Nobelpreisträger: Weltwirtschaft ist ein Ponzi-Schema

Wir wissen, dass in unserer bestehenden Geld-Ordnung, Wirtschaftswachstum unerlässlich ist, um das System am Laufen zu halten. Nur dann können die Zinsen zum Bedienen der Schulden erwirtschaftet werden. Dazu gibt es viele Schriften, ich erinnere hier nur an diesen Beitrag bei bto:

→ Das debitistische Modell der Wirtschaftserklärung

Eng damit verbunden ist die Notwendigkeit, ein Wachstum der Erwerbsbevölkerung und der Produktivität zu haben. Denn nur dann lässt sich das notwendige Wachstum erzielen und die Versprechen für die alternde Gesellschaft einigermaßen finanzieren. Das Ganze habe ich unter anderem in „Die Billionen-Schuldenbombe“ erläutert.

Es ist selten, dass Nobelpreisträger unsere Wirtschaftsordnung als Schneeballsysteme und Ponzi-Schema bezeichnen. Doch es kommt vor, wie Forbes berichtet:

  • „The world economy is based on ever-increasing population, said Nobel laureate Steven Chu, a scheme that economists don’t talk about and that governments won’t face, a scheme that makes sustainability impossible and that is likely to eventually fail. The world needs a new model of how to generate a rising standard of living that’s not dependent on a pyramid scheme,‘ Chu said (…)“ – bto: Es ist eine klare und zutreffende Beschreibung unserer Wirtschaftsordnung.
  • Increased economic prosperity and all economic models (…) are based on having more young people, workers, than older people, Chu said. Two schemes come to mind. One is the pyramid scheme. The other is the Ponzi scheme‘ (…)“ – bto: Das sind für einen Nobelpreisträger sicherlich klare Aussagen.
  • Was zu zwei Problemen führt: a) „there’s no such thing as sustainability“, b) „As standards of living increase, population growth declines. So if the economy succeeds in raising standards of living, it undermines itself.“ – bto: Das ist ganz entscheidend. Wenn wir so weitermachen, können wir nicht nachhaltig sein. Eine Erkenntnis, die sich übrigens schon in Goethes Faust Teil 2 findet und von Professor Binswanger von der Hochschule St. Gallen sehr klar herausgearbeitet wurde. Zum anderen wissen wir, dass Wohlstand weniger Kinder bedeutet. Kann man ja bei uns beobachten. Das stellt dann aber die Finanzierung der Sozialsysteme vor Probleme.
  • The economists know this, but they don’t really talk about it in the open, and there’s no real discussion in government,‘ Chu said. Every government says you have to have an increase in population, whether you do it through immigrants or the home population. So, this is a problem.‘“ – bto: vor allem auch deshalb, weil wir dann einen Wettbewerb der Länder um die besten Migranten haben, was per Definition nicht jeder gewinnen kann. Deutschland schon gar nicht.
  • „Chu expects (…) rising living standards to eventually offset the growth of human population. That will help the environment, he said, but it will also require a new kind of economy.“ – bto: vor allem ist es der ultimative Margin Call für die überschuldete Welt!

→ forbes.com: „The World Economy Is A Pyramid Scheme, Steven Chu Says“, 5. April 2019

62 Kommentare
  1. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „vor allem auch deshalb, weil wir dann einen Wettbewerb der Länder um die besten Migranten haben, was per Definition nicht jeder gewinnen kann. Deutschland schon gar nicht.“

    Widerspruch, Herr Dr. Stelter. Und ob Deutschland einen solchen Wettbewerb gewinnen kann. Es will nur seit Jahren nicht! Wie ist das resignierte Verhalten gegenüber abgelehnten Asylbewerbern und das Desinteresse an qualifizierten Aus- und Einwanderern sonst zu erklären?

    Deutschland hat im Grundsatz alles, was es für hochqualifizierte Einwanderer braucht: keine militärischen Konflikte im Inneren oder nach Außen, eine funktionierende Polizei und Justiz, Religionsfreiheit, eine zwar in die Jahre gekommene aber erneuerungsfähige Infrastruktur, einen guten Namen in der Welt (inzwischen wieder), viele Englisch sprechende Personen (v.a. auch Lehrer und Führungskräfte), reichlich Integrations-, Einwanderungs- und Auswanderungserfahrung.

    Außerdem eine gute Lage im globalen Klimawandel: relativ hohe Niederschläge (immer noch), , mäßige Temperaturen, wenige Küsten und Inseln, kaum Permafrost oder Gletscher, eine professionelle Landwirtschaft.

    Sämtliche Nachteile Deutschlands als Einwanderungsland sind (mit einer Ausnahme) politisch und juristisch lösbar:

    * zu hohe Abgabenlast
    * zu viele unqualifizierte Einwanderer
    * zu wenig Geld im Bildungssystem
    * zu wenig öffentliche Investitionen bei zu viel öffentlichem Konsum
    * kein echtes Einwanderungsgesetz

    Der größte Nachteil ist allerdings nur sehr schwer lösbar. Es ist die Tatsache, dass Deutschland noch nicht die Einsicht hat, qualifzierte Einwanderung zu benötigen und unqualifizierte abwehren zu müssen. Der, diese Einsicht einer breiten Bevölkerungsschicht und vor allem den politisch-medialen Komplex vermitteln kann, verdient eine Auszeichnung. Es bräuchte einen Protagonisten der qualifzierten Migration, der einem Bismarck bei der Sozialgesetzgebung oder einem Ludwig Ehrhardt bei der Einführung der Marktwirtschaft gleichkommt.

    Leider ist eine solche Person nirgendwo in Sicht.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Frau Finke-Röpke

      „Wie ist das resignierte Verhalten gegenüber abgelehnten Asylbewerbern und das Desinteresse an qualifizierten Aus- und Einwanderern sonst zu erklären?“

      Meine politisch extrem unkorrekte Sicht: Die Sozialindustrie (Kirchen, Sozialverbände, Sozialarbeiter, Jungendhilfeeinrichtungen, Asyl-NGOs, nationale und internationale „Flüchtlingshilfe“-Organisationen, und so weiter) profitiert direkt von jedem zugewanderten Asylbewerber, der staatliche Leistungen beansprucht. Je länger, desto besser. „Unbegleitete minderjährige Asylbewerber“ bringen den meisten Umsatz, das erklärt vermutlich auch, welche teils grotesken Täuschungsversuche beim Alter der Asylbewerber so lange unentdeckt bleiben: https://www.wochenblick.at/frankreich-unbegleiteter-minderjaehriger-war-47-jahre-alt/

      Das funktioniert natürlich nur, so lange reichlich staatliche Gelder zur Verfügung stehen, die man auf diese Art verplempern kann und führt irgendwann zu massiven gesellschaftlichen Verteilungskonflikten – aber so weit denken die Protagonisten dieses Wirtschaftsbereichs nicht.

      Antworten
      • Avatar
        Eva Maria Palmer sagte:

        @ Herr Richard Ott

        „Asyl-Industrie…….“
        „funktioniert nur so lange reichliche staatliche Gelder zur Verfügung stehen….

        Die unkontrollierte Migrationspölitik und die offenen Grenzen werden unsere Sozialsysteme mit Billionen-Aufwand irreparabel beschädigen.

        Bleibt nur zu hoffen, daß es die überversorgten Polit-Dilettanten als Erste trifft, wenn ihre Pensionen nicht mehr bezahlt werden können.

      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott: Bitte um Entschuldigung, aber dieses Land besteht doch nicht nur aus der Sozialindustrie. Die Kirchen sind seit Jahrzehnten im Schrumpfprozess und die übrigen stellen auch nur eine kleine Bevölkerungsgruppe dar. Warum haben diese Leute dann die Meinungshoheit gegenüber Handwerkern, kfm. Angestellten, Industriebeschäftigten und anderen? Von Polizisten, Soldaten, Justizbediensteten, Lehrern, Erziehern, u.ä. noch gar nicht zu reden, die aus Eigeninteresse eher eine gegenteilige Position vertreten müssten.

        Ich habe eine andere Theorie: ein großer Teil der Deutschen vertritt die alte These „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“, nur dass diese nicht mehr den kaiserlichen Imperialismus darstellt, sondern das Motto „wir helfen Euch allen auf die Füße, auch wenn Ihr 50 mal so viele seid wie wir; wir schaffen das…“.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        Na, unterschätzen Sie den Einfluss der Kirchen nicht. Deren Mitgliederzahlen sinken zwar stetig, aber ihre Funktionäre sind sehr gut vernetzt und als Organisationen gehören sie zu den größten Arbeitgebern das ganzen Landes (ungefähr 1,3 Millionen Beschäftigte), wenn man die von ihnen betriebenen (und trotzdem größtenteils vom Staat finanzierten) Kindergärten, Schulden, Jugendeinrichtungen, Krankenhäuser und so weiter alle mit berücksichtigt.

        Ich glaube, Sie haben mit Ihrer These vom naiven Deutschen mit „Ich bin der moralische Anführer der Welt“-Fantasien (oder alternativ einem Schuldkomplex der kompensiert werden muss) auch teilweise recht – aber wie erklären Sie sich dann, dass wir die „Flüchtlingsrettung“ auf die teuerste mögliche Art und Weise organisiert haben? Wenn es wirklich darum ginge, Flüchtlingen zu helfen, hätte man das über das UNHCR als Hilfe in der Nähe der Herkunftsländer beim gleichen Geldeinsatz 50-mal oder 100-mal effizienter organisieren können.

        Die Koalition der Zuwanderungsgewinner in Deutschland (Sozialindustrie, aber auch Immobilienwirtschaft, Einzelhandel, Sicherheitsgewerbe, und so weiter) hätte aber genau davon nicht profitiert.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Frau Finke-Röpke
        „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“, nur dass diese nicht mehr den kaiserlichen Imperialismus darstellt, sondern das Motto „wir helfen Euch allen auf die Füße, auch wenn Ihr 50 mal so viele seid wie wir; wir schaffen das…“

        Da bin ich bei Ihnen. Das wird wahrscheinlich auch weiterhin gelten, bis das Märchen vom reichen Land platzt. Leider ist es dann wahrscheinlich zu spät sein.
        Die Hoffnung, dass doch noch rechtzeitig gegen gesteuert wird, ist mindestens für die nächsten Jahre leider nicht wahrscheinlich. Der überwiegende Teil der Bevölkerung in Deutschland ist dafür zu selbstgefällig. Die Wahlumfragen sagen alles.

