Berechtigte Kritik an der „geldpolitischen Geisterfahrt“ der EZB – doch was ist die Alternative?

Die EZB in den Schutz zu nehmen, ist nicht gerade populär hierzulande. Bekanntlich versuche ich immer einen Zwischenweg, so auch in meinem Beitrag im Cicero vor einigen Monaten, den ich mit „Retter und Räuber“ betitelt habe, der allerdings zu einem Draghi-Cover als Dracula führte. Wie ist meine Sicht? Nun, die Eurokrise ist ungelöst, wird von der EZB mit billigem Geld verdeckt und von der Politik verschleppt. Letztere – gerade auch die hiesige Politik – ist zu kritisieren! Die EZB wirft alle Grundsätze ordentlicher Notenbankpolitik über Bord und ist damit nicht alleine (siehe Japan und USA) und vor allem alternativlos, wäre der Euro und sie selbst doch schon längst Geschichte, täte sie es nicht.

Dies alles vorausgeschickt, bevor ich die Kritik von Jürgen Stark, von 2006 bis 2012 Chefökonom und Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank, aus der NZZ diskutiere. Alles was er kritisiert, stimmt. Aber nur im Kontext einer Welt, die spätestens mit Finanz- und Eurokrise nicht mehr existiert:

  • „Aus der Sicht vieler Beobachter kann Draghi sicher sein, Eingang in die Geschichtsbücher zu finden, da er den Euro und die EU vor ihrem Zerfall bewahrt habe. Diese Einschätzung ist jedoch höchst zwiespältig. Denn Draghi hat die EZB nicht nur ohne Kompass in geldpolitisches Neuland geführt und ein grosses Experiment mit unbekanntem Ausgang gestartet. Während seiner Präsidentschaft wurde die EZB auch zu einer mächtigen, hochpolitisierten und damit auch angreifbaren Institution.“ – bto: Vor allem hat die EZB ohne demokratische Legitimation erhebliche Vermögenswerte zwischen den Mitgliedstaaten verschoben. Dennoch bleibt die Frage nach der Alternative.
  • „Insbesondere in den vergangenen fünf Jahren war die Inflationsrate äusserst niedrig. Doch darin sah die EZB eine besondere Herausforderung. Sie erklärte die sehr niedrige Inflationsrate als nicht mit Preisstabilität vereinbar, diagnostizierte drohende Deflationsgefahren im Euro-Raum und schaltete 2014 von einer bereits sehr akkommodierenden in eine äusserst lockere Geldpolitik.“ – bto: Das war natürlich Quatsch und nur vorgeschoben, um über die Politik des Money for Nothing die Schuldner zu stabilisieren und den Euro so (vordergründig) „zu retten“.
  • „Als erste grosse Zentralbank beschloss sie 2014 einen negativen Einlagenzins. Selbst die Federal Reserve und die Bank of England hatten diesen Schritt gescheut. Und sie hat seit 2015 durch ihr Anleihen-Ankaufprogramm (quantitative easing‘) die Bilanz des Euro-Systems aufgebläht und zusätzliche Liquidität von über 2,6 Billionen Euro geschaffen. Damit ist die derzeitige EZB-Politik seit langem viel aggressiver, als sie es je während der Finanzkrise 2008/09 und der nachfolgenden Staatsschuldenkrise im Euro-Raum war.“ – bto: und hat damit nicht nur die Schuldner subventioniert, sondern auch Kapitalflucht und damit Umverteilung von Vermögenswerten zwischen den Mitgliedstaaten.
  • „Entgegen allen Beteuerungen hat eine reale Deflationsgefahr im Euro-Raum nie bestanden.“ – bto: temporär vielleicht und vor allem bei Assetpreisen, wäre es zu einer Debt-Deflation, also einer Schuldendeflation gekommen. Diese sollte verhindert werden, kann aber wohl nur aufgeschoben werden, um dann noch größer zu sein.
  • „(…) in der Folgezeit wurden umfangreiche EZB-interne Arbeiten durchgeführt, um die monetäre Analyse zu erweitern und zu stärken. So wurden zum Beispiel die Modelle der Geldnachfrage im Euro-Raum verbessert, geldbasierte Inflationsindikatoren entwickelt und die Zusammenhänge zwischen Geldmenge, Kreditentwicklung und Vermögenspreisen sowie deren Implikationen für die Verbraucherpreisinflation analysiert. (…) es zeichnete gerade die monetäre Analyse der EZB aus, mit einer umfassenden Beurteilung der Liquiditäts- und Marktentwicklungen frühzeitige Informationen über entstehende Finanzstabilitätsrisiken liefern zu können. Bis 2011 stand die EZB für den Ansatz leaning against the wind‘ wachsender finanzieller Ungleichgewichte.“ – bto: Das tut sie heute anders. Sie sieht im Kollaps des Schuldenturms das größte Risiko und versucht diesen zu verhindern. Stark hat natürlich recht, dass das nichts anderes ist als das Aufschieben einer Krise zum Preis einer noch größeren (allerdings schreibt er das hier nicht, sondern ich interpretiere es hinein).
  • „Die Beharrlichkeit der EZB-Politik liess manche Beobachter vermuten, sie verfolge die hidden agenda‘ , die Refinanzierungskosten von hochverschuldeten Euro-Mitgliedstaaten zu begrenzen oder zu senken. (Es gibt berechtigte) Zweifel, dass es sich um Geldpolitik handelt. Die ökonomische Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen wird eindeutig in der Absenkung der staatlichen Refinanzierungskosten sichtbar. Das ist monetäre Staatsfinanzierung, die nach den Europäischen Verträgen und dem Statut der EZB verboten ist.“ – bto: Es ist der Tatsache geschuldet, dass die Politik sich um eine Lösung drückt!
  • „Es ist eine Normalisierung weder der Zinsen noch der Zentralbankbilanzen in Sicht. Die EZB hat den Ausstieg aus dieser Politik immer wieder hinausgeschoben und letztlich verpasst. Oder sie will ihn gar nicht, sondern sieht in den nichtkonventionellen Massnahmen und einer starken Zentralbank-Position im Markt, gemeinsam mit forward guidance‘ und Negativzinsen, die neue Normalität.“ – bto: weil sie weiß, dass sie nicht aussteigen kann, ohne das System zum Einsturz zu bringen!
  • „Negativzinsen und quantitative easing‘ sind die gravierendsten Fehlentscheidungen in der 20-jährigen Geschichte der EZB. Eine ganze Dekade extrem lockerer Geldpolitik hat das Verhalten von Politikern und Marktteilnehmern nachhaltig beeinflusst. Wirtschaftsakteure und Marktteilnehmer wurden u. a. über Portfolioreallokation ins wirtschaftliche und finanzielle Risiko gedrängt. Die Märkte wurden verzerrt und Risiken wegen der Zentralbankinterventionen nicht richtig bepreist. Diese Effekte und die längerfristigen Folgen werden von der EZB völlig ignoriert. Die EZB ist damit längst selbst zu einem Risiko für die Finanzstabilität geworden. Sie dürfte den Exit auch deshalb immer wieder verschoben haben, weil man abrupte Marktkorrekturen befürchtete.“ – bto: alles richtig! Doch, was ist die Alternative? Wir brauchen einen geordneten Prozess, den nur die Politik bieten kann und die ist intellektuell und prozessual völlig überfordert.
  • „Der Spielraum für eine rasche Politikänderung geht gegen null, wenn man den wirtschaftlichen Abschwung, die Risiken auf den Finanzmärkten, die fortschreitende Zombifizierung von Banken und Unternehmen und die hohe Staatsverschuldung des Euro-Raums mit in den Blick nimmt. Die EZB ist unter Fiskal- und Finanzmarktdominanz geraten, und sie bleibt gleichzeitig Gefangene ihrer Politik. Spätestens die nächste Krise wird die Verantwortung der EZB hierfür offenlegen. Das wird nicht ohne weitere Konsequenzen bleiben.“ – bto: Vorher kommen noch die Helikopter. Stark und wohl alle, die noch die Grundsätze der Bundesbank kennen, können sich gar nicht vorstellen, was da noch alles kommt. Am Ende steht der Kollaps, bis dahin wird beschleunigt weiter getanzt.

