Best-of bto 2019: Das monetäre Endspiel wird vorbereitet

Dieser Kommentar von mir erschien im März bei manager magazin und bto:

Vor zehn Jahren erreichte die Panik an den Finanzmärkten ihren Höhepunkt. Die Notenbanken haben damals die Kernschmelze verhindert. Der Preis war allerdings hoch.

Am 6. März 2009 musste man Mut haben. Die Stimmung war schlecht, das Szenario einer neuen großen Depression real und die Börsenkurse im freien Fall. Dennoch war genau an diesem Freitagnachmittag der Tiefpunkt an der Wall Street erreicht. Bei 666 Punkten drehte der S&P 500 wieder nach oben. Wer damals zugriff und bis heute an den Aktien festgehalten hat, darf sich über Gewinne von mehr als 300 Prozent freuen.

Einmal mehr waren es die Notenbanken, die die Finanzmärkte und auch die Realwirtschaft gerettet haben. Mit einer wahren Flut an Liquidität gelang es, dass völlig überschuldete Finanzsystem zu stabilisieren und den Märkten das Vertrauen zurückzugeben. Steigende Vermögenspreise waren die zwingende Voraussetzung, da nur so die Abwärtsspirale gestoppt werden konnte. Sonst wäre es zu einer weiteren Welle an Zwangsliquidationen, verfallenden Vermögenspreisen und Konkursen gekommen. Der gefürchtete Margin Call hätte zur Kernschmelze geführt.

Fortsetzung der falschen Politik

Die Notenbanken, als Retter gefeiert, tragen in Wahrheit erhebliche Mitschuld an der Krise. Immer, wenn es an den Finanzmärkten oder in der Wirtschaft zu Turbulenzen kam, haben die Notenbanken der westlichen Welt schnell gehandelt. Zinsen wurden gesenkt und mehr Liquidität in die Märkte gepumpt. Anschließend wurden die Zinsen allerdings nie wieder auf das vorherige Niveau erhöht. So sanken die Zinsen über die Jahrzehnte immer tiefer. In Europa wurde dies durch die Einführung des Euro noch verstärkt, weil die EZB die Zinsen – aus Rücksicht auf das damals kränkelnde Deutschland – jahrelang zu tief hielt und erst den Schulden- und Immobilienboom in den heutigen Krisenländern ermöglichte.

Damit wurde es immer attraktiver, auf Kredit zu spekulieren. Je höher verschuldet das System ist, desto größer ist die Krisenanfälligkeit und umso bedrohlicher auch jede Krise. Deshalb mussten die Notenbanken immer heftiger intervenieren, was wiederum einen Anreiz gab, noch mehr Schulden zu machen, weil es nochmals deutlich billiger wurde. Das Medikament, das die Notenbanken geben, verstärkt die Krankheit.

Nach 2009 wurde die Dosis auf ein zuvor undenkbares Niveau gesteigert. Für über 11.000 Milliarden US-Dollar kauften die Notenbanken der USA, der Eurozone und Japans vorhandene Wertpapiere – überwiegend Staats- und Unternehmensschulden. Mit der bekannten Nebenwirkung: Statt ein Sinken der Schuldenlast zu bewirken, haben die Notenbanken den Schuldenberg weiter aufgebläht. Die Welt ist mit über 325 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, 75 Prozentpunkte mehr als 2007. Waren es vor 2009 vor allem die privaten Haushalte, steig in den letzten Jahren vor allem die Unternehmensverschuldung deutlich. In den USA trieben die Unternehmen den schuldenfinanzierten Rückkauf eigener Aktien so weit, dass sogar der IWF hier einen möglichen Auslöser für eine erneute Finanzkrise sieht.

 Zinsen müssen immer weiter sinken

Diese steigende Schuldenlast ist dabei kein Zufall, sondern zwingende Voraussetzung, um die Illusion der Bedienung der bestehenden Schulden aufrechtzuerhalten. Die Nebenwirkung gehört also dazu, wenn man unser Schuldgeldsystem eine Runde weiter bekommen möchte. Genauso wie die Nebenwirkung immer höherer Assetpreise, da Geld, das zunehmend weniger kostet, zwangsläufig die Besitzer von Vermögenswerten begünstigt. Nichts anderes steht hinter der von Piketty und Co. kritisierten Abkopplung der Vermögen von den Einkommen. Ohne zunehmenden Leverage (also Verschuldungsgrad) gibt es keine weiter steigenden Vermögenspreise. Blasen sind so gesehen keine zufälligen Ereignisse, sondern gehören zwangsläufig dazu.

Wie auch die andere Nebenwirkung: die zunehmende Zombifizierung der Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen und Banken existieren nur noch, weil Geld (fast) nichts kostet. Diese Unternehmen sind zwar nicht offiziell insolvent, sie tragen jedoch nicht zum Wachstum der Wirtschaft bei, sondern belasten die gesunden Unternehmen zusätzlich. In der Folge sinken die Produktivitätsfortschritte und damit das WirtschaftswachstumZugleich wächst der deflationäre Druck. Überkapazitäten, Fehlinvestitionen und der wachsende Anteil neuer Schulden der nur dazu dient, die Zinsen auf den Altschulden zu bedienen, erdrücken die Realwirtschaft immer mehr. Bewirkte ein US-Dollar neue Schulden in den 1960er-Jahren noch rund 80 Cent mehr BIP, so sank der Wert auf 30 Cent in den 1990er-Jahren und auf rund zehn Cent seit dem Jahr 2000. Heute ist die Wirkung nahe null. Dies gilt überall. Auch in China hat der realwirtschaftliche Effekt neuer Schulden dramatisch abgenommen.

