„Nichts dazugelernt“

Dieser Beitrag von mir erschien bei Cicero Online: 

Zehn Jahre nach Beginn der Finanzkrise klopfen sich Notenbanker und Politiker auf die Schultern: Das Schlimmste läge hinter uns und die Erholung sei geschafft. Ein Irrtum. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Krise wieder ausbricht. Und zwar mit voller Wucht.

Vor zehn Jahren ging die US-Bank Lehman Brothers pleite. Auf die Jahre danach blicken viele Akteure zufrieden zurück. Man lobt sich selbst für die gelungene Bewältigung der Krise und die Erholung von Wirtschaft und Finanzmärkten. Dabei zeigt eine nüchterne Betrachtung, dass sie das zu Unrecht tun. Die Krise ist noch lange nicht vorbei. Stattdessen wurde auf Zeit gespielt, ohne die Krisenursachen zu bereinigen. Schlimmer noch: Mit ihrem Tun legen Notenbanker und Politiker die Basis für eine noch größere Krise.

Krise nicht verstanden

Zunächst lohnt es sich zu erinnern, dass Notenbanker und Politiker die Krise von 2008 nicht kommen sahen. Allein dies spricht schon für eine erhebliche Skepsis, wenn heute Aussagen getroffen werden, wonach die Krise „überwunden sei“ und es keine neue Krise mehr zu „unseren Lebzeiten“ geben kann. Solche Aussagen heutiger Notenbanker erinnern fatal an US-Notenbank Chef Ben Bernanke, der – obwohl er über die große Depression geforscht hat – die Wiederholung derselben nicht kommen sah. Noch 2007 hielt er die Subprime-Krise für ein kleines Problem, welches die US-Wirtschaft nicht nachhaltig beeinflussen würde.

Bis heute gibt es kein gemeinsames Verständnis für die Ursachen der Krise. Da wird über die „Finanzkrise“ gesprochen, ausgelöst von zweifelhaften Krediten im US-Immobilienmarkt, die über allerlei Umwege in den Portfolios der Investoren in aller Welt landeten – vor allem in Deutschland. Da wird von der „Eurokrise“ gesprochen, deren Ursache man gerne in der überbordenden Staatsverschuldung einzelner Sünderländer verortet, die nun mal über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Die Wahrheit ist eine andere: Beides sind Überschuldungskrisen gewesen und sind es immer noch. Seit Mitte der achtziger Jahre haben wir es weltweit mit einer explodierenden Verschuldung von Staaten, privaten Haushalten und Unternehmen zu tun, vor allem in den USA, Europa und Japan. In den 20 Jahren bis zum Krisenausbruch 2007 hatten sich die Schulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt. Real hatten Unternehmen mehr als dreimal so viele Schulden wie zuvor, Staaten mehr als viermal und private Haushalte mehr als sechsmal so viel.

2008 war es dann so weit. Die Welt schien am Ende der Verschuldungskapazität angelangt. Der „Minsky-Moment“ war erreicht, der Zeitpunkt an dem schuldenfinanzierte Blasen platzen. Benannt ist der Punkt nach dem verstorbenen US-Ökonomen Hyman Minsky, den zu Lebzeiten keiner der Akteure ernst nahm und dessen Gedanken auch heute viel zu wenig Beachtung finden. Statt anzuerkennen, dass die schuldenfinanzierte Wohlstandsillusion an ihre Grenzen stößt, wurde alles getan, um die Verschuldungskapazität zu erhöhen und eine weitere Runde mit noch mehr Schulden anzustoßen.

Schulden wachsen weiter

Die Verschuldungskapazität hängt vom beleihungsfähigen Eigenkapital oder Einkommen und von den Zinsen ab. Je höher das Eigenkapital und das Einkommen und je tiefer die Zinsen, desto mehr Schulden lassen sich schultern. 2008 stiegen die Kosten für Kredite drastisch, nicht zuletzt, weil das Vertrauen der Kreditgeber in die Zahlungsfähigkeit der Schuldner deutlich zurückging. Zugleich verfiel der Wert des Eigenkapitals und die Einkommensaussichten verschlechterten sich wegen der sich abzeichnenden Rezession. Was bei moderater Verschuldung im Einzelfall ärgerlich ist, erweist sich bei zu hoher Verschuldung als Brandbeschleuniger für eine große Depression. Keiner hat das besser beschrieben als Irvin Fisher in seiner „Debt-Deflation-Theory of Great Depressions“. In der Tat waren wir 2008 auf dem besten Weg in eine Weltwirtschaftskrise wie in den dreißiger Jahren. Der Absturz war anfangs sogar weit dramatischer als damals.

Richtigerweise haben die Verantwortlichen alles daran gesetzt, dies zu verhindern. Mit staatlichen Konjunkturprogrammen und Null- und Negativzins haben sie die Verschuldungskapazität wieder hergestellt. Vermutlich hätte es dennoch nicht gereicht, wäre China nicht mit einem gigantischen schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm eingesprungen. Damit wurde nicht nur die Schuldentragfähigkeit im Westen erhöht, sondern zugleich noch neue Verschuldungskapazität in der Welt mobilisiert.

Mit erheblichem Erfolg. Weltweit ist die Verschuldung auf über 325 Prozent des BIP gestiegen, 50 Prozentpunkte mehr als noch 2007. China ist mit einer Vervierfachung der Verschuldung seit dem Jahr 2000 und einem Anstieg von rund 120 Prozent des BIP auf über 280 Prozent einsamer Spitzenreiter.

Politiker und Notenbanker haben es also geschafft, die weltweite Verschuldungskapazität durch Hinzuziehung neuer Schuldner und die Senkung der Finanzierungskosten nochmals deutlich auszuweiten und haben davon dann ausgiebig Gebrauch gemacht. Damit wurde die Politik, die uns in die Krise von 2008 geführt hat, noch konsequenter fortgesetzt. Das Problem ist nur, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir vor dem nächsten „Minsky Moment“ stehen. Dann allerdings mit noch mehr Schulden und schon rekordtiefen Zinsen.

