Der globale Ponzi

Heute Morgen haben wir einen Blick auf die US-Schuldenwirtschaft geworfen. Hier nun der globale Blick (erstmals im Oktober 2015 an dieser Stelle):

Die Gesamtverschuldung der Welt explodiert sein den 1980er-Jahren förmlich. Immer mehr fließt in unproduktive Bereiche (Spekulation, Immobilien etc.). Zero Hedge hat mal wieder „schöne“ Charts ausgegraben. Diesmal stammen sie von der RBS. Sie zeigen uns das gigantische Ponzischema, in dem wir stecken. Nachzulesen hier.

Nachdem wir die letzte Bremse für unser Geldsystem mit dem Wegfall der Goldbindung des US-Dollars aufgegeben haben, kam es zu einem ungebremsten Anstieg der weltweiten Verschuldung. Die übrigens exponentiell wächst und wachsen MUSS (bto), denn nur dann klappt der Schuldenturm nicht in sich zusammen.

Dabei ging es vor allem auch um private Schulden, denn damit konnte man alle Rezessionen und unangenehme Dinge (wie: die Chinesen arbeiten billiger) übertünchen.


bto: Politiker sind Menschen, die das Geld anderer Leute für andere Leute ausgeben und zugleich nur dann an der Macht bleiben, wenn sie immer mehr ausgeben, als sie einnehmen. Denn sonst merken die Leute, dass es nicht geht und sie letztlich selber für die Wohltaten zahlen. Deshalb sind Schulden Demokratie-inhärent. Da ich die Demokratie für die beste aller Formen halte, müssten wir andere Schranken einführen, um diesem Treiben ein Ende zu bereiten.

Der ehemalige Chicago-Professor und jetziger indischer Notenbankpräsident Raghuram Rajan beschreibt das so (via ZH): „Politicians are resourceful people. Their political skill lies partly in proposing solutions that keep their constituents happy without venturing into the rocky terrain of real reform. In the case of inequality, politicians know intuitively that households ultimately care most about their consumption over time; incomes are only a means to obtaining that consumption stream. A smart politician can see that if somehow the consumption of middle-class householders keeps rising, if they can afford a new car every few years and the occasional exotic holiday, and best of all, a new house, they might pay less attention to their stagnant monthly paychecks. And one way to expand consumption, even while incomes stagnate, is to enhance access to credit.

Was braucht ein Ponzi-Schema, damit es weiter funktioniert? – Genau: noch mehr Schulden, sonst erlahmt die Wirtschaft immer mehr, während die Preise stagnieren oder fallen. Dies liegt an den im Boom geschaffenen Überkapazitäten. bto-Lesern wohlbekannt. Und richtig: Wir haben sie wieder, die Deflation. Das Preisniveau in Europa fällt wieder. Damit ist die Wirkung von QE wieder verpufft. Kein Wunder, dass die EZB in dieser Woche vermutlich ein Ausweiten des bestehenden Programms beschließt. Alles nur, um unseren Ponzi noch eine Runde weiter zu bekommen. 

→ Zero Hedge: „How Developed Markets Become Banana Republics: Debt Is A Much Easier Way To Gather Consensus, 10. Oktober 2015

Kommentare (11) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    „Wir haben sie wieder, die Deflation. Das Preisniveau in Europa fällt wieder. Damit ist die Wirkung von QE wieder verpufft.“

    QE bewirkt überwiegend Assetinflation und ist weitgehend HVPI-neutral. Relevant für die Entwicklung des HVPI ist aber die Fiskalpolitik (=Fiskaltheorie des Preisniveaus). Hier noch einmal der Hinweis auf den ganz ausgezeichneten Vortrag von Nobelpreisträger Christopher Sims vom letzten Donnerstag in Lindau: http://www.mediatheque.lindau-nobel.org/videos/37257/myth-stand-alone-central-bank.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      In der Tat, ein interessanter Vortrag von C. Sims.

      Es ist unzweifelhaft ein Mythos, dass die EZB es allein schaffen kann.

      Denn es muss ja etwas geben, was sie kaufen kann – NUR so kommt Geld in die Wirtschaft, wenn wir von Helikoptergeld absehen.

      Ich frage aber:

      MUSS die EZB Staatsanleihen kaufen?