Damit werden die Schulden noch weniger tragbar. Immer geringer ist der Risikopuffer, den wir haben. Damit ist aber auch klar, dass ein Schock die gesamte Konstruktion zum Einsturz bringen kann. Diese Sorge ist berechtigt, wie die Fülle an Krisen an den Finanzmärkten in den letzten 30 Jahren unterstreicht: Crash 1987, Sparkassenkrise in den USA, Blase in Japan, Krise in Südamerika, Asienkrise, Dotcom-Blase, Finanzkrise. In jedem dieser Fälle kam es vor dem Einbruch zu einem Anstieg der Zinsen.

Allerdings kam der Einbruch, als die Zinsen mehr und mehr sanken. Das kann nicht verwundern, denn die immer höhere Verschuldung ist nur mit tieferen Zinsen tragbar. Schon vor Jahren warnte deshalb die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dass wir Gefangene der Verschuldung sind. Tiefe Zinsen heute regen die Verschuldung weiter an, weshalb wir morgen noch tiefere Zinsen brauchen, um die Last überhaupt tragen zu können. Präziser: um weiterhin die Illusion aufrechtzuerhalten, die Schulden zu bedienen.

Die Notenbanken in der Ecke

Die Notenbanken haben sich in eine ausweglose Situation manövriert. Die Angelsachsen würden sagen: „They painted themselves into a corner.”

  • Sie haben es mit einer Rekordbewertung der Assetmärkte zu tun. Ursache sind tiefe Zinsen und ein Rekord-Leverage. Die Börsen dürften relativ zum BIP nicht nur in den USA den höchsten Stand der Geschichte erreicht haben, sondern weltweit.
  • Sie haben es mit einer Rekordverschuldung der Realwirtschaft zu tun.
  • Sie befinden sich in einem Währungskrieg miteinander. Immer darauf achtend, dass der Wert der eigenen Währung nicht zu stark steigt.
  • Sie stecken im Dilemma, Inflation nicht zulassen zu dürfen, sie eigentlich aber anzustreben, um die Schulden real zu entwerten.
  • Sie müssten eigentlich die Zinsen deutlich erhöhen, um sie in der nächsten Krise ausreichend senken zu können, wissen aber, dass es eine überschuldete Weltwirtschaft und ein auf Leverage gebautes Kartenhaus schlecht verkraften, wenn die Zinsen steigen.
  • Sie haben es mit einer weitgehend dysfunktionalen Politik zu tun. In den USA beschließt man am Höhepunkt des Aufschwungs Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme auf Kredit und bricht zugleich einen globalen Handelskrieg vom Zaun. In Europa veranstaltet die EU eine Strafaktion gegen Großbritannien, um andere Länder von ähnlichen Ausstiegsüberlegungen abzuhalten. Gleichzeitig wird eine wirkliche Lösung der Eurokrise verschleppt, was daran liegt, dass man sich mit Scheinlösungen beschäftigt.

Die Notenbanken sind nicht unschuldig an dieser Situation. Sie ist die Folge einer Politik, die dreißig Jahre einseitig daraufgesetzt hat, die Verschuldung nach oben zu treiben. Mitleid ist deshalb nicht angezeigt.

Endspiel oder nächste Runde?

Das führt zu der spannenden Frage, ob die nächste Krise schon das Endspiel einleitet. Oder fällt den Notenbanken gar noch etwas ein, um das System eine Runde weiter zu bekommen und allen ein paar weitere angenehme Jahre steigender Vermögenspreise, stabiler Konjunktur und Wohlstandsillusion auf Pump zu ermöglichen?

Dass Notenbanker und Politiker über dieses Thema intensiv nachdenken, zeigt die Flut an Testballons, die in den letzten Jahren aus der akademischen Welt lanciert wurden. Glaubt jemand ernsthaft, dass Institutionen wie der IWF nur theoretische Fingerübungen machen, wenn sie Studien und Arbeitspapiere veröffentlichen? Ich nicht.

Die Liste der in die Diskussion gebrachten Ideen ist durchaus in sich konsistent. Es geht darum, den Notenbanken den Weg zu noch negativeren Zinsen und weiteren umfangreichen Liquiditätsspritzen zu ermöglichen und zugleich die Fluchtmöglichkeiten aus dem System zu begrenzen:

  • Kampf gegen das Bargeld: Schon seit Jahren läuft eine Kampagne gegen die Nutzung von Bargeld. Zunächst haben Ökonomen wie der ehemalige Chefvolkswirt des IWF, Kenneth Rogoff, dafür plädiert, Bargeld möglichst weitgehend abzuschaffen, vordergründig, um Schattenwirtschaft und Kriminalität zu bekämpfen. Dann wurde der 500-Euro-Schein abgeschafft, was die Lagerkosten für Bargeld deutlich erhöht. Nun kam der IWF mit der Idee, Bargeld zu versteuern für den Fall, dass es auf dem Bankkonto Negativzinsen gibt. All dies passt zu dem Szenario einer geplanten Entwertung von Geld und damit von Forderungen und Schulden.
  • Kampf gegen das Gold: Passend dazu erklärt der IWF in einem weiteren Arbeitspapier, dass Gold ein destabilisierender Faktor für die Wirtschaft ist. Dies ist natürlich richtig, wenn man ein System unterstützt, in dem beliebig viel Liquidität geschaffen werden kann und soll, um die Wirtschaft zu beleben. Da nirgendwo eine Rückkehr zum Goldstandard erkennbar ist, fragt man sich schon, wieso der IWF gerade heute mit diesem Thema kommt. Ein Grund könnte sein, damit eine solide Finanz- und Geldpolitik (wie sie in der guten alten Zeit von Deutschland betrieben und gefordert wurde) zu diskreditieren. Ein anderer, die moralische Argumentation für eine Einschränkung privaten Goldbesitzes zu liefern. Denn Gold ist das ultimative Geld, in das man flüchten kann und sollte angesichts dessen, was uns bevorsteht. Wer denkt, ein Verbot privaten Goldbesitzes sei undenkbar, der sei an die deutsche, aber auch US-amerikanische Geschichte erinnert!
  • Kapitalverkehrsbeschränkungen: Passend dazu werden Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs in Abhängigkeit vom Umfeld als geeignetes Instrument gesehen, um Krisen vorzubeugen und Finanzmärkte zu stabilisieren. Dabei sind sie unvermeidbar, wenn man die Flucht der Sparer verhindern will. Fallen Bargeld und Gold als Ausweichmöglichkeiten weg, muss nur noch die Flucht in ausländische Währungen abgewendet werden, um die Sparer unter Kontrolle zu bekommen.
  • Monetarisierung der Schulden: Sind Ausweichreaktionen unter Kontrolle gebracht, kann man sich auf die „Lösung“ des Schuldenproblems konzentrieren. Da ist zunächst die schon länger diskutierte „Monetarisierung“ der Schulden. Gemeint ist, dass die Notenbanken die aufgekauften Schulden von Staaten und Privaten einfach annullieren. Sie könnten sie auch einfach für hundert Jahre zins- und tilgungsfrei stellen, was ökonomisch auf das Gleiche hinausliefe. Beobachter gehen davon aus, dass eine solche Maßnahme, so sie denn einmalig bleibt, keine Gefährdung für den Geldwert darstellte. Was wirklich passiert, wird man sehen. In Japan, das uns auf dem Weg der Monetarisierung einige Jahre voraus ist, dürfte es schon in wenigen Jahren dazu kommen.
  • Helikopter-Geld: Das Entsorgen der Altschulden über die Bilanzen der Notenbanken dürfte zur Lösung der Probleme nicht genügen. Die Zombies wären weiter da, die ungedeckten Verbindlichkeiten der Staaten blieben ungedeckt, die Produktivitätsfortschritte wären immer noch schwach und die Erwerbsbevölkerungen würden deutlich zurückgehen. Das Wachstum bliebe also zu gering, um soziale Spannungen zu mindern. Die Antwort darauf liegt in staatlichen Konjunkturprogrammen, direkt von den Notenbanken finanziert. In Anlehnung an Milton Friedman spricht man von „Helikopter-Geld“. Das wird in diesem Fall nicht aus Helikoptern abgeworfen, sondern dem Staat geschenkt, damit der es unter die Leute bringt, zum Beispiel, indem er investiert. Auch hier mehren sich die Stimmen in der Wissenschaft, die in diesem Vorgehen das Normalste aller Dinge sehen.
  • Modern Monetary Theory (MMT): Doch warum eigentlich nur im Krisenfall den Staat direkt von der Notenbank finanzieren lassen? Wäre es nicht ohnehin besser, wenn man den Staat dauerhaft und großzügig direkt von der Notenbank finanzierte, anstatt wie heute den Umweg über die Geschäftsbanken zu gehen? Vorreiter dieser Überlegungen, bezeichnen es als „Modern Monetary Theory“. Als Skeptiker müsste man anführen, dass es so „modern“ nicht ist, wurde es doch schon in der Weimarer Republik ausprobiert. Die Befürworter sehen das natürlich ganz anders. Ihnen zufolge können Staaten, die die Kontrolle über die eigene Notenbank haben (also z. B. die USA, aber eben nicht Italien) so viel neu geschaffenes Geld ausgeben, wie sie wollen, solange die Wirtschaft unausgelastete Kapazitäten hat, sowie innovativ und produktiv genug ist, um alle Wünsche zu erfüllen! Und sollte dennoch Inflation drohen, müsste der Staat über Steuern nur einen größeren Teil des Geldes, das er in den Kreislauf gebracht hat, wieder entziehen. So gesehen, waren Zimbabwe, Venezuela und Weimar-Deutschland auf dem richtigen Weg und haben nur bei der Beststeuerung nicht richtig aufgepasst. Sogar der nicht gerade staatskritische Nobelpreisträger Paul Krugman steht der Idee skeptisch gegenüber. Egal, was man von der Idee hält, sie zeigt ganz klar, in welche Richtung es geht.

Nachdem sie sich selbst in die Ecke manövriert haben, werden die Notenbanken in der nächsten Krise – die nicht eine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“ ist – alles auf eine Karte setzen. Das Endspiel der bestehenden Geldordnung steht bevor. Schwer vorstellbar, dass sie das übersteht.

→ manager-magazin.de: „Das monetäre Endspiel steht bevor“, 5. März 2019

Kommentare (26) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Wolfgang Selig sagte:

    Ich denke, der eigentliche Konflikt unserer Zeit ist der zwischen Freiheit und Sozialismus, nur dass das heute im Gegensatz zu früher keine politische Partei mehr so plakatieren würde und viele Leute sozialistische Ideen gar nicht mehr als solche qualifizieren würden, sondern als „sinnvolle Marktregulierung“.

    Seit 1989 der real existierende Sozialismus in Osteuropa wegen Insolvenz zusammengebrochen ist und die Chinesen unter Deng faktisch die Marktwirtschaft mit sozialistischem Etikett eingeführt haben, fehlt dem Westen das abschreckende Beispiel und der Systemwettbewerb. Ob Notenbanksozialismus (Staats- und Spekulantenfinanzierung via lockerer Geldpolitik), keynesianische Fiskalpolitik in den Haushalten („Respektrente“), Entwicklungshilfe ohne Gegenleistungen, internationale Umverteilung ohne Gegenleistung wie z.B. bei Weltbank, IWF, EU (z.B. portugiesische Autobahnen ohne Nutzer oder landwirtschaftliche Subventionen ohne ökologische Gegenleistungen), usw. Immer geht es darum, dass die Politik im weiteren Sinne Marktergebnisse nicht hinnehmen will und nebenbei die eigenen Pfründe ausbauen will. In Deutschland besonders ausgeprägt mit Mietpreisbremse, CO2-Pseudozertifikatesteuer, Mindestlohn, Umsatzsteuererhöhung auf Fleisch, 500€-Schein-Verbot (auch über die BRD hinaus), Goldbeschränkungen bei Tafelgeschäften, SPD-Verstaatlichungsambitionen á la Kühnert, etc.

