Jetzt warnt Schäuble: Dabei hat er Mitschuld an Eiszeit und kommenden Krisen

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Wolfgang Schäuble warnt in der FT von heute vor der nächsten Finanzkrise: „(…) he warned that the world was in danger of  encouraging new bubbles to form. Economists all over the world are concerned about the increased risks arising from the accumulation of more and more liquidity and the growth of public and private debt. (…)  Mr Schäuble’s views also chime with those of the Bank for International Settlements, which has long argued that aggressive monetary easing by central banks was fuelling bubbles in asset prices. The BIS warned last month that the world had become so used to cheap credit that higher interest rates could derail the global economic recovery.“ Eine Sicht, die bto seit Jahren vertritt.

Die wahre Frage ist doch: Warum hat Schäuble nichts dagegen getan? Er konnte nicht? Nein, er hat zum Beispiel einen Schuldenschnitt im Euroraum verhindert. Doch das ist nötig, um die Schuldendynamik zu unterbrechen.

Wo wir stehen, habe ich im Rahmen der Veranstaltung „Ten Years After. Eine Bilanz der Finanz- und Weltwirtschaftskrise“ an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing im Juli erläutert. In der Septemberausgabe des ifo Schnelldienstes erschien diese Zusammenfassung:

Die nicht verstandene Krise

Auch zehn Jahre nach Beginn der größten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit gibt es kein gemeinsames Verständnis für die Ursachen der Krise. Da wird über die „Finanzkrise“ gesprochen, ausgelöst von zweifelhaften Krediten im US-Immobilienmarkt, die als Wertpapiere verpackt über allerlei Umwege in den Portfolios der Investoren in aller Welt – vor allem in Deutschland – landeten. Da wird von der „Eurokrise“ gesprochen, deren Ursache man gerne in der überbordenden Staatsverschuldung einzelner Sünderländer verortet, die über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Die Wahrheit ist eine andere: Beides, die Finanz- wie die Eurokrise, sind Überschuldungskrisen gewesen und sind das immer noch. Seit Mitte der 1980er-Jahre haben wir es weltweit, vor allem in den USA, Europa und Japan mit einer explodierenden Verschuldung von Staaten, privaten Haushalten und Unternehmen zu tun. In den zwanzig Jahren bis zum Krisenausbruch 2007 haben sich die Schulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt. Real haben Unternehmen mehr als dreimal so viele Schulden wie zuvor, Staaten mehr als viermal und private Haushalte mehr als sechsmal so viel.

Schuld an dieser Entwicklung waren Politiker und Notenbanker. Durch den Eintritt Chinas und Osteuropas in den Weltmarkt kam es zu einem Angebotsschock auf dem Arbeitsmarkt. Hunderte von Millionen Menschen waren und sind bereit, für deutlich weniger Geld deutlich länger und härter zu arbeiten. In der Folge kamen Arbeitsplätze und Löhne in den westlichen Industrienationen unter Druck. Die richtige Antwort wären Investitionen in Bildung und Innovation gewesen. Leichter und schneller war es da, fehlende Einkommenszuwächse mit billigen Krediten (USA) und staatlichen Sozialprogrammen (Europa) zu kompensieren.

Im Bestreben, die Wirtschaft zu beleben, wurde auf immer mehr Schulden gesetzt. Regulierungen wurden gelockert, während die Notenbanken angesichts tiefer Inflationsraten (ausgelöst durch den Angebotsschock Millionen neuer Arbeitskräfte) begannen, mit immer tieferen Zinsen eine befürchtete Deflation zu bekämpfen.

Kam es zu Problemen an den Finanzmärkten (u. a. Schieflage des Hedgefonds LTCM, Russlandkrise, Asienkrise, Dot-Com-Blase, Anschläge vom 11. September), reagierten die Notenbanken, allen voran die US-Fed, mit Zinssenkungen, ohne die Zinsen anschließen wieder ausreichend zu erhöhen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich kritisiert dieses „asymmetrische Verhalten“ schon lange.

Belohnt wurde, wer Schulden machte und es ist kein Wunder, dass jeder vierte der reichsten 400 US-Amerikaner mit „Investments“, also der Spekulation auf Kredit, sein Vermögen gemacht hat.

2008 war es dann so weit. Die Welt schien am Ende der Verschuldungskapazität angelangt. Der „Minsky-Moment“ war erreicht, der Zeitpunkt, zu dem schuldenfinanzierte Blasen platzen – benannt nach dem verstorbenen US-Ökonomen Hyman Minsky, den zu Lebzeiten keiner der Akteure ernst nahm und dessen Gedanken auch heute viel zu wenig Beachtung finden. Statt anzuerkennen, dass die schuldenfinanzierte Wohlstandsillusion an ihre Grenzen stößt, wurde alles getan, um die Verschuldungskapazität zu erhöhen und eine weitere Runde mit noch mehr Schulden anzustoßen.

