Die Demografie zwingt zum mone­tären End­spiel

Immer wieder war das absehbare monetäre Endspiel Thema auf diesen Seiten.

Das monetäre Endspiel wird vorbereitet

Zweifellos bekommt es durch Corona – auch für den Letzten ersichtlich – deutlich Schub. Deshalb lohnt es, an die demografischen Faktoren, die gestern bereits Thema waren, zu erinnern, denn sie haben einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung. Quelle sind Analysen der Deutschen Bank. Zum einen die jährliche Studie zu den „Long term asset returns“ und zum anderen das „Chart of the day“.

Beginnen wir mit der einfachen Erkenntnis: Die guten letzten 30 Jahre finden ein Ende. Statt wachsender Erwerbsbevölkerung erleben wir ihr Schrumpfen und dabei vor allem einen Anstieg der Relation von Abhängigen zu Unabhängigen in der Bevölkerung:

  • „It’s easy to argue that the most recent era of globalisation has been the optimal system for global growth. After all, it dramatically improved poverty levels, reduced inequality between rich and poor nations, and produced strong asset price gains.“ – bto: Bei Diskussionen hierzulande wird das gern vergessen.
  • „Many of the benefits the world consumed during this era relied on runaway levels of debt, the hollowing-out of traditional manufacturing jobs, and low wage growth for the masses.“ – bto: Das liegt vor allem daran, dass der Angebotsschock billiger Arbeitskräfte vor allem die Mittelschicht getroffen hat.
  • „The current economic era perhaps started at the very end of the 1970s with China’s reemergence into the global economy (…) enhanced a decade later by the collapse of the Iron Curtain (1988-91) and the economic liberalisation of India in 1991 following the IMF bailout. Combined, this has basically added over a billion cheap workers to the global economy over this period, opened up global trade, reduced global inequality and led to dramatic changes in the balance of economic power across the world.“ – bto: Und die Politik hat bisher darauf keine Antwort gefunden.
  • Und das ändert sich jetzt: „This, we argue, has shaped the entire last four decades in the global economy, inflation, politics and asset prices, amongst other things. As the graph shows, this natural demographic dividend has been peaking over the last decade and will now gently reverse after decades of rapid growth. This could now herald the global direction of economic and political travel in many areas.“ – bto: Wir haben eine Trendumkehr massiver Art vor uns. Und diese betrifft dann dieselben Faktoren: Inflation, Zins, Vermögenspreise.

Quelle: Deutsche Bank

  • „A surge in workers helped suppress inflation due to downward pressure on wages as the world integrated the Chinese and EM labour markets. There was also the impact of direct central bank policy biases and the increased independence of monetary policy around the world. Lower inflation meant lower bond yields (real and nominal) and lower interest rates – and that, in turn, allowed for higher and higher company profits and equity valuations. So despite the slowing of growth in developedmarkets, stock markets generally performed well, increasing wealth for shareholders and revenue for governments.“ – bto: Es waren gute Zeiten, allerdings mit zunehmenden Krisen.
  • „The problem was that this slowing of developed market growth was masked by ever-growing levels of debt, especially in the years leading up to the financial crisis in 2008-09.“ – bto: und dem Wunsch der Politiker, Probleme mit Schulden zu bekämpfen und dem großen Fehler der Euroeinführung.

Quelle: Deutsche Bank

  • „(…) the GFC probably signaled the first cracks in the globalisation era as it cast severe doubts in the pyramid-type scheme of ever-increasing debt levels to aid general prosperity and offset and mask the fact that real wages had been pretty stagnant for large parts of the developed market population since the early 1980s. The regime certainly had a stay of execution during the GFC as central banks prevented a mass default cycle by propping up debt while a huge program of quantitative easing ensured that the debt pyramid scheme could continue.“ – bto: Und mit Corona ging es erst richtig los!
  • „Whilst this prevented an economic collapse, it perhaps only papered over the cracks in some areas and exacerbated issues elsewhere.“ – bto: Dazu kommen noch die ungedeckten Verbindlichkeiten für die alternde Gesellschaft.

Und was kommt jetzt? Nun, die Fortsetzung des Weges im beschleunigten Tempo!

  • „(…) regular readers will long be aware that I believe central bank balance sheets are on a seemingly endless march upwards in the years ahead. (…) Covid-19 has just accelerated a trend that was already likely in place.“ – bto: So ist es! Und es ist die perfekte Ausrede.
  • „(…) one reason is that the developed world has seen a kind of debt pyramid scheme in recent decades that came to an end around the turn of the 2010 decade. Before that there had been a long multi-decade trend of an expanding number of workers in the population in absolute terms and relative to the old. As such accumulated debt was less of an issue as there was always a bigger group in the demographic chain to pay off the debts of the previous and current generation.“ – bto: Und genau das dürfen wir nicht mehr erwarten.
  • „This means that unless the authorities are prepared to allow debt to default (they are not as that would mean the entire global equity tranche is also worthless), or make major increases to retirement ages (especially unlikely), then ‘they need to continue to plug the gap by printing money and allowing debt to look more sustainable than it would in a free market.’ (…) it’s a case of printing money to keep the ever increasing debt alive rather than making enough babies in the previous generation to pass on the burden.“

Und das sieht dann so aus:

Quelle: Deutsche Bank

zerohedge.com: „One Bank Spots The Demographic Trigger That Launched The Money-Printing Endgame“, 15. September 2020

