Uscitalia, so läuft er ab

Uscitalia wird uns begleiten, bis er stattfindet, oder aber bis Deutschland austritt und dem Leiden so ein Ende bereitet. Flossbach von Storch RESEARCH INSTITUT diskutiert nochmals die Szenarien:

  • „(…) es ist möglich, daß die neue italienische Regierung aus Lega und Fünf-Sterne zur Überwindung ihrer fiskalischen Probleme die Wiedergewinnung der geldpolitischen Souveränität in Angriff nimmt. Gemeint ist die Wiederherstellung der nationalen Möglichkeit zur monetären Staatsfinanzierung. Zurzeit übernimmt diese Aufgabe die EZB unter Mario Draghi mit ihren Anleihekaufprogrammen. Innerhalb der Europäischen Währungsunion ist den einzelnen Ländern die Möglichkeit zur monetären Staatsfinanzierung genommen.“ – bto: Bekanntlich denke ich, dass die EZB es auch machen wird, vergessen wir Regeln und Gesetze. Es geht um „die Sache“!
  • „Zwar wurde das Thema Parallelwährung bewußt im Frühjahr aus dem Wahlkampf herausgehalten, um die Wähler nicht zu verschrecken. Der von der Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung ursprünglich als Finanzmister vorgesehene, jetzige Europaminister Paolo Savona fordert aber bereits seit 2015 eine italienische Parallelwährung als Teil eines Planes B für den Fall, daß Italien gezwungen sein sollte, aus der Eurozone auszutreten.“ – bto: und zwar zu Recht! Nur so kann es funktionieren!
  • „In seinem Plan B, den Savona 2015 in einer 80-seitigen Präsentation vorgestellt hatte, führt der heutige Europaminister darüber hinaus aus, daß es bei Austritt aus dem Euro und der Einführung einer neuen Währung möglich sei, 98 Prozent der italienischen Staatsanleihen in die neue Währung zu denominieren, weil diese unter italienischem Recht emittiert worden seien. Diese Denominierung von Euro- Staatsschulden in Neue-Lira-Staatsschulden würde – so Savona – einen neutralen Effekt auf die heimischen Investoren haben, was sicherlich mehr als fraglich ist.“ – bto: Am Ende wird niemand in Italien einmarschieren, also stimmt es. Hier der Link zu der Präsentation: → Il “Piano B per l’Italia” nella sua interezza !
  • „(…) die Annahme von Savona aus dem Jahr 2015, daß 98 Prozent der italienischen Staatsanleihen nach italienischem Recht emittiert worden seien und deshalb denominiert werden könnten, bereits im Jahr 2015 nicht richtig sein. Denn seit Januar 2013 werden alle Staatsanleihen im Euroraum nach Artikel 12 Abs. 3 ESM-Vertrag mit einer sogenannten Collective Action Clause (CAC) emittiert, durch welche die Anleihebedingungen nur durch die Zustimmung einer Mehrheit der Gläubiger verändert werden können und nicht einseitig durch den emittierenden Schuldnerstaat. Der Anteil der BTPs mit CAC hat sich seit 2013 kontinuierlich erhöht. Während Anfang 2017 der Anteil der BTPs nach italienischem Recht noch höher war als der Anteil der BTPs mit CAC, hat sich dieses Verhältnis seitdem bereits deutlich umgedreht.“ – bto: FvS hat hier natürlich recht. Aber es ist theoretisch. Im kommenden Prozess werden Regeln nicht gehalten werden. Und zwar von allen Seiten. Die naiven Deutschen werden dabei – fürchte ich – schlecht wegkommen.
  • „Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, daß die neue italienische Regierung direkt und absichtlich den Austritt aus der Eurozone anstrebt. Alle offiziellen Verlautbarungen beteuern nicht zufällig, daß Italien den Euro beibehalten und lediglich die Verschuldungsregeln im Euroraum ändern wolle. Gleichzeitig dürfte jedoch die Wahrscheinlichkeit und Versuchung steigen, daß die neue italienische Regierung das Instrument einer Parallelwährung zur Gewinnung zusätzlicher fiskalischer Spielräume nutzen könnte. Mehr als auffällig ist, daß die Frage einer Parallelwährung in Form sogenannter mini-BOTs in den letzten Wochen wieder in die italienische und europäische Öffentlichkeit getragen worden ist.“ – bto: Italien braucht einen Plan B. Natürlich wäre es noch besser, wenn wir vorher zahlen und dann steigen die aus.
  • „Sollte es zum Staatsbankrott kommen, würde zwar nicht das Geld verschwinden, falls mini-BOTS als Euro-Ersatz vorhanden wären. Italienische Anleger halten aber die meisten BTPs und hätten große Verluste aus den „Euro-BTPs“, weil diese aufgrund des Staatsbankrotts nicht mehr bedient werden könnten. Der italienische Staat könnte zwar bei einem Default seinen inländischen Gläubigern mini-BOTS als Kompensation anbieten, so daß man faktisch redenominiert, indem man versucht, die heimischen Euro-BTPs durch mini-BOTS zu ersetzen. Die alten Bonds wären aber trotzdem in default, was erhebliche Folgen für die Finanzmärkte haben dürfte.“ – bto: Wenn Italien austritt und Pleite erklärt, ist das eines der geringsten Probleme für die Finanzmärkte! Siehe meine Beiträge zu den Szenarien des Eurozerfalls.
  • „Da die EZB für sich selbst die Pflicht definiert hat, den Euroraum „whatever it takes“ zusammenzuhalten, dürfte sie, wenn es hart auf hart kommt, wohl wieder Mittel und Wege finden, Italien durch vermehrte monetäre Staatsfinanzierung über Wasser zu halten, um so vielleicht die Einführung einer Parallelwährung zu verhindern.“ – bto: Natürlich wird sie das tun. Wir haben es mit einer staatlich organisierten Konkursverschleppung zu tun! Da ist alles denkbar!
  • Denn aus der Einführung einer Parallelwährung könnte schnell das ungeregelte Auseinanderbrechen der Eurozone oder zumindest das „Heraus-Crashen“ Italiens aus dem Euro entstehen, zumal kein geregeltes Verfahren für den Austritt aus dem Euro existiert.“ – bto: Das Erpressungspotenzial Italiens ist gigantisch!
  • Käme es zum Staatsbankrott, dann wären die Folgen erheblich: „Inwieweit die Euroschulden dann überhaupt weiterhin bedient werden oder bedient werden können oder ob die Gläubiger leer ausgehen, dürfte offen sein. (bto: Nein, das ist nicht „offen“, das ist klar.) Und würden die Target-Verbindlichkeiten beglichen werden? (bto: natürlich nicht!) Und könnte die restliche Eurozone dann überhaupt zusammengehalten werden (bto: nein) oder würde eine panikartige Flucht des Rette-sich-wer-kann einsetzen?“ – bto: Es wäre Schluss.
  • „Dieses nur angedeutete Szenario, in welchem die Eurozone ungeordnet Mitglieder verliert und dadurch womöglich auseinanderbricht, wollen die Regierungen der Euroländer, die EU-Kommission und die EZB auf jeden Fall verhindern. Deshalb werden sie letztlich zu weitreichenden Zugeständnissen an Italien bereit sein, woraus folgt, daß die weitere Lirarisierung des Euro vorprogrammiert ist.“ – bto: Und am Ende zerfällt der Euro dennoch!