→ nzz.ch: „Die geldpolitische Geisterfahrt der EZB wird auch mit Draghis Rücktritt kein Ende finden“, 28. Januar 2019

43 Kommentare
    • Michael Stöcker sagte:

      @ SB

      „Ob die Leute das Richtige mit dem Helikoptergeld machen und für den (wahrscheinlich) darauffolgenden Kollaps vorsorgen?“

      Wie stellen Sie sich denn eine richtige Vorsorge der Leute vor? Was sollten sie konkret mit dem zusätzlichen Geld machen?

      „In der Mehrheit wohl nicht, denn sie sind ja auf ein Leben im „Hier und Jetzt“ konditioniert, also auf Konsumieren.“

      Ich dachte immer, das sei die Funktion von Endverbrauchern/Konsumenten?

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • SB sagte:

        @Michael Stöcker:

        „Wie stellen Sie sich denn eine richtige Vorsorge der Leute vor? Was sollten sie konkret mit dem zusätzlichen Geld machen?“

        Das Gleiche, was die Leute in Venezuela hätten machen sollen, um sich im Kollaps etwas zu essen zu „kaufen“.

        „Ich dachte immer, das sei die Funktion von Endverbrauchern/Konsumenten?“

        Wer sich (nur) Alls Endverbraucher/Konsument versteht, hat genau diese Funktion. Wer nicht, der gibt sich selbst eine andere Funktion, zumindest auch. Wer Ersteres macht, vertraut einem System, dem man nicht vertrauen darf. Ich kenne viele von solchen „Funktionalen“ im Sinnes des Systems und fast gar keine von der anderen Sorte. Wie es Ersteren im Kollaps ergeht, zeigt uns aktuell Venezuela, wo der Sozialismus zum xten Mal gescheitert ist, mit fürchterlichen Folgen für die Bevölkerung.

    • Markus sagte:

      Wie soll man denn als einzelner Haushalt das Richtige mit dem Helikoptergeld machen? Die Frage ist ernst gemeint. Mir fällt nichts ein, zumindest nicht, wenn man jetzt schon etwas Rücklagen hat. Zum Eigenheim wird es nicht reichen, wenn es nicht vorher schon gereicht hat. Und das Geld beiseitelegen nützt auch nur etwas, wenn man vorher gar nichts beiseite legen konnte. Sinnvoll wäre in Infrastruktur und Bildung der Kinder zu investieren.
      Ersteres ist natürlich nicht machbar für einen Privatmann und letzteres bringt einem kurz- bis mittelfristig in einer Krise nichts. Helikoptergeld wird übrigens die Inflationsrate nach ob schnellen lassen, insbesondere für die Güter des kleinen Mannes wie z.B. Nahrung.

      Antworten
      • SB sagte:

        @Markus:

        Meine Antwort an Michael Stöcker ist zugleich auch die Antwort an Sie. Natürlich ist es richtig und gut, in die Bildung der Kinder zu investieren. Davon werden sich aber weder Ihre Kinder noch Sie das Essenzielle zum Überleben besorgen können. Und dann nützt Ihnen die ganze Bildung nichts. Die nützt nämlich erst wieder etwas, wenn der Kollaps vorbei ist und das Spiel von vorne losgeht.

      • Markus sagte:

        @SB:
        Eben. Und dann wie vorsorgen? Zum Prepperbunker wird es nicht reichen (Mietwohnung). „Nahrungsmittel horten“ halten wir im Alltag nicht durch wegen Arbeit, Pendeln und mehreren Kindern (dann müsste man dauernd Haltbarkeit überprüfen oder sehr viel wegschmeissen). Auch Medikamente verfallen ziemlich schnell (oder man bekommt sie nur auf
        Rezept).

      • SB sagte:

        @Markus:

        Warten Sie nicht auf das Helikoptergeld. Sie können auch jetzt schon vorsorgen.

        Konserven sind in aller Regel weit über das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum haltbar. Die kann man nach dem Kauf sukzessive in den alltäglichen Speiseplan mit einbauen, damit sie teilverbraucht und durch neue ersetzt werden können, die dann wieder länger haltbar sind. Armeekekse sind wahre Energiegiganten (schmecken aber nicht wirklich). Günstiges Wasser gibts im Supermarkt um die Ecke. Davon sollte man so viel haben, dass man die ersten Wochen etwas zu Trinken hat.

        Zum Tauschen für alles, was man nicht selbst hat, bieten sich 5 DM-Silberadler-Münzen an (7,2 Gramm Silbergehalt auf ca. 11 Gramm Gesamtgewicht; die waren übrigens vor noch gar nicht so langer Zeit echtes Geld in Deutschland!). Davon darf man ruhig ein wenig mehr haben. Und die gibts noch günstig zu kaufen.

        Betrachten Sie dies alles tatsächlich als Notfallvorsorge (= Versicherung) und nicht als sich im herkömmlichen Sinne rentierende Investition. Die Rendite besteht darin, dass man als jemand, der über das äußerst schlecht geführte System nachdenkt, ruhiger schlafen kann. Übrigens auch für den Fall, dass nicht es zum Blackout kommt, der letztens gerade erst wieder fast eingetreten wäre: https://www.derstandard.de/story/2000096185439/europas-stromnetz-stand-am-rande-des-totalausfalls
        Ohne Strom geht in unserer Gesellschaft gar nichts. Insbesondere macht kein Supermarkt auf.

