„Wirkt ‚QE‘ in Europa?“

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Heute tut sie es also, die EZB. Endlich naht die Rettung für Politik und Wirtschaft. Noch mehr Geld soll bewirken, was sehr viel Geld bis jetzt nicht bewirkt hat. In unzähligen Beiträgen auf bto habe ich gezeigt, dass es der EZB und den anderen Notenbanken zunächst nur darum geht, den Schuldenturm vor dem Einsturz zu bewahren. Die Realwirtschaft hat davon herzlich wenig, die Finanzmärkte und Spekulanten freut es.

Heute ein erneut sehr guter Beitrag der FuW, der knapp zusammengefasst sagt: „Eurolands Ausflug in die quantitative Lockerung ist insgesamt also eher ernüchternd ausgefallen. Er ist kein Misserfolg. Aber er hat gezeigt, dass man sich von der Vorstellung verabschieden sollte, mit QE liesse sich über kurz oder lang alles zum Guten wenden.“

Dann zeigen sie die Wirkung. Abgesehen von sinkenden Zinsen für Staatsanleihen haben davon auch die Unternehmen profitiert:

Allerdings will ich daran erinnern, dass billiges Geld nicht unbedingt die entscheidende Grundlage für Investitionen ist. Sind die Aussichten trübe, wird niemand investieren.

Die Kreditvergabe wächst zwar, von einem Boom kann aber keine Rede sein. Vor allem: Was ist gut an steigenden Schulden, wenn die Einkommen nicht mithalten? Zur Erinnerung: Viele haben schon (zu) viele Schulden, können also gar nichts mehr aufnehmen. Andere wollen in dem Umfeld schlichtweg nicht.

Quelle: Barclays

Das erklärt auch, weshalb gerade in Krisenländern wie Spanien und Italien die Kreditvergabe sinkt. Dass sie in Frankreich deutlich steigt, ist nicht unbedingt ein ermutigendes Zeichen.

Die Inflation bleibt auf tiefem Niveau. Dennoch erwartet niemand eine Deflation, was auch der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass der Rückgang der Inflation vor allem mit den gesunkenen Ölpreisen einhergeht:

Die Bilanz der Kreditstimulierung ist also auch nach mehrmonatigem QE durchwachsen. Zwei Schlussfolgerungen bieten sich an. Entweder: Die EZB muss jetzt noch einen Gang hochschalten, um den Kreditmotor endgültig anzuwerfen. Oder: Die EZB leistet bereits einen genügend grossen Beitrag und muss ihn nicht ausbauen. Denn, ob die Konjunktur anspringt, hängt nicht von ihr ab.“

Egal. Für den mit dem Hammer ist alles ein Nagel.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Wirkt ‚QE‘ in Europa?“, 30. November 2015

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