      WARUM könnte Sie nicht Unternehmensanleihen kaufen, Aktien oder Immobilien?

      Ich sehe keinen Grund, warum sie das nicht können sollte.

      Bei jedem Kauf käme Geld in Wirtschaft.

      Allerdings:

      Beim Staat kann man davon ausgehen, dass er das durch Ausgabe von Anleihen eingenommene Geld als NACHFRAGE für neu zu schaffende Produkte bzw. zu erbringende Dienstleistungen in der Wirtschaft wirksam wird.

      Bei allen anderen Akteuren ist das nicht notwendigerweise der Fall, siehe z. B. Aktienrückkäufe wie hier schon diskutiert.

      Kurzum:

      Wir haben hier die BEGRÜNDUNG dafür, warum expansive Fiskalpolitik NOTWENDIG ist.

      Allerdings ist m. A. n. auch klar:

      Die Fiskalpolitik wird weder quantitativ noch qualitativ die Nachfrage generieren können, die den Konsumpräferenzen der Menschen und – bezogen auf die Wertschöpfung – dem Produktionspotenzial der Volkswirtschaften entspricht.

      Abgesehen davon:

      Die „utopische Lösung“ für den Euroraum, die Sims als institutionell erforderlich hält, u. a. mit supranationalen Besteuerungs- und Finanzierungsbefugnissen (Eurobonds) und die er demokratisch legitimiert sehen möchte, wird es eher nicht geben.

      Es sagt jedenfalls, dass er nicht wisse, wie sie installiert werden könne – eben DEMOKRATISCH legitimiert, was für ihn offensichtlich heißt: nicht durch Vertragsrecht geschaffen, sondern durch ausdrückliche Zustimmung der Bevölkerungen.

      Antworten
      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        „Die Fiskalpolitik wird weder quantitativ noch qualitativ die Nachfrage generieren können, die den Konsumpräferenzen der Menschen und – bezogen auf die Wertschöpfung – dem Produktionspotenzial der Volkswirtschaften entspricht.“

        Auch diese Einschätzung, die ich teile, spricht für eine dezentrale monetäre Bürgerfinanzierung via Citoyage.

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        Felix Kurt sagte:

        @ D. Tischer

        Die EZB KAUFT doch Unternehmensanleihen, Asset Backed Securities (was auch Immobilien sind), also salopp: „das ganze Programm“. Oder die SNB in der Schweiz mit Ihrem Mega-Aktienportfolio.
        Oder verstehe ich Sie falsch?

        Zu den AKTIENRÜCKKÄUFEN:
        Der eine Aspekt ist der hier immer wieder diskutierte, ob die Liquidität, ggf. auch die Verschuldung der Unternehmen, nicht besser produktiv investiert werden sollte.
        Der andere Aspekt, den ich in diesem Blog auch schon mehrfach angeführt habe, ist folgender: Die Unternehmen geben durch den Aktienankauf ihren Eigentümern/den Anlegern Geld zurück und erhöhen deren Liquiditätsstatus. Wenn für die Unternehmen keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten bestehen, ist dies eine absolut vernünftige Vorgehensweise. Die Diskussion, wie und unter welchen Rahmenbedingungen die optimale Finanzierungsstruktur eines Unternehmens auszusehen hat, wollen wir hier nicht führen und lassen sie außen vor.
        Jetzt kann der Einzelne nach seiner Konsum- und Spar- bzw. Anlagepräferenz neu entscheiden, was er mit dem Geld macht. Konsumieren und/oder wieder investieren. Und das teils sogar nachfrage- und preiswirksam wie Stöcker es meint.
        Ich sehe darin im Übrigen einen großen Vorteil in der Unternehmensform der Aktiengesellschaft, dass sie qua funktionierendem Markt für die Unternehmensanteile (fungible Aktien) eine viel größere Flexibilität bietet.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Felix Kurt

        Mein Punkt hinsichtlich des Vortrags von C. Sims, der sich NUR auf den Kauf von Staatsanleihen bezogen hat, war:

        Warum seiner ARGUMENTATION entsprechend NUR der Kauf von Staatsanleihen?

