„Could Trumponomics work?“

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Kann das Programm von Trump funktionieren? Ich hatte hier schon mehrere Stimmen dazu. Ich selbst war ja anfangs optimistisch, sehe nun jedoch das Risiko der steigenden Zinsen. Dennoch ist das hier nicht so falsch:

→ „Mit Trump kommt die Reflation“

 Nun die FT zu dem Thema:

  • „The nominee for Treasury secretary, Steven Mnuchin, vowed in a recent interview to achieve sustained 3-4 per cent annual GDP growth. Critics have been scathing.“ – bto: Es wäre in der Tat ein Ausbruch aus der Eiszeit. 
  •  „Lawrence Summers wrote in the FT that ‚I can find no basis in either economic history or logic for Mr Mnuchin’s claim that the proposed reforms would increase the economy’s growth rate from its current 2 per cent rate to the historical 3 to 4 per cent norm. Adult population growth has slowed by nearly a percentage point, the gains generated by more women entering the workforce have been exhausted, and it is far from clear why tax reform will hugely spur productivity growth.‘“ – bto: So argumentiere ich bekanntlich auch mit Blick auf Deutschland und Europa. Zu unrecht?

 

 Quelle: Financial Times

  •  „Some serious people think Trumponomics might, just might, work. One is Kenneth Rogoff, who makes two simple but powerful points. The first is that “the biggest missing piece of the global recovery is business investment, and if it starts kicking in finally, both output and productivity could begin to rise very sharply”. That is as true in the US as elsewhere.“ – bto: Das stimmt. Käme es wirklich zu einem Investitionsboom, könnte das helfen. Allerdings dürfte es da vor allem um Automatisierung und Effizienz gehen.
  •  „What matters, of course, is whether business investment will increase under a Trump economic policy. If it does, it could be because regulations are made business-friendly, because fiscal stimulus boosts aggregate demand and expectations of future demand growth, simply because there is something about Trump that changes the ‚animal spirits‘ of investors and business decision makers.“ – bto: Bisher haben die Unternehmen nämlich das Geld lieber für Aktienrückkäufe ausgegeben. Insofern braucht es vor allem andere Zukunftserwartungen. 
  •  „Whether greater spending leads to greater (sustained) growth depends on (…) whether there is much spare capacity in the economy today, or more intriguingly, whether supply capacity itself responds with faster productivity increases in a ‚high-pressure economy‘ of strong demand.“ – bto: Das ist sicherlich richtig. Es könnte dazu führen. 
  •  „Unemployment is now very low, so Summers is right that high job growth must rely on either an expanding population or increasing the share of the population that participates in the labour force. (…) The US is seriously underperforming relative to its own record on employment. The employment-to-population ratio for 25 to 54-year-olds (which should not be affected by ageing or college attendance) is 78.1 per cent, almost four points below the record set in the last year of the Bill Clinton presidency. The ratio for 16 to 24-year-olds is 10 points down. Restoring those ratios should add about 8m-9m jobs or 6 per cent of the current total.“ – bto: ein Hebel, den wir in Deutschland übrigens auch haben, allerdings nicht in dem Umfang. Wir könnten weniger Urlaub machen, mehr Stunden pro Woche arbeiten und hätten insgesamt mehr Lebensarbeitszeit. 
  •  „If the underlying labour force in addition expands as fast as the adult population growth rate — currently just over 1 per cent per year — that amounts to the labour supply growing at perhaps 1.6 per cent a year, which adds up to Trump’s 25m jobs over a decade. Surely this is not unrealisticJapan shows that the labour force can grow faster than the working-age population as more people work later in life.“ – bto: eine ohnehin erforderliche Maßnahme, um mit der Alterung finanziell umzugehen. 

 

  Quelle: Financial Times

  •  „(…) unless the rate of productivity growth ultimately recovers, even this is not enough to restore historical economic growth rates on a sustained basis. But it could be enough to restore them temporarily. And that, as Narayana Kocherlakota has suggestedcould lead to investment and innovation that would spur productivity, which he argues happened after the Great Depression.“ – bto: wobei es damals auch mit dem Zweiten Weltkrieg zusammenhing. 

Fazit FT: „(…) it does show that it is foolish to think it is impossible for the US economy to achieve a permanently higher rate of growth with the right policies. One must hope that the new administration at least approximates some of those.“

– bto: eine Möglichkeit, die wir nicht von der Hand weisen können. Das Risiko bleiben die ansteigenden Zinsen. Diese könnten den Aufschwung ersticken, bevor er kommt.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Could Trumponomics work?“, 8. Dezember 2016

6 Kommentare
  1. L. Gerwig says:

    Real-World-Investment-Bevorzugung zur Förderung von Arbeit mit Dingen und zur Renovierung der technischen und baulichen Infrastruktur – könnte das eine Lösung sein für das Problem der Virtuellen Blasen von Assetmärkten und Internetfirmenbewertungen. Natürlich kann man die Fehlsteuerung von Investitionen nur durch höhere Zinsen langfristig verbessern. Doch Eine Steuerstrafe für Blasenvergrößernde, nicht produktive Investitionen und solche in die virtuelle Welt (weil diese tendenziell vor allem die Spitze am Erfolg beteiligt) könnte den Menschen wieder sichtbare Verbesserungen für die eigene Erlebniswelt geben.

    Was halten Sie davon?

    L. Gerwig

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    • Michael Stöcker says:

      Realinvestitionen: So sollte es sein.

