Euro: Desaster mit Ankündigung – Zieht die EZB den Stecker? – Oder ist Deutschland erpressbar?

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Es ist zwar müßig, weil die Politiker es nie eingestehen werden: Doch weder das Chaos des Euro noch sein definitives Ende sind fraglich. Es ist nur eine Frage der Zeit. Heute schauen wir aus zwei Blickwinkeln. Wie klar die Probleme vorhergesehen wurden, habe ich bei bto mehrfach gezeigt. Die NZZ erinnert an die Mahnungen vor 25 Jahren:

  • Im Sommer 1992 geschah in Deutschland sehr Ungewöhnliches. (…)  62 Professoren (warnten) vor den Folgen einer überhasteten Einführung der Währungsunion. Die Beschlüsse von Maastricht würden ein konfliktarmes Zusammenwachsen in Europa gefährden, lautete die Kernaussage.“ – bto: Genauso ist es gekommen.
  • Schon das Europäische Währungssystem (EWS) habe nicht mehr gut funktioniert, nachdem ab 1987 die Wechselkursanpassungen aufgegeben worden seien und einige Länder dann durch ihre höhere Inflation massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren und Leistungsbilanzdefizite aufgebaut hätten. Eine Einheitswährung habe vor diesem Hintergrund nur Probleme bringen können.“
  • „Zur Kritik an der geplanten Währungsunion gehörte, dass die festgelegten Konvergenzkriterien zu weich seien. Zudem wurde befürchtet, die Eintrittskriterien würden nur am fixierten Termin eingehalten und später verwässert (bto: Bingo!), um grosse Unwägbarkeiten für einzelne Länder zu vermeiden. Auch der Konsens, Preisstabilität als Priorität zu betrachten, fehle in Europa (bto: Bingo!) und berge daher die Gefahr einer unkontrollierten Inflation (bto: noch nicht), hiess es. Ferner befürchteten die Ökonomen, der starke Konkurrenzdruck würde für die schwächeren Länder aufgrund ihrer geringeren Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu wachsender Arbeitslosigkeit (bto: Bingo!) führen. Dies berge die Gefahr von Transferzahlungen (bto: Bingo!) im Sinn eines Finanzausgleichs. Die wirtschafts- und interessenpolitische Uneinigkeit in Europa würde letztlich dazu führen, dass eine Währungsunion grossen ökonomischen Spannungen (bto: Bingo!) ausgesetzt wäre, die zu einer politischen Zerreissprobe (bto: Bingo!) führen und damit das Integrationsziel in Europa gefährden würden. – bto: Es war also keine Überraschung!
  • Erkenntnis der Autoren heute: „Es habe sich erwiesen, dass die realen Unterschiede der Volkswirtschaften innerhalb der Währungsunion zu gross seien und sich das inhomogene Gebilde zwangsläufig in Richtung einer Transferunion entwickle. Dieser Prozess sei voll im Gang. Die Hoffnung, dass eine flexiblere Lohn- und Tarifpolitik sowie Wanderungsbewegungen der Menschen für einen Ausgleich innerhalb der Währungsunion sorgen würden, habe sich nicht erfüllt.“ – bto: wie denn auch. Vor allem haben die Autoren den Schuldenboom aufgrund zu tiefer Zinsen nicht erwartet.
  • Völlig übersehen habe man damals nämlich, dass die unheilige Verbindung zwischen Staatsfinanzierung und Banken letztlich zu einer Staatsschulden-, Banken- und Zahlungsbilanzkrise führen würde.“ – bto: Dabei ist die eigentliche Ursache die hohe Privatverschuldung.
  • Nicht bewahrheitet hat sich die Befürchtung einer aus dem Ruder laufenden Inflation. Ob dies aber (allein) ein Verdienst der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, darf infrage gestellt werden. In den vergangenen 25 Jahren herrschte nämlich weltweit eine geringe Inflation, vermutlich dank der Globalisierung und dem scharfen Wettbewerb aus den Schwellenländern, der die Lohnkosten in Europa unter Druck setzte. Dazu kamen die Effizienzgewinne durch die Erfindung des Internets und die Digitalisierung, was ebenfalls zu sinkenden Preisen für zahlreiche Produkte beigetragen haben dürfte.“ – bto: Das stimmt und gilt weltweit.
  • Aus geopolitischen Gründen glaubt (Rürup) nicht an einen Zerfall. Wenn der Euro zerbreche, drohe eine bipolare Währungswelt mit dem US-Dollar und dem erstarkenden chinesischen Renminbi. (…) Zudem wären die wirtschaftlichen und politischen Kosten eines Zerbrechens der Euro-Zone extrem hoch – gerade für Deutschland als sicheren Hafen mit hohen Forderungen an die Peripherieländer.“ – bto: Da wird es deutlich ausgesprochen, wir sind erpressbar!
  • Gerade für Deutschland sei der Euro inzwischen Staatsräson. Man könne sich aber damit trösten, dass das Land aufgrund seiner grossen wirtschaftlichen und politischen Kraft immer eine gewisse Dominanz ausstrahlen werde – und so die Entwicklung dementsprechend stark beeinflussen könne.“ – bto: Diese Erwartung halte ich für naiv. Ohne England sind wir alleine in der EU.

