Der EU ist es schon mal gelungen, Anti-EU-Kräfte einzudämmen

Martin Sandbu von der FT macht der EU Hoffnung. Es war schon mal schlimmer mit der Anti-EU-Stimmung. Es sollte also möglich sein, auch diesmal das Steuer herumzureißen. Das glaube ich übrigens auch, allerdings setzt dies einen Wandel voraus. Vor allem eine Lösung der Probleme der Eurozone. Doch nun erst mal zu der Argumentation von Sandbu:

  • „As the European Parliament elections approach, the big theme is that anti-European forces — populist movements especially of the right but also of the left — are expected to make headway.“ – bto: weil die EU ihre zentralen Versprechen nicht erfüllt: Wohlstand und sichere Außengrenzen. Full stop.
  • „According to Europe Elects’ latest available projection based on national polls, anti-system parties (most of which are deeply critical of the EU if not against all international co-operation in itself) stand to win close to one-third of all the seats.“ – bto: was aber auch damit zu tun hat, dass man auf EU-Ebene eher Protest wählen kann, da es ohnehin keine große Auswirkung hat. Siehe die beschränkte Einflussmöglichkeit des EU-Parlaments.
  • „(…) Europe has been here before. Criticism of the EU has clearly been rising since the start of the millennium, as the graph below shows. That comes from a report on the geography of EU discontent‘, which also shows how unevenly spread that discontent is, leaving no doubt that recent economic decline is a big factor in the anti-EU vote.“ – bto: Das ist das Spiegelbild der ungelösten Eurokrise. Nicht mehr und nicht weniger.

Quelle: FT

  • „The anti-European wave can be observed in most countries. (…) Support is overwhelmingly on the rise, although there are exceptions, notably in Belgium and the Netherlands. The chart below (from a presentation on regional policy by Lewis Dijkstra, a co-author of the report mentioned above) traces the country-by-country change in the vote for parties strongly opposed to EU integration from 2000 to 2018.“ – bto: Man schaue sich Italien an! Das ist Depression an der Arbeit! Von fast null auf über 20 Prozent. Wer diese Dynamik nicht versteht, der versteht das Problem der EU nicht.

Quelle: FT

  • „Is this a uniquely powerful challenge to the European project? Hardly. (…) Below is the trajectory of the European Parliament vote from the first elections in 1979 to today. What is clear is that the recent anti-European swell is, in some sense, only a return to the norm — or at least to levels the EU has previously managed to handle and indeed beat back. While the vote share for the two biggest parties — the centre-right EPP and the social democratic S&D — is heading for an all-time low, the overall European mainstream‘ (which includes the liberals and the greens, both ardent pro-Europeans) is stronger than in 1979. The anti-system forces, conversely, are electorally no stronger (actually a little less) than 40 years ago.“ – bto: Das ist allerdings nur vordergründig eine gute Nachricht. Denn die Brüsseler Bürokraten und die unkritischen EU-Betrachter werden daraus den Schluss ziehen, dass sie nichts zu ändern brauchen. Fundamental ist es aber ein Unterschied zu früher. Diesmal geht es um ein viel fundamentaleres Problem, nämlich die ungelösten Probleme des Euro, die heute noch verdeckt sind. Mit der nächsten Rezession werden die „Anti-EU-Kräfte“ deutlich hinzugewinnen.

Quelle: FT

  • „The longer view shows not only that Europe has seen this sort of swell before and lived to tell the tale, but that the circumstances were similar. The early 1980s saw the convulsions of deindustrialisation, and anti-system forces benefited much like now, when the aftermath of the financial crisis (and its dire mishandling by policymakers) has come on top of lingering hardship from the structural change decades earlier.“ – bto: was bedeutet, es hängt an der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • „But it also shows that during the good economic times of the 1990s and the early 2000s, the anti-European wave ebbed and support for the European project returned. What has been achieved before can surely be achieved again — if we draw lessons not just from the mistakes of the past, but from the successes too.“ – bto: Problem ist allerdings – und das weiß Sandbu auch –, dass wir den Keim der nächsten Krise schon gelegt haben, ohne die alte zu überwinden.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „The EU has conquered anti-European sentiment before“, 28. Januar 2019

23 Kommentare
  1. Michael Stöcker sagte:

    „bto: weil die EU ihre zentralen Versprechen nicht erfüllt: Wohlstand und sichere Außengrenzen. Full stop.“

