So spielen wir den Waffenstillstand

Dieser Text erschien zuerst auf wiwo.de

Der Handelskrieg der USA wird in einem Waffenstillstand enden. Chance für Spekulanten.

Diese Woche ist Europawahl. Theoretisch ein Thema für die Märkte, in der Praxis wohl nicht, dürfte sich doch unabhängig vom Ausgang der Wahlen an der Lage in Europa nichts ändern. Die Befürworter des „Weiter-so“ werden in der Mehrheit bleiben und damit auf eine Fortsetzung der Politik setzen, die versucht, die Probleme zu lösen, die sie zum Teil selbst verursacht hat. Weder am Brexit, der für die EU und vor allem Deutschland verheerend ist, noch an der Konkursverschleppungspolitik mit Blick auf die Eurozone, wird sich etwas ändern.

Weiter Richtung Japan

Damit wird Europa – und vor allem die Eurozone – weiter in Richtung „japanisches Szenario“ laufen: deflationärer Druck, schwaches Wachstum, Zombies in Realwirtschaft und Bankensystem sowie rasante Überalterung der Gesellschaft. Und, wie ich schon öfter darlegte, dürfte es uns in diesem Fall nicht so gut ergehen wie den Japanern. Sie haben es nicht nur geschafft, ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Erwerbstätigen seit 1999 um 20 Prozent zu steigern – Deutschland nur um 14 Prozent –, sondern verfügen auch über eine funktionsfähige Notenbank und eine homogene und leidensbereite Gesellschaft.

In der Eurozone haben wir es perspektivisch mit noch schlechterem Wachstum, zunehmenden politischen Spannungen – bis hin zum Szenario von Euroaustritten – und einer Notenbank zu tun, die nicht so entschlossen handeln kann, wie jene der USA, dem UK und eben Japans, weil ihre Handlungen immer eine Umverteilung zwischen Nationen bewirken.

All dies wissen nicht nur die regelmäßigen Leser dieser Kolumne, sondern auch die Finanzmärkte. Auch die Bürger Europas ahnen es, wie Umfragen zeigen, die vorige Woche erschienen. Immerhin halten es mehr als 50 Prozent der Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Ungarn, Griechenland und Rumänien für sehr wahrscheinlich oder ziemlich wahrscheinlich, dass die „derzeitige Europäische Union in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auseinanderfallen wird“.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist unter jene der zehnjährigen Anleihen des japanischen Staates gefallen. Bei beiden muss man für das Privileg, dem Staat Geld zu leihen, bezahlen. Nun könnte man meinen, dies sei ein Zeichen dafür, dass die Märkte sich vor den Wahlen in Europa fürchten. Ich denke das nicht. Die Märkte wissen um die Existenzrisiken von EU und Euro und sehen sie dennoch nicht als akut an – und schon gar nicht als abhängig von den Wahlen.

Handelskrieg

Der Zinsrückgang bei uns dürfte mehr mit dem verschärften Handelskonflikt zwischen den USA und China zu tun haben. Die hiesige Konjunktur hängt faktisch an der Entwicklung in China, stand das Land in den letzten Jahren doch für mehr als 50 Prozent des Wachstums der Weltwirtschaft und ist der direkte und indirekte Treiber für unsere Exportwirtschaft. Fallen die Konjunkturindikatoren in China, fällt der DAX und die Zinsen sinken. Natürlich kommt dann die Sorge um die Eurozone hinzu, ist doch der Zusammenhalt noch gefährdeter, wenn Deutschland als Finanzanker wackelt.

Womit wir beim relevanten Thema für die Märkte wären: die weitere Entwicklung des Handelskrieges. Diese ist schwer einzuschätzen. Lange Zeit haben vor allem die US-Börsen so getan, als wäre von dieser Front nichts zu befürchten. Entspannungstweets des US-Präsidenten hatten in der Tat bis vor wenigen Wochen noch auf eine rasche Einigung hingedeutet und die jüngste Eskalation kam deshalb überraschend. Trotz des bisherigen Rückgangs an den Börsen ist dieser noch so moderat, was darauf hindeutet, dass die Börsianer weiter auf ein baldiges Ende setzen.

