Eine andere Variante des Schulden­tilgungs­fonds für die Eurozone

Bekanntlich bin ich für einen Schuldentilgungsfonds auf EU-Ebene, in dem alle Euro-Staaten – gerade auch Deutschland – Staatsschulden in einem festen Wert relativ zum Vor-Corona-BIP abladen können. Dieser würde dann auf Ewigkeit angelegt, wenn nötig von der EZB refinanziert und nicht mehr der nationalen Staatsschuld zugerechnet.

Der Corona-Schock – die große Chance für Deutschland

Und zum Nachhören:

Schuldentilgungsfonds statt Merkel-Macron-Paket

In eine ähnliche Richtung geht dieser Vorschlag:

  • Following the health crisis, fiscal deficits and sovereign debts in the euro area are projected to deteriorate dramatically (Table 1). The increase in the average debt ratio in the euro area is estimated to be over 15%, bringing it over 100%. It will climb by about 20% in France and about 30% in Italy and Spain. Some countries, notably Belgium and France, also display a large increase in private sector indebtedness. The rise in private debt is relevant as it may foreshadow a future increase in sovereign debt, to the extent that the public sector is forced to take it upon itself to contain damage to the economy from insolvencies.”bto: Das stimmt und unterstreicht, warum es grundlegend falsch ist, über Steuererhöhungen und Ähnliches bei uns nachzudenken. Wir brauchen ein Wohlstandsprogramm für Deutschland.

Table 1: Government, non-financial private sector debts and interests on general government (% of GDP)

Quelle: VoxEU

  • “(…)  what is not a feasible solution (…) is preventive debt restructuring country by country. This approach is predicated on the importance of moral hazard considerations in driving sovereign debts but is highly questionable both analytically and empirically. Indeed, there is scant evidence that countries’ debt policies are motivated by moral hazard.” – bto: also kein Schuldenschnitt, weil das nichts bringt. Dem folge ich zumindest so, wie es im Euro durchgeführt wird.
  • “(the) massive private debt restructuring in Greece in March 2012 led to an increase in overall government exposure, owing to the need to fill the gap opened by vanishing private finance. As Greece had already lost market access, an increasing role in providing liquidity to the Greek financial system was then taken up by the ECB, through its emergency liquidity assistance – which thus evolved from an emergency credit line for individual banks in difficulty to an emergency macro-financing channel.” – bto: Klar, das Ganze war ja auch ein Programm zur Rettung französischer Banken.
  • While debt restructuring cannot be ruled out eventually as a component of actions to restore the market access of a country unable to service its public debt, the notion of preventive debt restructuring when granting ESM financial assistance should simply be removed from the table as utterly destabilising.”bto: da – so der Autor – es sofort zur Ansteckung anderer Staaten führt.
  • In his influential presidential address to the American Economic Association, Blanchard argued that in the new environment of low interest rates expected to last for an indefinite future, policy trade-offs between debt stabilisation and output stabilisation with fiscal policy have shifted fundamentally in favour of the latter goal. Based on this analysis, Blanchard et al. have proposed substantial modifications of euro area fiscal rules that confine debt stabilisation to the backstage.”bto: Weil die Zinsen ewig tief bleiben, kann man dauerhaft mehr ausgeben.
  • “(…) the common currency is not available to individual euro area member states to stabilise their sovereign debt market without the consensus of (a majority of) the governing board of the ECB. Fear that such support may be withdrawn may generate a financial shock shifting the economy of a member state to a ‘bad equilibrium’ involving an investor run on his sovereigns and, as a consequence, fresh threats to the survival of the euro spreading contagion to other euro area members.” – bto: eine theoretische Angst, ist doch das Drohpotenzial der Schuldner erdrückend.
  • A way forward would be offered by engineering large transfers of euro area sovereigns from the ECB to the ESM, de facto keeping a substantial part of the debt out of the market for an indefinite future. The euro area would utilise the credit standing of its institutions to lower sustainability risks and debt service.”bto: warum von der EZB zum ESM? Ich denke, es ist einfacher, wenn der ESM in die Schuldnerrolle eintritt, also statt des einzelnen Staates zum Schuldner wird. Aus Sicht der Gläubiger eine Verbesserung, weil das Kreditrisiko abnimmt. Mit Ausnahme der Niederlande und Deutschlands, die aber zusätzlich noch eine Garantie abgeben könnten, so erforderlich.
  • More specifically, the ESM would purchase the sovereigns held by the European System of Central Banks (ESCB) as a result of its asset purchase programmes (APP and PEPP). The default risk of sovereigns purchased from the ESCB would continue to remain with national central banks, as it is today, and would not be transferred to the ESM. At maturity, the sovereigns held by the ESM would be renewed into new securities with very long maturity, de facto turning them into ‘irredeemables.”bto: Der hintere Teil ist klar, im ersten verstehe ich die Logik nicht. Es wäre doch viel einfacher, die Staaten übertrügen ihre Verbindlichkeiten.
  • The purchases would be funded by the ESM by selling its own securities in financial markets. Like all outstanding ESM liabilities, these securities would be guaranteed by its sizeable (callable) capital. In addition, they would enjoy the guarantee of its member states already in place for ESM liabilities. This double guarantee, together with the de facto guarantee maintained by national central banks on their sovereign paper, should be more than enough to ensure the AAA rating for ESM securities without any special seniority privilege – a major drawback of the various proposals for a safe asset that were formulated in the past would thus be eliminated.” – bto: Das wäre in meinem Modell auch so, allerdings einfacher. Die neuen Anleihen kämen erst bei Fälligkeit der zuvor nationalen Anleihen ins Spiel.