    @ Richard Ott

    Und genau das ist die Ursache für Global Trumpism. Einfach nur „EU“ durch „Demokratie“ ersetzten. Hier der Link zu meiner Antwort, falls Sie diese überlesen haben sollten: https://think-beyondtheobvious.com/das-unloesbare-problem-des-euro-zusammenfassung-in-bildern/#comment-59300

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • SB sagte:

      @Michael Stöcker:

      Danke für die Info, auch wenn sie mir nicht wirklich weiterhilft. ;-)

      Zur Frage, ob Staatsschulden ein Problem sind: Ich bezweifle stark, dass irgendjemand seriös beurteilen kann, ob und insbesondere ab welcher Höhe Staatsschulden zum Problem werden (können). Völlig unabhängig von der Theorie kommt es letztlich darauf an, ob die Mehrheit der Marktteilnehmer ein Problem darin sieht und ihnen das Vertrauen entzieht.

      LG, SB

      LG, SB

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    • Fala sagte:

      In der Tat interessant, aber wenn es um Auszahlungen geht, m.E. zu betrugsanfällig. Ich würde daher eher eine progressive Energiesteuer ins Spiel bringen. Genauso wie ein gewisses Einkommen nicht steuerlich belastet wird, sollte ein gewisser normaler Stromverbrauch pro Kopf nicht belastet werden. Braucht man mehr Strom, etwa für große Wohnung, Schwimmbad, Sauna dann schlägt halt die Energiesteuer zu …

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    • Horst sagte:

      ad Herr Stöcker:

      Als erstaunlich empfinde ich, dass sich nun alle bedeutenden Volkswirtschaftler sowohl intern als extern auf eine konsistente gemeinsame Linie (die SIE von Beginn an vertreten haben, dafür jedoch unendlich „verbale Prügel“ einsteckten; chapeau an dieser Stelle, auch für Ihr unnachgiebiges Entgegenhalten) gebracht haben in Bezug auf die Target-Salden, die auch immer wieder auf bto thematisiert wurden.

      Ebenfalls erstaunlich empfinde ich die Metamorphose eines U. v. S., der sich bis vor nicht allzu langer Zeit noch vehement für Parallelwährungen, um die LB-Defizite zu nivellieren, aussprach.

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    • Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Stöcker: Sinnlos würde ich solche Debatten nicht nennen, denn nur weil Sie persönlich nicht verwirrt sind und den geldpolitischen Durchblick haben, heißt das noch nicht, dass andere nicht nach Orientierung suchen (müssen) und dafür auch nach links und rechts schauen. Bitte gestehen Sie anderen Leuten zu, dass sie noch nicht das Endstadium persönlicher Weisheit erreicht haben. Deswegen darf man Leute wie U.v.S. natürlich dennoch kritisieren, aber das Prädikat „sinnlos“ finde ich unangebracht.

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    • Alexander sagte:

      @ Michael Stöcker

      Diskreditierung von Personen mit infantilen Vergleichen (Jim Knopf) und Wortspielen „sinnlos“ als wissenschaftlichem Beleg. Das ist das Niveau von Gretcheneinsätzen unter en Großen dieser Welt von Davos.

      Keine einzige Neuigkeit im Erguß von van Suntum. Kein Wort darüber, dass in den USA solche innerkontinentalen Leistungsbilanzdefizite jährlich bereinigt werden und warum? Weil die USA = Lummerland sind?

      Dabei können wir sehr gut beobachten, wie die USA deindustrialisiert werden durch die außerstaatlichen Leistungsbilanzdefizite…wie solche Defizite über Jahrzehnte zu immer radikalerer Politik führen (Energiekriege&Dollarhegemonie…) und besondere Spieler wie Trump ins Amt bringen.

      In Europa verhält es sich genauso. Zwischen unabhängigen Notenbanken saldieren sich Defizite, wie zwischen dem FED System und der BoC. Das Problem ist nicht das Ende der Eurozone, sondern die Schäden im Markt weil das Geld doppelt kauft solange es nicht durch Leistung ausgeglichen wird.

