Schöne Visualisierung unseres Lebens auf Pump und die Konsequenzen

Bekanntlich sehe ich in der unproduktiven Verwendung neuer Schulden eine der entscheidenden Ursachen für die ungelöste Krise und das sich zusammenbrauende Desaster. Passend dazu habe ich einen interessanten Beitrag gefunden, der die Wirkungsweise am Beispiel der USA schön erläutert. Gleiches gilt auch für die anderen hoch verschuldeten Regionen der Welt:

  • „Debt, if used for productive investments, can be a solution to stimulating economic growth in the short-term. (wenn es aber unproduktiv verwendet wird gilt:) Therefore, the larger the balance of debt becomes, the more economically destructive it is by diverting an ever growing amount of dollars away from productive investments to service payments. bto: Das kann man nicht oft genug wiederholen.
  • Dabei haben die neuen Schulden immer weniger Wirkung in der Realwirtschaft. „It now requires nearly $3.00 of debt to create $1 of economic growth.“

Quelle: Real Investment Advice

  • „In fact, the economic deficit has never been greater. For the 30-year period from 1952 to 1982, the economic surplus fostered a rising economic growth rate which averaged roughly 8% during that period. Today, with the economy growing at an average rate of just 2%, the economic deficit has never been greater.“ bto: Das finde ich eine besonders schöne Darstellung, weil sie klarmacht, wie groß die durch Schulden geschaffene Wohlstandsillusion ist!

Quelle: Real Investment Advice

  • „(…) when it comes to households, which are responsible for roughly 2/3rds of economic growth through personal consumption expenditures, debt was used to sustain a standard of living well beyond what income and wage growth could support. (…) The problem is that eventually, the debt reaches a level where the level of debt service erodes the ability to consume at levels great enough to foster stronger economic growth.“ bto: Die Verschuldungskapazität ist erschöpft.
  • „In reality, the economic growth of the U.S. has been declining rapidly over the past 35 years supported only by a massive push into deficit spending by households.“

Quelle: Real Investment Advice

  • As wage growth stagnates or declines, consumers are forced to turn to credit to fill the gap in maintaining their current standard of living. However, as more leverage is taken on, the more dollars are diverted from consumption to debt service thereby weighing on stronger rates of economic growth.“ bto: Und nun sind auch die US-Unternehmen hoch verschuldet.
  • „The massive indulgence in debt, or a credit induced boom, has now begun to reach its inevitable conclusion. The debt driven expansion, which leads to artificially stimulated borrowing, seeks out diminishing investment opportunities. Ultimately these diminished investment opportunities lead to widespread malinvestments. bto: und damit weniger Wachstum!
  • When credit creation can no longer be sustained the markets will begin to “clear” the excesses. It is only then, and must be allowed to happen, (…)  fiscal and monetary policies, from TARP and QE to tax cuts, only delay the clearing process. Ultimately, that delay only potentially worsens the inevitable clearing process.“ bto: wie ich immer sage: Die Probleme werden größer, die Fallhöhe wird höher.
  • „That clearing process is going to be very substantial. With the economy currently requiring roughly $3 of debt to create $1 of real, inflation-adjusted, economic growth, a reversion to a structurally manageable level of debt would involve a nearly $35 Trillion reduction of total credit market debt from current levels. bto: Er hält also ein Niveau von rund 220 Prozent des BIP für Schulden als „managebar“, leider, ohne es zu erklären. Ich habe ja mal 180 Prozent postuliert, allerdings ohne das Bankensystem.

 

Quelle: Real Investment Advice

  • „The last time such a reversion occurred the period was known as the Great Depression.“  bto: was auch erklärt, weshalb es um jeden Preis verhindert wird!

Quelle: Real Investment Advice

  • „There is ultimately a limit to which indebtedness can supplant actual organic economic growth. The question is whether we have already reached that limit (…).“  bto: Haben wir die Verschuldungskapazität erreicht? Oder geht noch was? Mit Negativzinsen bestimmt.