Fazit: „Auf Dauer werden aber auch diese neuen abzusehenden Rettungsaktionen den Euro nicht retten. Wünschenswert wäre, aber unwahrscheinlich ist, daß aus dieser Lage der politische Wille erwächst, ein geregeltes Austrittsverfahren aus dem Euro zu entwickeln. Da jedoch in absehbarer Zeit kein geordnetes Austrittsverfahren aus dem Euro existieren wird, steigt die Gefahr eines ungeordneten Auseinanderbrechens der Eurozone weiter an. Alle Euroländer und nicht nur Italien sollten für diesen Fall Notfall- und Übergangsszenarien in den Schubladen haben.“ – bto: Alle, außer den naiven Deutschen werden es haben. Unternehmen und Privathaushalte müssen dringend auch vorsorgen.

→ fvs-ri.com: „Italien hat nun doch eine neue Regierung“, 8. Juni 2018

47 Kommentare
  1. Lenz sagte:

    Somit stellt sich die Frage: Einfach fast alles Vermögen in 2-5 jährige US-Staatsanleihen umschichten? Nicht toll, aber sicherer und wohl reale Währungsgewinne (gerne auch etwas Kanada, Australien, … Asien durchblicke ich überhaupt nicht)?

    Das Thema „target2“ hatten die Fed ja schon vor 100(?) Jahren mit dem Ausgleich gelöst, bzgl. „Reife“ des Finanzmarktes ist die EU einfach ein lernbehinderter Kindergarten, wobei Kinder manch Mechanismus besser begreifen.

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      • Lenz sagte:

        Danke, dann habe ich Prof. Sinn wohl richtig verstanden, aber er hat es vielleicht nicht richtig dargestellt/verstanden. Das ganze ist überhaupt nicht mein Beruf, als Freiberufler versuche ich einen Verlust meiner Ersparnisse zu vermeiden und suche nach Lösungen.

        Warum I & GR nicht mit dem Euro leben können, habe ich nie verstanden, München / Görlitz / Leer können auch mit einer Währung leben. Das Problem waren doch die absurden hohen Kredite zu viel zu niedrigen Zinsen, hätte hier der Markt funktioniert, wären in der Folge wohl nie Löhne so absurd gestiegen. Aber zurück:

        Ich würde als Deutschland einfach eine harte Mark als Zweitwährung einführen, dass wäre Freiheit für die anderen Länder und hier sehe ich ein Risiko für Bundesanleihen. Recht wird heute ja „flexibel“ gehandhabt, was, wenn die Regierung einfach sagt: Ab morgen D-Mark2 unsere Schulden bleiben in Euro notiert, den „Gewinn“ verrechnen wir mit ausgefallenen target2 Forderungen und kommen so mit einem blauen Auge davon.

        Dazu kommt es laut Dr. Krall ja noch zu Firmen und damit auch Bankpleiten. Berlin drückt dann jedem eine vorrangige 50% Hypothek ins Grundbuch (2% Tilgung 50 Jahre 0% Zinsen). Da damit Banken „gerettet“ werden, meckern die dann auch nicht über ihre dann schlechtere Stellung im Grundbuch. Rein sozialistisch zahlen die Paläste mehr als die kleinen, wäre also „voll gerecht“. Da über die Grundsteuer A / B erfasst ist, was privat ist, kann man sogar Firmen wegen der Arbeitsplätze ausnehmen.

    • Thomas sagte:

      Das Thema hatte ich gerade selber. Alle folgenden Angaben ohne Gewähr.

      Problem, neulich schon einmal geschrieben: Es gibt kaum ETF/Fonds für kurzlaufende Staatsanleihen. (Vermutlich weil sie nach Abzug der Gebühren kaum was abwerfen würden.) Was hier *halbwegs* noch klappt bzgl. der Laufzeit, aber schon relativ lang ist: US-Dollar, 1-3 Jahre (ishares) und Britisches Pfund, 1-5 Jahre (SPDR).

      Asien: Japan-Yen ist zwar auch Reservewährung / Teil des SDR-Basket, aber da gibt es kurzlaufend nur Negativzinsen und keinerlei ETF. China Renminbi-Staatsanleihen: Da kann man m.W. gar nicht vernünftig drin investieren.

      Alle anderen asiatischen Währungen sind noch deutlich spekulativer. Aber hierzu gibt es z.B. von ishares einen ETF, der in Staatsanleihen in nationalen Währungen anlegt und einen größeren Teil Anleihen aus Süd-Korea beinhaltet. Das war zumindest die letzten paar Jahre keine verrückte Sache; allerdings mal schauen, was nun aufgrund der steigenden Zinsen und Stress auf Emerging Markets mittelfristig passiert.

      Kanada/Australien: Hierzu gibt es zwar keine vernünftigen (transparenten) Fonds/ETF m.W. Aber da kann man zumindest direkt die kurzlaufenden und noch positiv verzinsten Anleihen erwerben.

      Generell: „fast alles Vermögen“ umschichten ist sicher selten eine gute Idee. Wer weiß schon, wo der Dollar sich noch hin entwickelt. Aktuell klettert auch der Euro seit einigen Wochen wieder hoch – wo’s langfristig hingeht: Who knows?! Es gibt ja auch den Trend zur De-Dollarization, was z.B. den Wert des Dollars langfristig senken könnte.

      Ergänzungen/Korrekturen willkommen…

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  2. SB sagte:

    „Dieses nur angedeutete Szenario, in welchem die Eurozone ungeordnet Mitglieder verliert und dadurch womöglich auseinanderbricht, wollen die Regierungen der Euroländer, die EU-Kommission und die EZB auf jeden Fall verhindern. Deshalb werden sie letztlich zu weitreichenden Zugeständnissen an Italien bereit sein, woraus folgt, daß die weitere ‚Lirarisierung‘ des Euro vorprogrammiert ist.“

    Die Staatsfinanzierung durch die EZB allein nutzt Italien auf Dauer auch nichts. IT wird damit quasi zum Dauersozialleistungsempfänger. Jeder weiß, was das für den Betreffenden bedeutet: Lethargie in Armut. Das Land benötigt deshalb einen Wahrungsmechanismus, der es ihm ermöglicht, wirtschaftlich wieder halbwegs voranzukommen. Im Euro wird dies nicht gelingen. Den Beweis dafür hat die Vergangenheit hinlänglich erbracht.

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  3. Michael Stöcker sagte:

    Dazu passend die Sicht von Ashoka Mody: https://www.independent.co.uk/news/business/comment/italy-new-recession-eurozone-china-ashoka-mody-european-central-bank-a8430486.html

    „Und würden die Target-Verbindlichkeiten beglichen werden?“

    Da es sich nicht um Verbindlichkeiten handelt, müssen sie auch nicht „beglichen“ werden. Wir haben es selber in der Hand, ob sich die TARGET-Salden wieder zurück bilden oder aber nicht. Voraussetzung hierfür ist eine grundsätzliche Umkehrung der deutschen Leistungsbilanz. Dies kann durch weniger Exporte und/oder mehr Importe geschehen.

    LG Michael Stöcker

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    • SB sagte:

      @Michael Stöcker: “ Wir haben es selber in der Hand, ob sich die TARGET-Salden wieder zurück bilden oder aber nicht.“

      Das ist richtig. Allerdings wollen „wir“ – also die deutsche Politik – das Problem nicht in die Hand nehmen. Es müssen also wieder einmal andere ran, z.B. Trump. Mit den entsprechenden (gewünschten) Folgen im Verhältnis D-USA. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutschland-exporte-in-die-usa-sinken-deutlich-a-1217359.html
      Im Euro-Raum bleibt der Missstand dagegen bestehen, denn hier gibt es niemanden, der sich trauen würde, D in Trump-Manier anzugehen. Das ist allerdings auch nicht nötig, da ja auf Kredit importiert wird. So gesehen sind die Forderungen doch großteils wertlos.