      • asisi1 sagte:

        Es ist doch im Sinne dieses Systems, sich etwas zurückzulegen. Vor allem bei nachvollziehbaren Bankkonten. Denn im Alter, als pflegebedürftiger Mensch, will der Staat ja an das gesparte Geld heran! Nur der kleine Michel hat es noch gar nicht mitbekommen, was da so kommen wird. Durch die Pflegeversicherung glauben die meisten Menschen an eine volle Übernahme der Kosten!

    • Richard Ott sagte:

      Beim Government Shutdown in den USA hat sich mal wieder gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Bevölkerung den wichtigsten Grundsatz persönlicher Finanzplanung beherzigt und eine liquide Einkommensreserve für Notfälle oder unvorhergesehene Ausgaben aufbaut: https://chicago.cbslocal.com/2019/01/14/government-shutdown-pawn-shop-chicago/

      Selbst manche Angestellte beim Staat, nun wirklich nicht die wirtschaftlich verwundbarste Gruppe in der Bevölkerung, rennen ins Pfandleihhaus, wenn ihr Gehalt in einem Monat nicht pünktlich gezahlt wird. Das Phänomen wurde in den USA sicher auch von den Anti-Trump-Medien im Rahmen der Shutdown-Berichterstattung zusätzlich aufgebauscht, aber grundsätzlich ist es schon besorgniserregend, wie viele Leute überhaupt keine finanziellen Reserven haben, auch wenn ihr Einkommen ausreichen würde, um welche aufzubauen. Aber sofort alles zu verkonsumieren ist natürlich viel attraktiver.

      Hat jemand konkrete Zahlen dazu für Eurozone oder USA?

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Hier die erschreckenden Zahlen für die USA:

        https://www.magnifymoney.com/blog/news/average-american-savings/

        Die Zahlen sind in mehrfacher Hinsicht beachtlich.

        Auch der demografische Faktor ist bemerkenswert mit den Ersparnisunterschieden zwischen den Alten (baby boomers), den darauf Folgenden im mittleren Alter (GenX, geb. 1961 bis 1981) und den Jungen (Millennials).

        Wer über die Zahlen nachdenkt, wundert sich nicht, dass Trump an der Macht ist.

      • Richard Ott sagte:

        „29% of households have less than $1,000 in savings.“

        Oh je. A disaster waiting to happen. Dass das nur eine Erklärung für den Erfolg von Trump ist, bezweifle ich aber. Genauso gut und ähnlich polemisch könnte ich sagen: Da braucht man sich nicht zu wundern, wieso 89% der Schwarzen die Demokraten gewählt haben, deren radikal linker Flügel ja neuerdings die Ausweitung der Sozialleistungen in Billionenhöhe verspricht.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich meine nicht, dass die Gering-Sparer auf ihre Konten schauen und dann Trump wählen.

        Der Grund liegt tiefer:

        Betrachtet man die strukturellen Veränderung der US-Wirtschaft von den Baby boomers zu den Millennials, so erkennt man einen Abbau gut bezahlter Jobs im Güter produzierenden Gewerbe und eine Zunahmen von schlecht bezahlter Arbeit in den Dienstleistungsbranchen. Die Gründe dafür sind Globalisierung (andere können es billiger) und Gütersättigung (Grundausstattung z. B. mit langlebigen Haushaltsgütern durchweg gegeben).

        Hier ein paar Zusammenhänge (Conclusion, S. 109 ff.):

        https://www.researchgate.net/publication/276168648_Manufacturing_Job_Loss_in_US_Deindustrialized_Regions-Its_Consequences_and_Implications_for_the_Future

        Daraus die nackten Zahlen:

        Between 1979 and 2010, the United States lost 7.9 million manufacturing jobs, about 42% of its 1979 anufacturing
        base. It lost 42.8% of these jobs (3.4 million jobs) between 2000 and 2007 prior to the Great Recession, and then lost another 29.7% (2.4 million) from 2007 to 2010, during and after the recession. The sector has slowly gained employment after hitting its employment trough in 2010 Between 1979 and 2010, the United States lost 7.9 million
        manufacturing jobs, about 42% of its 1979 manufacturing base. It lost 42.8% of these jobs (3.4 million jobs) between
        2000 and 2007 prior to the Great Recession, and then lost another 29.7% (2.4 million) from 2007 to 2010, during and after the recession. The sector has slowly gained employment after hitting its employment trough in 2010 Between 1979 and 2010, the United States lost 7.9 million manufacturing jobs, about 42% of its 1979 manufacturing base. It lost 42.8% of these jobs (3.4 million jobs) between 2000 and 2007 prior to the Great Recession, and then lost another 29.7% (2.4 million) from 2007 to 2010, during and after the recession. The sector has slowly gained employment after hitting its employment trough in 2010.

        Zur Ursache:

        https://www.epi.org/publication/manufacturing-job-loss-trade-not-productivity-is-the-culprit/

        Deshalb keine Perspektiven trotz quasi Vollbeschäftigung:

        https://www.marketwatch.com/story/only-37-of-americans-believe-todays-children-will-grow-up-to-be-better-off-2017-08-22?siteid=bigcharts&dist=bigcharts

        Deshalb so viele Wähler für Trump.

      • Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Bei der Analyse stimme ich voll zu. Deshalb hat Trump ja auch die von dieser Deindustrialisierung besonders betroffenen Staaten Ohio, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin alle gewonnen – „the Brexit States“, wie Michael Moore sie nannte. Den Ausschnitt kennen Sie wahrscheinlich schon, aber ich muss immer wieder daran zurück denken, wie gut Moore doch verstanden hatte, wie seine Heimatregion tickt, auch wenn er alles andere in seinem Film „Trumpland“ ziemlich falsch einschätzte: https://www.youtube.com/watch?v=vMm5HfxNXY4

    • Axel Jung sagte:

      SB: „Ob die Leute das Richtige mit dem Helikoptergeld machen und für den (wahrscheinlich) darauffolgenden Kollaps vorsorgen“

      Schon mal auf die Idee gekommen, dass die aktuellen Probleme genau daher rühren, dass zu viele Menschen und Unternehmen Geld, was sie heute verdienen (möchten) für morgen auf die Seite legen, also das tun, was sie „vorsorgen“ nennen?
      MaW: Helikoptergeld funktioniert nur, wenn es sofort in kaufwirksame Nachfrage umgesetzt wird.
      Die Hamsterideologie ist tot in einer Welt, in der alle Hamster sein wollen.