Kommentare (33) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Stefan Seidel sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    erneut erliegen Sie dem Irrglauben, dass die Größe der Erwerbsbevölkerung in den Volkswirtschaften der nächsten drei Jahrzehnte eine zunehmende Bedeutung haben wird. Menschliche Arbeitskraft und Denkleistung ist limitiert, die Rechenleistung heutiger Großrechner (dargestellt in der Anzahl neuronaler Netze) braucht nur noch eine Handvoll Verzehnfachungen um die Leistung eines menschlichen Gehirns zu überschreiten. Dann wird es weitestgehend irrelevant sein, wieviel menschliche Arbeitskraft in einer Ökonomie verfügbar ist, die ohnehin nicht mehr gebraucht wird. Wie schon bei der Diskussion um die erneuerbaren Energien, blenden Sie die Dynamik technologischer Entwicklungen aus, sofern Sie nicht in die gewünschte Argumentation passen.

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      ruby sagte:

      @ Stfan Seidel
      „Menschliche Arbeitskraft und Denkleistung ist limitiert, die Rechenleistung heutiger Großrechner (dargestellt in der Anzahl neuronaler Netze) braucht nur noch eine Handvoll Verzehnfachungen um die Leistung eines menschlichen Gehirns zu überschreiten.“
      Es ist zu fragen, was eine solche Aussage ausdrückt.
      Hier meine Antwort an Sie:
      Dazu dieser Link
      https://youtu.be/cPlrntHC5S8
      Das Ihr Gehirn also Ihre Denkleistung bereits jetzt unter jeglicher Rechnerleistung scheint, ist mir klar.

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    Stoertebekker sagte:

    @ S F-Röpke

    Wie immer haben Sie die Situation punktgenau beschrieben. Wie meistens findet hier im Forum anschließend leider keine Debatte um LÖSUNGSIDEEN statt. Es bleibt im Wesentlichen ein „alles ist schlecht“-Geraune. Zwei Zitate überm Schreibtisch sollen mich davor bewahren.

    “Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.” (Douglas Adams)

    „…dass die meisten alternden Menschen keineswegs weise waren, sondern nur einen dünnen Mantel aus billigen Weisheiten als Schutz vor der Welt trugen.“ (David Guterson)

    Die Welt wird sich weiterdrehen und einen anderen Verlauf nehmen, als wenn wir das Sagen hätten. Und das ist doch ok. Mein Großvater hat mir („vorausschauend“) noch das Anspannen der Pferde beigebracht, was in Zeiten von Trabant und Wartburg vielleicht sogar weise war. Gebraucht habe ich es nie wieder…

    PS Von hier springe ich jetzt zu TikTok – mit dem Versuch, dort die Jungen zu erreichen und etwas Basis-Wirtschaftswissen zu vermitteln. Ob’s klappt, keine Ahnung. Aber es ist der AKTIVE Versuch, den Status Quo zu ändern.

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      Richard Ott sagte:

      @Stoertebekker

      Lösungsideen gibt es doch. Nur haben wir hier gleichzeitig auch einen Konsens darüber, dass die funktionierenden Lösungen nicht mehrheitsfähig sind, und die mehrheitsfähigen „Lösungsideen“ in Wirklichkeit nur Scheinlösungen.

      „Von hier springe ich jetzt zu TikTok – mit dem Versuch, dort die Jungen zu erreichen und etwas Basis-Wirtschaftswissen zu vermitteln.“

      Ich will ja nicht schon wieder mecken, aber glauben Sie wirklich, das funktioniert? Das Niveau bei TikTok ist ja so niedrig, dass Ihr Content bestimmt herausragt – aber welches Wissen kann man in Mini-Videoclips ernsthaft über Wirtschaft vermitteln?

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        Stoertebekker sagte:

        @R Ott
        >aber welches Wissen kann man in Mini-Videoclips ernsthaft über Wirtschaft vermitteln>

        Das weiß ich noch nicht. Aber ich verwerfe es nicht von vornherein.

        Ideen, die ich probieren will, sind z.B. „Kosten&Preis“, „Angebot&Nachfrage“, „Sparen&Versicherung“. Ein erster Versuch mit Bitcoin/Fiat-/Warengeld war durchwachsen.

        Kann also komplett schiefgehen. Sicher ist aber, dass ICH zu deren Medien gehen muss, wenn ich sie erreichen WILL.

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        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        „Kann also komplett schiefgehen. Sicher ist aber, dass ICH zu deren Medien gehen muss, wenn ich sie erreichen WILL.“

        Das stimmt nicht zwingend. Es mietet ja auch niemand ein Schaufenster in St. Pauli und stellt sich dann nachts da ein und redet über Wirtschaftsthemen – obwohl das sicherlich ein guter Weg wäre, um die Zuhälter und Prostituierten dort zu erreichen.

        PS: Die Geopolitikexpertin Laura-Sophie von Tiktok kennen Sie bestimmt schon, oder?
        https://youtu.be/emm7QiWz2tc?t=55

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Stoertebekker

      >Die Welt wird sich weiterdrehen und einen anderen Verlauf nehmen, als wenn wir das Sagen hätten.>

      Was reden Sie – WIR haben doch das Sagen.

      Ich meine das maßgebliche W I R – die MEHRHEIT im Lande.

      Was sollen Debatten über LÖSUNGSIDEEN, wenn die Mehrheit ENTSCHIEDEN hat, WAS die Lösung sein soll – das System auf den Kopf zu stellen ist.

      Es geht letztlich NUR noch darum, die FOLGEN darzulegen.