      • Avatar
        Jacques sagte:

        @Susanne:
        Aus dem Buch „Stern der Ungeborenen“ von Franz Werfel:

        „Zwischen Weltkrieg Zwei und Drei drängten sich die Deutschen an die Spitze der Humanität und Allgüte. Der Gebrauch des Wortes ›Humanitätsduselei‹ kostete achtundvierzig Stunden Arrest oder eine entsprechend hohe Geldsumme. Die meisten der Deutschen nahmen auch, was sie unter Humanität und Güte verstanden, äußerst ernst. Sie hatten doch seit Jahrhunderten danach gelechzt, beliebt zu sein. Humanität und Güte erschien ihnen jetzt der beste Weg zu diesem Ziel. Sie fanden ihn sogar weit bequemer als Heroismus und Rassenlehre. […] Sie waren die Erfinder der undankbaren Ethik der ›selbstlosen Zudringlichkeit‹. Zur Erholung hielten die Gebildeten unter den Heinzelmännchen philosophische Vorträge an Volkshochschulen, in protestantischen Kirchen und sogar in Reformsynagogen, wobei ihr eintöniges Thema stets der brüderlichen Pflicht des Menschen gewidmet war. Ohne Pflicht ging’s nicht, wie ja die deutsche Grundauffassung vom Leben in der ›Anbetung des Unangenehmen‹ bestand. Sie waren, mit einem Wort, echte Schafe im Schafspelz. Da sie aber selbst dies krampfhaft waren, glaubte es ihnen niemand, und man hielt sie für Wölfe“

    • Avatar
      Nero sagte:

      Im Standortfaktor „Gletscher“ siehe ich einen Vorteil. Die folgende, nicht vollständige Liste einer Reihe von Gletschernationen listet das BIP/Einw. auf (das nominale, nicht das kaufkraftbereinigte BIP). Man sieht, dass die Gletscherfreiheit Deutschland wirtschaftlich zum Nachteil gereicht.

      Schweiz 80.591 USD (2. Platz in der Welt)
      Norwegenn 74.941 USD (4. Platz)
      Island 70.332 USD (6. Platz)
      USA 59.501 USD (8. Platz)
      Dänemark 56.444 USD (10. Platz)
      Österreich 47.290 USD (15. Platz)
      Kanada 45.077 USD (18. Platz)
      Deutschland 44.550 USD (19. Platz)

      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Gletscher_nach_Staat

      Antworten
      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Nero: Respekt vor Ihrer Auflistung, aber es geht nicht um die heutigen Gletscher, sondern um die Folgeprobleme, wenn die Gletscher und der Permafrost durch den Klimawandel NICHT oder nur mehr sehr eingeschränkt vorhanden sein werden. Dann werden die Schweizer vermutlich besser als die Nepalesen damit umgehen können, aber billig und einfach wird es nicht, denn das wird Murenabgänge, Unterbrechungen bei der Wasserversorgung, Straßen- und Schienenabrutschungen, etc. geben.

    • Avatar
      Christian sagte:

      Meine Wahrnehmung ist, dass bei uns Deutschen verschiedene Dinge, die teilweise ihre Ursache in unserer Geschichte haben, zusammenkommen: 1) Anders als in den USA, in Kanada oder Australien, wo Einwanderung primär aus dem Blickwinkel des volkswirtschaftlichen Nutzen gesteuert wird, erfolgt Einwanderung in Ländern wie Deutschland oder Schweden eher unter humanitären Gesichtspunkten. Vereinfacht ausgedrückt: Die erstgenannten Länder prüfen, wer ihrer Volkswirtschaft auf Dauer gesehen wahrscheinlich mehr einbringt als er die Gesellschaft bzw. den Staat kostet. In Deutschland oder Schweden hingegen tritt diese Kosten-Nutzen-Rechnung sehr stark in den Hintergrund oder ist vielleicht gar nicht vorhanden, da der Moral (Humanismus, Altruismus) Vorrang vor der Ökonomie eingeräumt wird. 2) das von Ihnen beschriebene Motto „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ trifft zu, und zwar in der Form, dass Teile der deutschen Gesellschaft immer noch unter einem Kompensationskomplex leiden, der sich in einem Um-Jeden-Preis-Auf-Der-Moralisch-Richtigen-Seite-Stehen-Wollen bahnbricht. Nach der NS-Barbarei möchte man der Welt beweisen, dass dieses Land und seine Gesellschaft keine national-egoistischen Interessen mehr verfolgt. Aus diesem emotionalen Zwang heraus wird ein Sach-Zwang abgeleitet, wobei die Frage nach Kosten und Umsetzbarkeit mehr oder weniger bewusst ausgeblendet werden. Das Prinzip lässt sich sehr gut an den Begriffen „Gesinnungsethik“ vs. „Verantwortungsethik“ veranschaulichen.

      Antworten
    • Avatar
      Tobias W. sagte:

      Susanne,

      Sie überschätzen die Attraktivität Deutschlands für hochqualifizierte Auswanderer maßlos.

      Deutschland ist kein attraktives Einwanderungsland für die typischen Herkunftsländer hochqualifizierter Auswanderer. Das liegt nicht primär an der Steuer- und Abgabenlast in Deutschland, sondern an der Sprache und Kultur.

      Da Deutschland durch den ersten Weltkrieg alle Überseekolonien verloren hat und in der weiteren Geschichte kaum einflussgebende Auslandsabenteuer hatte, gibt es nirgends in der Welt einen starken geschichtlichen, traditionellen oder kulturellen Bezug zu Deutschland, so wie das etwa bei den Herkunftsländern mit Bezug zum Commonwealth oder anderen Einflusssphären der Fall ist.

      Deutschland ist als Kultursphäre isoliert. Es exportiert keine Sprache, keine Kultur. Deutschland hat international keine kulturelle Reichweite. Damit wird Deutschland nie auf der gleichen Ebene stehen wie klassische angelsächsische Einwanderungsländer (USA, Kanada, Australien, Neuseeland). Hochqualifizierte Auswanderer aus Ländern wie China und Indien sind bereits mit der Kultur und Sprache der USA, Kanada, Australiens und Neuseelands vertraut, in Deutschland erwartet sie nur das Fremde. Dazu kommt, dass die genannten englischsprachigen Länder alle eine blühende Einwanderungskultur für die meisten Herkunftsländer haben – Einwanderer finden in diesen Ländern schnell Anschluss eine eine Hybridkultur ihres Herkunftslands und des neuen Gastlandes.

      In Deutschland ist das nicht der Fall. Deutschland (wie viele andere europäische Nationalstaaten) hat ein fundamental anderes Verständnis was Einwanderung und Integration bedeuten. In Deutschland bedeutet Integration Assimilation. Die deutsche Erwartungshaltung ist, dass Einwanderer eine ausschließlich deutsche Identität annehmen, die nicht nur Sprache sondern alle anderen kulturellen Aspekte der deutschen Identität erfasst. Einwanderer, die sich nicht dieser Norm anpassen, müssen mit Ausgrenzung und Diskriminierung leben.

      Ich bin durch die Berufstätigkeit meines Vaters international aufgewachsen und alle paar Jahre innerhalb Deutschlands und Europas umgezogen. Ich bin an verschiedenen Orten in Nord- West- und Süddeutschlands, sowie in den Niederlanden und Belgien aufgewachsen und habe auch einige Zeit als Student in den USA verbracht. Vor drei Jahren bin ich mit meiner Familie in die USA ausgewandert. Meine Frau ist ursprünglich aus China und ist nach unserer Heirat nach Deutschland zugezogen und hat dort die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Als Individuum und Familie sind wir mit vielen Aspekten von Einwanderung, Integration, Assimilation, Diskriminierung und Ausgrenzung vertraut – wir haben das alles am eigenen Leib erlebt – in Deutschland sowie in unserer neuen Heimat, den USA. Deutschland ist kein attraktives Einwanderungsland.

      Und dann kommt der wirtschaftliche Aspekt dazu. Sie schreiben, diese Nachteile sind alle politisch und juristisch lösbar. Das ist vollkommen unrealistisch.

      Die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland lassen sich nicht deutlich senken – dafür fehlt der mathematische Spielraum, denn diese Steuern und Abgaben werden erhoben, um die laufenden und langfristigen Verbindlichkeiten des Staates zu bedienen, die man nicht einfach ignorieren kann. Der Staat hat gar keine andere Möglichkeit, als die Abgaben und Steuern weiter zu erhöhen. Der politische Spielraum besteht lediglich darin, die Abgaben und Steuern umzuverteilen. Deutschland belastet Erwerbseinkommen aus Arbeit im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch – während Vermögen und Einkommen aus Erbe und Schenkung so gut wie gar nicht belastet werden. Der einzige Weg für den deutschen Staat das Abgaben- und Steueraufkommen stabil zu halten, gleichzeitig Steuern und Abgaben auf Erwerbseinkommen zu senken und währenddessen keine Steuernachteile für die Wirtschaft aufzubauen, besteht in einer Umschichtung der Steuerlast von Erwerbseinkommen auf Vermögen, Erbschaften und Schenkungen. In Deutschland ist das eine politische Unmöglichkeit. Es gibt keine politische Kraft, die das gegen einen breiten Wählerwillen umsetzen kann.

      Deutschlands wirtschaftlicher Nachteil als attraktives Einwanderungsland hängt außerdem nicht nur mit Steuern und Abgaben zusammen. Deutschlands Lohnniveau für Hochqualifizierte ist verdammt niedrig. Für Hochqualifizierte ist Deutschland ein Niedriglohnland. Es gibt in Deutschlands Wirtschaft nicht ausreichend hochbezahlte Arbeitsangebote für Hochqualifizierte, die Brutto schon so hoch vergütet werden, wie das im Ausland der Fall ist. In Deutschland beträgt die Gehaltsspanne für Geschäftsführer und leitende Angestellte zwischen 80.000EUR und 186.000EUR Jahresgehalt. In den USA liegen einige Einstiegsgehälter nach dem Studium für Ingenieure und Informatiker schon bei über 80.000USD im Jahr. Ich verdiene mit etwas mehr als 10 Jahren Berufserfahrung als Informatiker (mit FH Abschluss) in den USA schon deutlich mehr als die Obergrenze der genannten Gehaltsspanne – ohne Personal oder Führungsverantwortung. Woran liegt das? Es gibt in Deutschland kaum große, international agierende Unternehmen im Vergleich zum Ausland. Deutschlands Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittlere Mittelstandsunternehmen. Die sind aber nicht in der Lage, einem Softwareentwickler das Äquivalent von mehr als 200.000USD, plus Bonus, plus Aktien, plus andere Benefits im Jahr zu bezahlen. Der Mittelstand hat nicht die Mittel (die Ironie der Worte!) die besten aus dem Ausland anzuziehen. Die wenigen Großunternehmen, die Deutschland hat, können das nicht kompensieren. Und schlimmer noch, diese Großunternehmen nutzen die Anziehungskraft der klassischen Einwanderungsländer und siedeln sich dort an, um Talente abzugreifen oder gehen direkt in die Herkunftsländer. Erst letzte Woche hat VW angekündigt, in China ein Entwicklungszentrum für E-Fahrzeugtechnik und autonomes Fahren aufzubauen – für 4.000 Entwickler. Nicht in Deutschland, sondern in China! Deutsche Unternehmen mit Kapital werden dorthin gehen, wo sie die Arbeitskräfte finden, die sie brauchen – aber eben nicht in Deutschland. Und ein weiterer Punkt muss erwähnt werden: Deutschland verliert den Anschluss in Schlüsseltechnologien. Im Bereich der Informationstechnik gibt es in Deutschland nur ein einziges Unternehmen mit Weltrang (SAP). Deutschland hat es in den letzten zwei Jahrzehnten verpasst, in die richtigen Bereiche zu investieren. Das wird sich in den nächsten zehn Jahren massiv rächen.

