Der erwartete Crash

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Mit dem Timing ist es so eine Sache. Gerade an der Börse. Seit Langem – viel zu lange, würden meine Kritiker sagen –, warne ich an dieser Stelle vor einem Einbruch an den Märkten trotz der vermeintlichen Allmacht der Notenbanken. Bei allen Märkten, die auf Kredit laufen, kann es viel länger gut gehen als man denkt. Doch haben alle eine Gemeinsamkeit. Wenn es zur Trendwende kommt, dann kommt diese abrupt. Es geht steil nach unten. Und genau das war gestern an der Wall Street der Fall (und damit auch an vielen anderen Märkten):

Quelle: Elliott Wave 

Hinter diesem Einbruch stehen verschiedene Faktoren, vor denen ich an dieser Stelle immer wieder gewarnt habe. Zur Erinnerung:

1. Die US-Börse ist so teuer wie (fast) nie

Die Flughöhe der US-Börsen ist durchaus hoch. Median-PE, Shiller-PE, Umsatz-Multiple, Buchwert-Multiple, Cashflow-Multiple, Dividendenrendite, Marktkapitalisierung relativ zum BIP und viele weitere Indikatoren deuten auf eine erhebliche Überbewertung der US-Börse hin. Nicht so hoch wie zum Zeitpunkt der historisch größten Überbewertung im Jahr 2000, aber über den Werten von 1929 und 2007. Bewertungen spielen, auch wenn Geld nichts kostet, eine Rolle. Sobald Geld wieder etwas kostet, erst recht!

Quelle: Goldman Sachs, Real Investment Advice

Quelle: St. Louis Federal Reserve (FRED), Robert Shiller, Real Investment Advice

2. Die Börsianer wurden immer sorgloser

Der Optimismus der amerikanischen Privatanleger war so hoch wie lange nicht mehr (oder in einigen Dimensionen noch nie). So lag die Quote von Aktien zur Liquidität in den Portfolios der von der American Association of Individual Investors (AAII) befragten Investoren so hoch, wie in 90 Prozent der Monate in den letzten 30 Jahren nicht. Die Anleger waren also fast voll investiert. Das gilt übrigens auch für die institutionellen Investoren, die Goldman Sachs zufolge so positiv gestimmt waren wie zuletzt vor zehn Jahren.

Zugleich war die Volatilität – ein weiterer Indikator für die Nervosität an den Märkten – deutlich zurückgegangen. Der VIX lag seit Monaten auf Rekordtief. Klar im Widerspruch zu Indikatoren der globalen Risiken, die in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg verzeichneten.

Während die Volatilität zurückging, nahmen die Wetten auf einen weiteren Rückgang der Volatilität zu. Das erinnert fatal an die Kreditausfallversicherungen, die vor der Finanzkrise verkauft wurden. Solange alles gut geht, werden so gute Renditen erzielt. Kippt die Stimmung im Markt, kommt es zu einer Verkaufspanik mit entsprechenden Kursausschlägen, die auf den Aktienmarkt wirken. So wie wir es gestern erlebt haben:

Quelle: CBOE

Damit wurden viele Spekulanten, die vor allem mit viel Leverage unterwegs waren auf dem falschen Fuß erwischt.

3. Die Anleger sind immer passiver

Immer wieder habe ich vor dem Trend zum „passiven Investment“ überwiegend in Indexfonds gewarnt. Weder ist das Investment „passiv“, noch risikofrei. Im Gegenteil, die Investition in diese passiven Produkte führt zu einer deutlichen Trendverstärkung. Aktien, die steigen, werden entsprechend mehr nachgefragt, was zu einem Herdenverhalten der Anleger führt. Statt also Risiken zu reduzieren, führt diese Anlageform zu größeren Risiken und verstärkt den Trend zur Überbewertung. Das ist aber auch auf dem Weg nach unten so. Dieses Verhalten der Anleger hat auch damit zu tun, dass von den Verkäufern der Produkte versprochen wird, diese jederzeit handeln und vor allem liquidieren zu können. Das haben auch die amerikanischen Geldmarktfonds getan, bis es im Zuge der Finanzkrise zum Undenkbaren kam. Plötzlich waren die Anlagen nicht so liquide wie gedacht. Zahlungen verzögerten sich. In der Folge wuchs die Panik noch weiter an. Gut möglich, dass alleine aus diesem Grund eine eigentlich normale Korrektur zu einem ausgewachsenen Crash heranwächst. Indexfonds sind per Definition voll investiert. Geraten die Anleger in Panik, schlägt das ungefiltert auf den Markt durch. So wie gestern und vermutlich auch in den kommenden Tagen und Wochen. 