      Das heißt nicht:

      „alles ist schlecht“.

      Es heißt für mich und andere:

      Die Ziele werden NICHT erreicht werden und der Schaden wird IMMENS sein.

      Das ist es dann auch schon im Wesentlichen.

      Für was wollen Sie Basis-Wirtschaftswissen vermitteln?

      Diejenigen, die Sie erreichen wollen, werden sich a) entweder bestätigt fühlen, b) es längst bewertet und in ihrem Universum platziert haben oder c) es für unbeachtlich halten.

      Welchen NETTO-Effekt wollen Sie da noch erzielen?

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        Stoertebekker sagte:

        @R Ott, D Tischer

        Ja, ja. Die „Alten“ wissen Bescheid. Wieviel TikTok haben Sie sich angetan? Wie neugierig sind Sie auf das, was die Jungen treiben? Was wissen Sie von dem, was die Jungen gern erfahren würden? Ich bin ja bei einer Reihe von Einschätzungen bei Ihnen, aber MIR reicht das launige Kommentieren nicht.

        Und bei TikTok hat einer meiner ersten (!) drei Versuche in sieben Tagen mehr als 22k Aufrufe gehabt, der Rest um 700. Vielleicht gibt es ja doch Interessierte und man muss sie nur erreichen. Und wenn ich nur 100 oder auch nur 10 eine neue Perspektive gebe, habe ich in meiner Welt schon was geschafft.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        Ich will Sie ja nicht abhalten – tun Sie, was Sie für gut und richtig halten in „Ihrer Welt“.

        Das tun wir schließlich alle.

        Ich hoffe, dass diejenigen, die für Ihr TikTok genügend ZEIT aufwenden, mit der verbleibenden etwas Vernünftiges anfangen und NICHT bei TikTok hängen bleiben.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Und die Politik hat bisher darauf keine Antwort gefunden.“

    Klingt jetzt wie ein Kalauer: Wieso sollte die Politik überhaupt eine Antwort suchen? Hat doch so gut wie kaum ein Wähler gefragt.

    Hat aber einen ernsten Hintergrund, denn die „neuen“ billigen ostasiatischen Arbeitskräfte versorgten das eigene Wahlvolk mit billigen Konsumgütern wie Textilien, Spielwaren, Elektroartikeln oder Haushaltsbedarf, was dazu geführt hat, dass der Wohlstand der westlichen Bevölkerung trotz zunehmender Bürokratisierung, Sozialausgaben, demografischer Probleme und sinkendem Ehrgeiz nicht zu sehr gelitten hat. Den Rest erledigten billige osteuropäische Importkräfte auf dem Bau, in der Pflege, der Müllabfuhr und bei sonstigen anstrengenden Jobs. Die Politik brauchte deshalb gar keine Antworten finden, sondern einfach nur die nicht selbst geschaffenen Vorteile der internationalen Arbeitsteilung bzw. Faktormobilität mitnehmen und Wohltaten verteilen, abgesehen von der Hartz4-Phase der Schröder-Ära, als die nach Südeuropa fliesenden mitteleuropäischen Ersparnisse der Währungsunion die Zinsen im Süden zu tief und in Deutschland zu hoch werden ließen.

    Aber ansonsten konnten die Kinder der Babyboomer statt wie in den 60ern Elektriker, Bauingenieur oder Krankenschwester zu werden im Jahr 2000 Kulturwirtschaft, Theaterwissenschaft, BWL mit Schwerpunkt Organisation und Personal (natürlich ohne irgendwelche Kenntnisse des Sozialgesetzbuches und des Einkommensteuergesetzes), Romanistik oder „Neue Medien“ studieren. Keine Generation vorher – abgesehen von denen mit Beruf Sohn oder Tochter der absoluten Oberschicht – konnte sich das erlauben.

    Aber JETZT werden die Antworten fällig, die die Politik nicht hat. Was machen wir denn, wenn die Einfuhrpreise steigen, weil der Lohn des chinesisches Arbeiters schneller steigt als der mitteleuropäische und auch der Wechselkurs Euro-Yuan ungünstig läuft? Was machen wir denn, wenn mit der Automobilindustrie und dem Maschinenbau die letzten mit Preissetzungsmacht versehenen technologischen Vorteile aus 150 Jahren geschichtlichem Industralisierungsvorsprung langsam den Bach runter gehen? Womit zahlen wir denn die Renten der nächsten drei Jahrzehnte ohne die nicht geborenen Kinder der letzten 50 Jahre? Wie senken wir denn die Schuldenquote im Verhältnis zum BIP? Antworten darauf kann es aktuell nicht geben, denn sie sind böse, libertär, marktradikal, rechts oder „Mottenkiste“. Suchen Sie sich einen Begriff Ihrer Wahl heraus – er ist tabu, weil zu leistungsorientiert und damit anstrengend.

    Alle diese Fragen stellen sich in Wirklichkeit jetzt erst, denn bisher konnte man sie am Wahltag immer wieder erfolgreich umschiffen und für die Bundestagswahl 2021 in Deutschland dürfte es mit der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, gesetzlicher Insolvenzverschleppung, dem Nachnutzen des früher erarbeiteten AAA-Ratings und dem letzten Spielraum an Neuverschuldung gerade noch reichen. 2025 wird das m.E. garantiert nicht mehr klappen. Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit, Verlängerung der Lebensarbeitszeit, Privatisierungen von Bahn & Post, Einsparungen im öffentlichen Bereich (z.B. Brücken, Schulen, Militär) – alles in den letzten Jahrzehnten angeblich ziemlich ausgelutscht. Glaubt die Politik. Und die Medien. Und der große Teil der Gesellschaft.