      Dass ich mit meiner Beschreibung Recht habe, zeigt sich auch an der Tatsache, dass Deutschland seit 2005 konsequent jedes Jahr netto mehrere zehntausend erwerbsfähige deutsche Staatsbürger durch Auswanderung verliert. Deutschland ist ein Auswanderungsland, kein Einwanderungsland. Laut OECD ist Deutschland das fünft wichtigstes Herkunftsland für hochqualifizierte Migranten.

      Antworten
      • Avatar
        Christian sagte:

        Dem kann ich nur beipflichten. Viele meiner Kollegen im Silicon Valley bekommen als Informatiker mehr als 400.000 USD. Einige sogar noch deutlich mehr. Auch wenn man die hohen Lebenshaltungskosten einrechnet, gibt es in Deutschland einfach keine auch nur entfernt vergleichbare Angebote.

        Auch bin ich skeptisch dass es noch Spielraum gibt, die Steuern auf Einkommen deutlich zu senken. Dazu gibt es zu viele langfristige Verbindlichkeiten, und den schwarzen Schwan, der das aendern koennte, will ich mir gar nicht ausmalen. Eine Idee waere hier sicherlich individuelle Steuerdeals mit Hochqualifizierten, aber ob das politisch geht, wage ich zu bezweifeln.

        Die Frage ist wann der globale war for talents richtig sichtbar aufflammen wird. Sicher ist die Schweiz hier sehr gut aufgestellt und wird wohl von der BRD immer staerker politsch unter Druck gesetzt werden, was wiederum den Eidgenossen sicher nicht wirklich gefallen wird.

        Interessante Zeiten voraus!

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Im Großen und Ganzen stimme ich der Ausführung von Tobias W. aufsetzend auf meiner eigenen Erfahrung mit den USA und Amis zu, was die Punkte der Ein- und Auswanderung betrifft.

        Man kann das auch nicht kitten, so dass Deutschland auf einen der oberen Plätze rutscht als Zielland für internationale Hochqualifiziert. Dem stehen halt Verdienste, Abgaben und auch Einfachheit im Alltag und Beruf (Stichwort: Englische Sprache) entgegen.

        Ich denke, dass Deutschland trotzdem auch weiterhin einen Teil der hochqualifizierten Einwanderer wie schon jetzt erhält. Z.B. Leute, die hier studieren oder temporär in der Zweigestelle arbeiten und dann hierbleiben, weil sie hier Freunde finden oder Familie gründen.

        Im Vergleich zu den angelsächsischen Ländern können wir also m.E. definitiv nicht mithalten als „First Choice“ – wie Tobias W. gut ausführt. Aber in der zweiten Liga sind wir nicht so schlecht aufgestellt – siehe hierzu die Punkte von Fr. Finke-Röpke. (Natürlich kann man auch das langfristig verspielen, so dass dann irgendwann die hier gefundenen Freunde oder gegründete Familie lieber mit dem Einwanderer auswandert…)

        Einem Punkt möchte ich aber doch widersprechen bzw. zumindest hinterfragen, was damit genau gemeint ist.

        „In Deutschland bedeutet Integration Assimilation. Die deutsche Erwartungshaltung ist, dass Einwanderer eine ausschließlich deutsche Identität annehmen, die nicht nur Sprache sondern alle anderen kulturellen Aspekte der deutschen Identität erfasst. Einwanderer, die sich nicht dieser Norm anpassen, müssen mit Ausgrenzung und Diskriminierung leben.“

        Es gibt ja zunächst einmal nicht *die eine* deutsche Erwartungshaltung.

        Was die Themen Befremden / Ausgrenzung betrifft, habe ich das sowohl in den USA als auch in Deutschland immer *allein* abhängig vom Gegenüber erlebt. Kurz zusammengefasst: bei Erfahrungsoffenen und/oder jenen, die selbst schon mal im Ausland waren (und damit eher in Städten als auf dem Land und häufiger im akademischen Umfeld), hat man es als Migrant deutlich leichter.

        Ich weiß auch nicht einmal, was die deutsche Identität sein sollte, die man annehmen könnte. Gut: Eine fällt mir doch ein. Pünktlichkeit – da hört die Kompromissbereitschaft definitiv auf :)

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        Ich bin nicht mehr auf dem neuesten Stand bezüglich eigener Erfahrungen in anderen Einwanderungsländern, glaube aber man sollte etwas differenziere.

        Auch ich bin überzeugt, dass Deutschland für hochqualifizierte Auswanderer wie etwa Informatiker nicht sonderlich interessant ist als Einwanderungsland.

        Das betrifft vor allem die „Treiber-Branchen – und Berufe“, die hohe Kompetenz insbesondere auch für Querschnittsinnovationen haben.

        Insoweit Zustimmung @ Tobias W. und auch zu dem, was er ansonsten über Deutschland sagt.
        Er skizziert zwar nicht das ganze Deutschland, etwa den noch einigermaßen funktionierenden Mittelstand, das duale Ausbildungssystem und unsere Konsensfähigkeit. Ich würde das nicht unter den Tisch fallen lassen, es aber auch nicht als wegweisend ansehen, sondern es als immer weniger signifikant für die zukünftige Entwicklung des Landes bewerten.

        Für andere, vergleichsweise hochqualifizierte Menschen ist Deutschland durchaus interessant. Ich meine hier u. a. Ärzte aus Mittel- und Osteuropa oder auch Griechenland z. B.

        Für vergleichsweise gering qualifizierte Menschen sind praktisch alle Länder mit hohem Lebensstandard ein potenzielles Einwanderungsland.

        Man kann verstehen, dass sie ihr Leben verbessern wollen und Empathie dafür aufbringen. Sie werden es aber in aller Regel nicht mit den hier genannten Arbeitseinkommen im sechsstelligen Bereich verbessern, sondern es überwiegend nur mit mehr oder minder großer Belastung der einheimischen Bevölkerung schaffen.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Herr Tischer hat natürlich recht: Softwareentwicklung mit den benannten Gehältern ist das Sahnehäubchen in den USA.

        Folgendes sind zwar nicht die Immigrationszahlen, aber man bekommt einen Eindruck für die Häufigkeiten ausländischer Arbeitnehmer in unterschiedlichen Berufen. Man sieht schon gut, dass die Zahlen stetig steigen. Also ganz so unattraktiv ist Deutschland dann anscheinend doch nicht, dass gar niemand mehr kommt.

        Ärzte:
        http://bisds.iab.de/Default.aspx?beruf=BA01&region=1&qualifikation=0

        MINT:
        http://bisds.iab.de/Default.aspx?beruf=BA11&region=1&qualifikation=0

        Welt.de hat hierzu ein Ranking, wo man besser auf einen Blick sieht, was Sache ist. Allerdings fehlt bei diesem die Mitte, so dass man viele „interessante“ Berufe nicht erfährt (z.B. Ärzte, was ich oben direkt vom IAB verlinkt hatte.

        https://www.welt.de/wirtschaft/article175547155/Migration-In-diesen-Jobs-sind-Auslaender-unentbehrlich.html

        Der Abschluss im welt-Artikel bezieht sich vermutlich auf Informatiker (8%):
        http://bisds.iab.de/Default.aspx?beruf=BG431&region=1&qualifikation=0

        Lohnt sich auf jeden Fall mal reinzuschauen zur Abrundung des Verständnisses. Gefühlt ist der Fokus bei bto doch meist auf die Extrema bei Zuwanderungsfragen (Top-MINT und irreguläre Immigration in Sozialsysteme).

      • Avatar
        Tobias W. sagte:

        Thomas M.,

        die zitierten Statistiken beziehen sich lediglich auf „Ausländer“, es findet keine Unterscheidung nach EU-Binnenwanderung und echter Zuwanderung (beispielsweise über Blue Card) statt. Die Zunahme der Ausländeranteile lässt sich also beispielsweise vielleicht schon damit erklären, dass mehr EU Binnenwanderung durch die EU Freizügigkeit nach Deutschland stattfindet. Aus deutscher Perspektive kann man das vielleicht noch als Zuwanderung schönreden, bezogen auf den europäischen Wirtschaftsraum ist das nicht mal ein Nullsummenspiel, denn diese Fachkräfte fehlen an anderer Stelle in Europa und erhöhen den Druck auf Mitglieder wie Deutschland durch Transferleistungen aller Art der EU Ausgleich zu schaffen.

        Nur um mal die Größenordnungen und Relationen darzustellen:

        Mir liegen keine Zahlen vor, wie viele Blue Cards 2017 bezogen auf die gesamte EU genehmigt wurden, für Deutschland lag die Zahl 2017 bei etwa 20.000. Im gleichen Jahr hat alleine der IT Dienstleister Cognizant in den USA mehr als 80.000 erfolgreiche H1B Visa Anträge gestellt – ein einziger Arbeitsgeber in den USA! Im gleichen Jahr verließen netto mehr als 80.000 Deutsche Staatsbürger Deutschland. Die gesamte jährliche qualifizierte Zuwanderung aus dem Nicht-Schengen Raum nach Deutschland beträgt nicht mal ein Viertel der qualifizierten Zuwanderung eines einzigen(!!) Arbeitgebers in den USA, während die Abwanderung Deutscher aus Deutschland viermal höher liegt, als die Zuwanderung qualifizierter Nicht-Schengen Bürger.

        Es ist unbestritten, dass die qualifizierte Zuwanderung nach Deutschland nicht die Abwanderung erwerbsfähiger Deutscher ausgleichen kann – wie kann man in Anbetracht dieser Tatsache davon reden, dass Deutschland in irgendeiner Hinsicht ein attraktives Einwanderungsland für Qualifizierte ist?! Wenn Deutschland nicht mal die eigenen Bürger im Land halten kann, wie will man dann qualifizierte Ausländer anlocken?

        Es wäre meiner Meinung nach Aufgabe der Politik genauer zu erfassen, welche deutschen Staatsbürger Deutschland verlassen, inklusive einer Erfassung ihrer Beweggründe, Zielländer, ihre beruflichen Profile, sowie Einkommensverhältnisse. Die Netto-Abwanderung Deutscher ist seit 2005 ungebrochen hoch und liegt minimal bei mehreren zehntausend pro Jahr – und die Politik weiß wenig über diese Auswanderer, während sie optimistisch von Deutschlands Potential als Einwanderungsland fabuliert, obwohl alle belastbaren Zahlen im Vergleich zu echten Einwanderungsländern das Gegenteil zeigen. Diese Märchenstunde ist zwar nett, aber wenig hilfreich.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @Tobias W.

        Anknüpfend an Ihre und Herrn Tischers Punkte, wollte ich mit den Zahlen relativieren. Damit wir uns nicht missverstehen: Es ist sicherlich so, dass Deutschland nicht in der 1. Liga als Einwanderungsland spielt und kaum die Leute ziehen kann, auf die sie sich beziehen.