Das gilt übrigens auch für die Robo-Advisor, die gestern in den USA eine noch nie gekannte Flut von Kundenanfragen zu bearbeiten hatten.

4. Die Zeiten billigen Geldes werden unterbrochen

Optimistische Beobachter sahen die Bewertung an den US-Märkten gerade mit Blick auf das immer noch sehr tiefe Zinsniveau als gerechtfertigt an. Je tiefer die langfristigen Zinsen, desto höher dürfen Aktien bewertet sein. Dies stimmt, wirft mit Blick auf die derzeitige Zinserhöhungsstrategie der US-Notenbank Fed jedoch Fragen auf. Schon ab einem Zinsniveau von drei Prozent für die zehnjährige US-Staatsanleihe rechneten prominente Beobachter wie Jeff Grundlach und Bill Gross mit erheblichen Korrekturen an den Märkten. Andere warnten schon ab 2,64 Prozent vor Problemen – nicht zu unrecht, wie wir heute sehen.

Dabei liegt das Risiko vor allem auch in den Märkten für Unternehmensanleihen. Hier hatte sich schon seit einigen Monaten ein Problem angebahnt, weil die Anleger immer größere Risiken eingingen. Seit einem Jahr haben sich die Hoch-Risikoanleihen vom Aktienmarkt in den USA entkoppelt. Während die Börse deutlich zulegte, stagnierten die High-Yield-Fonds auf hohem Niveau. Ein erstes Warnsignal. Seit Jahresanfang fallen die Anleihen schlechter Schuldner. Ein weiteres Warnsignal. Die Investoren nehmen die Risiken wieder wahr und wetten zugleich im Rekordvolumen auf weiter fallende Anleihenkurse.

Quelle: Zero Hedge

Natürlich werden die Notenbanken, sollte sich der Crash fortsetzen und die Realwirtschaft in die Knie gehen, mit einer weiteren Runde noch billigeren Geldes reagieren! Das löst zwar kurzfristig die Probleme, vergrößert sie allerdings gesamthaft enorm. 

5. Die Verschuldung ist so hoch wie nie zuvor

 Das hat vor allem mit der Tatsache zu tun, dass wir weltweit eine Krise, die durch zu viele Schulden ausgelöst wurde, mit noch mehr Schulden bekämpft haben. Weltweit liegen die Schulden mit über 215 Billionen US-Dollar (325 Prozent des Welt-BIP) 70 Billionen höher als noch vor zehn Jahren. In den Industrieländern wuchsen sie seit 2006 von 348 Prozent des BIP auf 390 Prozent, in den Schwellenländern – vor allem von China getrieben – von 146 auf 215 Prozent. Eine hoch verschuldete Welt kann alles gebrauchen, nur keine höheren Zinsen.

Mit Blick auf die US-Börse kommt erschwerend hinzu, dass die US-Unternehmen im Unterschied zu den Unternehmen in Europa in den vergangenen Jahren ihre Verschuldung deutlich erhöht haben. Mit immer mehr Schulden wurden eigene Aktien gekauft, um so die Eigenkapitalrendite und damit den Aktienkurs zu steigern. Sogar der IWF sieht in der Verschuldung der US-Unternehmen ein Risiko für die weltweite Finanzstabilität und rechnet vor, dass immerhin jedes zehnte US-Unternehmen schon heute – trotz rekordtiefer Zinsen! – die Zinszahlungen nicht aus den laufenden Gewinnen leisten kann.