Mein Modell, das nicht auf den Positionen der EZB aufsetzt, sondern allen Staaten einen gleichen Anteil mit Blick auf das BIP zubilligt, ist aus meiner Sicht besser, weil gerechter.

voxeu.org: „Managing post-Covid sovereign debts in the euro area “, März 2021

Kommentare (10) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Oliver Kieser
    Oliver Kieser sagte:

    Ich denke knapp 5 Monate vor der nächsten Bundestagswahl kann man hier in der Politik-Gruppe einmal über das diskutieren, was die neue Bundesregierung dann 4 Jahre lang zu tun hat:

    – Sozialpolitik: Die neue Bundesregierung sollte Rahmenbedingungen setzen, damit jeder für sein Auskommen selbst sorgen kann. Sollte es nicht möglich sein, dann muss es Förderprogramme geben, oder eine auskömmliche Leistung. Auch in Deutschland gilt, jeder ist seines Glückes Schmied. Dafür müssen wir aber schon bei der Förderung der Potentiale bei den Kindern beginnen. Kostenfreie Kindergärten die schon ab dem 3. Lebensjahr kindgerechte Bildung anbieten. Kinder sollten in ihrer Neugierde bestärkt werden, ohne sie dabei zu überfordern. Es ist nötig, ihnen einen Rahmen zu geben, in dem sie ihre Neugierde beibehalten und eigenständiges Lernen erlernen. Jedes Kind hat da seinen eigenen kreativen Weg, in dem es bestärkt werden muss. In der Grundschule sollte dies mit einem höheren Wettbewerbsgedanke fortgesetzt werden. Wir benötigen eine Generation welche kreative Lösungen findet, und Problemlösungen nicht linear angeht, sondern querdenkt. Ich bezweifle, dass es nach 4 Jahren der richtige Weg ist die Schüler aufzuteilen, und schlage 6 Jahre vor. Nach der Schule sollten die die Heranwachsenden weiter gefördert werden und eine Leistung bis zur Beendigung der Erstausbildung erhalten.