Vorherzusagen, was Donald Trump macht, wage auch ich nicht. Im größeren Kontext und rationales Handeln vorausgesetzt, spricht durchaus einiges für einen weiterhin harten Kurs der USA. Zunächst muss man nüchtern feststellen, dass diese Politik nicht nur bei seinen Wählern hoch populär ist. Auch die oppositionellen Demokraten sind für eine härtere Gangart gegenüber China. Da ist zum einen die durchaus berechtigte Kritik an unfairen Wettbewerbsbedingungen und dem Diebstahl geistigen Eigentums. Andererseits ist es das Kleinhalten eines potenziellen Rivalen auf der weltpolitischen Ebene, solange man ihn noch kleinhalten kann.

Logik des Handelskrieges

Dabei treffen die Zölle China zu einem ungünstigen Zeitpunkt in der eigenen Entwicklung. Der Unternehmenssektor ist hoch verschuldet und es gibt erhebliche Überkapazitäten in einzelnen Industrien und im Immobiliensektor. Der Versuch der Regierung, von der Droge billigen Geldes wegzukommen und zugleich den Anteil des privaten Konsums zu stärken, hat bereits zu einer deutlichen Abnahme des Wirtschaftswachstums geführt. In dieser Umbruchphase treffen die Strafzölle der USA einen ohnehin schwankenden Boxer. Strategisch gesehen muss man Trump konzedieren, dass er einen guten Zeitpunkt für seinen Angriff gewählt hat. Wenn man den Aufstieg Chinas noch verhindern will, muss man es heute machen. In den kommenden Jahren setzt der massive Rückgang der chinesischen Erwerbsbevölkerung ein, weshalb das Szenario eines Landes, das „alt wird, bevor es reich wird“, durchaus realistisch erscheint. In vielerlei Hinsicht ähnelt China übrigens der japanischen Entwicklung noch mehr als Europa, wie die Deutsche Bank vorrechnet.

Für Trump wird es erst attraktiv nachzugeben, wenn seine Wiederwahl gefährdet ist. Dies wäre der Fall bei einem deutlichen Einbruch an der Wall Street – wobei das für den Großteil seiner Wähler eigentlich keine Rolle spielt – und einer Rezession in den USA. Nüchterne Beobachter meinen sogar, dass der Handelskrieg die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA senkt. Begründung: China ist gezwungen, die eigene Wirtschaft mit (noch mehr) billigem Geld zu stützen, was bisher immer der Weltwirtschaft und auch den USA genutzt hat. Zugleich wird die Fed eher bei einer lockereren Geldpolitik bleiben.

Die aktuelle Schwäche des Renminbi würde dieses Szenario stützen. Es deutet darauf hin, dass die Chinesen die geldpolitischen Zügel lockern.

Der Waffenstillstand wird kommen

Dennoch ist es realistisch, dass es in den kommenden Monaten zu einer Einigung kommen wird. Je stärker die Börse doch noch reagiert, desto wahrscheinlicher, dass Trump zu einer Einigung bereits ist. Die Gegenmaßnahmen von China und der Fed wären da schon im Gange und damit auch die Wahrscheinlichkeit für eine gute Konjunktur im kommenden Herbst. Außerdem könnte sich Trump dann noch publikumswirksam die deutsche Automobilindustrie vorknöpfen, eine Entscheidung, die er wohl nur aufschob, um einen Zweifrontenkrieg zu verhindern.

Dabei darf man sich keiner Illusion hingeben: Jedes Abkommen zwischen den USA und China dürfte mehr den Charakter eines Waffenstillstandes als eines Friedensvertrages haben. Die Konfliktbereiche zwischen den beiden Ländern sind zu weitgehend. Dies gilt meines Erachtens unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt.

Aus Sicht von Investoren ändert das Theater nichts an dem stabilen Portfolio, das ich stets propagiere: Liquidität, Gold, Aktien und Immobilien in einer am globalen BIP ausgerichteten regionalen Gewichtung.

Für Spekulanten mag es attraktiv sein, bei stärkeren Rücksetzern Positionen aufzubauen, um diese in der zu erwartenden Rallye mit Gewinn zu verkaufen. Ebenso interessant dürfte es sein in die Rallye hinein, (gedeckte) Calls zu schreiben, um eine schöne Prämie zu verdienen, gerade auch, nachdem die Volatilität wieder angezogen hat. Für ganz Mutige bietet es sich zudem an, auf eine Abwertung des Hongkong-Dollars zu wetten. Ist Hongkong doch eine Plattform für die Kapitalflucht aus China und zudem nach einem Schuldenboom des Privatsektors anfällig für Schocks.

