„Wie die Welt ihre Überschuldung loswird“

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Die FINANZ und WIRTSCHAFT stellt die entscheidende Frage: Wie wird die Welt ihre Überschuldung los? Und versucht sogleich die Antwort:

  • Ein überschuldeter Privatsektor kann selbst eine Weltwirtschaftsmacht wie die USA ins Straucheln bringen. Um eine neuerliche Finanzkrise zu verhindern, sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem neuen Bericht die Staaten in einer wichtigen Rolle, um die Verschuldung abzubauen.“
  • Je schneller die Verschuldungsquote wächst, desto wahrscheinlicher wird eine Finanzkrise. Nun mahnt der IWF, besonders in Schwellenländern den schnell steigenden Schuldenstand in den Griff zu bekommen.“
  • „In der Theorie gibt es zwei Arten, zu hohe Schulden loszuwerden. Der harmlosere Weg ist die Entschuldung durch Inflation und Wirtschaftswachstum. Steigt die Inflation, lasten die Schulden – bereinigt nach Kaufkraft – weniger auf den Kreditnehmern (bto: was übrigens aus Sicht der Gläubiger auch einem Verlust gleichkommt). Höheres Wachstum sorgt dafür, dass die Schulden dank eines höheren Einkommens leichter zu bedienen sind.“
  • „Schmerzhafter ist es, tatsächlich den nominalen Wert von Schulden abzubauen. Dabei müssen Schulden zurückgezahlt, restrukturiert oder abgeschrieben werden. Entweder müssen die Schuldner den Gürtel enger schnallen – was schlecht für den Konsum ist. Oder die Gläubiger, etwa die Banken, akzeptieren einen Verlust und werden so geschwächt.“ bto: was natürlich letztlich Verluste für Sparer sind.
  • „Die Grafik zeigt, wie sechs Länder ihre Schulden loswurden. Die schwarzen Rauten bilden die Änderung der Privatschulden im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) ab. Die Entschuldung in den USA war verglichen zu anderen harmlos – die Schuldenquote senkte man nur um 10 Prozentpunkte (Pp). Am härtesten traf es Island: Dort wurde die Schuldenquote um 70 Pp heruntergefahren.“ – bto: Traf es Island hart? Ja, aber es haben vor allem ausländische Gläubiger verloren und das Land erholt sich deutlich. Ist es nicht ein Beispiel für eine gelungene Sanierung?

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • Die Ökonomen des IWF betonen die Rolle des Staats, um die Entschuldung zu erleichtern. Der Staat kann erst einmal die Rezessionsgefahr durch den Schuldenabbau mit einem Stimuluspaket mildern. Der Währungsfonds schreibt: «Wenn der private und der öffentliche Sektor gleichzeitig Schulden abbauen, kann das die Rezession verlängern.» Die Staatsschulden könnten daher höher ausfallen, wenn die Wirtschaft nicht stimuliert wird.“ bto: Das ist faktisch die Bilanzrezession, wie sie von Richard Koo definiert wurde.
  • Den besten Effekt bringt es laut IWF, wenn ein Programm zur Schuldenbereinigung und stützende Staatsausgaben kombiniert werden. Der IWF resümiert: «Wenn diese Ansätze nicht koordiniert eingesetzt wurden, war die Erholung schwach.» Wichtig sei, dass der Staat zielgerichtet interveniert. Mittelempfänger müsse man genau auswählen und die Beteiligung von privaten Kapitalgebern verlangen.“
  • Der IWF rät Staaten, sich in guten Zeiten einen grossen Puffer zurechtzulegen, um in schlechten Zeiten Wachstum und Inflation hochzuhalten. Der Staat könne aber nicht alles alleine bewältigen. Er müsse Banken anhalten, Not leidende Kredite schnell zu erkennen und zu bereinigen.“

bto: Es ist eindeutig, ohne Senkung von Schulden = Forderungen, funktioniert keine Sanierung der Wirtschaft.

FINANZ und WIRTSCHAFT: „Wie die Welt ihre Überschuldung loswird“, 11. Oktober 2016

2 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    >to: Es ist eindeutig, ohne Senkung von Schulden = Forderungen, funktioniert keine Sanierung der Wirtschaft.>

    Wenn ich die Grafik richtig verstehe, stimmt dies nicht.

    Die Änderung der Schuldenquote Koreas in Höhe von ca. minus 15% kann zumindest als Teilsanierung gelten und wurde erreicht, OBWOHL die nominalen Schulden im gleichen Zeitraum um ca. 15% zunahmen. Möglich war dies durch das ordentliche Wirtschaftswachstum und vor allem durch die vergleichsweise hohe Inflation.

    Wenn man Thailand und Korea als typisch nimmt für sich entwickelnde Volkswirtschaften (was zu untersuchen wäre), dann scheinen für sie hohe Inflation UND hohes Wachstum die wirksamsten Entschuldungstreiber zu sein.

    Für die entwickelten Volkswirtschaften kann dies nicht gelten, wie hier immer wieder dargelegt wurde:

    Vor allem durch die demografische Entwicklung und den Strukturwandel hin zu den weniger produktiven Dienstleistungen bedingt ist hier kein hinreichendes Wachstum zu erwarten und in einer alternden, speziell auf Geldsparen setzende Bevölkerung würde eine zu hohe Inflation zur politischen Turbulenzen führen.

    Für die entwickelten Volkswirtschaften führt kein Weg an einem nominalen Schuldenabbau vorbei, wenn man eine geordnete Lösung sucht, um der Eiszeit zu entkommen.

    Im Übrigen sehe ich mich in meiner Auffassung, dass es nicht die Normallösung sein kann, den Staat bis zum Anschlag zu verschulden, durch den IWF bestätigt, wenn er sagt:

    >„Der IWF rät Staaten, sich in guten Zeiten einen grossen Puffer zurechtzulegen, um in schlechten Zeiten Wachstum und Inflation hochzuhalten.>

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  2. Christian Müller says:

    Schulden werden – falls ich das richtig verstehe – dann weginflationiert, wenn der reale Zinssatz negativ ist (Nominale Zinsen minus Inflationsrate). Sofern die Gläubiger Banken sind – das dürfte das bei der überwiegenden Mehrheit der Kredite der Fall sein -, dann verlieren sie ja nichts dabei. Sie leihen ja kein bestehendes Vermögen oder Einlagen oder Reserven aus, was sie selber bedienen oder inflationsbereinigen müssten. Banken leben von den Zinsen und der Eingang der Zinsen wird durch Inflation ja nicht gefährdet. Der reale Gegenwert wird einfach weniger. Am Ende der Laufzeit wird der nominelle Wert zurückbezahlt und der Kredit damit gelöscht.
    Wenn ich das richtig sehe, machen Banken hier keinen Verlust, sondern einfach weniger Gewinn.
    Anders wäre es natürlich, wenn ein Privater einem anderen Privaten von seinem bestehenden Vermögen einen Betrag ausleiht zu einem Zins, der unter der Inflationsrate liegt. Dann macht er einen realen Verlust.

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