        Wichtig finde ich aber den Hinweis, dass es eben auch keine komplette 0-Nummer als Einwanderungsland ist.

        Bzgl. dass die aktuelle Einwanderung oft aus dem Schengenraum passiert: „Aus deutscher Perspektive kann man das vielleicht noch als Zuwanderung schönreden“ – Ist ja kein Schönreden, sondern erst einmal schlicht und einfach Zuwanderung aus deutscher Sicht. Der Hinweis auf Transfers / Ausgleichszahlungen innerhalb der EU verkompliziert das m.E. zu sehr mit Blick auf die relative Attraktivität von Deutschland, über die wir sprechen.

        Diese Einwanderung ist m.E. auch hoch relevant. Offen und ehrlich gesprochen: Was nützen mir persönlich alleine MINT-Immigranten, wenn keiner im Hotel die Betten macht, ich keine vernünftigen Restaurants habe und Ärztemangel herrscht? Lebensstandard wird halt an vielen Stellen geschaffen.

        „wie kann man in Anbetracht dieser Tatsache davon reden, dass Deutschland in irgendeiner Hinsicht ein attraktives Einwanderungsland für Qualifizierte ist?! Wenn Deutschland nicht mal die eigenen Bürger im Land halten kann, wie will man dann qualifizierte Ausländer anlocken?“

        Im skizzenhaften Bild:
        Manche qualifizierte Deutsche gehen in die USA, um sechsstellig zu verdienen.
        Manche qualifizierte Osteuropäer kommen nach Deutschland, um ein mittleres bis oberes fünfstelliges Gehalt zu verdienen.
        Beide Gruppen verbessern sich in dem Falle. Für beide Gruppen ist das Zielland attraktiv.

        Bzgl. der Netto-Bewegungen: Ich denke, die werden noch richtig in Schwung kommen. Wenn sich das politische Klima weiter polarisiert und ökonomisch der Druck steigt, steigen die Auswanderungszahlen. Beides ist aktuell im Trend vorgezeichnet. War wohl in der deutschen / europäischen Geschichte früher auch nichts anders. Scheint wohl unser Schicksal…

      • Avatar
        Starchild sagte:

        tja so siehts aus . Als Mittelständler bekommt man auch kein Recht mehr vor Gericht , alles eine üble farce, wir sind in EU zum Abschuss freigegeben, aber auch nicht mehr bereit für die fetten Pensionen aufzukommen. Die deutsche Politik wird im Ausland nur noch mit Kopfschütteln kommentiert oder es wird versucht noch schnell das letzte rauszupressen.
        Die Gans die goldene Eier legt wird geschlachtet.
        Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Ich bewundere Ihren Optimismus, wundere mich aber auch, dass man ihn haben kann.

      >Es ist die Tatsache, dass Deutschland noch nicht die Einsicht hat, qualifzierte Einwanderung zu benötigen und unqualifizierte abwehren zu müssen. Der, diese Einsicht einer breiten Bevölkerungsschicht und vor allem den politisch-medialen Komplex vermitteln kann, verdient eine Auszeichnung.>

      Soweit es die Eliten betrifft und dazu zähle ich jetzt einmal weit greifend auch das Führungspersonal der Unternehmen, ist längst bekannt, dass man qualifiziere Einwanderer benötigt.

      Die Regierung hat doch ein Einwanderungsgesetz geschaffen – ohne großen Widerstand.

      Alle, die sich um die Stabilität des Landes Sorgen machen, sind sich sehr wohl bewusst, dass unqualifizierte Zuwanderer die Spaltung der Gesellschaft erhöhen.

      Die Erkenntnisprobleme liegen woanders.

      Sie sollten Ihre Ansichten überprüfen oder mich belehren:

      Erklären Sie mir doch bitte einmal, WIE die zu hohe Abgabenlast, zu wenig Geld im Bildungswesen und zu wenig öffentliche Investitionen bei zu viel öffentlichen Konsum POLITISCH gelöst werden können?

      Mit welchen Mehrheiten im Bundestag wollen Sie das schaffen?

      Bei den Megatrends (Globalisierung, Alterung der Gesellschaft, Energiewende etc.) ist politisch nichts zu lösen. Die Person ihrer Sehnsucht würde es nicht richten können, weil sie sehr schnell weg vom Fenster wäre.

      Antworten
  2. Avatar
    Eva Maria Palmer sagte:

    „Die Weltwirtschaft als Ponzi-System“.

    Diese klare Aussage eines Nobelpreisträgers könnte insbesondere auf den europa-romantischen Schwachsinn unserer Politnieten in der EU zutreffen, die mit einer inkompatiblen Einheitswährung und keynesianischen Geldsozialismus und Schuldenvergemeinschaftung das baldige Ende der Wahnsinns-Konstruktion EU einläuten werden.

    Bleibt nur zu hoffen, daß auch dieser Nobelpreisträger nicht von eifrigen Bloggern für verrückt erklärt wird.

    Antworten
  3. Avatar
    Richard Ott sagte:

    bto: „Every government says you have to have an increase in population“

    Ja, aber wieso? Nur weil es die Finanzierung der (Umlage-)Sozialsysteme einfacher macht? Ist das das einzige Problem?

    Wenn ansonsten eine „steady state“-Volkswirtschaft mit stabiler Bevölkerungszahl und stabiler Altersverteilung funktionieren würde, deutet das ja darauf hin, dass eine Abwägung zwischen Kosten für Sozialsysteme und Kosten von Bevölkerungswachstum (Wohnraumknappheit, Umweltprobleme, alle Probleme im Zusammenhang mit der massenhaften Zuwanderung unqualifizierter Migranten, und so weiter) gefunden werden müsste – was aber offenbar so schwierig ist, dass man lieber die Bevölkerung weiter wachsen lässt.

    Antworten
  4. Avatar
    foxxi sagte:

    das Thema, Bonzisystem wurde richtig benannt. Aber die eigentlichen Ursachen nicht: das Geld gehört den Banken und der Zins auch. Das heisst, jedes Stück Geld ist ein Schuld,- selbst unsere Leistung ist eine Schuld, auf dessen wir Zinsen an die Banken zahlen müssen. Der produktiven Wirtschaft wird durch den Zins ständig Geld entzogen, welche sie nur durch eine Neuverschuldung überbrücken kann. Aber die Kosten (und Verschuldung) durch den Zins nehmen dadurch zwangsläufig ständig zu; – bie nach etwa zwei Gerationen das System, meist durch Krieg beendet wird und dann neu gestartet ; – aber wieder gleich mit Altschulden (Zwangshypothek und Lastenausgleich)
    Lösung: das Geld darf keiner Institution etc. gehören, sondern ausschließlich dem Volke. Dann fließen Zinsen wieder dem Volke zurück. Leistung darf niemals eine Schuld sein. Und es müssen Obergrenzen bei Vermögen und Einkommen gesetzt werden.Aus dem Ververbrauch von Gütern und Dienstleistungen müssen alle Kosten generiert werden. Arbeit zu Besteuern und mit Sozial-abgaben, ist der irrtum des Jahrtausends!
    Dies wären die Grundlagen für ein nachhaltiges und ressourcen-schonendes System!!!!!!!!!!!

    Antworten
    • Avatar
      Peter Denk sagte:

      Das ist im besten Falle eine sehr blauäugige Sicht der Dinge, die mit der Realität wenig bis nichts zu tun hat und die nur so lange funktioniert, wie sie auf dem Papier steht und nicht umgesetzt wird. Ich glaube aber, dass Ihre Meinung eher der Unbelehrbarkeit zuzuordnen ist.

      Wenn ich nachfolgende Dinge höre, stehen mir die Haare zu Berge.

      „Das Geld gehört dem Volk“

      Wer soll das Volk sein (wir, Sie oder nur die, die an den Hebeln der Macht sitzen)? Und wer verwaltet das Vermögen (auch das Volk?) und beaufsichtigt die Rechtmäßigkeit der Geldflüsse? Oder etwa Bürokraten im öffentlichen Dienst? Wie stellt man bei denen die Rechtmäßigkeit des Handelns sicher, wenn dieser Arbeitsplatz ihre Freifahrkarte ist? Wer entscheidet, wie das Geld verwendet wird? Wer über 40 Jahre im öffentlichen Dienst nicht mit geschlossenen Augen gearbeitet hat, wird darüber nur mit sehr schmerzhaften Empfindungen lachen können. Es werden nirgendwo so viele sachfremde und auch total dumme Entscheidungen in Bezug auf Geld getroffen wie dort. U. a. auch deshalb, weil es wenig bis keine Konsequenzen hat, wenn man erwischt wird. Es gab doch genügend sozialistische Modelle in der Vergangenheit! Warum wieder ein Versuch, der am Ende nur Unglück bringt. Glauben Sie wirklich, dass nur private Unternehmen betrügen? Die EZB ist doch ein tolles Beispiel für eine öffentliche Institution. Rechtsbrüche erfolgen hier fast schon täglich. Ich weiß schon, was Sie sagen werden, man muss sich nur etwas Besseres ausdenken, das auch funktioniert. Man sollte dabei aber bedenken, das probiert die Menschheit schon mehrere tausend Jahre und es ist bisher nicht Ansätzen gelungen.

      „Obergrenzen bei Vermögen und Einkommen“

      Das gab es in der Realität noch nicht einmal im Kommunismus. Und was soll das bewirken? Wo Menschen nach Betrugsmöglichkeiten suchen, finden sie welche? Hier geschieht nur folgendes: Die Menschen mit hervorragenden Kontakten und Beziehungen werden Wege finden, ihr Schäflein ins Trockene zu bringen. Der Dumme werden Sie sein, wenn es Ihnen nicht gelingt, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen!

      „Aus dem Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen müssen alle Kosten generiert werden“

      Sie meinen vermutlich: müssen alle Einnahmen generiert werden, die die anfallenden Kosten abdecken. Welche Kosten? Nur die Erstellungs- und Vertriebskosten der Produkte oder auch Kosten der öffentlichen Güter (wie z.B. Bildung, Feuerwehr, Polizei, Zoll, Finanzverwaltung), wo es zum großen Teil keine privaten Anbieter geben wird. Das alles kann doch aber nur ein totalitärer (sozialistischer oder faschistischer) Staat durchsetzen. Und was ist dann mit Produktivitätsfortschritten? Wer ist bei solch einem Bürokratenmonster daran überhaupt noch interessiert (Beispiele dazu gab es viele, man denke nur an die DDR). Haben Sie denn immer noch nicht genug?

      Antworten
    • Avatar
      ruby sagte:

      Das ist ein revolutionär negierender Ansatz für die Zukünftige Wirtschafts- und Geldverfassung.
      @MFK Es wird lange dauern das Verständnis in den einzelnen Denkern einzuordnen, gegen die Verschleierung der Aufklärung durch die abzulösenden Paradigmatiker des Ponzi. Persönlich bin ich bereits unendliche Weiten voran und lerne das gefasste zurück beobachten. Das ist so wie Hitparade von 1974 heute sehen, amüsant. Die neue Geldverfassung politikfähig zu praktizieren technisch zu gestalten machen
      andere Generationen.
      Die EZB ist dabei eine total versagende Institution, die für mich zukunftsunfähig ist und in neuer Dezentralität wegfällt.

      Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ MFK

      Ersetzen?

      Das meinen Sie doch nicht ernsthaft.

      Wachstum, REALES Wachstum, kann nicht ersetzt werden.

      Wenn Zentralbankgeld z. B. per Helikopter unter die Leute gebracht wird, erhöht es die Geldmenge.

      Reales Wachstum wird damit nicht ersetzt.

      Zusätzliches Wachstum entsteht DADURCH lediglich durch die Nachfrage, die der Programmierer für Helikoptergeld mit seinem Arbeitseinkommen generiert.

      Auch dann erfolgt reales Wachstum erst dann, wenn die Nachfrage nicht aus nicht wieder aufgestockten Lagerbeständen befriedigt wird.

      Was Sie vermutlich meinen:

      Zusätzliches Zentralbankgeld kann Nachfrage generieren und damit mehr Wachstum c. p.

      Das ist nicht so sicher, wie M. Stöcker und andere glauben.

      Weiß irgendjemand, ob die Menschen das geschenkte Geld nicht sparen, d. h. z. B. auf dem Konto liegen lassen?

      Niemand weiß es.

      Um es zu wissen, muss man die DOSIS erhöhen, weil der Umgang mit Helikoptergeld auch etwas mit Menge zu tun hat sowie mit Nachhaltigkeit der Gewährung.

      Antworten
      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Helikoptergeld ist für mich eine reine Umverteilungsgeschichte. An die Wachstumsgeschichte glaube ich persönlich (auch) überhaupt nicht, lasse mich aber gerne von (späteren) Fakten belehren.

        Da Trickle-Down ja offensichtlich in den letzten 10 Jahren nicht funktioniert hat, sind „wir“ an der Basis jetzt mal dran. Durch Helikoptergeld wird meinem Verständnis nach die in der Bevölkerung sehr schräge Kaufkraft-Verteilung etwas abgeflacht. Da ein größerer Teil der Empfänger es für Konsum ausgeben wird, profitieren dann per Trickle-Up auch die Gewerbe und deren Angestellte. Die inflationäre Wirkung ist in diesem Falle einmal zu Gunsten der „kleinen“ Leute zeitlich gestaltet. (Anders als bei Trickle-Down.)

        Ich finde Helikoptergeld mittlerweile nicht mehr so verrückt, wie noch vor ein paar Jahren.

        Das liegt allerdings eher daran, dass ich die anderen aus meiner Sicht noch verrückteren Dinge wie 0-Zins, Negativzins oder Anleihen und Aktien-Aufkauf durch ZB sowie das Phänomen von Peak-Debt kennen gelernt habe. Im Vergleich hierzu finde ich Helikoptergeld elegant und geradlinig. Verrückheit ist halt eine relative Wertung.

        Ich würde zur weiteren Akzeptanzsteigerung den Begriff Fairness-Zuwendung vorschlagen ;)

  5. Avatar
    Paolo Reggiani sagte:

    Ich verfolge diesen Blog mit Interesse. Was ich in allen Diskussionen (Stöcker et al. ) um das monetäre Systeme wie Helikoptergeld, MMT ect. vermisse, ist ein wissenschaftlicher Bezug auf die physikalische Realität in der wir leben. Die Erde ist ein finites und den zwei grundlegenden Gesetzen der Thermodynamik unterworfenes System. Erstes besagt, dass Energie weder zerstört noch erzeugt, sondern nur umgewandelt wird, und zweites dass Energie im irreversiblen Umwandlungsprozess zur Zunahme von Entropie führt. Zunehmende Entropie bedeutet, dass das Umwandeln von Energie immer mit Dissipation verbunden ist, wobei hochwertige konzentrierte Energie irreversibel in diffuse Wärme umgewandelt wird, die sich wesentlich ineffektiver zum Verrichten von Arbeit verwenden lässt (law of diminishing returns).

    Keine Form irdischen Lebens kann diese Gesetze umgehen. Jede ökonomischen Aktivität ist diesen Gesetzen unterworfen. Wenn ein Verbrenner von A nach B fährt, wird hochwertige im Kraftstoff chemisch gebundene Energie in mechanische Arbeit und Wärme umgewandelt (effektiver Wirkungsgrad 35 %, https://de.wikipedia.org/wiki/Otto-Kreisprozess) . Wenn ein e-Auto dieselbe Strecke fährt, wird chemische Energie (Kohle, Uran) in Wärme und Strom umgewandelt (effektiver Wirkungsgrad ~ 35 -45 %), zur Abnahmestelle transportiert und in Akkus gespeichert, die e-Motoren antreiben.

    Das Verfahren zur Ammoniak Synthese, das für die Herstellung der für die Welternährung erforderlichen Düngemittel benötigt wird (Stichwort Grüne Revolution), beansprucht 3% der Gesamtenergienachfrage. Die Informationstechnologie verbraucht anscheinend Energie in derselben Grössenordnung (siehe BTO Artikel vor einigen Tagen).

    Die hochwertigen und konzentrierten, meist nicht oder viel zu langsam erneuerbaren Energieträger, werden mit zunehmendem Verbrauch und nicht nachhaltig wachsender Erdbevölkerung weniger, das „law of diminishing returns“ macht sich überall bemerkbar. Die jüngsten Rebellionen sind nur Vorboten von Unzufriedenheit, da Menschen am eigenen Leib zu erfahren beginnen, dass sie bei gleicher Arbeit weniger erwirtschaften als ihre Eltern, bzw. dass die niedrig hängenden Früchte abgeerntet sind (sinkender EROEI – energy returned on energy invested). Die Menscheit lebt energetisch über ihren Verhältnissen (Z.B jüngst erschienen https://www.zerohedge.com/news/2019-04-28/nightmare-come-true-amazon-launches-freight-brokerage-slashes-prices-30 oder https://www.t-online.de/digital/internet/id_85660274/online-handel-deutsche-schicken-knapp-500-millionen-artikel-zurueck.html).
    Geld drucken ändert daran gar nichts, ist eine Selbsttäuschung und vergeudet nur wertvolle Zeit, die man besser in die Anpassung (logistisch wie spirituell) auf ein niedrigeres Konsumniveau investieren sollte. MMT ist weder neu, noch eine Lösung und noch weniger eine Theorie, da sie mit Wissenschaft nichts zu tun hat. Zu glauben mit MMT Probleme zu lösen ist wie im Langstreckengflieger mit halbvollem Tank in Sydney nach Los Angeles abzuheben, und sich dabei einzureden, dass wenn man positiv denkt, das Ziel erreichen wird.

    Antworten
    • Avatar
      Ulrich Remmlinger sagte:

      @ Paolo Reggiani „Die Menscheit lebt energetisch über ihren Verhältnissen“

      Dies ist der Normalzustand in unserem Sonnensystem. Alle Energie auf der Erde, als Strahlung oder fossil, kommt von der Sonne. Diese Sonne existiert seit 4,5 Milliarden Jahren, seit 3,5 Mia. Jahren gibt es Leben auf der Erde. Die Sonne hat inzwischen ca. 50% ihres Wasserstoffs verbraucht und wird in ca. 1 Mia. Jahren so stark expandieren, daß Leben auf der Erde nicht mehr möglich ist.
      https://www.hep.physik.uni-siegen.de/~grupen/sonne1.pdf
      Es gibt keinen „nachhaltigen“ ewig stabilen Zustand.
      Die Kohlevorräte in China reichen noch über 1000 Jahre, deshalb geht dort auch jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz.
      Wollen Sie sich ernsthaft darüber Gedanken machen, was in 1000 Jahren passiert?

      Antworten
      • Avatar
        Ootis sagte:

        Vielleicht sind in Wahrheit generell unsere Denk-Voraussetzungen zu mangelhaft? Was ist Energie denn? Was ich hier lese bei Ihnen, Respekt, aber es stimmt nicht. Es gibt so viel zu leisten für uns, und auch da wieder wirken die falschen Grundlagen, dass wir nicht schaffen durch den ganzen Wust hindurch zu kommen.
        Das komplette Weltbild mit seinen Begriffen und Denk-Spielen könnte endlich daneben gelegt werden und dann könnte die Betrachtung ohne Interpretationen auf der Basis des Angelernten und damit im Detail Verzerrenden geübt werden. Wir halten die Welt für eine materialistische. So ist sie aber nicht. Ganz – ist ganz anders. Und mit der materialistischen Welt- oder Wirtschaftsbetrachtung werden wir keine Lösungen erreichen und in den Netzen weiter gefangen sein – so viel auch hier von dem, das ich gelesen habe, stimmt.
        Vielleicht ist jetzt unsere wichtigste Aufgabe, in uns die Zustände gründlich zu ändern.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Paolo Reggiani, MFK, Wolfgang Selig

      Sie verstehen unter Wachstum ausschließlich MATERIELLES Wachstum.

      Wachstum ist aber auch ein MEHR von etwas, das nicht materiell sein muss.

      Nur einmal GEDACHT – es wird so nicht kommen:

      Eine sich begrenzende Menschheit sichert ihre Reproduktion auf einer vergleichsweise bescheidenen materiellen Basis. Mit einer hinreichend ausgebauten digitalen Infrastruktur steigert sie ihren immateriellen Konsum, z. B. durch intensiveres Bloggen.

      Das kann lange währen, theoretisch bis zu viel oder zu wenig Sonnenenergie.

      Realistisch:

      Je entwickelter, d. h. mit materiellen Gütern gesättigt die Volkswirtschaften sind, desto mehr werden sie in diese Richtung laufen.

      Das wird zwangsweise so sein, weil bei wachsender Erdbevölkerung und wachsendem materiellen Wohlstand die materiellen Ressourcen knapper und teurer werden.

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Ich habe keine Vorschläge gemacht, sondern nur darauf verwiesen, was m. A. n. ZWANGSWEISE kommen muss.

        SOLANGE Politiker noch etwas verteilen können, kommt das natürlich besser an – stimme Ihnen zu.

        Optimistisch bin ich nur insoweit als ich glaube, dass es eine Option aus der Falle eines hemmungslosen Materialismus gibt.

        Ob und in welchem Maß sie wahrgenommen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

        Da bin ich nicht mehr optimistisch.

  6. Avatar
    Paolo Reggiani sagte:

    Herr Remmlinger, sie haben im Prinzip recht, aber es geht um das Verhältnis der entsprechenden Zeitskalen. Der zeitliche Rahmen in dem wir derzeit Öl und andere Ressourcen verbrauchen ist viel, viel kleiner (i.e. zeitliche Größenordnung eines bis zweier Menschenleben) als jener, innerhalb dem die Sonne ausglüht (eine kaum vorstellbare zeitliche Größenordnung). Der kürzere Zeitrahmen ist für uns und unsere Nachfahren existentiell relevant, der lange nicht.