        Wenn es bei den EZB-Käufen nicht oder nicht nur um die Käufe von Staatsanleihen geht, dann entfällt die Begründung für Fiskalpolitik bzw. sie wird schwächer.

        Kurzum, ich wollte deutlich machen, dass die NOTWENDIGKEIT von Fiskalpolitik (fortwährender Staatsverschuldung) bei Sims auf einer PRÄMISSE beruht, die fraglich ist.

        Was die EZB TATSÄCHLICH kauft, hat damit nichts zu tun.

        Sie haben Recht, soweit ich weiß, kauft die EZB nicht nur Staatsanleihen.

        >Die Unternehmen geben durch den Aktienankauf ihren Eigentümern/den Anlegern Geld zurück und erhöhen deren Liquiditätsstatus. Wenn für die Unternehmen keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten bestehen, ist dies eine absolut vernünftige Vorgehensweise.>

        Das sehe ich genauso.

        >Jetzt kann der Einzelne nach seiner Konsum- und Spar- bzw. Anlagepräferenz neu entscheiden, was er mit dem Geld macht. Konsumieren und/oder wieder investieren. Und das teils sogar nachfrage- und preiswirksam wie Stöcker es meint.>

        Auch das sehe ich genauso.

        ABER:

        Der volkswirtschaftliche Knackpunkt ist, dass die Entscheidungen derer, die derart Liquiditätszuwächse zu verzeichnen haben, nicht HINREICHEND in Nachfrage nach neu zu produzierenden Gütern oder zusätzlicher Nachfrage führen.

        Daher, so die Logik von M. Stöcker und anderen:

        Die zugeflossene Liquidität muss man diesen „Nachfrageverweigerern“ entziehen, u. a. durch eine knackige Besteuerung der Kapitaleinkünfte, und in die Hände derer legen, die Nachfrage generieren – dem Staat und/oder den Menschen mit geringem Einkommen.

        Umverteilung also.

        Das kann man machen, das wird auch gemacht.

        Im großen Umfang ist das aber nicht systemkompatibel und würde zu Wohlstandverlusten für ALLE führen.

  2. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    Mir ist beim Lesen dieses Artikels der Begriff „Jubeljahr“ aus dem alten Testament in der Bibel in den Sinn gekommen. Ich bringe jetzt mal anstelle der hier üblichen aktuellen bzw. wirtschaftswissenschaftlichen Zitate mal etwas sehr altes (nach wikipedia):
    „Ein Jubeljahr (hebräisch שנת היובל schenat hajobel, lateinisch annus iubilaeus) … ist ein besonderes Jubiläumsjahr in der römisch-katholischen Kirche. Das kirchliche Jubeljahr knüpfte indirekt an das biblische Erlassjahr an: einen alle 50 Jahre gebotenen Schuldenerlass und Besitzausgleich für alle Israeliten (Lev 25,8-55 EU).“

    Die Goldbindung des Dollars wurde von US-Präsident Nixon 1971 aufgegeben. Biblisch gesehen (ich bin hier totaler Laie!) wären dann wohl rechnerisch im Jahr 2021 eigentlich die 50 Jahre für ein Jubeljahr voll, um das Ponzi-Schema zu bereinigen und die Schulden auszugleichen. Wenn ich mir die oben gezeigte Verschuldungsentwicklung so ansehe, könnten wir da gefühlt ziemlich exakt nach ca. 50 Jahren Verschuldungsaufbau zu einem notwendig werdenden „Ereignis“ kommen, egal ob politisch gesteuert oder durch Marktkräfte chaotisch hervorgerufen. Irgendwie scheint der ironische Titel „This time ist different“ von Reinhardt und Rogoff, dass schuldentechnisch alles schon mal da war, noch viel weiter zurückreichend zu gelten als nur die paar Jahrhunderte, die die beiden bei ihren Untersuchungen erforscht haben. Vielleicht ist das alles nur ein Zufall, aber bemerkenswert finde ich es schon.

    Antworten
    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      Nein, dies ist alles kein Zufall, Herr Selig. Es ist der von mir immer wieder erwähnte Matthäus-Effekt. In statischen Gesellschaften tritt dieser schneller ein als in dynamischen mit Wirtschaftswachstum und fiskalischer Redistribution. Von daher geht es aktuell schon deutlich länger als 50 Jahre. Nachzulesen unter anderem hier: https://zinsfehler.files.wordpress.com/2016/01/die-monetaere-krise-des-kapitalismus.pdf (Seite 9).