 6. Der Aufschwung ist schon alt

Der Aufschwung der US-Wirtschaft – so schwach er auch im historischen Vergleich ist – dauert schon sehr lange an. Nur zweimal währte ein Konjunkturaufschwung in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg länger. Steigende US-Löhne könnten die Margen der Unternehmen unter Druck bringen. Ohnehin sind diese wie angesprochen durch den übermäßigen Einsatz von Leverage künstlich überhöht und deshalb entsprechend anfällig. Zum anderen konzentrieren sich die Gewinne auf wenige Sektoren und Unternehmen. Der breite US-Unternehmenssektor ist sehr anfällig für Zins- und Lohnkostensteigerungen, was zu einem Rückgang der Investitionen führen würde, dem entscheidenden Indikator für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Indikatoren für eine konjunkturelle Abschwächung sind in den harten ökonomischen Daten schon zu erahnen. Beispiel: der sprunghafte Anstieg fauler Autokredite und der entsprechende Absatzrückgang.

7. Die technologische Revolution produziert mehr Verlierer

Ein Großteil des Kurszuwachses an der US-Technologiebörse NASDAQ seit Jahresanfang 2017 entfällt auf nur fünf Unternehmen, also rund 0,2 Prozent aller im Index vertretenen Firmen: Apple, Alphabet, Amazon, Facebook und Microsoft. Dies hat auch damit zu tun, dass diese und andere Firmen ganze Wirtschaftszweige auf den Kopf stellen. Die Folgen für die Verlierer sind dramatisch, wie ich auf bto schon unterstrich. So dramatisch, dass sie aus dem Markt ausscheiden und mit ihnen nicht nur die Arbeitsplätze verschwinden, sondern auch das Aktionärsvermögen. Je mehr sich die Wertschaffung auf wenige Unternehmen zulasten der anderen konzentriert, desto größer die Gefahr einer erheblichen Enttäuschung an den Märkten. Es können nämlich nicht alle gleichzeitig Gewinner sein. 

8. Spekulation auf Kredit verstärkt die Gefahr von Margin Calls

Nicht nur die Unternehmen haben mehr Schulden als je zuvor. Auch die Investoren haben immer mehr auf Kredit spekuliert. Die Wertpapierkredite („Margin Debt“) befinden sich ebenfalls auf einem Rekordstand. Nichts verdeutlicht mehr die Folgen der Politik billigen Geldes: Unternehmen, die mit Financial Engineering statt echter Verbesserung die Aktienkurse treiben und Investoren, die diese Aktien mit immer mehr Krediten nachfragen. Fallen die Kurse, dreht der Effekt sich um. Was nach oben funktioniert, beschleunigt den Weg nach unten. Das nennt man Margin Call und genau diesen dürften in den letzten Tagen nicht wenige Investoren bekommen haben. Damit verstärkt sich die Abwärtsbewegung.

Die Dynamik des „Margin Calls“ habe ich immer wieder bei bto erläutert. So hier: → „Margin Call für die Weltwirtschaft“

Man hat Geld zu null geliehen, um Assets mit zwei Prozent Rendite zu kaufen. Das geht eben nur so lange gut, wie die Finanzierungskosten tief bleiben und das gekaufte Asset nicht im Preis fällt.

Es gab genug Warnungen

Dabei mangelte es nicht an warnenden Stimmen. Die Bank of America sprach schon vor einem Jahr von einem „Ikarus-Trade“. Viel Abwärtspotenzial aus hoher Flughöhe. Die FINANCIAL TIMES brachte es noch drastischer auf den Punkt: „The eventual decline in asset values will be catastrophic.”

Der herausragende John Autors von der FINANCIAL TIMES vergleicht schon heute Nacht die Entwicklung an den Märkten mit dem Jahr 2007:

I hate to admit this, but I think I have found a good historical parallel for what is happening in the markets. And it is with spring and summer of 2007, on the eve of the credit crisis. I dislike admitting this because I do not want to be accused of alarmism, but here are the salient points. (…) I am not predicting a trail of disasters like that this time round. (…)  But then, as now, higher rates forced many people to take a long and careful look at the positions they had taken on — and many disliked what they saw. Higher rates also royally messed up many brilliant pieces of financial engineering that had flourished during the „Great Moderation“ of  low volatility that preceded the outbreak of the crisis. All it took was for the Treasury market to threaten to break out of its long-term downward trend for all kinds of chickens to come home to roost.“ bto: Das verdeutlicht, wie sehr wir in einer Welt ewig tiefer Zinsen gefangen sind. Das Problem ist nur, es gibt gute Gründe davon auszugehen, dass das Ausfallrisiko zurückkehrt, weil die Notenbanken eben nicht mehr jeden retten können.