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      • Johannes sagte:

        HK: „Richtig! Target2-Salden sind eine Statistik!“

        Da bin ich dezidiert anderer Auffassung – Target2-Salden sind Schulden (so sie ein Minusvorzeichen haben)!

        https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/target-salden-eine-million-euro-schulden-pro-minute-fuer-deutschland/

        „Es steht nämlich in den Verträgen zur EZB-Gründung, dass ein Land im Falle seines Ausscheidens aus dem Euro diesen Saldo ausgleichen muss. Daran sind mehrere Dinge überraschend: Erstens, dass die Verträge entgegen dem dauernd wiederholten Mantra aus Brüssel, Frankfurt und Berlin die Möglichkeit eines Ausscheidens eben doch vorsehen. Es ist also möglich. Es muss wohl auch vertragskonform sein, sonst stünde es ja nicht da.

        Zweitens, dass es sich offensichtlich doch um Schulden handelt, denn wenn es keine wären, müsste ja auch kein Ausgleich erfolgen. Nicht dass sich unser geldpolitisches Zentralkomitee nicht sowieso dauernd widerspricht, aber für die Nachwelt möchte ich diese spezielle ocntradictio in adjectu nur mal hier festgehalten haben.“

        Und es lohnt ein Blick hierhin (seite 131 unten):

        https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/ecbhistoryrolefunctions2006de.pdf?00712927c5d4a22edf4b92cfe048af1f

        Die Berechung der monetären Einkünfte der NZBen erfolgt, indem gesondert
        erfasste Aktiva mit monetären Verbindlichkeiten gegengerechnet und die Einkünfte bemessen werden, die aus derartigen Aktiva im Einklang mit den vom EZB-Rat festgelegten Regelungen erwachsen.25 Zu den gesondert zu erfassenden Aktiva gehören auch solche, die von den geldpolitischen Operationen des Eurosystems direkt betroffen sind;26 auch ein bestimmter Goldbetrag kann gesondert erfasst werden. Die aus diesen Aktiva erwachsenden Einkünfte werden von den NZBen zusammengeführt, und zwar nach Abzug der für Einlagen der Kreditinstitute gezahlten Zinsen, der Zinsen für Intra-Eurosystem-Verbindlichkeiten des Eurosystems (die Ersatz für die monetären Verbindlichkeiten sind) und gegebenenfalls der spezifischen Verluste, die aus den im Namen des Eurosystems von einer NZB
        durchgeführten währungspolitischen Operationen folgen können.

        26
        Dies sind Kredite an Kreditinstitute und Nettoforderungen an sonstige Nationalbanken teilnehmender Mitgliedstaaten, die sich infolge der grenzüberschreitenden Geldübertragungen via TARGET ergeben und aus den Vereinbarungen zur Verteilung des Banknotenumlaufs auf die Zentralbanken des Eurosystems.

        Hierzu korrespondierend (Seite 19):

        https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/ecbinstitutionalprovisions2004de.pdf?1ea0df766ef46382c09cb700f0406529

        Verteilung der monetären Einkünfte der nationalen Zentralbanken
        32.1.
        Die Einkünfte, die den nationalen Zentralbanken aus der Erfüllung der währungspolitischen Aufgaben des ESZB zufließen (im Folgenden als ,,monetäre Einkünfte“ bezeichnet), werden am Ende eines jeden Geschäftsjahres nach diesem Artikel verteilt.
        32.2.
        Vorbehaltlich des Artikels 32.3 entspricht der Betrag der monetären Einkünf-
        te einer jeden nationalen Zentralbank ihren jährlichen Einkünften aus Vermögenswerten, die sie als Gegenposten zum Bargeldumlauf und zu ihren Verbindlichkeiten aus Einlagen der Kreditinstitute hält. Diese Vermögenswerte werden von den nationalen Zentralbanken gemäß den vom EZB-Rat zu erlassenden Richtlinien gesondert erfasst.
        32.3.
        Wenn nach dem Übergang zur dritten Stufe die Bilanzstrukturen der nationa-
        len Zentralbanken nach Auffassung des EZB-Rates die Anwendung des Artikels 32.2 nicht gestatten, kann der EZB-Rat mit qualifizierter Mehrheit beschließen, dass die monetären Einkünfte für einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren abweichend von Artikel 32.2 nach einem anderen Verfahren bemessen werden.

        Übrigens: Sollte H.W. Sinn sich so sehr mit seinem Buch zu Target2 – Problematik getäuscht haben? Ich denke nicht.

  4. Michael Stöcker sagte:

    „Unternehmen und Privathaushalte müssen dringend auch vorsorgen.“

    Das geht aber nur im Zusammenspiel mit staatlichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Demographie. Die schwarze Null im Haushalt ist eine der größten Dummheiten mit katastrophalen Folgen für die Zukunft. Was wir wirklich benötigen, das ist eine schwarze Null in der Leistungsbilanz: https://zinsfehler.com/2016/12/01/das-kollektive-versagen/

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • SB sagte:

      @Michael Stöcker: „Das geht aber nur im Zusammenspiel mit staatlichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Demographie.“

      Geld ist auch mit der schwarzen Null mehr als genug da (nur nicht bei denen, die es erarbeiten und für die Altersvorsorge sparen). Und das Geld wird auch heftig „investiert“. Allerdings nur in einen der von Ihnen genannten Bereiche: die Demographie. Deshalb bleibt für die beiden anderen Bereiche schlicht nichts Nennenswertes mehr übrig. Und selbst die „Investition“ in diese Art der demographischen Entwicklung, stellt sich bei genauer Betrachtung nur als Konsum heraus.

      Antworten
      • Michael Stöcker sagte:

        „Und selbst die „Investition“ in diese Art der demographischen Entwicklung, stellt sich bei genauer Betrachtung nur als Konsum heraus.“

        Ich weiß ja nicht, welche „Investitionen“ Ihnen hier vorschweben. Ich rede jedenfalls nicht von desaströser Zuwanderung, sondern aktiver Familienpolitik, die nicht vom Bildungsstand und Geldbeutel der Eltern abhängt. Kostenlose Kitas, Schulen, Schulbücher, Schulausflüge, bezuschusste Mietwohnungen ab dem 3. Kind etc. (Sachleistungen und weniger Geldleistungen). Kindergeld lediglich in Höhe der Kosten für Kleidung und Ernährung.

        LG Michael Stöcker

      • SB sagte:

        @Michael Stöcker:

        Ich habe nur den politischen Ist–Zustand beschrieben (beschreiben wollen), nicht das Sie davon reden. Ihre Vorschläge finde ich brauchbar, wobei ich der Meinung bin, dass das Bildungswohl und folglich die Chancen auf eine erfolgreiche eigene Lebensführung in erster Linie vom Engagement des Elternhauses abhängen. Die Gesellschaft kann diesen Faktor nicht durch institutionalisierte Hilfe ersetzen.

  5. hubi stendahl sagte:

    Schon bei der Einführung des Euros war nicht nur Hankel und seinen Mitstreitern klar, dass diese Währung nicht funktionieren kann. Auch Target, das erst ein Jahrzehnt später flächendeckend bekannt wurde und von Sinn als seine Entdeckung verkauft wurde, war in Bankenkreisen hinsichtlich der Wirkungen längst bekannt. Ich bin als ehemaliger Mitarbeiter hierbei Zeitzeuge und sehe heute noch meine damaligen Vorstände lächelnd vor den Geldautomaten stehen, während sie intern das Scheitern besprachen..

    Was macht uns also so sicher, dass nicht von Anbeginn die Agenda eine politische war und die Zentralisierung der Staaten in eine entdemokratisierte Brüsseler Konzernstruktur als Bundesländer das Endziel war und ist? Danach läuft doch hinsichtlich der notwendigen Destabilisierung der Staaten über das Werkzeug „Geld“ und mit der Flutung von nicht einsetzbaren Migranten zur Demontage der Sozialsysteme und Stärkung der Konzerne alles nach Plan.