Zeit, die Systemfrage zu stellen

Es ist Zeit, dass wir unsere Wirtschaftspolitik grundlegend hinterfragen. Seit Mitte der achtziger Jahre setzen wir im Westen darauf, mit immer mehr Schulden kurzfristiges Wachstum zu erzielen. Dabei nimmt die Produktivität der neuen Schulden immer mehr ab. Nachdem jahrzehntelang die Wirtschaft im Einklang mit der Verschuldung wuchs, werden heute weltweit immer mehr Schulden gebaucht, um überhaupt noch Wachstum zu erzielen. Die Ursache liegt in der überwiegend unproduktiven Verwendung der Schulden. Wir kaufen uns damit gegenseitig vorhandene Vermögenswerte zu immer höheren Preisen ab. Im Unterschied zu Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen wächst dadurch die Wirtschaft jedoch kaum, wenn man von dem Zusatzkonsum durch den Reichtumseffekt steigender Vermögenspreise absieht.

Ermöglicht wird das Ganze von einem Bankensystem, das fast unbegrenzt neues Geld schöpfen kann, indem es Kredite gewährt. In unserem Geldsystem wird neues Geld überwiegend (zu rund 90 Prozent) durch das Bankensystem geschaffen. Steigende Nachfrage nach Vermögenswerten führt dabei zu einem Preisanstieg, der wiederum eine höhere Beleihungskapazität für alle Vermögenswerte ermöglicht. Wir sind damit abhängig von steigenden Vermögenswerten, neuen Schuldnern und immer tieferen Zinsen. Die Zinsen müssen morgen noch tiefer sein, einfach weil sie heute schon tief sind.

Nur mit immer mehr Risiken bleibt das System am Laufen. Das Problem dabei ist, dass wir nicht einfach aufhören können. Die ausstehenden Schulden müssen bedient werden, soll es nicht zum Kollaps kommen. Dies bedingt, dass zumindest in Höhe der Zinsen auf der ausstehenden Schuld neue Schulden aufgenommen werden. Denn woher sonst soll das Geld denn kommen?

Es gibt keinen einfachen Weg aus unserer selbst gewählten Misere. Wir haben uns von der Schuldendroge abhängig gemacht und brauchen eine ständig steigende Dosis. Bleibt sie aus, ist der „Minsky Moment“ da – der ultimative Crash.

Es geht auch anders

Dass es auch ohne die Droge geht, konnte man in den fünfziger und sechziger Jahren gut beobachten. Natürlich stieg auch damals die Verschuldung deutlich an. Da die Schulden jedoch einer produktiven Verwendung zugeführt wurden, wuchs auch die Wirtschaft entsprechend. Die Schuldenquoten blieben also stabil oder gingen sogar zurück.

Um das zu erreichen, müssten wir das Bankensystem wieder auf die eigentliche Rolle als Vermittler von Krediten reduzieren, als Versorger für die Realwirtschaft. Damit einhergehend muss eine Limitierung der Kreditvergabe durch deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen realisiert werden. Zu prüfen ist zudem eine Abschaffung der Geldschöpfungsmöglichkeit des Bankensystems durch eine Umstellung auf Vollgeld.

Damit nicht genug. Wir müssen auch einen Weg finden, die angehäuften Schulden intelligent zu bereinigen. Vermutlich wird uns nichts anderes übrig bleiben, als sie bei den einzigen Schuldnern abzuladen, die über eine praktisch unbegrenzte Verschuldungskapazität verfügen: den Notenbanken. Diese sind ohnehin schon dabei im großen Umfang Forderungen aufzukaufen. Dies müssten sie noch verstärkt tun, und sobald sie einen signifikanten Bestand haben, sollten sie die Forderungen abschreiben und den Schuldnern in einer Art „Jubel-Jahr“ erlassen. Da Notenbanken per Definition nicht illiquide und damit nicht insolvent werden können, bleibt dies wohl der einzige und relativ schmerzfreie Weg der Bereinigung.

Auf dem Weg zur nächsten Krise

Die Notenbanken tun als Vertreter des Systems jedoch alles dafür, das jetzige System am Laufen zu halten. Ihre Mission ist klar: Die Verschuldung muss weiter steigen, denn nur dann kommt es nicht zum finalen Crash. Zugleich sind sie die letzten, die ernsthaft einen Systemwechsel betreiben. Zu groß sind die Interessen am Status quo. Wer hätte nicht gerne das Recht und die Möglichkeit legal Geld aus dem Nichts zu schaffen und damit reale Assets zu kaufen und Erträge zu erwirtschaften?

Damit bleiben wir jedoch in einem System gefangen, welches zwangsläufig auf die nächste Krise zusteuert. Wie bei Waldbränden ergibt sich ein dramatisches Szenario. Je mehr kleinere Feuer gelöscht werden, desto größer die Gefahr eines Großbrandes. Da wir den Großbrand von 2008 gelöscht haben, laufen wir Gefahr, dass das nächste Feuer noch brutaler wird. Und zugleich haben wir deutlich weniger Löschwasser zur Verfügung: Die Verschuldungskapazität ist noch mehr ausgeschöpft, die Zinsen sind noch tiefer. Gut möglich, dass das nächste Feuer auch die Notenbanken hinwegfegt.

→  cicero.de: „Nichts dazugelernt“, 13. September 2018

38 Kommentare
  1. Michael Stöcker sagte:

    „Die Wahrheit ist eine andere: Beides sind Überschuldungskrisen gewesen und sind es immer noch.“

    Die Wahrheit ist eine andere. Vermögen und Schulden sind aufgrund des Matthäus-Effekts zu ungleich verteilt.

    „Seit Mitte der achtziger Jahre haben wir es weltweit mit einer explodierenden Verschuldung von Staaten, privaten Haushalten und Unternehmen zu tun, vor allem in den USA, Europa und Japan.“

    Seit Mitte der achtziger Jahre wurde die realkapitalistische Anordnung im Zuge der Hochzinspolitik sowie einer weitgehenden Deregulierung auf eine finanzkapitalistische Anordnung umgestellt (Stefan Schulmeister).