→ wiwo.de: „So spielen Anleger den Waffenstillstand im Handelskrieg“, 23. Mai 2019

26 Kommentare
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    Markus sagte:

    In der Naturwissenschaft funktioniert die gegenseitige Kontrolle per Peer-Review ziemlich gut – was natürlich auch daran liegt, dass die Theorien und Messungen überprüfbar und wiederholbar sind. Es gibt zwar Fälschungen, aber die fliegen meist relativ schnell auf. Dass bei einem so aktiven Forschungsgegenstand der Grossteil der Klimaforscher in Verschwörungmanier betrügt, ist absolut widersinnig.

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    ikkyu sagte:

    Eigentlich läuft doch alles nach Plan.

    Kurz vor dem beschleunigten Niedergang Deutschlands haben die Grünen ihr bestes Wahlergebnis.

    Gleichzeitig wird im Hintergrund an neuen Konzepten zur Energieversorgung und der „Entwaffnung der Anhänger der solaren Kreislaufwirtschaft“ gearbeitet.

    Und das sogar auf der Seite des Deutschen Arbeitgeber Verbandes:

    „Das Ende der Energiewende und der neue Ökologische Realismus

    In Berlin glaubt kein Fachpolitiker mehr an den Erfolg der Energiewende. Wen man auch immer befragt, jeder sagt dies nur hinter vorgehaltener Hand und meint, würde er damit an die Presse gehen, könne er gegen den ‚grünen‘ Medien-Mainstream nur verlieren……

    Es gibt einige Kandidaten für eine moderne Energieversorgung mittels Kernenergie. In meinen Augen der erfolgversprechendste ist der Dual-Fluid-Reaktor[iii]…..

    Ein gleichzeitiger Ausstieg aus Kohle und Kernenergie, ein zu einseitiger Fokus auf den Stromsektor, die Nichtbeachtung der naturwissenschaftlichen, technischen, volkswirtschaftlichen, verfassungsrechtlichen und energiewirtschaftlichen Gegebenheiten, all dies sind Merkmale der heutigen Energiepolitik. Es ist gelegentlich möglich, gegen viele Gesetze ungestraft zu verstoßen, wer dies aber bei Naturgesetzen versucht, muss scheitern. “

    https://deutscherarbeitgeberverband.de/Artikel.html?PR_ID=795&Title=Das%20Ende%20der%20Energiewende%20und%20der%20neue%20%D6kologische%20Realismus

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      Michael Stöcker sagte:

      @ ikkyu

      Ich hatte im letzten Jahr die vom Mainstream abweichende Meinung von Dr. Bodo Wolf in die Diskussion eingebracht: https://leibnizsozietaet.de/wp-content/uploads/2017/12/Thesen-_Energiewende-2.0_end.pdf (Seite 41 ff.).

      Sofern ich Wolf richtig verstehe, spielt nicht das CO2 die entscheidende Rolle, sondern die Summe der ZUSÄTZLICH freigesetzten Wärme. Damit ist auch die C02 neutrale Atomenergie mitverantwortlich für die Klimaerwärmung. Nachhaltig klimaneutral ist demzufolge nach Wolf ausschließlich die solare Kreislaufwirtschaft.

      Falls Herr Anders diesen Kommentar lesen sollte, würde mich seine Einschätzung hierzu ganz besonderes interessieren.

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        ikkyu sagte:

        @ M. Stöcker

        Thesen kann man viele aufstellen.
        Glaubwürdig werden diese aber erst durch Unterlegung mit Zahlenmaterial.

        Deswegen eine Abschätzung der Größenordnung der maximalen zusätzlich freigesetzten Wärme durch die Stromerzeugung im Vergleich zur eingestrahlten Sonnenenergie.

        Zur Vereinfachung nehme ich an, dass die Bruttostromerzeugung zu 100% aus fossilen Quellen stammt und zu 100% in Wärme umgewandelt wird.

        Jährliche Bruttostromerzeugung in Deutschland: 655 Mrd. kWh

        Dies entspricht ca. 0,18% der jährlichen durchschnittlichen Sonneneinstrahlung in Deutschland (ca. 357.386 Mrd kWh).

        Fazit:

        Die Wärmefreisetzung von fossil befeuerten Kraftwerken ist im Vergleich zur eingestrahlten Sonnenenergie unerheblich und kann leicht ins Weltall abgestrahlt werden.

        Die Vorteile gegenüber der Solarenergie sind der höhere Wirkungsgrad, der um Größenordnungen geringere Flächenverbrauch und der Umstand, dass kein direkter Eingriff in den Strahlungshaushalt der Erde stattfindet.