    Irrtum: wer keine Rente hat und gesund ist, wird künftig auch mit 75 arbeiten, egal ob er gesetzlich muss oder mit der Rente einfach nicht klar kommt. Wessen Kind kein neues Schulbuch mehr gestellt bekommt, wird es selbst besorgen müssen oder der Nachwuchs hat Pech. Wenn die Brücke auf der Landstraße mit 100 km/h nicht mehr überfahren werden darf, stellt man nach Rücksprache mit dem Statiker halt das Schild „60“ auf, wenn die Sanierung nicht bezahlbar ist. Und vieles andere mehr, das kommen wird, weil es ohne Sinneswandel zwangsweise kommen muss. Weil die notwendigen Schritte für echte Produktivitätsfortschritte wie z.B. echte Zumutungen immer noch nicht politisch durchsetzbar sind. Egal, ob es die Abschaffung überflüssiger Bundesländer wie Bremen sind, das Stoppen von Entwicklungshilfegeschenken zum Kauf von Unterstützerstimmen in internationalen Organen von UNO bis EU, unnötige bürokratische Bankregulierungen statt höhere Eigenkapitalquoten, der Wegfall von 1000 unsinniger Vorschriften und Vorschriftenversuche für den Normalbürger vom Berliner Mietendeckel bis zu fünfjährigen Bearbeitungsdauern bei Asylverfahren oder die Geldgeschenke an Vereine und Verbände aus dem Säckel der öffentlichen Hand vom Pilates an der VHS bis zum subventionierten Eisstadion, in dem bei 25 ° C Außentemperatur für schlappe 50.000 € monatliche Stromkosten die Kühlung angeworfen wird, damit ein paar Leute den Puk ins Tor befördern können. Von einer Bildungsoffensive wie in Singapur oder einer Technologiebörse wie in Israel gar nicht zu reden, denn auch das Anlageverhalten der Bevölkerung ist unterirdisch. Wer leiht denn noch seinem hochmotivierten ehrgeizigem Neffen Startkapital für ein erfolgversprechendes Startup statt sich einen Oldtimer, eine Eigentumswohnung oder einen ETF anzuschaffen, auch wenn der Neffe das Kapital im Erfolgsfall vervielfältigen könnte?

    So, schon wieder zu viel geschrieben, ich höre ja schon auf…^^

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      >Wieso sollte die Politik überhaupt eine Antwort suchen?>

      Gute Frage, richtige Antwort:

      >Die Politik brauchte … gar keine Antworten finden, sondern einfach nur die nicht selbst geschaffenen Vorteile der internationalen Arbeitsteilung bzw. Faktormobilität mitnehmen und Wohltaten verteilen,…>

      Das war die Vergangenheit.

      >Aber JETZT werden die Antworten fällig, die die Politik nicht hat. Was machen wir denn … ?>

      Ihre Fragen sind richtig, weil sich die Verhältnisse geradezu dramatisch ändern.

      >Antworten darauf kann es aktuell nicht geben, denn sie sind böse, libertär, marktradikal, rechts oder „Mottenkiste“. Suchen Sie sich einen Begriff Ihrer Wahl heraus – er ist tabu, weil zu leistungsorientiert und damit anstrengend.>

      Da bin ich ganz ANDERER Meinung.

      Es stimmt zwar, die vermeintlich „aktuellen“ Antworten kann es nicht geben – aber nicht, weil sie tabu seien, sondern weil das System mit diesen Antworten – weitverbreiteter ÜBERZEUGUNG nach – an die Wand gefahren sei.

      Daher muss es NEUE Antworten geben – und es gibt sie bereits.

      Die Politik hat sie NICHT eigenständig gefunden.

      Ein Großteil der Bevölkerung, Aufgeschreckte, weit mehr als die Mehrheit, diktiert der Politik die neue Antwort:

      Energiewende auf Biegen und Brechen, egal was es kostet und wo wir damit enden.

      Wir haben hier schon so viel darüber geredet, so dass ich es kurz machen kann:

      Nix libertär und Markt, sondern der Staat sagt, wo es lang geht und gibt den Tarif durch:

      Wer mitspielt, wird subventioniert.

      Wer durch den Rost fällt, wird aufgefangen.

      Der Rest kann mehr oder weniger reguliert so weiter machen – nur nicht stören.

      Geld spielt keine Rolle, Deutschland hat bei der Staatsverschuldung noch viel Luft nach oben und die EZB ist längst zu allem fähig.

      So sieht es derzeit aus.

      Wie lange dieses Szenario halten wird, steht allerdings in den Sternen.

      Jeden Tag Ankündigungen von ENTLASSUNGEN, BRANCHENÜBERGREIFEND und in FÜNFSTELLIGER Höhe – und das um uns herum „garniert“ mit stark steigenden Infektionszahlen …

      Und dennoch, es ist eine erstaunliche Ruhe im Lande festzustellen, für mein Empfinden fast unheimlich.

      Wahrscheinlich liegt es daran, dass es wieder einmal mit der Wirtschaft AUFWÄRTS geht …

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      J. Lange sagte:

      Sehr geehrte Frau Finke-Röpke,

      nein, Sie haben nicht zuviel geschrieben.

      Sie haben die derzeitige Situation auf den Punkt gebracht.