      Nixon ist hier weniger relevant als Ausgangspunkt. Wenn Sie ihn aber nehmen wollen, dann wäre es das Jahr 2020, da das Jubeljahr alle 7 x 7 Jahre stattfinden sollte (3. Buch Mose – Kapitel 25).

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Avatar
      Johannes sagte:

      Sie verstehen die Bedeutung des alttestamentarischen Jubeljahres richtig. Der Punkt ist: es ist eine Ordnung/Regel die einem Volk gegeben wurde, dessen Mitglieder sich in einer persönlichen Verantwortung vor Gott (Jahwe) sahen und aus dieser Verantwortung heraus mit Überzeug handelten und so blieb auch der soziale Frieden nach dem erfolgten Ausgleich gewährt.

      Eine Übertragung dieser Ordnung/Regel in unsere Zeit würde m.E. an der fehlenden/mangelnden Gottesorientierung vieler Menschen scheitern. Der soziale Frieden ließe sich nicht waren und ob Politiker mitziehen würden bezweifle ich stark. Denn dies:

      ,bto: Politiker sind Menschen, die das Geld anderer Leute für andere Leute ausgeben und zugleich nur dann an der Macht bleiben, wenn sie immer mehr ausgeben, als sie einnehmen. ‚

      ist der Schlüssel zur Wiederwahl und damit Jobsicherung.

      Antworten
      • Avatar
        Wolfgang Selig sagte:

        @Johannes: damit Sie mich nicht missverstehen. Ich wollte keinen religiös begründeten Schuldenerlass propagieren. Vielmehr glaube ich, dass die 49 bzw. 50 Jahre anscheinend ein Zeitmaßstab ist, in dem die aufgelaufenen Vermögensunterschiede ein Ausmaß erreicht haben, bei der eine irgendwie geartete Korrektur vorgenommen werden muss, um weitermachen zu können. Ob diese Korrektur religiös motiviert ist, fiskalpolitisch gewolllt ist oder durch massive Marktkorrekturen quasi von alleine entsteht ist für mich dabei zweitrangig. Interessant finde ich nur die Auffälligkeit, dass der notwendige Zeitraum zwischen zwei Schuldenbereinigungsterminen offenbar unabhängig davon ist, ob eine Gesellschaft industrialisiert ist oder nicht.

      • Avatar
        Johannes sagte:

        @WS: Keine ,Sorge‘ – ich habe Sie nicht missverstanden. Die Korrektur, von der Sie sprachen wird auch kommen, sie wird aber wohl so ablaufen, dass der soziale Frieden nicht gewährleistet werden kann (hier schon oft Thema gewesen). In ihrem konkreten historischen Beispiel war dies aber so. Ich wollte lediglich auf die Gründer aufmerksam machen, weshalb damals viele Male der soziale Frieden im alttestamentarischen Israel gewährt blieb. Beste Grüße,
        Johannes

    • Avatar
      jobi sagte:

      Bingo ! Sie sind auf dem richtigen Weg .. ( „und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“).
      Jesus ist am Kreuz gestorben, weil er die Geldverleiher aus dem Tempel vertrieben hat und sich mit den übermächtigen Gläubigern angelegt hat.
      Man muss nicht religiös sein. Sowohl im alten als auch im neuen Testament gibt es unzählige Stellen zum ältesten Thema der Menschheit.
      Eine andere lohnende Quelle ist die Geschichte der klassischen Ökonomie, welche untrennbar mit der Aufklärung, der Entwicklung der modernen Demokratien und der Überwindung des Feudalismus verbunden ist.
      Von Adam Smith kennen die meisten nicht viel mehr als „die unsichtbare Hand des Marktes“.
      Zum Erkenntnisgewinn ist der Blick über den Tellerrand erforderlich. Ein simplifiziertes, überwiegend güterwirtschaftliches ökonomisches Modell kann die reale Welt nicht mehr erklären, das haben inzwischen auch die Ökonomen begriffen.
      Die Ökonomie ist keine Naturwissenschft, in der Gesetze unveränderlich sind.

      Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.