    Und wie bei allen sozialistischen Ideen geht irgendwann das Geld anderer Leute aus. Die Frage ist nur, wann. Das Endspiel kann m.E. noch ziemlich lange dauern, da der westliche Kapitalstock noch nicht so marode ist wie in den Comecon-Staaten (=RGW) Ende der 80er-Jahre. Ich tippe darauf, dass wir noch Jahrzehnte vor uns hin wursteln werden, bis Mitte des Jahrhunderts der Zusammenbruch erfolgt, da die sozialistischen Tendenzen erst in den 90ern und dann so richtig seit der Finanzkrise begonnen haben. Hinzu kommen die demographischen Probleme, die auch jetzt erst langsam in Schwung kommen. Mit einer Frau Lagarde an der Spitze, die jede Art von Staatsfinanzierung mit dem Etikett „Klimaschutzmaßnahme“ begründen wird, ist der Einstieg in die direkte Staatsfinanzierung dauerhaft politisch-medial legitimiert.

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    Horst sagte:

    Das „monetäre Endspiel“, das KEINES ist, geht, wenn überhaupt, in die Verlängerung. Das Erkennen der Funktionsweise eines kreditbasierten Geldsystems erlernt das Laufen und setzt langsam auch in der Politik ein.

    https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.701180.de

    „Richtig ist, dass das Schuldgeldsystem nicht ewig weiter betrieben werden kann, wenn es nicht auch eine angemessene Entschuldung gibt.“

    Das Geldsystem entschuldet sich immerfort – durch Kredittilgung. Jeden Tag werden Kredite getilgt. Wenn das Geldsystem nicht weiter betrieben werden kann, dann, weil sich die Vermögen bei 10% derart konzentriert haben, dass für die restlichen 90% kein Anreiz zur Aufnahme neuer Kredite mehr besteht, siehe Asset-Price-Inflation, schlicht, weil die laufenden Einkommen keine Bedienung von weiteren Krediten mehr zulassen.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Horst

      >Jeden Tag werden Kredite getilgt.>

      Das ist eine Binsenweisheit, die niemand bezweifelt.

      Deshalb habe ich geschrieben, dass eine ANGEMESSENE Entschuldung geben müsse – es kommt auf den Saldo an, die Verschuldung kann nicht immer weiter wachsen.

      Sie dagegen (implizite Auffassung):

      Die Verschuldung könnte weiter wachsen, wenn die zusätzlichen Schulden weiter bedient werden würden.

      Das ist eine analytische Wahrheit, die nichts mit der Realität zu tun hat.

      Die Schuldensumme, die bei einem fortwährenden Verschuldungsaufbau entstehen würde, kann – real, d. h. auf der Basis von EINKOMMEN – IRGENDWANN nicht mehr bedient werden.

      Um ein Δ zusätzlicher Schulden bedienen zu können, müsste ein zusätzlicher ERTRAG erwirtschaftet werden, der mindestens die Höhe der zu zahlenden Zinsen für das Δ zusätzlicher Schulden betragen müsste.

      Nur wenn dies nach Einschätzung der den Kredit ausgebenden Bank gegeben ist, wird sie den Kredit gewähren und somit die Gesamtverschuldung steigen lassen.

      Die Erträge wachsen nicht unbegrenzt auf diesem Planeten.

      Daher werden nicht unbegrenzt Kredite vergeben und daher kann die Verschuldung nicht ewig wachsen.

      Das ist ein Mechanismus, der nichts mit dem Vermögen der oberen 10% und Anreizen der 90%, sich zu verschulden, zu tun hat.

      Er hat etwas mit der realwirtschaftlichen BEDINGUNG an die Kreditvergabe zu tun – egal, wem ein Kredit gewährt wird.

      Es sei denn:

      Die Notenbanken SCHENKEN den Schuldnern UNBEGRENZT Geld (Helikoptergeld), mit dem sie die zusätzlichen Schulden bedienen könnten.

      Das würde die Einkommensbedingung aushebeln (Helikoptergeld ist Einnahme, nicht Einkommen).

      Würden die Notenbanken Helikoptergeld „abwerfen“, wären wir nicht mehr im Schuldgeldsystem – jedenfalls nicht mehr in einem reinen Schuldgeldsystem.

      Soviel zu Ihrer Schuldzuweisung an die Vermögenskonzentration bei den oberen 10%, wenn das bestehende Geldsystem nicht weiter betrieben werden könnte.

      Sie ist untauglich.

      Wenn sie etwas gegen die Vermögenskonzentration haben, müssen Sie die Abkehr davon anders begründen.

      All das hat nichts mit dem von Ihnen verlinkten Plädoyer von Fratzscher für die Verschuldung des Staats zu tun.

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        Horst sagte:

        „Das ist eine Binsenweisheit, die niemand bezweifelt.“

        Sie beweisen mit dem folgendem Satz „Diese wird TROTZ ansonsten unterschiedlicher Interessen von ALLEN Regierungen und Entscheidern aus gutem Grund vermieden und wird daher nicht GEWOLLT erfolgen – möglicherweise aber durch einen nicht kontrollierbaren „Unfall“.“, dass eben diese Konklusion für Sie keine Binsenweisheit ist, denn Sie legen nicht dar (können nicht darlegen), bei wem Vermögen abgebaut werden könnte (vor allem auch auf politisches Hinwirken, z.B. Fiskalpolitik, hier Abbau von größeren Vermögen via Vermögensteuer, höhere Erbschaftssteuer etc.), um Entschuldung zu erreichen.