      Liebe Grüße J.Lange

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    David sagte:

    Herzlichen Dank für den erhellenden Artikel, Herr Dr. Stelter.
    Ich wollte mich an dieser Stelle einfach mal für Ihre nun schon viele Jahre andauernde Aufklärungsarbeit in makro-ökonomischen Fragen bedanken, von der ich bisher still und heimlich in diesem Blog lesend profitiert habe.

    Ich frage mich nur wie das werden soll, wenn die Renten von steigender Inflation so entwertet werden, dass sie nicht mehr zum Überleben reichen?

    Für mich als jüngeren Menschen geht wohl KEIN WEG an privater Vorsorge und vor allem systematischem Sparen und Investieren vorbei. Aber das scheint mir als Mini-Sparer im Moment (außer in Dinge wie Gold / ((Bitcoin???)) / die eigene Ausbildung ) mit Blick auf die Aktienmärkte nicht aussichtsreicht zu sein. Naja, vielleicht können wir nach der nächsten Korrektur wieder einsteigen, wenn dann noch ein Stein auf dem anderen steht… . Man bleibe optimistisch.
    Beste Grüße,
    David.

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    Al sagte:

    „Die Probleme haben die X und Yler danach.“

    Nein, Boomer stimmt schon. Die meisten Xer und Ys die ich kenne, rechnen nicht mehr damit selbst eine Rente zu bekommen. Sie werden wohl kaum überrascht werden, was die Schwierigkeiten begrenzt.

    Allerdings sollte sich niemand darauf verlassen das sie willens (und in der Lage) sind für ihre Altvorderen zu zahlen.

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    ruby sagte:

    „bto: …Und was kommt jetzt? …“

    Dazu hätte ich zwei Annahmen vorausgeschickt:
    1. Ist das Kommende eine konstruierte Organisationsstruktur also eine Funktion oder
    2. ereignet sich die zukünftige Entwicklung und „globele“/renationalisierte Blöckekonstellation aus den zufälligen bedingenden Ereignissen?

    Das sind sehr unterschiedliche Modelle von Gesellschaftskonstruktionen und kann Komplexität auf wenige bzw. relevante Faktorsteuerungen beschränkt, konzentriert gesteuert werden, bleibt zu untersuchen.

    Bilanzsummen und Geldsystembasierungen – Goldstandard, Kreditgeld oder Digitalwährung bleiben meiner Rückschau nach immer nur Mittel zum Zweck. Doch von wem und wofür, die Demographie ist ein beschreibendes zusammengetragenes Statistikmaß, das hinterher ausgestellt wird.
    Bei acht Milliarden Gesamtbevölkerung verlieren sich die aktuellen Instrumente der klassischen Institutionen.

    Kapitalismus, Debitismus, Sozialismus, Zentralismus, Universalismus oder nur regionale, zonale Allianzen der Wirtschaftslenkung sehe ich auf der Mindmap der Rechenschaftslegung in Geldsalden von Schlussbilanzen und Eröffnungsbilanzbuchungen.

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    JM sagte:

    Bitte keine Miesepetrigkeit hier im Forum!
    Dass demographische Probleme dräuen, war einigen aufgeweckten Denkern schon in den 1970ern klar. Kurz zuvor hatte der Pillenknick die Geburtenraten deutlich nach unten gedrückt. Pech für die Boomer (zähle mich auch dazu), die gerade noch vor diesem markanten Ereignis das Licht der Welt erblickt hatten. Denn deren Renten mussten ja auch irgendwie finanziert werden, aber das interessierte in den Zeiten von Beatles und Rock´n´Roll niemanden, war ja noch weit weg. Doch der Zahn der Zeit frisst unaufhörlich weiter – bis zum Zahltag.
    Und jetzt soll plötzlich das große Gejammer beginnen? Moment mal, es ist ja nicht so, dass völlig unerwartet ein Komet auf Mutter Erde eingeschlagen hätte. Nein, man hätte das mit einfachster Mathematik schon vor Jahrzehnten ausrechnen können. Aber man wollte es nicht. Man hat eben lieber einer Politik seine Stimme gegeben, die genau dieses Problem immer elegant umschifft und die Menschen mit Illusionen eingelullt hat. Hieß es nicht schon vor der Jahrtausendwende „Die Rente ist sicher“? Aber sicher.
    Es wurde niemand gezwungen, jene Parteien zu wählen, die genau diesen Zustand herbeigeführt haben.
    Dumm gelaufen, nicht wahr.

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      Felix sagte:

      @ JM:

      So ist es. Ich habe jedoch den Eindruck, dass sich diese Erkenntnis erst durchsetzt, wenn es ganz klar ist: wenn die Rente nur noch für ein paar Tage reicht und ein Familienmitglied im Blackout ums Leben gekommen ist. Vielleicht noch nicht mal dann, wenn nur ein passender Sündenbock zur Hand ist.

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    • Avatar
      jobi sagte:

      @JM

      “ .. die genau dieses Problem immer elegant umschifft und die Menschen mit Illusionen eingelullt hat“

      Nicht allein das – als die Kosten der Einheit zu drücken begannen, hat man die Strategie gewechselt:
      Angst schüren statt Einlullen. Schon damals ein Erfolgsrezept.

      Und plötzlich war jeder davon überzeugt, dass er
      nun zusätzlich vorsorgen musste, am besten mit einem streng regulierten Produkt ( Anleihen zwecks zusätzlicher Staatseinnahmen) mit staatlicher Förderung ( in Höhe der Vertriebskosten der privaten Versicherung ) und Garantieverzinsung.

