„Der wahre Kern des Deutschland-Bashings“

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Dieser Kommentar erschien bei manager magazin online:

Nun haben wir es also offiziell: Die neue US-Regierung knöpft sich Deutschland als Handelsgegner vor. Wundern kann es nur den naivsten Beobachter also vor allem die deutsche Bundesregierung. Seit Jahren nehmen die Spannungen wegen der enormen Handelsüberschüsse zu. Während wir diese politisch und medial feiern, machen wir damit vor allem eins: Wir entziehen einer Welt, die kollektiv unter Nachfrageschwäche leidet Kaufkraft (beziehungsweise dies als Problem formuliert und nicht die Überschuldung, verbunden mit Überkapazitäten und Fehlinvestitionen). Nichts können die anderen Länder und Regionen weniger gebrauchen. Jeder kämpft für sich alleine gegen die Folgen der ökonomischen Eiszeit.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis uns die einseitige Exportfokussierung auf die Füße fallen würde. Nun ist es also so weit. Ausgehend von den USA wird der Druck auf uns, unser Wirtschaftsmodell anzupassen, immer größer. Damit rückt auch der Zeitpunkt näher, an dem wir merken werden, dass wir in einer Wohlstandsillusion leben und in Wirklichkeit unsere Exporte und damit die gute Konjunktur mit eigenem Geld bezahlt haben, das wir zu einem guten Teil abschreiben können. Platzt diese Blase nun, dürfte das Wahljahr 2017 noch spannender werden.

Argumentation wie beim Brexit

Erinnern wir uns: Als einer der ersten Politiker reiste der UKIP-Politiker Nigel Farage nach New York, um dem frisch gewählten Präsidenten zu gratulieren. Farage hatte Donald Trump schon im Wahlkampf unterstützt. Da ist es naheliegend, dass der glühende EU- und Eurogegner seinen amerikanischen Freund entsprechend zur Lage in Europa gebrieft hat. Wer wissen will, wie die Brexit-Befürworter argumentieren, dem sei vor allem ein Beitrag aus dem englischen Telegraph empfohlen. Darin wird die EU als Vehikel zur Sicherung der deutschen Dominanz in Europa charakterisiert, die dazu dient, uns einen unfairen Vorteil im Handel zu sichern. Fürchten müsse man nicht den Krieg mit uns, sondern den Handel, so die Schlussfolgerung des Autors.

Genauso argumentiert jetzt der wirtschaftspolitische Berater Trumps. Gefährlich ist dabei, dass er nicht nur den Überschuss im Handel mit den USA beklagt, sondern auch die Überschüsse mit der EU und dem Euroraum. Damit spricht er laut aus, was die anderen Länder Europas noch nicht so laut beklagen. Mit den USA im Rücken werden die Klagen zunehmen und damit die Spannungen in der EU zusätzlich angefeuert.

Die Mitschuld der Bundesregierung

Die Reaktion von Bundeskanzlerin Merkel ist vordergründig richtig. Natürlich gehört die Bundesregierung zu den Hauptkritikern der Politik der Europäischen Zentralbank und kann damit nicht beschuldigt werden, direkt auf einen schwachen Euro hinzuwirken.

Diese Argumentation dürfte dennoch nicht ziehen. Dies liegt daran, dass die Regierung auch ohne eine Änderung der Geldpolitik viel mehr für Investitionen in Deutschland hätte tun können und müssen und dass sie die Hauptverantwortung dafür trägt, dass die Eurozone ihre Krise nicht überwinden konnte und am Tropf der EZB hängt, um überhaupt noch zu existieren.

Die Politik der Europäischen Zentralbank dient schon lange nicht mehr der Realwirtschaft, sondern nur der Konkursverschleppung auf europäischer Ebene. Wir bleiben weiter auf Kurs Richtung direkte Staatsfinanzierung und Monetarisierung.

Die Ursache dafür ist, dass auch im Jahr acht der Krise, keinerlei Fortschritte bei der Lösung der Hauptprobleme der Eurozone erreicht wurden: Die Verschuldung von Staaten, privaten Haushalten und Unternehmen ist immer noch untragbar hoch und deshalb das Bankensystem bei ordentlicher Betrachtung insolvent.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer hat sich zwar teilweise deutlich verbessert, insgesamt jedoch ist sie noch von einem Niveau entfernt, auf dem eine dauerhafte Erholung möglich ist. Ohne eine Bereinigung der faulen Schulden und eine Neuordnung der Eurozone wird das nicht möglich sein.

Beidem hat sich die Bundesregierung seit Jahren verweigert. So bleibt nur die Geldpolitik. Und deshalb hat sie sehr wohl auch Schuld an tiefen Zinsen und schwachem Euro.

Schäubles „Schwarze Null“ ist nur ein Pyrrhussieg

Verschärft wird das Ganze noch durch das Festhalten an der „Schwarzen Null“ durch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Einmal abgesehen davon, dass wir diese auch nur den Nullzinsen verdanken und nicht in erster Linie den Sparanstrengungen der Politik, führt das Sparen des Staates zu einem noch größeren Handelsüberschuss.

Dazu müssen wir uns nochmals an die Grundzusammenhänge von Sparen, Investieren, Handelsüberschüssen und Kapitalexporten erinnern. Das Statistische Bundesamt vermeldet für 2015 (2016 hat sich daran nichts Wesentliches geändert, es wurde nur noch ein bisschen schlimmer) folgende Daten zum Sparverhalten der einzelnen Sektoren:

  • Finanzierungssaldo private Haushalte: 4,8 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das bedeutet, alle Haushalte zusammen haben netto im Volumen von 4,8 Prozent des BIP gespart.
  • Finanzierungssaldo Unternehmen: 3,2 Prozent vom BIP. Also ebenfalls eine Nettoersparnis.
  • Finanzierungssaldo Staat: 0,6 Prozent vom BIP die berühmte „Schwarze Null“.

Wäre Deutschland eine geschlossene Volkswirtschaft, würde massiv Nachfrage, immerhin im Volumen von 8,6 Prozent des BIP, fehlen. Wir befänden uns in einer schweren Krise.

Stattdessen haben wir einen Boom. Diesen verdanken wir dem Ausland, wohin wir unsere überschüssigen Ersparnisse von 8,6 Prozent vom BIP exportiert haben. Dies bedeutet aber zugleich, dass das Ausland im Volumen von 8,6 Prozent des deutschen BIP mehr Waren aus Deutschland kaufte als es nach Deutschland exportierte. Der Titel des Exportweltmeisters gilt folglich für Waren und für Ersparnisse gleichermaßen.

Der staatliche Überschuss erhöht den Kapitalexport, weil wir statt im Inland zu investieren unser Geld ins Ausland lenken. Der Preis dafür ist eine verfallende Infrastruktur von Straßen und Schulen und nun auch die Kritik der Welt an unseren Handelsüberschüssen.

Deutschlands schlechter Deal

Da wir seit Jahren Handelsüberschüsse aufweisen, exportieren wir auch seit Jahren Kapital in erheblichem Maße ins Ausland. Theoretisch bauen wir damit Vermögen auf, das wir zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel, wenn die Folgen des demografischen Wandels eintreten, verkaufen können, um dann unseren Lebensstandard zu erhalten.

Das Problem ist jedoch, dass wir das Geld im Ausland nicht gut investieren. Die Summe der Außenhandelsüberschüsse der letzten Jahre ist nämlich höher als der Zuwachs an Auslandsvermögen. Alleine in der Subprime-Krise von 2008 haben wir nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) rund 400 Milliarden Euro verloren, was den Handelsüberschüssen von mehreren Jahren entspricht.

In einer Welt, die sich immer mehr dem Zustand der Überschuldung nähert, ist es keine gute Idee, Gläubiger zu sein. Es geht in der Geldpolitik nur noch darum, eine Entwertung der Schulden und damit der Forderungen zu erzielen. Nur dazu dienen Bargeldverbot, Negativzins und perspektivisch Helikopter-Geld. Kommen diese Maßnahmen nicht oder zu spät, stehen Schuldenschnitte und Pleiten auf der Agenda. Egal wie es kommt, die Ersparnisse werden darunter leiden.

Zurzeit erinnert das deutsche Sparverhalten an das Eichhörnchen, welches zwar fleißig vorsorgt, aber vergisst, wo es die Ersparnisse versteckt hat.

Danke, Donald Trump!

Wir verfolgen seit Jahren eine Politik, die unseren eigentlichen Interessen zuwiderläuft: Wir verschleudern nicht nur Vermögen was auch erklärt, warum wir trotz fleißigen Sparens die Ärmsten in der Eurozone sind , wir lassen unsere Infrastruktur verfallen und machen uns in der EU und der Welt zunehmend unbeliebt.