    „In den 20 Jahren bis zum Krisenausbruch 2007 hatten sich die Schulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt.“

    In den 20 Jahren bis zum Krisenausbruch 2007 hatten sich die Geldvermögen relativ zum Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt.

    „Schulden wachsen weiter“

    Geldvermögen wachsen weiter.

    „Die Verschuldungskapazität hängt vom beleihungsfähigen Eigenkapital oder Einkommen und von den Zinsen ab.“

    Was wiederum den Matthäus-Effekt begünstigt und Immobilienpreise und sonstige Vermögenswerte in unerreichbare Höhen treibt für alle, die nicht ordentlich geerbt haben.

    „China ist mit einer Vervierfachung der Verschuldung seit dem Jahr 2000 und einem Anstieg von rund 120 Prozent des BIP auf über 280 Prozent einsamer Spitzenreiter.“

    China ist mit einer Vervierfachung der Geldvermögen seit dem Jahr 2000 und einem Anstieg von rund 120 Prozent des BIP auf über 280 Prozent einsamer Spitzenreiter.

    „Zeit, die Systemfrage zu stellen“

    Sehe ich auch so.

    „Die Ursache liegt in der überwiegend unproduktiven Verwendung der Schulden. Wir kaufen uns damit gegenseitig vorhandene Vermögenswerte zu immer höheren Preisen ab.“

    So ist es (siehe Schulmeister). Das erklärt auch zum Teil die schwachen Wachstums- und Produktivitätsraten.

    „Dies bedingt, dass zumindest in Höhe der Zinsen auf der ausstehenden Schuld neue Schulden aufgenommen werden. Denn woher sonst soll das Geld denn kommen?“

    Das ist einer der großen Zinsmythen, Herr Dr. Stelter. Das Problem ist das Zinseszinsmärchen. Wenn die Zinserträge alle wieder verkonsumiert werden und/oder investiert werden, dann bedarf es keiner zusätzlichen Verschuldung. Diesem Mythos hatte ich 2013 meinen ersten Beitrag gewidmet: https://zinsfehler.com/2013/08/21/zinsmythen/. Es gibt keinen fehlenden Zins!

    „Um das zu erreichen, müssten wir das Bankensystem wieder auf die eigentliche Rolle als Vermittler von Krediten reduzieren,“

    Im bisherigen System waren (Geschäfts)Banken noch NIEMALS Vermittler von Krediten. Das war und ist der große Fehler, der bis heute immer noch nicht richtig verstanden wurde. Aus diesem Grund hatten auch 99,9 % der Zentralbanker die Krise nicht kommen sehen. Hatte ich seinerzeit im Beitrag „Bankmythen“ dargelegt. Erst seit dem Jahre 2008 (sic!) stellt auch die Bundesbank den Geldschöpfungsprozess richtig dar.

    „Zu prüfen ist zudem eine Abschaffung der Geldschöpfungsmöglichkeit des Bankensystems durch eine Umstellung auf Vollgeld.“

    Da kann man viel prüfen, bringt aber wohl wenig. Besser sind progressive EK-Anforderungen. Je größer eine Bank in Relation zum BIP, desto höher die EK-Anforderungen (bis 25 %, Hellwig und Kashkari). Damit erledigt sich das TBTF-Problem von alleine.

    „Da Notenbanken per Definition nicht illiquide und damit nicht insolvent werden können, bleibt dies wohl der einzige und relativ schmerzfreie Weg der Bereinigung.“

    Nein, es ist gerade nicht der einzige Weg und zudem ein völlig undemokratischer. Die Lösung ist ein proaktives zentralbankfinanziertes Bürgergeld.

    „Zu groß sind die Interessen am Status quo. Wer hätte nicht gerne das Recht und die Möglichkeit legal Geld aus dem Nichts zu schaffen und damit reale Assets zu kaufen und Erträge zu erwirtschaften?“

    So ist es. Von daher: Einführung eines strikten Trennbankensystems. Strikt heißt: Keine Kredite zwischen Geschäftsbanken und Investmentbanken.

    „Und zugleich haben wir deutlich weniger Löschwasser zur Verfügung“

    Nein, das haben wir nicht, wie Sie ja auch weiter oben zu recht geschrieben haben.

    Das Problem ist und bleibt seit 2000 Jahren der zyklisch-iterative Matthäus-Effekt. Wir können mittels eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes in den Dürregebieten löschen und die Überschwemmungsgebiete via Erbschaftssteuer trocken legen und somit das Gesamtsystem retten.

    LG Michael Stöcker

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      • Michael Stöcker sagte:

        Sie will es deshalb nicht, weil die neoliberale Gehirnwäsche einfach zu erfolgreich war. Insofern hilft auch hier nur die ständige Wiederholung. Die Alternative heißt dann Krieg mit anschließendem Lastenausgleich oder präventiv noch mehr fiktives Kapital via Staatsverschuldung. Insofern werde ich es auch zukünftig mit Anlehnung an Cato halten: „Ceterum censeo hereditatem esse delendam“.

        LG Michael Stöcker

      • NoFiatMoney sagte:

        @Stöcker, was verstehen Sie unter „neoliberaler Gehirnwäsche“?
        Um Sie nicht zu überfordern, würde mir sogar IHRE Definition von „neoliberal“/Neoliberalismus ausreichen; selbst ein Link auf eine deutlich konturierte Definition eines Dritten, welche Sie teilen, genügte mir.

      • Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Präuner: Ich gebe Herrn Stöcker recht, denn die Probleme haben begonnen als der erste Mensch gesagt hat, dass dieses Stückchen Land jetzt von ihm eingezäunt wird und seines ist und von den anderen nicht mehr zur Jagd / Fischerei / Pilze sammeln etc. verwendet werden darf und er alleine darüber entscheidet, wer es nach ihm nutzen darf. Denn dann starten die Neugeborenen nicht mehr von der gleichen Linie. Zuvor konnte man bestenfalls seinen Faustkeil oder seinen Bogen vererben, da brauchte es keine Erbschaftsteuer.

