Die Industrieländer sind gefangen in der Überschuldung

Die NZZ diskutiert die Überschuldungslage in der (westlichen) Welt und hat mich in diesem Zusammenhang auch zitiert. Auszüge:

  • „In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 ist die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten weltweit um 16,5 Bio. $ auf mehr als 230 Bio. $ gestiegen. Dieser anhaltende Anstieg zerstört eine Illusion – nämlich die, dass sich die globalen Schuldenberge durch die sogenannte «finanzielle Repression» abbauen lassen würden. (…)  In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gelang so in westlichen Ländern wie den USA und Grossbritannien ein kontinuierlicher Abbau der hohen Staatsschulden von mehr als 100% bzw. über 250% des Bruttoinlandprodukts.“ – bto: das war auch meine Argumentation im Gespräch mit Herrn Ferber von der NZZ. Es klappt nicht, weil wir viel zu schnell zusätzliche Schulden machen.
  • „Im Gegensatz zu den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg habe die finanzielle Repression dieses Mal nicht funktioniert, sagt der Ökonom und Unternehmensberater Daniel Stelter. Das Grundproblem der hohen Schulden sei geblieben bzw. habe sich noch verschlimmert. Der weltweite Schuldenturm wachse weiterhin. Er könne nur stabilisiert werden, wenn die Zinsen immer weiter sänken.“ – bto: das ist ganz wichtig. Weil die Schulden absolut und relativ immer höher sind, geht es nur mit immerwährend tieferen Zinsen.

Andere Situation als nach den Weltkriegen

  • „Die Wissenschafter Gunther Schnabl und Andreas Hoffmann von der Universität Leipzig gehen indessen davon aus, dass die Entschuldung durch finanzielle Repression in den Nachkriegsjahren nur möglich war, weil damals Sonderbedingungen herrschten. Das hohe Wirtschaftswachstum habe eine wichtige Rolle gespielt. Dieses sei dadurch entstanden, dass grosse Teile von Europa und Japan hätten wiederaufgebaut werden müssen.“ – bto: wichtiger noch: die Demografie war besser! Wir hatten alleine deshalb schon höheres Wachstum.
  • „Die sehr expansive Geldpolitik lähme die Wachstumskräfte, weil marktwirtschaftliche Prinzipien untergraben würden. Die finanzielle Repression sei gekennzeichnet von zentralbankfinanzierten Staatsausgaben, staatlichen Kontrollen im Finanzsektor und geringeren Produktivitätsgewinnen. Zudem werden durch die ultraniedrigen Zinsen immer mehr Unternehmen am Leben erhalten, die eigentlich aus dem Markt ausscheiden müssten –sogenannte «Zombie-Unternehmen». Solche Firmen erhalten günstige Kredite von den Banken und investieren nicht in eine effizientere Produktion oder in Innovation.“ – bto: siehe dazu auch meinen kürzlichen Kommentar beim manager magazin.

Populisten auf dem Vormarsch

  • „Laut Schnabl und Hoffmann hat die ultraexpansive Geldpolitik zwar einen Teil der Bevölkerung reicher gemacht. Dazu zählen vor allem Anleger, die in Immobilien und Aktien investiert haben. Grosse Teile der Bevölkerung seien durch die Geldschwemme aber ärmer geworden. So habe die Geldschwemme in vielen Ländern zur wachsenden Unzufriedenheit in der Mittelschicht geführt und damit dem Aufstieg von Populisten den Weg bereitet. Die beiden Wissenschafter sehen in den Industrieländern Parallelen zu den planwirtschaftlichen Strukturen in ost- und mitteleuropäischen Ländern vor dem Zusammenbruch des Kommunismus.“ – bto: weil wir die Budgetrestriktion abgeschafft haben.
  • „…der wachsende Protektionismus in Industrieländern, allen voran den USA, sei ein Zeichen der wirtschaftlichen Eiszeit, sagt Stelter. In einer Welt mit schwächerem Wirtschaftswachstum sinke die Toleranz gegenüber Handelsbilanzüberschüssen anderer Länder.“ – bto: was uns in Deutschland noch teuer zu stehen kommen wird.
  • „Trump versuche mit seiner Politik gewissermassen, die US-Wirtschaft «aus der wirtschaftlichen Eiszeit zu bomben», sagt Stelter. Allerdings glaubt der Ökonom nicht, dass es den USA gelingen werde, nachhaltig zu den Wachstumsraten von vor der Krise zurückzukehren. Die Frage sei vielmehr, ob die Zinsen nachhaltig überhaupt steigen könnten.“ – bto: können sie nicht, weil dann die Blase platzt.