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        Christian Anders sagte:

        @M. Stöcker

        Ich stimme ikkyu zu. Er nennt Zahlen für Deutschland. Für den Klimawandel ist aber die gesamte Planetenoberfläche relevant. Wenn man da eine Rechnung von Output(nichtsolare Energierzeugung)/Input(Sonne) mit der Bezugsgröße 1/Quadratmeter aufmacht, kommt raus: eine unfassbar kleine Zahl. Immerhin gibt es noch die annähernden Nullflächen der Ozeane und Drittweltländer.

        Dieser relativ unfassbar kleine zusätzliche Energieoutput reicht absolut übrigens rein rechnerisch nicht, um die enorme Masse an Oberfläche und Atmosphäre, die da angeblich durch erwärmt wird, um die vorhandenen Messwerte zu erwärmen.

        Fazit: Dummes Zeug.

        Lustig: Punkt 1 des Herrn aus Ihrem Link auf S. 43 ist der Energieerhaltungssatz. Um genau den geht es tatsächlich. Denn, nochmal:

        Treibhausgase (alle Gasmoleküle, die im Infrarotstrahlung absorbieren können -> CO2, Wasser, Methan ) führen dazu, dass die Erdoberfläche Wärme nicht in Form von Strahlung vollständig lichtschnell wieder in den Weltraum abgeben kann. Es kommt in der Atmosphäre zu Strahlungskaskaden zwischen Treibhausgasmolekülen, zusätzlich wird die Energie auch innerhalb der Moleküle bewegt (Konvektion, also: Wind. Oder Kondensation von Wasserdampf). All das ist klar langsamer als Lichtgeschwindigkeit.

        Ich versuche ein Bild:
        Stellen wir uns vor, wie haben ein leeres Bassin mit lauter übereinander liegenden Abflüssen, die sich beliebig verengen lassen.
        Wenn ich jetzt beginne, Wasser mit immer konstantem Fluss einzulassen, wird der Wasserspiegel steigen, bis genau so viele Abflüsse unter Wasser sind, wie wir brauchen, damit der Ausfluss identisch zum Einfluss ist.
        Wenn ich jetzt die Abflüsse verenge, wird der Wasserspiegel steigen, bis er genug zusätzliche Abflüsse überstiegen hat, um wieder Ausfluss = Einfluss herzustellen.

        Das Bassin ist die Erde, der konstante Wassereinlass die solare Einstrahlung, die Abflüsse werden enger, je mehr Treibhausgase in der Atmosphäre sind. Der Wasserdruck am Boden des Bassins repräsentiert die Temperatur am Erdboden. Das Steigen des Wasserspiegels kann Jahre bis Jahrzehnte dauern, nachdem die Abflüsse verengt wurden.

        Wenn man dieses Bild verstanden hat, hat man das Urprinzip des Treibhauseffekts verstanden.

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    Quintus sagte:

    Das Klimasystem ist ein gekoppeltes, nichtlineares chaotisches System. Daher ist die langfristige Vorhersage zukünftiger Klimazustände NICHT möglich.

    Das Wort Chaos bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „vollständige Konfusion und Unordnung, also ein Zustand, in dem Verhalten und Ereignisse durch nichts kontrolliert werden“. Vielmehr bezieht es sich hier auf dynamische Systeme, in denen kleine Differenzen in den Ausgangsbedingungen erheblich voneinander abweichende Ergebnisse zeitigen … wiederum mit dem Beweis, dass langfristige Prophezeiungen NICHT möglich sind.

    Chaos ist nicht nur chaotisch sondern Chaos bildet Strukturen.
    Wetter als Struktur im Chaos des gekoppelten nichtlinearen chaotischen Systems: Sonne, Atmosphäre, Erdoberfläche.
    Klima nicht als Summe von Wetter sondern: Klimasystem als DAS chaotische System in dem Wetter Struktur im Chaos ist.

    Ingenieure wissen in der Regel um das Chaos und führen umfangreiche Untersuchungen durch, damit ihre Systeme innerhalb der Parameter stabiler Regimes verbleiben. In einer Ingenieurs-Studie heißt es: „Chaos ist bei den meisten technischen Anwendungen unerwünscht. Viele Forscher haben sich dem Auffinden neuer Wege verschrieben, um Chaos effizienter zu unterdrücken und zu kontrollieren“.
    Dies macht mich ratlos. Angewandte Naturwissenschaften sind also der mehr oder weniger erfolgreiche Versuch, das Chaos effizienter zu unterdrücken und zu kontrollieren?
    Versuchen die Klima-Modellierer nicht genau dies?