    Nach der Ausbildung geht es dann auf den Arbeitsmarkt. Hier wird es immer wichtiger, dass die Sozialpartnerschaft funktioniert. Deshalb benötigen wir Parität in den Aufsichtsräten und einen Transparenzzwang für die Sozialpartner. Es sollte einen regen Austausch geben, wie man mit technologischen Neuerungen umgeht, und wie man die Arbeitnehmer fördert, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Lebenslanges Lernen sollte zur Pflicht werden und die Arbeitgeber angehalten sein, ihre Mitarbeiter dementsprechend zu fördern. Sollte es dennoch zur Arbeitslosigkeit kommen, müssen die Arbeitsagenturen ein Stärken-Schwächen-Profil ihres Kunden erstellen, und auf diesen zugeschnittenen Weiterbildungen anbieten. Für die Arbeitgeber benötigen wir Förderprogramme, damit es sich für sie lohnt, ihre Angestellten ständig weiterzubilden. Bei der Einwanderung muss darauf geachtet werden, dass die Menschen sich ein gutes Deutsch aneignen, und somit sich Chancen zum Aufstieg auftun.
    Die private Vorsorge muss weiter gefördert und ausgebaut werden, damit die Leute etwas im Alter haben.

    – Wirtschaftspolitik: Deutschland muss die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern. Hierzu bedarf es zunächst einmal einer guten Infrastruktur. Zur guten Infrastruktur gehören gut ausgebaute Straßen, Schienen-, Wasser-, und Luftwege mit einer optimalen Abstimmung beim intermodularen Verkehrsgebrauch. Wir benötigen eine starke Innovationsförderung. Hier schlage ich vor, dass in Deutschland getätigte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten steuerlich zu 100 % abgeschrieben werden können, und somit die Steuerlast des Unternehmens senkt. Zusätzlich benötigen wir mehr Geld für FuE an den Universitäten. Es bedarf auch einen einfachen Ausgründung aus den Unternehmen.
    Zusätzlich schlage ich einen von einer Fondsgesellschaft verwalteten Staatsfonds vor, welcher zum einen die Sozialbeiträge gewinnbringend verwaltet. Zum anderen sollten 10 % der Steuereinnahmen von einem solchen Fonds verwaltet werden, um mit den Erträgen Unternehmen bei der Forschung und Entwicklung, sowie der nachfolgenden Produktion zu unterstützen. Deutschland muss zu einem Land werden, welches es honoriert, wenn sich jemand selbständig macht und neue Ideen, Produkte, Technologien und Dienstleistungen in Deutschland herstellt und aus Deutschland heraus anbietet und vertreibt. Wer in Deutschland neue Produktionskapazitäten aufbauen möchte, muss gefördert werden. Hier bedarf es eines standardisierten Genehmigungsprozesses. Die Unterlagen für eine Genehmigungen müssen digital eingereicht werden können, und der Bearbeitungsstand auch jeder Zeit so abgerufen werden können.
    – Umweltpolitik: Wir benötigen einen richtigen Zertifikatehandel in der Umweltpolitik. Zum einen für den CO2-Preis, der auf europäischer Ebene geregelt werden muss. Hier muss sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass alle Emittenten einbezogen werden. Die Anzahl der Zertifikate muss sich von einem wissenschaftlich fixierten Höchstwert pro Jahr abhängen. Hierzu wird es notwendig sein, dass jedes Jahr ein Teil der Zertifikate verfällt, damit der Preis zur Einsparung animiert.
    Auch für den Verbrauch von Boden benötigen wir einen Zertifikatehandel. So sollte eine Kommune bei der Ausweisung von Gewerbe- oder Wohnbauflächen Zertifikate erwerben müssen, wobei damit der Preis für die Flächen steigt. Zur Absenkung des Preises könnte man dann die Zertifikate wieder verkaufen, wenn man z. B. Renaturierungen oder umweltpolitisch sinnvolle Projekte umsetzt.