Zusammengehalten wird das Gebilde nun seit Jahren von der EZB. Ich persönlich denke, sie wird es auch weiterhin tun, weil, bei jedem Versuch, es nicht mehr zu tun, die Krise sofort da ist und die Politik – gerade die deutsche! – dann alles akzeptieren wird, um einen Offenbarungseid für das Projekt zu verhindern. So muss man auch das Theater um die Äußerungen Draghis zu den Folgen eines „taperings“, also eine Reduktion der Wertpapierkäufe sehen. Sie sollen zu Angst in den Märkten führen und damit das Argument liefern für die Antwort auf die Kritiker aus Deutschland. So durchsichtig!

In das gewünschte Horn bläst Ambroise Evans-Pritchard im Telegraph. Wobei alles, was er inhaltlich sagt, meines Erachtens zutrifft, nur nicht die Annahme, dass es dazu kommt:

  • Mario Draghi, the ECB’s president, said investors have come to rely on easy money from Frankfurt and nobody knows what will happen when the spigot is turned off. (…) The warning comes as investors fret about the fate of southern Europe’s debt markets once the ECB stops buying eurozone bonds, which it may have to do sooner than it may like as headline inflation picks up and pressure builds in Germany for an end to quantitative easing (QE).“ – bto: Und genau darum die Show!
  • The risk spread on Italian 10-year bonds surged to 202 basis points on Monday, the highest since the start of the QE era. It is flirting with levels not seen since the tail-end of the eurozone debt crisis. French, Spanish, Portuguese, and Irish spreads all jumped sharply.“ – bto: ja und? Das ist doch fern davon entfernt, wo die Zinsen angesichts der Fundamentaldaten liegen müssten.
  • ‚The ECB made a horrible mistake when it agreed to cut bond purchases. They are effectively telling Italy to go and blow up. This is how they are going to destroy the eurozone‘, said one former ECB governor.“ – bto: Wenn es so wäre, wäre bald Schluss. Undenkbar.
  • The key tailwinds that have driven the eurozone’s cyclical recovery over the last two years – cheap oil, a weak euro, QE, and the end of fiscal austerity –  are either fading or turning into headwinds.“ – bto: Ja, das stimmt und erhöht die Krisenwahrscheinlichkeit enorm. Aber wird die EZB die eigene Existenz beenden?
  • Hedge funds are quietly taking out short positions on Italian debt, betting that yields will punch much higher if the Italian treasury is left naked as it tries to sell €200bn of annual debt issuance. ‚Tapering will leave the Italy without the key buyer of its debt‘, said a recent report by Mediobanca.“ – bto: Den Bericht hatte ich gestern Nachmittag. Das mit den Hedge Fonds sorgt mich nicht, da sie bekanntlich gerade mit Blick auf den Euro immer schieflagen.
  • Mr Draghi, himself a former governor of the Banca d’Italia, is acutely aware of the difficulties but faces a near impossible balancing act trying to help the South while keeping Germany and the north Europeans on board.“ – bto: Darum macht er diese Show. Die Märkte sollen ihm die Argumente liefern, weiterzumachen.