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Quintus

      >Angewandte Naturwissenschaften sind also der mehr oder weniger erfolgreiche Versuch, das Chaos effizienter zu unterdrücken und zu kontrollieren?>

      Was das Klima betrifft, ist das m. A. n. nicht der Fall.

      Es geht um etwas anderes:

      Sie wollen das Chaos nicht unterdrücken, sondern es negieren.

      Naturwissenschaftler, die zu der Erkenntnis kommen, dass auf Basis eines nichtlinearen dynamischen Systems langfristige Prognosen nicht möglich sind, gewinnen keine Anerkennung – außer wiederum in der Wissenschaft.

      Denn die Öffentlichkeit (Politik, Wirtschaft etc.) wünscht sich GEWISSHEIT, weil man damit emotional und rational besser, d. h. bestimmter umgehen kann im Sinne von „so und so ist es, daher muss dieses und jenes geschehen“.

      Kurzum:

      Was mit Bezug auf Erkenntnis richtig ist, aber keine Prophezeiungen erlaubt, wird mit Blick auf PRAGMATISCHES, zielorientiertes Handeln als unbrauchbar angesehen.

      Das Klima mit Chaos in Verbindung zu bringen, verschafft daher Wissenschaftlern keinen Nützlichkeitsstatus und damit keine Anerkennung.

      Also bringt man es – mehr oder weniger auch unbewusst – gar nicht erst mit Chaos in Verbindung.

      Man muss Wissenschaftler und damit auch ihre Motive im Kontext gesellschaftlicher Nützlichkeitserwägungen bewerten.

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    Quintus sagte:

    @ Herr Stöcker
    Was sie hier versuchen zu suggerieren ist peinlich und entspricht dem üblichen Schema des vorgebrachten Expertenwissens einerseits und den Dummen Klimaskeptikern andererseits. Herr Anders ist Physiker und keine Klimaexperte! Herr Anders erklärt den Energieeintrag durch die Sonne und des daraus resultierenden Treibhauseffekts. Wo bitte erklärt Herr Anders die URSÄCHLICHE vom Menschen verursachte Klimaerwärmung?
    Niemand bestreitet eine Erhöhung des CO2 Gehaltes in der Atmosphäre durch den Menschen, doch auch hier wird eine Assoziation fälschlicherweise als kausaler Zusammenhang betrachtet. Dabei ist es wichtig, dass zur Bewertung der Evidenz einer ursächlichen Wirkung methodische präzise Studien durchgeführt werden, um andere Faktoren oder Variablen ausschließen zu können.
    Dies ist ist bei einem solch abstrakten Konstrukt wie dem „chaotischen System Klima“ schlicht nicht möglich!

    Die Hüter der Heiligen Klima-Inquisition bestehen aber in der Kommunikation nach Aussen darauf, dass der Mensch mit seinem CO2 Ausstoß den Klimawandel vollumfänglich verursacht und haben sich auf folgende unité de doctrine verständigt: Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist: Es immer der menschgemachte Klimawandel.

    Wie sehr die Sache mit dem Klima zur Religion geworden ist, zeigen die steuergelderfinanzierten Erweckungsseminare, mit denen die unerschrockenen Kämpfer gegen die verlorenen Seelen des Klimatheismus aufmunitioniert werden sollen. Wer den Text unter dem Link gleich durchliest – geladen waren auch die Fernsehmeteorologen der Länder, die bei der Missionierung der mutmasslich menschenfressenden Leugner- und Skeptikerhorden mithelfen sollen. Bitte einmal durchlesen:
    https://www.klimafakten.de/meldung/k3-salzburg-eine-bilanz

    Es war am 1. April des Jahres 2000 als in SPIEGEL Online Mojib Latif verkündete: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ Latif war damals Pressesprecher des Max-Plank-Institutes für Meteorologie und ob seiner Medienpräsenz sehr bekannt. Aber Dr. Mojib Latif ließ es nicht bei dieser pessimistischen Aussicht. Die Lage sei nicht hoffnungslos.