        Aber bei einem gebe ich Ihnen recht: unseren Politikern würde ich nicht einen Millimeter trauen, dass sie den Leuten auch noch den letzten Rest wegnehmen würden, um es „besser“ umzuverteilen. Denn dass im Gegenzug Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Grundsteuer, etc. gesenkt oder abgeschafft würden glauben nicht einmal Optimisten.

      • Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Stöcker,
        vielleicht werden wir ja wiedergeboren und können es dann erleben :-). Und Herr Selig ihre erwähnte Eigentumstheorie, die sog. Aneignungstheorie ist eine von vielen Theorien über die Entstehung des Eigentums. Mir fällt spontan die Arbeits-Verschmelzungstheorie von John Locke ein, aber es gibt etliche andere. Bis heute ist nicht gesichert, wie Eigentum entstanden ist!

      • Michael Stöcker sagte:

        Und hier noch die Einschätzung von David Glasner, die ich weitgehend teile:

        „So the notion that “neoliberalism” has any definite meaning is as misguided as the notion that “liberalism” has any definite meaning. “Neoliberalism” now serves primarily as a term of abuse for leftists to impugn the motives of their ideological and political opponents in exactly the same way that right-wingers use “liberal” as a term of abuse — there are so many of course — with which to dismiss and denigrate their ideological and political opponents. That archetypical classical liberal Ludwig von Mises was openly contemptuous of the neoliberalism that emerged from the Colloque Walter Lipmann and of its later offspring Ordoliberalism (frequently described as the Germanic version of neoliberalism) referring to it as “neo-interventionism.” Similarly, modern liberals who view themselves as upholders of New Deal liberalism deploy “neoliberalism” as a useful pejorative epithet with which to cast a rhetorical cloud over those sharing a not so dissimilar political background or outlook but who are more willing to tolerate the outcomes of market forces than they are.

        There are many liberalisms and perhaps almost as many neoliberalisms, so it’s pointless and futile to argue about which is the true or legitimate meaning of “liberalism.” However, one can at least say about the two versions of neoliberalism that I’ve mentioned that they were attempts to moderate more extreme versions of liberalism and to move toward the ideological middle of the road: from the extreme laissez-faire of classical liberalism on the one right and from the dirigisme of the New Deal on the left toward – pardon the cliché – a third way in the center.[…]

        Citizens can be taxed to pay for a wide range of public services that the public, through its elected representatives, decides to provide. Those elected representatives can enact legislation that governs the conduct of individuals as long as the legislation does not treat individuals differently based on irrelevant distinctions or based on criteria that disadvantage certain people unfairly. […]

        While Hayek’s concern that a wealthy minority could be plundered by a greedy majority seems plausible, a concern bolstered by the unreasonably high top marginal rates that were in place when he wrote, he overstated his case in arguing that high marginal rates were, in and of themselves, unequal treatment. Certainly it would be discriminatory if different tax rates applied to people because of their religion or national origin or for reasons unrelated to income, but even a highly progressive income tax can’t be discriminatory on its face, as Hayek alleged, when the progressivity is embedded in a schedule of rates applicable to everyone that reaches specified income thresholds.

        There are other reasons to think that Hayek went too far in his opposition to progressive tax rates. First, he assumed that earned income accurately measures the value of the incremental contribution to social output. But Hayek overlooked that much of earned income reflects either rents that are unnecessary to call forth the efforts required to earn that income, in which case increasing the marginal tax rate on such earnings does not diminish effort and output. We also know as a result of a classic 1971 paper by Jack Hirshleifer that earned incomes often do not correspond to net social output. For example, incomes earned by stock and commodity traders reflect only in part incremental contributions to social output; they also reflect losses incurred by other traders. So resources devoted to acquiring information with which to make better predictions of future prices add less to output than those resources are worth, implying a net reduction in total output. Insofar as earned incomes reflect not incremental contributions to social output but income transfers from other individuals, raising taxes on those incomes can actually increase aggregate output.”

        Hier der Link zum Beitrag: https://uneasymoney.com/2018/05/25/neo-and-other-liberalisms/

        LG Michael Stöcker

      • Michael Stöcker sagte:

        Dieser Einwurf ist doch etwas verkürzt, Herr Präuner. Mein Vorschlag ist ein linear progressiver Tarif, der bis 100.000 EUR mit 0 % Prozent startet und dann je weitere 100.000 EUR um jeweils 1 % steigt und bei 9,1 Millionen mit 90 % endet. Der Freibetrag von 100.000 EUR dient der Entlastung der Behörden. Wer also z. B. 12 Millionen zu vererben hat und sich dieses Erbe auf 3 Kinder verteilt, dann zahlt jedes Kind auf das Erbe in Höhe von 4 Mio. 780.000 EUR an Steuern und erhält im Gegenzug ein leistungsloses Vermögen in Höhe von 3.220.000 EUR. Das entspricht einem Grenzsteuersatz von 39 % und einem Durchschnittssteuersatz von 19,5 %. Da ist also doch noch etwas Luft bis zu dem Grenzsteuersatz von 90 %. Dieser wird bei drei Kindern erst ab 27,3 Mio. Gesamterbe erreicht. Der Durchschnittssteuersatz liegt in diesem Fall bei 45 %; also der Hälfte der von Ihnen insinuierten 90 %. Und nicht zu vergessen die Idee eines Erbschaftsfonds für diejenigen, die Firmen- und/oder anderes Sachvermögen geerbt haben und mit einer Geldzahlung überfordert wären: https://zinsfehler.com/2013/10/13/zehn-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/#8

        Wer als Erblasser sein Erbe der Steuer weitgehend entziehen möchte, der kann ja ganz legal einfach mehr Kinder zeugen und/oder adoptieren. Bei 6 Kindern und 12 Mio. Erbe läge die steuerliche Belastung gerade mal bei 9,5 %.