      „Es wurde niemand gezwungen, jene Parteien zu wählen, die genau diesen Zustand herbeigeführt haben“

      Eine Partei, welche die Probleme offen und ehrlich angehen wollte, gab es damals wie heute nicht, soweit ich mich erinnere, es gab allerdings immer mehr Nichtwähler.

      Und deshalb gilt damals wie heute, Politikversprechen kritisch zu hinterfragen, die wahren Absichten zu erkennen, und unsere Zustimmung zu verweigern, wenn diese mit Hilfe von Angst und Panikmache erlangt werden soll.

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    • Avatar
      markus sagte:

      „Pech für die Boomer“

      Wieso dass denn? Aufgrund der Masse konnten die bisher doch ihre Interessen immer durchsetzen. Die Probleme haben die X und Yler danach.

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        Felix sagte:

        @ Markus

        Für die USA, die den Trend anführen, stimme ich da teilweise zu. Aber besonders in Deutschland starteten die Babyboomer später. Dadurch kam ein Teil schon nicht mehr in den Genuß der Wirtschaftswunderzeiten (Bruchstelle war die erste Ölkrise), und dem jüngeren Teil der deutschen Babyboomer wurde ab dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 das Fell über die Ohren gezogen (Sandwich-Generation). Die GenY macht sich das Leben eher selbst schwer: die haben viel mehr Möglichkeiten, jammern aber wegen allem möglichen herum und wollen was „sinnvolles“ machen, was immer Spaß machen soll usw usw.. Die ganz Jungen finden eine extremere Situation vor: wenn sie wollen, können sie heute sehr viel schneller mehr erreichen, wenn sie nur so arbeiten wollen würden, wie die Boomer früher mußten, weil überall qualifiziertes Personal fehlt. Aber die wollen eher wieder in die gemütlichen Zeiten des Kalten Krieges zurück. 40 Stunden und die anderen Lebensbereiche immer schön ausleben. Kann man ja auch verstehen. Aber so geht es eben nicht. Es wird sich nie ändern, dass man die Ärmel hochkrempeln muss und manchmal die Nacht durcharbeiten wird, wenn man sein Potential auch nur ansatzweise entfalten will. Wer heute mit einem einfachen Job ohne große Verantwortung und ständigen Fortbildungszwang seinen Lebensunterhalt verdienen will, findet eben immer weniger passende Stellen.

    • Avatar
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @JM:

      Wer ist denn „miesepetrig“?

      Ich sehe hier im Forum niemanden, Herrn Dr. Stelter schon gar nicht. Klar geht es wirtschaftlich durch die Demographie runter, aber wer sagt denn, dass es dadurch gesellschaftlich nicht aufwärts geht? Zum Beispiel durch mehr unternehmerische Freiheiten, die man zähneknirschend politisch gewährt, weil man auf das Wirtschaftswachstum der nicht mehr so stark regulierten Wirtschaftssubjekte, also genau genommen auf ihre Produktivitätsfortschritte, angewiesen ist? Weil zum Beispiel das Mitbestimmungsrecht einfach drastisch reduziert wird? Ein frei gestellter Betriebsrat ab 500 oder 700 Mitarbeitern statt ab 200 ist immer noch besser als gar keiner wie in Ostasien. Ja, ich weiß, ich mache mich damit gerade unbeliebt. Aber Vorschriften haben wir sehr reichlich und das Abbauen ist wirklich billig, bringt aber viel. Nur nicht für den, der dadurch gezwungen wird, sein Leben zu ändern. Nur – genau darum geht es ja, dass die Produktivität erhöht wird und der frei gestellte Betriebsrat im Unternehmen mit 225 Mitarbeitern auf einmal wieder 70 % seiner Arbeitszeit am Band steht. Für ihn ist das schlecht, für das Unternehmen, die Volkswirtschaft und den Staat als Ganzes ist es gut.

      Vom Gleichstellungsbeauftragten der Behörde Ihrer Wahl möchte ich nicht reden, ich habe dazu nach naiver jugendlicher Begeisterung und einigen Erfahrungen in den vergangenen Jahrzehnten eine dezidierte negative Meinung.

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  8. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Der „Chart of the Day“ ist ja fast schon ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man ein besonders manipulatives Diagramm erstellt:

    -rechte Y-Achse invertiert und mit willkürlich gewählter Skalierung sodass es möglichst schön zur anderen Kurve passt
    -die Kategorie „G-10 Central Bank Balance Sheet Size“ ist irreführend weil die „G10“-Länder von vor 20 Jahren nicht zwingend die G10-Länder von heute sein müssen (was die Datenreihe tatsächlich darstellt, ist mir nicht klar)
    -die Datenreihe „G-10 Central Bank Balance Sheet Size“ ist erst ab dem Jahr 2000 überhaupt eingezeichnet; und das kann bestimmt nicht daran liegen, dass es 2000 keine Daten über die Bilanzsummen der Zentralbanken gab

    Fazit: Hier soll etwas als unvermeidliche Entwicklung dargestellt werden, was keine unvermeidliche Entwicklung ist. Vor 2000 gab es den behaupteten Zusammenhang zwischen Zentralbank-Bilanzsummen und Anteil der 15- bis 64-jährigen an der Gesamtbevölkerung nämlich noch nicht.

    Wenn wir 2008 die Banken hätten pleite gehen lassen, dann wären die Zentralbank-Bilanzsummen nicht so weit angestiegen, obwohl das die Alterszusammensetzung der Bevölkerung nicht verändert hätte.