    Wie soll man diesen Schwachsinn interpretieren? Ist das die Sprache der Klimaforschung, die sich gerne als exakte Naturwissenschaft ausgibt? Die Klimaforschung ist bestenfalls eine historische Wissenschaft, die Ort für Ort das vergangene Wetter der letzten 30 Jahre statistisch bearbeitet und dann Klimakarten konstruiert, die in naturräumlicher Verteilung das „mittlere Wettergeschehen“ beschreiben. Doch das „mittlere Wettergeschehen“, auch Klima genannt, ist kein Naturvorgang oder „Ding“ wie das Wetter, sondern ein abstraktes Konstrukt, ein „Ding an sich“. Aber dieses hat nach Immanuel Kant keine eigene Realität, auch wenn wir inzwischen glauben, es würde sich verändern, sich wandeln.
    Was sich von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahreszeit zu Jahreszeit, von Jahr zu Jahr von Urzeiten her bis in alle Zukunft wandelt, das ist das Wetter. Und dessen Wandel unterliegt wiederum dem Wandel der Gestirne wie der Sonne und den Vorgängen auf der Sonne.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Quintus

      „Die Hüter der Heiligen Klima-Inquisition“

      „steuergelderfinanzierten Erweckungsseminare“

      „unerschrockenen Kämpfer“

      „die verlorenen Seelen des Klimatheismus“

      „Missionierung der mutmasslich menschenfressenden Leugner- und Skeptikerhorden“

      Da schließe ich mich doch ganz Ihrer Einschätzung an:

      „Was sie hier versuchen zu suggerieren ist peinlich“

      Da lob ich mir den unaufgeregten und sachlichen Stil von Christian Anders, der zudem mit seinem Namen für seine Meinung einsteht.

      „Herr Anders ist Physiker und keine Klimaexperte!“

      Sind Sie ein Klimaexperte? Falls ja, dann haben Sie ja vielleicht auch eine Begründung dafür, warum so viele Klimaexperten die FFF-Kids unterstützen: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wissenschaftler-unterstuetzen-fridays-for-future-bewegung-16090776.html

      LG Michael Stöcker

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        Werner Sombart war deutscher Soziologe und Volkswirt. Bis heute ist seine soziale Expertise wenig bestritten obwohl er die Meinung vertrat Adolf Hitler erhielte seine Einfälle direkt von Gott.

        Die Klimaexperten von heute greifen zu ähnlichen Mitteln und bedienen sich einmal mehr der Kinder, Greta wird dann schon mal mit Christus verglichen.

        Wer so schwach ist die unerfahrensten Glieder unserer Gesellschaften zu instrumentalisieren – bei dem kann es mit Wissenschaftlichkeit nicht weit her sein. Erfahrung von Erwachsenen wird gerne diffamiert und als Unbelehrbarkeit umetikettiert.

        Als die Nazis am Ende ihrer Utopie standen, missbrauchten sie ebenso schamlos Kinder, von ihren Eltern entfremdet und verhetzt.

        –> allein dafür hätte man die Nazis alle hängen müssen und ihre wissenschaftlichen Steigbügelhalter.

        Zitat Erich Maria Remarque aus „Im Westen nichts neues“
        Kantorek – der Lehrer vom Gymnasium…..
        „Mann kann Kantorek natürlich nicht damit in Zusamenhang bringen; – wo bliebe die Welt sonst, wenn man das schon Schuld nennen wollte. Es gab ja Tausende von Kantoreks, die alle überzeugt waren, auf eine für sie bequeme Weise das Beste zu tun. Darin liegt aber gerade für uns ihr Bankerott. Sie sollten uns Achtzehnjährigen Vermittler und Führer zur Welt des Erwachsenseins werden, zur Welt der Arbeit, der Pflicht, der Kultur und des Fortschritts, zur Zukunft. Wir verspotteten sie manchmal und spielten ihnen kleine Streiche, aber im Grunde glaubten wir ihnen. Mit dem Begriff der Autorität, dessen Träger sie waren, verband sich in unseren Gedanken größere Einsicht und menschlicheres Wissen. Doch der erste Tote, den wir sahen, zertrümmerte diese Überzeugung. Wir mußten erkennen, daß unser Alter ehrlicher war als das ihre; sie hatten vor uns nur die Phrase und die Geschicklichkeit voraus. Das erste Trommelfeuer zeigte uns unseren Irrtum, und unter ihm stürzte die Weltanschauung zusammen, die sie uns gelehrt hatten. Während sie noch schrieben und redeten, sahen wir Lazarette und Sterbende; – während sie den Dienst am Staate als das Größte bezeichneten, wußten wir bereits, daß die Todesangst stärker ist. Wir wurden darum keine Meuterer, keine Deserteure, keine Feiglinge – alle diese Ausdrücke waren ihnen ja so leicht zur Hand -, wir liebten unsere Heimat genau so wie sie, und wir gingen bei jedem Angriff mutig vor; – aber wir unterschieden jetzt, wir hatten mit einem Male sehen gelernt. Und wir sahen, daß nichts von ihrer Welt übrigblieb. Wir waren plötzlich auf furchtbare Weise allein; – und wir mußten allein damit fertig werden.“ — Erich Maria Remarque