      Antworten
      • SB sagte:

        @Axel Jung:

        Schon mal auf die Idee gekommen, dass die Leute mit ihrem Geld machen können, was sie wollen? Ich weiß, das geht den Sozialisten komplett gegen den Strich. Deshalb wollen sie auch, dass alle – außer sie selbst – möglichst gleich viel (bei ihnen bedeutet das gleich wenig) haben, damit nichts gespart werden kann und die Kohle von möglichst vielen Leuten immer komplett im Umlauf ist (Hamsterrad).

        „Die Hamsterideologie ist tot in einer Welt, in der alle Hamster sein wollen.“

        Die Hamsterideologie kommt nie vollumfänglich zum Einsatz, da ein jeder einen bestimmten, wiederkehrenden Grundverbrauch an essenziellen Gütern hat. Insofern rotiert das Geld auf jeden Fall. Für alles, was darüber hinausgeht, steht es jedem frei, nach dem Motto „Ich lebe im Hier und Jetzt“, oder nach dem Vorsorgemotto zu leben, wenn er freie Mittel dafür zur Verfügung hat. Ich kann zum Beispiel „hamstern“, weil ich eher in den Ruhestand gehen will, oder weil ich es meinem Kind hinterlassen will. Was ich mit meinem Geld mache, geht niemanden etwas an.

  1. Dietmar Tischer sagte:

    >geldpolitische Geisterfahrt>

    >Die EZB wirft alle Grundsätze ordentlicher Notenbankpolitik über Bord>

    >Draghi hat die EZB nicht nur ohne Kompass in geldpolitisches Neuland geführt…>

    >Vor allem hat die EZB ohne demokratische Legitimation erhebliche Vermögenswerte zwischen den Mitgliedstaaten verschoben.>

    >Sie erklärte die sehr niedrige Inflationsrate als nicht mit Preisstabilität vereinbar, diagnostizierte drohende Deflationsgefahren im Euro-Raum und schaltete 2014 von einer bereits sehr akkommodierenden in eine äusserst lockere Geldpolitik.“ – bto: Das war natürlich Quatsch und nur vorgeschoben,>

    >Die ökonomische Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen wird eindeutig in der Absenkung der staatlichen Refinanzierungskosten sichtbar. Das ist monetäre Staatsfinanzierung, die nach den Europäischen Verträgen und dem Statut der EZB verboten ist.>

    Das sind Aussagen, die von einer unangreifbaren Unerschütterlichkeit getragen werden, die meinem Geschmack nach auch die Aussagen der „Klimaretter“ auszeichnet.

    Man kann sie ja vertreten, muss aber AUCH die Prämissen darlegen, die ihnen zugrunde liegen.

    Dabei ist zuerst einmal zu unterscheiden:

    Die WIRKUNG einer Maßnahme besagt überhaupt nichts darüber, ob die Maßnahme BERECHTIGT war oder nicht.

    Erste Frage, die zu klären wäre:

    Hat die EZB jemals AUSSERHALB ihres Mandats gehandelt oder nicht?

    Die Antworten sind umstritten, es gibt unterschiedliche Meinungen dazu und sie können offensichtlich nicht schlüssig bewertet werden – es gibt jedenfalls keinen Konsens darüber.

    Draghi war sich der Problematik immer bewusst und hat sich stets bemüht, in einem Begründungsrahmen zu bleiben, der Überschreitung des Mandats ausschloss.

    Das besagt natürlich nicht, dass er es nicht überschritten hat.

    Wenn die EZB nicht außerhalb ihres Mandats gehandelt hat, dann hat sie nicht undemokratisch gehandelt. Denn ihr Mandat ist demokratisch zustande gekommen, weil demokratisch gewählte Regierungen es festgelegt haben.

    Und dann ist auch die Verschiebung von Vermögenswerten zwischen den Staaten zu rechtfertigen und auch, dass der deutsche Staatshaushalt um ca. EUR 300 Mrd. geringere Zinskosten entlastet wurde.

    Ob eine reale Deflationsgefahr im Euroraum NIE bestanden hat, dürfte so umstritten sein, wie die Beurteilung einer Deflationsgefahr, als die EZB QE in Gang gesetzt hat.

    Richtig ist jedenfalls, dass das Inflationsziel nicht erreicht worden war und damit Maßnahmen der Geldpolitik, es zu erreichen, der Satzung nach gerechtfertigt waren. Ob es QE sein musste, ist eine andere Frage.

    Mit Blick darauf kann man zwar von „geldpolitischem Neuland“ sprechen, aber m. A. n. nicht von „ohne Kompass“.

    Soweit ich sehe, ist unstreitig, dass die WIRKUNG des Ankaufs von Staatsanleihen – eines Ankaufs, der nicht per se, sondern nur hinsichtlich seines Wie und seines Volumens infrage steht – die staatlichen Refinanzierungskosten gesenkt hat.

    Mit Blick auf die Eingangsfrage:

    Basiert diese Wirkung auf gerechtfertigter Geldpolitik oder ist es eine Wirkung auf nicht gerechtfertigter, aber aus politischer Not geduldeter Geldpolitik?

    Fazit:

    Vieles ist problematischer als es hier dargestellt wird.

    Das ändert freilich nichts an der letztlich maßgebenden, unstreitigen Feststellung:

    Die Währungsunion besteht nicht durch den POLITISCHEN Willen der Regierungen, sondern sie wurde durch das Handeln der Institution EZB mit der FUNKTIONALEN Verknüpfung von Liquiditätsversorgung und Insolvenzvermeidung „gerettet“.

    Das, finde ich, ist das DRAMATISCHE der Geldpolitik der EZB.

    Antworten
  2. Zweifler sagte:

    @Dietmar Tischer,
    was ist daran so dramatisch? Sie haben sicher bemerkt, daß wir nicht mehr von gewählten Regierungen regiert werden, sondern von nicht gewählten Institutionen (Sie wissen, was ich meine) Wenn ich sehe, was die gewählten Herren derzeit in Europa und außerhalb so alles aufführen, sind mir Typen wie Mario Draghi oder Jerome Powell doch lieber. Ich würde sie sogar wählen.

    Antworten
  3. Arda Sürel sagte:

    Ich habe das Gefühl, dass Kommentatoren wie Stark das Kernproblem nicht durchdringend verstanden haben. Dieses Kernproblem ist die Überschuldung und in diesem speziellen Fall die Überschuldung der europaeischen Staaten, deren Schuld weitestgehend in den Büchern europaeischer Banken ausgewiesen ist.