    Die Demografie „zwingt“ zu gar nichts. Gelddrucken ist bloß der einfachste Weg, um die demografischen Probleme eine Zeit lang zu übertünchen.

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      Felix sagte:

      @ Richard Ott:

      Die heraufziehenden demographischen Probleme wurden schon in den 70er Jahren auf den Schulhöfen im Westen besprochen. 2008 sind die Ungleichgewichte lediglich virulent geworden. Deswegen haben schon damals eigentlich alle die die Entwicklung wach begleitet haben, mit dem ganz großen Knall gerechnet. Dieser wurde noch einmal abgewendet, in dem man Geld gedruckt und zugleich eine Erzählung erfunden hat, dass dieses Geld kein Problem ist, weil es von den Zentralbanken wieder eingesammelt würde (es sollte sein, „wie der Farbe beim trocknen zuzusehen“). Spätestens seit 2018 ist diese Erzählung als der Unfug überführt, der er ist. Deswegen die ständige Instabilität. Die einen hoffen auf weitere schnelle Gewinne und pokern darauf, dass sie diese vor dem Knall auch noch realisieren können, die anderen kaufen gleich Gold und Silber und lehnen sich zurück. Wer sich in keiner der beiden Gruppen wiederfindet, schläft noch.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott:

      Sehe ich zum Thema „Gelddrucken und Demografie“ ähnlich, schreibt aber der Autor ja auch:

      „it’s a case of printing money to keep the ever increasing debt alive rather than making enough babies in the previous generation to pass on the burden.“

      Meines Erachtens klappt das aber nur für ein paar Jahre, dann trifft es gerade die dann noch lebende ältere Generation noch härter als die, die aktuell sich mit 85 und darüber sagen, für sie reicht es wohl ganz sicher noch bis zum Lebensende. Das glauben viele mit 55 hier auch, nur die irren sich im Gegensatz zu denen mit über 85. Denn wenn wegen Überschuldung die Kaufkraft der Währung oder die Währung selbst kollabieren wird, haben die wenigen Jungen eine deutlich bessere Verhandlungsposition für die Zeit danach als die Ruheständler, deren Ersparnisse oder Rentenansprüche real wohl nicht so einfach gegen die Jungen hochverhandelt werden können. Auch wenn die Alten demokratietheretisch bei Wahlen zahlenmäßig im Vorteil sind, sind es die Jungen auf dem Arbeitsmarkt, die mit „den Füßen abstimmen können“. So kann der einzelne junge Mensch emigrieren, in die Illegalilität wandern (z.B. Schwarzarbeit), die Arbeit verweigern, etc, wenn es die alten dann mit der Belastung der Jungen übertreiben. Denn die hohen Schulden der Allgemeinheit sind überwiegend die Vermögen der Privaten und zwar da wieder eher die der älteren Privaten; die Jungen haben eher seltener hohe Privatvermögen. Ein gesunde(r) 20jährige(r) mit abgeschlossener Ausbildung ohne Ersparnisse in einem dringend benötigten qualifizierten Beruf (z.B. Heizungsinstallateur, OP-Pfleger, Systemadministrator, etc.) kann einer Währungsreform, einer Staatspleite oder einer galloppierenden Inflation immer noch gelassener entgegensehen als ein 70jähriger Ruheständler mit dem Dreiklang gesetzliche Rente, Pensionskassenanspruch und Einnahmen aus Kapitaleinkünften. Denn diese müssen irgendwie von jüngeren, v.a. im Inland, erwirtschaftet werden. Wird spannend!

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Selig

        „Sehe ich zum Thema „Gelddrucken und Demografie“ ähnlich, schreibt aber der Autor ja auch:“

        Wenn es der Autor der Studie wirklich auch so sieht wie wir, wieso erstellt er dann so einen grauenhaften Chart dazu? Man könnte doch einfach zeigen, dass es früher keinen Zusammenhang hab und seit ungefähr 20 Jahren schon – oder wäre das zu ehrlich für die Deutsche Bank?

        Beim Rest grundsätzliche Zustimmung zu Ihrem Kommentar, aber 2 Anmerkungen:

        „So kann der einzelne junge Mensch emigrieren, in die Illegalilität wandern (z.B. Schwarzarbeit), die Arbeit verweigern, etc, wenn es die alten dann mit der Belastung der Jungen übertreiben“

        Der DDR-Sozialismus hatte für alle diese Probleme elegante Lösungen: Mauer, staatliche Überwachung und in der Verfassung verankerte allgemeine Arbeitspflicht, nötigenfalls mit etwas mehr Nachdruck durchgesetzt durch einen netten Aufenthalt im Jugendwerkhof oder im sogenannten „militärischen Strafvollzug“.

        Wieso sind Sie sich so sicher, dass das nicht wiederkommt?