    Auch Italien wird umfallen, sobald das „richtige“ Angebot auf dem Tisch liegt, um den Wählern einen Erfolg verkaufen zu können.

    Betrachten wir die derzeitige Sachlage als Ganzes, dann erkennt man m.E., dass der Euro geplant in den Untergang gebracht wird, sobald die Abhängigkeit der Staaten so groß ist, dass sie sich nicht mehr aus eigener Kraft lösen können.

    Einzig der „Betriebsunfall Trump“, der eine für den jesuitischen Traum kontraproduktive nationale Politik zur Rettung des einstigen elitären “ Flugzeugträgers der Konzerne – USA“ als geistiger Abgesandter der Tea-Party, steht hierfür im Weg und wird mit einer ausgeklügelten Strategie von Woche zu Woche präsenter und erfolgreicher.

    In der globalisierten Gemengelage können wir ein einzelnes Schuldnerland wie Italien nicht mehr extern analysieren. Das wäre so, als würde man die Bilanz einer Tochtergesellschaft hinsichtlich der Liquiditätsgrade untersuchen und die Muttergesellschaft achtlos lassen.

    Hier geht es um alles oder nichts. Es geht um eine neue Weltordnung mit Nationalstaaten und libertärer Marktpolitik a la Tea-Party, derzeit erkennbar in Trumps Politik oder zentralisierter neomarxistischer Doktrin nach jesuitischer Art, zur Steuerung der Welt. im ersten Fall unter Anschluss weiter Teile Europas in Form von Nationalstaaten an die kommende Seidenstraße, im zweiten unter Zerstörung der Nationalstaaten im Chaos, um ein zentralisiertes Konzernkonstrukt als Zwischenschritt zu einer UN reformierten Weltregierung zu kommen (Ordo ab chao). Dabei spielt Italien trotz des vierthöchsten Schuldenstands nur eine untergeordnete Rolle, mit einer derzeitigen Hinwendung zur Trump – Politik, wie die meisten Balkanstaaten.

    Wer weiß es besser als Herr Stelter. Fiat-Geld ist immer nur Ausdruck von Macht. Mit Wert hat es nichts zu tun, eher mit Illusion und Glauben. Eine Illusion, der alle Volkswirte aufgesessen sind, weil sie nichts anderes gelernt haben.

    Antworten
  6. Johannes sagte:

    Die EZB wird alles dransetzen, Italien im Euro zu halten. Und falls, nur falls, der eine oder andere Verantwortliche in der EZB noch Zweifel hatte, wie diese Haltung bei der aktuellen Bundesregierung „ankommt“, der weiß seit kurzem, dass zwischen EZB und Bundesregierung nur wenig bis gar kein Papier passt.

    „Merkels Regierung stellt sich gegen Karlsruhe und an die Seite der EZB“

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/kauf-von-staatsanleihen-regierung-an-der-seite-der-ezb-15676671.html

    Immerhin konstatiert die FAZ „Merkels Regierung“ und personalisiert/fokussiert damit den Urheber der Haltung der deutschen Bundesregierung. Die politische Bruchlinie in Deutschland wird durch den Sachvortrag der Bundesregierung vor dem EUGH immer deutlicher. Die „Merkel-Regierung“ arbeitet an der „Abschaffung“ der Souveränität Deutschland mit Hochdruck.

    Aus dem Artikel:

    „Er hofft, dass die Richter der EZB engere Fesseln anlegen. Der Marburger Juraprofessor Horn fordert das ebenso. „Die Selbstherrlichkeit, mit der die EZB sich von den Verträgen wegbewegt hat und weit in die Wirtschaftspolitik eingreift, muss beendet und begrenzt werden – aus demokratischen Gründen“, sagt er.“

    Mein persönliches Fazit: „Demokratische Gründe“ … für die Regierung von Frau Merkel, die nunmehr offen die EZB unterstützt, sind diese „demokratischen Gründe“ offenkundig Relikte einer vergangen Zeit, die zu achten nicht mehr lohnt.

    Antworten
  7. Dietmar Tischer sagte:

    Ich versuche, eine Systematik in die Diskussion zu bringen.

    Die neue italienische Regierung ist mir Versprechungen gewählt worden, die einen ZUSÄTZLICHEN staatlichen Finanzierungsbedarf von ca. 100 Mrd. EUR pro Jahr erfordern.

    Die Regierung muss liefern, um nicht als Versager dazustehen und aus dem Amt gejagt zu werden.

    Welche Möglichkeiten bestehen für die zusätzliche Finanzierung?

    Steuermehreinnahmen durch Wachstum fällt aus, wie der von M. Stöcker verlinkte Ashoka Mody überzeugend darlegt.

    Eine durch die EU erlaubte deutlich Überschreitung der Defizitkriterien wird es nicht geben. Selbst wenn es sie gäbe, würden die Märkte den italienischen Staat nicht zu akzeptablen Konditionen finanzieren. Es würde auf die Insolvenz Italiens hinauslaufen.

    Die EZB wird nicht durch GEZIELTE Anleihenkäufe die zusätzliche Finanzierung sichern. Sie kann es nicht, weil sie QE auslaufen lassen muss mit Blick auf die GESAMTE Eurozone und weil es eine Quotenregelung gibt, die nicht für Italien aufgegeben werden kann. Etwas ganz anderes und mit der Finanzierung nicht zu vermischendes ist, dass die EZB ganz anders handeln wird, wenn die Eurozone VOR dem ZERFALL steht.

    Bleibt der ESM, der WEGEN der sich ändernden Geldpolitik und damit wachsenden Risiken zu einem KRISENINSTRUMENT umgeformt wird, das wohl auch ohne die harten Regeln des „Rettungsschirms“ eingesetzt werden kann. Darauf kann die italienische Regierung setzen, wobei offen ist, ob z. B. deutsche Parlamentarier die Kreditgewährung durchwinken würden, wenn Italien sich weigert, uns u. a. beim Problem der Sekundärimmigration entgegenzukommen.

    Eine einseitige, rechtlich nicht angreifbare Finanzierung des höheren staatlichen Finanzbedarfs ist mit einer Parallelwährung möglich. Wir hatten das Thema hier schon, deshalb nur noch Bemerkungen zu dem, was FvS sagt:

    >„Sollte es zum Staatsbankrott kommen, würde zwar nicht das Geld verschwinden, falls mini-BOTS als Euro-Ersatz vorhanden wären. Italienische Anleger halten aber die meisten BTPs und hätten große Verluste aus den „Euro-BTPs“, weil diese aufgrund des Staatsbankrotts nicht mehr bedient werden könnten. Der italienische Staat könnte zwar bei einem Default seinen inländischen Gläubigern mini-BOTS als Kompensation anbieten, so daß man faktisch redenominiert, indem man versucht, die heimischen Euro-BTPs durch mini-BOTS zu ersetzen. Die alten Bonds wären aber trotzdem ‚in default‘, was erhebliche Folgen für die Finanzmärkte haben dürfte.“ >

    Das ist m. A. n. schlüssig, weil die POLITISCHEN Folgen in Italien ein SCHOCK für die Eurozone wären, der selbstverständlich die Finanzmärkte erheblich beeinflussen würde.

    Insofern halte ich die folgende Aussage für falsch:

    >bto: Wenn Italien austritt und Pleite erklärt, ist das eines der geringsten Probleme für die Finanzmärkte!>

    Etwas anderes ist es, wenn die Eurostaaten und die EZB diese Pleite verhindern würde wie etwa im Fall Griechenlands 2015. Ob das überhaupt gelingen könnte, ist mehr als fraglich bei dem Volumen der italienischen Schulden.

    Es spielt aber keine Rolle für die Diskussion, weil FvS den Fall eines Staatsbankrotts annimmt, OHNE dass willentlich darauf zugesteuert wird.