    Wenn ein Glaeubiger zur Überzeugung gekommen ist, dass sein Schuldner seine Schuld nicht oder nicht vollstaendig zurückzahlen wird, dann schreibt er diese Schuld oder Teile davon ab. Abschreibungen stellen Verluste dar, die der Glaeubiger nur tragen kann, insofern er einen ausreichend grossen Gewinn macht oder über ausreichendes Eigenkapital verfügt.

    Nun ist es so, und das ist der Punkt an dem Kommentatoren wie Stark es vorziehen anzunehmen, der Kaiser trage wundervolle Kleider, dass der sinnvollerweise anzunehmende Abschreibungsbedarf in Europa das Eigenkapital und die Eigenkapitalr0eserven europaeischer Banken übersteigt. Das heisst, das eine einigermassen realitaetskonforme Restrukturierung der europaeischen staatlichen Schuldverhaeltnisse die europaeische Banken- und Finanzwelt in ihrer jetzigen Form vernichten würde.

    Da dies politisch nicht geschehen darf, bleiben zwei Alternativen: Die EZB macht genau das, was sie seit Jahren macht – ob es im Detail genau jene oder auch eine andere Massnahme sein muss, darüber kann man streiten, ist aber auch nicht von besonderer Bedeutung – oder der Zug faehrt unkontrolliert gegen die Wand (1929 oder Weimar 2.0).

    Solange die Politik „Feigheit vor dem Feind“ bzw. „Verantwortungslosigkeit vor der eigentlichen Aufgabe“ betreibt, kann und darf eine Zentralbank kaum anders agieren als es die EZB macht.

    Antworten
    • globalvoterorg sagte:

      Herzlich gelacht! Wie im Irrenhaus wird von volkswirtschaftlichen, währungspolitischen, rechtlichen Zusammenhängen gefaselt! Seit 2008 sind alle roten Linien überschritten und die „sogenannte“ VWL, „der Markt“, wurde durch QE ausgehebelt.
      Dies ist eine zentrale und zwangswirtschaftliche Maßnahme. Es geht, nur, um die Macht im System, wo die „Eliten“, wie Fett, oben, auf der Suppe, weiter, schwimmen wollen, auf Ewigkeit, Amen! Davon „darf“ nichts verlautbart werden! Dies könnte seine eigene Spekulationsblase stören! WIR, sind Mittäter und alle Wirtschaftssubjekte, ohnehin. dies gehört zu pyramidalen Dominanzen/Diktaturen dazu! Die dummen Opfer zu, noch, dümmeren Mittätern zu machen. Bravo!
      Wer dieses Denkgefängnis nicht durchbricht, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems! JEDER, kennt den Ausdruck: „Vor die Wand fahren!“ Die Wand ist NICHT ein ökonomisches, sondern ein moralisches Problem! DAS (!!!) Gesellschaftsproblem, überhaupt. Wer nicht erkennt, daß es um die Freiheit und die menschliche Gemeinwohlwirtschaft, für die ganze Menschenfamilie, geht und/oder diese Aussage, als ein zu vernachlässigendes „Gesülze“ hält, hat die volle Verantwortung der Zukunft, seiner Kinder und Enkel, z.B., inklusive! Es handelt sich um die Machterhaltung, einer kriminellen Sekte, die das Schuldgeldsystem (FIAT Money) erfunden hat und auf unserem Rücken instrumentalisiert! Es ist NICHT Gottes Werk! Wer in 10x Jahren nicht aufgewacht ist, dem ist nicht zu helfen! (Verweis, auf das neue Hörbuch von Wolfgang Eggert: Die Geheime Geschichte)

      Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Arda Sürel

      Mir stellt sich das Problem etwas anders dar.

      Ich glaube, dass Stark und andere schon sehen, dass eine realitätskonforme Restrukturierung der europäischen staatlichen Schulden die europäische Banken- und Finanzwelt nicht schultern könnte (mit Einlagen der bzw. zusätzlicher Bankeigner), wenn ein Land der Währungsunion insolvent würde. Vergessen Sie nicht, dass die Staatsschulden NICHT mit Eigenkapital der Banken unterlegt sind.

      Die Politik müsste also im Namen der Bevölkerungen ein Garantieversprechen abgeben mit der Folge schlechterer Bonität, also höherer Zinsen für die einzelnen Staaten und möglicherweise auch Verlusten, wenn das System nicht kollabieren soll (siehe meinen Beitrag @ Zweifler).

      Da die Politik ihren Bevölkerungen derart unangenehme Optionen nicht vorsetzen will und aus durchaus verständlichen Gründen auch nicht will, dass der Kollaps eintritt, sie also, wie Sie ganz richtig feststellen, „Verantwortungslosigkeit vor der eigentlichen Aufgabe“ betreibt, wird eine Zentralbank kaum anders agieren als die EZB es getan hat.

      Sie dürfte vielleicht schon anders agieren – ich lasse das mal offen –, aber in dem Fall hätte sie den schwarzen Peter für den Kollaps, weil alle sagen, die hätten ihn doch verhindern können.

      Schwierig in einer Demokratie – aber die Politik muss die Bürger insbesondere auch bei unangenehmen, weit tragenden Grundalternativen in die Pflicht nehmen, zu entscheiden und damit Verantwortung zu übernehmen. Die Folgen betreffen schließlich die Bürger.

      Antworten
    • globalvoterorg sagte:

      Die sogenannte repräsentative Demokratie: Jedem ein und dieselbe Stimme, kommt aus der HOAX der Eliten, die auch das kommunistische Manifest zu verantworten haben. Marx war und ist einer von ihnen! Teil der Finanzkrake! Der Kommunismus kommt nicht aus Moskau, sondern aus New York! Die populistische Gleichverteilung der Macht dient, allein, dazu, damit die Masse, eben, nichts zum Sagen hat! Der Umfang dieses menschenunwürdigen und kriminellen System einer Sekte ist keineswegs „angeblich“! Die Pensionen sind Schweigegelder! Capice!?

      Antworten
  4. Rolf Peter sagte:

    Das Grundproblem des Euro ist nicht die Überschuldung einzelner Staaten, sondern, dass dieses System wie ein Goldstandard für die beteiligten Länder wirkt. Dies funktioniert nur unter verschiedenen Bedingungen. Ersten, man muss sich der geldpolitischen Disziplin unterwerfen und die inländischen Preise flexibel halten (weil der Wechselkurs als Anpassungsinstrument wegfällt). Diese Disziplin istZweitens braucht man eine zentrale Instanz, die einzelnen Ländern ueber kurzfristige Schwierigkeiten inweghilt. Diese Instanz fehlt. Unter dem Gold-Devisenstandard war das der IWF und unter dem klassischen Goldstandard hat die britische Zentralbank diese Rolle gespielt.