        „[ein junger Mensch]kann einer Währungsreform, einer Staatspleite oder einer galloppierenden Inflation immer noch gelassener entgegensehen als ein 70jähriger Ruheständler mit dem Dreiklang gesetzliche Rente, Pensionskassenanspruch und Einnahmen aus Kapitaleinkünften. Denn diese müssen irgendwie von jüngeren, v.a. im Inland, erwirtschaftet werden.“

        Kapitaleinkünfte müssen nicht von jüngeren im Inland erwirtschaftet werden. Ich kann mir auch Aktien aus Japan, USA oder Australien kaufen, dann sind meine Kapitaleinkünfte fast vollkommen unabhängig davon, was junge Leute in Deutschland wollen und machen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Sie haben das FUNDAMENTALE gesellschaftliche PROBLEM treffend benannt:

        Einerseits:

        >… haben die wenigen Jungen eine deutlich bessere Verhandlungsposition für die Zeit danach als die Ruheständler, deren Ersparnisse oder Rentenansprüche real wohl nicht so einfach gegen die Jungen hochverhandelt werden können.>

        Die starke ÖKONOMISCHE Verhandlungsposition der Jungen wird sich in den Lohnrunden zeigen, d. h. in nominal STÄRKER steigenden Einkommenszuwächsen gegenüber den Einkommenszuwächsen aus den Ersparnissen der Alten.

        Andererseits:

        >Auch wenn die Alten demokratietheretisch bei Wahlen zahlenmäßig im Vorteil sind,>

        Mit dieser starken POLITISCHEN Verhandlungsposition werden die Alten die Regierungen ZWINGEN, ihnen nominal steigende Einkommenszuwächse zu verschaffen, um die Einkommenszuwächse der Jungen auszugleichen, i. e. dafür zu sorgen, dass ihre ANSPRÜCHE auf das BIP nicht geringer werden im Vergleich mit den Jungen.

        Wie die Regierungen diese Aufgabe NICHT lösen können:

        HÖHERE Besteuerung der Arbeitseinkommen (der Jungen) und/oder HÖHERE Besteuerung der Ersparnisse (der Alten).

        BEIDES ist INAKZEPTABEL und würde daher die Gesellschaft DESTABILISIEREN.

        Deshalb DIESE Lösung:

        Geld DRUCKEN.

        AUCH das wird die Gesellschaft destabilisieren.

        Ich sehe keinen Ausweg.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Ott:

        Warum die Deutsche Bank diesen wie Sie sagen „grauenhaften“ Chart erstellt? Keine Ahnung, eine Mischung aus zu wenig Zeit des Erstellers und Marketingdruck nehme ich an. Die Analysten müssen irgendetwas produzieren, um die aktuellen und potenziellen Kunden zu beeindrucken. Die Daten der Zentralbankbilanzen waren nur bis zur Jahrtausendwende in der IT und die staubigen Archive der FED, der Banca d`Italia, der BoJ, der BoE usw. in echten Kellern auf Papier zu durchforsten wäre echte Forschungsarbeit gewesen, denn natürlich hätte der Zentralbankchart ebenfalls 1950 beginnen müssen. So in etwa stelle ich mir das vor, ohne dem Ersteller persönlich zu nahe treten zu wollen.

        Die Deutsche Bank ist aber kein Forschungsinstitut, sondern ein Vertriebsinstitut. Da hat bekommt man für solche Recherchen nicht mal schnell ein Budget und Manpower, zumindest nicht, seit dem Leute wie Norbert Walter und Thomas Mayer nicht mehr Chefvolkswirte sind und was zu sagen haben bzw. das Geld für eigene Belange knapper ist. Das ist ja seit Jahren das Problem der Bank, ihre Kunden nicht so zu versorgen, dass diese die „Deutsche“ der nächsten und übernächsten Generation der Familie oder der Unternehmensführung stolz und ohne groß nachzudenken weiterempfehlen.

        Außerdem darf man auch keinen Chart machen, der die Regierung verprellt, die man vielleicht noch mal braucht. Mit diesem Chart gelingt das, der verschreckt niemanden.

        Und was Ihre Erinnerung an „Mauer“, staatliche Arbeitspflicht und Überwachung betrifft. Da bin ich mir recht sicher, dass das nicht wieder kommt. Das konnten Sie mit den Bürgern der DDR machen, die schon länger hier waren und übergangslos aus dem repressiven Dritten Reich rübergeschlittert sind. Das machen Sie mit der sog. „Partyszene“ in Frankfurt oder Stuttgart oder mit den eher nach links orientierten in Leipzig: genau gar nicht, das versuchen Sie da nur ein Mal.

        Und in der Geschwindigkeit, mit der z.B. Spitzenpolitiker der SPD die Polizei pauschal verurteilen, finden Sie vermutlich auch nicht mehr genügend Leute, die für einen solchen Überwachungsstaat buchstäblich noch den Kopf hinhalten wollen. Ist aber meine unfundierte Privatmeinung, ich kann mich auch kolossal irren.

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      Felix sagte:

      @ Richard Ott:

      Die Zunahme der Geldmenge ist ein fixer Bestandteil jeder FIAT – Währung. Es handelt sich (wie meist bei natürlichen Prozessen) um eine nicht-lineare, exponentielle Funktion. Sie werden sehen, dass „das Beste zum Schluss kommt“. Richtig ist ja auch, dass die Vergrößerung des Arbeitskräftepotentials vor 2000 die „Notwendigkeit“ zusätzlicher Geldschöpfung gebremst hat.

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      Horst sagte:

      „-die Kategorie „G-10 Central Bank Balance Sheet Size“ ist irreführend weil die „G10“-Länder von vor 20 Jahren nicht zwingend die G10-Länder von heute sein müssen (was die Datenreihe tatsächlich darstellt, ist mir nicht klar)“

      G10 seit 1962 unverändert, seit 1983 Aufnahme Schweiz, seitdem de facto G11.

      Diese beiden zeitreihengebundenen Darstellungen haben in EINEM Chart – einen Zusammenhang herstellen wollend – nichts zu suchen.

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