Deutschlands Zukunft: „Wir können froh sein, wenn es uns so ergeht wie den Japanern“

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Das „japanische Szenario“ von wirtschaftlicher Stagnation, Deflation und explodierenden Staatsschulden gilt vielen als das Albtraumszenario einer alternden Gesellschaft. Dabei könnten wir in Deutschland froh sein, wenn es uns so gut erginge. Leider dürfte es viel schlimmer kommen.

Am Ostermontag brachte die FINANCIAL TIMES auf der ersten Seite mal eine andere Geschichte aus Japan. Es ging um die dramatisch steigende Anzahl von Gefängnisinsassen, die älter als 60 Jahre sind. Das könnte man zunächst für einen normalen statistischen Effekt halten, wächst doch auch der Anteil der Bevölkerung über 60 Jahre in Japan deutlich an. Doch es handelt sich um einen überproportionalen Anstieg, und das ist dann doch wieder recht ungewöhnlich, wenn gerade ältere Menschen straffällig werden.

Wie so oft im Leben gibt es eine einfache, wenngleich erschreckende ökonomische Erklärung für diese Entwicklung: Viele Japaner sind im Alter so arm, dass es für sie attraktiver ist, im Gefängnis zu sitzen, bei freier Kost und Logis und guter Gesundheitsversorgung. Ein alleinstehender Rentner kann selbst bei einfachster Lebensführung nicht von der staatlichen Grundrente von umgerechnet rund 6.500 Euro im Jahr leben.

40 Prozent der Alten in Japan haben keine Familie. Ihnen kommt „zugute“, dass in Japan auch mehrfacher einfacher Ladendiebstahl genügt, um hinter Gittern zu landen. 35 Prozent aller Ladendiebstähle werden von über 60-Jährigen begangen, 40 Prozent der Wiederholungstäter in dieser Altersgruppe haben mehr als sechsmal geklaut. Bereits der Diebstahl eines Sandwiches im Wert von 200 Yen (also 1,60 Euro) kann so eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren einbringen.
Seit 1991 ist die Zahl der über 60-Jährigen, die im Gefängnis sitzen, weil sie dieselbe Straftat mehr als sechsmal begangen haben, um 460 Prozent angestiegen.

Deutschland folgt Japan demografisch

Nun könnte man die Achseln zucken und es als ein weiteres Beispiel für das japanische Missmanagement der letzten Jahrzehnte abtun. Doch das wäre falsch. Zu groß sind die Parallelen zwischen der japanischen Entwicklung und dem, was uns droht. Wenn überhaupt, macht unsere derzeitige Wirtschaftspolitik alles nur noch schlimmer.

Die Demografie Deutschlands ähnelt der Japans. Die Zahl der Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren wird von heute 50 Millionen auf 44 Millionen in 2030 und 34 Millionen bis zum Jahr 2060 zurückgehen. Innerhalb von 45 Jahren werden also 30 Prozent der Arbeitskräfte wegfallen; gleichzeitig wird die Zahl derer, die sie über das Umlagesystem Rente zu versorgen haben, zunehmen.

Es gibt kein Beispiel für ein prosperierendes Land mit schrumpfender Bevölkerung. Es gibt erst recht kein Beispiel für ein Land mit schrumpfender Bevölkerung, welches in der Lage ist, seine Schulden zu bedienen. Japan ist hierfür das beste Beispiel: Das Wachstum stagniert seit Jahren –, aber das BIP pro Kopf steigt. Der Produktivitätsfortschritt fängt damit den Rückgang der Bevölkerung gerade mal auf. Die Folge ist eine immer höhere Verschuldung relativ zum stagnierenden BIP – und damit das realistische Szenario einer Pleite. Abenomics ist nichts anderes als der verzweifelte Versuch, diese noch abzuwenden. Wie an dieser Stelle regelmäßig dargelegt, wird Japan am Ende nichts anderes übrig bleiben, als die Staatsschulden über die Bilanz der Notenbank zu monetarisieren. Ausgang ungewiss.

Japan ist uns in dieser Entwicklung rund zwanzig Jahre voraus. Deshalb könnte man glauben, dass wir aus den dortigen Fehlern gelernt haben. Leider ist das weit gefehlt. Wohin man auch schaut, machen wir nicht nur die gleichen Fehler, sondern machen noch weitere.