Nirgendwo steht geschrieben, dass Arbeitsplätze nur in der Exportwirtschaft entstehen können. Auf vielen Gebieten der Binnenwirtschaft haben wir Nachholbedarf, vor allem dann, wenn wir anfangen, im eigenen Land zu investieren. Der Staat sollte hier vorangehen, aber auch die Anreize für Unternehmen deutlich erhöhen.

Statt den aufkommenden Protektionismus der USA Donald Trumps und anderer Länder zu beklagen, sollten wir ihn als willkommenen Weckruf begreifen und

  • in Deutschland mehr investieren, um die einseitige Exportorientierung zu überwinden;
  • einen Staatsfonds nach dem Muster von Norwegen oder Singapur aufbauen, um unser Auslandsvermögen endlich besser anzulegen (statt beispielsweise in Form von zinslosen und hoch ausfallgefährdeten Target2-Forderungen bei der Bundesbank);
  • die Eurozone endlich sanieren durch einen umfangreichen Schuldenschnitt und eine Neuordnung der Mitgliedsländer.

Dieser Politikwechsel ist in unserem eigenen Interesse. Es ist höchste Zeit, ihn zu vollziehen. Tun wir es nicht, dürfte das Erwachen aus unserer derzeitigen Wohlstandsillusion noch schmerzhafter werden.

manager-magazin.de: „Der wahre Kern des Deutschland-Bashings“, 1. Februar 2017

47 Antworten
  1. Felix Kurt says:

    Fragen an den Volkswirt:

    1. Welchen Einfluss auf die HB (LB, und Zahlungsbilanz) haben die SCHWANKUNGEN DER ENERGIEPREISE, vornehmlich Öl- und Gas? Insbesondere der STARKE PREISRÜCKKGANG seit 2014 dürfte doch einen nicht unerheblichen Anteil an der Veränderung des HB-Saldos haben?

    2. Einerseits beklagen Sie die HOHE VERSCHULDUNG der Unternehmen, andererseits machen Sie die ERSPARNISBILDUNG i.h.v. 3,2% des BIP als Problem aus. Wie passt das zusammen? (Netto-Verschuldung ??)

    3. Bekanntermaßen haben US-UNTERNEHMEN enorme Summen aus GEWINNEN AUS STEUERLICHEN GRÜNDEN AUßERHALB DER USA gebunkert, davon wohl das meiste im EU-Raum. Wie verzerrt das ggf. die Leistungs- und Zahlungsbilanz? Falls ja, dann sprechen wir doch über einen SWING-FAKTOR von 1,5 bis 2 Bio. US-Dollar (deutsche Billionen!).

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  2. Paul Ziegler says:

    Der enorme Anstieg der deutschen Exportüberschüsse beginnt Mitte der Neunzigerjahre, ab ca. 2002 deutlich beschleunigt. Das war nicht nur die Zeit der Euro-Einführung und Standort-Debatte, es war auch die Zeit der Rentendebatte und Einführung der Riesterrente, etc. Leider sind viele dieser Mittel zur vermeintlichen Altersvorsorge in „sichere“ Anleihen ausländischer Regierungen und Banken geflossen, insbesondere aufgrund aberwitziger Anreize für Banken und Versicherungen. Kann es nicht sein, dass das der entscheidendere Beitrag zum Ersparnisexport ist als Euro und Wechselkurse??

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  3. Oliver Kolm says:

    Ich frage mich, wen man bei uns 2017 wählen muss um so einen Politik(er)wechsel herbeizuführen? Sahra Wagenknecht, die ja auch eine Volkswirtschaftlerin ist? Warum nur ist Herr Schäuble so stur? Die Regierung hat doch sicher genügend gute Berater? Ist sie so beratungsresistent oder dominieren doch nur die Lobbyisten? Es ist schon traurig wissend die Entwicklung zu beobachten.

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    • Rob says:

      Die Regierung hat offenbar viele Juristen als Berater, und nur wenige Ökonomen. Den einen, der Schäuble ganz nahe steht (in der Hierarchie), Herrn Dr. Schuknecht, hat aber gezeigt, dass er die Probleme auch falsch begreift. Und zwar ist das in seiner Replik auf denn offenen Brief von fünf führenden Ökonomen im In- und Ausland (an Angela Merkel) dokumentiert: Nicht zuhören, sondern nur die eigenen Ansichten vertreten.

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  4. Johannes says:

    „Dieser Politikwechsel ist in unserem eigenen Interesse.“

    Ja!

    Nur welche Partei ist bereit, diesen Wechsel zu einzuleiten und zu vollziehen? Ich habe unverändert das GEFÜHL, dass der Bundesregierung (aber auch die anderen Parteien im Bundestag) das „überraschende“ Deutschland-Bashing nicht so ganz ungelegen kommt. Denn es bekräftigt die Argumentation, dass die „Vertiefung“ der europäischen Integration noch forcierter als bislang erfolgen MUSS.

    Meine Überzeugung ist inzwischen: Auf die sehr, sehr naheliegende Idee, auf die der Kolumnist kommt, wird in Berlin niemand kommen wollen.

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  5. Wolfgang Selig says:

    Eurozonensanierung und Staatsfonds nach Norwegenvorbild wird in keiner Konstellation kommen, aber ein Bundeskanzler Schulz könnte eventuell wenigstens das Thema Investitionen etwas anschieben. Ansonsten muss der Druck aus dem Ausland noch viel stärker steigen, damit sich bei uns etwas bewegt. Vermutlich bewegt sich erst etwas, wenn die USA und Großbritannien ihre Ankündigungen bzgl. Zoll u.ä. so umgesetzt haben, dass bei uns der Export spürbar einbricht.

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  6. Dietmar Tischer says:

    Der Beitrag vermischt die Dinge.

    Zu unserer Exportausrichtung:

    >Wir entziehen einer Welt, die kollektiv unter Nachfrageschwäche leidet Kaufkraft… Nichts können die anderen Länder und Regionen weniger gebrauchen. >

    Ich halte diese Aussage für grundfalsch.

    Auch auf den internationalen Waren- und Dienstleistungsmärkten ist „Angebot und Nachfrage“ die Basis ALLEN Handelns.

    Wir entziehen demnach gar nichts, sondern die ANDEREN finden unsere Angebote so attraktiv, dass sie diese erwerben. Wenn sie damit ihrem eigenen Land Kaufkraft entziehen ist das zwar die unvermeidliche Folge, es ist aber eine die SIE gewollt haben.

    Wenn die Länder das nicht gebrauchen können, dann sollen sie doch nicht unsere Waren und Dienstleistungen erwerben. Wir werden und können Sie nicht dazu zwingen, jedenfalls nicht Länder wie China oder USA.

    Das nicht zu erkennen, gehört in der Tat zur deutschen Wohlstandsillusion.

    >Ohne eine Bereinigung der faulen Schulden und eine Neuordnung der Eurozone wird das (eine dauerhafte Erholung der Krisenländer, D. T.) nicht möglich sein.>

    Das ist richtig.

    >Beidem hat sich die Bundesregierung seit Jahren verweigert.

    Auch das ist richtig, aber nicht die ganze Wahrheit.

    ALLE anderen Staaten der Eurozone haben z. B. die deutsche Position mitgetragen, die faulen Schulden Griechenlands nicht zu bereinigen. Und ALLE haben gute Gründe dafür, genauso wie Deutschland, die Bereinigung der faulen Schulden zu verhindern. So will z. B. Italien – und nicht nur Italien – nicht, dass die faulen Schulden seiner Banken bereinigt werden. Es gäbe ein DESASTER, das weit über Italien hinausreichen würde und daher keiner will.

    Dass die faulen Schulden irgendwann bereinigt werden müssen und dies zu höheren Kosten, steht auf einem anderen Blatt. Hier geht es um die EINSEITIGE Schuldzuweisung an die Bundesregierung, der widersprochen werden muss.

    Zu unserer „internen“ Wirtschaftspolitik:

    Da kann ich weitgehend zustimmen, wobei man ganz klar sehen muss, dass damit das Problem der Exportüberschüsse nicht zu lösen ist. Was geschieht, geschieht unter der Verantwortung der Regierung. Es ist aber gesamtgesellschaftlich so GEWOLLT – ich bleibe dabei. Und es wird sich durch eine andere Regierung nicht ändern. Man muss sich nur den „Möchte-gern-Kanzler der Herzen“ anhören, um zu sehen, wohin mit dem die Reise gehen würde:

    Ob in Deutschland MEHR investiert würde, ist zumindest fraglich. Eine höhere Neuverschuldung wird er gegen die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung und bei höheren Zinsen jedenfalls nicht so einfach durchsetzen können. Und wenn, dann wird das Geld für die Integration der Flüchtlinge, die Hochrüstung der Bundeswehr sowie die Sicherung der EU-Grenzen gegen Migration ausgegeben werden. Und Staatsfonds und Sanierung der Eurozone? Das kann man getrost vergessen.