        „Sie ist untauglich.“ Und nun gehen Sie noch einmal in sich und analysieren Ihre folgenden Ausführungen vor diesem Hintergrund. Sie werden, kurz vor Weihnachten, erkennen, dass diese untauglich sind.

        „All das hat nichts mit dem von Ihnen verlinkten Plädoyer von Fratzscher für die Verschuldung des Staats zu tun.“

        Das ist das ZENTRALE Thema steigender Staatsverschuldung, wenn es keine gesellschaftliche Mehrheit dafür gibt, hohe Vermögen abzubauen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Was ich angeblich beweise, weil ich nicht darlege, bei wem was könnte …

        Einfach nur wirr.

        Es lohnt nicht, mit Ihnen zu diskutieren.

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        Horst sagte:

        Wirr sind Sie mittlerweile, weil Sie alles durcheinander werfen, wie es Ihnen gefällt.

        Schöne Weihnachten.

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      Dagobert sagte:

      @Horst

      Ein Kreditgeldsystem scheitert nicht an sich selbst, sondern an den faulen Schulden – ausgereicht an Zombies (Private, Unternehmen, Staaten) – in dem Wissen, dass niemals getilgt werden wird.

      Man nennt diese Ausreichung von „billigen Geld2 an „schlechte Schuldner“ gegen „minderwertige Pfänder“ gerne Rettungspolitik.

      Wie bei den Target2Salden kauf Kreditgeld, welches nie getilgt wird, immer wieder solange es in Umlauf bleibt. Tilgung wäre vornehm, Abschreibung fauler Schuld schmerzlich, Steuererhebung disfunktional (wg. fauler Vermögen)…….

      Tatsächlich verzichten Menschen auf Neuverschuldung nicht wegen mangelndem Eigentum als Pfand (1% vs. 99%), sondern weil Männer/Frauen/Dinger auf der Mikroebene erkennen, dass dem mutmasslichen Totalverlust kein adäquater Gewinn gegenüber steht. Man nennt das renditeloses Risiok und es hat mit niedrigen Zinssätzen zu tun, die man bei faulen Schuldnern zulässt.

      Es versteht sich, dass staatliche Schuldenzombies keine Einsicht zeigen und demokratische Mehrheiten nicht automatisch richtig entscheiden. Was Demokratie unter einer Mehrheit von ökonomischen Zombies noch bewirken kann ist eine kollektive Katastrophe.

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      Richard Ott sagte:

      @Horst

      „Das Geldsystem entschuldet sich immerfort – durch Kredittilgung. Jeden Tag werden Kredite getilgt. Wenn das Geldsystem nicht weiter betrieben werden kann, dann, weil sich die Vermögen bei 10% derart konzentriert haben, dass für die restlichen 90% kein Anreiz zur Aufnahme neuer Kredite mehr besteht, siehe Asset-Price-Inflation, schlicht, weil die laufenden Einkommen keine Bedienung von weiteren Krediten mehr zulassen.“

      Haben Sie schon einmal davon gehört, dass fällige Kredite auch dadurch getilgt werden können, dass ein neuer Kredit aufgenommen wird? Solange die Zinsen immer weiter sinken, können Sie dabei sogar noch das Kreditvolumen bei konstant bleibender monatlicher Zinszahlung erhöhen und das zusätzliche Geld schön verfrühstücken, immer weiter, Prolongationsrunde für Prolongationsrunde. Das ganze bricht erst zusammen, wenn die Zinsen steigen.

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        Horst sagte:

        Prolongationen sind Prolongationen und haben nichts mit der von Tischer vorgebrachten Entschuldung zu tun.

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        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Prolongationen, und wie weit sie verbreitet sind, zeigen aber, dass Ihre These „Das Geldsystem entschuldet sich immerfort – durch Kredittilgung.“ ein wenig naiv und unterkomplex ist.

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    (Dr.)Zweifler sagte:

    @Dr.Lucie Fischer

    „ schlechte Ärzte kann man daran erkennen, wie schnell und wie leichtfertig sie zu Cortison greifen“

    Ziemlicher Unsinn in meinen Augen. Cortison ist ein Segen für eine Unzahl von Patienten! Ohne diesem Medikament würde es einigen sehr schlecht gehen. Einen Arzt, der schnell zu Cortison greift, kann Leben retten, ihn als „schlecht“zu bezeichnen, ist gewagt. Kein Arzt greift leichtfertig zu diesem Medikament. Es ist aber das übliche Schema, dem leider auch viele Ärzte folgen: Der Cortison und Antibiotika verschreibende Arzt ist schlecht, der „Globuli“ verschreibende ist gut, auch wenn der „Globuli“-Patient dann doch AB oder Cortison nehmen muß, oft leider zu spät.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >Die Notenbanken haben sich in eine ausweglose Situation manövriert.>

    Das ist eine gewagte These, die durch nichts belegt ist.

    Richtig ist, dass das Schuldgeldsystem nicht ewig weiter betrieben werden kann, wenn es nicht auch eine angemessene Entschuldung gibt.

    Diese wird TROTZ ansonsten unterschiedlicher Interessen von ALLEN Regierungen und Entscheidern aus gutem Grund vermieden und wird daher nicht GEWOLLT erfolgen – möglicherweise aber durch einen nicht kontrollierbaren „Unfall“.