Steigende Zinsen nur eine Zwischenperiode?

  • „Stelter geht davon aus, dass es sich bei den steigenden Zinsen um eine Zwischenperiode handelt. Die Welt sei gewissermassen in der Überschuldung gefangen. Würden die Zinsen zu stark steigen, drohe das ganze überschuldete System zu kippen. Unter anderem würde dann ein massiver Anstieg der Unternehmensinsolvenzen drohen. Die kritische Schwelle beim Zins sinkt mit steigender Verschuldung immer weiter – ein Teufelskreis, aus dem es laut Stelter kein schmerzfreies Entkommen gibt.“ – bto: Lesern dieser Seiten wohlbekannt.
  • „Auch Schnabl und Hoffmann halten die Lage für schwierig; da Strukturreformen für einen Abbau der Staatsausgaben demokratisch schwer umsetzbar sind, liegt für sie der Ball bei den Zentralbanken. Die beiden Wissenschafter fordern einen schrittweisen Ausstieg aus der finanziellen Repression durch eine Beendigung von Anleihekäufen und konzertierte Zinserhöhungen der Notenbanken, beispielsweise um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr über eine lange Periode hinweg. (…)Der gemächliche Anstieg der Zinsen würde bewirken, dass überschuldete Staaten und Zombie-Unternehmen mehr und mehr gezwungen wären, endlich reinen Tisch zu machen. Sie müssten sich bewegen und ihre ineffizienten Strukturen überarbeiten.“ – bto: was natürlich naiv ist. Denn wer trägt den Schaden? Dies ist die entscheidende Frage! Und um die Beantwortung drücken sich alle.

Die Notenbanken und der «Giftmüll»

  • „Stelter hält einen ähnlichen Crash an den Finanzmärkten wie im Jahr 2008 für nicht unwahrscheinlich. Im Anschluss daran sei davon auszugehen, dass die Notenbanken erneute Rettungsprogramme starten würden. Möglicherweise komme dann auch das bereits in den vergangenen Jahren diskutierte Instrument des Helikoptergelds zum Einsatz. Insgesamt gesehen hätten die Notenbanken das «Spiel» viel zu weit getrieben, sagt Stelter. Mit immer billigerem Geld haben sie auf Zeit gespielt, das Problem jedoch immer grösser gemacht.“
  • „Eine «Lösung» für das Problem der Überschuldung könnte sein, dass die Schulden über die Notenbankbilanzen abgeschrieben werden. Japan scheint diesen Weg zu gehen. So hält die japanische Notenbank Bank of Japan bereits mehr als 50% der ausstehenden Schulden des japanischen Staats. Ob das funktionieren kann, ohne das Vertrauen in die japanische Währung zu zerrütten, bleibt abzuwarten. Laut Stelter handelt es sich dabei um «ein einmaliges Experiment».“

Blasen, wohin man schaut

  • „Die in den vergangenen Jahren zu beobachtende Inflation der Vermögenspreise könnte sich noch eine Weile fortsetzen, wie Schnabl und Hoffmann erwarten. Allerdings könnte sie eines Tages auch «wegreguliert» werden – nämlich dann, wenn sie drohe, noch grössere Keile in die Gesellschaft zu treiben. Dann könnten Regierungen neue Abgaben auf Finanzmarkt-Transaktionen und für Immobilienbesitzer oder Preisanstiegskontrollen für Liegenschaften beschliessen.“ – bto: hatten wir ja auch schon auf diesen Seiten, ich erinnere an den Kommentar: → Enteignung – weil es mit der Inflation nicht klappt?