    Antworten
  5. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Vorher kommen noch die Helikopter. Stark und wohl alle, die noch die Grundsätze der Bundesbank kennen, können sich gar nicht vorstellen, was da noch alles kommt. Am Ende steht der Kollaps, bis dahin wird beschleunigt weiter getanzt.“

    Unterschätzen Sie bitte Herrn Stark nicht. Jeder Bundesbanker in führender Stellung hat 1923 und 1948 im Kopf. Wenn eine Notenbank Erfahrungen mit unorthodoxer Geldpolitik hat, dann die Dt. Bundesbank, auch wenn sie nicht Rechtsnachfolgerin der Bank deutscher Länder oder der Reichsbank ist. Aber nicht einmal die liberale NZZ würde es einfach zulassen, jemanden genau schildern zu lassen, was geldpolitische Helikopter so bedeuten können. Und ein Herr Stark würde vermutlich darüber auch nicht laut nachdenken, um nicht als Panikschürer abqualifiziert zu werden.

    Antworten
  6. Dietmar Tischer sagte:

    @ Zweifler

    Das Dramatische an der Geldpolitik ist nicht die Geldpolitik, sondern die POLITIK, die ihrer Rolle nicht gerecht wird, indem sie die „Lösung“ der Probleme zur Geldpolitik schiebt.

    Das Wegschieben der Probleme ist auch dann dramatisch, wenn die EZB oder andere Institutionen im Rahmen ihrer Satzungen handeln und somit als demokratisch legitimierte Institution nichts Verbotenes tun.

    Die Begründung für diese Auffassung:

    Die POLITIK ist den Bürgern direkt VERANTWORTLICH und nur in Ausübung dieser Verantwortung kann sie die Bürger zu einem Wollen veranlassen, an dem die Bürger sich SELBST messen müssen.

    Beispielhaft, von den speziellen Umständen abstrahierend, was ich meine:

    Wenn ein oder mehrere Staaten der Eurozone vor der Insolvenz stehen, sollte die politische Frage an die Bürger im ganzen Euroraum lauten (in etwa so):

    Wenn wir, die Regierungen, die Verträge einhalten (no bail out), dann zerfällt die Währungsunion mit voraussichtlich den und den Folgen. Wenn ihr, Bürger, diese Folgen nicht wollt, müssen wir die Solvenz dieser und jener Staaten garantieren mit Krediten, für die ihr, die Steuerzahler aller Länder haftet mit Verbuchung in den Haushalten. Damit das kein sich wiederholender Dauervorgang wird, ist die Garantie mit Auflagen verbunden derart, dass die betroffenen Staaten verpflichtet werden ihre Verschuldung auf einem als tragbar angesehen Pfad abzubauen, um sich wieder an den Märkten refinanzieren zu können. Leisten sie das nicht, werden sie fallen gelassen, weil wir es nicht für richtig halten, dass einige Staaten sich zu Lasten anderer dauerhaft Vorteile verschaffen.

    Hier nicht an der Detailfunktionalität herummäkeln – mir geht es um das PRINZIP.

    Wie immer die Entscheidung ausfallen würde, sie läge bei den BEVÖLKERUNGEN bzw. bei deren nationalen Parlamenten. Sie müssten sich bezüglich der dann entwickelnden Situation immer sagen lassen: Wir haben euch aufgeklärt und ihr hab entschieden – steht zu EURER Entscheidung.

    Wenn diese Entscheidung nicht gefordert, sondern z. B. auf Institutionen die EZB verlagert wird, kann den Bevölkerungen auch keine Verantwortung zugewiesen werden.

    Aller Erfahrung nach kommt dann irgendwann der „starke Mann“, der erklärt: Unfähige Regierung, ich räume jetzt mal auf. Die Bevölkerung wird ihn demokratisch zur Macht verhelfen, denn sie kann sich zu recht sagen: Richtig, diese unfähige Regierung hat es veranstaltet und demnach zu verantworten – und nicht wir, also weg damit.

    Das gleiche Spiel übrigens mit der Kohlekommission. Man müsste den BETROFFENEN, also insbesondere den Stromverbrauchern und Steuerzahlern die Rechnung aufmachen und sie fragen: Um die Effekte der Kohleverbrennung zu vermeiden, kostete das so viel mit einem voraussichtlichen Mehrpreis pro kWh – und zwar ehrlich gerechnet. Wollt ihr das oder nicht (obendrauf auf die anderen ebenfalls unter Kostenaspekten getroffenen Entscheidungen)? Die Bevölkerung müsste mehrheitlich entscheiden und jegliches Gezerre HINTERHER wäre aus dem Weg geräumt, weil die Bevölkerung so und nicht anders entschieden hat. Sie kann sich angesichts der Folgen möglicherweise als dumm bezeichnen, aber NICHT sich oder andere anklagen, weil sie ja selber entschieden hat.

    Ich hoffe, dass damit klar ist, was ich meine.

    Auch wenn es in Teilen idealistisch ist:

    Die sich dauerhaft wiederholende systematische Abkehr vom Prinzip, die Bevölkerung in die Verantwortung zu nehmen, kann und wird aller Erfahrung nach zu Entscheidungssituationen führen, die das demokratische System der Entscheidungsfindung irreversibel beschädigt bzw. es zerstört mit Folgen, die wir uns nur zu gut ausmalen können.

    Antworten
      • Jens Happel sagte:

        Dann wären die Abgeordneten noch abhängiger von Lobbyisten und Pöstchen danach.

        Ausserdem hat der Bürger defacto für den Euro gestimmt. Die Partei ProDm, die sich extra für die damalige Bundestagswahl gegründet hatte kam nicht über die 5% Hürde. Die Linke insbesondere Gregor Gysi hatte auch eindrücklich vor dem Euro gewarnt. Er prognostizierte, dass dann alle Länder wie Deutschland werden müssten. Es gab also für den Bürger zwei alternative Parteien gegen die Euroeinführung zur Auswahl.

        So ist das halt in der Demokratie. Wenn das Volk sich verwählt gibt es Trump, Erdogan, Brexit und den Euro.

        Selber schuld!

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jens Happel

        Ja, das kann schon mal gesagt werden:

        Die Bürger hatten der Einführung des Euro nicht widersprochen.

        Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

        Die andere Hälfte:

        Die Regierung hätte ALLES gegen die Aufnahme Griechenlands tun müssen, statt sie auf Basis falscher Zahlen mit durchzuwinken.

        Es war fraglich, ob die Kriterien für den Beitritt erfüllt waren, d. h. die vorgelegten Zahlen richtig seien.