Spannend bleibt es allemal. Ich würde es so zusammenfassen:

  1. Es ist unstrittig, dass es ein Fehler war.
  2. Es ist ebenso unstrittig, dass es so nicht funktionieren kann.
  3. Die Politiker wollen es nicht zugeben und bei uns vor allem die enormen Verluste verschleiern.
  4. Deshalb sind alle froh, dass die EZB ihnen Zeit kauft, bis sie nicht mehr im Amt sind.
  5. Die EZB wird dennoch kritisiert von den Gläubigern und jenen, die das Spiel durchschauen (wollen).
  6. Deshalb muss die EZB entsprechende Argumente erzeugen, zum Beispiel, indem sie in den Märkten für Stress sorgt, der aber noch beherrschbar ist.
  7. Dann „muss“ sie handeln und die erpressbaren Gläubiger (bald 800 Milliarden Target2-Forderungen, die sehr wohl relevant werden, wenn das Ding explodiert!) werden zustimmen.
  8. Und auf zur nächsten Runde.

Endspiel? Offen. Guter Ausgang? Immer weniger wahrscheinlich.

→ NZZ: „Plädoyer für eine verkleinerte Euro-Zone“, 25. Januar 2017

→ The Telegraph: „ECB’s Mario Draghi warns on liquidity shock as tapering nears“, 6. Februar 2017

16 Antworten
  1. Bakwahn says:

    Nicht nur die NZZ blickt auf 25 Jahre Euro zurück. Auch die FAZ bietet einen Artikel von Philip Plickert „25 Jahre Maastricht – Wovor die Euro-Kritiker schon früh warnten“.
    Der FAZ-Artikel kommt zum Ergebnis:
    „Dass die Währungsunion einen besonderen Wohlstandsschub für Europa brachte und die Einigung intensiviert habe, ist nicht festzustellen.“ Und er nimmt auf Prof. Sinn bezug: „Der Euro wurde vielmehr, so findet Hans-Werner Sinn, zu einem Spaltpilz.“
    So schaut’s aus und nicht anders!

    Für mich persönlich ist die Aussage des Würzburger VWL-Professors Norbert Berthold, der in dem Artikel kurz referiert wird, interessant. Berthold sagt über die Eurozone:„Sie ist primär ein politisches Projekt. Der politische Druck ist so groß, dass man damit in den nächsten Jahrzehnten leben muss.“
    Prof. Berthold leitet den Blog (der Blog? die Blog? das Blog? Keine Ahnung!) wirtschaftlichefreiheit.de, auf dem ich in den vergangenen Jahren gelegentlich längere Postings abgesetzt habe. Ich habe vor ein oder zwei Jahren in mindestens 2 Kommentaren die auf diesem Blog schreibenden Professoren darauf aufmerksam gemacht, daß der Euro ein politisches Projekt sei und die Politik sich einen feuchten Kehricht um die Ratschläge und Empfehlungen der Fachleute gekümmert habe. „Was kümmert uns dieses Geschwätz der ‚Fachleute‘? Wir wissen es besser als diese dummköpfigen Nörgler. Wir machen das jetzt.“
    Heute stellt die Politik erleichtert fest, wie leicht man mithilfe der EZB sich Zeit erkaufen und die desaströsen Folgen der Gemeinschaftswährung immer wieder übertünchen und vor dem Publikum verstecken kann.
    Hier der Link zum FAZ-Aufsatz:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/25-jahre-maastricht-wovor-die-euro-kritiker-schon-frueh-warnten-14852243.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Achja, @Tischer. Das Aushandeln eines LT-Arrangements ist ebenfalls eine wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheit. Es handelt sich quasi um angewandte Ökonomie. Nicht neidisch sein, einfach mitkommen und mal praktisch werden.

    Enough for one go.
    Live aus Vientiane – 8.2.2017 – 16.25 Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

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    • Michael Stöcker says:

      Wirtschaftlichefreiheit ist ein Hort degenerierter Ordoliberaler, die die wahre Idee des Neoliberalismus verraten und verkauft haben und die sogar einem Oswald Metzger eine Plattform bieten, um seine billige Polemik zum Besten zu geben.

      „einfach mitkommen und mal praktisch werden.“

      Da hätten diese zwei Damen wohl besser eine Feldstudie mit einem wahrhaftigen Feldstecher gemacht, statt aus dem Elfenbeinturm zu fantasieren: http://www.forbes.com/2006/02/11/economics-prostitution-marriage_cx_mn_money06_0214prostitution.html.

      Übrigens: Geld war schon immer auch eine Institution des Rechts und von daher auch schon immer höchst politisch. Neoklassisch geprägte Ökonomen haben/hatten hiervon allerdings keine Ahnung, geschweige denn die sogenannten Ordoliberalen.