Nur: auch dadurch verschwinden die Schulden nicht. Man müsste an denen ansetzen, natürlich mit den entsprechenden Verlusten für die Gläubiger.

NZZ: „Die Industrieländer sind gefangen in der Überschuldung – was ist der Ausweg?“, 28. März 2018

30 Kommentare
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    Johann Schwarting sagte:

    „Das Grundproblem der hohen Schulden sei geblieben bzw. habe sich noch verschlimmert. Der weltweite Schuldenturm wachse weiterhin.“

    Der wegen des ‚Vorher-Nachher-Problems‘ bestehende Zwang des Staates zur Aufschuldung gilt natürlich auch für die (privaten)Unternehmungen: Aus debitistischen Gründen müssen sie wegen der Komplexität des Systems ihre Vorfinanzierungslücken (z. B. unverkaufte Waren im Lager) schließen und die Aufgabe lösen, Nachschuldner (=Käufer) für die aus dem Abgabenzwang an den Staat resultierende Überschussproduktion finden. Darüber hinaus sind Erträge über alle Bereiche der Märkte hinweg nur durch Geldeinheiten aus zusätzlicher Verschuldung möglich. Der berühmte Satz: „New credits fresh money“ von Alan Grennspan ist universell gültig. Fragt der Markt keine zusätzlichen Kredite („fresh money“) nach – game over.

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      Michael Stöcker sagte:

      „Fragt der Markt keine zusätzlichen Kredite („fresh money“) nach – game over.“

      Es sei denn, der spender of last resort springt ein und vergisst den ganzen Unsinn mit der schwarzen null. Die VWL-Ikone Samuelson bringt es hier auf den Punkt: https://youtu.be/EeeasEyTZqo.

      Wie gesagt: Debitismus ad infinitum. Dem steht aber leider immer noch der schwäbische Hausfrauen-Debilismus entgegen und endet nolens volens in der destruktiven Neuauflage des WK II mit anderen Mitteln.

      „Die ich rief, die Geister,/Werd ich nun nicht los.“

      Das gilt selbstverständlich auch bei einer Übernutzung dieses Instruments. Auch der Zauberlehrling ist eine faustische Figur.

      LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        Und wie bekommen wir den „Spender of last ressort“ wieder los, wenn er SEIN Instrument übernutzt?

        Ich kann jedenfalls für die BEHERRSCHUNG von „Geistern“ den UNTERSCHIED zwischen „Debitsmus ad infinitum“ und „Monetisierung“ nicht sehen, der die Annahme erlauben würde, die Monetisierung lasse sich PRINZIPIELL besser beherrschen als der Debitismus ad infinitum.

        A. Turner würde mir daraufhin antworten:

        Ich sehe den Unterschied bezüglich einer Beherrschung auch nicht und teile daher ihre Auffassung.

        Er würde hinzufügen:

        Ich PLÄDIERE dennoch dafür, die Monetisierung ERNSTHAFT in Betracht zu ziehen, WEIL der Debitismus as infinitum ganz offensichtlich den Menschen NICHT enden wollendes Leid bringt.

        Der Unterschied zwischen Turners „für etwas plädieren“ und Ihrem „wissen, was zu tun ist“
        ist in meinen Augen ein QUALITATIVER:

        Es lohnt sich, über Turners Auffassung nachzudenken.

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    jobi sagte:

    @Daniel@Johannes
    Die „no pain“- Politik wird ja nun schon mindestens 30 Jahre praktiziert – seitdem freiwillige Kapitalgeber nicht mehr ausreichen nur noch mit Hilfe exessiver Notenbanken finanziert.
    Eine „Krise light“ wird es nicht geben, sie würde auch nichts bringen bei der Dimension der aufgestauten Probleme.
    Die Argumentation von bto ist, dass es keine steigenden Zinsen geben wird, weil es keine steigenden Zinsen geben DARF. Dies setzt allerdings voraus, dass die SB’n Herr der Lage bleiben. Eine Illusion, wie ich meine. Man braucht sich nur
    vor Augen halten, mit welcher Geschwindigkeit disruptive Kräfte die Welt verändern um sich klar zu machen, dass das westliche Finanzsystem am Ende ist.
    Die Musik spielt längst woanders.
    Die Zinswende hat bereits stattgefunden, die Investitionen haben mit 20% gemessen am globalen GDP ihren Tiefpunkt bereits hinter sich. Der wachsende Kapitalbedarf in den aufstrebenden Volkswirtschaften wird also zu weiter steigenden Zinsen führen selbst oder gerade dann, wenn es den SB’n gelingen sollte, die Blase noch weiter aufzupumpen.

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      Carsten Pabst sagte:

      Hallo @jobi:
      „vor Augen halten, mit welcher Geschwindigkeit disruptive Kräfte die Welt verändern um sich klar zu machen, dass das westliche Finanzsystem am Ende ist.“
      Was bitte meinen Sie mit westlichem Finanzsystem? Ich kann ja zurecht der Meinung sein, daß das Finanzsystem generell sehr brüchig ist, aber wenn ist das ein globales Problem. Unbestritten ist die bessere demografische Entwicklung in den asiatischen Räumen. Aber sollte das westliche Finanzsystem implodieren, wird vom östlichen auch nicht mehr viel übrig bleiben, sofern das überhaupt trennbar ist.
      Dafür sind die weltweiten Kapitalmärkte zu sehr vernetzt.
      Freundliche Grüße
      Carsten Pabst

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        jobi sagte:

        Hallo Herr Pabst,
        hätte besser formulieren sollen.
        Ich meinte das durch USD-Privileg und durch „innovative“ Finanzierunstechniken dominierte Finanzsystem, das in seiner entarteten Funktionalität für die globale Fehlallokation von Kapital verantwortlich ist.
        Das dies nicht so bleiben kann, erkennt man, wenn man Wachstum und -potenzial in den Schwellenländern beachtet und die Geschwindigkeit, mit der sich globale Handelsströme verschieben.

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    Daniel sagte:

    Lieber Johannes,

    ich denke schon, dass es die Aufgabe beispielsweise der EZB ist, eine „Krise light“ im Rahmen ihrer monetären Möglichkeiten *zuzulassen*. Denn erst dies sorgt *langfristig* für eine stabile Währung.

    Dagegen ist es nicht die Aufgabe der EZB so wie jetzt Kredite zu subventionieren und damit ein gigantisches Konjunkturprogramm aufzulegen. Das ist Aufgabe der Politik. Die EZB gefährdet mit ihrem Kurs langfristig die Stabilität des Euros aber auch des Gesamtsystems. Ist das deiner Meinung nach die Aufgabe der EZB?

    > Es wird eher und ganz unvermittelt ;-) zu eine veritablen wirtschaftlichen Krise kommen und die Notenbanken werden … ja, was werden sie dann tun? Wir werden sehen.

    Da stimme ich dir zu. Allerdings fürchte ich, dass das nicht das Endspiel sein wird. Im Endspiel wird die EZB keine Macht mehr ausüben können.

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    Johannes sagte:

    @ Daniel: „Die Notenbanken müssen so schnell wie möglich eine „Krise light“ zulassen“

    Das wäre aber nicht die Rolle der Notenbanken. Letztlich könnten die Notenbanken vielleicht einen politischen Prozess flankieren, der Anpassungsschmerzen nach sich zieht. Aber man schaue was Mario Drahgi seinem Heimatland Italien für eine Medizin verabreicht. Ein Sedativum, indem er die EZB inzwischen über Gebühr italienische Staatsanleihen kaufen lässt…

    Es wird eher und ganz unvermittelt ;-) zu eine veritablen wirtschaftlichen Krise kommen und die Notenbanken werden … ja, was werden sie dann tun? Wir werden sehen.

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    Daniel sagte:

    Der Fehler war/ist, dass die Notenbanken sämtliche Schmerzen von den Akteuren genommen hat.