      Der dt. Automobilwerker steigert Immobilienpreise und die italienische Autofabrik stirbt gegen die übermächtige Konkurrenz. De Schuld des Kreditnehmers wird nie getilgt, aber günstig zu Null refinanziert, verbrieft gerettet durch dt. Bürgschaften für Pleitebanken…?
      Möglich ist das durch eine Währung ohne gemeinsame Politik. Dabei wird es nie ausgleichende Aufträge aus der BRD geben um den Verlust von Arbeit in Italien zu kompensieren….macht nix, solange das EU Projekt immer größere Dimensionen annimmt?
      Kein Wort darüber, dass das Produktionsniveau in Italien nach dem Crash von 2009 das Niveau von 1991 verharrt, Rezession ab 2019…schon wieder!

      Inzwischen lassen intellektuelle Schwergewichte wie van Suntum von der Augsburger Puppenkiste inspirieren.

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      • Johann Schwarting sagte:

        @Alexander

        „Dabei können wir sehr gut beobachten, wie die USA deindustrialisiert werden durch die außerstaatlichen Leistungsbilanzdefizite…wie solche Defizite über Jahrzehnte zu immer radikalerer Politik führen (Energiekriege&Dollarhegemonie…) und besondere Spieler wie Trump ins Amt bringen.“

        Die Geschichte lehrt uns, dass Imperien, wie gegenwärtig die USA, negative Handels- und Leistungsbilanzen hervorbringen. Die fortdauernden notorisch passiven Handelsbilanzen haben zur Folge, dass wegen der Vorfinanzierung der imperialen Abgaben, fortlaufende imperiale Zusatzverschuldungen entstehen. Der Import von Wohlstand ist lediglich eine Blase, nichts Nachhaltiges und aus debitistischen Gründen ein Phänomen auf Zeit – bis zum finalen Bankrott.

        Die Tatsache, dass „Die Insel Gotland […] dabei das münzfundreichste Gebiet der Erde überhaupt [ist].“ verdanken wir der Gegebenheit, dass „Es […] also Remissen (=Rücküberweisung) von Söldnern [sind], die, wie wir aus der Völkerwanderung wissen, weiter südlich bestens beschäftigt waren.“

        http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=240669

        „In Europa verhält es sich genauso.“

        So ist es. Im Gegensatz zu den Münzen, die an die Goten zurückflossen und heute noch ggf. beachtliche Preise erzielen, sind die heutigen Remissen (=Rücküberweisung) durch unsere Exporte nur brennbare ‚Dollar-Papierschnipsel‘ – und wir sind noch stolz darauf!

        Paul C. Martin begründet historisch in seinem Beitrag eine zentrale Erkenntnis des Debitismus und der Machttheorie: Die Macht (Staat, Imperium) geht dem Markt immer voran!

        Für Leser, die noch freie Zeit zur Verfügung haben, verweise auf ‚Wirtschaft im römischen Reich‘ – bitte auf ‚Handel‘ klicken.

        http://sneaker.cfg-hockenheim.de/referate/inhalt/wirtschaft/

      • Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        >Die fortdauernden notorisch passiven Handelsbilanzen haben zur Folge, dass wegen der Vorfinanzierung der imperialen Abgaben, fortlaufende imperiale Zusatzverschuldungen entstehen. Der Import von Wohlstand ist lediglich eine Blase, nichts Nachhaltiges und aus debitistischen Gründen ein Phänomen auf Zeit

        Um diesen Faden weiter zu entwickeln gilt dasselbe für geschrumpfte Imperien wie GB und Frankreich.
        Das Empire suchte China von Opium süchtig zu machen um die Handelsdefizite für Seide und Tee zu kompensieren – das Silber wurde knapp. (vgl. Opiumkriege). Das Empire ist heute vor allem Finanzhandelsplatz..seine Waren sind weitgehend substituiert.

        Für Frankreich gab letzte Woche jemand im Gelben den Denkanstoß um den CFA-Franc. https://de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc-Zone#Beziehung_zum_Euro-W%C3%A4hrungsraum
        Man möge sein Augenmerk auf den Abschnitt Kritik und französische Militärausgaben richten…

        Kein Wunder, wenn die BRD französische Banken in Griechenland raushauen musste und die Bundeswehr Unterstützung für franz. Kolonialpolitik in Mali leistet.

        Wie beim Boxeraufstand 1900 sind Deutsche nützliche Werkzeuge im Auftrag des Guten….