Die Schulden wachsen weiter

Die Verschuldungskapazität hängt vom beleihungsfähigen Eigenkapital oder Einkommen und von den Zinsen ab. Je höher das Eigenkapital und das Einkommen und je tiefer die Zinsen, desto mehr Schulden lassen sich schultern. 2008 stiegen die Kosten für Kredite drastisch, nicht zuletzt, weil das Vertrauen der Kreditgeber in die Zahlungsfähigkeit der Schuldner deutlich zurückging. Zugleich verfiel der Wert des Eigenkapitals und die Einkommensaussichten verschlechterten sich wegen der sich abzeichnenden Rezession. Was bei moderater Verschuldung im Einzelfall ärgerlich ist, erweist sich bei zu hoher Verschuldung als Brandbeschleuniger für eine große Depression. Keiner hat das besser beschrieben als Irvin Fisher im Jahre 1933 in seiner „Debt-Deflation-Theory of Great Depressions“. In der Tat waren wir 2008 auf dem besten Weg, eine Weltwirtschaftskrise wie in den 1930er-Jahren zu erleben. Der Absturz war anfangs sogar weit dramatischer als achtzig Jahre zuvor.

Richtigerweise haben die Verantwortlichen alles darangesetzt, dies zu verhindern. Mit staatlichen Konjunkturprogrammen und Null- und Negativzins haben sie die Verschuldungskapazität wiederhergestellt. Vermutlich hätte es dennoch nicht gereicht, wäre China nicht mit einem gigantischen schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm eingesprungen. Damit wurde nicht nur die Schuldentragfähigkeit im Westen erhöht, sondern zugleich noch neue Verschuldungskapazität in der Welt mobilisiert.

Mit erheblichem Erfolg! Weltweit ist die Verschuldung auf über 325 Prozent des BIP gestiegen, 50 Prozentpunkte mehr als noch 2007. Angetrieben vom billigen Geld aus den USA und Europa wurde überall auf Pump gelebt. China bleibt dabei mit einer Vervierfachung der Verschuldung seit dem Jahr 2000 und einem Anstieg von rund 120 Prozent des BIP auf über 280 Prozent einsamer Spitzenreiter.

Politiker und Notenbanker haben es also geschafft, die weltweite Verschuldungskapazität durch Erhöhen der Anzahl der Schuldner und das Senken der Finanzierungskosten nochmals deutlich auszuweiten. Damit wurde die Politik, die uns in die Krise von 2008 geführt hat, noch konsequenter fortgesetzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir vor dem nächsten „Minsky-Moment“ stehen, dann allerdings mit noch mehr Schulden und schon rekordtiefen Zinsen.

Kein Wunder, dass schon nach der nächsten Möglichkeit gesucht wird, die Verschuldungskapazität zu erhöhen. Nichts anderes steht hinter den Rufen nach einem Euro-Finanzminister und mehr „Solidarität“ Deutschlands. Es geht nur um eines: mehr Schulden zu ermöglichen, um das System noch eine Runde weiter zu bekommen.

Keine schmerzfreien Lösungen

Es ist Zeit, dass wir unsere Wirtschaftspolitik grundlegend hinterfragen. Seit Mitte der 1980er-Jahre setzen wir darauf, mit Schulden kurzfristiges Wachstum zu erzielen. Dabei nimmt die Produktivität der neuen Schulden stetig ab. Nachdem jahrzehntelang die Wirtschaft im Einklang mit der Verschuldung wuchs, werden heute weltweit immer mehr Schulden gebraucht, um überhaupt noch Wachstum zu erzielen. Die Ursache liegt in der überwiegend unproduktiven Verwendung der Schulden. Wir kaufen uns damit gegenseitig vorhandene Vermögenswerte zu immer höheren Preisen ab. Im Unterschied zu Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen wächst dadurch die Wirtschaft jedoch kaum, wenn man von dem Zusatzkonsum durch den Reichtumseffekt steigender Vermögenspreise absieht.

Ermöglicht wird das Ganze von einem Bankensystem, das fast unbegrenzt neues Geld schöpfen kann, indem es Kredite gewährt. In unserem Geldsystem wird neues Geld überwiegend (zu rund 90 Prozent) durch das Bankensystem geschaffen. Steigende Nachfrage nach Vermögenswerten führt dabei zu einem Preisanstieg, der wiederum eine höhere Beleihungskapazität für alle Vermögenswerte ermöglicht. Wir sind damit abhängig von steigenden Vermögenswerten, neuen Schuldnern und immer tieferen Zinsen. Die Zinsen müssen morgen noch tiefer sein, einfach weil sie heute schon tief sind.

Nur mit immer mehr Schulden bleibt das System am Laufen. Das Problem ist dabei, dass wir nicht einfach aufhören können. Die ausstehenden Schulden müssen bedient werden, soll es nicht zum Kollaps kommen. Dies bedingt, dass zumindest in Höhe der Zinsen auf der ausstehenden Schuld neue Schulden aufgenommen werden. Denn woher sonst soll das Geld denn kommen?