Verschleppung der Schuldenkrise

Die japanische Blase platzte zeitgleich mit dem Überschreiten des Höhepunkts in Bezug auf die Erwerbsbevölkerung. Die Blase in Europa platzte 2009, ebenfalls verbunden mit einem Höchststand der Erwerbsbevölkerung. Dass wir in Deutschland trotz anhaltender Krise in Europa und zunehmender Stagnation der Weltwirtschaft von einem Beschäftigungsrekord zum nächsten eilen, ist einer Sonderkonjunktur geschuldet. Schon bald dürfte sich die Abkühlung in China und den Rohstoffexportländern spürbarer auf die deutsche Konjunktur durchschlagen.

Westliche Beobachter sehen in einer falschen Reaktion der japanischen Wirtschaftspolitik die Ursache für die verlorenen Jahrzehnte: Schulden wurden nicht restrukturiert, sondern verschleppt. Banken wurden nicht rekapitalisiert, sondern mit erleichterten Rechnungslegungsanforderungen als gesund dargestellt. Die Notenbank senkte die Zinsen auf immer tiefere Niveaus und ermöglichte es so Schuldnern und Banken so zu tun, als wäre alles in Ordnung. In Wahrheit wurden so verkrustete Strukturen und Zombiefirmen erhalten. Der Staat hat derweil fundamentale Reformen gescheut und mit immer größeren Konjunkturprogrammen auf Pump versucht, Stagnation und Deflation zu überwinden. Bekanntlich ohne Erfolg.

Doch sind wir in Europa so viel besser? Wohl kaum. Auch Europas Banken sind unterkapitalisiert und sitzen auf Bergen an faulen Schulden. Viele Unternehmen in den Krisenländern erinnern an die japanischen Zombies. Die EZB hat die Zinsen immer tiefer getrieben, Strukturreformen erfolgen – wenn überhaupt – nur schleppend, und die nächste Welle an (notenbankfinanzierten) Konjunkturprogrammen zeichnet sich ab.

Das alles betrifft auch Deutschland. Nicht nur, dass wir in den letzten 10 Jahren keine weiteren Reformen durchgeführt haben, wir haben auch entscheidende Reformen wieder rückgängig gemacht. Tiefere Renteneintrittsalter, höhere Renten, Mindestlohn als Stichworte. Zugleich trifft uns als Gläubigernation die schlechte Entwicklung im Rest der Eurozone mit voller Wucht. Eine Sozialisierung der faulen Staats- und Privatschulden – Stichwort Bankenunion – zeichnet sich ab.

Damit sind wir auf dem exakt gleichen Weg unterwegs wie die Japaner in den letzten 25 Jahren. Hier zusätzlich dadurch verschärft, dass es sich bei uns um keine homogene Nation handelt, sondern um verschiedene Länder, die sich zudem in Gläubiger und Schuldner teilen. In Japan sitzen Gläubiger und Schuldner im selben Land.

Unsere Staatsschulden sind nicht solide

Optimisten könnten dem entgegenhalten, dass wir in Deutschland unsere Staatsschulden rechtzeitig unter Kontrolle gebracht haben. Schließlich haben wir eine „schwarze Null“ – genau gesagt eine Ersparnis der öffentlichen Haushalte von 0,6 Prozent des BIP im letzten Jahr – und planen auch, allen besonderen Ausgaben im Zuge der Flüchtlingskrise zum Trotz, in Zukunft zu sparen. Dennoch gibt es laut der mittelfristigen Planung des Finanzministeriums eine deutliche „Nachhaltigkeitslücke“. Ohne weitere Einsparungen und Kürzungen der Transferleistungen wird auch die deutsche Staatsverschuldung explodieren. Darin sind noch nicht die absehbaren Kosten im Zuge der europäischen Schuldenrestrukturierung enthalten. Diese könnten leicht ein Volumen von einer Billion Euro und mehr erreichen. In Japan hat sicherlich niemand vor 20 Jahren erwartet, dass die Staatsverschuldung so explodiert. Genau dasselbe Schicksal droht auch uns.