        LG Michael Stöcker

      • Frank Präuner sagte:

        Herr Stöcker,
        stimmt Herr Stöcker habe ich verkürzt dargestellt. Das Ergebnis ist aber das Gleiche! Da Sie sich jedoch immer nur auf die Erbschaftsteuer konzentrieren, übernehemn wir alle ihren Vorschlag und belassen es dabei. Solange die Schenkungssteuer nicht von ihrem Vorschlag berührt wird. Die können wir ja auf 0 senken :-)

      • Michael Stöcker sagte:

        Aber Herr Präuner,
        wir wollen doch die Steuergesetzgebung nicht noch weiter unnötig verkomplizieren :-).

        Zur weiteren Vereinfachung sowie im Sinne der Steuergerechtigkeit sollten wir insbesondere die lobbyistisch aufgeblähten §§ 13 bis 13 d auf folgenden Satz reduzieren: Steuerbefreiungen jeder Art sind ausgeschlossen; es ist ausschließlich § 12 maßgebend.

        LG Michael Stöcker

      • Thomas M. sagte:

        Und noch mein Vorschlag zur Abrundung: Und die so erhobenen Steuern werden zu 50% direkt an die „dauerhaft Lebenden“ (oder wie man das pc jetzt kurz umschreiben möchte) im Land ausgezahlt – ja ausgezahlt: Cash auf’s Konto, auch das der Erben, damit das Individuum etwas subjektiv Relevantes und damit womöglich lokal Sinnvolles mit dem Geld tut – vom Konsumieren, über Sparen, Schulden tilgen bis hin zum Investieren oder der Existenzgründung.

        Und die anderen 50% kann der Staat dann aus seiner (hoffentlich) sozial-kollektiven Sicht weise und sinnvoll verwenden. Darüber entscheidet dann das Volk via Wahl mehr oder minder direkt und erfolgreich.

        When in doubt: 50-50.

        Meine ich durchaus ernst, auch wenn die Umsetzungswahrscheinlichkeit <.0001 liegen dürfte.

        Aber: Man müsste es vorher noch einmal durchrechnen. Nicht dass das nachher so viel ist, dass sich die Arbeit nicht mehr lohnt… Praktisch bleibt natürlich noch das Problem der Sachwerte.

      • frank präuner sagte:

        Also da werden die Deutschen eher dem Vorschlag von Herrn Stöcker folgen! Sie werden 20 Kinder und mehr zeugen oder adoptieren, als dass sie einem derartigen System zu stimmen würden. Oder besser noch, aufhören zu arbeiten um alles auf den Kopf zu hauen!!! All das hat nämlich überhaupt nix mit Neoliberalismus, Keynsianismus oder irgendeiner anderen Wirtschaftstheorie zu tun. Sondern die Leute haben schlicht keine Lust eine derartige Solidarität aufzubringen, da sich Solidarität nicht skalieren lässt! Oder wie mal ein weiser Mann gesagt hat: Als Familienvater bin ich Sozialist, als Bürger einer Gemeinde bin ich Demokrat, als Bürger eines Bundeslandes bin ich Republikaner und als Teil der Bundesebene bin ich Libertärer! Man muss halt die Natur des Menschen betrachten wie sie ist und nicht wie man sie gerne sehen würde!

      • Thomas M. sagte:

        Meine 50:50 bezogen sich allerdings nur auf die Verteilung der „Stöcker-Steuer“ oder im Prinzip jeder Erbschaftssteuer – egal ob 1%, 3%, oder 50% oder 90%. Also bei 10% Erbschaftssteuer gingen 5% an den Staat und 5% direkt an die Bevölkerung. Aber natürlich kommt so etwas nie…

        Die Kaskade vom Sozialisten zum Libertären muss ich mir merken!

  2. Dr. Doom sagte:

    Lieber Hr. Stelter,

    sie können auch keine richtige Lösung anbieten außer das die Zentralbanken immer so weiter machen. Man hätte damals sehr wohl einen großen Crash und Rezession durchleben sollen und hätte danach bei 0 Anfangen können ( ähnlich wie das zerstörte Europa nach dem 2. WK ).

    Denn das was sie beschrieben ( in den 50igern und 60igern ) entstand doch nur aufgrund desen das die Menschen nichts hatten und ALLE wieder von vorne anfangen mussten.

    Heute sind wir ALLE SATT UND VOLL ( Konsum ) und deshalb geht nichts mehr.

    Eine Bereinigung muss her, koste es was es wolle.

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @Dr. Doom: „koste es was es wolle“ klingt mehr ehrlich gesagt sehr stark nach „whatever it takes“ und ein klein wenig nach „wollt Ihr den totalen Krieg?“ Ist vermutlich von Ihnen nicht so gemeint, kommt aber zumindest bei mir so an. Ich möchte keine Bereinigung um JEDEN Preis, den „jeder Preis“ kann unfassbar hoch sein.

      Antworten
  3. m.sastre sagte:

    Bitte vergessen Sie bei Ihrer Aufzählung der Krisenauslöser nicht die steigenden Ölpreise, die sich nicht nur auf Mobilität, sondern auf jede Form des Konsums ausgewirkt haben und somit die finanzielle Tragfähigkeit der Haushalte massiv beeinträchtigt haben. Von ca. 2003 bis 2008 sind die Preise für Öl von 23 auf 148 Dolllar gestiegen. In einem mobilitätsabhängigen Land, wie den USA fatal für die Verbraucher.

    Antworten
  4. Richard Ott sagte:

    Nicht mehr rückzahlbare Kredite können auch durch Insolvenz des Kreditnehmers und entsprechende Abschreibung der Forderung des Kreditgebers wieder aus der Welt geschafft werden. Wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht gewollt ist, dann kann man versuchen, das System mit planwirtschaftlichen Eingriffen irgendwie weiter über die Zeit zu retten, aber mit Kapitalismus oder sozialer *Markt*-Wirtschaft hat das ganze dann nichts mehr zu tun.