Es gibt keinen einfachen Weg aus unserer selbst gewählten Misere. Wir haben uns von der Schuldendroge abhängig gemacht und brauchen eine ständig steigende Dosis. Bleibt sie aus, ist der „Minsky-Moment“ da – der ultimative Crash.

Doch wie könnte man mit dem Schuldenüberhang umgehen? Die Optionen sind begrenzt:

  • Tilgung der Schulden durch Sparen: Was für einzelne Haushalte, Unternehmen und auch Staaten funktionieren kann, funktioniert nicht auf weltweiter Ebene. Jeder Versuch des „Deleveraging“ durch gesamtwirtschaftliches Sparen führt zu einem überproportionalen Einbruch der Nachfrage und damit zu einer Rezession, die wiederum den Druck auf die Schuldner erhöht. In der extremsten Version kommt es zu einer Debt-Deflation wie in den USA in der Weltwirtschaftskrise. Wenn überhaupt kommt es zu einem Schuldnertausch, wo, wie beispielsweise in Spanien seit 2008 und Japan seit 1990 zu beobachten, der Privatsektor Schulden abbaut und sich dafür der Staat (deutlich mehr) verschuldet. Es ist unmöglich, dass wir uns aus dem Schuldenproblem heraussparen.
  • Höhere Wachstumsrate der Wirtschaft: Am angenehmsten wäre es, wenn es uns gelänge, das Wachstum der Realwirtschaft über die Wachstumsrate der Schulden zu bringen. Dann würden die Schuldenquoten über die Zeit sinken. Leider ist dies aus verschiedenen Gründen nicht realistisch. Neben dem bereits angesprochenen Problem der abnehmenden Produktivität der neuen Schulden haben wir es mit erheblichen Gegenwinden zu tun: In den westlichen Ländern beginnt die Erwerbsbevölkerung zu schrumpfen (Europa, Japan) bzw. zu stagnieren (USA), während gleichzeitig die Produktivitätszuwächse abnehmen. Damit ergibt sich ein geringeres Wachstumspotenzial der Realwirtschaft. Während Ökonomen noch über die Ursachen der geringen Produktivitätszuwächse rätseln, dürfte es unstrittig sein, dass die Politik des billigen Geldes durch die Verhinderung der dringend notwendigen Bereinigung überflüssiger Kapazitäten zu dem Problem beiträgt. Die Schuldenlast macht es so noch schwerer, das erforderliche Wachstum zur Reduktion derselben zu erzielen. Herauswachsen, so schön es wäre, ist somit keine Option.
  • Höhere Inflation: in der Vergangenheit, so zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg, hat man über erhöhte Inflationsraten das Nominalwachstum der Wirtschaft über die Wachstumsrate der Schulden getrieben und auf diese Weise eine Entschuldung realisiert. Wäre Inflation im heutigen Umfeld leicht zu erzielen, so hätten wir sie schon lange. Dem ist aber nicht so. Stattdessen überwiegen die deflationären Kräfte von Überkapazitäten und Überschuldung. Die von den Notenbanken neu zur Verfügung gestellten Mittel bleiben im Bankensystem stecken. Zum einen, weil die Banken selbst noch auf mindestens einer Billion Euro an faulen Krediten sitzen (Europa), zum anderen, weil die potenziellen Kreditnehmer entweder schon verschuldet sind oder aber angesichts der unsicheren Aussichten kein Interesse an weiterer Verschuldung haben. Ohne eine deutliche Zunahme der Verschuldung und damit der Nachfrage nach Gütern kann es aber keine Inflation geben. Will man in diesem Umfeld Inflation erzeugen, so geht das nur durch eine Erschütterung des Vertrauens breiter Bevölkerungsschichten in das Geld. Dann sprechen wir aber nicht mehr von vier Prozent Inflation, sondern von deutlich höheren Raten. Noch ist eine solche Entwicklung nicht in Sicht und es bleibt bei der Inflation der Vermögenswerte, getrieben von der Verfügbarkeit billiger Kredite.
  • Schuldenrestrukturierung: verbleibt die Möglichkeit geordneter und ungeordneter Schuldenschnitte. Schuldner können ihre Zahlungen einstellen oder Gläubiger und Schuldner einigen sich über einen Schuldenerlass. Doch auch in diesem Szenario verlieren Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen. Da dieses Szenario politisch unattraktiv ist, versuchen die Politiker auf Zeit zu spielen und hoffen doch noch auf die Rettung über Wachstum und Inflation. Bis es so weit ist, wird nach weiteren Möglichkeiten gesucht, mit noch mehr Schulden das System am Laufen zu halten.

