„Alarm over corporate debt and stalled earnings“

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Wir wissen schon lange, dass die Hauptwirkung des billigen Geldes ein einmaliger Boom an Aktienrückkäufen in den USA gewesen ist. Hunderte von Milliarden US-Dollar haben Unternehmen dafür ausgegeben und waren damit die entscheidende Stütze für die Börsen: → Here Is The Reason Why Stocks Just Had Their Best Month Since October 2011

Nun mehren sich allerdings die Anzeichen für Probleme. Die FT zeigt dazu eine eindeutige Darstellung:

Quelle: FT

Steigende Schulden und fallende Profitabilität sind keine gute Mischung und verheißen nichts Gutes für die Aktienmärkte – so diese noch auf fundamentale Daten schauen und nicht im Geldregen der Helikopter die Fakten übersehen.

Die FT dazu:

  • Die Investoren reagieren immer negativer auf Anzeichen von „Over-Leveraging“. So sind im letzten Jahr die Schulden um 30 Prozent gestiegen, während der EBITDA (Gewinne VOR Zinsen, Steuern, Abschreibungen) als Kenngröße für den Mittelzufluss leicht gesunken ist.
  • US-Unternehmen geben viel zu viel aus, ca 35 Prozent mehr als sie als operativen Cashflow generieren. Dies ist das höchste Defizit seit mehr als 20 Jahren.
  • Problematisch ist vor allem, dass das Geld nicht für produktive Zwecke verwendet wurde, sondern für Dividenden, Firmenübernahmen oder Rückkäufe. Damit geht von dieser Geldverwendung keine Stärkung der Wirtschaft aus.
  • 2014 und 2015 haben zwischen 20 und 25 Prozent der Unternehmen im S&P500 so viele eigene Aktien zurückgekauft, dass der Aktienumlauf um vier oder mehr Prozent pro Jahr sinkt.
  • In diesem Jahr sind die Rückkäufe deutlich gesunken:  auf 182 Milliarden Dollar verglichen mit 354 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Gründe sind unter anderem die verschlechterten Wirtschaftsaussichten. – bto: was natürlich keine guten Nachrichten für die US-Börsen sind.
  • Die Aktionäre haben ihre Meinung auch geändert: Sie sehen Rückkäufe deutlich schlechter als noch im letzten Jahr. Dies sieht man auch daran, dass Fonds, die sich auf Unternehmen spezialisieren, die eigenen Aktien zurückkaufen, deutlich stärker gefallen sind, als der breite Markt.
  • Währenddessen haben Fonds, die sich auf Dividenden spezialisieren, deutlich besser als der Markt abgeschnitten. Ein klares Zeichen für die Skepsis im Markt.

Fazit der FT: Erst wenn die Unternehmen zeigen, dass sie die Erträge steigern können, um die Schulden leichter zu tragen, dürfte sich der Markt deutlich erholen.

Fazit bto: Es ist ein weiteres Zeichen für unser Ponzi-Schema. Immer mehr Schuldner erreichen ihre Verschuldungskapazität.

FT (Anmeldung erforderlich): „Alarm over corporate debt and stalled earnings“, 27. April 2016

4 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    Der Clou dieser Entwicklung:

    Die Unternehmen sehen offensichtlich KEINE Möglichkeit, PRODUKTIV zu investieren (China mau, Brasilien „tot“, Russland und andere Rohstoffländer zum Vergessen, die Eurozone im Risikomodus und USA auf dem Weg ins Ungewisse, Indien und Deutschland alleine reißen es nicht).

    Damit sinkt tendenziell das Ebita.

    Was tun sie, um ihre Aktionäre bei Laune zu halten?

    Sie kaufen eigene Aktien auf, um das VERMÖGEN zu steigern – bei den Zinsen kein Problem, dafür auch Kredite aufzunehmen.

    Das ist DASSELBE Schema wie bei der Subprime Krise am amerikanischen Immobilienmarkt:

    Wenn man nicht operativ, über Einkommenserzielung zu Wohlstand kommen kann, muss es eben über Vermögensbildung geschehen – stark gehebelt mit niedrigen Zinsen.

    Eine Situation, die durchaus zu einem bösen ERWACHEN an den Aktienmärkten führen könnte, die dann auch nicht mit billigem Geld zu retten ist.