    Was sind ihre konkreten Forderungen? Wie können wir Deutschland bis Ende dieses Jahrzehntes zu einem besseren Land machen? Ich bin davon überzeugt, dass wir uns als Volk uns einig werden müssen, wo Deutschland 2030 stehen sollte. Wir benötigen eine gemeinsame Vision unseres Landes im Jahr 2030. Welche Partei diese am besten umsetzt, kann man dann immer individuell entscheiden.
    Eine große Frage der Zukunft wird auch sein, wie sich Wissenschaftler in die Diskurse einbringen. Wie können wir garantieren, dass man auf Wissenschaftler hört und ihre Anregungen in die Politik einfließen lässt? Wie begeistert man Bürger für Wissenschaft und Innovationen? Wie kann eine diskursivere Gesellschaft entstehen? Wie organisieren wir in Zukunft Streit? Wie garantieren wir, dass man zwischen Wissen und Meinung unterscheiden kann.
    Die liberale Demokratie steht durch äußere Kritiker (China, Russland) und innere Kritiker (AfD, Front National, Fidesz, FPÖ u. a.) unter Druck. Was können wir Bürger zur Stärkung der liberalen Gesellschaft tun? Was ist die Aufgabe des Staates?

    Sollten wir nicht mehr auf Eigenverantwortung setzen. Der Staat müsste dann nur noch Leistung honorieren (Rente). Oder bei sozialen Umbrüchen wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit aushelfen und die Bürger dabei unterstützen, das Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen zu können. Hätten wir dann nicht mehr Geld in der Hand um die wahre Leistung von hart arbeitenden Menschen, und die Erziehungsarbeit zu honorieren, namentlich für die Rente?

    Ich hätte gerne auch eine richtige Staatsreform, welche genau regelt, welche staatliche Ebene für welche Aufgaben zuständig ist. Hier muss dann auch die finanzielle Ausstattung stimmen, damit die Ebenen ihren Aufgaben nachkommen können. Der Staatsdienst sollte auch finanziell besser gestellt werden, damit die hochqualifizierten sich auch in Zukunft gerne für den Staat und nicht unbedingt für die Privatwirtschaft entscheiden. Auch im öffentlichen Dienst muss mehr für die Attraktivität der Arbeitsplätze getan werden. Neben besseren Verdienstmöglichkeiten bedarf es wie in der Privatwirtschaft einer Flexibilisierung der Arbeit. Es sollte auch von den Bürgern mehr Respekt für die Arbeit der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst gezollt werden, damit dieser Attraktiv bleibt. Zusätzlich muss dieser auch angemessen technisch ausgestattet werden.

    Wir benötigen einen effizienten Staat. Dabei sagt es wenig aus, ob der Staat im Primärhaushalt einen Überschuss erwirtschaftet, oder ein Defizit. Wir Bürger müssen auch lernen zu erkennen, was sinnvolle Staatsausgaben sind, und wo der Staat vielleicht an der falschen Stelle spart. Wo mischt der Staat sich zu viel ein? Wo ist er nicht effizient genug?

    Antworten
    • foxxly
      foxxly sagte:

      @ o kieser 02 april 2021 21:21
      ich habe auch eine große liste für verbesserungsvorschläge. sehe aber keine möglichkeit, dass die politik sich auf dem wege einer besserung bewegen würde.

      folglich muss es erstmal noch viel schlechter werden, bevor es besser wird!

      die politik wird nahezu 100%ig von dem finanz-industriellen -komplex (hochfinanz u. konzernen) beherrscht.
      die politiker aus cducsuspdfdpgrüne sind mangels eigener stärke den lobbyisten aus dem finansektor verfallen bzw. ausgeliefert.
      sie haben sich selber in diese lage gebracht!

      die folgen für die nächsten jahre werden für die gesellschaft verheerend sein.

      mit der großen entreicherung durch zunehmende inflation und den vorgaben der wirtschaft und der staatsverwaltung, wird die gesellschaft in ihren grundfesten zerrüttet und auch massiv beeinträchtigt.

      es wird egal sein, wer die Bt wahl gewinnt.
      wir streiten nur um akzente in der politik-richtung, – mehr nicht.

      eine notwendige änderung der richtig ginge nur über eine art revolution des bürgers, bzw. der wähler. und dies wird (noch) nicht passieren.

      nur noch ein wunder kann uns vor dem kommenden desaster retten!