    Antworten
  5. globalvoterorg sagte:

    Knapp daneben, ist auch vorbei! Das Denkgefängnis läßt nicht zu, die Wahrheit hinter der Illusion (halbwissenschaftlicher Theorien) zu erkennen und zu bewerten. Das Schuldgeldsystem „lebt“ von mehr Schulden!!! Immer mehr und mehr nicht!. Es ist, aber kein GeldSystem, hat mit Wirtschaft zum Gemeinwohl, nur, im Entfernten was zu tun. Es ist ein kriminelles PonziSystem, eine Machtmatrix, welches, nur, einer winzigen Minderheit nutzt. Die Ausweitung der Schulden ist inherent und Ziel. Die „rasante“ Überschuldung, ein „Geburtsfehler“ des Systems, da es exponentiell ausgelegt ist. Es muß implodieren! ALLES andere ist „Geschwafel“.
    WAS, heißt das!?
    Es bedeutet, daß die Schuldenausweitung, nach 1971, NUR, durch MACHT möglich war und immer, mehr, ist, die „Hausmacht“ der Finanzkrake, zu denen alle Vasallen und Schweigegeldempfänger gehören, alle Spekulanten. Fällt da was auf!? Nein!? Wir, ALLE, sind Teil des Systems und meinen es wäre „GottGeGeBen“. Welch, eklatanter Irrtum! Es ist von Menschen bewirkt und beutet, schonungslos die „berühmten“ 99%, des Restes (UNS), aus!
    WIE geht es weiter!?
    Dazu ein Exkurs. Was wir haben, ist ein Liquiditätstsunamis, bei welchem sich Silvio Gesell im Grabe „herumdrehen“ würde! Nicht weil er die FED, EZB und BIS und die QE nicht „toll“ fände, sondern, weil die Bande nur den eigenen Reihen, dem Bankensystem, die „Wohltat“ zukommen läßt. Von Gemeinwohl, KEINERLEI, Rede. Jetzt, kommt der größte Fehlschluss der „pseudowissenden“ Experten, die vor lauter Bäumen nicht den Wald erkennen! (Weil sie es nicht anders gelernt haben oder sagen dürfen!?)
    Die gigantische Schuldensummen, in dem heutigen Ausmaß, ist, NUR, das Problem der Gläubiger!
    Alle „roten Linien“ wurde überschritten. Deshalb, haben sie die Absicht, die „alte“ analoge Diktatur in eine „neue“ virtuelle Diktatur zu wandeln! Beweis: Nur, unter eklatanter Realitätsverweigerung, kann ein „Experte“ verneinen, daß die Weltmärkte und zwar ALLE Anlagesorten, komplett, manipuliert sind! Ergo, sind wir schon in der obigen DiktaturTotal, Orwell 3.0.
    Es fehlt, NUR, die Bargeldabschaffung, ein weiterer Mosaikstein, zur Dominanz. Der Rest, der, oben, beschriebenen virtuellen MachtMatrix läuft schon seit Jahren (facebook, Google, whatsapp, youtube, NSA!) WIEDER, mit unser, ALLER, Beihilfe!
    Die bittere Pille! AUCH, alle Schwafler, Vasallen, Frühstücksdirektoren und Mitläufer werden abgeschafft. Was diese, noch nicht „geschnallt“ haben. Erstens, wird die Finanzkrake, auch, deren Aktiva „einkassieren“, enteignen und zweitens, braucht man in der „Virtuellen DiktaturTotal“ keine Helfeshelfer, llusionstreiber und Seelenverkäufer. Freut Euch auf die Zukunft, rätselt weiter oder fangt, endlich, an, diesen ganzen Quatsch der Wirtschaftstheorien in die Tonne zu treten!

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  6. Dietmar Tischer sagte:

    Was man hier wieder alles vernehmen kann.

    Von:

    >Dass es auch ohne die Droge geht, konnte man in den fünfziger und sechziger Jahren gut beobachten … Um das zu erreichen, … einhergehend muss eine Limitierung der Kreditvergabe durch deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen realisiert werden.>

    Und wenn weniger Kreditvergabe zu erhöhter, nicht mehr akzeptabler Arbeitslosigkeit bis hin zur Destabilisierung der Gesellschaft führt – auch dann weniger Kreditvergabe oder Vollgeld?

    Ich verstehe nicht, wie man die fünfziger und sechziger Jahre mit HEUTE vergleichen kann, d. h. mit dem heutigen Produktivitätsniveau, der heutigen relativen Warensättigung in den entwickelten Volkswirtschaften, der demografischen Entwicklung, der Globalisierung etc.

    Über:

    >… denn die Probleme haben begonnen als der erste Mensch gesagt hat, dass dieses Stückchen Land jetzt von ihm eingezäunt wird und seines ist und von den anderen nicht mehr zur Jagd / Fischerei / Pilze sammeln etc. verwendet werden darf und er alleine darüber entscheidet, wer es nach ihm nutzen darf. Denn dann starten die Neugeborenen nicht mehr von der gleichen Linie.>

    Wenn schon, dann haben die Probleme lt. J.-J. Rousseau damit begonnen, dass andere dem Einzäunenden GEGLAUBT haben, dass das eingezäunte Stück Land ihm allein gehöre.

    Es gab vermutlich gute Gründe, es zu glauben, u. a. weil die Ausgezäunten zumindest anfangs, als es viel Land gab und vergleichsweise wenige Menschen, hoffen konnten, dass andere es ihnen – vermutlich auch bald Landeigner – auch glauben würden.

    Zuletz im großen Stil die Besiedlung der USA: Go west und steck dir einen Claim ab.

    Die Probleme haben damit nicht begonnen, sondern mit Eigentum wurde die Voraussetzung für Kreditvergabe in wachsendem Umfang geschaffen, weil be- und verwertbares Eigentum das wesentliche Kriterium für Bonität ist.

    Die Neugeborenen sind NIE in der Geschichte von der gleichen Linie gestartet.