Vermutlich wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die faulen Schulden bei den einzigen Schuldnern abzuladen, die über eine praktisch unbegrenzte Verschuldungskapazität verfügen: den Notenbanken. Diese sind ohnehin schon dabei, im großen Umfang Forderungen aufzukaufen. Dies müssten sie noch verstärkt tun, und sobald sie einen signifikanten Bestand haben, sollten sie die Forderungen abschreiben und den Schuldnern in einer Art „Jubel-Jahr“ erlassen. Da Notenbanken per Definition nicht illiquide und damit nicht insolvent werden können, bleibt dies wohl der einzige und relativ schmerzfreie Weg der Bereinigung. Japan dürfte uns diesen Weg schon in wenigen Jahren vormachen und dabei die ebenfalls heftig umstrittene Frage beantworten: Gelingt das, ohne zu einer Zerrüttung der Währung durch Hyperinflation zu führen? Vermutlich ja.

Depression in Zeitlupe statt großer Depression

Damit haben wir zwar eine Wiederholung der großen Depression wie in den 1930er-Jahren verhindert, jedoch die Krisenursachen nicht bereinigt, sondern, im Gegenteil, die Probleme vergrößert. Wir erleben deshalb eine Depression in Zeitlupe. Der Einbruch war nicht so tief wie in den 1930er-Jahren, die Erholung dafür auch deutlich schwächer. In den USA entsprach das Wachstum in den letzten zehn Jahren ziemlich exakt dem Wachstum der Jahre 1929 bis 1938. Auch in Europa liegen die Wachstumsraten deutlich unter dem Vorkrisentrend.

Dass wir in Deutschland von dieser Krise nichts wahrnehmen, ist kein Zeichen der besonderen Solidität der deutschen Wirtschaft. Im Gegenteil. Die Außenhandelsüberschüsse basieren darauf, dass sich unsere Kunden immer mehr verschulden. Spiegelbildlich zu unseren Handelsüberschüssen gewähren wir unseren Kunden Kredit, was angesichts der Überschuldungssituation keine gute Strategie ist. In einer Welt mit zu vielen Schulden müssen die Gläubiger zwangsläufig verlieren. Hinzu kommt ein Euro, der unzweifelhaft schwächer ist, als es eine Deutsche Mark wäre, und damit die Exporterfolge zusätzlich beflügelt. Die tiefen Zinsen, konsequente Folge der Überschuldung, tragen ebenfalls zur deutschen Wohlstandsillusion bei. Die „Schwarze Null“ ist nicht die Folge kluger Politik, sondern günstiger Finanzierungskosten infolge der anhaltend ungelösten Eurokrise. Spätestens in der nächsten Rezession dürfte diese Wohlstandsillusion schmerzhaft platzen. Man denke nur an die über 850 Milliarden Euro zins- und tilgungsfreier Kredite, die wir den Krisenländern gewähren, und die jeden Tag größer werden (Target2).

Nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Knall

Damit ist es nur eine Frage der Zeit, bis die bisher nur unterdrückte und keineswegs bewältigte Krise wieder ausbricht. Mit noch höheren Schulden und schon deutlich tieferen Zinsen und aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken dürfte es dann noch schwerer werden, die Krise erneut einzudämmen. Noch negativere Zinsen und Helikoptergeld dürften dann zum Einsatz kommen.

Dass die Entscheidungsträger diese Gefahren nicht sehen, ist eher ein Warnsignal. Noch 2007 hielt US-Notenbank-Chef Ben Bernanke, der – obwohl er über die große Depression geforscht hat – die Wiederholung derselben nicht kommen sah, die Subprime-Krise für ein kleines Problem, welches die US-Wirtschaft nicht nachhaltig beeinflussen würde. Kürzlich erklärte seine Nachfolgerin Janet Yellen, es gäbe „keine Finanzkrise mehr zu unseren Lebzeiten“. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Hier der Link zu der Ausgabe des ifo Schnelldienstes:

sd-2017-17-taube-etal-finanzkrise-2017-09-14

23 Antworten
  1. SB says:

    „Depression in Zeitlupe statt großer Depression“ bedeutet nichts anderes, als ein Schrecken ohne Ende (= schleichende Entschuldung und damit schleichende Enteignung der Gläubiger = Salami-Taktik). Wobei zu beachten ist, dass auch dieses Szenario noch in ein Ende mit Schrecken umkippen kann. Dann doch lieber gleich Letzteres??? Das Ganze ist ja auch eine Frage, wie man mit der Zukunft und den damit einhergehenden Chancen der nächsten Generation(en) umgeht.

    • Karl F. says:

      “ Das Ganze ist ja auch eine Frage, wie man mit der Zukunft und den damit einhergehenden Chancen der nächsten Generation(en) umgeht.“

      Die „aktuellen“ Politker, Journalisten und Makroökonomen haben da wohl eine ganz einfache Einstellung: „Nach uns die Sintflut!“.

  2. Walter Roth says:

    Haaaaaaalt………………….