        Aus dem Gedächtnis gerufen, es gibt sicher Belege dafür:

        Ein Mitarbeit der Landesbank Hessen hatte in einem Interview darauf verwiesen, dass die Berechnungen fraglich sein oder nicht stimmten. Daraufhin rief ein griechischer Minister Eichel an mit dem Verlangen, dies zu stoppen. Statt Klärung herbeizuführen, intervenierte Eichel und die Landesbank/Bundesbank schwieg fortan. Der Beitritt Griechenlands konnte ohne öffentliche Kontroversen erfolgen.

        So geht es nicht.

  7. Jens Happel sagte:

    Stimme bto zu. Ohne EZB hätten wir schon Armagedon. Gerade Deutschland mit seiner unterbewrteten Währung würde massive Probleme bekommen. 8.5 % Anteil des Export ÜBERschusses am Bio wären knall auf Fall wohl weg. So viel Abwrackprämie könnte eine deutsche Regierung gar nicht machen.

    Das Hauptproblem ist IMHO nicht die Überschuldung sondern die stark gestiegene unterschiedliche Wettbewerbsfähugkeit der Euro Länder. Hier versagt die Politik. Die EZB schiebt es nur auf.

    Antworten
    • Axel sagte:

      @Jens Happel
      Ja, sie haben dem Euro zugestimmt. Allerdings kann man dem Ottonormalverbraucher nicht zumuten, sich in so einer hochkomplexen Materie im Vorbeilaufen kundig zu tun, zumahl auch solche Schwergewichte wie Hans Werner Sinn, also politisch unverdächtige Individuen, die Einführung des Euro befürwortet haben.
      Und noch eins: wer hätte damals gedacht, daß wir alle hinters Licht geführt werden würden?
      Das mit Griechenland betrügerische Pleitestaaten in den erlauchten Eurocirkel mit aufgenommen würden?
      Wer hätte schon gedacht, daß die Maastrichtkriterien zur Lachnummer verkommen?
      Das die EZB ihr Mandat übersteigt und die Griechen Schrottanleihen als Sicherheiten hinterlegen dürfen, um Geld zu drucken?
      Wer hatte denn damals bitteschön einen blaßen Schimmer von so einem Finanzkonstrukt wie den Targetsalden und den Risiken, die diese in sich bergen? Etc, etc…

      Und wer hätte gedacht, daß das Versprechen, die nationalen Grenzen abzuschaffen, im Gegenzug aber die Aussengrenzen zu sichern, reine Volksverarsche war?
      Erst durch diese ganzen Ungereimtheiten sind viele doch erst aufgerüttelt worden und haben sich politisch interessiert und hinter die Fassaden der Bühne geschaut. Darin kann man durchaus eine positive Entwicklung sehen!

      Man kann es sich nicht so einfach machen und sagen selbst Schuld, wenn man betrogen wurde!!!

      „Dann wären die Abgeordneten noch abhängiger von Lobbyisten und Pöstchen danach.“
      Mit der Aussage, die Pensionen zu streichen, war ich natürlich polemisch. Es wird rechtlich wohl auch garnicht möglich sein.
      Dennoch bin ich der Meinung, daß wider besseren Willens gehandelt und beschwichtigt wird. Und es erzeugt Unmut in mir, wenn ich lese, welche Pensionen nach welch kurzen Zeiten für welche Leistungen zugestanden werden und das schädliches Handeln von Entscheidungsträgern keine Konsequenzen für dieselben hat. Lehmann läßt Grüßen. Same old story…

      Eine Basisdemokratie würde überdies auch eine andere Klasse von Staatsdienern anziehen, da der Einfluss der Lobbygruppen auf die Politik/Gesetzgebeng deutlich abnehmen würde und damit ein Abgeordnetenposten für entsprechendes Klientel an Attraktivität einbüßt..
      Und wäre es nicht fair, wenn der Arbeitgeber der Abgeordneten, d.h. die Wähler, über die Höhe der Diäten entscheiden dürfte?
      Würde es nicht dem Gerechtikeitsempfinden der Steuer-und Diätenzahler zu Gute kommen, wenn die Pensionen mit weiteren Rentenzahlungen, etc. aus der Wirtschaft (die ja nur durch ihre politische Tätigkeit zustande kommen) irgendwie verrechnet würde?

      Antworten
      • ikkyu sagte:

        @ Axel

        Als Ergänzung zu Ihren Ausführungen der Wortlaut eines Wahlplakates der CDU von 1998:

        Was kostet uns der Euro?
        a) Muß Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen?

        Ein ganz klares Nein !!!

        Der Maastrichter- Vertrag verbietet ausdrücklich, daß die Eurpäische Union oder die anderen EU- Partner für die Schulden eines Mitgliedstaates haften.

        Mit den Stabilitätskriterien des Vertrages und dem Stabilitätspakt wird von vornherein sichergestellt, daß die Nettoneuverschuldung auf unter 3% des Bruttoinlandsprodukts begrenzt wird .
        Die Euro-Teilnehmerstaaten werden daher auf Dauer ohne Probleme ihren Schuldendienst leisten können. Eine Überschuldung eines Euro-Teilnehmerstaats kann daher von vornherein ausgeschlossen werden.“

        Ja, die Planwirtschaftler von der CDU. :-)

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        Keine Planwirtschaft.

        Es war die GLAUBE, dass die Wirtschaft so gestaltet werden kann, wie Verträge es vorsehen.

        Er ist nicht grundsätzlich falsch.

        Millionen von Verträgen legen Verpflichtungen fest, die erfüllt werden und damit Wirtschaft gestalten.

        Die Verträge müssen allerdings ERFÜLLBAR sein.

        Sind sie es nicht, dann ist nichts sichergestellt – und von vorneherein schon gar nichts.

        Der Fehler war zu glauben, dass in Demokratien irgendetwas auch dann durchzusetzen und somit erfüllbar sei, wenn es Regierungen in Schwierigkeiten bringt oder fundamental gegen den Mehrheitswillen ist.

        Die Regierung Schröder hatte das kapiert und hat, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen, den Vertrag von Maastricht mit als erste gebrochen. Kein Problem, wenn die Sanktion für Vertragsbruch lediglich ein „blauer Brief“ ist, den man folgenlos im Papierkorb ablegen kann.

        Die Regierung Schröder hatte das nicht kapiert, als sie mit der Agenda 2010 dem Volk zu viel zugemutet hatte und – Sanktion an der Wahlurne – vom Volk aus dem Amt gejagt wurde.