    Bis:

    >Eine Bereinigung muss her, koste es was es wolle.>

    und

    >Die gigantische Schuldensummen, in dem heutigen Ausmaß, ist, NUR, das Problem der Gläubiger!>

    Wenn so, dann frage ich mich, warum, was her muss, nicht herkommt und warum die anderen, deren Problem die Schuldensummen angeblich nicht sind, nicht den Gläubigern an die Gurgel gehen.

    So ziemlich alles, was ich hier lese, ist so einfach und so schlüssig, dass man sich wundert, warum das eine oder andere nicht längst umgesetzt wurde.

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    • Wolfgang Selig sagte:

      @DT: den Gläubigern wird doch teilweise schon an die Gurgel gegangen. Oder warum war Schäuble in Griechenland ein Feindbild für viele und Frau Merkel wurde auf Demos ein einschlägiges Bärtchen gemalt? Warum haben wir die argentinische Debatte Über die bösen Gläubiger? Warum beschimpft der türkische Präsident Erdogan das Ausland, aus dem die Darlehen für sein Land kommen? Warum gibt es in Ungarn einseitige politische Entscheidungen gegen die Darlehensgeber in fremden Währungen?

      Rousseau sagt nach meiner (bestimmt nicht vollständigen) Kenntnis nichts darüber, ob die anderen das mit dem Landeigentum freiwillig geglaubt haben; manchmal hilft auch die bessere Bewaffnung der „Erben“, dass ein anderer „freiwillig“ etwas macht. So wie viele süditalienische Gastronomen „freiwillig“ Schutzgeld an die „Erben“ eines Patrons zahlen.

      Und was „einfach und schlüssig“ betrifft: wenn sich nicht mal acht Foristen aus dem gleichen Sprachkreis mit ähnlichem Interesse an Volkswirtschaft auf die vermeintlich oder tatsächlich notwendigen Maßnahmen einigen können, warum soll es dann bei 80 Millionen Staatsbewohnern in Deutschland oder 7 Mrd. Erdbürgern leichter sein?

      Nichts für ungut, Herr Tischer, aber Ihre Beiträge sind sonst meist konstruktiver und wertschätzender gegenüber anderen Foristen.

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Tut mir leid, dass Sie meinen Kommentar als nicht hinreichend wertschätzend Ihnen gegenüber ansehen.

        Sie wissen, dass ich Ihre Beiträge schätze und sehr oft Ihre Meinung teile und daher keinen Anlass habe, Ihnen gegenüber in irgendeiner Weise abfällig zu kommentieren.

        KONSTRUKTIV wollte ich auf jeden Fall sein.

        Mein Beitrag sollte als milde PROVOKATION gegenüber allen verstanden werden, die wissen, was DAS Problem ist und wie man es löst.

        Dazu:

        NOTWENDIGE Maßnahmen sind erst einmal ein KONSTRUKT im abstrakten Raum GEDACHTER Änderungen für einen ANGENOMMEN positiveren Zustand.

        Darüber kann man diskutieren.

        Lösungen sind jedoch an reale Umstände gebunden, die mit komplexen Mechanismen der Willensbildung bei unterschiedlichen Präferenzen erreicht werden müssen.

        Das wird nicht immer, aber zu oft geradezu ausgeblendet.

        Deshalb ist es m. A. n. schon angebracht, darauf zu verweisen, dass so manches, was angedacht und/oder einfach als Behauptung in der Raum gestellt wird, mit Blick auf die Realität nicht zielführend ist.

        An diesem Thread scheint mir das besonders viel zu sein.

    • Alex sagte:

      „Ich verstehe nicht, wie man die fünfziger und sechziger Jahre mit HEUTE vergleichen kann, d. h. mit dem heutigen Produktivitätsniveau, der heutigen relativen Warensättigung in den entwickelten Volkswirtschaften, der demografischen Entwicklung, der Globalisierung etc.“

      Eine wichtige Sache muss aus meinem subjektiven Blickwinkel bedacht werden. Die 50-60 Jahre haben das Problem von heute schon längst manifestiert. Die Rentenreform 1957 (so kauft die CDU Wählerstimmen) hat durch Umverteilung und nominale Versprechen in der fernen Zukunft (Renteneintritt 40-50 Jahre) eine höhere Konsumquote ermöglicht und dabei die eigentliche Sparquote der Privaten (im Erwerbsleben) die grob 30% (vllt. sogar noch mehr wenn keine 40 Jahre durchgearbeitet wird) betragen müsste verringert. Eine solch hohe Sparquote ist ohne enorme Verschuldung von Staaten oder Unternehmen nicht möglich (Rezession oder Deflation). Deswegen ist in den USA die Verschuldung der Privaten (insbesondere 10-30 Dezil) so problematisch.

      Einen großen Vorteil hat dieser Prozess der Umverteilung. Es erhöht den allgemeinen Lebensstandard ungemein und fördert sozialen Frieden.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Rentenreform_1957

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alex

        Auch wenn die Aspekte, die Sie ansprechen, nicht ganz von den Zuständen in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zu trennen sind und insbesondere auch nicht von der folgenden Entwicklung, können die Lösung unserer HEUTIGEN Probleme nicht die Lösungen der 50er und 60er Jahre sein.

        Reale Lösungen erfolgen immer unter realen BEDINGUNGEN und die unterscheiden sich doch gewaltig, wenn man früher und heute vergleicht.

      • Alex sagte:

        Ich habe mich etwas missverständlich ausgedrückt. Es ging mir im letzten Abschnitt nicht um mehr Umverteilung, sondern um die Tatsache das diese geschehen ist und Auswirkungen auf die Verteilung von Volkseinkommen und die Gesellschaft hatte. Die Wiederwahl der CDU hat dem Recht gegeben.