    Denken Sie das mal anders, nehmen sie mal an die von den Notenbanken gedruckten Gelder sind Passiven……. und das sind sie, alles andere ist ein Fehler der Geldtheorie.
    Die Bank of England hat das verstanden und ihre Theorie korrigiert.

    Zitat :
    Da Notenbanken per Definition nicht illiquide und damit nicht insolvent werden können, bleibt dies wohl der einzige und relativ schmerzfreie Weg der Bereinigung.
    ———————————————–

    Falsch…….. aber zugegeben, genau der Punkt ist immer noch umstritten.

    Ich Versuchs mal ganz einfach zu erklären…..
    Die Schweizer Nationalbank behauptet das auch, hat aber nun diesen Teil ihrer Aussagen klammheimlich aus ihrem SNB Blog gelöscht.
    Sie hat wohl insgeheim erkannt, dass sie mit Geld drucken Schulden schafft, nicht Vermögen.

    Für Nationalbanken gelten die selben Regeln wir für andere Banken und die Wirtschaft auch, gerade auch was Buchhaltung betrifft.
    Jede andere Aussage ist das Produkt uninformierter Politiker und in durch Interessen gesteuerter Banken Kreise.
    Also, wenn Nationalbanken „Geld drucken“ wie das so schön heisst, erzeugen sie damit keinesfalls Aktiven, SONDERN PASSIVEN, sie erzeugen eine Schuld.

    Beispiel Schweizer Nationalbank:
    Druckt die Geld und kauft im Ausland Staatsanleihen in Euro um den Euro zu stützen, so erhalten die dort im Ausland Schweizer Franken …… für die unsere Nationalbank / Land etwas liefern muss, denn sie muss die Franken als gesetzliches Zahlungsmittel annehmen wie natürlich auch das ganze Land.
    Sie nimmt damit faktisch auch das ganze Land in „Zahlungs-Haftung“.

    Sie schafft also nicht Vermögen, sondern Passiven. Selbst dann wenn diese Franken nicht direkt bei der SNB als Zahlungsmittel vorgelegt werden.

    —————————-
    Wer ein Papier druckt das als Zahlungsmittel akzeptiert werden muss, kann damit zwar einen Vermögenswert kaufen, schafft aber wiederum auch ein Zahlungsmittel das jederzeit bei ihm vorgelegt werden kann und wofür er dann etwas liefern muss…. also eine Schuld.
    —————————-

    Natürlich tauscht die SNB ihr Notenbankgeld gegen Staatsanleihen ( Aktiven ), aber sie gibt dafür gesetzliches Zahlungsmittel = Franken.

    Unsere Nationalbank hat durchaus erkannt das sie nicht einfach Geld drucken kann, denn das wäre Betrug, sondern sie benutzt für die meisten Devisenkäufe die „Sichtguthaben“ der Banken bei der SNB.
    Die UBS hat wohl an die 130 -150 Milliarden bei der SNB geparkt, die CS weitere ca. 120 Milliarden usw. usf.
    Sichtguthaben heisst aber nun, dass sie innert 30 Tagen abgezogen werden können und zwar in der Währung in der diese Sichtguthaben hinterlegt wurden, ……also Franken.

    Was wenn die UBS und die CS als die beiden grössten Sichtguthabenbesitzer ihre 250 Milliarden abziehen ?
    Die SNB müsste sie ihnen aushändigen…. kann aber nicht….?
    Druckt sie Franken begeht sie Betrug, kann sie keine Franken liefern, ist sie nach den überall gültigen Banken und Buchhaltungsregeln Konkurs.
    Sie muss folglich den beiden Banken Devisen anbieten oder sofort die Devisen selber gegen Franken abverkaufen. …… Bleibt auch die Frage ob die beiden Banken Devisen nehmen werden.
    Und was wenn die beiden Banken die Devisen selber verkaufen um wieder in den Besitz von Franken zu kommen ?
    Folge : ……. die Devisen fallen in beiden Szenarien sofort, der Euro schwächt sich ab, die Banken machen Verluste.
    Indirekte Folge : unsere SNB muss ihre Restbestände neu bewerten und macht auch Verluste.

    Unlösbares Problem Devisenbestände ?
    Die SNB hat um die 800 Milliarden Devisen in den Beständen.
    Wie will sie diese im heutigen fragilen Umfeld jemals verkaufen ?
    Tut sie das, werden die sofort fallen.
    Fallen die nur um 20%, fehlen den SNB faktisch 80 Milliarden was deren Eigenmittel übersteigt ……… sie ist Konkurs.
    Druckt sie Geld um den Konkurs zu verhindern, begeht sie Betrug………. denn sie schafft gesetzliches Zahlungsmitten ohne Deckung, beziehungsweise sie erhöht ihre Passiven nochmals.
    Auch eine Nationalbank kann nicht einfach in ihre Bücher ein paar Nullen einfügen…..