Japan sorgt vor

Japan wie auch Deutschland sind exportstarke Nationen. Wie ich an dieser Stelle erläutert habe, bedeuten Exportüberschüsse immer auch den Export von Kapital ins Ausland. Die Japaner verfügen über erhebliches Auslandsvermögen. Auch wir verfügen über Auslandsvermögen, sind jedoch sehr schlechte Geldanleger. Alleine im Zuge der Subprime-Krise haben wir 400 Milliarden Euro verloren. Generell steigen unsere Auslandsvermögen seit Jahren deutlich langsamer als die Summe unserer Kapitalexporte. Dabei setzen wir die schlechte Geldanlage fort. Ein Beispiel sind die Target2-Forderungen der Bundesbank in Höhe von 605 Milliarden Euro. Zinslose Kredite an schlechte Schuldner.

Die Japaner scheinen dies besser zu machen, gerade auch mit Blick auf das sich abzeichnende Endspiel im Staatsschuldendrama. So drängt die japanische Regierung darauf, dass Pensionsfonds japanische Staatsanleihen an die Bank of Japan verkaufen und stattdessen in Aktien und ausländische Vermögenswerte diversifizieren. Damit sichert das Land Vermögen für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass die absehbare Monetarisierung der Staatsschulden mit einer Hyperinflation einhergeht. Sollte sich die Entwicklung in Europa ähnlich fortsetzen, gerade auch mit Blick auf die immer offener geforderte direkte Staatsfinanzierung durch die EZB, droht allen Geldvermögensbesitzern ein erheblicher Verlust. Wir Deutsche stehen da an vorderster Front, da wir als Privatanleger aber auch institutionell überwiegend in Finanzvermögen investieren. Keine gute Vorsorge in einer überschuldeten Welt.

Zuwanderung eine Belastung

Japan ist ein sehr abgeschottetes Land. Die Antwort auf die demografische Änderung war jedenfalls nicht mehr Zuwanderung. So liegt der Ausländeranteil bei rund 2 Prozent. Bei uns hat dagegen jeder fünfte Einwohner einen Migrationshintergrund. Daraus könnte man schließen, dass wir in Deutschland eine bessere Antwort auf unsere demografische Herausforderung gefunden haben. Die Bedeutung der Zuwanderung aus diesem ökonomischen Gesichtspunkt wurde gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von vielen Seiten betont. Allerdings sollten wir uns hier nichts vormachen. Bereits im Jahr 2014 hat die Bertelsmann Stiftung vorgerechnet, dass für jeden heute hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ein langfristiges Staatsdefizit von 79.100 Euro zu Buche schlägt. Verglichen mit 3.100 Euro für jeden hier lebenden Deutschen. Daraus wurde die Forderung abgeleitet, Deutschland könne sich keine weitere ungesteuerte Zuwanderung leisten: „Eine Wiederholung der Gastarbeitereinwanderung ist weder hinsichtlich der erwähnten Tragfähigkeitslücke noch mit Blick auf den Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert ökonomisch sinnvoll. Wissend um die schon erwähnten demografischen Entwicklungen, ist es mit Blick auf die Wohlstandssicherung in Deutschland hingegen sinnvoll, ja geradezu geboten, qualifizierte Einwanderer ins Land zu holen.“

Genau das machen wir nicht. Die neue Zuwanderungswelle erfolgt aus humanitären Gründen und wir sollten und können uns daraus keinen wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Wenn überhaupt werden die Flüchtlinge nur zu einfachsten Arbeiten mit geringen Löhnen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Alle bisherigen Erkenntnisse zu Qualifikation und Bildungsfähigkeit der Flüchtlinge sind ernüchternd. Statt eine Entlastung unserer demografischen Probleme zu bekommen, übernehmen wir zusätzliche Kosten. Schätzungen von 450.000 Euro Kosten pro Flüchtling über dessen gesamtes Leben in Deutschland sind nicht unrealistisch. Damit stellen wir die nachfolgende Generation vor eine erhebliche finanzielle Belastung. Nicht nur muss diese für die (ungedeckten) Versprechen für die Versorgung einer weitaus größeren Generation von Alten aufkommen, sondern zusätzlich für die hohen Kosten einer umfangreichen Gruppe an Zuwanderern.

Im Vergleich mit Japan muss man sich dann schon fragen, ob es so falsch ist, bei der Zuwanderung zurückhaltend zu sein, wenn man im globalen Kampf um die besten Talente gegen die Zuwanderungslieblinge USA, Kanada, Singapur, Australien und die Schweiz nicht bestehen kann. Denn nur die wirtschaftlich Besten bringen den Ländern, in die sie zuwandern mehr, als sie kosten.