      „Natürlich kann man die Fehlsteuerung von Investitionen nur durch höhere Zinsen langfristig verbessern“

      Auch Sie unterliegen einer fehlerhaften Vorstellung über die Funktion des Zinses. Die Namenswahl meines Blog ist Programm: Zinsfehler.

      Gerald Braunberger hat 2,5 Jahre an seinem jüngsten Paper zu Schumpeter geschrieben. Tolle Leistung, an der es kaum etwas zu kritteln gibt: http://blogs.faz.net/fazit/2016/12/12/schumpeter-ist-aktueller-denn-je-8272/

      Schumpeter hat die Voraussetzungen für hohe Zinsen sauber beschrieben und ist somit auf ganzer Linie mit dem Zinsverbot der Religionen.

      LG Michael Stöcker

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    • Dietmar Tischer says:

      Man kann und sollte darüber nachdenken, was eine Lösung sein könnte.

      Dazu gehört auch, WIE es zu dieser Lösung kommen könnte in der realen Welt.

      In der ist doch die Ausgangslage die:

      Diejenigen, die investieren könnten, investieren nicht, weil sie durch die Zinspolitik der Notenbanken ohne einen Finger krumm zu machen, ordentliche „Renditen“ in Form von Wertzuwachs bei den Assets erzielen.

      Wie kriegt man jemanden, der so konditioniert ist dazu, dass er stattdessen für REALE Wertschöpfung investiert?

      Die Frage müssen Sie sich stellen und auch beantworten.

      Ihre Auffassung, derartige Investitionen mit Sanktionen (Steuerstrafe) zu erzwingen, wird nicht funktionieren. Denn wenn Sanktionen drohen, wird das Vermögen ins Ausland transferiert bzw. wenn es schon dort ist, gar nicht erst nach Hause geholt.

      Statt mit Sanktionen zu drohen, muss man mit Anreizen locken – Steuergeschenken, am besten ewiger Steuerbefreiung, Dauer-Subventionen und Garantien …

      Das ist die ERLEBNISWELT, mit der man es versuchen müsste, wenn man Investoren aktivieren will.

      Antworten
  2. L. Gerwig says:

    Danke Herr Stöcker,

    es ist tragisch mit den Zinsen, und mein Wunsch nach Steuerung durch Zins bezieht sich auf dieses Geldsystem, nicht ein wünschenswertes besseres. Ich denke also nicht Outside the Box. Einerseits ist es schon richtig, dass eine gewünschte Investition in den 70-ern auch bei hohen Zinsen zustande kam, weil sich der erwartete Ertrag rechnete. Andererseits wäre heutzutage ein höherer Zins – neben der dramatischen Wirkung in Richtung hoher Abschreibungen und Konkurse – ein Reallokator hin zu kreditärmerem, eigenkapitalreicherem, verantwortungsvollerem und kybernetisch besser reguliertem Handeln wirtschaftlicher Akteure. Dass die Sache mit dem Zinsverbot keine dumme ist, kann man im AT nachlesen. Das ist aber nicht unsere Zeit. Nicht mehr oder noch nicht wieder. Und auch dafür braucht es einen kulturellen Rahmen, den ich nicht sehe hier und heute.

    Dennoch danke ich Ihnen für den Braunberger-Schumpeter-Link. Schumpeter hat mir schon in der Schule am ehesten eingeleuchtet und wenn man guckt, dann geht alles in das krampfhafte Festhalten des Alten, so dass nichts Neues wachsen darf. Angst vor dem Verlassen des Status Quo ist eminent. Deshalb aber gefällt mir Herrn Stelters Blog, weil er sich mit den gegebenen Kräften auseinandersetzt ohne die ideale Welt zu ignorieren. Und so lässt er auch Sie täglich werben für die ideale Welt. Nett von ihm, nicht wahr?

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  3. Dietmar Tischer says:

    Der Mann ist noch nicht einmal im Amt, hat kein Programm vorgelegt und außer der Ernennung von Personal noch nichts entschieden – und doch wird umstandslos über „Trumponomics“ geredet.

    Was irgendjemand, mehr oder weniger bedeutend, erreichen WILL, ist jedenfalls kein Programm.

    Was die 3 bis 4% NACHHALTIGES Wachstum betreffen, bin ich bei L. Summers und frage mich wie er:

    WO soll es herkommen?

    Natürlich ist es dumm anzunehmen, dass ein nachhaltig höheres Wachstum UNMÖGLICH ist.

    Es ist aber auch dumm, die Möglichkeit, dass es kommen wird, mit der Aufzählung von WENNs wahrscheinlicher erscheinen zu lassen.

    Abgesehen davon, wohnt ALLEN Möglichkeiten – wie richtig angemerkt – das Risiko höherer Zinsen inne.

    Davon, oder auch nur davon, dass DIES ebenfalls eine Möglichkeit ist, steht in der FT offensichtlich nichts.

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  4. MT says:

    Was mir bei all dem plötzlichen Hype nicht so recht in den Kopf will:
    Ist denn wirklich mit einem (wie auch immer großen) Infrastrukturporgramm der heilige Gral der Konjunkturrettung (gar auf ewig) gefunden?

    Und bedeutet das im Umkehrschluß, daß die Regierung von Obama mitsamt seinen Heerscharen an Beratern und sog. Experten 8 Jahre lang nicht auf die Idee gekommen sind, die Staßen neu zu teeren???

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