    • Michael Stöcker says:

      Lieber Herr Roth,

      das klingt mir doch alles sehr nach Marc Meyer. Den nimmt aber keiner so wirklich ernst: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2017/06/die-theorie-des-geldmultiplikators-ist-ein-neoklassischer-irrtum/#c3002.

      „Für Nationalbanken gelten die selben Regeln wir für andere Banken und die Wirtschaft auch, gerade auch was Buchhaltung betrifft.“

      Nein, hier gelten partiell andere Regeln: Eine ZB kann auch mit negativem EK operieren und ist insbesondere in der Lage über den Ankauf von Staatsanleihen zusätzliches Geld zu schaffen, dass ohne Zinslast auskommt, da die zu zahlenden Zinsen auf die Staatsanleihen ja via ZB-Gewinn dem Haushalt zufließen (linke Tasche, rechte Tasche).

      Insofern sollten Sie Ihre Vorstellungen doch noch einmal überdenken.

      „Sie schafft also nicht Vermögen, sondern Passiven.“

      Eine Kreditgewährung hat noch nie Vermögen geschafft! Das Nettogeldvermögen bleibt durch eine Kreditvergabe stets konstant. Aktiva und Passiva werden hier stets simultan erzeugt. Nach Saldierung sämtlicher Forderungen und Verbindlichkeiten bleibt nur noch das reale Sachvermögen übrig. Der Bankkredit ist aber in einer arbeitsteiligen Wirtschaft notwendige Voraussetzung für die anschließende Generierung von Vermögen.

      Unter dem obigen Link finden Sie auch eine weiterführende Diskussion, die zu einem besseren Verständnis beitragen kann.

      LG Michael Stöcker

    • Michael Stöcker says:

      Noch als kurze Ergänzung:

      „Druckt sie Franken begeht sie Betrug, kann sie keine Franken liefern, ist sie nach den überall gültigen Banken und Buchhaltungsregeln Konkurs.“

      Druckt sie Franken, dann erfüllt die SNB ihre Lieferungsverpflichtung. In der Bilanz der SNB kommt es zu einem Passivtausch, bei den Geschäftsbanken zu einem Aktivtausch. Wo ist hier Ihr Problem? Es stellt sich natürlich die Frage, was die Geschäftsbanken mit den ganzen Papiergeldbergen anfangen sollen, außer Negativzinsen zu vermeiden, was allerdings sodann eigene Lagerhaltungskosten erzeugt.

      LG Michael Stöcker

      • Walter Roth says:

        Falsch……………

        Ich mache es einfach……. weil die Feinheiten die es ihnen geht, die haben andere schon tausendfach analysiert.
        Sie wollen Technik diskutieren, ich viel lieber Ethik.

        Sie Vertreten die Irrtümer die Heute weitestgehend akzeptiert sind, aber eine falsche Geldpolitik hervorbrachten, eben die welche wir Heute überall haben.
        Denken sie mal an den Goldstandard denn die Schweiz vor 100 Jahren hatte, und benutzen sie das als Grundlage um die heutige Finanzpolitik zu beurteilen.

        Druckt die SNB Noten, so sollte sie das nur um die Geldmenge in Cash zu bedienen, alles andere ist Betrug.
        Es ist Betrug weil ohne Deckung.
        Aber mir ist klar, Vollgeld hat niemand mehr, es wurde abgeschafft weil der Betrug so erst leicht und attraktiv wurde.
        Die Idee das die Volkswirtschaft die Noten deckt und die SNB ja Teil dieser Wirtschaft sei, ist eine faule Ausrede, sie ist ein Instrument der Politik.
        Ich erwähnte ja das die Bank of England ihre Theorie angepasst hat.
        Ja die kommt von Marc Meyer, ist aber richtig. Sogar die SNB schwenkt klammheimlich und ganz leise um.
        Warum ……wenn sie falsch ist…?

        Das Sie Herrn Meyer nicht ernst nehmen ist mir klar, Sie vertreten ja auch die althergebrachten Irrtümer.
        Ich habe viele Bücher gelesen, komme aber nicht aus der Finanzindustrie …..weshalb es mir etwas schwerfällt in ihrem Jargon zu argumentieren. Aber ich habe lange mein Geld freiwirtschaftlich verdient und dabei gelernt was Realitäten sind.
        Dass hier also andere Regeln gelten, ist Unsinn, ….geschieht aber so …..weil die Politik die den Karren in den Dreck gefahren hat, nicht aus dem Sumpf herauskann, also die Fehler bis zum bitteren Ende verteidigen muss, ansonsten die allgemein gültigen Regeln sich eben durchsetzen und zum Kollaps führen.
        Sehen Sie, Merkel kann Millionen illegale einwandern lassen und das Volk schluckt es…… Es ist gegen das Grundgesetz, aber es geschieht.

        Glauben sie das unsere Politiker und die SNB besser sind ?

        Und, warum massen sich eigentlich die Nationalbanken an das für sie andere Regeln gelten sollen ….?
        Naja, die Politik hat das ermöglicht, und konnte das …..weil die Menschen nicht erahnen was ihnen da geschieht.
        Da wird eine Schafherde getrieben…….