Mehr Erfolg in der Bildung

Japan ist trotz der Alterung immer noch eine hoch innovative Gesellschaft. Nur so gelingt es, das Wachstum der Produktivität halbwegs aufrechtzuerhalten. Auch wir in Deutschland sind gemessen an der Anzahl Patente noch innovativ, wenngleich diese in ungesundem Masse auf die Automobilindustrie fokussiert sind. Doch perspektivisch stellt sich die Frage, ob wir in der Lage sein werden, im weltweiten Innovationswettbewerb mitzuhalten. Zwar haben sich die schulischen Leistungen nach den letzten PISA-Studien gebessert, dennoch liegen deutsche Schüler in Mathematik mit 514 Punkten deutlich hinter den Kollegen in Shanghai (613), Singapur (573) Hongkong (561), Taiwan (560) und Korea (554). Auch Japan liegt mit 536 Punkten statistisch signifikant vor uns. Schaut man auf die Untergruppe der besonders Talentierten mit Spitzenleistungen, so erreichen 4,05 Prozent der japanischen 15jährigen diese Gruppe und nur 2,6 Prozent der Deutschen. Auch hier liegen Singapur (9,1 Prozent) Hongkong (6 Prozent), Taiwan (5,85) und Korea (4,4) auf einem signifikant höheren Niveau. Gerade diese Gruppe der Höchstleister ist es, die für eine Industrienation unverzichtbar ist. Je unattraktiver Deutschland jedoch wird, vor allem bedingt durch die enormen Kosten von Alterung und Integration, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Untergruppe ihre Zukunft in einem anderen Land sieht. Die bereits genannten Zuwanderungslieblinge werden in Zukunft noch intensiver um diese Talente werben. Verlieren wir diese Talente, wird es noch schwerer, die enormen Lasten zu schultern.

So ist Japan auch hier besser gerüstet als Deutschland. Zwar liegen die Geburtenraten in beiden Ländern auf tiefem Niveau. Doch ist Japan erfolgreicher in der Ausbildung der nächsten Generation, die nicht nur in der Kernfähigkeit Mathematik besser abschneidet, sondern zu einem weitaus größeren Teil eine Hochschulausbildung absolviert und vor allem auch in den ökonomisch relevanteren Fächern (Ingenieurwesen, Naturwissenschaften).

Technologiefeindlich statt aufgeschlossen

Hinzu kommt die zunehmende Technologiefeindlichkeit in Deutschland. Wann immer über Automatisierung und zunehmenden Einsatz von Robotern gesprochen wird, sieht es die deutsche Politik und die Medien als eine Bedrohung für unsere Arbeitsplätze. So schrieb der von mir sehr geschätzte Kollege Henrik Müller: „Die Digitalisierung mag eine tolle Sache sein für die Verbraucher und für jene Unternehmen, die die neuen Technologien zu nutzen wissen. Aber was aus all den Beschäftigten wird, deren Tätigkeiten von immer schlaueren Maschinen ersetzt werden, ist höchst unklar.“ Angesichts der auch von ihm immer wieder in Erinnerung gerufenen demografischen Entwicklung sollte er doch, wie wir alle, eine Chance in dieser Entwicklung sehen! Zuwanderung wird leider nicht die Probleme lösen, da es uns immer schwerer fallen dürfte, die für ein Hochtechnologieland erforderlichen Fachkräfte anzulocken. Diese haben schlichtweg zu viele und zu gute Alternativen zu Deutschland.

Japan ist auch hier konsequenter: „Wir wollen Roboter zu einer tragenden Säule unserer Wachstumsstrategie machen“, erklärte Abe gegenüber der Nachrichtenagentur JIJI. Er plane eine Sonderkommission für die „Roboterrevolution“, um den Umsatz der Branche auf 2,4 Billionen Yen (18,9 Milliarden Euro) zu verdreifachen und damit bedeutend größere Wachstumsimpulse auszulösen. Das ist nur konsequent für ein Land, welches bei einer schrumpfenden Gesellschaft den künftigen Wohlstand erhalten will.