Er stellt aber auch fest: „Get past this accident, and there should be a nice buying opportunity as, indeed, the stock market managed to rally to a new all-time high in October 2007 once the Fed buckled and began to ease monetary policy.“

Womit wir beim Kern sind: Das ist noch nicht das Ende der Entwicklung. Vermutlich dreht der Markt nach oben, eventuell sogar getrieben von Zusagen der Fed, die Spekulanten in bewährter Form wieder rauszuhauen. Der Preis ist aber eine noch schneller steigende Verschuldung und damit Instabilität des gesamten Systems. Wir brauchen hier dringend einen Kurswechsel, sonst steuern wir zwangsläufig auf eine noch größere Katastrophe zu. Denn richtig bergab ging es an der Wall Street 2008/9.

Also: Weder in Panik verkaufen, noch in Panik zukaufen. Ich denke, es gibt eine Rallye, aber der Markt ist zunehmend angeschlagen. Deshalb auf internationale und Asset-Klassendiversifikation achten. Es gibt, sollte es wirklich zu dem großen Knall kommen, ohnehin kein sicheres Versteck. Siehe: Eiszeit in der Weltwirtschaft.

29 Kommentare
  1. Winnie Winsler says:

    Ja da freuen wir uns doch auf all die CEOs (bald ohne Klamotten und hoffentlich bald auch ohne Job), die auf Kredit Aktien zurückgekauft hatten wie die Blöden, um EPS und Boni zu steigern.

    Die Bilanzen der Firmen werden bei einem Zinsanstieg desaströs aussehen.

    Teeren und Federn könnte wieder in Mode kommen.

    Auch die Oekonomen, Politiker und Statistikfälscher, die von Deflation und „Null-Inflation“ faselten, während der Weisse Elefant im Raum, eine Megainflation in fast allen Assetkategorien (Obligationen, Aktien, Immobilien), immer mächtiger wurde, sollten nicht ungeschoren davon kommen und von eigenem Fell – unter Zuhilfenahme von Klebstoff – auf Federn „umgerüstet“ werden.

    Wir freuen uns auch auf all die mit Kredit finanzierten Business-Cases, die bei höheren Zinsen nur noch „winseln“ und eingehen werden.

    Und Tausende von Häuslebauern, die 30-40% zu teuer gekauft haben und sich dafür gigantisch verschuldeten, werden Blut kotzen (den EK-Einsatz verlieren) und mit Ihnen die Banken, die Milliarden abschreiben werden müssen.

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      • Johannes says:

        Das „Problem“ ist folgendes (stark vereinfacht). Die Bank braucht für die Hypothek eine Sicherheit. Die ist i.d.R. das Haus, bzw. die Grundschuld auf das Haus (mit der vollen persönlichen Haftung des Hypothekennehmers). Als „Wert“ des Hauses wird meist der Kaufpreis (wobei Wert und Preis einer Sache unterschiedliche Angelegenheiten sind) angesetzt. Wenn nun die Hauspreise infolge eines Crashes am Immobilienmarktes fallen (z.B. um 30 – 40%) dann schauen, die Banken ob der Restwert des Hauses (= potentieller Verkauferlös minus einer Sicherheitsmarge) noch über der Höhe der Restschuld liegt.

        In ungünstigen Fällen liegt die Restschuld über(!) dem pot. Verkaufswert (so z.B. 2007/2008 in den USA). Dann kann die Bank verlangen (steht in den AGB´s sowie den Hypothekenverträgen drin), weiteres Eigenkaptial bereit zu stellen. Kann dieses nicht aufgebracht werden, droht der Verkauf (im besten Fall) oder die Zwangsversteigerung (im schlechtesten Fall). In beiden Fällen ist aber das ursprünglich eingesetzte Eigenkapital (meist 10 -20 % des ursprünglichen Kaufpreises) verloren, da weniger als Verkaufserlös erzielt wird als ursprünglich bezahlt.

        Auch langfristigen Zinsbindungen „schützen“ nicht vor dieser Ereigniskaskade, die im Falle eines Crashes der Immobilienpreise abzulaufen droht. Sicher würde es in Deutschland anders ab laufen als in den USA. Aber auch die Banken müssen Regularien folgen und haben hier nur wenig Spielraum.