      • Johann Schwarting sagte:

        @Alexander,

        „Wie beim Boxeraufstand 1900 sind Deutsche nützliche Werkzeuge im Auftrag des Guten. …“

        der häufigste Fehler, der gemacht wird, ist die Betrachtung des Systems, seiner Funktionsweise und seiner Folgen von einem moralischen Standpunkt aus – mir geht es aber um die Erklärung des Systems selbst. Von Anfang an besteht der Zwang, Ausgaben zu tätigen, bevor Einnahmen erzielt werden. Schulden können niemals durch spätere Einnahmen zurückgezahlt werden – Finanzierungen können nur durch Finanzierungen anderer bedient werden. Der zwischenzeitliche Ablauf erzeugt zusätzliche Schulden, die mit dem Zwang zur Erweiterung der Haftungsräume die Expansion der Zentralmachtsysteme erklären. Die Einnahmen der Zukunft können also nicht die Schulden der Vergangenheit bedienen – staatliche Anschubfinanzierungen erzeugen nur einen Gewinn an Zeit.

        Der gemeinsame Haftungsraum (@Alexander: „Haftung ist das Maß der Dinge.“) stellt zusätzliche Verschuldungsmöglichkeiten bereit, um eine (imperiale)-europäische Ordnung – wenigstens in einem weltweit lokalen Raum – zu bilden. Dem zukünftigen EU-Imperium stehen dann Potenziale zur Verfügung, die das jetzige US-Imperium wegen seiner Überschuldung schon weitgehend ausgeschöpft und damit hinter sich gelassen hat. Die Entwicklung der EU ist die konsequente Folge, die ich vor genau einem Jahr in dem Beitrag

        https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/die-notwendigkeit-von-schulden/#comment-34947

        dargestellt hatte – „es ist wichtig, diese Grundzusammenhänge immer wieder zu verdeutlichen“.

        Wir müssen „Das Loslassen lernen, den Blickwinkel verändern.“ Das vor allem in der heutigen Zeit vorherrschende (wissenschaftliche) Denken in relationalen und funktionalen Zusammenhängen kommt leider immer noch zu kurz. Es geht um das Reich der Potenzialitäten – Offenheit, Schwingungen, Beziehungen und Kräfte –, wie wir aus @Ashitakas aktuellem Beitrag

        http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=481012

        zukünftig lernen dürfen. Wir erleben in unseren Betrachtungsweisen eine Zeitenwende!

      • Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        Wieder einmal suche ich nach einfachen Antworten um die komplexen Zusammenhänge in diskussionsfähige Ordnung zu zwingen.
        Meine Behauptungen sind zugleich Frage.

        >Von Anfang an besteht der Zwang, Ausgaben zu tätigen, bevor Einnahmen erzielt werden. Schulden können niemals durch spätere Einnahmen zurückgezahlt werden –

        Die einfachste Möglichkeit von Tilgung ist Raub durch Kriegsgewinn. Anschließend (!) ist das Verschuldungspotential um das eroberte Herrschaftsgebiet angewachsen und wird neu ausgeschöpft. Alte Finanzierungsketten wurden durch Krieg bewußt ausgelöscht!.

        Beute können Rohstoffe, gebildete Arbeitskräfte, Infrastruktur/Logistik oder ein Schatz (Tempel Jerusallem) sein.

        Innovation kann den Druck auf Refinanzierungstermine extrem mildern, weil das vorhandene Potential gründlicher ausgebeutet wird= Produktivitätsgewinn.

        Das war während den Industrialisierungsstufen 1/2/3 sehr stark der Fall.

        Technische Überlegenheit dient jedem Krieg und macht ihn weniger notwendig, wenn man Haftungsräume durch Handel erweitert. Technische Überlegenheit zu sichern war Teil der Politik des 19.Jahrhunderts.

        Unterlegene Systeme suchen umgekehrt den Erhalt ihrer Finanzierungsketten=Machtstrukturen durch Abschottung, den Bruch. Anfang des 20. Jahrhunderts waren es kommunistische Revolutionen (Russland, China) und in den shitholes sind es radikale Fanatiker (boko haram = Bücher schlecht)..

        Permanent konkurrieren die Zentralmäche untereinander und der Fall der Mauer 1989 hat daran nichts geändert, wenn der Bruch zwischen Ost- und Westeuropa mit der Spaltung der Christen zur Zeit des römischen Imperiums begann.

        1989 war auch der Westen ausgelaugt und die zusätzlichen Absatzmärkte halfen zur Auslastung und Refinanzierung, schufen aber zugleich Konkurrenz und Deindustrialisierung/Handelsbilanzdefizite, global und target2.