Keine Rentnerkriminalität in Deutschland

Wie man sieht, gibt es keinen Grund auf Japan herabzuschauen. Wir haben nichts aus den Problemen des Landes gelernt, sondern sind drauf und dran, dieselben Fehler zu wiederholen und zusätzliche zu begehen.

Dennoch wird es bei uns in 15 Jahren keine Kriminalitätswelle der Rentner geben. Nicht weil wir es besser machen als die Japaner, wie wir gesehen haben, sondern aus anderen Gründen: Zum einen ist unsere Rechtsprechung viel toleranter und man müsste schon einige schwere Straftaten begehen, um es in das Gefängnis zu schaffen. Zum anderen ist die Vermutung sicherlich nicht falsch, dass der Aufenthalt in einer japanischen Haftanstalt, gerade auch mit Blick auf die Mitgefangenen, deutlich angenehmer ist als das Einsitzen in einem hiesigen Gefängnis. Das macht den Ausblick aber eher weniger als mehr erfreulich.

manager magazin.de: „Wir können froh sein, wenn es uns so ergeht wie den Japanern“, 4. April 2016

18 Antworten
  1. Katalin says:

    Hallo,

    die Analyse ist leider falsch, da Sie den Fokus auf die Wirtschaft legen und die Politik vernachlässigen, d.h insb. die Einführung der Eurobonds: d.h. der Rettung für die BRD

    Japan ist ein isoliertes (da Insel) von „Feinden“ umgebenes Land, das im Prinzip nie eine Demokratie nach westlichem Muster war. Es ist ein von Eliten geführtes Land, die nur auf Ihre Privilegien achten. Es lehnt Zuwanderung ab, obwohl die Geschichte der Menschheit, eine Geschichte der Wanderungen ist.

    BRD ist ein Land mit ähnlichen Problemen, aber in der Mitte eines Kontinetes. Es war, seit dem Zerfall des röm. Reiches in der Lage und ist es heute mehr als je zuvor dem ganzem Kontinent, seinen Willen, zum eingenen Vorteil, aufzuzwingen. (Hier sollte man betonen, insbesondere zum Vorteil der eigenen Eliten). Hier sind Sie Herr Dr. Stelter zu sehr auf BRD und damit Vergangenheit fokussiert. Die von den Eliten gekaufte Politik ist hier viel weiter. Trotz der 1 Mio Flüchtlinge im letzten Jahr ( mir ist kein anderes entwickeltes Land bekannt, dass in einem Jahr in den letzten 50 Jahren, soviele Menschen aufgenommen hat) war man als einziges Land in Europa nicht bereit die Grenzen zu schließen, da es der Wirschaft geschadet hatte. An diesem Beispíel zeigt sich, was Europa für BRD bedeutet.
    Ohne Europa würde BRD in der 3. Liga mitspielen.
    Durch Europa spielt es ganz oben mit.

    Da es in Europa keine nenneswerte Industrielle Konkurenz (außer Norditalien, dass wegen des Euros, genauso enden wird wie die britische – warum wohl wollte der Berlusconi raus aus dem Euro, bevor man ihn ganz schnell abgesetzt hat) hat und wegen der EU im Binnemarkt agiert ist es in der Lage auf dem Weltmarkt mit den aufstrebenden Mächten mitzuhalten.

    Fazit:
    Es gibt kein BRD mehr, leider haben das viele Leute da draußen und hier im Forum auch, noch nicht begriffen. Es gibt ein deutsch dominiertes Europa, das insbesondere den Interssen der dt. Eliten dient, durch

    1. EU Parlament (wobei jeder weiß, dass das Parlament die Länge der Bananen bestimmen kann, aber bei wirklich wichtigen Sachen nichts zu sagen hat = und alle wichtigen Gesetze in Bilateraltreffen zw. BRD und FR ausgearbeitet warden und die anderen Länder nur noch auf das abschließende Gruppenfoto mit dürfen.

    2. EZB das eine Geldpolitik nur zum Vorteil eben dieser Eliten, wie wir in der Eurokrise haben erfahren dürfen. Man rettete nur die BRD und FR Banken.

    3. Man besitzt die Technologieführerschaft in vielen Industrien und benutzt Ost- und Südeuropa als Billigteile Lieferanten und billige Arbeitskräfte und als Exportprotektorat.