      Antworten
    • Joerg
      Joerg sagte:

      @Oliver Kieser,

      Danke fuer die vielen erfrischenden Vorschlaege. Wir als Gesellschaft brauchen engagierte Menschen, die sich aktiv einbringen!

      Viele von uns sind jedoch frustriert und rechnen kaum mit schnellen, grossen, vorteilhaften Veraenderungen?!
      Als Menschen schreiben wir meist die Erfahrungen der juengeren Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft fort.
      Als Deutsche steht eher im Vordergrund was suboptimal lief/laeuft statt sich ueber kleine Erfolge zu freuen ;-)?

      Mich wuerde interessieren: wie alt sind Sie? Wo/wie wurden Sie sozialisiert? Haben Sie bereits Erfahrungen bei der Mitarbeit in der Politik?

      LG Joerg

      Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Oliver Kieser

      “Ich bin davon überzeugt, dass wir uns als Volk uns einig werden müssen, wo Deutschland 2030 stehen sollte (…) Die liberale Demokratie steht durch äußere Kritiker (China, Russland) und innere Kritiker (AfD, Front National, Fidesz, FPÖ u. a.) unter Druck.”

      Ihnen ist aber schon klar, dass sich das komplette Volk in einer liberalen Demokratie nur höchst selten über ein langfristiges politisches Programm einig wird, oder?

      Das schaffen Sie nicht einmal, wenn Sie alle inneren “Kritiker”, die angeblich “die Demokratie unter Druck” setzen, aber tatsächlich nun einmal die in einer Demokratie unbedingt nötige Opposition sind (außer Fidesz in Ungarn, die sind gerade in der Regierung), per Repression verstummen lassen.

      Sie haben eine merkwürdige Vorstellung von Demokratie.

      “Eine große Frage der Zukunft wird auch sein, wie sich Wissenschaftler in die Diskurse einbringen. Wie können wir garantieren, dass man auf Wissenschaftler hört und ihre Anregungen in die Politik einfließen lässt?”

      Garantieren? Gar nicht! Und das ist auch gut so.

      Wissenschaftler müssen genauso für ihre Positionen werben wie das Krankenschwestern, Lehrer oder LKW-Fahrer tun. Basierend auf der Qualität der Vorschläge in den letzten Jahren kann ich auch nicht erkennen, dass “Wissenschaftler” als ganze Berufsgruppe besonders hochwertige Vorschläge gemacht hätten und die deshalb in besonderem Maße beachtenswert wären, zumal nicht jeder Wissenschaftler die gleichen Ansichten hat – was sie hier aber anscheinend gerne suggerieren wollen.

      Antworten
  2. markus
    markus sagte:

    “may foreshadow a future increase in sovereign debt, to the extent that the public sector is forced to take it upon itself to contain damage to the economy from insolvencies.” – bto: Das stimmt und unterstreicht, warum es grundlegend falsch ist, über Steuererhöhungen und Ähnliches bei uns nachzudenken. Wir brauchen ein Wohlstandsprogramm für Deutschland.”

    Man muss zwischen natürlichen Personen und Firmen oder juristischen Personen unterscheiden. Eine Steuererhöhung für reiche natürliche Personen würde mitnichten die Wirtschaft schädigen. Man muss dann natürlich aber im Geflecht nachvollziehen welche natürliche Person von welcher Firma profitiert. Und wie man die jungen Rehe (aka Kapital und Geldvermögen um das man sich so sorgt, dass es ins Ausland abwandern) erwischt. Da unser ganzes System darauf ausgelegt ist, den Rehen viel Freiraum zu lassen, ist das natürlich schwierig.