    Dr. Stelter sollte ihn auch annehmen oder sagen, dass er seiner Meinung nach nicht eintreten wird und damit die Annahme irrelevant ist.

    FvS:

    >„Da die EZB für sich selbst die Pflicht definiert hat, den Euroraum „whatever it takes“ zusammenzuhalten, dürfte sie, wenn es hart auf hart kommt, wohl wieder Mittel und Wege finden, Italien durch vermehrte monetäre Staatsfinanzierung über Wasser zu halten, um so vielleicht die Einführung einer Parallelwährung zu verhindern.“ >

    Das ist m. A. n. falsch.

    Die EZB kann nicht PRÄVENTIV handeln, um die Einführung einer Parallelwährung zu verhindern. Siehe oben.

    Wenn das jemand kann, ist es der ESM wie dargelegt. Denn würde er hinreichend finanzieren, bräuchte es keine Parallelwährung.

    Damit sind aber Hürden verbunden, das geht nicht so wie „Whatever it takes …“

    Denn, wie oben schon angedeutet, handelt der ESM erst nach politischer Willensbildung, was bei präventiven Maßnahmen nicht selbstverständlich ist, weil damit STANDARDS gesetzt werden, auf die sich andere dann berufen können bzw. RISIKEN neu verteilt werden – mit Nachteilen z. B. für Deutschland.

    FvS:

    >Käme es zum Staatsbankrott, dann wären die Folgen erheblich: „Inwieweit die Euroschulden dann überhaupt weiterhin bedient werden oder bedient werden können oder ob die Gläubiger leer ausgehen, dürfte offen sein.>

    Dr. Stelter:

    >(bto: Nein, das ist nicht „offen“, das ist klar). Und würden die Target-Verbindlichkeiten beglichen werden? (bto:natürlich nicht!) Und könnte die restliche Eurozone dann überhaupt zusammengehalten werden (bto: nein) oder würde eine panikartige Flucht des Rette-sich-wer-kann einsetzen?“ – bto: Es wäre Schluss.

    Ich verstehe hier Dr. Stelter nicht.

    Wenn es im Fall eines Staatsbankrotts und eines Zerfalls der Eurozone käme und des somit Schluss wäre, dann ist ZUMINDEST offen, inwieweit Euroschulden weiterhin bedient werden.

    WER bedient bitte noch die Schulden, wenn mit dem ZERFALL der Eurozone eine EZB ohne MANDAT dasteht?

    Im Falle eines Staatsbankrotts Italiens und einem Zerfall der Eurozone ist ALLES anders.

    Ich halte daher den Verweis auf irgendein GEMEINSCHAFTLICHES Ordnungs- oder Regelverhalten für reine Spekulation.

    Antworten
  8. Zweifler sagte:

    „Mehr als auffällig ist, daß die Frage einer Parallelwährung in Form sogenannter mini-BOTs in den letzten Wochen wieder in die italienische und europäische Öffentlichkeit getragen worden ist.“

    Hier in Italien redet derzeit niemand ernsthaft über Minibots, weder die Politik, noch die Wirtschaft, noch die Medien, noch die Straße. Ist die Parallelwährung etwa ein Wunschgedanke mancher nichtitalienischer EU-Bürger? Ähnlich dem Italexit, der ebenfalls in Italien kein Thema ist?

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Zweifler

      Ich glaube Ihnen, dass in Italien niemand den Italexit will und dass niemand ernsthaft über Minibots redet.

      Bei einem ZUSÄTZLICHEN Finanzierungsbedarf von ehemals programmatischen 100 Mrd. Euro pro Jahr – sicher schon runtergekocht, aber immer noch immens hoch – wird die aufgeweckte italienische Öffentlichkeit doch wohl darüber reden, WOHER diese Summe kommen soll.

      Vielleicht können Sie uns darüber informieren, ich bin jedenfalls gespannt, etwas über die Vorstellungen zu erfahren.

      Antworten
      • Zweifler sagte:

        @Dietmar Tischer

        Jedenfalls rudert man derzeit an allen Fronten zurück. Anstatt die Renten, wie versprochen, zu verbessern, wird jetzt über einen „Solidaritätsbeitrag“(=Steuererhöhung) nachgedacht, die versprochenen Steuersenkungen, sowie das bedingungslose Grundeinkommen werden relativiert und in die Zukunft verschoben. Es scheint, als sei man, auch angesichts Wachstumsprognosen, wieder in der Realität angekommen.

  9. RW sagte:

    Wenn der Euro egal aus welchem Grund (Austritt von Italien oder Austritt von Deutschland etc.) platzt, wird meines Erachtens auch die EU platzen. Die Fliehkräfte im Falle eines Eurozerfalls werden nämlich alle europäischen Institutionen mit sich in den Abgrund reißen. Der Zerfall der EU, an dem die Osteuropäer, insbesondere Polen und Ungarn, schon handfest arbeiten, wäre dann nicht mehr aufzuhalten. Dann sind wir wieder am Vorabend des 1. Weltkriegs oder noch weiter zurück am Vorabend des Wiener Kongresses.

    Die mit einem Eurozerfall verbundenen Kollateralschäden wären gigantisch und würden in jedem Lebensbereich irreparable Schäden hinterlassen. Was wird aus den Sozialversicherungssystemen, was wird aus der privaten Altersvorsorge etc.? Die Folgen der Digitalisierung kommen noch oben drauf. Was dann? Die Renaissance der Maschinenstürmer? Oder kommt dann Mad Max?

    Antworten
  10. Alexander sagte:

    Das Handelsblatt schreibt, dass von 1 Euro Anleihekäufe 30 Cent auf Target2 entfallen, davon wiederum 20 Cent als Forderung der Bundesbank an die EZB.
    https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/target-2-saldo-die-billionen-forderung-der-bundesbank-und-was-sie-bedeutet/22774218.html?ticket=ST-3682731-CJ9NXwVvoAoQiyN9NBjy-ap2

    – das Geld für Target2 entsteht aus Anleihen und nicht – aus dem Nichts.
    – es entstehen Forderungen & Verbindlichkeiten
    – es herrscht das gesetzliche Saldierungsverbot.

    Fällt die Eurozone auseinander, sinkt das Eigenkapital der Bundesbank für längere Zeit ins Negative (Handelsblatt).

    Die BRD ist auf absehbare Zeit nicht fähig ihr Geschäftsmodell zu ändern, denn die Finanzierungen für die frisch geschaffene Exportkapazität laufen ebenso, wie die der dort beschäftigen Häuslebauer.
    Man kann das nicht sachte umsteuern, denn kluge Investoren hätten sich erst gar nicht verführen lassen, wie es die Regierung unter Kohl/Waigel empfohlen hat!

    Vorsorgen kann niemand, erst recht niemand der sich für den Traum von eigenen Haus verschuldet hat; oder andersherum wie viele Monate Einkommensausfall soll ein Schuldner überbrücken können? Genügen 2 Monate und danach ist wieder alles gut in der Eurozone, ober besser für 2 Jahre? Seit bekannt werden des Abgasskandals sind nun mehr als 2 Jahre vergangen und die dt. Autoindustrie steuert in einen Herbst in Kurzarbeit…Vorsorge?

    OB ist beim Euro keine Frage mehr, nur noch WANN.
    Die Anleihekäufe müssen allein wegen der target2 Geschichte ewig weitergehen!

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Alexander

      Ich will die ewige Tartget2-Debatte nicht anheizen, sondern nur bemerken, dass m. A. n. der von Ihnen verlinkte HB-Artikel zutreffend ist in seinen Beschreibungen von Sachverhalten und den KONSEQUENZEN daraus:

      Es ist abwegig, mit den Target2-Saldon irgendwelche Forderungen, also geltend zu machende ZAHLUNGSANSPRÜCHE einer Notenbank an andere zu verbinden, SOLANGE es die Eurozone und die EZB als VERBUND von nationalen Zentralbanken gibt.

