Der Traum von der Reformfähigkeit der Eurozone …

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… wird noch lange geträumt werden. Es gibt immer wieder Stimmen, die eine Reform der Eurozone für möglich halten, darunter auch kluge Köpfe wie Kenneth Rogoff, Krisenexperte und Wegbereiter des Bargeldverbots. Zur Erinnerung:

Rogoff träumt weiter von der Enteignung

Bargeld muss weg, meint nicht nur Rogoff

Kenneth Rogoff ist ehemaliger Chefökonom des IWF. Er ist Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Harvard. Nun schreibt er über die Möglichkeiten, die Eurozone zu reformieren:

  • „Es stimmt, dass kurzfristig viel Grund für Optimismus besteht. Die Eurozone hat während des vergangenen Jahres eine solide zyklische Erholung erlebt und die Erwartungen stärker als jede andere hoch entwickelte Volkswirtschaft übertroffen. Die Wahl von Emmanuel Macron ist tatsächlich ein Meilenstein, der Hoffnungen weckt, dass Frankreich seine Volkswirtschaft ausreichend wiederbeleben kann, um ein echter, gleichwertiger Partner Deutschlands in der Lenkung der Eurozone zu werden.“ bto: Mit diesem Optimismus ist er bekanntlich nicht alleine.
  • „Aber es ist nicht alles gut. Es gibt kaum Wachstum in Griechenland, und das nach einer der schlimmsten Rezessionen der jüngsten Geschichte. (…) Viel besser als Griechenland hat sich Italien entwickelt, doch das ist ein zweifelhaftes Kompliment: Die italienischen Realeinkommen sind heute tatsächlich niedriger als vor einem Jahrzehnt. Für Südeuropa insgesamt hat sich die Gemeinschaftswährung als goldener Käfig erwiesen, der mehr haushalts- und geldpolitische Disziplin erzwungen, aber den Wechselkurs als wichtiges Polster gegen unerwartete Erschütterungen abgeschafft hat.“ bto: Das kann man wohl so sagen.
  • „Es ist inzwischen ziemlich offensichtlich, dass der Euro für den Erfolg der EU nicht notwendig war und sich stattdessen als massives Hindernis erwiesen hat (…). Möglicherweise hätten sich die südeuropäischen Länder nie ein derart tiefes Schuldenloch gegraben, wenn sie ihre eigenen Währungen behalten hätten und die Möglichkeit gehabt hätten, sich eines Teils ihrer Schulden über die Inflation zu entledigen.“ bto: Das ist unzweifelhaft so, aber ich finde eine etwas sehr zögerliche Argumentation.
  • „(…) der Status quo (lässt sich) vermutlich nicht aufrechterhalten; letztlich muss es entweder eine deutlich stärkere Fiskalintegration oder ein chaotisches Auseinanderbrechen geben. Zu glauben, dass der Euro in den nächsten fünf bis zehn Jahren (wenn nicht schon eher) keine weiteren realen Stresstests erleben wird, ist erstaunlich naiv.“ bto: Das kann man laut sagen! Siehe Beitrag von heute Morgen.
  • „(…) warum sind die Märkte dann so überaus ruhig, und warum bringen zehnjährige italienische Staatsanleihen nicht mal zwei Prozentpunkte mehr Rendite als deutsche? Vielleicht spiegelt der geringe Risikoaufschlag die Ansicht der Anleger, dass es letztlich direkte Rettungsmassnahmen geben wird – egal, wie heftig deutsche Politiker auch das Gegenteil beteuern mögen. Der Ankauf von Schuldtiteln aus den Peripherieländern durch die Europäische Zentralbank stellt bereits eine stillschweigende Subvention dar, und die Diskussion über Eurobonds erhitzt sich nach Macrons Wahlsieg.“ bto: Das kann man genauso zusammenfassen!

bto: Das ist also die Hoffnung: keine Reform, sondern Transferunion. Doch diese würde auch nicht helfen!

fuw.ch: „Eurozone – Reform oder Untergang“, 22. Juni 2017

16 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    >„(…) der Status quo (lässt sich) vermutlich nicht aufrechterhalten; letztlich muss es entweder eine deutlich stärkere Fiskalintegration oder ein chaotisches Auseinanderbrechen geben. Zu glauben, dass der Euro in den nächsten fünf bis zehn Jahren (wenn nicht schon eher) keine weiteren realen Stresstests erleben wird, ist erstaunlich naiv.“>

    Solange die EZB bezüglich geringer UNMITTELBAREN Auswirkungen auf die Staatsbudgets und die Lebenskosten der Bevölkerungen weiter macht, können alle ruhig sein.

    Wenn aber die Menschen der Geberländer explizit erkennbare Transfers mit einer Situation fehlender Wohlstandsperspektiven korrelieren, kann es eng werden.