    Ja, ein Politikwechsel ist in unserem Interesse.

    Ein Politikerwechsel wird ihn nicht bewirken.

    Antworten
    • Robert says:

      Spielt es für die ökonomische Beurteilung wirklich eine Rolle, ob sie gewollt oder ungewollt ihre Kaufkraft verloren haben ? Entscheidend ist doch vielmehr das sie Kaufkraft verloren haben und dieses Problem nur gemeinschaftlich gelöst werden kann. Diese Schuldzuweisungen sind so sinnlos, weil nicht zielführend.
      Sie bieten allerdings eine primitive Rechtfertigung dafür, das sich die anderen bewegen müssen und wir natürlich nicht. Wir haben ja alles richtig gemacht- der Markt funktioniert immer perfekt und das korrekte Marktergebnis ergibt sich völlig unbeeinflußbar aus Angebots – und Nachfragekurven. Schöne heile Theoriewelt.
      Ist ihnen schonmal in den Sinn gekommen das wir den Angebotspreis durch unsere Lohnmoderation nach unten manipuliert haben. Der Preis unserer Güter war gemessen an ihrer Qualität schlicht zu niedrig.

      Herr Tischer ich bitte Sie !! Das ist weit unter ihrem Ni­veau. Überlassen wir diese Polemik lieber den Kommentatoren bei Spiegel-Online.

      Wo war ihr Aufschrei als die Überschussländer EINSEITIG die Schuld auf die Defizitländer abgewälzt haben. Sie sind da für meinen geschmack etwas einseitig aufgestellt.
      Macht aber nichts, da eine Schuldzuweisung sowieso sinnfrei ist.

      Sind Sie sich sicher das unsere gesamte Gesellschaft die Überschüsse befürworten würde, wenn ihr klar wäre, was das für Konsequenzen haben kann. Speziell wenn man diese Überschüsse dauerhaft verteidigen und ständig ausbauen will und unsere Wirtschaftsstruktur das förmlich erzwingt ? Ich glaube nicht.

      MfG
      Robert

      Antworten
      • Robert says:

        Es ist etwas beim zitieren schief gelaufen. Allerdings sollte relativ klar sein auf welche Passagen in Herrn tischers text ich mich beziehe. Bis auf eine Bemerkung, die ich daher nochmal wiederhole.

        Wenn die Länder das nicht gebrauchen können, dann sollen sie doch nicht unsere Waren und Dienstleistungen erwerben. Wir werden und können Sie nicht dazu zwingen, jedenfalls nicht Länder wie China oder USA. (Zitat Tischer)

        Herr Tischer ich bitte Sie !! Das ist weit unter ihrem Ni­veau. Überlassen wir diese Polemik lieber den Kommentatoren bei Spiegel-Online. (Kommentar Robert)

    • Rob says:

      „Wir entziehen demnach gar nichts, sondern die ANDEREN finden unsere Angebote so attraktiv, dass sie diese erwerben.“

      Die übliche Leier vieler Kommentatoren, auch „offizieller“ Zeitungskommentatoren. Damit wird die Öffentlichkeit hierzulande auf die falsche Fährte gebracht. Das war 2011 schon so, als die US-Regierung die dt. Überschüsse bereits kritisierten.

      Die USA stehen als Abnehmer unserer attraktiven Erzeugnisse immer noch ganz oder fast ganz oben. Mit dem Doppeldefizit kann man aber auch eindeutig feststellen: alles auf Pump.

      Der Bevölkerung müsste bei aller Euphorie über unsere attraktive Produktpalette klar gemacht werden, dass das Risiko besteht, dass ein Teil davon verschenkt wird, und dass immer das gilt, was Böhm-Bawerk einst sagte, nämlich dass Güterströme zwischen verschiedenen Gebieten endgültig nur durch andere Güterströme wieder ausgeglichen werden können, nicht durch Geld.

      Antworten
      • Matthias says:

        US-Amerikaner sind doch die größten Shareholder deutscher Unternehmen und somit fließt ein erheblicher Teil der Gewinne wieder in die USA zurück.

        Wird der Abfluß der Devidenden in den Berechnungen mit beachtet?

      • Dietmar Tischer says:

        Was die übliche oder vermeintlich üblich Leier ist und ob die Öffentlichkeit auf eine Fährte und gegebenenfalls auf welche gebracht wird, steht hier nicht zu Debatte.

        Ich behaupte:

        Die ARGUMENTATION, mit „wir entziehen …“ ist falsch ist mit Blick auf anerkanntes Systemverhalten, wenn die anderen unsere Angebote annehmen. Nicht wir, sie – die anderen – entziehen sich selbst …

        Die Frage ist, ob ich recht habe oder Dr. Stelter.

        Darauf hätte ich gern eine Antwort.

        Ansonsten:

        Ich sehe die Problematik und streite doch nicht ab, dass es eine gibt.

        Und ich habe auch keine Probleme, den protektionistischen Druck zu verstehen, den Trump auf andere und insbesondere uns ausübt.

        Ich hänge auch nicht der Illusion an, dass es in der Auseinandersetzung auf die richtige Argumentation an-kommt. Hier am Blog und vielleicht bei den Lesern von manager magazin online ist das so, aber ansonsten kommt es darauf an, welche Interessen wie sehr verletzt werden, wenn Änderungen nicht im Konsens stattfinden, sondern erzwungen werden.

        Selbstverständlich würde ich mir wünschen, dass die Bevölkerung sich der mehrfachen, an diesem Blog immer wieder dargelegten Risiken bewusst wäre. Die Wohlstandillusion würde Ernüchterung weichen – nicht schön, aber erforderlich, weil wir mehr REALISMUS im Lande brauchen.

      • Bagehot says:

        @ Rob

        „Der Bevölkerung müsste bei aller Euphorie über unsere attraktive Produktpalette klar gemacht werden, dass das Risiko besteht, dass ein Teil davon verschenkt wird…“

        An anderer Stelle beklagen Sie, dass die Deutschen nichts „abgeben“ wollen.

        Ja, was gilt nun: Verschenken wir unseren Reichtum? Oder sind wir krankhafte Geizhälse?

        Ich sehe schon: Jedes Argument ist recht, wenn es darum geht, Deutschland auf die Anklagebank zu bringen.

  7. Nico says:

    Die Vorwürfe aus dem Ausland sind aus einem weiteren Grund berechtigt:
    Vereinfacht gesehen kann man sagen, dass sich der Außenwert des Euro aus der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Euroländer ergibt. Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sich das Instrument der „inneren Abwertung“, insbesondere die Absenkung von Löhnen, nicht funktioniert. Meine Vermutung ist, dass Löhne und Gehälter (aus gutem Grund) im Gegensatz zu Wechselkursen nicht flexibel genug sind. Außerdem reagiert das Instrument der inneren Abwertung erst, wenn die Schuldenlast schon da ist. Diese Schuldenlast wird bei Lohnsenkungen durch das schrumpfende BIP natürlich noch erdrückender und lähmt die Wirtschaft nur noch zusätzlich. -> Griechenland

    Bezogen auf Deutschland heißt ergibt sich der durchaus zutreffende Vorwurf: Deutschlands Exportwirtschaft profitiert von den schwachen Ländern, welche den Außenwert des Euros drücken, während der Außenwert für die Peripherieländer durch Deutschlands Euromitgliedschaft immer noch zu hoch ist und so einer Sanierung im Weg steht.

    Das mag nicht Deutschlands „Schuld“ sein, liegt aber in der Konstruktion des Euro begründet.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Man kann so wie Sie argumentieren, sollte aber Ihrer letzten Feststellung

      >Das mag nicht Deutschlands „Schuld“ sein, liegt aber in der Konstruktion des Euro begründet.>

      hinzufügen:

      Da aber die Konstruktion AUCH durch Deutschland geschaffen wurde, ist die „Schuld“ AUCH Deutschlands Schuld (wie AUCH die Schuld aller anderen Nationen, die in der Währungsunion sind, da auch sie für das Konstrukt Euro verantwortlich sind).

      Wir sind IMMER dabei, wenn es um den Euro geht, aber wir sind es NICHT allein.

      Auf diesen kleinen, feinen Unterschied lege ich schon Wert.

      Antworten
      • Rob says:

        Keynes hatte früh erkannt, dass wirtschaftlich starke Staaten mit der Zeit zwangsläufig stärker werden,und es deshalb einen kompensierenden Mechanismus bedarf:der Bancor-Plan.
        Dass der Plan nicht umgesetzt wurde, liegt daran, dass der stärkste Staat damals (USA) nicht bereit war, abzugeben.
        Heute befindet Deutschland sich in dieser Position. Daher trifft Deutschland für die entstandene Situation sehr wohl Schuld. Auch wenn alle Eurozonenstaaten gemeinsam den Euro eingeführt haben.