      • Johann Schwarting says:

        @Johannes

        http://wirtschaftstelegraph.de/immobilien-sind-keine-sicherheit-mehr-bei-der-kreditvergabe/

        Die debitistische Lösung des „Problems – Die Bank braucht für die Hypothek eine Sicherheit.“

        Von der EU ist vor längerer Zeit die Richtlinie durchgesetzt worden, dass die Kapitaldienstfähigkeit des Kreditnehmers durch ‚Cash Flow‘ über die gesamte Laufzeit des zukünftigen Kredites im Voraus geprüft und für positiv befunden werden muss. Offensichtlich wird auch außerhalb des Debitismus bewusst, dass ‚Geld‘ keine Eigenschaft trägt, sondern, dass das ‚Geld‘ eine vom Zentralmachtsystem verliehene Eigenschaft ist. Es ist ja bekannt, dass die Schuldverhältnisse nicht durch sachliche, konkrete Leistungen erfüllt werden, sondern durch die bestehende Eigenschaft ‚Geld‘, die die maximale Sicherheit für alle Untertanen und Unternehmungen im Wirtschafts- und Haftungsraum darstellt. Beide Eigenschaften – ‚Geld‘ und ‚Schuld‘ – sind vom Machtsystem essentiell abhängig, d.h. von der Vollstreckung in das beliehene Untereigentum. Die Eigenschaft ‚Geld‘ hat wegen der zugrunde liegenden Besicherung (H/S: Abtretung von Anrechten am Eigentum) das stärkste Vertrauen, weil sie durch Gewalt verteidigt wird.

      • Johannes says:

        @ Johann Schwarting

        Danke für den Link! Für mich beantwortet er aber trotzdem nicht die Frage, wie sich eine Bank in „turbulenen Zeiten“ verhält, wenn die Restschuld den „Wert“ (= in diesen Zeiten erzielbarer Kaufpreis abzüglich einer Sicherheitsmarge) der Immobilie über längere Zeit übersteigt. Wobei ich hier nicht „spitz“ betrachte; also der Wert läge z.B. knapp unter der Restschuld. In Deutschland gehe ich mal davon aus, dass zumindest bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen eine „soziale“ Komponenten eine Rolle spielt. Bei privaten Banken kann das anders aussehen. Die Regelungen, auf Dauer nicht werthaltige Forderungen zu bereinigen, trifft aber alle Institute.

        In heutigen Zeiten würde ich eine selbstgenuzte Immobilie nur erwerben, mit min. 40% Eigenkapital. Das ist viel zugegeben, gibt aber Sicherheit. Ich selbst habe meine Immobilie „damals“ mit 10% EK geworben, allerdings habe ich auch mit knapp 15% pro Jahr getilgt.

      • B.Rudolph says:

        Das Zauberwort heißt, Nachbesicherung des gefallenen (weil mit großem spekulativem Anteil behafteten) Immobilienwertes bei der Kredit gebenden Bank. Wenn die Hypothek auf das Haus nur noch die Hälfte des ursprünglichen Wertes hat, dann gerät die gesamte Finanzierung in Schieflage. In der Folge erwartet die Bank mehr Eigenanteil vom Kreditnehmer, um den Kredit nicht fällig stellen zu müssen. Da die meisten Häusle-Bauer aber nicht nachbesichern können,( könnten sie es hätten sie mit einem höheren Ek-Anteil finanziert,) wird das Haus eben Zwangsversteigert. Die hier ausgelöste Zwangsversteigerungswelle führt zu einem Überangebot und damit zu einem starken Wertverlust am Markt. Richtig müsste es also heissen: Häuslebauer werden den EK-Einsatz UND ihr Haus verlieren, nicht aber ihre Schulden dafür“.

    • Sorglos-Immobilie says:

      @Susan Keller:

      So wie von Johannes beschrieben, ggf. zusätzlich verschärft durch finanzielle Probleme wegen Arbeitslosigkeit und / oder Scheidung.