    Antworten
    • Avatar
      Ulrich Remmlinger sagte:

      Herr Reggiani, wenn Sie nicht nur die billig zu fördernden Reserven berücksichtigen, sondern auch die weltweit nachgewiesenen Ressourcen, dann beträgt die Reichweite bei der Kohle mehrere 1000 Jahre, bei Erdöl 140 Jahre und bei Erdgas 260 Jahre. Sie kennen die technischen Prozesse, mit denen sich Kohle in die benötigten Rohstoffe konvertieren läßt. Eine „existentielle Relevanz“ für uns und unsere Nachfahren kann ich bei diesen Reichweiten nicht erkennen.
      Warum soll ich mir über das Schicksal der Menschheit in 2000 Jahren mehr Sorgen machen, als über das in 1 Milliarde Jahren. Alarmismus gibt es seit den Tagen des Club of Rome, es kommt sowieso alles ganz anders.

      Antworten
      • Avatar
        Klaudia sagte:

        @Ulrich Remmlinger:
        Die Ressourcen, die NICHT billig förderbar sind, sind irrelevant.

        Ihre Förderung ist unwirtschaftlich, sie kostet mehr als sie einbringt.

        Das ist so, weil die mehr Energie und damit Geld erfordert als dann auf dem Markt dafür erzielbar ist.

        Höhere Marktpreise sind aber nicht möglich, weil die Weltwirtschaft dann kollabieren würde.

        Also werden diese teuren Ressourcen nie gefördert werden.

        Und nein, der technisch Fortschritt wird daran nichts wesentliches ändern.

  7. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >„As standards of living increase, population growth declines. So if the economy succeeds in raising standards of living, it undermines itself.“ – bto: Das ist ganz entscheidend. Wenn wir so weitermachen, können wir nicht nachhaltig sein.>

    Wie sollten wir dann ANDERS weitermachen, um nachhaltig sein zu können?

    Wir müssen der vorgebrachten Auffassung nach den durchschnittlichen Lebensstandard senken, damit die Bevölkerung mehr wächst und wir dadurch nachhaltig sein können.

    Wie erreichen wir das?

    Es müssen ANREIZE gesetzt werden, aus EIGENINTERESSE den Lebensstandard zu senken.

    Der Idee, die vom ifo-Institut schon vor Jahren vorgebracht wurde, lautet:

    Wer Kinder in die Welt setzt und sie erzieht, bekommt mehr Rente als jene, die das nicht tun.

    Hier:

    http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/policy/Staff-Comments-in-the-Media/Press-articles-by-staff/Archive/Eigene-Artikel-2003/medienecho_202056_ifostimme-FAZ14-01-03.html

    Kinder, speziell deren Erziehung mit ZUNEIGUNG, die keine Kita leisten kann, sind teuer. Das senkt den Lebensstandard der Eltern, nicht aber den Konsum.

    Denn Rente für die Zeugung eines Kindes mindert den Zwang, fürs Alter zu sparen.

    Es ist empirisch nachgewiesen, dass dies funktioniert und somit wird das Ziel erreicht:

    Bevölkerungswachstum durch einen gesenkten Lebensstandard derer, die Humankapital bilden.

    Probleme?

    Selbstverständlich, weil schon bei der ersten öffentlichen Debatte darüber das Geschrei losbreche, die Frauen würde zur Gebärmaschinen gemacht, um das Rentensystem zu retten.

    Das nächst Problem ist die Erziehung der Kinder.

    Wie wir am Japan-Thread anderntags mitgeteilt bekommen haben, sind Kinder kein großer materieller Gewinn für die Gesellschaft, wenn sie nicht die kognitiven Fähigkeiten erwerben, die erforderlich sind, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können.

    Schließlich Dynamit pur:

    Wenn die Familie mit islamistischen Hintergrund eine dicke Rente im Alter kassiert aufgrund großer Kinderzahl, und dies auch noch, OHNE dass die Frau jemals gearbeitet hat, ist der Teufel los.

    Eine deutsche Frau, die im wahrsten Sinne des Wortes hart an Frauenquote gearbeitet hat, damit die Gesellschaft gerechter wird, bekommt weniger Rente, als eine, die ihr Leben lang nicht gearbeitet hat. Kindererziehung ist schließlich keine Arbeit im Sinn des Selbstverständnisses einer gut ausgebildeten, emanzipierten deutschen Frau, die sich im Beruf verwirklichen will. Die Arbeitgeber sehen das de facto übrigens genauso.

    Was also?

    Am besten weiter so:

    Wir heißen wie gehabt Zuwanderer willkommen, um zu mehr Bevölkerungswachstum zu bekommen.

    Kein Deutscher muss deshalb seinen Lebensstandard senken und mit der Rente wird das auch schon irgendwie klappen :-)

    Antworten
  8. Avatar
    Thierry sagte:

    @ Paolo Reggiani, MFK, Wolfgang Selig, Remmlinger

    Die gefährlichste Gleichung in der Mathematik ist die Exponentialgleichung y = a^x. Ihr gehorchen biologische Vorgänge (Fortpflanzung, Epidemien, usw.) ebenso wie wirtschaftliche Zusammenhänge (Zinseszins, Wachstum, Schulden, usw.). Das ist im wahrsten Sinne des Wortes bedrohlich, denn diese Gleichung kennt keine Obergrenze oder Kulminationspunkt, nur die Unendlichkeit.

    Es gibt jedoch einen Trost: Die e-Funktion ist nur gültig im (zumindest annähernd) unendlichen Raum, den es in der realen irdischen Welt garnicht gibt. Sie stösst an Grenzen (die maximale Menge Y‘), die zur Erschöpfung führt. Epidemien (z.B. die Pest) kommen zum Stillstand, da die Zahl der schon Toten und bereits immunisierten Individuen überhand nimmt. Aus Tierversuchen weiss man, dass Übervölkerung zu Kannibalisierung führt und derart einen Sättigungspunkt erreicht, Ponzischemen erlöschen, wenn ausreichend „Infizierte“, bzw. „Fallierte“ erreicht sind. Und Wirtschaftswachstum erlischt spätestens wenn für die Mehrheit kein Grenznutzen mehr erkennbar ist.

    Warten wir’s also ab und üben uns in Spekulationen, welches Kriterium letzten Endes die Entwicklung zum Kippen bringen wird.

    Antworten
  9. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    @ Bürgergeld/Helikoptergeld, Wachstumsgrenzen

    Thomas M. schreibt:

    „Helikoptergeld ist für mich eine reine Umverteilungsgeschichte.“

    Ja, es hat insbesondere verteilungspolitische Implikationen. Es hat aber eine noch weitere wichtige Funktion: Die Erhaltung des an sich guten und bewährten kapitalistischen Systems, dessen primäres Ziel es ist, aus Geld mehr Geld zu machen.

    Wie Paolo Reggiani aber richtig schreibt, ist die Erde „ein finites und den zwei grundlegenden Gesetzen der Thermodynamik unterworfenes System.“

    So ist es. Von daher benötigen wir einen Mechanismus, der unendliche Geldvermehrung ermöglicht OHNE gegen die Gesetze der Thermodynamik zu verstoßen. Das Mittel der Wahl ist eine Zielinflation von 2 %, die mit Helikoptergeld realisiert werden kann. Damit funktioniert das kapitalistische System auch bei realer Stagnation. Mehr dazu hier: https://zinsfehler.com/2016/01/19/die-krise-des-kapitalismus/

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  10. Avatar
    Starchild sagte:

    https://vimeo.com/102515615
    hier ein Film zum Aufwachen – er WAR MAL auf youtube in vielen Sprachen mit jeweils Millionen-Klicks… jetzt nicht mehr, warum wohl?

    Wenn man bedenkt dass die Planer der NWO teils über 1.000 Milliarden besitzen … ohjehh soviel können die doch nicht essen – es ist der Kick die Macht zu haben Millionen Menschen quälen zu können…. Gott zu spielen, auch die kath.Kirche halte ich für fake.

    Es sollte ein Weltgeatzt geben nachdem niemand mehr als max 10 Mio besitzen darf.
    Und Regierung werden nur noch nach einer Erfolgsquote von frieden, Sozialen, Bildung und Umwelt bezahlt . So einfach ! Dann wird es aber im Turm von Babel schnell leer.

    Antworten
    • Avatar
      Thierry sagte:

      @ Starchild

      „Wenn man bedenkt dass die Planer der NWO teils über 1.000 Milliarden besitzen …“. Ob es wirklich soviele Milliarden sind, sei dahingestellt, auch ein Hundertstel übersteigt das Vorstellungsvermögen über die damit verbundene Machtkonzentration.

      Warum erzwingen dann nicht die übrigen 99.9 % der wirtschaftenden Menschheit den reset mit einem Handgeld von 100 €/$/£ für jeden. Für jemand, der die deutsche Währungsreform von 1948 erlebt hat, ist dieser Gedanke gar nicht so abwegig. Das wäre dann wenigstens echtes Helikoptergeld und nicht bloß Sedation der Aufmüpfigen!

      Antworten
      • Avatar
        Starchild sagte:

        @Thierry
        dazu müßten die 99,9% auf eine höhere Bewusstseinsstufe transformieren. Das geht, einige tun es schon, aber es geht nicht im Hamsterrad ( Farm der Tiere ), auch nicht unter Gehirnwäsche (1984) und braucht eine vernünftige Vision des neuen Systems – ein System das kein Wachstum propagiert, hat auch keine Parasiten.
        Das Märchen mit den Schulden: jede Zentralbank hat bei einem anderen Staat gegenseitig Schulden, also die Gleichungen erstmal kürzen und dann hmmm wer ist den der Hauptgläubiger ? Das sind die Herrscher des Casino – die immer gewinnen. Also im Namen der Völker das Einlagen-Sicherungs-Spiel umdrehen bevor die uns alles nehmen – denn die hetzen dafür die Menschen gegeneinander auf allen sozialen Ebenen auf -damit die inzwischen die Menschheit schachmatt setzen können.

  11. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    @Herrn Dietmar Tischer:

    Sie fragen, mit welchen Mehrheiten im Bundestag das geschafft werden soll? Das ist parteitechnisch m.E. erst einmal egal, da die Zusammensetzung des Bundestages und die Ausrichtung der Parteien von der aktuellen Meinung der Bevölkerung abhängig ist. Das Parteiprogramm der CDU heute wäre vor 30 Jahren der SPD zugeordnet worden. Das der CDU vor 30 Jahren wäre heute stark überlappend mit dem der AFD. Der Name der Partei ist egal, auf die aktuellen Inhalte kommt es an.

    Woher ich die Hoffnung habe, dass eine Meinungswende machbar ist? Weil uns das in den letzten hundert Jahren schon mehrfach gelungen ist, z. B. in der Einstellung zu Themen wie Monarchie, Sozialismus oder Umweltschutz, die einen kompletten Wandel hinter sich haben. Das könnte daher m.E. auch bei Migration und Geldpolitik klappen. Optimistisch lasse ich mich aber gerne nennen, ich bin nicht blauäugig. Erst wenn die Unantastbarkeit der Asylrechtspraxis, die noch ein Reflex auf die Überwindung des NS-Regimes ist, nicht mehr sakrosankt ist, kann ein echtes Einwanderungsgesetz umgesetzt werden. Entscheidend ist daher die Geschwindigkeit des deutschen Bewusstseinswandels. Und so etwas kann sich beschleunigen. Man denke an die Schnelligkeit, mit der Herr von Guttenberg im Turbo die Wehrpflicht aussetzen konnte, ohne dass zwei Jahre vorher nur der Ansatz einer parlamentarischen Mehrheit erkennbar war.