  8. Ondoron says:

    Deutschland raus aus dem €, und schon löst sich das Problem von selbst. Und die Deutschen werden zukünftig ihren Wohlstand nicht mehr verschenken.
    Ist natürlich blöde, wenn man ideologisiert ein „politisches Projekt“ verfolgt, „koste es, was es wolle“ – und wenn es zum völlig Kollaps und nächsten Jahrhundertkatastrophe führt. Das gerade vollendet werdende Projekt führt in die EUSSR; der linke, kollektivistische Totalitarismus, der auch von der CDU vorangetrieben wird in blindem ideologischen Eifer, ist nicht mehr aufzuhalten.

    Antworten
  9. Travelbum says:

    Für „Raus aus dem Euro“ ist es schon längst zu spät. Welcher Politiker soll sich denn hinstellen und die am nächsten Tag erforderlichen Abschreibungen/Verluste verkünden? ESM, Target & Co. lassen grüßen.
    Ganz abgesehen davon: Seit der Krise 2008 fanden zwei mal Bundestagswahlen statt: 2009 und 2013. Der Bürger als sog. Souverän hat ausdrücklich den aktuellen Kurs gewählt und bestätigt. Soll die Politik sich etwa dem Willen des Wählers entgegenstellen?
    Tja. So sieht er aus, der Unterschied zwischen Blog und Realitäten.

    Antworten
  10. Dietmar Tischer says:

    @ Robert

    Schön, dass Sie um mein Niveau besorgt sind.

    Lieber wäre es mir, wenn Sie mir diese Logik erklären könnten:

    Wir bieten anderen an, was sie haben wollen und die kaufen wie verrückt und bezahlen freiwillig verdammt gut dafür – kurzum, wir machen es denen so recht, wie es nur geht, ohne sie zu nötigen, das zu tun, was sie tun.

    Und dann nehmen sie uns das übel, weil sie die Konsequenz ihres EIGENEN Verhaltens nicht gebrauchen können – nämlich den Entzug von Kaufkraft.

    Ich sehe natürlich auch, dass unsere Handelsüberschüsse ein Problem sind.

    Deshalb kann man aber nicht so argumentieren!

    Oder werfen Sie den Verkäufern, denen Sie beim Powershopping die Scheine über den Ladentisch geschoben haben, vorwurfsvoll vor, dass es Ihnen nicht passt, durch ihre Verkäufe nicht genügend Geld im Portemonnaie zu haben für weitere Käufe ?

    Sie sagen es nicht, weil Sie sich lächerlich machen würden.

    LOGISCH wäre, wenn die anderen uns sagten:

    Entweder Ihr kauft von uns genauso viel wie wir von Euch – ob ihr unsere Waren gebrauchen könnt oder nicht, interessiert uns nicht – oder wir kaufen nicht mehr so viel von Euch (und setzen dies durch hinreichend hohe Importzölle durch à la Trump)

    Oder:

    Wir kaufen weiter so viel wie bisher, aber ihr müsst die Preise so weit senken, dass die Handelsbilanz in etwa ausgeglichen ist (und selbstverständlich müsst ihr weiter so viel wie bisher von uns importieren; wenn dies aufgrund der zu geringen Preise nicht anders möglich ist, müsst ihr Euch eben verschulden).

    Klar, dass sich keine Regierung darauf einlassen kann, weil sie dann ihrer Bevölkerung, soweit sie Importe kauft, anhalten müsste, NICHT ihren Präferenzen zu folgen. Gleiches gilt für unsere Regierung und unsere Bevölkerung.

    >Sind Sie sich sicher das unsere gesamte Gesellschaft die Überschüsse befürworten würde, wenn ihr klar wäre, was das für Konsequenzen haben kann.>

    Ich bin nur sicher, dass nicht unsere GESAMTE Bevölkerung die Überschüsse befürworten würde.

    Ich vermute aber, dass ein erheblicher Teil derer, die sie nicht befürworten würde, ohne Rücksicht auf die Überschüsse (weiter) nach INDIVIDUELEN Präferenzen kaufen würde. Wissen determiniert nicht Tun. Das ist nicht erst seit gestern bekannt.

    >Wo war ihr Aufschrei als die Überschussländer EINSEITIG die Schuld auf die Defizitländer abgewälzt haben.>

    Ich habe nicht aufgeschrien, aber immer eine dezidierte Meinung dazu gehabt, nämlich die folgende:

    Nachdem die Eurozone etabliert war, hat die Peripherie sich selbst in Schwierigkeiten gebracht, d. h. sie ist im Wesentlichen für ihre Schwierigkeiten, insbesondere Inflationierung und Verschuldung UR-SÄCHLICH selbst verantwortlich. Wir haben Sie dazu nicht gezwungen. Aber wir waren BETEILIGT. Daher ist es nur richtig, dass wir jetzt auch die KONSEQUENZEN mittragen müssen, d. h. solange die Eurozone bestehen bleiben SOLL, haben wir unseren Beitrag zum Bestehen zu leisten. Beispielsweise müssen wir die EZB-Geldpolitik ertragen, ob das unseren Geldsparern gefällt oder nicht. Auch um die Target-Salden kommen wir offensichtlich nicht herum, etc., etc. Anderes ist Verhandlungssache.

    >Ist ihnen schonmal in den Sinn gekommen das wir den Angebotspreis durch unsere Lohnmoderation nach unten manipuliert haben.>

    Nein, denn das ist Unsinn.

    Wir liegen traditionell weit oben bei den Arbeitskosten. Die Tarifpartner in den Exportindustrien waren daher vernünftig genug, mit Blick auf die Verlagerung von Arbeitsplätzen in andere Länder (Globalisierung), die Löhne und Gehälter zeitweise real nicht zunehmen zu lassen und dann, wenn man sie zulegen ließ, sie nicht zu weit nach oben zu treiben.

    Das ist etwas anderes als nach UNTEN (zu manipulieren).

    Antworten
  11. Bagehot says:

    Lieber Herr Stelter,

    zu den alarmistischen Einschätzungen, die sie im Beitrag für Manager Magazin Online äußern, habe ich mich an anderer Stelle in diesem Blog geäußert. Das möchte ich jetzt nicht wiederholen.

    Stattdessen würde ich gerne etwas sagen zu Ihren zum Teil recht kuriosen Lösungsvorschlägen. Sie fordern unter anderem:

    „einen Staatsfonds nach dem Muster von Norwegen oder Singapur aufbauen, um unser Auslandsvermögen endlich besser anzulegen (statt beispielsweise in Form von zinslosen und hoch ausfallgefährdeten Target2-Forderungen bei der Bundesbank)“

    Dazu einige Anmerkungen:

    1. Die Target2-Salden der Bundesbank betreffen Forderungen innerhalb des Eurosystems. Sie haben mit dem deutschen Auslandsvermögen nichts zu tun. Die Target2-Forderungen gehen laut der Systematik der Bundesbank nicht in die Berechnung des ausländischen Brutto-Anlagevermögens deutscher Banken, Unternehmen und Privathaushalte ein.

    2. Anders als Sie in Ihrem Beitrag mutmaßen, hat sich das deutsche Auslandsvermögen in den vergangenen Jahren stetig entwickelt – und zwar brutto wie netto. Einzige Ausnahme war die Finanzkrise 2008/09.

    3. Der staatliche norwegische Pensionsfonds, auf den Sie als Vorbild für eine entsprechende deutsche Organisation verweisen, speist sich aus den Deviseneinnahmen aus der Förderung von Öl und Erdgas in der Nordsee. Die Förderung wird vor allem von der staatlichen Statoil betreiben, die den Förderzins beim Staat abliefern muss.

    Der Staatsfonds wurde gegründet, um zwei Probleme zu lösen.
    a) Die Nordsee-Förderung läuft bald aus. Die Einnahmen aus den Ölexporten sollen aber auch noch künftigen Generationen zu Gute kommen.
    b) Hätte der Staat die enormen Devisenerlöse unmittelbar ausgegeben, hätte er damit vermutlich eine flottierende Inflation in Norwegen ausgelöst. So ist es jedenfalls den Holländern widerfahren, die ebenfalls riesige Ölvorkommen in der Nordsee ausbeuten. Das Phänomen ist seither als „Dutch Disease“ bekannt.

    Eine Problemlage wie in den Niederlanden oder Norwegen besteht bei uns definitiv nicht.

    4. Wo sollen denn die Mittel herkommen, mit denen der deutsche Staatsfonds zu finanzieren wäre? Beim deutschen Auslandsvermögen handelt es sich weitestgehend um PRIVATES Vermögen. Soll, darf, kann der Staat dieses Vermögen einfach beschlagnahmen? Soll, darf, kann der Staat einfach die Deviseneinnahmen kassieren, die die deutschen Unternehmen im Ausland kassieren?

