„Things may look bad for Britain, but the EU faces far greater turmoil“

Immer wieder gut auch den Blick aus Großbritannien auf uns zu lesen. Heute Nachmittag wird Theresa May verkünden, ob die Abstimmung morgen stattfindet. Brexit hin oder her, die Briten haben einen guten Punkt mit ihrer Kritik an der EU:

  • „The fall back option is to leave the EU without a deal. This is what Mrs May should have been preparing for from the beginning. In reality, despite all the hyperbole surrounding it, a no-deal Brexit, that is a Brexit that involves us trading with the EU on World Trade Organisation (WTO) terms, amounts to a real Brexit. Unlike Mrs May’s deal, it offers the opportunity to realise the economic benefits of leaving the EU.“ – bto: Der Kommentator leitet eines der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes.
  • „Nevertheless, the immediate effect of a no-deal Brexit would be adverse because there would be some disruption which would be bound to have costs for business. Equally, it would take time for the benefits of Brexit to come through. So, the immediate effects would be negative.“ – bto: so what.
  • „As regards the long-term, a no-deal Brexit involves a balance of positive and negative factors. The leading negative is the cost of trade frictions at the border. Yet we have lots of evidence from businesses involved in international trade that such frictions are minimal.“ – bto: weshalb auch der Handel mit Ländern außerhalb der EU viel schneller wächst als innerhalb der EU.
  • Meanwhile, has anyone in the establishment noticed what is happening in their blessed EU? The great EU enthusiast, the wunderkind President Emmanuel Macron, increasingly looks like a busted flush. He has already succumbed to the power of the Parisian street. Germany is trying to feel its way to the post-Angela Merkel era.“ – bto: Die EU steht vor einer enormen Zerreißprobe, die sie mit der amtierenden Haltung und Mannschaft nicht übersteht.
  • „It is likely to involve not more Europe but more Germany. In eastern Europe, governments are openly flouting both the letter and the spirit of EU law. In Italy, it is only a matter of time before the balloon goes up. This is the entity from which the UK supposedly cannot safely withdraw. The truth is that it is the entity of which it cannot safely remain a member.“ – bto: abgesehen von dem üblichen Sticheln gegen uns Deutsche. Recht hat er.
  • „At major timing points, the British economic establishment, suffused with defeatism and pessimism about their own country, has repeatedly blundered – over the Gold Standard in the early Thirties, over Margaret Thatcher’s reforms in the Eighties, over the ERM and (very nearly) over the euro in the Nineties. They are at it again. At the present critical juncture in our history, MPs should listen to the blunderers no more. For once, they should have faith in Britain’s future.“ – bto: Immerhin denken die noch an die eigene Zukunft.

→ telegraph.co.uk: „Things may look bad for Britain, but the EU faces far greater turmoil“, 10. Dezember 2018

6 Kommentare
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    MFK sagte:

    Ein harter BREXIT würde auch Frankreich hart treffen, erzielen die Franzosen doch einen erheblichen Außenhandelsüberschuss mit Großbritannien. Es ist deshalb kein Zufall, dass Herr Barnier verhandelt. Ich würde mich deshalb nicht wundern, wenn die EU Großbritannien noch einmal entgegen kommt, zumal das bisher ausgehandelte Abkommen außerordentlich vorteilhaft für die EU ist.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Lassen wir einmal dahingestellt, ob GB oder die EU in größeren Schwierigkeiten ist – sie sind beide in großen Schwierigkeiten, aber natürlich unterschiedlichen.

    Nur ein paar kurze Bemerkungen:

    >So, the immediate effects would be negative.“ – bto: so what.>

    Nix “so what”.

    Wenn es um grundsätzliche, auch weitreichende Veränderungen geht, bewerten Politik und Menschen mit Blick auf die UNMITTELBAREN Folgen.

    >„The fall back option is to leave the EU without a deal … … a no-deal Brexit, that is a Brexit that involves us trading with the EU on World Trade Organisation (WTO) terms, amounts to a real Brexit.>

    Das ist so – und völlig klar, seit der Vertrag auf dem Tisch liegt.

    >This is what Mrs May should have been preparing for from the beginning>

    Richtig – aber nur im NACHHINEIN richtig, jetzt da man weiß, dass GB bei Annahme des Vertrags jede EU-Pille schlucken muss, ohne etwas zum Rezept sagen zu können oder einen anderen Doktor aufsuchen zu dürfen.

    Cameron und May haben die Situation völlig FALSCH eingeschätzt und die Rest-EU-Regierungen würden sie völlig falsch einschätzen, wenn sie glaubten, mit dem Vertrag irgendetwas SUBSTANZIELLES erreicht zu haben.

    Wenn ein abschreckender Ausstieg letztlich alles ist, was die EU vereint, dann ist das nicht mehr als ein Glockengeläute für die Beerdigung.

    Zur EU und dem Wunderkind Macron:

    Auch wenn es Franzosen waren, die ihn auf ihren eigenen Straßen vorgeführt haben, dürfte schon heute klar sein, wie die Dolchstoßlegende lauten wird, wenn er in der Versenkung verschwunden ist, nämlich so:

    Merkel hat den armen Kerl, der doch so flehentlich für Europa geworben hat, kaltherzig verhungern lassen.

    Das bietet sich so sehr an, dass es gar nicht anders sein kann.

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      Richard Ott sagte:

      Das glabe ich nicht. Weder Marons arrogantes, unnachgiebiges Verhalten noch die Erhöhung der Dieselsteuern wurden ihm als Anweisungen vorgegeben. Die Schuld auf das böse Deutschland zu schieben, wird dieses Mal nicht funktionieren.

      Davon abgesehen sind die Bilder der Polizeipanzer mit EU-Flagge in Paris ein sehr überzeugendes Argument dafür, die Polizei- und Armeekräfte auf EU-Ebene nicht weiter zu integrieren. Außer ein paar abgehobenen Eliten hat niemand ein Interesse daran, eine institutionelle Grundlage dafür zu schaffen, dass Regierungen Einsatzkräfte aus anderen EU-Ländern anfordern können, um zu Hause Aufstände mit Gewalt niederzuschlagen: https://twitter.com/HArlerte/status/1071538876223758337

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      Wolfgang Selig sagte:

      @DT: Eine solche Legende zu Macron mag kommen. Nur ist Merkel nach dem Hamburger Parteitag noch nicht mal mehr Parteivorsitzende und weniger mächtig als noch 2017. Deutschland hat so viele eigene Probleme und die Steuerbeschlüsse Frankreichs sind so eindeutig hausgemacht, dass die einen der Legende nicht glauben werden und die anderen wichtigere Sorgen haben werden.

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    SB sagte:

    Ich würde mich nicht wundern, wenn in dem ein oder anderen EU- und Euro-Land schon an Alternativplänen zu EU und Euro gearbeitet wird – je (süd)östlicher, je wahrscheinlicher. Es wird doch nicht jedes EU- und Euro-Mitglied mit wehenden EU-Fahnen in den EU-Untergang hineinlaufen. Ausgenommen natürlich Deutschland, das immer mit wehenden Fahnen, egal mit welchen, bis in den Untergang läuft.

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