    4. Warum drängt die dt. Industrie Osteuropa den Euro einzuführen.

    Da man mir das Ganze nicht glaubt, möchte ich an die Worte eines großen Politikers erinnern: Entscheidend ist was hinten rauskommt.

    Dafür sollte man sich nur die Vermögens und Einkommenssteigerungen der dt. Eliten in den letzten 15 Jahren anschauen (nicht die des einfaches dt. AN, denn er hat verloren, wurde von den Eliten benutzt um noch reicher zu werden)

    Ohne Europa und insb. des Euros, wäre die Einkommensvertielung anders ausgefallen, nämlich mehr zu Gunsten des AN.

    BRD (d.h. Europa) ist nicht Japan

    Gruß

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  2. Andreas Müller says:

    @ Daniel Stelter
    Sehr interessanter Beitrag. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie mir ein bekannter IBM-Wissenschaftler 1990 erklärt hat, dass der Nikkei nicht dauerhaft unter 40000 Punkte sinken könne, weil die japanischen Banken und Pensionsfonds das nicht zulassen könnten. Wer erinnert sich noch an die europaweite Angst der 80er Jahre vor dem wirtschaftlichen Untergang durch Japan? Die französische Premierministerin Edith Cresson und die japanischen „Ameisen“, die uns alle totarbeiten würden?
    Es ist alles ganz anders gekommen: Deutschland und Japan sind in gleicher Weise „der Gesamtheit des Lebens, insbesondere der Fortpflanzung nicht gerecht geworden, während sie mit großer Akribie technische Detailprobleme gelöst haben“. Die gemeinsame Wurzel liegt in einer Mentalität, die wiederum aus dem Stammfamiliensystem genährt wird, das beide Länder teilen.
    @ Katalin
    Richtig, die Einbettung in einen Kontinent unterscheidet Japan und Deutschland fundamental. Es ist aber kurzsichtig, das nur oder in erster Linie für einen Vorteil zu halten. Sie schreiben selbst, wie diese Einbettung Deutschland jüngst veranlasst hat, eine ungeordnete und wenig vorteilhafte Zuwanderung zu betreiben. Dazu kommt die Gefahr von Aufständen anderer Staaten gegen eine Wirtschaftspolitik, die Deutschland für die einzig mögliche hält, die anderen zunehmend aber nur für einen Tick (oder Trick) Deutschlands. Der stetige Niedergang kann auf diese Weise durch massive Einbrüche beschleunigt werden. Und Aufstände sind längst eine Notwendigkeit geworden, wenn die Völker Europas nicht in Melancholie sterben sollen.

    Antworten
    • Katalin says:

      Hallo,

      bei schrumpfender Bevölkerung und der Weigerung der Südeurop. nach dt. auszuwandern (wegen niedriger Löhne) muß die Zuwanderung nicht unbedingt ein Nachteil bedeuten.

      Aufstände in Europa wird es nicht geben, da die Schlüsselpositionen in der Poliitik, Wirschaft und Medien von Leuten besetzt sind die sehr viel verdienen, d.h. es gibt noch relative sehr viele Leute, die viel zu verlieren haben. Außerdem sind die Südeurop. Eliten durch die dt. und fr. Großkonzerne aufgekauft worden (man schaue sich nur an wem die ganzen Unternehmen in Osteuropa gehören, fast ausschließlich westeurp. Oligopolfamilien) und profitieren somit auch von dem System.
      Wenigstens in der Form, dass Sie über Kredite die Sie in heim. Ländern aufnehmen Immobilien in Westeuropa erwerben, einer der Gründe warum sie den Euro nicht aufgeben wollen.

      Antworten
  3. Andreas Müller says:

    „Aufstände in Europa wird es nicht geben, da die Schlüsselpositionen…“
    Das bietet keinen dauerhaften Schutz. Die Machtbasis schrumpft überall kontinuierlich – wie eine Eisscholle im Klimawandel. Was Sie beschreiben, ist darüberhinaus bereits heute ein Zustand von Nicht-Demokratie.
    Wie sieht es denn aus, wenn in Italien das Scheitern von Renzi offensichtlich wird? Links und rechts gibt es bereits satte Mehrheiten gegen den Euro und damit gegen Deutschland. Keinen Finger werden vernünftige Leute krumm machen, um das wankende Elitenkartell zu retten.