→ Real Investment Advise: „How Big Of A Deleveraging Are We Talking About?“, 24. Juli 2017

Kommentare (12) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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      Hans-Peter Stumpf sagte:

      Link zu einem sehr guten Artikel,
      man muss sich ab und zu mal wieder auf die Basics konzentrieren, um nicht vor lauter Informationsflut die Übersicht zu verlieren.

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      Michael Stöcker sagte:

      „Wenn Geschäftsbanken Negativzinsen an die ZB abführen müssen, können diese Einlagen nicht zur Giralgeldschöpfung eingesetzt werden“

      Welche „Einlagen“? Zinszahlungen haben nichts mit „Einlagen“ zu tun, sondern mit Eigenkapital sowie mit Zentralbankgeldguthaben (M0). Die Banken müssen diese Kosten über höhere Kontoführungsgebühren hereinholen, was sie ja auch machen. Ansonsten sind es nicht die Einlagen, die zur Giralgeldschöpfung eingesetzt werden, sondern es ist die Kreditvergabe, die die „Einlagen“ erzeugt. Die Giralgeldschöpfung wird insbesondere durch die EK-Vorschriften sowie die Liquidity Coverage Ratio limitiert: http://blogs.faz.net/fazit/2017/07/09/8879-8879/#comment-6831.

      Ansonsten ignoriert Heinsohn die Rolle der ewigen Staatsschulden.

      LG Michael Stöcker

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  1. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Wunderbar auf den Punkt gebracht – und das von Anlageberatern, was ich für bemerkenswert halte.

    Ein paar Bemerkungen dazu:

    >„(…) when it comes to households, which are responsible for roughly 2/3rds of economic growth through personal consumption expenditures, debt was used to sustain a standard of living well beyond what income and wage growth could support. (…)

    Zum anderen ist es im Kapitalismus so, dass die Nachfrage von den KONSUMENTEN ausgehen MUSS und nicht von den Kapitaleignern, um die Verschuldung in produktive Investitionen zu initiieren.

    Also war es nur folgerichtig, dass sich die Konsumenten bis zum Halskraus verschuldet haben.

    The problem is that eventually, the debt reaches a level where the level of debt service erodes the ability to consume at levels great enough to foster stronger economic growth.“>

    Da sind wir nun.

    Daher die verzweifelten Anstrengungen, Ersatz für die nachlassende bzw. ausfallende Nachfrage der Konsumenten zu schaffen:

    Die Mittel sind Geld- und Fiskalpolitik, erstere durch verbilligtes bzw. geschenktes Geld, letztere über mehr Verschuldung.

    >fiscal and monetary policies, from TARP and QE to tax cuts, only delay the clearing process.>

    Das ist die große Frage.

    > „When credit creation can no longer be sustained the markets will begin to “clear” the excesses. It is only then, and must be allowed to happen, (…)>

    Wenn die Politik, mit dem stillschweigenden Einverständnis der Bevölkerungen im Rücken, es nicht erlauben, dass die MÄRKTE die Situation bereinigen, dann wird sie NICHT bereinigt.

    Märke kann man ausschalten, da ist man jedenfalls noch nicht am Ende aller Tage:

    Negativzinsen, Bargeldverbot, Helikoptergeld …

    Die Frage ist allerdings:

    Werden die NEBENWIRKUNGEN dieser Maßnahmen nicht so sein, dass das Verschuldungsproblem nicht doch noch gelöst wird und zwar DURCH die Märkte – aber auf eine Weise, die keiner will, eben doch (noch) destruktiv?

    Eine DEFINITIVE Antwort kann heute keiner geben.

    Was man allderdings sagen kann:

    Oben angedeutete Maßnahmen sind derart unerprobt – ich drücke mich bewusst sehr zurückhaltend aus –, dass man mit ALLEM rechnen muss.

