Brexit: kein wirtschaftliches Desaster für GB – eher für uns

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Am 21. Juni habe ich den nachfolgenden Beitrag zum ersten Mal bei bto verlinkt. Damals war es noch Spekulation über ein unwahrscheinliches Szenario. Heute ist es gut, sich daran zu erinnern. Die ökonomischen Konsequenzen eines Brexit für Großbritannien sind keineswegs so sicher negativ wie von den Medien gerade auch bei uns in Deutschland beschrieben. Sorgen müssen stattdessen wir uns machen. Bleiben wir doch nun allein mit den Umverteilern im Süden. Vor allem, wenn

  • Holland
  • Schweden
  • Dänemark
  • Finnland

dem britischen Vorbild folgen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen, liebe Leser, gestern bei den TV-Nachrichten gegangen ist. Ich jedenfalls konnte mich nur wenig für die Herren Juncker und Schulz erwärmen. Traurige Veranstaltung.

Doch nun zu den wirtschaftlichen Folgen, wie gesagt schon am 21. Juni bei bto:

JPMorgan Asset Management CIO Michael Cembalest ist wirklich einer der hellsten Köpfe, wenn es um das Verständnis von Finanzmärkten und der Gesamtwetterlage geht. Wir hatten einen regen Austausch, als ich das Back to Mesopotamia-Papier veröffentlicht habe. Seine Einschätzung: „So müsste man es tun, aber es wird von der Politik nicht gemacht werden. Das trauen sie sich nicht. Er hat recht, wie man bis jetzt sehen kann.

Mit Blick auf den Brexit hat er eine recht nüchterne Sicht, wie Zero Hedge berichtet:

  • UK growth will suffer a huge hit. Of all the analyses I’ve read about a possible Brexit scenario, I found Open Europe’s report to be the most clear-headed and balanced. Their realistic case estimates the cumulative impact of Brexit on UK GDP at just 0.8% to 0.6% by the year 2030; hardly the stuff that economic calamity is made of.” bto: Überhaupt sind die Berechnungen so von Annahmen abhängig.
  • UK-EU trade will collapse. Not necessarily. Norway, Iceland and Switzerland have entered into agreements with the EU on trade and labor mobility (European Economic Area, European Free Trade Area). As shown below, these three non-EU countries export as much to the EU as its members do.” bto: Vor allem haben wir ein großes Interesse am britischen Markt.

  • The British pound could weaken. UK core inflation and retail prices are rising at around 1%; inflation risks seem manageable even if the British pound weakened from here.”
  • Brexit would encourage support for nationalist movements in the Eurozone. Podemos (Spain), the 5-star Movement (Italy) and the National Front (France) experienced electoral gains well before the Brexit referendum took shape. Rising support for these parties reflects voter concerns about the growth and employment consequences of being a Eurozone member and using the Euro (e. g., 0.3% Italian annual real GDP growth since 1996, even worse than Japan), while the Brexit vote does not. I find it hard to believe that the future destiny of the Eurozone, however uncertain it may be, will be affected by a decision made in a country that’s not even a member.” bto: wie ich auch immer schreibe. Der Euro geht so oder so in die Krise.

  • Without the UK, the EU would suffer a loss in geopolitical influence on military and security matters. That has already happened. Europe’s increasing reliance on the US to finance 75 % of NATO has been a long-standing process that began in the early 1990s. Since that time, European military spending has fallen to 1.5 % of GDP (below NATO’s 2 % target), compared to 3.5 % 4.0 % in the US, 2.0 % in China and 4 % 5 % in Russia. An illustrative quote from Camille Grand at the Fondation pour la Recherche Strategique: We are moving toward a Europe that is a combination of the unable and the unwilling. These dynamics appear structural, and are unlikely to be materially changed by the Brexit outcome.

  • What about all the things we don’t know? There are unknowns in financial markets, some of which can be mitigated by Fed extension of swap lines to central banks dealing with adverse capital flows. However, consider the counterfactual: what are risks for the UK of remaining in the EU? As shown below, while some EU countries are in the same economic, political and judicial orbit as the UK, the ones that are further away (France, Spain, Italy) arguably exhibit just as strong an influence on EU policy, and by extension, on members like the UK.

  • Our cluster chart is based on data from the World Economic Forum’s Competitiveness Rankings. The closer countries are to each other, the more similar they are with respect to WEF factors. While some EU countries are in the UK’s immediate orbit (GER, NETH, SWE, IRL), other EU countries are not (FRA, ITA, ESP, PRT).  bto: Ganz nebenbei erklärt das Bild auch, weshalb der Euro scheitern MUSS.

From a purely theoretical UK perspective, a political union based on commonly shared practices & principles might include CAN, NOR, SWI and the USA instead.  bto: !!! Da wäre ich auch lieber dabei!

→ Zero Hedge: JP Morgan CIO Crushes Cameron’s Scaremongery: Brexit ‚Hardly The Stuff Of Economic Calamity‘“, 15. Juni 2016

4 Kommentare
  1. Stefan Bohle says:

    ich erlaube mir die Prognose, dass es zum „Durchmarsch der Südländer“ in der EU nicht kommen wird, da vorher der Euro zusammenbricht und danach ohnehin ein ganz neues Spiel ansteht.

    Der Unterschied zwischen einem EU-Referendum (wie jetzt in England) und einem Euro-Referendum (wie vielleicht in Österreich, Italien, …) dürfte darin liegen, dass alleine schon die Ankündigung eines Euro-Referendums garniert mit Euro-feindlichen Umfragewerten das Euro-System zum Kollabieren bringen kann. Stellen wir uns vor: 8 Wochen vor einem Euro Referendum in einem dieser Länder ist eine knappe Mehrheit der Befragten für Austritt – es kommt zu massiven Kapitalflüssen aus Peripherie-Staaten nach Deutschland mit der Folge explodierender Target-Salden, zudem Abflüsse in die Schweiz, in die USA, in Gold. Es wird dann wohl zu großflächigen Kapitalverkehrskontrollen kommen und in dieser Situation ist der Euro dann nicht mehr zu retten.

    Antworten
  2. MFK says:

    Ihr „Freund“ Fratzscher meinte, den Briten müsse man es jetzt erst einmal „richtig zeigen“, als Abschreckung für andere austrittswillige EU Länder. Frau Merkel spielt ihr Lieblingsspiel warten wir erst mal ab. Ich sehe die wirklichen Gefahren auch nicht so sehr im Austritt des UK sondern im Agieren der politischen Verantwortungsträger. Warten wir aber erst einmal die heutigen Wahlen in Spanien ab.

    Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.