    Antworten
  3. foxxly
    foxxly sagte:

    @ tischer 14:46 >>WIE gelingt es, die EU-Staaten so zu RESTRUKTURIEREN, dass sie produktiver und wettbewerbsfähiger werden, somit wohlstandsmehrend mehr wachsen können?<<

    h.tischer, ich bin mit ihrer antwort auf bto etwas überrascht, weil ich in ihren beiträgen glaubte gelesen zu haben, dass sie letztlich diesen geld-und wirtschaftssystem auch keine nachhaltige überlebensfähigkeit geben?

    nun, mit einer restruktierung wäre nach ihren worten, das vorhandene system reparabel. so könnte man ihre ausführung verstehen.
    meinen sie mit ihren neuanfang, dass vorhande vermögen, etwas dem vergleich mit den historischen währungsreformen, stark gestutzt werden?

    wenn die aktuelle relationen von arm- und reichtumsverteilung ohne veränderungen fortgesetzt würde, dann wird eine restruktuierung in immer kürzeren zeitabständen notwendig, – und wäre ebensowenig nachhaltig.

    dieses kreditgeldsystem ist nicht heilbar, allenfalls die lebensfähigkeit etwas verlängerbar. aber das hiese, dass das wachstum stark reduziert werden müsste.
    was in einem forgeschrittenen geldsystem wie das aktuelle, wiederum nicht möglich ist.

    eine gewisse restruktuierung müsste mit einer massiver enteignung einhergehen, um überhaupt von einer bedingten fortsetzung zu denken.

    Antworten
  4. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    @ Dr. Stelter

    >Mein Modell, das nicht auf den Positionen der EZB aufsetzt, sondern allen Staaten einen gleichen Anteil mit Blick auf das BIP zubilligt, ist aus meiner Sicht besser, weil gerechter.>

    Es geht vorrangig NICHT um Gerechtigkeit.

    Wenn ich Ihr Modell richtig verstehe, dann heißt es im Grunde:

    Entschuldung der Staaten und dann die Verschuldungsarie mit viel Luft noch mal von vorne.

    Das würde STABILISIEREN, keine Frage, aber NICHTS grundsätzlich verbessern.

    Wenn ich damit falsch liege, bitte ich Sie, mich zu korrigieren.

    Der Autor hat auch grundsätzliche Zweifel, allerdings nur im Fall hoher Staatsschulden:

    >… the question arises as to whether high sovereign debt can be left to euro area member states to manage by themselves, with a repetition of the policies that followed the financial crisis at the beginning of the decade, or whether instead a different approach is justified.>

    Das Problem, das der Artikel nicht anspricht und m. A. n. auch Sie nicht, ist folgendes:

    WIE gelingt es, die EU-Staaten so zu RESTRUKTURIEREN, dass sie produktiver und wettbewerbsfähiger werden, somit wohlstandsmehrend mehr wachsen können?

    Das sind vom jeweiligen Rechts- und Verwaltungssystem angefangen MASSIVE Eingriffe in bzw. Wirkungen auf die REALWIRTSCHAFT.

    Dies ist VORRANGIG eine Frage der DURCHSETZBARKEIT, aber nicht der Staatsfinanzierung.

    Diese WIRD ein Thema sein, wenn die Durchsetzung betrieben wird, ist aber insoweit NACHRANGIG.

    Ich glaube, dass Draghi in Italien eine massive Restrukturierung durchsetzen will.

    Das Geld dafür, die EUR 200 Mrd. für den Kick off hat er – more to follow wird kein Problem sein, wenn die Italiener die Restrukturierung ernsthaft betreiben (und natürlich auch dann nicht, wenn sie das Geld verkonsumieren).

    Die Frage, die der Autor anschneidet ist, ob man es den betreffenden Staaten überlassen soll, die Restrukturierung SELBST zu betreiben, oder ob sie KONDITIONIERT werden müssen, damit keine Wiederholung des mit Konsum befriedenden Geldausgebens erfolgt.