    >Fazit der FT

    Erst wenn die Unternehmen zeigen, dass sie die Erträge steigern können um die Schulden leichter zu tragen, dürfte sich der Markt deutlich erholen.>

    Mein Fazit:

    Die Unternehmen werden nicht zeigen, dass sie die Erträge steigern können – wie sollten sie dies OHNE hinreichende Investitionen auch können. Sie werden zeigen, dass bei bestenfalls schwach fallenden Erträgen die Schulden SCHWIERIGER zu tragen sind – bis sie für viele nur noch durch Assetverkäufe zu fallenden Preisen zu tragen sind.

    Heißt:

    Sie werden in Spirale abwärts abnehmender Erträge und Vermögen laufen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Ja, diese Spirale hat sehr viel Spannung aufgebaut. Von daher verweist Larry Summers auch immer mal wieder auf Rudi Dornbusch: „The crisis takes a much longer time coming than you think, and then it happens much faster than you would have thought.”

      Gewinne sind im Kreditgeldkapitalismus letztlich immer monetärer Natur. Ohne monetäre Expansion und/oder fiskalische Redistribution sind letztlich keine Gewinne möglich. Entweder reagiert die Fiskalpolitik adäquat oder die Eiszeit wird immer wahrscheinlicher (siehe hierzu auch Nouriel Roubini: https://www.project-syndicate.org/commentary/global-growth-slowdown-factors-by-nouriel-roubini-2016-05/german) mit anschließendem Absturz.

      Dieses Problem wäre übrigens so oder so entstanden (Stichwort Binswanger). Mit den asymmetrischen Aufschuldungsprozessen wurde lediglich die Fallhöhe markant angehoben.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Katalin says:

        Hallo,

        man muß sparen um investieren zu können, laut Ihnen und Herr Stelter völlig falsch, aber der Satz taucht immer wieder und überall auf;

        1. https://www.project-syndicate.org/commentary/global-growth-slowdown-factors-by-nouriel-roubini-2016-05/german

        „Dies hat die globale Ersparnisflut und den globalen Investitionsrückgang verschärft.“

        2. http://www.fuw.ch/article/amerikas-handelsdefizit-beginnt-zu-hause/

        „Tatsächlich ist der wahre Grund dafür, dass die USA ein derart enormes Handelsdefizit aufweisen, dass die Amerikaner nicht sparen“

        „Sparen ist das Saatkorn wirtschaftlichen Wachstums – das Mittel, um Amerikas Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in Menschen, Infrastruktur, Technologie und neue Fertigungskapazitäten zu stärken“

        SPEZIALLFALL:
        http://www.flassbeck-economics.de/warum-mit-kapitalexporten-die-eurokrise-nicht-erklaert-werden-kann/

        Hier wird etwas seltsam argumentiert:
        Die Verschuldung in Spanien (aber auch ganz Südeuropa) wurde nicht durch das dt. Sparen ermöglicht, bzw. diese hätte es gar nicht gebraucht, da spanische Banken Giralgeld aus dem Nichts durch Kreditvergabe (und damit Nachfrage) haben schöpfen können.

        Wie kann das sein: Prof. Sinn und andere argumentieren immer, dass die Leistungsbilanzdefizite eines Landes durch ausländsche Kapitalexporte finanziert sein müssen. D.h. dt. Sparer verzichten auf einen Teil ihrer Produktion und die Südeurop. leben über ihre Verhältnisse d.h. nehmen Kredite auf und verschulden sich bei den dt. Sparern um diese überschüssige Produktion zu kaufen.

        Kann hier jemand für ein wenig Aufklärung sorgen.

        Braucht es denn ausl. Ersparnisse damit ein Land Leistungsbilanzdefizite fahren kann (so wird auch in den beiden verlinkten Artikeln in Verbindung mit USA und China argumentiert – Chin. Ersparnisse finanzieren USA Defizite)
        oder nicht (Argumentation aus dem 3 Artikel) man und falls nicht, warum.

        Danke

    • Karl says:

      Anmerkung: Durch Aktienrückkäufe wird das Vermögen eines Unternehmens nicht größer, sondern kleiner. Die rückgekauften Aktien sind mit dem Eigenkapital zu verbuchen, dieses nimmt daruch ab, die Bilanz verkürzt sich. Ausnahme wäre, wenn die Rückkäufe komplett auf Pump finanziert werden. Dann würde das „Vermögen“ (die Summe der Aktiva) gleich bleiben. Eine Zunahme des Vermögens durch Rückkäufe ist bilanztechnisch jedenfalls nicht möglich.

      Antworten

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