    Das evolutionäre Hinübergleiten in eine schöne, neue Welt ist dabei das, was ich für am unwahrscheinlichsten halt.

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  2. Avatar
    A. Middendorf sagte:

    Nur ergänzend: Laut US Ökonom Barry Eichengreen können sich die Amerikaner aufgrund des Status des Dollars als Weltreservewährung ein permanentes jährliches Defizit von bis zu 1 Billion US$ oder 20% des BIP erlauben. Diese Dollarschulden können die ausländischen Gläubiger (insb. China, wie auch bei BTO mehrfach berichtet) nicht eintreiben, weil schon der Versuch den Dollar und damit auch den Wert ihrer Reserven sowie ihre komparative Wettbewerbsfähigkeit abstürzen lassen würde. Hinzu kommt ein internationaler Dollarbedarf (Rohstoffgeschäfte, Verschuldung Weichwährungsländer in Dollar), der mit dem Wachstum der Weltwirtschaft Schritt hält. Die amerikanischen Schulden sind eben von besonderer „Qualität“.

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      Dietmar Tischer sagte:

      Stimmt.

      Richtig ist aber auch:

      Auf DAUER wird man nicht die Weltreservewährung haben, wenn man kontinuierlich derart auf Pump lebt.

      Die USA sind dabei, den Nachweis dafür zu erbringen.

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  3. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    „bto: Haben wir die Verschuldungskapazität erreicht? Oder geht noch was? Mit Negativzinsen bestimmt.“
    Sehe ich auch so, vor allem, weil einerseits zunehmend Bargeld diskreditiert wird und zum anderen, weil die Währungsalternative zum $ (noch?) fehlt. Da die großen Notenbanken relativ stark kooperieren bzw. ihre Geldpolitiken kopieren, mangelt es an einer großen stabilen und dennoch frei handelbaren „Fluchtwährung“ für das große Kapital. Der chin. Renminbi könnte es wohl werden, aber hier fehlt die Rechtssicherheit und die uneingeschränkte Handelbarkeit. Die restlichen Währungen sind entweder zu klein (z.B. Schweizer Franken) oder die Volkswirtschaften zu überschuldet (z.B. jap. Yen). Bleibt Gold, das „barbarische Relikt“. Aber das wird systematisch medial kaputt geredet. Vgl. hierzu die Wochenendeausgabe der SZ:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesbank-es-nuetzt-nichts-deutschlands-gold-zurueckzuholen-1.3640317

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      Johannes sagte:

      Danke für den Link zu SZ; daraus: ,Glaubte wirklich jemand im Ernst, die Amis würden unser Gold klauen und Pappkartons mit Bronze bemalen und in ihren Tresor stellen, um die Bundesbank hereinzulegen? ‚

      Von Goldleasinggeschäften hat dieser Autor wohl noch nichts gehört…

      Der Artikel ist ein Paradebeispiel wie versucht wird, die breite Masse vom (physischen) Gold fern zu halten….

      Ansonsten bin ich auch Ihrer Meinung, das Negativzinsen in Verbindung mit Bargeldrestriktionen, respektive -verbot noch Raum für eine steigende Verschuldungskapazität lassen.

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        Wolfgang Selig sagte:

        Interessant finde ich auch den fehlenden Umkehrschluss. Die SZ geht in keinster Weise darauf ein, dass natürlich umgekehrt die USA oder Großbritannien ihr Gold nicht in Deutschland lagern, immerhin dem Sitz der EZB und damit der zweitwichtigsten frei handelbaren Weltwährung. Ob das seitens Hr. Piper persönlich ideologisch motiviert ist oder einfach nur allgemeine verlagstypische Regierungsgläubigkeit bzw. -hörigkeit, lasse ich mal dahingestellt. Auf jeden Fall für mich kein Fall von kritischem und historisch fundiertem Journalismus.

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