        Die konkurrierenden Zentralmachtsysteme haben inzwischen viel gelernt und hier hört meine Zustimmung zu ihrem Gedankengang auf. Ja, das US Imperium ist weitgehend erschöpft und primitiver Krieg immer mehr letztes Mittel, weil Waffen kein Handelsgut sind. Das EU Imperium ist als Initiator des US Imperiums älter und als untergeordneter Teil desselben ebenso müde.

        >Die Entwicklung der EU ist die konsequente Folge
        ….wenn sich Lahme, Blinde und Alte aneinander klammern, weil niemand mehr alleine stehen kann. (vgl. BW in Mali)

        Ob Asien das Potential hat, welches Gunnar Heinsohn im gutschreibt vermag ich nicht zu beurteilen, aber was ich relativ beurteilen kann ist Europa. Was die Menschen mehrheitlich bieten ist wenig beeindruckend, vielfach zeigt sich an den Hysterischen wie schlimm es um ihr Wissen steht.

        Der Versuch demographisches Potential in anderen Erdkreisen zu rekrutieren ist peinlich schief gelaufen, weil man tatsächlich nur Dumme anlockt.

        H.W.Sinn:
        „Es kommen Menschen die bei uns mehr Geld bekommen als im Heimatland und danach zahlen wir ihnen mehr Geld fürs nichts tun als sie bei uns erarbeiten könnten.“

        Potential kann man sehen, fühlen, spüren und investiert freudig. Das gilt für Kreditbubbles und Aktienmärkte ebenso wie soziologisch für menschliche.

        Obwohl mir der Debitismus zur Erklärung von Zwängen und Sachverhalten viel hilft, glaube ich nicht an intelligente Politik, die das umsetzen würde. Man so wie man sich gibt und stolpert in den Brexit anstelle … Möglichkeiten zu nutzen. Ich finde das so bechämend, wie die neuen Flagellanten im Klimabüßerkleid.

      • Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        – Boxeraufstand, China, Frankreich, GB, Kolonialismus, Neokolonialismus

        Ich halte das Engagement des Kaiserreiches von 1900 für genauso falsch wie den Kolonialismus bis zum verlorenen Weltkrieg I. Es dient mir nur als Beispiel für Großmannssucht wie heute in Sachen Klimarettung, refugees.

        Wenn Finanzierungsstränge Macht vorkörpern ist Geschichte sehr wichtig um die Gegenwart zu verstehen, besonders aufgrund der Tatsache dass einzig die bundesdeutsche Geschichte am 09.05.1945 begann, alle anderen einfach weiter liefen.

        China hat die Demütigung des Kolonialismus nicht vergessen und binnen kürzester Zeit seine Position so verbessert, dass man gnädig Kniefälle abnimmt. China macht Weltpolitik ohne einen Schuß! Man gehört heute zur Elite und Europa hinkt hinterher….

        Afrika, SubSaharazone verhält sich qualitativ umgekehrt. Man schickt seine überzählige Söhne als Migranten, profitiert von den Transferüberweisungen und staunt über die Schwäche seiner einstigen Kolonialherren. Schwäche, die sich darin äußert Verluste zu scheuen, ja nicht einmal das Leid seiner Feinde ertragen zu können. Europa zeigt sich als Übernahmekandidat, wenn junge oder verheiratete Frauen fremde Männer an Bahnhöfen begrüßen.

        Europa soll sogar neu kolonialisiert werden, gemäß den Wünschen der UN. Das hat nichts mit dem Potential zu tun, seine Pleite in einer suprastaatlichen Refinanzierungsrunde zu verschieben nur weil ein paar Zombies in Europa davon träumen. Hier greift für mich wieder der Debitismus, der jede Verschuldung an ihrem Potential misst.
        Potential sind Alter, Bildung und Pfänder.
        Junge Leute mit Bildung könnten aus den eurpäischen Pfändern etwas machen; ohne Bildung mag man gar nicht zu Ende denken…

        Vielleicht klappt es die Überlegungen des Debitismus mit dem Bürgerkriegspotential weltweit zu verknüpfen und die Schlüsse neu zu kombinieren.

        P.C.Martin:
        Das Macht- und Gewaltmonopol des Staates wird…enden wie alle Monopole:
        Es wird in einer großen, weltumfassenden Revolution verschwinden.