    >Nachdem sie sich selbst in die Ecke manövriert haben, werden die Notenbanken in der nächsten Krise – die nicht eine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“ ist – alles auf eine Karte setzen. Das Endspiel der bestehenden Geldordnung steht bevor. Schwer vorstellbar, dass sie das übersteht.>

    Wenn die Notenbanken „alles auf eine Karte setzten“, d. h. ihre Funktionalität, Geld in beliebiger Menge aus dem NICHTS schöpfen zu können, ausspielen – was selbstverständlich politisch gewollt sein wird, weil es einen Exit aus der „ausweglosen Situation“ verspricht – siehe Japan –, treten wir in ein ANDERES Geldsystem ein. Es wird nicht sofort das Schuldgeldsystem ablösen, sondern es mutieren lassen.

    Wenn so, ist es unsinnig von einem Überstehen der bestehenden Geldordnung zu reden.

    Es ginge nicht um ihr ÜBERSTEHEN, sondern um ihre ABLÖSUNG.

    Zur Zombifizierung:

    Hier eine aktuelle Studie, die gegen die Zombifizierungs-These argumentiert indem sie – für Deutschland – auf bessere Eigenkapitalausstattung der Unternehmen verweist:

    https://www.welt.de/finanzen/article204442520/Fimeninsolvenzen-Das-Raetsel-der-wenigen-Pleiten.html

    Interessant der Verweis auf Berlin, der gegen den Trend rückläufiger Insolvenzen spricht:
    Eine der höchsten Wachstumsraten als „Start-up-Hotspot“ (23,5% von 2010 von 2018) mit klar überdurchschnittlicher Insolvenzquote von 8,8%.

    Mögliche Schlussfolgerung:

    Über die Zombifizierungs-These wird erst dann SCHLÜSSIG zu entscheiden sein, wenn die Wirtschaft deutlich mehr durch Innovationen geprägt sein wird.

    Gingen im Innovationswettbewerb weniger Unternehmen pleite, wäre das ein starker Indikator dafür, dass Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden.

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      Alexander sagte:

      @ Dietmar Tischer

      Dieser Artikel ist ein Meinungssammelsurium dessen Absicht Beruhigung ist, wo Aufklärung Not täte. Vor zwei Jahren meldete sich Fuest vom Ifo zum Thema und benennt die Umstände konkret:
      https://www.welt.de/wirtschaft/article167166473/Fuest-warnt-vor-Zombie-Unternehmen-und-Banken-in-Europa.html

      Grundsätzlich finanziert sich ein jüngst gegründetes Unternehmen aus dem verpfändeten Gründdungskapitalien u.o. aus venture capital, beides unter Aufsicht & limitiert. Der „Neue Markt“ schuf das Geschäftsmodell aus dem Verkauf von Unternehmensideen, d.h. man verspricht Gigawachstum um gegenwärtiges Scheitern aus Inkompetenz zu entschulden.

      Vermögenspreisblasen, überschüsssiges Geld und viel Propaganda um die Angst etwas zu verpassen schuf die Bereitschaft in Klitschen zu investieren + stolz zu sein. Die Mehrzahl der Start-ups sind keinen Gedanken wert und ziehen dummes Geld an.

      Fuest bezieht sich auf die Bank of America und schreibt von börsennotierten Unternehmen; d.h. 1.alt,
      2.groß,
      3. viele Mitarbeiter (systemisch)
      4. innovationsschwach (wg. 1 + 2 + 3)
      5. reich an Pfändern, stillen Reserven, politischem Einfluss (wg. 1 + 2)
      6. stark leidend an kümmerlichen Renditen, da man global schwach ist. (wg. 1,2,3,4)
      =…..share holder Druck zum Ausschlachten.

      Solche Unternehmen haben nur die Wahl zur Flucht nach vorne. Neue Produktionsanlagen überfordern das Management sowie Belegschaft, weil man weder fit noch flexibel genug ist. Mit Geld glaubt man alles kaufen zu können. Niemand kämpft mehr und die Kapitalhebel reichen bis zum Mond um die Kosten zu bedienen…..

      Das billige Geld der Zentralbank in allen seinen Formen hilft unendlich, weil man schon lange nicht mehr am Eigenkapital hängt und der Nachfragestimuli gerade recht kommt….

      Anders als Fuest glaube ich heute nicht mehr an steigende Zinsen, „whatever it takes“, sondern an eine globale Konjunkturabkühlung, welche die Liquidität der realen Märkte austrocknet. Ohne Umsatz verdursten Zombies und Banken können gegen Abstürze keine neuen Kreidtlinien vorhalten……weil es Massenphänomen ist und die Bank sich angesteckt hat.

      Die Wechselwirkungen von börsennotierten Zombies auf ihre Zombiemitarbeiter, Lieferanten, Kunden, Dienstleister, das Gesamtsteueraufkommen, Importe/Exporte bis hin zu Studiengängen an den Universitäten sind systemisch. Von den Banken über die Komunen bis zu den Hauptstädten sind die Wege kurz, wenn alle wissen, dass niemand etwas passieren darf, weil dann allen etwas passiert. (P.C.Martin, sinngemäß)

      Natürlich wackeln zahllose Handwerkerzombies/Dienstleister- um die ~ gesunden Industriegiganten herum, sitzen zahllose Kleinschuldner auf Schleudersitzen, wenn niemand mehr Risiken ahnt.

      Ich habe keine Ahnung wie hoch der Prozentsatz an Zombies sein darf, ohne der Gesamtgesellschaft erheblich zu schaden….aber ich habe in jedem Fall mehr Ahnung als die Zombies aus Wirtschaftsforschungsinstituten, die niemals eine heiße Wachstumsphase inmitten einer Unternehmensgründung durchleben durften.

      Ich „glaube“ deshalb, dass realitätsbezogene Einschätzungen von absoluter Marktnähe abhängen und nicht von der Meinung einiger Boomer Wirtschaftsjournalisten, Boomer Forscher und ihrer devoten Zöglinge.

      Mir wäre wohler zumute, wenn diese Leute richtig lägen…aber 2009 hat diese Gemeinde komplett verschlafen.