    5. Das deutsche Auslandsvermögen besteht ja nicht nur aus Wertpapieren, Krediten und anderen Finanzwerten. Ein wesentlicher Teil entfällt auf Direktinvestitionen, also Fabriken, Forschungslabors, Vertriebsnetze und Firmenbeteiligungen deutscher Unternehmen. Sollen die etwa auch an den Staatsfonds übertagen werden? Das wäre ja nun völlig absurd!

    6. Zum deutschen Auslandsvermögen gerechnet werden auch die Assets von hierzulande ansässigen Firmen, die sich wiederum in Besitz von ausländischen Unternehmen befinden. Hierzu gehören beispielsweise Fabriken der Autohersteller Ford und Opel im europäischen Ausland (Belgien, Polen, Spanien etc.) Sollen diese Vermögenswerte ebenfalls an den Staatsfonds übertragen werden, den Sie vorschlagen? Haben Sie schon mal Donald Trump gefragt, was er davon hält?

    7. Glauben Sie im Ernst, dass ein Staatsfonds das deutsche Auslandsvermögen besser verwalten kann als private Unternehmen und Haushalte? BEAMTE, die nie ihre Amtsstuben verlassen haben, wissen besser, wie Assets sicher und werterhaltend investiert werden als UNTERNEHMER, die die Verhältnisse vor Ort im Zweifel besser kennen?

    8. Gerade Deutschland zeigt, dass staatliche Finanzinstitute mit dem Engagement im Ausland völlig überfordert sind. Im Zuge der amerikanischen Finanz- und Immobilienkrise gerieten die deutschen Landesbanken reihenweise ins Taumeln. Die Bayern LB benötigte eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro, bei der Stuttgarter Landesbank mussten die Eigentümer fünf Milliarden einschießen. Die West LB musste aufgespalten, abgewickelt und verkauft werden.

    Aller Erfahrung nach wird Ihr Staatsfonds es nicht besser machen als die Amateure bei den öffentlich-rechtlichen Banken.

    9. Es geht um immense Vermögenswerte. Das Brutto-Auslandsvermögen der Deutschen beträgt roundabout neun Billionen Euro. Das ist mehr als zehn Mal so viel wie die Vermögenswerte, die der norwegische Pensionsfonds kontrolliert. Die Norweger aber halten rund zwei Prozent der Aktien in Deutschland und anderen westlichen Ländern.

    Hochgerechnet würde Ihr Staatsfonds rund 20 Prozent aller europäischen Aktien besitzen. Damit wäre der Fonds die größte Finanzmacht in Europa, wenn nicht der Welt. Mit einem Anteil von 20 Prozent hätte der Staatsfonds bei sehr vielen europäischen Börsenkonzernen die Mehrheit auf den Hauptversammlungen. Glauben Sie im Ernst, dass dies akzeptabel wäre für die anderen Europäer, für die EU und für die USA?

    Antworten
    • Rob says:

      „So ist es jedenfalls den Holländern widerfahren, die ebenfalls riesige Ölvorkommen in der Nordsee ausbeuten. Das Phänomen ist seither als „Dutch Disease“ bekannt.“

      Vorweg: es gibt keine riesigen Ölvorkommen im NL-Teil der Nordsee. Wohl gab es früher die Entdeckung riesiger Gasvorkommen. Darauf bezieht sich wohl dieser Dutch Disease.

      Ich nehme diesen Punkt 3 dankbar zum Anlass, darüber nach zu denken. Nämlich über die Dynamik, die entsteht, wenn etwa Rohstoffvorkommen (die nur minimale Arbeitsressourcen beanspruchen) auf einmal in den Export dazukommen – in Abhängigkeit von der Verwendung der Erlöse.

      Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Sehr geehrter Bagehot,

      vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare. Auch für diesen. Es ist nicht erforderlich, dass wir einer Meinung sind. Hier meine Anmerkungen zu Ihrem Kommentar:

      1,„Die Target2-Salden der Bundesbank betreffen Forderungen innerhalb des Eurosystems. Sie haben mit dem deutschen Auslandsvermögen nichts zu tun. Die Target2-Forderungen gehen laut der Systematik der Bundesbank nicht in die Berechnung des ausländischen Brutto-Anlagevermögens deutscher Banken, Unternehmen und Privathaushalte ein.“ – bto: Nachdem selbst Mario Draghi im Falle des – seiner Meinung nach unwahrscheinlichen – Austretens eines Mitgliedslandes zunächst eine Begleichung der Target II Forderungen erwartet (völlig illusorisch) ist es wohl doch eine Vermögensposition. So wie andere Aktivposten, wie z. B Gold. Link: http://www.reuters.com/article/us-ecb-eurozone-idUSKBN1542KL Es wäre gut, wenn die Buba statt Target II Gold hätte oder meinetwegen Aktien.
      2. „Anders als Sie in Ihrem Beitrag mutmaßen, hat sich das deutsche Auslandsvermögen in den vergangenen Jahren stetig entwickelt – und zwar brutto wie netto. Einzige Ausnahme war die Finanzkrise 2008/09.“ – bto: das hätten Sie 2007 auch schreiben können! Die Verluste sind noch nicht realisiert!
      3. „Der staatliche norwegische Pensionsfonds, auf den Sie als Vorbild für eine entsprechende deutsche Organisation verweisen, speist sich aus den Deviseneinnahmen aus der Förderung von Öl und Erdgas in der Nordsee. Die Förderung wird vor allem von der staatlichen Statoil betreiben, die den Förderzins beim Staat abliefern muss.“ – bto: ja, und? Die SNB ist quasi der SWF der Schweiz und die haben kein Öl.
      „Der Staatsfonds wurde gegründet, um zwei Probleme zu lösen.
      a) Die Nordsee-Förderung läuft bald aus. Die Einnahmen aus den Ölexporten sollen aber auch noch künftigen Generationen zu Gute kommen.
      b) Hätte der Staat die enormen Devisenerlöse unmittelbar ausgegeben, hätte er damit vermutlich eine flottierende Inflation in Norwegen ausgelöst. So ist es jedenfalls den Holländern widerfahren, die ebenfalls riesige Ölvorkommen in der Nordsee ausbeuten. Das Phänomen ist seither als „Dutch Disease“ bekannt.
      Eine Problemlage wie in den Niederlanden oder Norwegen besteht bei uns definitiv nicht.“ – bto: das stimmt, aber wir müssen auch Auslandsvermögen anlegen und machen das sehr schlecht.
      4. „Wo sollen denn die Mittel herkommen, mit denen der deutsche Staatsfonds zu finanzieren wäre? Beim deutschen Auslandsvermögen handelt es sich weitestgehend um PRIVATES Vermögen. Soll, darf, kann der Staat dieses Vermögen einfach beschlagnahmen? Soll, darf, kann der Staat einfach die Deviseneinnahmen kassieren, die die deutschen Unternehmen im Ausland kassieren?“ – bto: nein. Die Idee stammt ja auch nicht von mir, sondern von Daniel Gros und Thomas Mayer. Sie sehen darin auch eine Lösung für die Probleme des Euroraumes:
      Link: https://www.ft.com/content/05b1a044-ed2f-11e1-83d1-00144feab49a
      Link: http://www.dbresearch.it/PROD/DBR_INTERNET_EN-PROD/PROD0000000000293402/A+Sovereign+Wealth+Fund+to+Lift+Germany’s+Curse+of+Excess+Savings.pdf
      5. „Das deutsche Auslandsvermögen besteht ja nicht nur aus Wertpapieren, Krediten und anderen Finanzwerten. Ein wesentlicher Teil entfällt auf Direktinvestitionen, also Fabriken, Forschungslabors, Vertriebsnetze und Firmenbeteiligungen deutscher Unternehmen. Sollen die etwa auch an den Staatsfonds übertagen werden? Das wäre ja nun völlig absurd!“ – bto: natürlich ist das nicht gewollt. Mir wäre es zwar lieber, die Firmen würden in D investieren. Und ich will auch nur einen Teil so anlegen. UND: es war ein Nebenaspekt in meinem Artikel. Es geht mir darum unseren Überschuss zu reduzieren.
      6. „Zum deutschen Auslandsvermögen gerechnet werden auch die Assets von hierzulande ansässigen Firmen, die sich wiederum in Besitz von ausländischen Unternehmen befinden. Hierzu gehören beispielsweise Fabriken der Autohersteller Ford und Opel im europäischen Ausland (Belgien, Polen, Spanien etc.) Sollen diese Vermögenswerte ebenfalls an den Staatsfonds übertragen werden, den Sie vorschlagen? Haben Sie schon mal Donald Trump gefragt, was er davon hält?“ – bto: wo, bitte, habe ich geschrieben, dass Vermögenswerte auf einen Staatsfonds übertragen werden sollen?
      7. „Glauben Sie im Ernst, dass ein Staatsfonds das deutsche Auslandsvermögen besser verwalten kann als private Unternehmen und Haushalte? BEAMTE, die nie ihre Amtsstuben verlassen haben, wissen besser, wie Assets sicher und werterhaltend investiert werden als UNTERNEHMER, die die Verhältnisse vor Ort im Zweifel besser kennen?“ – bto: auch das ist s/w. Nein, ich glaube das nicht. Ich finde aber, dass die Fonds aus Norwegen, Singapur und letztlich auch die SNB keinen schlechten Job machen.
      8. „Gerade Deutschland zeigt, dass staatliche Finanzinstitute mit dem Engagement im Ausland völlig überfordert sind. Im Zuge der amerikanischen Finanz- und Immobilienkrise gerieten die deutschen Landesbanken reihenweise ins Taumeln. Die Bayern LB benötigte eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro, bei der Stuttgarter Landesbank mussten die Eigentümer fünf Milliarden einschießen. Die West LB musste aufgespalten, abgewickelt und verkauft werden.
      Aller Erfahrung nach wird Ihr Staatsfonds es nicht besser machen als die Amateure bei den öffentlich-rechtlichen Banken.“ – bto: wie gesagt, andere Länder können es.
      9. „Es geht um immense Vermögenswerte. Das Brutto-Auslandsvermögen der Deutschen beträgt roundabout neun Billionen Euro. Das ist mehr als zehn Mal so viel wie die Vermögenswerte, die der norwegische Pensionsfonds kontrolliert. Die Norweger aber halten rund zwei Prozent der Aktien in Deutschland und anderen westlichen Ländern.
      Hochgerechnet würde Ihr Staatsfonds rund 20 Prozent aller europäischen Aktien besitzen. Damit wäre der Fonds die größte Finanzmacht in Europa, wenn nicht der Welt. Mit einem Anteil von 20 Prozent hätte der Staatsfonds bei sehr vielen europäischen Börsenkonzernen die Mehrheit auf den Hauptversammlungen. Glauben Sie im Ernst, dass dies akzeptabel wäre für die anderen Europäer, für die EU und für die USA?“ – bto: nein, die bevorzugen es weiterhin das dumme Deutsche Geld für ihre windigen Geschäfte zu nutzen.