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    • Katalin says:

      Hallo,

      in Italien gehört das Scheitern zum Leben dazu, wie das Sparen in Deutschland. Alle, alle Regierungen in IT bis heute, sind gescheitert. Sie verkennen, die enorme Macht die einige wenige in Europa, aufgrund Ihres enormen Vermögens haben und auf die Politik ausüben.
      Was ist den aus GR Revolution geworden, ein Tsipras der die Politik von Samaras betreibt.
      Vergessen Sie nicht, jeder ist käuflich, jeder auch ich. Ich will hier nur noch einmal auf den größten Aussenminister aller Zeit, Joschka Fischer erinnern.
      Als er als Taxifahrer 5 Dm verdiente, wollte er das System vernichten, heute wo er tausende Euros für ein Vortrag bekommt, findet er das System gut.

      Die Eliten und somit das Großkapital sind gut vernetzt (d.h. wenn It scheitert, verliert das Großkapital in BRD auch, da es eng mit dem IT verflochten ist und umgekehrt) und agieren grenzüberschreitend, die Gewerkschaften und Menschen in den einzelnen Stasten der EU denken und handeln national.

      Gruß

      Antworten
      • Andreas Müller says:

        Das sind alles Argumente für Trägheit, nicht für eine Unmöglichkeit. Am Ende werden die Eliten auf das Volk schießen müssen, wenn sie retten wollen, was nicht zu retten ist. Sie werden also schlimmer sein müssen als die Eliten in der Sowjetunion und der DDR.
        Wir würden dann neu lernen, wie dankbar wir Gorbatschow und den anderen humanen Sowjets sein müssen, die 1990 ein blutiges Ende vermieden haben. Ich schließe nicht aus, dass unsere heutigen Eliten an dieser Aufgabe scheitern, hoffe aber auf rechtzeitige Einsicht. Es ist wichtig, dass sich ziviler Widerstand in verschiedenen Ecken Europas äußert – wie gestern in den Niederlanden. So wird sich eine Bevölkerung nicht gegen die andere aufhetzen lassen.
        Es ist übrigens kein Zufall, wenn dabei die liberal strukturierten Bevölkerungen in England, den Niederlanden und Dänemark vorangehen. Auch ein Grillo in Italien will anderen Ländern nicht an die Gurgel, und ich hoffe, dass auch wir Deutschen uns nicht weiter gegen andere Europäer aufhetzen lassen.Die Verluste können dabei nur größer werden.

  4. Katalin says:

    Hallo,

    Sie glauben nicht wirklich, das dieses Referendum die Politker respektieren warden. Ich erinnere hier nur an die früheren Ref., wo nachdem das Ergebnis den Eliten nicht passte, nur kurze Zeit später ein neues Ref. durchgeführt wurde.
    was die Eliten von dem Ref. in Niederlanden halten können Sie hier nachlesen.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/referendum-bedeutung-europa-wahlen-effizienz-demokratie-populismus

    Gruß

    Antworten
    • Nana Albert says:

      Hallo und danke für den Link! Diese unfassbare Arroganz, die einem da entgegenspringt, macht einen wirklich fassungslos! Diese sogenannte „Elite“ hat eine ganz klar erkennbare Agenda (hier ein Link von mir: http://www.geolitico.de/2016/04/06/migration-im-interesse-der-politik). Entscheidend ist, was hinten rauskommt: und wie auch in der dort folgenden Diskussion zu erkennen ist… viele Grüße, Nana Albert

      Antworten
    • Matthias says:

      Liebe Katalin,
      werfen Sie doch mal einen Blick nach Schweden, Frankreich, Polen oder Österreich – überall erstarken politische Bewegungen die gegen die Eliten aufbegehren. Der Glaube, dass die (reichen) Eliten diese Menschen alle kaufen können, ist illusorisch denn solche Versuche würden nur zu weiteren radikaleren Bewegungen führen.

      Auch die Alternativ-Bewegung in DE will mit den Eliten abrechnen und mittlerweile sind das viele Millionen.

      Das alles bekommen die (reichen) Eliten nicht mehr abgewendet … und falls sie anfangen auf die Menschen zu schießen, kommt ihr Untergang noch viel schneller.