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        Alexander sagte:

        @Schweden

        Beispielhaft:

        „Das Haus… mehr als eine Million Euro gekostet. Geld leihen kostet in Schweden schon seit vielen Jahren praktisch nichts. … im Raum Stockholm stiegen die Preise um 25 Prozent. Aber Schulden machen ist für die Schweden kein Problem…. einen Kredit über 50 Jahre aufgenommen. Bei aktuell 0,7 Prozent Zinsen. Die beiden haben nicht vor, das Haus je abzubezahlen – sie wollen es in einigen Jahren verkaufen. Mit kräftigem Gewinn, versteht sich.“ https://www.focus.de/perspektiven/14-laender-14-reporter/14-laender-14-reporter-schweden-warum-sich-der-traum-vom-eigenen-haus-in-schweden-viel-leichter-erfuellen-laesst_id_9629505.html

        Genau wie in Sachen Migrationspolitik hilft späte Erkenntnis nicht zementierte Probleme zu mildern. Wenn es Einsicht UND Zustimmung für „Massnahmen“ gäbe, stellt sich noch die Frage wer diese umsetzt, d.h. die Menschen nach Liquidierung ihrer fremdfinanzierten Leben „vertreibt“. Dieser Ausblick war allen Zentralbankern und ihren politschen Auftraggebern von vornherein klar, man wollte neues schaffen und wir werden den Ausgang miterleben.

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        Richard Ott sagte:

        @Alexander

        Wenn die Zinsen steigen, werden diese zwei Schweden erleben wie ihr Plan an der Realität zerschellt. Auch noch keine Katastrophe bei 50 Jahren Zinsbindung, aber sie sind dann an ein Haus mit negativem Eigenkapital gebunden, verkaufen und woanders hin ziehen geht dann nicht mehr.

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    Thomas M. sagte:

    Nur ganz kurz ein Gedanke zum Stichwort „Hyperinflation“.

    Ich frage mich, ob das in Gesellschaften wie unserer überhaupt leicht passieren kann. Die Gehälter werden 1x monatlich überwiesen, vielleicht 1x im Jahr verhandelt. Das meiste wird per Dauerauftrag automatisch eingezogen – da werden die Preise oft auch nur 1x jährlich angepasst. Selbst bei Konsumgütern gibt es einen Trend zum Mieten mit fester monatlicher Gebühr. (Dann gibt es natürlich noch Ratenkauf etc.)

    Und wenn auf einmal mehr Schuhe gekauft werden, werden die dann nicht einfach mit den Überkapazitäten kurzerhand in Fernost produziert, ohne dass deswegen hier die Preise steigen? Schließlich vergleichen die Käufer knallhart Preise dank Internet.

    Das sind alles preisstabilisierende Begebenheiten.

    Sucht sich „ins System gekippte Geld“ nicht wahrscheinlicher die Richtung vermögensbildender Maßnahmen in gesättigten und stark strukturierten Volkswirtschaften wie der unseren (Asset-Inflation) als dass die Konsumentenpreise *schlagartig* oder *beschleunigend* steigen?

    Ein paar Gedanken zum Thema Inflation / Hyperinflation…

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      Elektroheini sagte:

      Da stimme ich gerne zu, ich glaube ebenfalls nicht an die Möglichkeit eine Hyperinflation bei uns.
      Neben den genannten Gründen würde ich noch den Unterschied zwischen Inflation (Geldmengenwachstum / BIP-Wachstum) und Verbraucherpreisindex (Warenkorbmessung) als Grund anführen. Wir sagen zwar Inflation, beziehen uns aber auf den Verbraucherpreisindex. Selbst bei anschwellender Geldmenge und stagnierendem BIP wird man es schaffen, den VPI in sozialverträglicher Größe auszuweisen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Elektroheini

        Es ist nicht ausgeschlossen, dass Sie Recht haben.

        Aber nur wenn die für die Geldmenge letztlich Verantwortlichen – die Politiker, nicht die Notenbanker – den Anreizen WIDERSTEHEN würden, die Geldmenge so zu erhöhen, dass der Verbraucherpreisindex ins Galoppieren kommt und dadurch das VERTRAUEN in das Geld verloren geht, hätten Sie Recht.

        Anreize, die Geldmenge zu erhöhen, würden ohne Zweifel gegeben sein, wenn so etwas wie ein BGE eingeführt werden sollte.

        Denn nach den Mechanismen der Machterhaltung, die wir bestens kennen, würden die Politiker die Geldmenge ausweiten, d. h. immer mehr Geld an die Bürger verteilen, um diese an sich, die Geld Zuteilenden, zu binden.

        Das ist so, weil es zwischen den Parteien einen Wettbewerb um Wählergewinnung und -bindung gibt.

        Angesichts dieses Szenarios habe ich Schwierigkeiten, Ihren Optimismus zu teilen.

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    Alexander sagte:

    > … werden Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs in Abhängigkeit vom Umfeld als geeignetes Instrument gesehen

    Zitat von hier über den crash im Libanon: https://www.voltairenet.org/article208578.html

    „Die Maßnahmen zur Devisenkontrolle, die darauf abzielen, die Kapitalflucht zu stoppen, haben den Zusammenbruch der Wirtschaft verursacht. Mindestens 10 % der Unternehmen des Landes sind in den letzten drei Monaten in Konkurs gegangen. Die meisten anderen haben ihre Arbeitszeit reduziert, um die Löhne proportional zu senken, ohne ihre Mitarbeiter entlassen zu müssen. … Die ausländischen Arbeiter – speziell die asiatischen Hausangestellten –, die in libanesischen Pfund bezahlt werden, haben die Hälfte dessen verloren, was sie monatlich in Dollar an ihre Familien überwiesen. Tausende haben das Land bereits verlassen.“

    Nach 10 Jahren Eurorettung inmitten der DEUTSCHEN Energiewende mit der Aussicht demnächst alternativlos die dt. Rentenversicherung durch Beiträge frisch zugewanderter Fachkräfte zu finanzieren…..halte ich alles für möglich.