      Fazit: es war ein Aspekt in dem Artikel, es ist eine Idee die von seriösen Ökonomen propagiert wird, es funktioniert bei anderen.

      LG

      DSt

      Antworten
      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Nachtrag: der Ökonom Schnabel schreibt bei Focus.de: „Im Ergebnis ist die Rückzahlung eines beträchtlichen Teils der Auslandsverschuldung obsolet geworden. Während sich die Leistungsbilanzdefizite (also Nettokapitalimporte) der USA seit 1980 auf 10.806 Milliarden Dollar akkumuliert haben, liegen die Nettoauslandsverbindlichkeiten heute ca. 3000 Milliarden Dollar niedriger. Charles de Gaulle hatte schon in den 1960er Jahren dieses Phänomen als „exorbitantes Privileg“ beklagt. Ronald McKinnon sprach von einer „quasi-unbegrenzten Kreditlinie“, die der internationalen Rolle des Dollar zu verdanken sei.
        Aus 2,6 Billionen wurden 1,6 Billionen Euro
        Deutschland hat sein Nettoauslandsvermögen leider nicht sehr gut angelegt. Während seit der Jahrtausendwende die kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse auf 2600 Milliarden Dollar angestiegen sind, werden in der Nettoauslandsvermögensposition noch ca. 1600 Milliarden Euro ausgewiesen. Ein großer Teil dieser im Ausland angelegten Ersparnisse wurde im Verlauf des US-Hypothekenmarktbooms verkonsumiert und in der Krise entwertet. (Ähnliches hat sich in Südeuropa zugetragen.) Die Verluste erreichen mit ca. 1000 Milliarden Euro fast die Kosten der deutschen Wiedervereinigung. Das sind keine Peanuts!
        Mit anderen Worten: die USA beuten über die Leistungsbilanzungleichgewichte ihre Handelspartner aus, nicht umgekehrt! Neben Deutschland sind Japan und China die großen Zahlmeister. Donald Trump wäre irre, wenn er dieses Privileg durch eine ausgeglichene Leistungsbilanz aus der Hand geben würde.“ Soviel zum Thema wir würden so tolles Vermögen aufbauen!
        http://www.focus.de/finanzen/experten/oekonomenblog/kritik-an-exportstaerke-trump-liegt-falsch-die-usa-beuten-deutschland-aus-nicht-umgekehrt_id_6597805.html

      • Bagehot says:

        @ Stelter

        Lieber Herr Stelter,

        ich finde es etwas kurios, die Kapitalexporte über die Jahre zusammenzuzählen und dann festzustellen, dass die Summe erheblich größer ist als das aktuelle Nettovermögen im Ausland.

        Viele Vermögenswerte unterliegen, allgemein gesprochen, einem Verschleiß, der durch immer neue Investitionen aufgefangen werden muss.

        Die deutsche Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten zahllose Fabriken im Ausland hochgezogen. Maschinen und Anlagen sind aber nun mal binnen 10, 20 oder 30 Jahren verschlissen und müssen über diesen Zeitraum hinweg abgeschrieben werden.

        Ähnliches gilt für Immobilien. Wenn auch nur der Werterhalt gesichert werden soll, müssen die Eigentümer laufend in Instandhaltung und Modernisierung investieren. Sonst haben sie irgendwann nur noch einen Schutthufen.

        Und dann gibt es krasse Fehlinvestitionen – siehe die Stahlwerke von ThyssenKrupp in Brasilien und den USA.

        Ein Gutteil der Kapitalexporte ist in den vergangenen Jahren in die Übernahme ausländischer Firmen geflossen – von RWE bis Telekom. Aktuell will Bayer für 60 Milliarden Monsanto übernehmen. In diesen enormen Kaufpreisen steckt sehr viel Goodwill, der später abgeschrieben werden muss.

        All das ist keineswegs typisch für Auslandsinvestitionen. Auch im Inland werden regelmäßig Abschreibungen erforderlich.

        Nehmen Sie ein x-beliebiges Unternehmen, addieren die ausgewiesenen Investitionen über die Jahre und vergleichen Sie die Summe mit dem aktuellen Vermögen dieser Firma!

      • Felix Kurt says:

        Bundesbank-Statisik:
        Kumulierter Leistungsbilanz-Saldo von Jan-2000 bis Nov-2016 = 2225,9 Mrd. Euro. Kumulierter Kapitalbilanz-Saldo (Zunahme/Abnahme an Nettoauslandsvermögen, gemäß Def. BuBa) über den gleichen Zeitraum = 2076,2. Also hat das Netto-Auslandsvermögen über die letzten 17 Jahre um 149,7 Mrd. Euro weniger zugenommen als der LB-Überschuss. Da ist doch zumindestens nicht viel schief gelaufen!

      • Felix Kurt says:

        Nachtrag: Wieder BuBa-Statistik:

        Der Auslandsvermögensstatus (AVS = „Finanzielles Nettovermögen ggü. dem Ausland“) in der Bestandsstatistik wird wie folgt ausgewiesen:
        AVS per Apr-2000 = 13 Mrd. Euro,
        AVS per Jul-2016 = 1,586 Bio. Euro.

        Bis auf die Jahre nach dem Platzen der Dot-Com-Blase (2001ff., auch Dollarrückgang) und im Zuge der Finanzkrise 2007 und 2008 (hier aber weniger starke Rückgänge als zuvor! Und wieder Dollarrückgang) war der Anstieg stetig.

  12. Rob says:

    Ich fand ein nettes Interview des Spiegels aus 1969 mit Prof. Giersch, aus der Zeit, als D eine 4%-ige Exportsteuer statt Währungsaufwertung umsetzte. Auch damals gab es wohl Ökonomenaufrufe, wie wir sie nach der Krise 2010 auch erlebten.

    Ich zitiere:

    GIERSCH: Eine Unterbewertung der Mark, wie sie sich mit der Rezession herausgebildet hat und wie sie spätestens Mitte 1968 für ein geschultes Auge ohne Sehfehler zu erkennen war bedeutet, daß die Bundesrepublik volkswirtschaftliche Produktivkräfte verschenkt: Gemessen an den Importpreisen, geben wir unsere Erzeugnisse zu billig an das Ausland ab; deshalb reißt man uns die Ware aus der Hand …

    Das ist etwas anderes als „die ANDEREN finden unsere Angebote so attraktiv“ …

    Weiter sagt Giersch: So gesehen, halte ich alle Argumente gegen eine Aufwertung für Reflexe von Gruppeninteressen, …

    Ich schließe ab mit einer ganz deutlichen Kritik an die damalige Bundesregierung. Das sollte man heute ganz besonders zur Kenntnis nehmen!

