„Wie Amerikas sinkende Produktivität den Wohlstand gefährdet“

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Wirtschaftliches Wachstum ist kein Zufall. Knapp zusammengefasst sind es zwei Faktoren, die das Wachstum einer Wirtschaft treiben: die Zahl der Erwerbstätigen und deren Produktivität, also die Leistung, die sie im Durchschnitt pro Kopf erbringen. Letzteres hängt vom Kapitaleinsatz, wie zum Beispiel dem Grad der Automatisierung, dem technischen Fortschritt und dem Bildungsniveau ab. Je anspruchsvoller und technisierter eine Aufgabe ist, desto größer ist die pro Kopf erbrachte Leistung.

Dumm nur, dass die Erwerbsbevölkerung sinkt und zugleich die Produktivitätszuwächse abnehmen. Wenn die Integration der Migranten klappen sollte, würde das übrigens mit einem gesamtwirtschaftlichen Rückgang der Produktivität einhergehen. Nur zur Erinnerung.

Doch schon so sind die Produktivitätsfortschritte in der westlichen Welt seit Jahren rückläufig, wie hier schon mehrfach berichtet und diskutiert. Deshalb schwaches Wachstum, deshalb die Eiszeit und deshalb schlechte Aussichten für die Schuldner. Herauswachsen ist nicht.

Zunächst nochmals die Fakten am Beispiel der USA:

Quelle: BlackSummit Financial Group

Quelle: BlackSummit Financial Group

Und die USA sind nicht alleine:

Infografik / Arbeitsproduktivität

Quelle: F.A.Z.

Und dann die Einordnung durch die F.A.Z. Keine neuen Informationen aber eine gute Erinnerung:

  • „In den Vereinigten Staaten fällt die Arbeitsproduktivität. Im zweiten Quartal sank sie um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die Statistiker nun meldeten. Es war schon der dritte Rückgang in Folge.“
  • Ökonomen, Statistiker, Politiker und Notenbanker rätseln, wie die angebliche Innovationswelle und die Flaute der Produktivitätsstatistik zusammenpassen. Wenn die Produktivitätsentwicklung dauerhaft schwach bliebe, wäre das eine Bedrohung für den Wohlstand der westlichen Welt, zumal diese hoch verschuldet ist und dringend Wachstum benötigt.“ bto: Auf die Idee, dass es gerade auch mit den Schulden zu tun haben könnte, kommt niemand. Ich denke jedoch, es hat was miteinander zu tun. 
  • Eine Abschwächung gibt es auch in Deutschland. Hier wuchs die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität im Zeitraum 1995 bis 2005 noch um 1,8 Prozent jährlich, seitdem hat sich das Wachstum auf 0,8 Prozent mehr als halbiert (…).“ bto: woran auch der schwache Euro mit Schuld hat, es fehlt der Druck von früher, den die Schweizer noch haben! Mit der Migrationswelle werden wir auch bald negative Werte haben. Rein statistischer Effekt, der dennoch das signalisiert, was es ist: eine Minderung des Wohlstands!
  • Ein Grund für die Bremsung in Deutschland war, dass seit 2005 etwa 3 Millionen Arbeitslose wieder in die Wirtschaft integriert wurden (…). Die Arbeitsproduktivität der ehemaligen Hartz-IV-Bezieher, darunter viele Geringqualifizierte, ist niedrig; das drückt den Durchschnittswert. Auch in den Vereinigten Staaten hat die Wiedereingliederung von Millionen Arbeitslosen nach der Rezession vorübergehend das Produktivitätswachstum gedämpft.“ bto: Und dann kommt der Ruf nach Umverteilung, um das zu korrigieren! Und diese Umverteilung erhöht dann den Wohlstandsverlust direkt und indirekt weiter!
  • „Die Pessimisten in Amerika scharen sich um Robert Gordon. Der (…) Experte für Produktivitätsstudien von der Northwestern University glaubt, dass wir uns auf eine lange Phase niedriger Produktivität einstellen müssen. Das Wirtschaftswunder des 20. Jahrhunderts sei eine historisch einmalige Aufschwungphase gewesen, ermöglicht von Innovationen seit dem späten 19. Jahrhundert wie Elektrizität und Verbrennungsmotor, der Autos und Flugzeuge antreibt, und das Telefon.“ bto: Gordon hatten wir hier schon, einfach im Suchfeld eingeben. Sehr spannende Thesen.
  • Dagegen verblasse das Internet, (…) Facebook, Amazon oder Uber hätten keinen so großen Einfluss auf die Effizienz (…). Vor allem aber sieht Gordon einige schwere Gegenwind-Faktoren, namentlich die Alterung der Gesellschaft, die große Ungleichheit und Mängel im Bildungssystem für breite Teile der amerikanischen Bevölkerung. Daher seien die Vereinigten Staaten zu einer langen Phase schwachen Wachstums verdammt.“
  • Der 68 Jahre alte frühere Berkeley-Professor und heutige Google-Chefvolkswirt Hal Varian spricht deshalb von einem Innovationsparadox. Varian und andere Ökonomen wie Erik Brynjolfsson argumentieren, dass die offizielle Statistik das Wachstum und den Produktivitätsfortschritt schlicht nicht richtig zu messen verstehe.“ bto: Dummerweise können wir nur Einkommen zum Schuldendienst verwenden (…).
  • Es könnte sein, dass die Innovationskraft zwar intakt ist, dass es aber länger dauere, bis sich die Digitalisierung in der Breite durchsetze. (…) Das könnte auch jetzt wieder der Fall sein. Wir hätten, wie es Ökonom Martin Feldstein ausdrückt, kein Produktivitäts-, sondern ein Geduldsproblem.“ bto: Naja, bei den Schulden kann man auch ungeduldig werden.
  • Angesichts der Schuldenprobleme kann sich die westliche Welt bloßes Abwarten aber wohl nicht leisten. Die Politik müsse mehr tun, um das Wachstum zu stärken, fordert die amerikanische Notenbank. Mehr öffentliche Investitionen und eine Deregulierung der Wirtschaft könnten einen Wachstumsschub auslösen (…). Der deutsche Wirtschaftsweise Christoph Schmidt fordert bessere Rahmenbedingungen, damit Unternehmen investieren und Innovationen anstoßen. Zudem mahnen alle ein besseres Bildungswesen an. Denn schlecht ausgebildete Menschen werden in der neuen digitalisierten Wirtschaft kaum mitkommen.“