      Es ist ebenso abwegig, mit den Target2-Salenden irgendwelche geltend zu machenden Forderungen zu verbinden, WENN es die Eurozone und den Verbund der Zentralbanken NICHT mehr GIBT. Denn jeder, an den Forderungen gestellt würden, könnte sagen: Wir sind jetzt in einer ANDEREN Welt und nicht mehr in dem vorherigen VERBUND, in dem lediglich VERRECHNET wurde. Es ist DAHER andere nicht verpflichtende WILLKÜR, aus Verrechnungseinheiten Forderungen zu machen. Er würde es zu Recht sagen (können), weil es FAKTISCH so wäre.

      >Die BRD ist auf absehbare Zeit nicht fähig ihr Geschäftsmodell zu ändern,>

      Das ist richtig.

      Man kann sehr wohl darüber diskutieren, ob die schwarze Null im Staatshaushalt sinnvoll ist oder nicht in der gegenwärtigen Lage. Wir hätten jedenfalls längst mehr in Bildung etc. investieren müssen.

      Wer aber wie M. Stöcker glaubt, dass das „wirklich Benötigte“ eine schwarze Null in der Leistungsbilanz sei, der träumt von etwas, das wir NICHT leisten können und werden. Sie erreichen zu wollen auf Basis unserer WERTSCHÖPFUNG, wäre Selbstmord.

      Wenn andere den Welthandel zum Erliegen bringen sollten, dann wird diese schwarze Null erreichbar sein – und wir sind tot.

      >Vorsorgen kann niemand,>

      Das ist nicht richtig.

      Man kann, so man in der Lage ist vorzusorgen, z. B. ein Dollarkonto bei einer US-Bank unterhalten.

      Das Problem des verschuldeten Häuslebauers ist folgendes im Fall des Zerfalls der Eurozone:

      Die Umstellung seiner Schulden und seines Einkommens auf eine NEUE DM ist relativ problemlos möglich.

      Die Frage ist – wie Sie ausführen – „lediglich“, ob er weiter so viel Einkommen in NEUER DM erzielen kann, dass er den DM-Kredit bedienen kann.

      Ich vermute:

      Für den Fall, dass es die Eurozone nicht mehr gibt, wird er ihn auf unbestimmte Zeit nicht bedienen können.

      Antworten
      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Target2, Leistung wird geliefert und bezahlt. Mit den dt. Löhnen und Unternehmenserträgen wird gewirtschaftet, aber nicht grenzüberschreitend – leistungsbilanzausgeglichen, sondern einseitig in der BRD.

        Bezahlt werden die Exporte durch Geld, welches durch das Anleihekaufprogramm erst entstanden ist. Diesem Geld steht keine rückvergütende Leistung gegenüber, die das Geld absorbierend auflösen würde.

        Die Idee eines dt. Staatsfonds, der mit diesen Forderungen (und das sind sie!) in Spanien oder Italien einkauft wäre der Versuch einer Sterilisation, aber das lassen sich die Schuldner kaum gefallen! Auch dort herrscht Sozialdemokratismus.

        Target2 ist mit 976Mrd.€ ein Gewicht für das dt. BSP und angesammeltes Geld, welches nicht für Auslandsinvestitionen ausgegeben wird, steigert die Vermögenspreisinflation in der BRD + Ausbau suizidaler Exportkapazitäten.

        —-
        Obwohl sie so bemüht sind der Realität gerecht zu werden vermisse ich die Selbstkritik an der Politik der vergangenen zwei Dekaden. Niemand hat die Unternehmen in der BRD gezwungen so zu expandieren und man darf solche Ungleichgewichte niemals zulassen, ohne das System zu gefährden.

        Jetzt sind alle Sprengsätze scharf und nichts mehr zu ändern.

        >Vorsorgen kann niemand
        >Das ist nicht richtig.
        >z. B. ein Dollarkonto bei einer US-Bank unterhalten
        >Für den Fall, dass es die Eurozone nicht mehr gibt, wird er seinen Kredit auf unbestimmte Zeit nicht bedienen können

        Also für wen soll ein Dollarkonto eine Vorsorge sein? Für Pensionäre, die vergeblich auf ihre Transferleistung warten. Transferleistungen, die auf unbestimmte Zeit nicht bedient werden können, weil das Umlagesystem exportabhängig – gescheitert ist?

        ..und mich als Schwarzmaler zu kritisieren, ändert nichts. Man muss versuchen die Dinge zu Ende denken, denn einen Flächenbrand der Exportindustrie hält keine Gesellschaft wie unsere aus.

        Selbstverständlich muss man mögliches versuchen, sich aber auch im klaren sein, wie lächerlich kurzfristig alle Groschen verfressen sind, wenn der Umsatz einbricht.

        …keine Waren ins europäische Ausland zu liefern ist auch keine Alternative, denn nicht alles ist sinnfreier Konsum. Die BRD steht auch hier in der Pfllicht, denn wir waren die Kannibalen der Zerstörung von verschiedenen Industriezweigen in Europa. Dass es uns gegen China nicht anders ergeht, beweist nur die Schieflage aller Preise und die Ungleichgewichte global….

      • Michael Stöcker sagte:

        „Wer aber wie M. Stöcker glaubt, dass das „wirklich Benötigte“ eine schwarze Null in der Leistungsbilanz sei, der träumt von etwas, das wir NICHT leisten können und werden. Sie erreichen zu wollen auf Basis unserer WERTSCHÖPFUNG, wäre Selbstmord.“

        ??? Eine schwarze Null in der LB kann man auch durch höhere Importe erreichen. Dazu müssten aber die Einkommen deutlich gleicher verteilt sein. Und die Wertschöpfung sollte in der Tat ein wenig mehr in der inländischen Infrastruktur stattfinden. Die disruptiven Veränderungen durch zunehmende Automatisierung und Roboterisierung werden die nötigen personellen Kapazitäten frei setzten. Ein längerer Anpassungsprozess über viele Jahre oder aber ein sehr abrupter bei einem Zerfall der Eurozone.

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Eine schwarze Null in der LB kann man auch durch höhere Importe erreichen.>

        Kann man, wird man aber nicht.

        Weil:

        >Dazu müssten aber die Einkommen deutlich gleicher verteilt sein.>

        Müssten, sind aber nicht.

        >Und die Wertschöpfung sollte in der Tat ein wenig mehr in der inländischen Infrastruktur stattfinden. Die disruptiven Veränderungen durch zunehmende Automatisierung und Roboterisierung werden die nötigen personellen Kapazitäten frei setzten.>

        Die nötigen personellen Kapazitäten, so sie denn freigesetzt würden, sind eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung.

        Die Voraussetzungen für „ein wenig mehr“ schwinden, wenn eine zunehmend alternde Gesellschaft in Verteilungskämpfe involviert ist.

        >Ein längerer Anpassungsprozess über viele Jahre oder aber ein sehr abrupter bei einem Zerfall der Eurozone.>

        Ja, es wird einen längeren Anpassungsprozess über viele Jahre nach UNTEN mit vermutlich abnehmenden LB-Überschüssen oder aber eine abrupte Anpassung geben, die das Problem der LB eliminiert, weil wir dann sehr erheblich weniger exportieren würden.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Bleiben Sie bitte beim Thema – Staatsfonds ist keines in der Diskussion.

        >Obwohl sie so bemüht sind der Realität gerecht zu werden vermisse ich die Selbstkritik an der Politik der vergangenen zwei Dekaden. Niemand hat die Unternehmen in der BRD gezwungen so zu expandieren und man darf solche Ungleichgewichte niemals zulassen, ohne das System zu gefährden.>

        Auch Selbstkritik steht nicht zur Debatte.