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      >Das ist parteitechnisch m.E. erst einmal egal, da die Zusammensetzung des Bundestages und die Ausrichtung der Parteien von der aktuellen Meinung der Bevölkerung abhängig ist.>

      Stimme Ihnen zu.

      Weil aber die Meinung der Bevölkerung nicht nur aktuell, sondern auf Basis nicht willkürlich beeinflussbarer Entwicklungen (Megatrends) TENDENZIELL auf MEHR Umverteilung zielen wird, kann sich u. a. die Abgabenlast nicht verringern.

      Der Unterschied zwischen Ihnen und mir:

      Sie glauben an einen Bewusstseinswandel und, falls er eingetreten ist, braucht es nur noch die starke Persönlichkeit, die ihn entsprechend umsetzt.

      Ich schließe einen Bewusstseinswandel überhaupt nicht aus, sehe ihn sogar in bestimmten Bereichen.

      Mit Blick auf die von Ihnen angesprochenen Felder, wie Bildung, wird es ihn aber nicht geben.

      Es einfach mal banal-drastisch ausgedrückt:

      Eine alternde Gesellschaft hat keine Zukunft und wird daher nicht für Investitionen plädieren, sondern für ihren Konsum hier und heute.

      Die Politik setzt das um.

      Antworten
      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        „Eine alternde Gesellschaft hat keine Zukunft und wird daher nicht für Investitionen plädieren, sondern für ihren Konsum hier und heute.“, schreiben Sie.

        Das ist genau das große Thema. Frönt die alternde Gesellschaft dem Egoismus oder nicht? Die aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen geben Ihnen recht, aber dann dürfte es auch keinen Zulauf bei fridays for future oder den Grünen geben, die aber gerade enorm boomen. Denn mit der „Nach-mir-die-Sintflut“-Einstellung kann es mir egal sein, ob in 50 Jahren Deutschland zur Steppe geworden ist, sondern dann will ich gefälligt meine Kreuzfahrt auf einem klimatisierten Schiff in der Karibik genießen, auch wenn der Schwerverbrauch (bzw. der Kerosinverbrauch auf dem Weg zum Starthafen) enorm sind.

        Solange Deutschland noch Wälder wiederaufforstet, möchte ich eine zukunftsorientierte gesellschaftliche Haltung nicht ganz aufgeben. Gesellschafte, den nur roden und nichts aufforsten, gibt es auf der Welt genug.

    • Avatar
      Thierry sagte:

      @Frau Finke-Röpke

      „…. Weil uns das in den letzten hundert Jahren schon mehrfach gelungen ist, z. B. in der Einstellung zu Themen wie Monarchie, Sozialismus oder Umweltschutz, die einen kompletten Wandel hinter sich haben. …“

      Na ja, zur Beendigung der Monarchie bedurfte es eines verlorenen Krieges und einer Revolution, Bei der Vermeidung des Sozialismus bolschewistischer Machart ist D vom Regen in die Traufe geraten, und was den Umweltschutz anbelangt ist das Resultat noch völlig offen, da die physikalischen Zusammenhänge geflissentlich negiert werden. Da steht uns das dicke Ende noch bevor wenn 2022 die Kernkraftwerke abgestellt werden. Kaum vorstellbar, dass uns dies eine Physikerin eingebrocken konnte. Sie hat anscheinend Physik in der Baumschule gelernt.

      Antworten
  12. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Die neueste Variante Stöckerscher „Aufklärung“:

    >„Helikoptergeld ist für mich eine reine Umverteilungsgeschichte.“

    Ja, es hat insbesondere verteilungspolitische Implikationen. Es hat aber eine noch weitere wichtige Funktion: Die Erhaltung des an sich guten und bewährten kapitalistischen Systems, dessen primäres Ziel es ist, aus Geld mehr Geld zu machen.>

    Schon die Auffassung, dass Systeme ein Ziel haben können, zeigt das komplette Unverständnis. Nur Menschen können sich Ziele setzen.

    Darüber hinaus ist völlig daneben, dass Helikoptergeld DAS kapitalistische System erhalten würde.

    Dieses System ist geprägt vor allem durch die IDEE Freiheit/Verantwortung bzw. Wahrnehmung von Handlungsoptionen/Haftung der INDIVIDUEN. Diese Idee ist auch weitgehend praktiziert worden in der Entwicklung des Kapitalismus. Der Staat war für lange Zeit mehr oder weniger minimalistisch beteiligt durch funktionale gesellschaftliche Erfordernisse, die individuell nicht geleistet werden konnten.

    Wenn das heute anders ist – Manager haften nicht mehr, sondern werden mit goldenem Handschlag entlassen – und der Staat längst das bedeutendste „Wirtschaftssubjekt“ ist, kann man schon nicht mehr von Kapitalismus reden, jedenfalls nicht von einem „guten und bewährten System“, auch wenn dieses System funktioniert.

    Kapitalismus ist dem GRUNDVERSTÄNDNIS nach etwas anderes.

    Zu Helikoptergeld.

    a) Variante monetäre Finanzierung der Fiskalpolitik:

    Die Finanzierung der Staatsausgaben würde nicht mehr durch die Schuldentragfäigkeit begrenzt sein. Wie der Demagoge Schieritz richtig erkannt hat, wird sich der Staat daher alles leisten KÖNNEN. Und er würde tendenziell ALLES leisten WOLLEN. Warum sollte er das nicht, wenn seine Notenbank alles finanziert. Die Menschen werden es fordern und es wird geschehen – als KOLLEKTIV gewolltes Wirtschaften.

    Das auf individuellen Entscheidungen basierende Wirtschaften wird entwertet und könnte sogar ganz entfallen.

    b) Variante Bürgergeld:

    Das Individuum müsste sich tendenziell nicht mehr als leistendes Subjekt einbringen, um Einkommen zu erzielen und entsprechend zu wirtschaften. Ihm wird Einkommen zugeteilt und es wird damit zum Konsumfaktor degradiert. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist der gesellschaftlich legitimierte Mechanismus dafür.

    Auch auf diese Weise:

    Das auf individuellen Entscheidungen basierende Wirtschaften wird entwertet und könnte sogar ganz entfallen.

    Fazit:

    Wir laufen mit Helikoptergeld schnurstracks in den Kollektivismus und dann vermutlich in irgendeine Form von Totalitarismus.

    Noch ist es ein Stück bis dahin, aber die Bühne dafür wird schon heute bespielt. HEUTE ist Kühnert mit seinen Verstaatlichungsideen noch Irrläufer einer Partei, die nicht weiß, wie sie Selbstmord begehen will. Habeck ist auf keinem besseren Weg mit seiner Vorstellung, dass nicht mehr das Individuum, sondern der Staat für die Moral zuständig sein soll.

    M. Stöcker begleitet sie mit Volksverdummung zum Thema Helikoptergeld.

    Antworten
    • Avatar
      Thomas M. sagte:

      [Kapitalismus] „Dieses System ist geprägt vor allem durch die IDEE Freiheit/Verantwortung bzw. Wahrnehmung von Handlungsoptionen/Haftung der INDIVIDUEN.“

      Ich denke, dass genau das aber die meisten nicht wissen, geschweige denn verstehen. Diese Idee und die Befreiung der Massen nach Jahrhunderten *durch* den Kapitalismus wurde mir jedenfalls in der Schule nicht vernünftig beigebracht. Ich hab erst mit 35+ entdeckt – über amerikanische Artikel – was es mit Freiheit durch Kapitalismus auf sich hat.

      In Deutschland verbinden wohl die wenigsten (?) Freiheit mit Kapitalismus, sondern denken an Knechtschaft und Ausbeutung und leiten daraus ab, dass der Sozialismus die Freiheit steigern wird.

      Ein fataler Irrtum, wie die Geschichte lehrt.

      Antworten
  13. Avatar
    Ulrich Remmlinger sagte:

    @ Thomas M.: „In Deutschland verbinden wohl die wenigsten Freiheit mit Kapitalismus, sondern denken an Knechtschaft und Ausbeutung“
    Sie legen hier den Finger in die entscheidende Wunde. Das beginnt bei der Lehrerausbildung und setzt sich im Unterricht in der Schule und im studentischen Umfeld fort. Ich mußte 40 Jahre alt werden um die falsche Indoktrination in meiner Jugend zu erkennen. Erst als ich Verantwortung für Personal und Budget hatte, habe ich den Segen einer echten Marktwirtschaft schätzen gelernt.

    Antworten
  14. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    @ Dietmar Tischer

    „Schon die Auffassung, dass Systeme ein Ziel haben können, zeigt das komplette Unverständnis. Nur Menschen können sich Ziele setzen.“

    Ich orientiere mich bei der Definition des Kapitalismus an Max Weber und somit letztlich an Karl Marx. Das sollte klar und deutlich geworden sein durch meinen Hinweis auf G – W – G‘. Sie können eine solche Definition selbstverständlich durch eine romantisierende Vorstellung über „Freiheit/Verantwortung bzw. Wahrnehmung von Handlungsoptionen/Haftung der INDIVIDUEN“ ergänzen, aber keinesfalls ERSETZEN. Warum?

    Der Kapitalismus ist OHNE das Finanzsystem/Banken nicht denkbar. Der Kapitalismus verdankt seinen Namen dem Fremdkapital. Dieses Fremdkapital wird überwiegend durch das Bankensystem im Rahmen eines vertraglichen Schuldverhältnisses erzeugt. Durch einen Bankkredit wird also schon heute zusätzliche Kaufkraft erzeugt, die auf eine zukünftige Leistungserbringung ausgerichtet ist. Es ist der Schuldendruck des Kreditnehmers, der die Gegenwart mit der Zukunft verbindet und die ungeheure Dynamik des (Fremd)Kapitalismus im Zusammenspiel mit „Freiheit/Verantwortung bzw. Wahrnehmung von Handlungsoptionen/Haftung der INDIVIDUEN“ erklärt. Auch hier gilt: It takes two to tango.

    Voraussetzung für die kreative Entfaltung und ungeheure Dynamik des Kapitalismus war der Liberalismus (@ Thomas und Ulrich Remmlinger). Aber JEDER Ismus kann in seiner Verabsolutierung letztlich im Totalitarismus enden.

    „Wenn das heute anders ist – Manager haften nicht mehr, sondern werden mit goldenem Handschlag entlassen – und der Staat längst das bedeutendste „Wirtschaftssubjekt“ ist, kann man schon nicht mehr von Kapitalismus reden, jedenfalls nicht von einem „guten und bewährten System“, auch wenn dieses System funktioniert.“

    Das sehe ich bekanntlich genauso und ist für den Liberalismus/Kapitalismus eine Ohrfeige und somit eine Steilvorlage für alle sozialromantisierenden Kapitalismuskritiker.