        Geld ist Ökonomie und die ist etwas, was so fest steht wie die Evolution, man kann sie einige Zeit betrügen, aber dann ist es zu Ende……
        Sie fordert am Ende immer ihr Recht, seit 2500 Jahren ist dem so. Lesen sie es in der Geschichte…… Es gibt keinen Weg um sie zu überlisten…. nicht für Kommunisten, nicht für Sie.

        Ja, die SNB kann Noten drucken und ebenso Zahlen im PC als Geld darstellen, aber es ist Betrug für den wir als Bürger der Schweiz haften müssen. Linke Tasche, rechte Tasche…… dieses Beschreibung habe ich oft gehört…… es geht nicht um Modalitäten.

        Natürlich kann man sagen ….dass sei so abgesegnet.
        Ist es in Teilen auch, in Gesetze gegossen, übliche Praxis, Finanzstandard usw. aber es ist Betrug.
        Was heute gemacht wird hat mit dem von vor 100 Jahren rein gar nichts mehr zu tun und wird böse enden.
        Damals diente die Finanzindustrie der Wirtschaft und dem Volk, heute …… nur noch sich selbst.

        Hiesse ich Jordan oder Draghi, ich würde mich als Finanzer irgendwo in Alaska verstecken…… denn vor dem Volk sollten diese Herren allergrössten „Respekt“ haben, denn nach dem was die gerade abziehen….. werden die Schafe …….

      • Michael Stöcker says:

        „Sie wollen Technik diskutieren, ich viel lieber Ethik.“

        Wir müssen über beides reden, lieber Herr Roth. Ohne fachliches Wissen/Technik können Sie aber kein ethisches Urteil fällen, da Ihnen der Maßstab für richtig oder falsch fehlt. Hier geht es mir z. B. auch um Ethik: https://zinsfehler.com/2016/10/31/sola-fide-oder-der-kreditaere-irrtum-des-martin-luther/.

        „Denken sie mal an den Goldstandard denn die Schweiz vor 100 Jahren hatte“

        Den Goldstandard hat es niemals wirklich gegeben. Von daher wurde er auch offiziell abgeschafft. Allerdings erst 2000 Jahre nach dem biblischen Tanz ums goldene Kalb; und das war sogar noch Altes Testament.

        „Damals diente die Finanzindustrie der Wirtschaft und dem Volk, heute …… nur noch sich selbst.“

        Sie glorifizieren die Vergangenheit. Die Entwicklungen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts waren ähnlich parasitär wie der Finanzsektor seit 1980. Aber in einem Punkt gebe ich Ihnen völlig recht: Die Finanzwirtschaft (Finanzindustrie ist ein verfälschender Euphemismus) sollte wieder der Realwirtschaft der 99 % dienen.

        LG Michael Stöcker

  3. Dietmar Tischer says:

    Tutzing (Akademie für Politische (!) Bildung) und ifo-Schnelldienst:

    Schön, dass das Verschuldungsthema zunehmend in den Vordergrund rückt.

    >Doch wie könnte man mit dem Schuldenüberhang umgehen? Die Optionen sind begrenzt:>

    Sie sind nicht nur begrenzt, sondern wie dargelegt:

    a) UNMÖGLICH (Tilgung durch Sparen und höhere Wachstumsraten)

    oder

    b) eine NEUE Krise generierend (höhere Inflation und Schuldenrestrukturierung)

    Daher:

    >Die wahre Frage ist doch: warum hat Schäuble nichts dagegen getan? Er konnte nicht? Nein, er hat zum Beispiel einen Schuldenschnitt im Euroraum verhindert. Doch das ist nötig um die Schuldendynamik zu unterbrechen.>

    Natürlich konnte er nicht.

    Was nötig ist, die Schuldendynamik zu unterbrechen, z. B. durch einen umfassenden hinreichenden Schuldenschnitt generiert eine NEUE Krise, die politisch hochgradig DESTABILISIEREND sein würde.

    Ein vernünftiger Politiker generiert keine Krisen.

    Er legt vielmehr eine Dauerkrise auf Eis.

    Das haben er und andere mit der Notenbank getan.

    >Da Notenbanken per Definition nicht illiquide und damit nicht insolvent werden können, bleibt dies wohl der einzige und relativ schmerzfreie Weg der Bereinigung … Gelingt das, ohne zu einer Zerrüttung der Währung durch Hyperinflation zu führen? Vermutlich ja.>

    Schmerzfrei, d. h. ohne Crash – möglicherweise, wenn nicht politische Ereignisse doch einen Crash produzieren. Die Notenbanken sind schließlich keine Weltregierung.

    Aber selbst wenn es schmerzfrei weitergeht:

    Eine HEILUNG, d. h. ein Ende des Leidens mit einer ihr Potenzial nutzenden Weltwirtschaft gibt es damit nicht.