      • Dieter Krause sagte:

        Deutschland ist mit der DM massiv unterbewertet (ca. 30%!) in die Euro-Zone eingetreten. Dazu kam dann noch eine deflationäre Lohnpolitik seit 2002, die massiv die Produzenten aus den anderen europäischen Staaten aus dem Markt gedrängt hat. Die Bürger in den anderen Staaten der Euro-Zone haben seit 2000 wesentlich stärker konsumiert (höhere Lohnsteigerungen!) – wir haben gespart (Unterkonsum) – und uns für unsere steigenden Exportüberschüsse in die anderen EU-Länder beständig selbst gelobt! An der jetzigen Krise in der Euro-Zone hat Deutschland deshalb mit einen großen Anteil! Dazu kam natürlich noch der calvinistische Sparfaschismus der Demenz-Ökonomin im Kanzleramt (doppelte Null im Staatshaushalt – und das bei zum Teil negativen Zinsen auf Bundesanleihen!) – da haben Sie die (europäischen) Zutaten für die Krise in der Euro-Zone (einige kamen noch von außen mit dazu):

        Nobelpreisträger rechnen mit Merkel ab. Denn die inhaltlichen Gräben sind tiefer als gedacht. „Merkel verfolgt in Europa eine völlig falsche Politik. Der von ihr verordnete Sparkurs wird die Euro-Zone in die Depression schicken“, sagte der in Harvard lehrende Maskin der „Welt am Sonntag“.
        https://www.welt.de/wirtschaft/article131538257/Nobelpreistraeger-rechnen-mit-Merkel-ab.html

  2. Dietmar Tischer sagte:

    >„But it also shows that during the good economic times of the 1990s and the early 2000s, the anti-European wave ebbed and support for the European project returned. What has been achieved before can surely be achieved again — if we draw lessons not just from the mistakes of the past, but from the successes too.“>

    Wie, bitte schön, bekommen wir ÖKONOMISCH GUTE Zustände in der EU, wenn der EU der Wind ins Gesicht bläst (Brexit, so oder so ökonomisch negativ auch für die EU, Handelskriege EU/USA und China/USA, abkühlende Weltwirtschaft)?

    Von den zunehmenden inneren Schwierigkeiten gar nicht erst zu reden, etwa nationale Blockaden mit geschwächten Regierungen (Frankreich, Gelbwesten) oder die Finanzierungskonflikte aufgrund der mehr als 10 Mrd. EUR, die in der Brüsseler Kasse fehlen, wenn GB draußen ist.

    Was M. Sandbu hier bietet, ist Pfeifen im Wald.

    Spannend wird es, wie die Bevölkerungen den Brexit bewerten:

    Gibt es einen No deal-Austritt mit Crash-Folgen (Lkw-Schlangen in Dover, leere Supermarkt-Regale etc.) und den entsprechenden TV-Bildern, wage ich vorherzusagen:

    Die Parteien, die für die EU bzw. eine Vertiefung der EU sind, werden besser abschneiden als heute vermutet wird.

    Denn die Bilder werden „argumentieren“:

    Das kriegt man, wenn man raus will wie die Briten.

    Also besser drin bleiben, um ein Chaos zu verhindern.

    Restrukturierung der EU fällt bei dieser s/w-Alternative bzw. Schlammschlacht völlig unter den Tisch.

    Antworten
    • Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Wie, bitte schön, bekommen wir ÖKONOMISCH GUTE Zustände in der EU“

      Wir könnten die Verschuldung ausweiten und auf Kredit konsumieren wie in den „good economic times of the 1990s and the early 2000s“, aber blöderweise ist die Verschuldungskapazität in den meisten EU-Staaten mittlerweile ausgereizt. Da ist guter Rat teuer – aber ich sehe nicht, dass die EU-Eliten auch nur irgendeine andere Lösungsidee haben, von einem detailliert durchdachten Plan ganz zu schweigen.

      Auch dadurch ist die Lage heute eine fundamental andere als bei der Mini-Krise der damals noch viel weniger integrierten Europäischen Gemeinschaft (EG) in den 1980ern.

      Antworten
  3. Ondoron sagte:

    Selbstverständlich, Herr Dr. Stelter, der € ist dysfunktional, wird kollabieren, aber die Anti-EU-Kräfte werden im Zaum gehalten. Ja, das ist unbedingt nachvollziehbar und liegt absolut im Horizont des unmittelbar Erwartbaren. Das bisschen mehr an Social Engineering, was dazu nötig ist. Schön, dass Sie dafür den Weg pflastern. Dann wird ja alles gut!

    Antworten

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