        Referenz: https://beruhmte-zitate.de/autoren/erich-maria-remarque/

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Alexander

        „Die Klimaexperten von heute greifen zu ähnlichen Mitteln und bedienen sich einmal mehr der Kinder, Greta wird dann schon mal mit Christus verglichen.“

        Mir ist nicht bekannt, dass es sich bei Bischöfen um Klimaexperten handelt.

        „Wer so schwach ist die unerfahrensten Glieder unserer Gesellschaften zu instrumentalisieren – bei dem kann es mit Wissenschaftlichkeit nicht weit her sein.“

        Mir ist nicht bekannt, dass die katholische Kirche ein Hort der Wissenschaftlichkeit ist. Sie verfügt allerdings über eine bald 2000 jährige Expertise in der Verbreitung von Irrlehren und der Vertuschung von (Missbrauch)Skandalen. Dabei instrumentalisieren die erfahrenen Glieder dieser Glaubensgemeinschaft auch schon mal unerfahrene Mädchen. So wird in dieser Institution Gleichberechtigung gelebt.

        Richtig ist allerdings auch, dass sich eine gute Idee nicht schon allein deshalb durchsetzt, weil sie gut ist, sondern weil sie zugleich professionell vermarktet wird. Insofern liegt mAn im Falle Greta ein positiver „Missbrauch“ vor.

        LG Michael Stöcker

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ M. Stöcker

      >Sind Sie ein Klimaexperte? Falls ja, dann haben Sie ja vielleicht auch eine Begründung dafür, warum so viele Klimaexperten die FFF-Kids unterstützen: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wissenschaftler-unterstuetzen-fridays-for-future-bewegung-16090776.html>

      Man muss kein Klimaexperte sein, um eine Begründung dafür haben zu können.

      Bereits im Link wird eine gegeben:

      >Forscher und Schüler profitieren dabei gegenseitig voneinander. Denn viele Wissenschaftler suchen schon lange nach einem Weg, sich zu engagieren, erklärt Quaschning. Aber bislang habe es kaum Aufmerksamkeit für die Erderwärmung gegeben. Bei Klimaschutzmaßnahmen fehle das unmittelbare Ergebnis, weil sie oft mit Verboten einhergehen, ließen sich bislang keine Wahlkämpfe mit ihm gewinnen.

      Die Kinder helfen der Wissenschaft nun dabei, ein so abstraktes und scheinbar weit entferntes Problem wie den Klimawandel in ein Narrativ zu verpacken. Denn schmelzende Polkappen und hungernde Eisbären sind weit weg und stumm, die wütenden Jugendlichen auf dem Marktplatz sind nah und laut. Außerdem geht von den Kinder eine Kraft aus, die Soziologen wie Bühler-Niederberger „Macht der Unschuld“ nennen. Kinder gelten als unvoreingenommen und authentisch. Sie hatten noch keine Zeit, um etwas so Schlimmes wie den Klimawandel zu verursachen. Ihre Opferrolle ist keine Inszenierung. Sie ist echt.>

      Demnach ist das die Begründung:

      Es geht den Wissenschaftlern genauso wie den Jugendlichen darum, ihre Agenda POLITISCH durchzusetzen.

      Um nichts weiter – bei der Unterschrift.

      Denn KEINE einzige Unterschrift der 23.000 wissenschaftlichen Unterstützer ist eine BEGRÜNDUNG dafür, dass der Klimawandel vollständig oder im Wesentlichen durch Menschen verursacht worden und durch sie geändert werden kann.

      Ich finde es auch bereichernd, dass Herr Anders mit diskutiert.

      Aber hören Sie auf, mit Suggestiv-Urteilen wie

      >Herr Anders arbeitet sehr erfolgreich an der Entwaffnung der „Klimaskeptiker“>

      Stimmung zu machen.

      Sie haben nicht die geringste Kompetenz, um derartigen Aussagen Glaubwürdigkeit zu verleihen.