    Auch ein Kranker wird ohne Schmerzen sein Verhalten nicht ändern. Warum auch? Dadurch wird sich seine Gesundheit jedoch Stück für Stück immer weiter verschlechtern. Am Ende ist er dann womöglich unheilbar krank. In der Medizin nennt man dies die Behandlung von „Symptomen“.

    Die Notenbanken müssen so schnell wie möglich eine „Krise light“ zulassen. Schmerzen, die eine Anpassung an den Stand der Dinge nach und nach möglich machen. Dies würde bedeuten, dass die Wirtschaft einige Jahre schrumpfen wird, Kredite ausfallen, die Arbeitslosigkeit steigt usw. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass man mit Notenbankpolitik um eine derartige Bereinigung kommen könnte.

    Die Notenbanken können den Anpassungsprozess nicht verhindern, sondern nur über einen längeren Zeitraum strecken. Mit der aktuellen „no pain“ Politik wird nicht nur der wirtschaftliche Schaden immer größer, sondern eine zunächst nur wirtschaftliche Krise könnte noch zu einer größeren politischen Krise (z.B. Demokratieverlust) werden.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Daniel

      Das Verhältnis Arzt/Patient beginnt mit einer FRAGE:

      Was ist der Zustand des Patienten – kann er geheilt werden oder wird er aufgrund einer weit fortgeschrittenen Erkrankung, bei der eine heilende Behandlung nicht mehr wirkt, sterben (müssen)?

      Hat der Patient eine begrenzte Lebenserwartung, dann erhalten im Rahmen von Palliative Care, die über die Medizinalratin hinausgeht SUBJEKTES WOHLBEFINDEN, sowie WÜNSCHE und ZIELE des Patienten HÖCHSTE Priorität:

      https://www.dgpalliativmedizin.de/images/DGP_GLOSSAR.pdf

      Wie antworten Sie also auf die Frage nach dem Zustand des Patienten?

      Offensichtlich meinen Sie, dass der Patient mit der erkennbaren Krankheit „Wirtschaft“ mittels einer „Krise light“ unter Schmerzen einen Anpassungsprozess durchmachen könnte, der Analogie gemäß also NICHT sterben müsse.

      Ich teile diese Diagnose nicht.

      Ich teile sie nicht, weil ich aufgrund von FESTSTELLBAREN politischen und ökonomischen Sachverhalten zu der Auffassung gelangt bin, dass der Patient nicht in der Lage ist, zu überleben und daher möglichst SCHMERZFREI weiterleben will – solange er noch lebt.

      Ich meine mit Patienten die Eurozone als Ganzes, d. h. als „lebensfähiges/nicht lebensfähiges System“

      Meiner Ansicht nach wird der Patient sterben und dabei – hier bin ich dann doch bei Ihnen – spätestens in der Todesstunde einem DEMOKRATIEVERLUST entgegensteuern.

      Das ist meine Sicht mit Blick auf die IST-Zeit.

      Vor vielleicht 30 Jahren wäre der Patient vermutlich noch mit einer „Krise light“ zu heilen gewesen.

      Darüber reden wir aber nicht, wenn wir über die HEUTIGE Rolle des Arztes, d. h. der Notenbanken, befinden.

      Wir reden auch nicht darüber, wer den Arzt sein müsste – die Politik oder die Notenbanken – und wenn die Politik der Arzt sein sollte:

      KANN sie überhaupt die Rolle eines Arztes einnehmen, also HEILEND wirken, wenn der Patient, d. h. die Gesellschaft sozusagen über ihre Befindlichkeit bar jeder medizinische Kenntnisse befinden DARF?

      Antworten
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        Daniel sagte:

        Lieber Dietmar,

        _________
        Wie antworten Sie also auf die Frage nach dem Zustand des Patienten?

        Offensichtlich meinen Sie, dass der Patient mit der erkennbaren Krankheit „Wirtschaft“ mittels einer „Krise light“ unter Schmerzen einen Anpassungsprozess durchmachen könnte, der Analogie gemäß also NICHT sterben müsse.
        _________

        angenommen der Patient hat sich den kleinen Zeh mit Keimen vergiftet. Den Zeh hat der Doktor nicht amputiert und deshalb ist nun der gesamte Fuß vom Absterben bedroht. Soll der Patient nun warten, bis der gesamte Körper von den Keimen befallen wird?