    „a) Variante monetäre Finanzierung der Fiskalpolitik:“

    Verstößt klar gegen geltendes Recht und ist somit für Euroland aktuell KEINE LEGALE Option.

    „b) Variante Bürgergeld:

    Das Individuum müsste sich tendenziell nicht mehr als leistendes Subjekt einbringen, um Einkommen zu erzielen und entsprechend zu wirtschaften.“

    Das hängt ganz von der Höhe ab. Bei meinem Vorschlag von anfänglich 100 EUR kann davon wohl keine Rede sein; oder können Sie von 100 Euro im Monat leben?

    „Ihm wird Einkommen zugeteilt und es wird damit zum Konsumfaktor degradiert.“

    Das gilt übrigens auch für alle Rentner. Und keiner muss sich „degradieren“ lassen: Er kann das Geld auch spenden, Bücher von Herrn Dr. Stelter kaufen… Alles eine Frage der Erziehung zu „Freiheit/Verantwortung“.

    „Wir laufen mit Helikoptergeld schnurstracks in den Kollektivismus und dann vermutlich in irgendeine Form von Totalitarismus.“

    Das ist mal wieder ein echter Tischer-Beitrag zum Thema „Volksverdummung“.

    Oder um mit Ihren Worten zu sprechen: Wischen Sie sich den Schaum vom Mund und rüsten ab.

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Für die Unterstützung IHRER Auffassung, Systeme haben ein Ziel bzw. können eines haben, MÜSSTEN Sie darlegen, dass SYSTEME – und nicht Akteure im System – etwas WOLLEN können.

      Sie können sich an wem auch immer orientieren – auch am Mann im Mond – und werden dem nicht gerecht.

      Sie zeigen mit Ihrem Namedropping vielmehr, dass Sie nicht einmal verstanden haben, was ich darlege.

      Marx hätte Sie übrigens ausgelacht:

      Für ihn haben sich Kapitalisten und Proletarier IM System Ziele gesetzt und würden dadurch – wie er fälschlich dachte – als ERGEBNIS ihres zielorientierten Handelns das System Kapitalismus in die Situation „Endstadium Sozialismus“ überführen.

      SIE – diese Individuen, die er in Klassen zusammenfasst hat, überführen das System und NICHT das System sich selbst – können Sie das vielleicht irgendwann einmal begreifen, Sie Marx-, Kant- und Goethe-Kenner?

      >Voraussetzung für die kreative Entfaltung und ungeheure Dynamik des Kapitalismus war der Liberalismus (@ Thomas und Ulrich Remmlinger)>

      VORRAUSSETZUNG – das ist richtig.

      Und was war das Kennzeichen des Liberalismus auch nach @ Thomas und Ulrich Remmlinger?

      Das, was ich gesagt habe:

      „…. geprägt vor allem durch die IDEE Freiheit/Verantwortung bzw. Wahrnehmung von Handlungsoptionen/Haftung der INDIVIDUEN.“>

      Sie lassen BEZÜGLICH der Idee und der Zielsetzung von Individuen Ihr EIGENES Bekenntnis zur Voraussetzung ganz schnell unter den Tisch fallen, wenn Sie sagen:

      >Es ist der Schuldendruck des Kreditnehmers, der die Gegenwart mit der Zukunft verbindet und die ungeheure Dynamik des (Fremd)Kapitalismus im Zusammenspiel mit „Freiheit/Verantwortung bzw. Wahrnehmung von Handlungsoptionen/Haftung der INDIVIDUEN“ erklärt.>

      Richtig, weil den Mechanismus richtig darstellend, muss es heißen:

      In einem liberalen kapitalistischen System, in dem die Generierung von Krediten gibt, ENTSCHEIDEN die INDIVIDUEN ihren ZIELSETZUNGEN entsprechend, ob und in welchem Umfang sie Kreditnehmer werden wollen – und sonst niemand, weil sich niemand sonst in diesem System Ziele setzen kann. Auch der Staat kann das nicht in eigener Zielsetzung, da Individuen ihm die Ziele vorgeben. Da Kredite nicht vom Himmel fallend und Banken Kredite nicht ins Nichts schaffen können, sind sie es die das System am Laufen halten.

      Soweit sich das System so weiterentwickelt hat, dass sich die INSTITUTION Regierung ohne Rückkopplung Ziele setzt, ist es nicht mehr Kapitalismus in seinem ursprünglichen Sinn.

      Wenn wir darin übereinstimmen, können wir nicht mehr von einem kapitalistischen System sprechen, sondern allenfalls von einem, in dem es AUCH Elemente des ursprünglichen kapitalistischen Systems gib.

      Soweit es meine Darlegungen betrifft, geht es in der Diskussion nicht darum, ob es aktuell rechtliche Hürden für dies oder jenes gibt oder nicht gibt.

      Ich habe lediglich auf die Folgen verwiesen, WENN es Helikoptergeld gäbe. Insoweit es um den Weg dahin geht, sind Ihre Verweise für eine Beurteilung der Systemfolgen unerheblich.

      Da Sie mit einer Diskussion darüber wieder einmal überfordert sind, meine gelassen ausgesprochene Empfehlung:

      Raus aus der Sonderschule, um zu lernen, wie man diskutiert.

      Oder wühlen Sie wenigstens in den Links, es gibt da ganz bestimmt etwas für Sie.

      Antworten
  15. Avatar
    Paolo Reggiani sagte:

    @ M. Stöcker

    Ich wollte kurz meine Vision zu Helikoptergeld/MMT noch einmal kurz erläutern. Ich glaube wir sind uns alle einig, dass ohne Erdöl beinahe alle kontemporären wirtschaftlichen Aktivitäten zum Erliegen kommen, da Erdöl durch seine Bedeutung für den Transport, die petrochemischen Industrie und Intensivlandwirtschaft, ohne die man keine 7+ Milliarden Menschen ernähren kann, einen vorerst unersetzlichen Rohstoff und Energieträger darstellt. Ein Barrel Rohöl (159 Liter, 35.7 Grad API) enthält 5.8 Mio. BTU (British Thermal Units) bzw. 1700 KWh chemisch gebundene Energie. Würde diese Energie 1:1 in Arbeit übertragen, entspräche dies circa der Arbeitsleistung eine Pferdes über 350 Tage oder der körperlichen Arbeitsleistung eines gesunden Menschen über 10 Jahre. Da aber laut 2. Satz der Wärmelehre ein erheblicher Teil des Energiegehaltes eines Barrel als Wärme verloren geht, und ein weiterer Teil für die Prozesse Förderung, Verarbeitung und Verteilung aufgewandt werden müssen, stehen z.Z. netto weniger al 50% der ursprünglich enthaltenen Energie dem Weltwirtschaftskreislauf zur Verfügung, Tendenz fallend. In den 1920 Jahren war dieser Anteil nahe 100% (www.thehillsgroup.org/depletion2_020.htm). Die Nettoenergie sinkt mit steigendem Aufwand der Ölförderung aus bekannten Lagerstätten, da die Erschließung im Vergleich zum Anfang des 20. Jhdt. immer energieintensiver wird (Tiefseebohrungen, Fracking, progressive Verwässerung der Lagerstätten). Um 1920 war der Energieaufwand zur Ölgewinnung 100:1 Barrel, derzeit sind wir im Mittel beim Verhältnis 13:1 angekommen (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921800915303815?via%3Dihub). Es wird darum aus rein thermodynamischen Gründen ein Punkt erreicht werden (7:1), ab dem der Aufwand, Öl zu fördern, zunächst energetisch, und kurz später auch ökonomisch immer unrentabler wird. Diese Entwicklung zeigt sich bereits in der zunehmenden Verschuldung der Ölkonzerne, besonders im Sektor der Schieferölgewinnung (https://www.nytimes.com/2018/09/01/opinion/the-next-financial-crisis-lurks-underground.html) – Carlo Ponzi lässt grüßen. Trotz niedriger Zinsen geraten die Konzerne immer weiter finanziell unter Druck, da höhere Ölpreise zur Entschädigung immer größere Aufwände in der Förderung, mit gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Marktverhältnissen unverträglich sind.

    Ich würde in diesem Zusammenhang gerne von den Helikoptergeld/MMT Verfechtern wissen, wie man damit die in einem Barrel zur Verfügung stehenden Nettoenergie „herbeidrucken“ will. Man kann zwar durch Innovationen die Verluste der Umwandlungsprozesse verringern, aber da sind die Grenzen des Machbaren durch die Physik vorgegeben. Fazit: eine Steigerung der Nettoenergie ist nicht möglich, somit kann keine Finanzakrobatik die physikalische Realität fallender Nettoenergie des Öls verschleiern. Diese ist der limitierende Faktor für weiteres Wachstum in einer finiten Welt, und somit unter anderem Ursache für fallende Rendite unseres gesamtwirtschaftlichen Systems.

    Antworten
    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      @ Paolo Reggiani

      Vielen Dank für Ihre ausgezeichneten Erläuterungen, die ich uneingeschränkt teile. Das Thema Energie ist neben dem Thema Geld der zweite große blinde Fleck der dismal science: https://www.theatlantic.com/business/archive/2013/12/why-economics-is-really-called-the-dismal-science/282454/ .

      Steve Keen ist einer der wenigen, der die elemantaren Defizite der Cobb-Douglas-Produktionsfunktion thematisiert: https://www.forbes.com/sites/stevekeen/2016/08/19/incorporating-energy-into-production-functions/#151cb23b47cc

      „Ich würde in diesem Zusammenhang gerne von den Helikoptergeld/MMT Verfechtern wissen, wie man damit die in einem Barrel zur Verfügung stehenden Nettoenergie „herbeidrucken“ will.“

      Mit dieser Frage/Kritik rennen Sie bei mir offene Türen ein, Herr Reggiani. Mein Hauptargument für Helikoptergeld basiert exakt auf Ihrer Argumentation, dass es KEIN REALES unendliches quantitatives Wachstum in einer endlichen (Energie)Welt geben kann; qualitatives sehr wohl.

      Das Hauptmotiv des Kapitalismus ist es aber, aus Geld mehr Geld zu machen (quantitatives Ziel). Das ist grundsätzlich immer möglich, da die Anzahl an Bits und Bytes im Computer – bzw. die Zahlen auf einem Geldschein – beliebig groß werden können OHNE die Gesetze der Thermodynamik zu verletzen. Somit würde der Kapitalismus selbst bei 0 % realem Wachstum und 2 % Zielinflation über das „Herbeidrucken“ von Geld zumindest nicht am Renditeziel scheitern. Die nominale Rendite von 2 % kann dann noch weiter gesteigert werden, wenn man via Erbschaftssteuer die Geld- und Vermögensbasis immer wieder reduziert. Dann klappt es auch bei den Renditejägern mit den 25 %. Aber eben nur ad finitum im Kontext der Erbschaftssteuer.

      LG Michael Stöcker

      Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.