      Meiner Meinung nach steht daher nicht nur das Finanzsystem sondern auch unser gesellschaftliches (Eliten)System vor dem Kollaps und ich habe den Eindruck alles wenn die Eliten das noch gar nicht so richtig begriffen haben (ob das an einer narzistischer Massenpsychose der Eliten oder anderen Faktoren liegt, weiß ich allerdings auch nicht).

      Antworten
  5. Mr. Dave says:

    Wenn man davon ausgeht, dass vermögend gleich kompetent bedeutet (ich schätze hier besteht sicher eine positive Korrelation von über 50%), zeigt dieser Report die Migrationsströme der Leistungsträger recht gut. Natürlich dabei wieder die typischen Kompetenzfestungen Australien und Kanada… Dieser Report passt jetzt nicht genau zu diesem Artikel, jedoch generell zur Problematik, die in diesem Artikel angesprochen wird.

    http://nebula.wsimg.com/6e5712bf40ffe85cc116a52402d5a7d7?AccessKeyId=70E2D0A589B97BD675FB&disposition=0&alloworigin=1

    Viel Spass beim Lesen!

    Antworten
      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Na, ich denke, es ist weder schwarz noch weiß. Kompetenz führt oft zu höherem Einkommen und Vermögen. Dies nur mit Gier und Rücksichtslosigkeit zu verbinden, halte ich für problematisch. Ich kenne viele, die mit eigener Arbeit zu einem kleinen Vermögen gekommen sind und dabei alle Steuern gezahlt haben. Ich denke, man sollte deshalb nicht wegen Panama etc. alle in einen Topf werfen. Generell gibt es eine positive Korrelation, denke auch ich. Natürlich wird es problematisch, wenn die Situation sich verfestigt, weil es Erben gibt ohne Leistung (was man auch nicht pauschal so sagen darf!!) oder weil die Bildung so schlecht ist, dass es nicht gelingt, aufzusteigen. Gerade Letzteres sehe ich aus eigener Erfahrung sehr kritisch. Gerade in Berlin muss man aus dem staatlichen System fliehen, wenn man an Bildung interessiert ist. Mit fataler Wirkung für jene, die nicht fliehen können!

  6. Dietmar Tischer says:

    >…weil die Bildung so schlecht ist, dass es nicht geling aufzusteigen. Gerade letzteres sehe ich aus eigener Erfahrung sehr kritisch. Gerade in Berlin muss man aus dem staatlichen System fliehen, wenn man an Bildung interessiert ist. Mit fataler Wirkung für jene, die nicht fliehen können!>

    Bildung – ein komplexes Thema.

    Dazu nur:

    Es gibt auch Eltern, die sich nicht im Geringsten bemühen, ihre Kinder für Bildung zu motivieren, weil sie sich mit solider Ausbildung, z. B. einer Lehre, als Absteiger erleben (arbeitslos, nicht mehr vermittelbar, zu alt etc.). Für die ist eine Ausbildung von vornherein verlorene Liebesmüh. Sie setzen für ihre Kinder von deren Jugend an aufs Sozialsystem.

    Sehr weit verbreitet ist die Auffassung, dass Bildung nichts kosten darf. Das ist fatal – und teuer Wer sich bildet, tätigt eine INVESTITION, an der man selbst mit der Anstrengung des Lernens und andere mit der des Lehrens beteiligt sind. Investitionen kosten Geld. Wenn sie mit Blick auf die Rendite vielversprechend sind, kann das nicht wenig Geld sein – und damit auch auf dem Bildungssektor nicht jedem ohne Eigenbeteiligung hohes Niveau geboten werden.

    Eigentlich eine banale Erkenntnis, aber besser nicht darüber reden, wegen ungleicher Chancen etc.

    Dass mit dem Schweigen die Chancen noch ungleicher werden – am besten auch nicht darüber reden.

    Antworten
  7. Nana Albert says:

    …das hat schon Berthold Brecht die Wand hochgetrieben (während er die Schreibarbeit und Sonstiges an Arbeit „seinen“ aufeinander folgenden Frauen überlassen hat :0)) – naja, solange die Höchstleister nicht arrogant daher kommen…jeder muss sich selbst im Spiegel anschauen (können), oder (wie weit die eigene Moral da reicht, bleibt jedem selbst überlassen: das ist übrigens auch eine Form von Freiheit!). Viele Grüße

    Antworten

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