        Das sind die Lehren, wenn wieder Verträge auf dem Tisch liegen, die von vornherein sicherstellen …

  8. R.S. sagte:

    Diejenigen die hier fragen wie die Leute mit dem zusätzlichen Geld vorsorgen sollen, sind anscheinend auch schon sehr abgehoben von der täglichen Realität,l wie sie beispielsweise die Unterschicht erlebt. Selbst wenn das ‚Helikoptergeld‘ konsumiert werden muß, gibt es da jede Menge Möglichkeiten. Kleidung und Schuhe mit langlebigeren Produkten substituieren. Lebensmittelvorräte anlegen. Wichtige Haushaltsgeräte durch Qualitätsprodukte erneuern. Notwendige Reparaturen durchführen. Brillen erneuern, Zahnersatz auf den aktuellen Stand bringen…. usw. usw.
    Die Frage ist nicht wie man das machen könnte, sondern ob die Einsicht dafür vorhanden ist und stattdessen das Geld nicht lieber für Unsinn verpulvert wird. Das, so beobachte ich in meiner direkten Umgebung, ist da nämlich leider eher das Problem.

    Antworten
  9. Nils Hansen sagte:

    Sie schrieben über die theoretische Rechtfertigung der Maßnahmen der EZB:
    „Das war natürlich Quatsch und nur vorgeschoben, um über die Politik des Money for Nothing die Schuldner zu stabilisieren und den Euro so (vordergründig) „zu retten““.

    In meinem eigenen Verständnis ist seit langem eine Frage, inwieweit die verschiedenen Ebenen der Führungen der großen Zentralbanken ein wissenschaftsdünkendes Theater aufführen, oder vielleicht doch an ihre eigenen Theorien und Modelle glauben. Persönlich habe ich während meines VWL-Studiums den Kurs Geldpolitik bei einem ranghohen ehemaligen Mitglied des Monetary Policy Committee der BoE gehört, und dieser Dozent schien auch auf kritische Nachfragen und Überlegungen zu meinem Erstaunen seine Positionen an den geldpolitischen Theorien des Elfenbeinturms auszurichten.
    Auch Wissenschaftler, die mir bekannt sind und heute in der EZB arbeiten, scheinen ihre eigenen Publikationen sehr ernst zu nehmen und nicht als pseudowissenschaftliches Feigenblatt verstehen. Dagegen steht für mich die überlieferte Aussage Ben Bernankes zur Amtsübergabe an Frau Yellen, dass diese nun Teil des öffentlichen Theaters sei.

    Jegliche Gedanken sind hierzu willkommen, vielen Dank im Voraus!

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Nils Hansen

      Sie werfen eine interessante Frage auf und ich wage einmal, sie zu beantworten.

      Vorab: als jemand, der nie Vorlesungen zur Geldpolitik gehört und persönlich auch keinen Menschen kennt, der sich wissenschaftlich dazu geäußert hat. Ich betrachte dies allerdings als Vorteil, weil mir so auch nichts die Sicht verstellt.

      Was müssen Notenbanken, also auch die EZB leisten im Verbund der ihnen institutionell vorgegebenen Funktionsausübung?

      Sie müssen ihre Maßnahmen der Öffentlichkeit gegenüber BEGRÜNDEN.

      Das können Sie aber nicht BELIEBIG.

      Sie können nicht z. B. nicht erklären:

      Diese oder jene geldpolitische Maßnahme ist durch Würfeln zustande gekommen.

      Würfeln kann ein rationales Verfahren zur Entscheidungsfindung sein und möglicherweise auch bei den Notenbanken gleichermaßen brauchbare oder unbrauchbare Maßnahmen generieren, taugt aber nicht als Begründung in einem Gesamtsystem „rationaler Entscheidungsfindung“: Es ist nicht kompatibel damit und würde abgelehnt werden. Die Institution Notenbank wäre diskreditiert.

      Sie müssen schon auf der Basis von geldpolitischen Theorien, also auch mit der Annahme von realwirtschaftlich relevanten Wirkmechanismen begründen.

      Das tun die Notenbaken durchweg und ihnen wird nicht zuletzt deshalb vertraut.

      Eine ganz andere Frage – die Frage, die Sie anschneiden – bezieht sich auf die RELEVANZ derartiger Theorien.

      Da kann man natürlich ganz anderer Meinung sein, als die Notenbanken es offiziell sind.

      So ist z. B. ernsthaft infrage zu stellen, ob die geldpolitischen Theorien, auf die sich die EZB in Zeiten wie diesen bezieht, für die vorherrschende Situation GÜLTIG sind, d. h. die darauf basierenden Maßnahmen auch die antizipierte Wirkung haben: QE wie noch nie und ein kontinuierlicher Anstieg der Assetpreise, aber realwirtschaftlich praktisch kein Wachstum.

      Das ist nicht das, was gemeinhin von der Geldpolitik einer Notenbank erwartet wird.

      Offensichtlich sind Geldtheorien, die konjunkturpolitisch relevant sind, nicht solche, die automatisch auch strukturpolitisch relevant sind.

      Aus gegebenen Anlass noch ein Wort zum Driften öffentlich geäußerter Begründungen von Notenbanken:

      Die Fed begründet ihre jüngst geäußerte geldpolitische Zurückhaltung, d. h. den Leitzins nicht kontinuierlich zu erhöhen, mit „crosswinds“.

      Hier z. B.:

      https://www.reuters.com/article/us-usa-fed-clarida/feds-no-2-says-u-s-policy-would-react-if-crosswinds-persist-idUSKCN1P5001

      Das heißt bei wohlwollender Interpretation:

      Unsere Geldtheorie ist nicht in der Lage, uns auf Basis der gegenwärtigen Datenlage zu bestimmten Entscheidungen zu veranlassen. Also unternehmen wir im Augenblick nichts.

      Das heißt bei nicht so wohlwollender Interpretation:

      Wir wollen keine Maßnahmen ergreifen, die kontraproduktiv wären für die Politik, nämlich kostentreibend für den massiv in höhere Verschuldung getriebenen Staatshaushalt und die darüber hinaus internationale Turbulenzen verursachen könnten. Also beziehen wir uns auf die Theorie, um unser Handeln – nicht jedoch die tatsächlichen Überlegungen – zu begründen.

      Die Notenbanken müssen aufpassen, dass sie nicht ihre GLAUBWÜRDIGKEIT verlieren.

      Die hängt nicht nur, aber auch – und vor allem auch – an der Konsistenz ihrer Handlungsbegründungen, auch wenn die sich auf „schlechte“ bzw. unbrauchbare Theorien beziehen.

      Theorien sind wichtig, aber in erster Linie müssen sie geeignet dafür sein, dass in einem Raum alternativer Optionen konsistentes Handeln begründet werde kann.

      „Richtig“ oder „falsch“ ist demgegenüber nachrangig – natürlich nicht für die Wissenschaft „Geldpolitik“, wohl aber für die Institution Notenbank.

      Antworten

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