bto: weshalb auch Automatisierung und Bildung die Lösung ist und nicht Zuwanderung.

→ F.A.Z.: „Wie Amerikas sinkende Produktivität den Wohlstand gefährdet“, 8. September 2016

11 Kommentare
  1. Ulrike says:

    Eine weitere alternative Erklärung wäre, dass wir langsam die Grenzen des Wachstums erreicht haben. Es fehlen schlicht Rohstoffe für die weiteren Zuwächse. Peak Oil (konventionelles und billiges Öl) haben wir bereits ca 2005 erreicht, weitere Rohstoffe werden auch knapp. Jetzt steuern wir auch auf peak water und peak food zu (Erträge aus der Landwirtschaft trotz der Innovation stagnieren schon seit ca 2010). Diese Theorie vertreten vor allem Physiker wie z.B. dieser Professor hier: http://physics.ucsd.edu/do-the-math/

    Ps. Knappheit der Rohstoffe äussert sich nicht unbedingt nur in hohen Preisen sondern auch in starker Preisvolatilität (schnelle Boom & Bust Zyklen), die zeigen, dass das ganze System unter Druck ist.

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  2. Katalin says:

    Hallo,

    1. Das Land mit den größten Ressourcen ..
    2. Das Land mit der größten Einkommens- und Vermögensungleichheit…
    3. Der Durschnittsbürger ist der am wenigsten gebildete
    4. Am schlechtesten abgesicherte AN

    … der westlichen Welt.

    Warum wundert irgendjemanden das Produktivitätsproblem

    Die Nachfahren der Verfolgten die in die USA geflohen sind um der Diskriminierung und Ausbeutung zu entkommen sind selbst zu Ausbeutern geworden. Die Reichen in den USA könnten locker sowohl eine kostenloses Bildungssystem als auch Gesundheitssystem finanzieren
    ohne auf etwas verzichten zu müssen.