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    • Avatar
      Christian Anders sagte:

      Also: Man kann nicht die Erklärung für den atmosphärischen Treibhauseffekt akzeptieren aber gleichzeitig eine menschengemachte Erwärmung ablehnen. Das geht logisch nicht.
      Die Prognosekraft von Klimamodellen ist nochmal ein ganz anderes Thema. Vor Schwarzer Schwan Ereignissen ist keiner gefeit.

      Dass manche Wissenschaftler in der Öffentlichkeit gerne markigen Sprech absondern, hat was mit Geldzuteilungen zu tun, die mit öffentlicher Wirkung verknüpft sind. Die Schattenseite unserer Aufmerksamkeitsökonomie. Die echte Sache findet man in den Fachpublikationen.

      Da findet man aber auch Messwerte, die eine gewisse Geschwindigkeit der globalen Mitteltemperaturänderung zeigen. Und die kann man hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit der Menschen durchaus für problematisch halten. Hysterie hilft aber keinem weiter – man muss es einfach erstmal feststellen.

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        ruby sagte:

        Vor den Pflanzen und Menschen formte sich die Erdoberfläche und Atmosphäre über Geomorphologie und Plattentektonik sowie Eruptionen aus dem Erdinneren. Die Natur zu beobachten und zu beschreiben ist für mich ein elementares Erlebnis daher lese dafür gerade von Kurt-Dietmar Schmidtke, „Die Entstehung Schleswig-Holsteins, 3. Aufl.1995. Es macht deutlich wie hintendran der Mensch war und immer sein wird, was Gelassenheit schafft. Kein Einzelner ist für 7 Milliarden Artgenossen verantwortlich. Jeder lebt in einem persönlichen Gleichgewicht und die Natur mit den Gesetzen und deren Zusammenspielt hat in unserem Horizont unbegrenzte Zeit und Kräfte. Wir sind beschränkt und homebound wenn wir auf uns selbst angewiesen sind. Ein Komplexsystem Human sprengt unsere biologischen Ausstattungen, die eher einzelne erkennen und überwinden wollen.

    • Avatar
      Christian Anders sagte:

      Das ist zu viel der Ehre ;).
      „Klimaprofi“ bin ich nun wirklich nicht. Einfach Physiker zu sein reicht aber völlig, um manchen Unfug zu entzaubern. Es verständlich zu erklären, ist oft eine weitaus größere Hürde.

      Auf die Ökonomie bin ich aus politischem Interesse bei der Überprüfung von ökonomischen Lehrsätze auf logische Kohärenz gestoßen. Da hat es mich dann erstmal vom Stuhl geworfen.

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        ruby sagte:

        Die lectores hier sind in Ökonomie sehr kampferprobte, wie Herr Stöcker letztens mit Weissgarnix, Herdentrieb … anklingen ließ. Wir machen auch am Boden unter den Tischen weiter auf der Suche nach Wahrheiten in Wirklichkeiten. Sie sind also nicht alleine Herr Anders✋.

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    Peter Ziemann sagte:

    Ich sehe hier keine Lösung. Bloomberg hat die Argumente zusammengetragen, die für die USA bzw. für China in diesem Konflikt sprechen. Das Voting ging 5:4 für die USA aus. Nach meiner Sicht müsste es aber mit 6:3 für die USA ausgehen. Die Argumente habe ich in meinem heutigen Beitrag zusammengetragen [Kapitel „Marktgeschehen]: https://ztac.de/de/xt_blog/in-krise-gilt-vorraete-sichern-ueberleben

    Hier meine Bewertung nach Bloomberg-Kriterien:
    Sinkendes Handelsdefizit: USA = 1 / China = 0
    Steigende Konsumentenpreise: USA = 0 / China = 1
    Vertrauen der Konsumenten: USA = 1 / China = 1
    Währungskrieg: USA = 1 / China = 1
    Auswirkungen auf die Aktienmärkte: USA = 1 / China = 0
    Wirtschaftswachstum: USA = 1 / China = 0
    Direkt-Investment in die andere Volkswirtschaft: USA = 0 / China = 1 [PS: Ich sehe das genau
    anders herum – dass China weniger in die USA investiert bedeutet, dass die Produktionsmittel in
    den USA in den Händen der Inländer bleiben. Und nicht an China ausverkauft werden. Man sieht:
    Bloomberg ist eine globalistische Pulikation].

    Trump verhält sich absolut nachvollziehbar und wird seine Politik gegenüber China nicht ändern, solange sich das Verhältnis nicht zu einem Gleichgewicht wandelt.

    Antworten

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