        Dennoch eine Antwort dazu:

        Die Politik der vergangenen Dekaden war eine, die sich bietende OPTIONEN so wahrgenommen hat, dass die Stabilität der Gesellschaft nicht durch Großkonflikte gefährdet war.

        Das ist ein Erfolg, wie ihn nicht alle Länder beanspruchen können und insofern ist Klaus v. Dohnanyi zuzustimmen, wenn er sagt, dass Deutschland in den letzten Jahrzehnten eines der bestregiertesten Länder war.

        Dass wir und andere DAMIT das System an die Wand fahren, ist eine ganz andere Geschichte. Bezogen darauf kann man durchaus sagen, dass die FALSCHE Politik betrieben wurde zumindest dann, WENN es eine andere, ebenfalls stabilisierende gegeben hätte, ohne zu dem sich abzeichnenden oder einem gleichermaßen schlechten zu führen.

        Das wissen wir nicht, weil Counterfactuals zwar denkbar sind, aber es KEIN Wissen über sie gibt. Wenn sie empirisch nicht stattfinden, können wir keine deren Empirie betreffende Aussagen treffen.

        Es stimmt, dass niemand die Unternehmen gezwungen hat, derart zu expandieren.

        Hätten sie aber nicht derart expandiert, WEIL es verboten worden wäre, dann hätten wir HEUTE ein Deutschland, das vermutlich nur wenigen Freude bereiten dürfte.

        Denn eine derartige Expansion zu verbieten, d. h. den damit verbundenen Wohlstand nicht zu gewähren, ist in einer Demokratie nicht möglich.

        Man wird zwar den Systemzerfall zu verhindern suchen, d. h. Gegenmaßnahmen einleiten, wenn er ABSEHBAR ist, aber bei Wachstum und Wohlstandsgewinnen ihn NICHT präventiv zu verhindern suchen, wenn damit Wachstum und Wohlstand gemindert werden.

      • Alexander sagte:

        @ Diemtar Tischer

        Die Ökonomen der alten Schule, sogar Politiker von Schmidt bis Waigel, wussten um das Dilemma von Leistungsbilanzdefiziten und warnten vor zu geringer Binnennachfrage. Dass sich Binnennachfrage und eine vergreisende Gesellschaft ausschließen war Problem.

        >Klaus v. Dohnanyi ..sagt, dass Deutschland in den letzten Jahrzehnten eines der bestregiertesten Länder war.

        Bis zum Beginn der Finanzkrise war das Schönwettermodell erfolgreich, seit dem Versprechen über die Einlagensicherheit durch den Finanzminister Steinbrück unter IM Erika, ein Desaster.
        Am Schönwettermodel konnte man erst durch den Beginn der Anleiheaufkäufe durch die EZB anknüpfen, mit allen bekannten Folgen.

        >Denn eine derartige Expansion zu verbieten, d. h. den damit verbundenen Wohlstand nicht zu gewähren, ist in einer Demokratie nicht möglich.

        In unserer Demokratie ist alles möglich…….
        Energiewende ohne physikalische Grundlagen, Grenzöffnung, Genderstream, Massenakademisierung, Abtreibung und Anschreiben lassen….

        Es gibt keine geeigneten Maßnahmen den Systemzerfall aufgrund von Überschuldung zu verhindern. Per Demokratie kann man zwar alles absegnen, aber weder Innovation noch Unternehmungsgeist befehlen.

        Den Unternehmungsgeist hat das billige Geld getötet, weil ehrliche Kaufleute nicht gegen Zombieunternehmen konkurrieren können. Auf den Mangel an Innovation weisen Ökonomen von Sinn über Stelter bis Heinsohn hin.

        >Bei Wachstum und Wohlstandsgewinnen den Systemzerfall NICHT präventiv zu verhindern suchen, wenn damit Wachstum und Wohlstand gemindert werden.

        Man muss sich solche Sätze auf der Zunge zergehen lassen!
        –> Nach mir die Sintflut, Hauptsache 50 Jahre gut gelebt.

        There is no free lunch
        &
        There is no mercy

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        >In unserer Demokratie ist alles möglich…….>

        Das denken Sie.

        Es ist reine ILLUSION zu glauben, dass in der Demokratie auf DAUER irgendetwas durchgesetzt werden kann, was von der mehrheitlichen Bevölkerung als GEGEN ihre Interessen gerichtet EMPFUNDEN wird.

        Wenn allerdings das an sich „Unmögliche“ doch geschehen würde – ob zu ihrem Besseren ist dann immer noch die Frage –, ist das nicht mehr Demokratie.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Demokratische Illusion ist zu glauben, dass eine Abstimmung etwas an der Realität ändern würde. Mit Realität meine ich die Tatsachen in einem Kreditgeldsystem sowie ewig gültige physikalische und ethische Grundsätze.

        Gemessen in der Zeitspanne -Menschenleben- schien es tatsächlich so, als ob Mehrheitswille die Realität ändern könnte, aber das Ende ist jetzt in Sicht.

        Die Realität holt alle ein und
        -> wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte.
        ——————

        Wissen sie, warum es bisher so schwer war nach dem Zerfall die verantwortlichen Entscheider zur Rechenschaft zu ziehen?
        -> Weil sich ALLE Regierungen vor ihrem Tun einer demokratischen Legitimation versichert haben.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Letzter Kommentar zu Ihren Ausführungen:

        >Wissen sie, warum es bisher so schwer war nach dem Zerfall die verantwortlichen Entscheider zur Rechenschaft zu ziehen?

        Weil sich ALLE Regierungen vor ihrem Tun einer demokratischen Legitimation versichert haben.>

        Diese Begründung beruht auf einem völlig falschen Verständnis von demokratischer Legitimation.

        WARUM sollten verantwortliche Entscheider zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie auf Basis einer demokratischen Legitimation entschieden und diese im Rahmen der Verfassung nicht überschritten haben bei ihren Entscheidungen, also z. B. der Gesetzeslage nach nicht kriminell gehandelt haben?

        Es besteht NICHT der GERINGSTE Grund, diese Entscheider zur Rechenschaft zu ziehen solange die Entscheider im Rahmen des Erlaubten (Legitimierten) nicht WISSENTLICH und WILLENTLICH den Zerfall herbeigeführt haben.

        Wenn die Mehrheit nicht weiß, nicht wissen will oder nicht wissen kann, dass die x erlaubten Entscheidungen den Zerfall nicht verhindern können, dann ist IHNEN und nicht x zuzuschreiben, wenn es zum Zerfall kommt (mit obiger Einschränkung bezüglich Wissens und Wollens)

        Es geht nicht um RECHENSCHAFT, sondern um ABLÖSUNG:

        Wenn die Mehrheit mit den Ergebnissen der von ihr legitimierten Entscheider nicht zufrieden ist, was bei einem Zerfall natürlich so sein wird, muss sie entweder andere Entscheider legitimieren, die die gewünschten Ziele erreichen können oder für andere Ziele legitimieren oder andere Entscheider für andere Ziele legitimieren.

        Auch in einer Demokratie treffen die Verantwortlichen Entscheidungen, die besser nicht gefallen wären. Dann wählt man sie ab. Aber man kann nicht nur sie verantwortlich für diese Entscheidungen machen, wenn man als demokratische Mehrheit ihnen ein Handeln erlaubt hat, dass derartige Entscheidungen nicht ausschließt.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Die Folgen demokratischer Entscheidungen als Folge von propagandistischer Tiefenindoktrination sind es, die ich verachte.
        Beispiele gefällig?
        – Die Umwandlung der Türkei in einer „Präsidialmonarchie“ durch Erdogan
        – sämtliche illegalen Kriege durch die USA
        – sämtliche illegale Krieg durch europäische Länder
        – die Einführung des Euro, obwohl Ökonomen es besser wussten
        – der II Weltkrieg
        – der I Weltkrieg
        – der deutsch / französische Krieg
        – ….nicht einmal Honecker konnte abgeurteilt werden, niemand war verantwortlich für Schießbefehle und politische Haft, viele zerstörte Schicksale. Die Reste der Clique verbreiten noch heute ihre Lügen..