    Solange die USA den größten Binnemarkt der Welt hatten und der Rest der Welt entweder in Kriege verwickelt oder unterentwickelt war, gingen es den USA gut. Seit den 1950-er Jahren (da hatten die USA noch enorme LB-Überschüsse) verlieren sie ständing an Markanteilen in Europa, Asien und selbst in Inland sind sie nicht mehr konkurenzfähig.

    Es bestätigt sich hier die alte Regel:

    Ein Land, Gesellschaft, Demokratie usw. kann nur solange gut funktionieren (d.h. die Arbeitsfrüchte kommen der Mehrheit der Menschen zugute) solange einzelne Gruppen nicht zu mächtig geworden sind (es spielt keine Rolle wie, ob durch Kriege oder Wirtschaftssysteme) und diese Macht nutzen um noch reicher und mächtiger zu werden, bis sie am Ende auch alles verlieren.

    Ein kurzer Blick in die Geschichte reicht um das zu verstehen.

    Nichts anderes passiert gerade in China (Söhne und Töchter der KP) oder EU (wo einzelne Familienclans durch Großkonzerne, subventiniert durch die EU AN auf verschiedenen Wegen enorme Vermögen angehäuft haben und der Rest kämpft ums überleben.

    Die eigentlich interessante Frage ist, ob das Problem:

    1. In erster Linie die Schulden sind

    oder

    2. Durch Marktkonzentration und Beeinflussung im Sinne der wenigen Mächtigen entstandenen Vermögen und wir es deshalb lieber Guthabenkrise nennen sollten als Schuldenkrise.

    Denn die Antwort auf diese Frage gibt auch entscheidet darüber wer für die Krise zu bazahlen hat. Haben die Schulden die Vermögen ermöglicht oder mussten sich viele Leute verschulden (durch Politik unterstützt) damit einige wenige im enormen Luxus leben können.

    Gruß

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  3. SMS says:

    > bto: weshalb auch Automatisierung und Bildung die Lösung ist und nicht Zuwanderung.

    Das finde ich interessant, zumal die Aussage, dass wir keine Zuwanderung bräuchten, ja oft als populistisch bezeichnet wird. Rein statistisch ist die Zuwanderung natürlich schlecht für den Produktivitätszuwachs, das ist klar. Aber können wir wirklich unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten ohne qualifizierte(!) Zuwanderer?

    Schöne Grüße
    SMS

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  4. Nana Albert says:

    Hallo Katalin,
    aber das Wortteil „Trans“ … weist doch darauf hin, dass beide Seiten (nach Einladungsliste der Bilderberger eben welche mit Einfluss oder viel Kohle) an diesen (man muss es ja immer wieder betonen: geheimen!) Verhandlungen und Absprachen beteiligt sind. Und dass alle diese natürlich nur IHRE jeweiligen Vorteile im Sinn haben:

    „Was haben die „Herren der Welt“ den Regierungspolitikern zum persönlichen Vorteil versprochen, dass unsere politischen Vertreter eigenhändig die Verschiebung der Macht betreiben?
    Auf Kosten unserer Lebensqualität, unserer Rechtssicherheit, unseres Mitspracherechtes unserer Freiheit!
    Diese demokratisch gewählten Politiker betreiben zu unserem Erstaunen schon seit Jahren die Verschiebung der Macht weg von Staat und Gesellschaft – hin in die Chefetagen der großen Wirtschafts- und Finanz unternehmen.“ (Marianne Grimmenstein).

    Oder: Eine Forschergruppe um die Psychologin Anna Guinote vom University College London hat in vier Experimenten nachgewiesen: Je höher eine Person gestellt ist, desto weniger hilfsbereit und mitfühlend ist sie. Das bedeutet: Mit steigendem Sozialstatus nimmt die Sozialkompetenz ab.

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/psychologie-erwachsene-mit-niedrigem-status-helfen-eher/11239674-2.html

    Unterschätzen Sie das nicht! V.G. N. Albert

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