      Ähnlich, wie bis vor 5 Jahren quasi alle Steuersparimmobilien in Ostdeutschland weniger wert waren als der einstige Kaufpreis bzw. teilweise heute noch sind:

      http://www.dasinvestment.com/deutsche-pleite-promis-wie-schauspieler-entertainer-und-saenger-ihr-geld-verloren/?page=17

      http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/ost-immobilien-welche-promis-sich-so-richtig-verzockt-haben/7259416.html

      http://www.sueddeutsche.de/geld/grosse-verluste-mit-ost-immobilien-da-bluten-einige-leute-nun-ganz-furchtbar-1.563382

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  2. troodon says:

    Ein Crash sieht für mich anders aus. 1987 waren es 22% beim Dow an einem Tag. Gestern war es ein Vola induzierter Abverkauf, der tatsächlich überfällig war. Es sollten sich in den nächsten Wochen z.B. beim DAX gute Kaufchancen ergeben. Aktuell nimmt man ein Tüte Popcorn und kann sich zurücklehnen, beobachten wie einige reagieren, die noch nie stärker fallenden Börsenkurse erlebt haben. Tägliche Vola wird zunächst hoch bleiben. Bei Bund Zinsen von rd. 0,75% für 10jährige, ist es mir zu früh z.B. einen mehrjährigen Abwärtstrend auszurufen. Aber warten wir es ab. Absolut gesehen (ohne Vergleich mit anderen Anlageklassen) sind Aktien natürlich bei weitem noch nicht preiswert.Ich sehe in fallenden Kursen in den nächsten Wochen aber trotzdem eher eine Chance. Zum Einstieg muss man aber die Markttechnik beachten und selbstverständlich nicht blind kaufen.
    Und das aktuell extrem hohe Risko eines Vola-Abverkaufs wurde hier gut und rechtzeitig beschrieben: https://www.zerohedge.com/news/2018-01-11/has-only-happened-twice-history-goldman-asks-should-we-worry

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    • Maler says:

      Sehr geehrter troodon,

      Ihre Meinung, speziell mit dem Popcorn, teile ich ebenfalls. Erst einmal Ruhe bewahren. Dennoch ist es sehr interessant zu beobachten, wie ein vermeintlich „kleiner“ Kursrutsch von ca. 8% schon zur Panik führen kann: In Bild und Focus mehrere Artikel für den kleinen und selbst bei bto ein roter Artikel. Bei einem ausgewogenen Depot (die empfohlenen 25% pro Assestklasse oder vergleichbar) sowie keine privaten Schulden lässt sich das ganze recht gut von der Seitenlinie aus beobachten und die eventuell ein oder andere Einstiegsgelegenheit für die längere Zukunft identifizieren. Eventuell wäre jetzt auch ein Beginn für einen Sparplan mit erhöhten Sparraten sinnvoll. Aber alles gemäß Kostolany: Geld, Geduld und Gedanken. Und speziell für die letzten zwei Punkte ist dieses Forum ja eine gute Plattform.

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  3. Christoph Jacob says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,
    ich denke, dass sehen Sie richtig. Eigentlich kann man nur hoffen, dass dieses bereinigende Gewitter, finanziell, wirtschaftlich, politisch und sozial schnell kommt, damit sich die Menschheit wieder erholen kann und neu anfangen kann. So war dies immer und es wird auch dieses mal nicht anders sein. Dass man dies steuern kann, glaube ich nicht. In dem Punkt teile ich Ihre Meinung nicht. Da überschätzen Sie uns Menschen und die Macht der Politiker. Wir Menschen sind nun einmal so gepolt, dass wir Katstrophen, Kriege, Hyperinflationen etc. brauchen, um erst dann neu anzufangen. Daraus lernen tun wir leider ebenfalls nicht.

    Bei dem Level an Dekadenz, Doppelmoral, Demokratie(un)Verständnis und fehlender Moral, gerade bei uns im Westen kann man eigentlich nur hoffen, dass es bald kracht. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Die Quintessenz für mich: Halte dich an gewisse finanzielle Spielregeln, wie u.a. von Ihnen erwähnt, aber geniesse das Leben, denn die Welt kannst du nicht ändern, nur dich selbst.