    SPIEGEL: Sind Sie, Herr Professor Giersch, wirklich der Meinung, daß in der wichtigen Frage der Aufwertung die Bundesregierung Gruppeninteressen stärker berücksichtigt hat als das Gesamtwohl?
    GIERSCH: Es ist mir unverständlich, wie man unentwegt für soziale Marktwirtschaft und für Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand eintreten kann und gleichzeitig eine Wechselkurspolitik betreibt, die ziemlich einseitig die Unternehmer und Kapitaleigner begünstigt. Das ist nicht soziale Symmetrie, sondern soziale Gaukelei.

    Antworten
  13. Rob says:

    Ich fand ein nettes Interview des Spiegels aus 1969 mit Prof. Giersch, aus der Zeit, als D eine 4%-ige Exportsteuer statt Währungsaufwertung umsetzte. Auch damals gab es wohl Ökonomenaufrufe, wie wir sie nach der Krise 2010 auch erlebten.

    Ich zitiere:

    GIERSCH: Eine Unterbewertung der Mark, wie sie sich mit der Rezession herausgebildet hat und wie sie spätestens Mitte 1968 für ein geschultes Auge ohne Sehfehler zu erkennen war bedeutet, daß die Bundesrepublik volkswirtschaftliche Produktivkräfte verschenkt: Gemessen an den Importpreisen, geben wir unsere Erzeugnisse zu billig an das Ausland ab; deshalb reißt man uns die Ware aus der Hand …

    Das ist etwas anderes als „die ANDEREN finden unsere Angebote so attraktiv“ …

    Weiter sagt Giersch: So gesehen, halte ich alle Argumente gegen eine Aufwertung für Reflexe von Gruppeninteressen, …

    Ich schließe ab mit einer ganz deutlichen Kritik an die damalige Bundesregierung. Das sollte man heute ganz besonders zur Kenntnis nehmen!

    SPIEGEL: Sind Sie, Herr Professor Giersch, wirklich der Meinung, daß in der wichtigen Frage der Aufwertung die Bundesregierung Gruppeninteressen stärker berücksichtigt hat als das Gesamtwohl?
    GIERSCH: Es ist mir unverständlich, wie man unentwegt für soziale Marktwirtschaft und für Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand eintreten kann und gleichzeitig eine Wechselkurspolitik betreibt, die ziemlich einseitig die Unternehmer und Kapitaleigner begünstigt. Das ist nicht soziale Symmetrie, sondern soziale Gaukelei.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45702242.html

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Das ist etwas anderes als „die ANDEREN finden unsere Angebote so attraktiv“ …>

      Das ist es und zwar deshalb, weil es ein anderes Thema ist.

      Abgesehen davon, dass ich nichts gegen eine Aufwertung der DM damals gehabt hätte und prinzipiell nichts habe gegen eine Aufwertung des Euro, die wir in Maßen sicher verkraften könnten, andere in der Eurozone aber vielleicht nicht:

      Giersch widerspricht nicht meiner Auffassung.

      Was er neben anderem implizit sagt:

      Würden wir aufwerten, fänden die Anderen unsere Angebote weniger attraktiv.

      Das ist natürlich richtig.

      Es wären aber immer noch die ANDEREN und nicht wir, die unsere Produkte – ob mehr oder weniger –kaufen.

      Antworten
    • Rob says:

      Zur Klarstellung: Es geht für heute nicht analog um eine Aufwertung des Euro, sondern nur um eine Anpassungsinflation in D. Das ist auch seitdem ich mich mit dem Thema befasse auch immer meine Auffassung gewesen. Aus Sicht der USA wiederum ist es natürlich ziemlich egal, ob der Euro aufwertet, oder eine Anpassungsinflation in D stattfände.

      Diese Differenzierung erscheint mir notwendig, weil SIe ja davon sprechen, dass andere in der Eurozone eine Aufwertung eher weniger verkraften würden.

      Antworten
    • Bagehot says:

      In sen 1960er Jahren gab es ein völlig anderes Währugnssystem als heute. Die Währungen. Es herrschten fixe Wechselkurse. Der US-Dollar war an das Gold gekoppelt, die übrigen westlichen Länder koppelten ihre Währungen wiederum an den Dollar.

      Die Bundesregierung konnte also damit beschließen, dass die D-Mark aufgewertet würde, also der Kurs zum Dollar von 4,00 auf 3,66 gesenkt werden sollte.

      Heute haben wir aber flexible Wechselkurse. Der Euro-Kurs in Dollar wird von keiner Regierung festgesetzt, sondern bildet sich auf dem Markt. Die EZB kann allenfalls versuchen, mit ihrer Geldpolitik die Kurse zu beeinflussen.

      Es ist deshalb völlig unsinnig, die Kritik von Giersch auf die heutige Bundesregierung zu übertragen.

      Im übrigen hat die Regierung nie versucht, den Euro aufzuweichen. Sie hat (stillschweigend) stets die Bundesbank unterstützt, die sich ja gegen die lockere Geldpolitik der EZB wehrt.

      Ferner hat auch die Federal Reserve in den vergangenen Jahren sehr viel dafür getan, den Kurs des Dollar zu drücken.

      Auch diesen beiden gründen ist die Kritik an der Bundesregierung völlig verfehlt.

      Antworten
    • Rob says:

      Sie haben ja recht, dass die Bundesregierung heute natürlich nicht den eigenen Wechselkurs beeinflusst (angenommen, DM wäre noch da). Dafür ist dann die unabhängige Bundesbank zustandig (z.B. Verzerrung durch Devisengeschäfte). Vom Euro brauche ich gar nicht zu reden.

      Worum es geht ist lediglich: die Bundesregierung (oder auch Politiker) widersprechen in den letzten Jahren kategorisch die Kritik von außen, allen voran den USA. Die Bundesregierung müsste sich eingestehen, dass die Kritik berechtigt ist. Die Gedanken von Giersch sind somit sehr wohl zutreffend. Im Interview kommt auch der Begriff „stur“ vor. Kommt uns das heute nicht bekannt vor?

      Antworten
  14. Bagehot says:

    @ Rob

    „Es geht für heute nicht analog um eine Aufwertung des Euro, sondern nur um eine Anpassungsinflation in D“

    Eine Anpassungsinflation spielt nur eine Rolle bei einem System FESTER Wechselkurse. Wir haben heute aber, wie oben erwähnt, FLEXIBLE Wechselkurse.

    Im übrigen wird eine Währung durch mehr Inflation im Allgemeinen nicht gestärkt, sondern geschwächt. Sind Sie sicher, dass Sie wissen, wovon Sie reden?

    Antworten
    • Rob says:

      Ob ich mir sicher bin? ich meine ja, aber ich lasse mich gerne korrigieren, wenn ich falsch liege.

      Wir sind uns wahrscheinlich einig darüber, dass für das Preisniveau von Waren aus Sicht des Auslandes das Mittel einer Währungsaufwertung eine vergleichbare Wirkung als eine inländische Inflation zeitigt (wenn der Preis für das Ausland steigen soll).

      Ich vermute, dass Sie meinen, dass eine Inflation quasi automatisch eine Währungsanpassung zur Folge hätte, und dessen Wirkung dann neutralisiert wird. Künstliche Währungsstützungen außen vor gelassen.
      Aber eine Anpassungsinflation in nur einigen Staaten (allen voran D, NL) in der Eurozone hat sehr wohl eine Wirkung, unabhängig von Kursänderungen des Euro.

      Ob eine derartige Anpassungsinflation realisierbar wäre, steht auf einem anderen Blatt. Fiskale Expansion in D dürfte dies heute bewerkstelligen, weil bereits annähernd Vollbeschäftigung herrscht.

      Antworten
      • Bagehot says:

        @ Rob

        Der Begriff Anpassungsinflation wird in den Wirtschaftswissenschaften völlig anders verwendet als Sie dies tun. Informieren Sie sich bitte via Google.

        Im übrigen ist es schlicht nicht möglich, innerhalb eines Währungsgebietes die Inflationsentwicklung so zu steuern, dass die Inflation in dem einen Land deutlich und konstant höher ist als in den anderen Ländern.

        Laut Eurostat stiegen die Verbraucherpreise im Januar 2017 gegenüber dem Vorjahr in der Eurozone insgesamt um 1,8 Prozent, in Deutschland um 1,9 Prozent und in Spanien um 3 Prozent.

        Soviel zu Ihrer „Anpassungsinflation“.

