„Das Minsky-Paradoxon der Eurozone“

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Ein exzellenter Daniel Gros in der FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • „Die hartnäckig niedrige Inflation bereitet der Europäischen Zentralbank Kopfzerbrechen. Doch deren Antwort auf diese Entwicklung – nämlich im Wesentlichen noch mehr quantitative Lockerung – könnte ins Auge gehen, Ungleichgewichte verschärfen sowie zu ernsthafter finanzieller Instabilität führen.“ – bto: Zur Erinnerung – tiefe Zinsen heute zwingen zu noch tieferen Zinsen morgen.
  • Er erklärt dann, dass die bisherige Politik nichts gebracht hat mit Blick auf die Inflation. Um dann festzuhalten: „Statt jedoch ihre Strategie zu überdenken, erwägt die EZB, noch eins draufzusetzen, nämlich noch mehr Anleihen zu kaufen und ihren Leitzins noch weiter in den negativen Bereich zu senken. Das wäre ein schwerer Fehler.“ – bto: Was er nicht aufzeigt, ist die Alternative: Schuldenschnitte und Pleiten.
  • „Gelockerte Kreditbedingungen und niedrigere Zinsen sollen durch eine Belebung der Investitionstätigkeit und der Konsumnachfrage das Wachstum ankurbeln. Doch in den Kernländern der Eurozone (…) sind die Ausgaben infolge der EZB-Politik nicht gestiegen; Deutschlands Handelsbilanzüberschuss wächst vielmehr noch weiter.“ – bto: Es ist eben kein Kreditangebots-, sondern ein Nachfragethema! Aber darum geht es der EZB auch nicht. Sie will nur die überschuldeten Staaten und Privaten der Krisenländer über Wasser halten.
  • „In den hoch verschuldeten Ländern der Peripherie bestand natürlich Spielraum, die Zinsen zu senken und das Kreditangebot zu steigern – und das geschah auch, was wiederum Staaten und Haushalte motivierte, ihre Ausgaben zu steigern. (…) eine von den am wenigsten solventen Ökonomien getragene Erholung ist in der Realität untragbar.“ – bto: Klartext: Es geht nicht auf Dauer, dass sich Leute, die Pleite sind, noch mehr verschulden.
  • Im Jahr 1986 warnte Hyman Minsky vor den langfristigen Gefahren für die Finanzstabilität, wenn Kreditnehmer innerhalb eines Ponzi-Schneeballsystems – die ihre Schulden nur durch die Aufnahme neuer Schulden bedienen können – zu den wichtigsten Stützen einer Ökonomie werden.“ – bto: Genau in einem solchen Ponzi-Schema stecken wir aber!
  • „Ein Nullzinsumfeld ist für derartige Kreditnehmer natürlich ideal, weil es keine Indikatoren für die Zahlungsfähigkeit gibt; die Kreditnehmer können ihre Schulden einfach refinanzieren. Für Akteure in einer starken Vermögensposition ist das schlecht; die Senkung ihrer Kaufkraft spornt sie an, noch mehr zu sparen.“ – bto: Schuldner können weiter so tun, als wären sie stabil. Gläubiger müssen mehr sparen, um ihre Ziele zu erreichen, was Deflation fördert!
  • Dann deckt er auch noch eine Lüge auf: nämlich die Annahme, mit makroprudenzieller Steuerung die Vergabe von Krediten an schlechte Schuldner unterbinden zu können: „Wenn makroprudenzielle Politik die zusätzliche Kreditvergabe an Grenzkreditnehmer wirksam beschränken würde, hätte die Geldpolitik keine Auswirkungen auf die Nachfrage (solange die zahlungsstärksten Akteure sich weigern, mehr auszugeben).“ – bto: Nur weil wir schlechten Schuldnern Geld geben, schaffen wir Nachfrage! Und noch mehr faule Schulden!!
  • „Im Fall der Eurozone wird die Gefahr noch durch die Unwirksamkeit ihres wichtigsten makroprudenziellen Instruments, des Stabilitäts- und Wachstumspakts, verschärft, da er die Ausgaben der Länder beschränkt, wenn niedrigere Zinsen den Schuldnerländern Spielraum verleihen, mehr auszugeben. In Italien und Spanien steigt die öffentliche Verschuldung als Anteil am BIP, obwohl sich beide Länder gemeinsam mit ihren Partnern in der Eurozone zu einer Verringerung der Schuldenquoten verpflichtet haben.“
  • „Die Geldpolitik schreibt das Ungleichgewicht zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern in der Eurozone fort, und die makroprudenzielle Politik tut nichts dagegen. Wenn sich die Zinsen normalisieren, könnte dies zu einer ernsthaften finanziellen Instabilität führen.“ – bto: Genau deshalb darf es nicht dazu kommen! Null- bzw. Negativzins for ever.
  • „(…) die EZB (muss) erkennen, dass jeder positive Effekt auf die Nachfrage wahrscheinlich auf die schwächeren Ökonomien der Eurozone beschränkt bleiben wird, also auf Ökonomien, die es sich am wenigsten leisten können.“

Alles richtig: Doch darum geht es doch schon längst nicht mehr. Es geht nur noch darum, das Schuldenspiel eine Runde weiter zu bekommen!

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Das Minsky-Paradoxon der Eurozone“, 23. November 2015

2 Kommentare

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.