    „Die sterbenden Gesellschaften häufen Gesetze an wie die Sterbenden Heilmittel.“
    Nicolás Gómez Dávila

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    Dr. Zweifler sagte:

    @Dr.Lucie Fischer

    „ schlechte Ärzte kann man daran erkennen, wie schnell und wie leichtfertig sie zu Cortison greifen“

    Ziemlicher Unsinn in meinen Augen. Cortison ist ein Segen für eine Unzahl von Patienten! Ohne diesem Medikament würde es einigen sehr schlecht gehen. Einen Arzt, der schnell zu Cortison greift, kann Leben retten, ihn als „schlecht“zu bezeichnen, ist gewagt. Kein Arzt greift leichtfertig zu diesem Medikament. Es ist aber das übliche Schema, dem leider auch viele Ärzte folgen: Der Cortison und Antibiotika verschreibende Arzt ist schlecht, der „Globuli“ verschreibende ist gut, auch wenn der „Globuli“Patient dann doch AB oder Cortison nehmen muß, oft leider zu spät.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Nachdem sie sich selbst in die Ecke manövriert haben, werden die Notenbanken in der nächsten Krise – die nicht eine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“ ist – alles auf eine Karte setzen. Das Endspiel der bestehenden Geldordnung steht bevor. Schwer vorstellbar, dass sie das übersteht.“

    Das erscheint richtig, aber es ist die Frage, ob die Notenbanken das dann noch im Griff haben. Ein Goldverbot kann ich nicht mit Notenbankern alleine durchsetzen, ich brauche dazu Zöllner, Polizisten, Gerichte und im Zweifel Soldaten. Wenn deren monatliche Gehälter selbst einem deutlichen Kaufkraftverfall unterliegen, stellt sich die Frage, ab welchem Zeitpunkt man mit diesen Leuten als Goldbesitzer „reden“ kann, weil ihnen ihre eigene Familie und ihr ursprünglicher Amtseid wichtiger sind.

    Hinzu kommen die vorsorgenden Länder. Es gibt halt Russland, China, Polen und andere, die im Gegensatz zu FED oder EZB auf den Kauf von Gold setzen. Was ist, wenn diese Länder so mächtig werden, dass ihnen die westlichen Beschlüsse egal sein können und sich diese Staaten an den „Goldstaaten“ orientieren müssen? Und dann kommt noch der innenpolitische Druck. Egal, ob Brexiteers, Tea Party in den USA, italienische Lega, deutsche AFD, französische RN oder wahre Finnen – der innenpolitische Druck steigt in allen westlichen Ländern langsam, aber sicher an. Es ist gar nicht so sicher, dass die aktuellen politischen Eliten noch mehrheitlich gewählt werden, wenn den Notenbanken die Währung aus dem Ruder läuft. Und dann kann es ganz schnell wie in Großbritannien laufen – die nationalen Politiker übernehmen wieder die Regie, auch geldpolitisch.

    Das ist wie mit

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    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Die “ Therapie“ der Notenbanken /Liquiditäts-Flutung/ entspricht medizinisch der unkritischen Gabe von Cortison: das ist das Medikament, womit man viele Krankheits- Symptome sehr schnell unterdrücken kann, es euphorisiert dazu noch etwas, hat aber den Nachteil, das ein Absetzen schwer ist- man muss Cortison über lange Zeit “ ausschleichen“, denn der Körper stellt bei externer Gabe von Cortison die eigene Produktion ein . Die Nebenwirkungen sind gravierend ( googeln!); schlechte Ärzte kann man daran erkennen, wie schnell und wie leichtfertig sie zu Cortison greifen, gründliche Diagnostik vermeidend: REINE Linderung von Symptomen, nicht kausale Therapie.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Dr. Lucie Fischer

      Ihrer Entsprechung füge ich als Laie hinzu:

      Wenn die Ärzte die Symptome NUR lindern, weil eine kausale Therapie („Ausschleichen“) als welchem Grund auch immer nicht möglich ist – was die Entsprechung bei umfassender Überschuldung ist – , dann gibt es keine SCHLECHTEN Ärzte.

      Wenn Ärzte das tun, was im System von durchweg allen als akzeptabel zur Verhinderung des ERFAHRBAR größtmöglichen Leids angesehen wird, dann handeln sie RICHTIG.

      Ihr medizinisches Wissen und daraufhin Handeln darf nicht den mehrheitlichen Konsens von zwar ignoranter, aber gleichwohl begründeter Ergebniserwartung aushebeln.

      Tut es das dennoch, gibt es einen UNHEILBAREN Vertrauensverlust.

      Die Leute laufen dann zu den Quacksalbern.

      Was man sich von den Ärzten wünschen darf, ja muss:

      AUFKLÄRUNG.

      Die Menschen sollen WISSEN, auf was sie sich einlassen, wenn NUR die Symptome gelindert werden.

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      ruby sagte:

      Frau Doktor Lucie,
      Cortison ist ein körpereigenes Hormon, das wie viele in den Nebennieren hergestellt wird. Die Ausschüttung ist mit dem Tagesablauf verknüpft, morgens bis 9 Uhr maximaler Pegel danach erfolgt der Einsatz. Bei Stress/Gefahr wird nachproduziert. Normalpegel 500 Einheiten im Blut bei dauerhafter Überschreitung folgt Stoffwechselstörung bis zur Körperzerstörung. Endokrinologie könnte ein Gleichnis für das Zentralbanksystem sein. Jeder bleibt für seinen Körper verantwortlich um die Zusammenhänge zu verstehen.

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