zahlungstermine aufschieben.“

    Ein sehr schöner und einfach umzusetzender Vorschlag. Im Moment bezahlen Selbstständige und Unternehmen die Steuervorauszahlung für ein Quartal immer bis zum 10. Tag des 3. Monats des Quartals (also 10. März für Q1, usw.), man könnte auch einfach alle diese Termine um 6 Monate aufschieben.

    Alternativ kann man natürlich auch einfach der im jeweiligen Bundesland dominierenden Partei eine größere Geldsumme spenden, dann stundet das Finanzamt auch ganz umkompliziert Steuerforderungen oder lässt sie sogar einfach uneingetrieben verjähren: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article205916405/Cum-Ex-Skandal-Hamburger-SPD-erhielt-Spenden-von-der-Warburg-Bank.html

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