      • Rob says:

        Google? Nun ja, kurze Erklärungen bei wirtschaftslexikon und Co.

        „schlicht nicht möglich“? Darauf einzugehen traue ich mir als Laie nicht zu. Wenn Sie recht haben, sehe ich schwarz für die Eurozone.

  15. Robert says:

    Herzlichen Dank an Herrn Stelter für diesen guten Blogbeitrag. Neben zwei, drei anderen Beiträgen gehört er für mich zu den Highlights hier.

    Ausdrücklich bedanken möchte ich mich aber auch bei den Kommentatoren, für die sachlichen Kommentare. Erstaunlicherweise konnte ich nahezu alle Kommentare verstehen (jedenfalls glaube ich das), auch wenn ich sie logischewrweise nicht alle teile. Erstaunlich ist das deshalb, weil ich kein Ökonom bin und auch keiner sein will. Schlimmer noch; (Achtung Ironie)ich als Jurist bin ja qua Definition ungeeignet ökonomische Sachverhalte zu durchdringen und kann keinen fundierten, sinnvollen Standpunkt in diesen Fragen entwickeln.
    Allerdings geht es mir in der Tat nur darum in Grundzügen zu erkennen, ob uns Ökonomen, Politiker und sonstige „Experten“ wirtschaftspolitischen Blödsinn verkaufen wollen. Die Kombination aus Blogs wie Makronom, Makroskop und eben bto, mit ihren Verweisen auf weitergehende Literatur (Bücher und Aufsätze), sind da sehr hilfreich !

    Dafür nochmals herzlichen Dank, speziell auch für diesen Thread hier. Ich habe einiges gelernt !

    MfG
    Robert

    Antworten
  16. Dietmar Tischer says:

    @ Dr. Stelter

    Es stimmt, dass der USA aufgrund der internationalen Rolle des Dollar eine quasi unbegrenzte Kreditlinie eingeräumt wird.

    Was ist die Folge?

    Die USA können importieren, ohne die Ausgaben mit den Erlösen ihrer Exporten erwirtschaften zu müssen.

    Weil nicht der Druck auf die Exportfähigkeit gegeben ist, muss sich die amerikanische Wirtschaft auch nicht so sehr dem internationalen Wettbewerb stellen (unterm Strich, in einzelnen Branchen schon).

    Wenn sich daran nichts ändert und andere Länder die USA wirtschaftlich überholen durch ihre Exportstärke, dann ist – auf lange Sicht zumindest – das Thema „quasi unbegrenzte Kreditlinie“ erledigt.

    Es ist kein Gesetz, dass der US Dollar bis in alle Ewigkeit die internationale Leitwährung sein muss.

    Das nützt uns natürlich hier und heute nicht.

    Antworten
  17. Felix Kurt says:

    @ Stelter
    Siehe auch Diskussion mit „Bagheot“ weiter oben.

    `Tschuldigung, aber ich finde den zitierten Focus-Artikel etwas schlicht. Abgesehen von dem nicht ohne weiteres nachvollziehbaren Zahlen-Wirr-warr (vgl. meine Ergänzungen bei Diskussion mit „Bagheot“ weiter oben) schreibt der Wirtschaftspolitiker Schnabel

    „Andererseits sollte sich Deutschland überlegen, ob in einer Welt hoch volatiler und spekulativer Finanzmärkte so hohe Nettokapitalexporte sinnvoll sind. Sie könnten in Deutschland wohl besser investiert werden zum Beispiel in neue Straßen, bessere Brücken, schnellere Zugstrecken, mehr Kindergärten oder in neue, schicke Innenstädte für Duisburg und Dortmund. Diese Investitionen würden nach dem Platzen von Blasen wenigstens bestehen bleiben.“

    Es ist wohl KAUM VORSTELLBAR, dass die über Handels- und Dienstleistungsbeziehungen mit dem Ausland tätigen Unternehmen, also die „Kapitalexporteure“, anstatt ihrem Geschäft weiter zu folgen und in ihre Unternehmen zu investieren eher Brücken, Kindergärten, usw. bauen würden.
    Da VERWECHSELT mal wieder einer (wie leider so oft) STAATLICHE/KOMMUNALE Investitionen (entweder durch Steuern oder schuldenfinanzierte Investitionen) mit Privater Wirtschaft und Privaten Arbeitsplätzen. Die „öffentliche Hand“ muss sich so etwas überlegen, zumal das Problembewusstsein und die Akzeptanz der Bürger hierzu inzwischen deutlich gestiegen sein dürfte.

    Die DISKUSSION ÜBER DIE KONKURRENZ von ENTWEDER (Leistungsbilanzüberschuss)/ODER (öffentliche Investition in Infrastruktur) macht keinen Sinn.

    Antworten
      • Felix Kurt says:

        Und wenn wir mehr sparen, haben wir geringere „untragbare“ Nettoverschuldung.

        Oder wenn wir sinnvoll und klug investieren (=weniger sparen), dann haben wir in Zukunft hoffentlich wachsende Überschüsse (bzw. geringere Aufwendungen, da bessere Infrastruktur). —
        Schon klar.

        Zu Ihrem Artikel:
        Einerseits beklagen Sie die HOHE VERSCHULDUNG der UNTERNEHMEN, andererseits machen Sie die NETTO-ERSPARNISBILDUNG i.h.v. 3,2% des BIP (immerhin eine ggf. wiederkehrende Stromgröße) als Problem aus. Wie passt das zusammen? (Netto-Verschuldung ??)

        Den Finanzierungssaldo des Staates geben Sie mit 0,6% des BIP an. Das dürfte nicht reichen. Steht auch nicht in Widerspruch zu meiner Linie. Es fehlt aber der GESAMTE Öffentliche Finanzierungssaldo. Dann hätten wir eine Ausgangsbasis für die Diskussion Steuereinnahmen (jetzt und zukünftig) + Verschuldungskapazität = Mittel für Infrastrukturinvestitionen.

        Die Finanzierungssalden (bei Ihnen Nettoersparnisbildung) der PRIVATEN Haushalte und der Unternehmen stehen ja wohl nicht für die öffentlichen Investitionen in Infrastruktur zur Verfügung, und sollten es auch nicht. Wenn Sie zu hohe VERSCHULDUNG („untragbar hoch“) beklagen, dann müsste ja erstmal weiter gespart und Verschuldung abgebaut werden. Allenfalls der nicht für private Investitionszwecke oder Schuldenabbau verwendete (kleine) Teil stellt eine potentielle Finanzierungsmasse für die Verschuldungsaufnahme der anderen Seite dar, aber wohl kaum für Obligationen klammer Kommunen. Die Stadt-, Kreis- und Landesstraßen, Kindergärten, Schwimmbäder wird auch nicht der Bund bezahlen. Also muss doch ein anderes Finanzierungsmodell/Steuern her.

        Mein ‚Problem‘: Mit „SALDENMECHANIK“ auf der höchsten Aggregationsstufe und bei Saldierung von Aggregaten, die von der Entstehung und von der Verwendung nicht unbedingt zusammenpassen (wenn man sie dann wieder auflöst), erscheint deren STEUERUNG UND BEEINFLUSSBARKEIT im Sinne einer Lösung allzu einfach.

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Nirgendwo schreibe ich, die Verschuldung deutscher Unternehmen sei zu hoch.
        Natürlich ist es der gesamte staatliche Finanzierungssaldo.
        Ob unsere Auslandsforderungen werthaltig sind, wird sich zeigen.
        Es können nicht alle gleichzeitig sparen, es muss immer auch jmd. die Ersparnisse nachfragen.

      • Felix Kurt says:

        @Stelter:

        Sie schreiben oben: „Die Mitschuld der Bundesregierung . . . [ 4. Absatz:] Die Ursache dafür ist, dass auch im Jahr acht der Krise, keinerlei Fortschritte bei der Lösung der Hauptprobleme der Eurozone erreicht wurden: Die Verschuldung von Staaten, privaten Haushalten und UNTERNEHMEN ist immer noch UNTRAGBAR HOCH und deshalb das Bankensystem bei ordentlicher Betrachtung insolvent.“

        [Anm.: Klammer und HERVORHEBUNGEN von mir]

        Es muss sich vom Grundsatz her ja auch nicht nur um Deutschland handeln.

    • Dietmar Tischer says:

      > … macht keinen Sinn.>

      So ist es.

      Auch noch aus einem anderen Grund:

      Die Volumina der Leistungsbilanzüberschüsse sind so groß – für 2016 geschätzt EUR Mrd. 160 –, dass sie sich nicht sinnvollerweise für öffentliche Investitionen einsetzen lassen.

      Wir brauchen mehr Investitionen in die Infrastruktur (Schulen, Straßen etc.). Aber man kann sie nicht mit einer anderen Agenda vermischen.

      Antworten

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