    Bei innenpolitischem Druck mit dem Risiko der Wählerbestrafung gibt es letztlich nur eine erfolgversprechende Reaktion: diesem Druck nachgeben und die Politik entsprechend ändern.

    Merkel und die Flüchtlingskrise sind ein Beispiel par excellence dafür:

    Seit sie von ihrem „Das schaffen wir“ mit dem sinngemäßen, die unkontrollierte Masseneinwanderung betreffend „es passiert nicht mehr“ abgerückt ist und es TATSÄCHLICH nicht mehr passiert, erhält die AfD verglichen mit den Landtagswahlen im Frühjahr 2016 deutlich weniger Zustimmung.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es bei anderen Sachverhalten – u. a. auch eindeutig nationalstaatlcihen Transfers –genauso läuft, vor allem wenn die Mehrheit nach den Bundestagswahlen kleiner und heterogener sein wird.

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  2. Johann Schwarting says:

    Hallo Herr Dr. Stelter,

    warum überall diese Aufregung und das negativen Denken – alles verläuft richtig gemäß der seit Anbeginn der Zivilisationen herrschenden historisch gültigen und belegbaren debitistischen Logik.

    Vor einigen Jahren wurden die Schulden der Stadt Göttingen unter zukünftiger Beachtung gewisser finanzieller Verhaltensweisen teilweise vom Land Niedersachsen als höhere staatliche Einheit übernommen. Ähnliches geschah mit Schulden des Stadtstaates Bremen und des Saarlandes, wegen ihrer Belastung durch die Häfen bzw. durch die Steinkohle. Der Bund übernahm teilweise ihre Schulden. Die Schulden wurden umgebucht auf schon existierende höhere staatliche Entitäten. Die immer noch erfolgreichen Bayern und Baden-Württemberger „haften“ für den Schlendrian in Bremen und im Saarland. Gut so – und der Export schlägt alle Rekorde!

    Im Altertum waren Alexander der Große und die römischen Imperatoren wegen der Vorfinanzierungsproblematik ihrer Reiche und des Vorher-Nachher-Problems mittels Kriege zur räumlichen Expansion gezwungen, um die Haftungsräume für ihre Verschuldung zu erweitern.

    Es geht immer darum, durch den Gewinn von Zeit das auf Implosion ausgerichtete Schuldgeldsystem hinauszuschieben. Eine räumliche Expansion ist in West-Europa nicht mehr möglich – also muss eine Expansion nach innen gesucht werden. Die Schuldenkrise einzelner EU-Staaten erzeugen den Zwang zur Entstehung einer europäischen Union als höhere staatliche Entität mit allem was dazu gehört – eines europäischen Haftungsraumes für die gemeinsame Verschuldung. Nebenbei: Ohne die wohlwollende Kreditvergabe an die Krisenländer in den letzten Jahrzehnten wäre Deutschland längst defizitär. Die Defizite einzelner Mitgliedstaaten werden durch ein auf alle Mitgliedstaaten verteiltes Schuldenwachstum umverteilt. Bei einem Ausfall der Südländer oder Austritt Deutschlands gäbe es unkontrollierte Abschreibungen von Forderungen. Da wird nichts draus. Die Bedingungen stellt das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einstehende europäisches Reich – dadurch wird es geradewegs definiert. Paul C. Martin hat es schon vor mehr als 30 Jahren nobelpreiswürdig formuliert:

    „Alle Staaten werden für alle Staaten, alle Notenbanken für alle Notenbanken haften, einschließlich Währungsfonds und Weltbank und vielen anderen internationalen Institutionen. Und alle Staaten werden für alle Banken geradestehen, aber auch alle Notenbanken für alle Staaten und alle Staaten für alle Notenbanken. Alle, alle, alle werden für alle, alle, alle da sein. Und alle wissen, dass keinem von allen etwas passieren darf, weil dann allen etwas zustößt.“
    Quelle: PCM, „Der Kapitalismus – ein System, das funktioniert“, 1984, S. 76

    Die Krise Italiens führt hoffentlich endgültig zur Schaffung eines europäischen Zentralstaates. Wir schaffen jetzt unser gemeinsames europäisches Haus – EUROPA. Wichtig dafür sind die Netzwerke

    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/wg2004.pdf

    mit ihren Beratern, die ja im Grunde die Machthalter („The World Government“) im System sind und ihre Felle nicht so schnell davonschwimmen lassen werden. Auch das ist gut so. MfG JS

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    • Dietmar Tischer says:

      >Alle, alle, alle werden für alle, alle, alle da sein.>

      Stimmt, was Staaten, Notenbanken, supranationale Institutionen und Banken betrifft.

      Das ist übrigens ein Kennzeichen des gegenwärtigen Kapitalismus:

      Alle haben viel zu verlieren, weil der Kapitalismus für alle VIEL geschaffen hat.

      Aber alle sind damit auch sehr verletzlich.