  4. Alexander says:

    Gerade da Notenbanken nicht zahlungsunfähig werden können, benötigen sie besonderen Schutz vor Moral hazard – wenn sie zur Rettung eines Gemeinwohles ethische Grenzen überschreiten.

    Moral hazard wähne ich nicht bei Systemherstellern wie Volkswagen, aber wie politischen Laiendarstellern und Weltverbesserern, die glauben einerseits Russlandsanktionen aussprechen zu müssen, um ihre Auswirkungen andererseits durch die EZB kompensieren zu lassen. https://www.welt.de/wirtschaft/article169432945/Europas-30-Milliarden-Opfer-laesst-die-Russen-kalt.html im Vergleich zu den 65Mrd.€ Aufkaufsumme pro Monat.

    Irgendwann ist die Abhängigkeit von der geldpolitischen Neulandgewinnung so groß, dass der Markt nur noch mit einer Großkatastrophe zu beleben ist.

    Ich glaube, dass erfolgreiche Karrieremenschen wie Wolfgang Schäuble nach >40 Jahren im Bundestag nicht bereit sind ihr Wertefundament durch Reformen zu schwächen und nur im Zuge einer Großkatastrophe aus dem Amt scheiden werden. Meine Befürchtung zielt nach 1918, 1945…..bzw. die Währungsreformen mit politischer Erneuerung in der Folge.

    • Walter Roth says:

      Tja, ich halte das für den besten Kommentar hier.

      Denn es geht nicht um Finanztechnik, sondern um Verantwortlichkeit

    • jobi says:

      „Irgendwann ist die Abhängigkeit von der geldpolitischen Neulandgewinnung so groß, dass der Markt nur noch mit einer Großkatastrophe zu beleben ist. “

      Politik und Notenbanken bieten keine Lösung sondern sind Teil des Problems.
      Der Markt selbst wirds am Ende richten. Da hilft kein Zuwarten, kein Hoffen auf ein Wunder und keine Finanzalchemie.

    • Dietmar Tischer says:

      @ Alexander

      >Ich glaube, dass erfolgreiche Karrieremenschen wie Wolfgang Schäuble nach >40 Jahren im Bundestag nicht bereit sind ihr Wertefundament durch Reformen zu schwächen und nur im Zuge einer Großkatastrophe aus dem Amt scheiden werden.>

      Das glaube ich nicht, weil es – „nur“ – falsch ist.

      Schäuble scheidet aus dem Amt in einer Zeit, in der es KEINE Großkatastrophe gibt.

      Richtig ist allerdings schon:

      Großkatastrophen fegen in der Regel Karrieremenschen aus dem Amt.

      Aber auch das ist nicht immer der Fall.

      Der Karrieremensch Stalin ist nicht im Zuge von WKII, der auch für sein Land eine Großkatastrophe war, aus dem Amt geschieden.

  5. Johannes says:

    Das warnen von Politikern vor Gefahren, die sie entweder verursacht haben oder an deren Zustande kommen sie direkt oder indirekt beteiligt waren, hat eine lange Tradition.

    Es ist nichts außergewöhnliches.

  6. Wolfgang Selig says:

    bto: „Dass die Entscheidungsträger diese Gefahren nicht sehen, ist eher ein Warnsignal.“
    Das möchte ich so nicht stehen lassen, da sitzen keine Laiendarsteller. Die Entscheidungsträger dürfen die Gefahren nicht öffentlich zugeben, um die Situation nicht auch zu verschärfen. Oder, um mit Kommisionspräsident Junker zu sprechen: „wenn es hart auf hart kommt, muss man lügen“. Keiner der Entscheidungsträger möchte als Erster die verbale Nadel in den übervollen Luftballon stechen.

    • Dietmar Tischer says:

      Bin Ihrer Meinung.

      Warum sollte Schäuble nicht sehen, was Dr. Stelter sieht?

      Schäuble braucht nur mit dem Finger zu schnipsen, um jeglichen Sachverstand kommen zu lassen. Ich bin überzeugt, dass er davon Gebrauch gemacht hat.

      Schäuble kann aber nicht wie jener sagen, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis zum nächsten Knall und dass es dann noch schwerer werde, die Krise erneut einzudämmen.

      Er kann es nicht, weil es nicht die ROLLE eines Politikers ist, UNTERGANGSSZENARIEN an die Wand zu malen, und zwar auch dann nicht, wenn sie sich bestens begründen lassen.

      Politiker müssen den Laden zusammenhalten – und dies auch dann, wenn nichts gelöst ist bzw. nichts gelöst werden kann.

      Das ist ihr Job, dafür werden sie gewählt.

      Wenn Sie von sich aus etwas zur Sache sagen, können sie daher nur hinweisen:

      Achtung, aufpassen, da braut sich etwas zusammen.

      Oder, wenn sie gestellt werden, müssen sie auch mal lügen.

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