        Dies war nun der Anfang einer Blase die alle mitgemacht haben. Das Versprechen entweder über Umlage- oder Kapitalverfahren mit einer winzigen Sparquote (30% müssten es schon sein) 1/3 seines restlichen Lebens als Nichterwerbstätiger zu leben geht einfach nicht auf. Insbesondere wenn schon zu dem Zeitpunkt Schuldner fehlen die solche Kapitalmengen aufnehmen und diese renditeträchtig zurückzahlen.

        Aus dem Grund haben Sie auch in vielen Kommentaren geschrieben, dass der Lebensstandard sinken wird.

        Die Frage besteht dann wessen Lebensstandard und bis wohin. Wenn nicht die Gläubiger (insbesondere die vom Staat erfasst werden können) Einbußen hinnehmen so könnten wir auf eine humanitäre Krise zusteuern. Und solche können auch leicht in Gewalt ausarten.

  7. Johannes sagte:

    bto: „Gut möglich, dass das nächste Feuer auch die Notenbanken hinwegfegt.“

    Ja, dass kann geschehen. Und da bin ich ganz bei den Herren Tischer und Selig (so wie ich beide verstehe). Ich wünsche mir das nicht! Es ist keine Resignation, wenn ich sage: Jeder bereite sich darauf vor, so gut es ihm seine persönlichen Umstände ermöglichen (wurde hier auch viel drüber geschrieben). Zudem, so es jemandem liegt, gehe er in die Politik (den Schritt habe ich getan, wie der eine oder andere Forist hier weiß).

    Allein Politiker sind in der Lage, die vielen guten Vorschläge in die Umsetzung zu bringen. Denn so ist unsere repräsentative Demokratie nun einmal angelegt. Die Politk ist der Ort an dem das Aushandeln und Ausbalancieren der verschiedenen Interessen der Bevölkerungsgruppen erfolgt. Wobei es bereits erste, stärker Ansätze gibt, dieses Aushandeln auf die Straße zu verlegen. Von „links“ und von „rechts“. Das birgt enorm viel gesellschaftlichen Sprengstoff.

    Die Geschichte ist von von solchen „Sprengungen“.

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    • SB sagte:

      @Johannes: „Allein Politiker sind in der Lage, die vielen guten Vorschläge in die Umsetzung zu bringen. Denn so ist unsere repräsentative Demokratie nun einmal angelegt.“

      Im Grunde haben Sie recht. Aber wenn ich mir so anschaue, wie unsere repräsentative Demokratie in der Praxis funktioniert, macht mir das wenig Mut. In nahezu allen Fällen wird, wenn bis dahin nicht an der Regierungsmacht Beteiligte an die Regierungsmacht kommen, genau das Gegenteil von dem gemacht, was sie zuvor gesagt haben (zuletzt Herr Spahn mit seinem unsäglichen Vorstoß in Sachen Organentnahme bei nicht mal mehr vermutetem Einverständnis; bevor er Minister war, hat er noch das genaue Gegenteil vertreten). So war es auch mit Merkel und der Migration, insbesondere von kulturfremden Einwanderern. Und es gibt noch viele weiterer solcher Beispiele. Ich will nun nicht in dem Sinne resignieren, dass ich nicht die Partei wähle, die meine Interessen am ehesten vertritt. Und das ist die, in der Sie sich aktiv engagieren. Aber ich bin sehr gespannt, wie sich die Politik tatsächlich verändert, wenn diese Partei einmal mit in der Regierungsverantwortung ist, was in den gar nicht mehr so neuen Bundesländern hier und da in Kürze der Fall sein wird.

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    • globalvoterorg sagte:

      Die MachtMatrix ist eindeutig pyramidal und die Politiker-/Parteienkaste steht, NICHT, an der Spitze der Pyramide, ergo, sind die Ansätze, daß die repräsentative Demokratie was ändert, ein Fundamentalfehler. Die „quantitaive“ Demokratie: „Jedem die gleiche Stimme“. ist so ausgerichtet worden,damit, eben, das MachtSystem, (die Pyramide), NICHT in Frage gestellt werden kann. Die Demokratie ist eine Illusion und wird es bleiben, bis das „kommunistische“ Gleichheitssyndrom in Frage gestellt wird und real diskutiert wird! Die repräsentative Parteienordnung ist das Spiegelbild der „Gaus´schen“ Kurve, die die Bürgermasse, real, darstellt. Die „Abwärtsspirale“ der ignoranten Mehrheit (OHNE jede Polemik!) ist das, was wir im Polittheater haben. Keiner kann und will es sich erklären, weil die Essenzfrage nicht gestellt wird: „Sind die Menschen alle gleich oder, doch, unterschiedlich!?“ „Werden die Menschen als Demokraten geboren oder müssen sie dazulernen und sich für ihre Stimme, für die wahre politische Mitbestimmung, qualifizieren!? Können und wollen, wirklich, Alle die Mitverantwortung!?“ Die Gesellschaft lügt sich in die eigene Tasche! NEIN, nicht allein, dies ist Agenda! Der Dominanz!
      Die „Abwärtsspirale“ wird sich erst dann drehen, wenn das „Schimpfwort“ QUALITÄT, in der Gesellschaft wertfrei diskutiert würde. Die „Qualitative Demokratie“! Merke: Es wäre viel besser, von 20/25% der Bürger, maßgeblich, „regiert“ zu werden, als von einer Minderheitsdiktatur (0,001%) ! Um das zu „begreifen“, muß Mann/Frau, allerdings, aus dem Denkgefängnis springen und Zukunft wagen. Politische Mitbestimmung, NUR, von unten nach oben und niemals umgekehrt. Weg mit der fake/repräsentativen Parteiendiktatur!

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  8. Thomas M. sagte:

    >Organentnahme

    Ist schon interessant, wo wir Bürger ein opt-in bekommen (bei der Verwertung unserer E-Mail-Adresse) und wo uns Bürgern nur ein opt-out gestattet werden soll (Verwertung des Körpers nach dem Tod).

    Ich bin ja eh schon freiwillig Spender… aber irgendwie schreibe ich den Dingen trotzdem andere Wertigkeiten zu. Aber nun gut.

    Aber das nur am Rande.

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