        Das wird nach dem uns bevorstehenden Regimechange nicht anders sein.

        Fehlentscheidungen und ihre Folgen können nicht abgewählt werden, die Zeit ist abgelaufen. Kinder die nie geboren wurden, werden nie als Fachkräfte Beiträge bezahlen und das ist gut so, denn jeder haftet für seine Entscheidungen.

        #5. Glaubensbekenntnis
        – Niemand entkommt seiner Verantwortung.

  11. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Alle, außer den naiven Deutschen werden es haben.“

    Da bin ich mir nicht sicher, Herr Dr. Stelter. Schauen Sie sich an, wie die Edelmetallkäufe sich in der EU in den letzten 10 Jahren entwickelt haben; Deutschland gehört da auch pro Kopf nicht auf die hintersten Plätze. Auch die großen Exportfirmen wissen sehr gut um ihre Abhängigkeit und beobachten das recht genau. Bei der Aktienanlage (weltweit) haben wir zugegebenermaßen noch Luft, aber die Entwicklung bei den Kapital-LVs und die Abneigung gegen Riester-Renten zeigen doch schon mal in die richtige Richtung. Auch der Erwerb von Sprachkenntnissen und internationaler Erfahrung bei Studenten und Arbeitnehmern zeigt m.E., dass sich die Deutschen nicht so schlecht auf die kommenden Ereignisse vorbereiten.

    Woran es hakt, ist die wissenschaftliche, mediale und politische Vorbereitung Deutschlands auf die Turbulenzen:

    1. Wir haben in der Ausbildung der Volks- und Betriebswirte völlige Abstraktion und unkritische Politikgläubigkeit in ein nicht mehr funktionierendes System (vgl. Hr. Fratzscher beim DIW, Hr. Fuest statt Hr. Sinn bei IFO, Streichung von wirtschaftspolitischen Lehrstühlen zugunsten „praxisnaher“ wie Wirtschaftsinformatik, ignorante Lehrbücher mit abstrakten Themen wie Monetaristen vs. Keynesianer ohne irgendeinen Realitätsbezug zu aktuellen Ereignissen, usw).

    2. Wir haben in den Mainstreammedien keinerlei Interesse für die auf diesem Blog diskutierten Themen. Dort werden ernsthaft „Gewinne“ aus der Griechenlandrettung kommuniziert und auch noch geglaubt oder persönliche Befindlichkeiten zwischen Kabinettsmitgliedern exzessiv ausgebreitet.

    3. In der Politik gibt es keinerlei Lust auf das Eingeständnis einer Fehlentwicklung. Das dürfte das größte Problem sein, da sich auch die Parlamente und die Finanzverwaltungen nicht darauf einstellen. Der Überhang an wirtschaftlich ungebildeten Topjuristen in Gerichten, Ministerien und nachgelagerten Behörden sorgt für eine massive Nominalgläubigkeit ohne Bezugnahmen auf Zeitachsen und Preisentwicklungen. Gerade diese Personengruppen werden von Schuldenschnitten bzw. der Preisentwicklung vollkommen überrascht sein, sofern sie sich nicht privat mit dem Thema beschäftigen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      Woran es hakt:

      Alles richtig, was Sie schreiben.

      Kleinteilige Ausbildung auf allen Feldern, Profilierung durch Minimalismus; das vorrangige Interesse liegt durchweg auf funktionaler Vorteilsgewinnung; Kassandra in den Medien macht sich nicht bezahlt, man will Positives hören will; Politiker werden nie von grundlegenden Fehlentwicklungen reden, weil sie sich damit unter Zugzwang setzen würden, sie zu korrigieren.

      Antworten
  12. markus sagte:

    Was passiert eigentlich nach einem Euro-Zerfall mit ausländischen Rentenansprüchen (erworben in einem europäischen Nachbarstaat)? Wäre für den jeweiligen Staat ja dann eventuell eine nette „Einkommensquelle“, die nicht-wählenden Empfänger leer ausgehen zu lassen…

    @W. Selig:
    „Auch der Erwerb von Sprachkenntnissen und internationaler Erfahrung bei Studenten und Arbeitnehmern zeigt m.E., dass sich die Deutschen nicht so schlecht auf die kommenden Ereignisse vorbereiten.“
    Hm… , das deutet auf Emigration der Lernwilligen hin… ob das gut für Deutschland ist? Auf der anderen Seite: internationale Erfahrung war vor 20 Jahren auch schon „in“.

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @Markus: Tja, ich bin hier bestimmt nicht repräsentativ, aber die Kinder meiner Bekannten und Verwandten gehen gerade zum Studieren und Arbeiten in folgende Länder:
      * Schweiz (absoluter Favorit)
      * Australien
      * Irland
      * USA (inzwischen anscheinend weniger begehrt)

      Gut für Deutschland ist das m.E. nicht. Die Leistungsfähigen gehen aus dem Land, in meinem Umkreis Physiker, Maschinenbautechniker und Medizinberufe (akademisch und nicht-akademisch). Andere kommen in das Land. Meinem Anschein nach nicht ganz so leistungsfähig, aber wahrscheinlich ist das schon wieder politisch unkorrekt. Und ich habe den Eindruck, ich habe nicht als einziger auf diesem Blog diese Erfahrung gemacht.

      Antworten
  13. Chris sagte:

    Interessante Beiträge, ich würde vorschlagen Ideen zu sammeln, zwecks unternehmerischer und privater Vorbereitung.
    Was ich in unserem direkten Umfeld beobachte, oberer Mittelstand, meist freiberuflich tätig, mit Kindern: Kredite werden schnellstens zurückgezahlt, neue Investitionen nicht mehr getätigt, neue Firmen in Deutschland nicht mehr gegründet, die Kinder werden darauf vorbereitet als Erste kurzfristig Deutschland verlassen zu können, Kontakte werden geknüpft, die internationale Bildung vorangetrieben.
    Die Bankeinlagen auf EU-Banken bedingt durch die bereits durchgeführten Bail-ins minimiert.
    Immer mehr Zeit und Geld werden für die persönliche Sicherheit, Bildung und Gesundheit benötigt, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Eine Entwicklung zwischen Brasilien und Scharia bahnt sich an.
    Angesichts der Zuwanderungsproblematik wird die Arbeitszeit reduziert und bewusst gelebt, die Erwartung ist, es wird nur noch eine kurze glückliche gemeinsame Zeit mit Familie und Freunde geben. Weitere Energie in das System zu geben lohnt nicht.
    Auswanderungsländer für die Älteren gesucht.

    Antworten
  14. ikkyu sagte:

    Zur Frage ob „demokratische“ Entscheider in unserem Parteienstaat einmal zur Rechenschaft gezogen werden können, sollte man den §129 StGB im Hinterkopf behalten.

    „Bildung krimineller Vereinigungen

    (1) 1Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Vereinigung gründet oder sich an einer Vereinigung als Mitglied beteiligt, deren Zweck oder Tätigkeit auf die Begehung von Straftaten gerichtet ist, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren bedroht sind. 2Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine solche Vereinigung unterstützt oder für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt.

    (2) ………

    (3) Absatz 1 ist nicht anzuwenden,
    1. wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für
    verfassungswidrig erklärt hat,

    ……………

    Antworten

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