        Wenn das aktuelle System nicht zu retten sein sollte, dann wäre ein Neustart umso dringlicher. Jeder weitere Tag mit Aufschuldung, Umverteilung, Zombifizierung von Unternehmen usw. lässt den Schrecken am Ende noch größer werden. Wer sollte daran ein Interesse haben?

        Was haben wir gewonnen, wenn das Endspiel eine Diktatur, Revolution, Krieg oder ähnliches ist, weil die einen das Problem nicht erkennen und die es erkennen, nichts tun, weil angeblich nichts mehr zu retten ist?

        _________
        wenn die Politik der Arzt sein sollte:

        KANN sie überhaupt die Rolle eines Arztes einnehmen, also HEILEND wirken, wenn der Patient, d. h. die Gesellschaft sozusagen über ihre Befindlichkeit bar jeder medizinische Kenntnisse befinden DARF?
        _________

        Wenn Vertrauen in den Arzt vorhanden ist und dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, dann sollte der Patient den Arzt machen lassen. Der aktuellen Politik kann man allerdings nicht vertrauen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Daniel

        Es kommt auf die DIAGNOSE an.

        Ihre lautet:

        > angenommen der Patient hat sich den kleinen Zeh mit Keimen vergiftet.>

        Dann stellen Sie DIESBEZÜGLICH die Frage einer RATIONALEN Behandlungsentscheidung:

        > Den Zeh hat der Doktor nicht amputiert und deshalb ist nun der gesamte Fuß vom Absterben bedroht. Soll der Patient nun warten, bis der gesamte Körper von den Keimen befallen wird?>

        Mein Kommentar dazu:

        SELBSTVERSTÄNDLICH soll der Patient nicht warten bis der gesamte Körper von den Keimen befallen sein wird, sondern der bedrohte Fuß solle umgehend amputiert werden.

        Ihre Therapie entsprechend:

        >Wenn das aktuelle System nicht zu retten sein sollte, dann wäre ein Neustart umso dringlicher.>, was heißt: Fuß amputieren bzw. „Krise light“, um Sterben zu verhindern – und zwar SOFORT.

        Denn, so sagen Sie zu recht (auf Basis Ihrer Annahme):

        Jeder weitere Tag mit Aufschuldung, Umverteilung, Zombifizierung von Unternehmen usw. lässt den Schrecken am Ende noch größer werden.

        Fazit 1:

        Ich kann Ihre Argumentation nicht kritisieren, lehne aber Ihre Annahme ab (für die HEUTIGE Situation, allerdings nicht für die Befindlichkeit des Patienten vor 30 Jahren)

        Meine Diagnose lautet anders, NICHT auf einer bloßen ANNAHME beruhend, sondern – ich wiederhole mich – auf FESTSTELLBAREN Sachverhalten basierend:

        Der Patient, d. h. sein Organismus ist BEREITS am ganzen Körper mit Keimen befallen.

        Er wird daher sterben.

        Deshalb ist Ihre Therapie meinem Verständnis nach UNSINNIG:

        Denn es bringt nichts, einem sterbenden Menschen den Fuß zu amputieren.

        Es kann auch keinen Neustart geben FÜR den Patienten (für seinen Organismus, die Eurozone), denn er wird sterben.

        Sein Hindämmern zum Tod wird mit Medikamenten schmerzmindernd verlängert, aber nur so lange, wie aus seinem Vermögen die Mittel verfügbar sind, mit denen die Medikamente finanziert werden können.

        Das wird absehbar irgendwann nicht mehr der Fall sein.

        Spätestens dann wird der Patient sterben.

        Fazit 2:

        Das ist nicht nur folgerichtig argumentiert, sondern auch REALISTISCH.