      LG Michael Stöcker

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      • Bakwahn says:

        @Stöcker
        Danke für ihre Antwort und ihre Einschätzungen, etwa zu WirtschaftlicheFreiheit.
        Ich kann als ökonomischer Laie ihre Meinung, Bewertung (etwa „Wirtschaftlichefreiheit ist ein Hort degenerierter Ordoliberaler“) weder sachgerecht beurteilen noch kann ich ihr Urteil in seinem Sach- und Wahrheitsgehalt fachkundig kritisieren. Ich nehme es einfach mal so hin, wie Sie es sagen.
        Allerdings darf ich feststellen, daß auf WF sehr oft genau die gleichen oder sehr ähnliche Positionen, Argumente, Kritiken gegen den Euro und die bisherigen „Rettungsmaßnahmen“ bezogen bzw. vorgetragen werden wie hier bei Stelter. Ich als Laie sehe da kaum Unterschiede, höchstens hauchdünne Nuancen.
        Ansonsten: PEACE.

        Bakwahn

  2. Johannes says:

    „8. Und auf zur nächsten Runde.“

    Unter den „alten“ politischen Rahmenbedingungen würde ich das auch so sehen. Nur: „GB first“ (nichts anderes ist der Brexit), Amerika first sind bereits da und führen zu veränderten Rahmenbedingungen. Vielleicht stößt „Frankreich first“, Niederlande first und wer sonst noch dazu.

    Über die potentiellen Folgen des wirtschaftlichen „ich zuerst“ wurde in diesem Blog schon viel gesagt – bislang war das eine hypothetisch basierte Diskussion. M.E. nach folgt nun der Anschauungsunterricht.

    Die 8. Runde wird anders.

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  3. Ralph Klages says:

    Kleine Anmerkung zu: „……Die Hoffnung, dass eine flexiblere Lohn- und Tarifpolitik sowie Wanderungsbewegungen der Menschen für einen Ausgleich innerhalb der Währungsunion sorgen würden, habe sich nicht erfüllt.“ Leider ist es so. Es hätte nicht sein müssen. ALLE Politiker waren derzeit vom Euro wie berauscht. An Bildungsanstrengungen, um z.B. EINE Basissprache für ganz Europa mit Verve einzuführen, also z.B. schon Erstklässlern Englisch beizubringen, hatte in den 25 Jahren niemand wirkliches Gehör. Man mag dieses gesamteuropäische Politikversagen aus rein ökonomischer Sicht belächeln, geht es bei Sprachbarrieren ja nicht um Geld, es zeigt aber eindrücklich, dass schon die Voraussetzungen z.B. für ausgleichende Wanderungsbewegungen ( u.a.Sprache !) mangelhaft waren. Und leider immer noch sind. Welcher Italiener oder Spanier (und leider auch Deutscher) vermag sich auf englisch ausreichend sicher mitzuteilen – etwa auf A2/B1 Niveau? Es fehlte und fehlt IMMER NOCH an einer Grundlage, damit die oben zitierten Wanderungsbewegungen ausgleichend wirken, die z.B. in Amerika für den notwendigen Lohnausgleich sorgten. Für einen überzeugten Europäer schlichtweg beschämend. LG

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  4. Christian Müller says:

    Was geschieht, wenn der Euro zusammenbricht und alle Länder zu eigenen Währungen zurückkehren?
    Zunächst wird die Transformationsphase natürlich chaotisch und gefährlich.
    Und dann?
    Die neue D-Mark wird wohl stark aufwerten und vermutlich überschiessen. Die deutschen Produkte werden auf dem Weltmarkt von einem Tag auf den anderen doppelt so teuer. Wer wird dann noch deutsche Produkte kaufen? Die abwertenden Nationen können nicht mehr und die USA z.B: wollen nicht mehr…
    Das ganze Deutsche Jubelmodell vom Exportweltmeister wird mit einem Schlag beendet sein.
    Deutschland hat am meisten zu verlieren. Aber dem scheint man sich in Deutschland nicht bewusst zu sein.

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  5. Mrgalak says:

    Und die Niederlande, welche einen noch höheren prozentualen Handelsbilanzüberschuss haben als Deutschland, und > 100 Milliarden EUR Target 2-Forderungen.

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    • Rob says:

      Es gefällt mir seit einiger Zeit überhaupt nicht, dass meine Heimat einen noch höheren LB-Überschuss (bezogen auf das BIP) aufweist als Deutschland.