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  4. Thomas says:

    Okay, Crash vielleicht nicht, aber auch kein Kratzer. Das sind aber Semantics. Ich denke man kann sich einigen, dass ordentlich was los ist…

    STOCKS HAVE WORST DAY IN YEARS — 50-DAY AVERAGES HAVE BEEN BROKEN — S&P 500 APPEARS HEADED FOR RETEST OF RISING TRENDINE EXTENDING BACK TO 2016 — VIX DOUBLES TO HIGHEST LEVEL IN MORE THAN TWO YEARS — LATE RALLY IN MAJOR STOCK INDEXES FADES

    …und die Prognose wie üblich kurzfristig unmöglich ist. Was man wohl sagen kann, wenn der Margin Call kommt, wird der Beginn in Retrospektive so oder so ähnlich ausgesehen haben. Der Abverkauf scheint mir durch alle Assetklassen zu reichen, oder? Aber offensichtlich gibt es auch noch Käufer…

    Herr Dr. Stelter, hatten Sie den Beitrag bis auf die Charts schon in der Schublade? Hatte nicht erwartet so früh schon was hierzu zu lesen ;)

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  5. Jacques says:

    Man muss auch mal innehalten können und konstatieren:
    Seit 1945 gab es 22 Korrekturen innerhalb von Bullenmärkten! Ohne das diese Bullenmärkte ein Ende fanden. Die durchschnittliche Bullenkorrektur betrug dabei 13% über 4 Monate und brauchte dann nur 4 Monate für ein Recovery. Ein richtiger Bärenmarkt wird nur durch große fundamentale Änderungen eingeleitet, hier war es ein „Non-Event“ von starken Arbeitsmarktdaten wodurch Investoren Angst vor einer härteren FED Politik haben. Es ist ein klassischer Flash Crash der heutigen Zeit, verstärkt durch die globale Digitalisierung des Aktienhandels! Ich werde beobachten und paar günstige Titel einkaufen, es ist Winterschlussverkauf, so hat es schon Benjamin Graham gesehen!

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  6. Dominik says:

    Hallo,
    „Im Gegenteil, die Investition in diese passiven Produkte führt zu einer deutlichen Trendverstärkung. Aktien, die steigen, werden entsprechend mehr nachgefragt, was zu einem Herdenverhalten der Anleger führt.“
    Das habe ich nicht verstanden. Ein ETF-Anbieter muss doch keine Aktien nachkaufen. Gehen wir vereinfachend mal von einem physisch vollständig replizierendem ETF aus. Steigt eine enthaltene Aktie am Markt, also im Index, so steigt die doch auch im Aktienkorb des ETF, daher dürfte hier eigentlich kein Zwang zum handeln entstehen, oder?
    Damit dürften marktbreite ETF m.E. eigentlich nicht zu einem Herdenverhalten einzelner Aktien führen.

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    • troodon says:

      Herr Müller ist nett anzuhören und deshalb auch Talk-Show geeignet. Aber zu viel würde ich nicht auf seine Meinung geben. Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Und da ist die Entwicklung seines Fonds kein Ruhmesblatt. Dies zeigt einmal mehr, dass es einen riesigen Unterschied zwischen pointiert, eloquent reden und erfolgreicher Geldanlage gibt.

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  7. MSt says:

    Der sicherste Indikator für einen bevorstehenden Crash war die Titelstory in „Welt am Sonntag“ vor ein paar Wochen. Ich habe die Zeitung nicht gekauft, in etwa hieß der Titel so: „Aktien sind im Höhenflug. Fliegen Sie mit!“ und dann der Untertitel „Experten erwarten eine jahrelange Rally“. Ich habe mich gefragt, warum die Experten sich erst jetzt melden, hätten Sie doch die Rally schon 2011 ausrufen sollen. Dann hätten die „Welt am Sonntag“ Leser auch von der Empfehlung profitiert. Bezüglich des Zeitpunkts des Zukaufs werde ich warten bis „Welt am Sonntag“ titelt: „Finger weg von Aktien. Experten raten von Aktien ab“.

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  8. jobi says:

    Die Märkte haben die Regie übernommen und beginnen ihre längst überfällige Strafexpedition.
    Makroökonomische Zusammenhänge sind plötzlich irrelevant.
    Die Dimension des geldpolitischen Irrsinns war allen bekannt. Trotzdem hier von einigen Teilnehmern mit akademischer Präzison und in endlosen Schleifen als alternativlos hingestellt.
    Den homo ökonomicus beschleicht nun nakte Panik ..
    Bald richten sich alle Blicke auf die Notenbanken. Können sie den unvermeidlichen Zusammenbruch noch einmal verschieben ?

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