        Die POINTE am Schluss:

        Sie:

        >Wenn Vertrauen in den Arzt vorhanden ist und dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, dann sollte der Patient den Arzt machen lassen. Der aktuellen Politik kann man allerdings nicht vertrauen. >

        Die FOLGE Ihrer Beurteilung von Politik als Kunst des Heilens:

        Vermutlich wird die Politik als Arzt NICHT Ihrer Therapie folgen und den Fuß amputieren, sondern – weil nicht vertrauenswürdig – den Patienten verkeimen und sterben lassen.

        Die FOLGE meiner Beurteilung von Politik als Kunst des Heilens:

        Es ist egal, ob man der Politik vertraut oder nicht – der Patient wird sterben, egal was sie tut.

        Sie verhält sich allerdings unsinnig, weil sie das VERMÖGEN des Patienten einsetzt, ohne ihn letztlich am Leben erhalten zu können, statt es seinen Nachfahren zukommen zu lassen, indem der Patient früher und damit kostengünstiger stirbt.

    • Avatar
      Alexander sagte:

      @Michael Stöcker
      >Renditewahn
      …was für ein Wahn nach 40 Beitragsjahren mit einer Durchschnittsrente von 1375€ (Westen) zu rechnen. Bei einem Zinsverbot wie im kath. Mittelalter und mittelalterlichen Kulturen ist dieses Problem keines…und Eigentum auch nicht, denn wir drehen gerade das Rad der Zeit zurück (vor die Aufklärung) und Menschen kennen kein Eigentum sondern nur Besitz im Lehenssystem das neuerdings von Zentralbanken gestaltet wird.

      Leider ist der dazugehörige Artikel von Prof. Goeschl aus der aktuellen Tumult nicht frei lesbar….zu empfehlen allemal.

      Die Industrieländer sind nur in faulen Schulden gefangen. Faule Schulden werden von einer Marktwirtschaft (Kapitalismus) durch Untergang des Schuldners und des Gläubigers bereinigt. Haftung ist Kernbestandteil von Aufklärung, d.h. gleiche Regeln für alle – auch die Fürsten. (Rechtsgleichheit, Rechtssicherheit – alles Fremdwörter in 2018)

      Antworten
  6. Avatar
    Alexander sagte:

    Enteignung erlöst mich von Arbeit und Sorge um die Illusion von Eigentum. Zwangshypotheken werden ohne Renditeanreize kein Wachstum ermöglichen, als Basis von neuen Steuern und Beiträgen. Auf diese Tour macht Politik keinen Stich mehr. Wer rechnen kann reduziert seine Leistung seit Jahren auf ein Mindestmaß.

    Ich freue mich als Mitzeichner über die gerissene 50.000er Marke der Initiative von Broder u.Co. Aus meiner Sicht ist es ein „erstes“ Durchzählen und noch lange nicht das letzte Zeichen von Gesundheit in einer abverreckten Zeit.

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  7. Avatar
    Terrafinanz sagte:

    Vergleichbar wie es ab den 50er Jahren für amerikanische und britische Kapitalanleger besser war, ihr Kapital in den Währungen der Weltkriegsverlierer Deutschland, Japan sowie der neutralen Schweiz anzulegen lauten heute zur Stärke neigende Währungen von wirtschaftlich aufstrebenden Ländern Singapur – Dollar und chinesischer Renminbi.

    In diesen Währungen gibt es auch noch Zinsen. Negativzinsen, Helikoptergeld sowie ähnlicher Unsinn, mit dem hier der wirtschaftliche Niedergang aufgehalten werden soll, ist dort kein Thema:

    http://de.deposits.org/singapur.html

    http://de.deposits.org/china.html

    Man muß sich nur die historischen Wirkmechanismen von großem Kapitalbedarf aufgrund einer stark wachsenden Wirtschaft vergegenwärtigen und diese auf die wirtschaftlichen Umstände der heutigen Zeit anwenden.

    Wie hier einst in den 50er bis 90er Jahren ganze Siedlungen neu entstanden, geschieht dies aktuell anderswo in der Welt, speziell in Asien.

    https://de.deposits.org/asien.html

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