    Die denkbare Option, ein europäischer Nationalstaat mit Fiskalunion, ist nicht in Sicht und wäre auch nicht die Lösung.

    WIE dann – immer vorausgesetzt, dass genügend Geld da wäre, die Restrukturierungsprozesse mit abgesicherter HOHER, ja sogar WACHSENDER Staatsverschuldung zu begleiten durch EU (Recovery FUND 2, 3 …), den ESM oder die EZB?

    Das ist die Frage, für die es aus meiner Sicht einen doppelten Nobelpreis geben müsste, wenn sie überzeugend beantwortet würde.

    Ist sie ÜBERHAUPT überzeugend zu beantworten?

    Ich zweifle daran.

    Die Alternative, mit einer knallharten Austeritätspolitik die strukturellen Anpassungen von den Bevölkerungen zu ERZWINGEN und dabei Staatsinsolvenz zu VERHINDERN, ist nach dem “Griechenland-Experiment” (ESM als Rettungsschirm, IWF) mausetot.

    Die Bevölkerungen würden das nirgends mitmachen.

    Der JOKER scheint die Energiewende zu sein, weil sie quasi per Definition die RESTRUKTURIERUNG aller Volkswirtschaften beinhaltet.

    Antworten
    • Karl
      Karl sagte:

      “Der JOKER scheint die Energiewende zu sein, weil sie quasi per Definition die RESTRUKTURIERUNG aller Volkswirtschaften beinhaltet.”
      Diese Restrukturierung birgt jedoch die reale Gefahr der Deindustrialisierung in Europa. Die Idee der Dienstleistungsgesellschaft hat sich längst als Illusion erwiesen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Karl

        Der Joker wird von vielen, aber natürlich nicht allen, die sich für die Energiewende engagieren, NICHT als Projekt der Deindustrialisierung begriffen.

        Auch wenn produktives Sachkapital entwertet wird, muss dies in Summe KEINE Deindustrialisierung sein.

        Der Saldo ist noch UNBESTIMMT, auch wenn TECHNOLOGISCH bedingt vieles dafür spricht, dass er WENIGER Industrialisierung dokumentieren wird.

        Denn es wird mit der Energiewende auch neues Sachkapital geschaffen – ANDERES eben.

        Abgesehen davon:

        a) Es ist die Frage, ob es nicht eine gewisse Deindustrialisierung geben MUSS, wenn WENIGER industriell gefertigte Produkte nachgefragt werden.

        Wenn – unabhängig von der Energiewende – die Menschen immer mehr Algorithmen „konsumieren“ und weniger im Automobil umherfahren, dann muss in der Automobilbranche deindustrialisiert werden.

        Ich sage NICHT, dass es so ist und auch nicht, dass man das schon mal vorsorglich aktiv betreiben sollte.

        Wenn es sich aber dazu entwickelt, dann führt kein Weg daran vorbei.

        b) Die demografische Entwicklung führt dazu, dass mit dem wachsenden Bedarf bzw. der Nachfrage älterer Menschen MEHR Dienstleistungen erbracht werden müssen.

        Die Dinge sind allein in Deutschland komplexer, als Sie es sehen.

        Im Kontext der Globalisierung sind sie das noch viel mehr.

  5. foxxly
    foxxly sagte:

    …… das grundprinzip bleibt:

    die verschuldung wächst schneller, als das wirtschaftswachstum!

    jede verschiedene art von tilgung und schuldenstreckung, kann nur die zeit schinden, bis zum ende der gesellschaft. mehr nicht! das dicke ende kommt ultimativ, systembedingt.

    wir müssen erst durch ein tiefes tal der tränen hinein und durch, dann kann es wieder aufwärts gehen, wann ist fraglich. jedenfallls je später, desto schlimmer! das zeit-schinden verschlimmert nur.

    alles andere ist täuschung und ablenkung von der realität des brutalen kreditgeldsystems.

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