      Aber wie so oft im Leben: Dünne Röhre, die senkrecht Flüssigkeit aus dem großen Teich bis zu einer großen Höhe aufsaugen (akkumulierte Überschüsse), lassen den Pegel des Teiches weniger absenken, als dicke Röhren dies bewerkstelligen. Der NL-Überschuss tut niemanden weh.

      So ist es ja auch mit dem Rentensystem. Niederländische Pensionsfonds haben ein riesiges Anlagevermögen angehäuft. Aber erst seitdem Deutschland auch angefangen hatte mit einer kapitalbildenden Altersvorsorge auf dem „Markt“ zu erscheinen, findet man erst deutliche Anzeichen einer Sparschwemme vor.

      Und dass nicht alle Nationen einen Sparüberschuss haben können, sagt uns ganz unverfroren die Saldenmechanik.

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  6. kyle broflovski says:

    Ihr Sprachenargument ist völlig richtig. Damals – 1992 – wurde auch noch viel von einer irgendwie gearteten deutsch/französischen oder französisch/deutschen Union phantasiert. („Zurück zum Reich Karls des Großen“. Es hat nur nie jemand ernsthaft thematisiert, dass dieses „Reich“ Karls Tod nicht überlebte.)

    Ich dachte damals, dass das eine F/D-Union nur ernsthaft funktionieren könnte, wenn sofort Deutsch für alle (auch Hauptschule) die erste Fremdsprache in F. wird und vice versa. Und für alle in D. und F. Englisch als die zweite Fremdsprache. Passiert ist natürlich nichts, was daran liegt, dass keinerlei organischer Trend diese Phantasien und Überlegungen unterfütterte. Ich habe selbst einige Zeit in F. gearbeitet und bin zu dem Schluss gekommen, dass die beiden Länder trotz gewisser struktureller Parallelen (Liebe zu großen Staatsbürokratien) am Ende kulturell völlig verschieden „ticken“. Und sich trotz der langen direkten Grenze wechselseitig den Rücken zukehren. Mit ethnologischen Ansätzen hat das ja auch E. Todd überzeugend gezeigt. Das zeigt, dass der Euro auch zum Scheitern verurteilt ist, da diesem synthetischen Währungsraum die zentrale sprachlich-kulturelle Grundlage fehlt.

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  7. Dietmar Tischer says:

    >„Es habe sich erwiesen, dass die realen Unterschiede der Volkswirtschaften innerhalb der Währungsunion zu gross seien und sich das inhomogene Gebilde zwangsläufig in Richtung einer Transferunion entwickle. Dieser Prozess sei voll im Gang.>

    Auch wenn der Prozess voll im Gang sein sollte, ist die Schlussfolgerung, dass der Endzustand eine voll umfängliche Transferunion sei, nur dann gerechtfertigt, wenn man davon ausgeht, dass die Währungsunion NICHT zerfallen kann.

    Ich gehe nicht davon aus.

    Ökonomen sollten doch wissen, dass ALLES einen Preis hat, und dass dieser so hoch sein kann, dass man von dem, was man durch seine Zahlung erhalten kann, Abstand nimmt.

    >Zudem wären die wirtschaftlichen und politischen Kosten eines Zerbrechens der Euro-Zone extrem hoch – gerade für Deutschland als sicheren Hafen mit hohen Forderungen an die Peripherieländer.“ – bto: Da wird es deutlich ausgesprochen, wir sind erpressbar!>

    Die Schlussfolgerung ist nicht zwingend.

    Die Forderungen können sie hoch sein wie sie wollen – Forderungen sind sie nicht einmal zu „spüren“, siehe Target2-Salden –, entscheidend sind die GESPÜRTEN KOSTEN.

    Und da kann Deutschland durchaus einmal zu der Auffassung gelangen, dass sie zu HOCH sind – und aussteigen. Es muss uns – verglichen mit heute – nur einmal eine Zeitlang deutlich schlechter gehen.

    Allerdings:

    Aufgrund unserer Vergangenheit können wir Europa/die Eurozone nicht einfach ins Chaos abgleiten lassen. Es würde uns verständlicherweise NIE vergeben. Auch das fällt unter Kosten.

    >The warning comes as investors fret about the fate of southern Europe’s debt markets once the ECB stops buying eurozone bonds, which it may have to do sooner than it may like as headline inflation picks up and pressure builds in Germany for an end to quantitative easing (QE). – bto: Und genau darum die Show! “>

    Keine Show, sondern ein Problem:

    Wenn die Inflation wirklich deutlich über die 2% steigen würde, dann

    a) hätte die EZB nicht einmal mehr eine BEGRÜNDUNG , die Zinsen mit QE weiter unten zu halten, weil ihr selbstgesetztes Inflationsziel von etwas unter 2% überschritten wäre

    und

    b) die in unserer BEVÖLKERUNG zunehmend wahrgenommene Diskrepanz zwischen Inflation und Guthabenzinse, würde die Politik zwingen, auf die EZB massiv Druck auszuüben.

    Statt in einer Show kann das in einem Showdown enden.

    Zur Zusammenfassung:

    1. bis 4. d’accord.

    Die Target2-Forderungen sind nicht das große Thema, jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit.

    Das große Thema, auf das sich die EZB einstellen muss mit Blick auf Deutschland als GELDSPARER-Nation:

    Wie behält die Mainstream-Politik eine von Mehrheiten getragene Akzeptanz, wenn sich durch EZB-Politik die Differenz zwischen Inflation und Guthabenzinsen erweitert?

    Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Niemand kann wissen, ob T. Fricke an das glaubt, was er schreibt.

        Man kann aber davon ausgehen, dass er es glaubt.

        Denn Menschen, die Erfolg haben – und Kolumnist von SPON sein zu können, ist ein Erfolg – sind erfahrungsgemäß davon überzeugt, das Richtige zu tun, in diesem Fall eine richtige Meinung zu vertreten.

        Und natürlich vertritt er eine bestimmte Position.

        Es ist nicht die Position eines Ignoranten, sondern die eines DEMAGOGEN, weil er, um lediglich ein Ignorant zu sein, zu viel weiß, nämlich wie man Dummheit produziert.

        Denn was er sagt und wie er die seine Sicht begründet ist so unterirdisch nichtssagend dumm, dass man sich nicht weiter damit zu befassen braucht – außer zu zeigen, wie nichtssagend dumm das ist, was er sagt.

        Beispielhaft:

        So schreibt er zur „Jahrhundertbankenkrise“ in der von Ihnen verlinkten Kolumne:

        „Menschliches Versagen. Kann passieren.“

        Ja doch, die Jahrhundertbankenkrise ist menschliches Versagen.

        Das ist so, weil alles, was nicht vom Himmel fällt, durch Menschen verursacht wird, und wenn das zu einer Krise führt, eben durch menschliches Versagen zu einer Krise geworden sein muss.

        Derartige Sprüche nimmt niemand, der sich ernsthaft mit Krisen beschäftigt, ernst. Kein Ökonom von Rang befasst sich mit derartigen Plattitüden.

        Fricke liefert Unterhaltung für Halbgebildete, die SPON als Presseorgan für „Aufklärung“ verstehen.

      • Mark Lipda says:

        @Dietmar Tischer

        Danke für die Einschätzung, der ich mich uneingeschränkt anschließen kann, die ich aber nicht so treffend hätte formulieren können. Es tut gut lesen zu können, dass andere eine ähnliche Meinung teilen, und es stimmt traurig, dass der Spiegel sich mit seiner großen Reichweite nicht zu einer objektiveren Berichterstattung verpflichtet fühlt.

  8. Hans Müller says:

    Hallo Herr Stelter,
    es ist doch so einfach. Wieso soll Deutschland erpreßbar sein? Wenn die Tide rausgeht und man schaut, wer nackt schwamm, dann wird Bilanz gemacht. Die EZB hält via Target II Salden Forderungen von 700 Mrd EUR und mehr an die Südländern. Ganz einfach: dann werden die Forderungen fällig gestellt. Die Südländer besitzen Immobilien und Grundstücke von weitaus höherem Wert. Der ganzen „ImmobilienBESITZ“ der spanischen Haushalte ist zum größten Teil schuldenfinanziert.

    Ganz einfach: dann bekommt der deutsche Gläubiger eben die Eintragung ins Grundbuch dieser Immobilien. Jedem fleißigen deutschen Steuerzahler seine schöne Wohnung an der Costa Brava, in Barcelona und San Sebastian. Die schönen spanischen Schnellzüge, Ubahnen, Flughäfen, die sie mit unseren Mitteln gebaut haben, dürfen dann die nächsten 50 Jahre Erträge in unsere Richtung abwerfen.
    So hat es Jakob Fugger mit Karl V. gemacht, als er ihm Geld geliehen hat und dafür die Schürfrechte an den Silber- und Kupferminen in Felix Austria bekam, so sollten wir es machen.

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