      Das ist erst der Anfang, die virtuelle Vernetzung der Welt wird das noch ganz erheblich steigern, wie schon die heutigen Bedrohungsszenarien zeigen.

      Am Schluss kommt es aber auf die Menschen an.

      Systeme kann man womöglich im Griff behalten.

      Die ERWARTUNGEN der Menschen allerdings nicht.

      Auch bei Stabilisierung des Finanzsystems kann es sozial-politischen Entgleisungen kommen, die – es einmal vorsichtig ausgedrückt – dessen Stabilisierung sehr relativieren.

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    • Johannes says:

      JS: „Die Krise Italiens führt hoffentlich endgültig zur Schaffung eines europäischen Zentralstaates.“

      So in etwa ist ja auch die „Hoffnung“ von Herrn Schäuble, die er dereinst (Nov. 2011) in der New York Times geäußert hat…

      “He sees the turmoil as not an obstacle but a necessity. „We can only achieve a political union if we have a crisis,” Mr. Schäuble said.“

      http://www.nytimes.com/2011/11/19/world/europe/for-wolfgang-schauble-seeing-opportunity-in-europes-crisis.html

      Herr Schäuble geht also soweit, dass er die Notwendigkeit oder das Erfordernis einer Krise herausstellt, damit es letztlich zur politischen Union in Europa kommt.

      Statt die Menschen in Europa zu überzeugen, sollen sie durch widrige Umstände quasi zur „Einsicht“ gezwungen werden. Verzeihung, aber dass ist ein erbärmliches Verständnis von Politk.

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      • Dietmar Tischer says:

        Dieses Verständnis von Politik ist nicht nur erbärmlich.

        Diese Politik wird auch erfolglos sein.

        Denn eine Krise wird nur dann erfolgreich genutzt, wenn die Menschen nicht aus Resignation ihr Schicksal annehmen, sondern es mit positiven Perspektiven ergreifen.

        Wenn Schäuble & Co. die nicht liefern können, dann werden andere derartige Perspektiven anbieten.

        Es müssen nicht die besseren oder realistischeren sein, sie können aber den permanent Enttäuschten attraktiver erscheinen und daher Mehrheiten gewinnen.

        Das Problem liegt nicht im Charakter der Politiker, sondern im demokratischen System:

        Gewählt wird nicht, wer den Leuten erzählt, dass sie eine Krise durchzumachen haben, um dann dort zu landen, wo es am besten für sie ist, auch wenn sie keine großartigen Perspektiven haben.

        Wahrheiten wie „Anpassung nach unten“ lassen sich nicht verkaufen.

      • Johann Schwarting says:

        „Herr Schäuble geht also soweit, dass er die Notwendigkeit oder das Erfordernis einer Krise herausstellt, damit es letztlich zur politischen Union in Europa kommt.“

        Der Debitismus ist keine ökonomische Theorie, die „Lösungen“ für die gegenwärtigen wirtschaftlichen Krisen liefert, sondern die historische Betrachtung von Ursache und Folgen des Schuldendrucks. Es ist ja hinzunehmen, wenn die debitistische Geschichtsschreibung geleugnet und für falsch befunden wird. Die nach außen gerichtete Expansion

        https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/nacht-der-kapitulation/#comment-10544

        ist schon gescheitert (letzter Abschnitt meines Kommentars).

        Wer die nach innen gerichtete Expansion nicht will, muss natürlich über die wahren Konsequenzen sprechen. Ein Zusammenbruch der europäischen Wirtschaft mit einer totalen Umgestaltung hin zum politischen Nationalstaat wäre mit Leid und Elend verbunden.

        Das

        „… die Menschen in Europa zu überzeugen, … .“

        gelingt nicht mit der herrschenden „Mainstream- Ökonomie“, wie sie gelehrt, praktiziert und politisch vertreten wird. In Wirklichkeit beginnt alles mit dem Schuldverhältnis „ex-nihilo“ gegenüber einer Zentralmacht im Rahmen einer Zentralmachtordnung. Die Menschen werden zur „Einsicht“ gezwungen!

        Ich möchte mir den Zusammenbruch Europas keinesfalls wünschen.

  3. Bakwahn says:

    Auf der Oekonomenstimme plädiert ein Prof. Mackscheidt für einen europäischen Länderfinanzausgleich! Dieser Aufsatz ist von einer schier unfaßbaren Naivität. Der Professor hat aus der ca. 15jährigen Geschichte des Euro nichts gelernt. Dieser Herr Professor ist doch der Ansicht, daß sich der Club Mediterrane an vereinbarte Regeln hält. Dabei hat Italien in jüngster Vergangenheit Regeln mit Füßen getreten z.B. bei der Rettung dreier italienischer Banken; die erste war diese „Pascha“-Bank, um die italienischen Paschas zu retten.
    Die Einhaltung von Regeln, die auch wirklich konsequent und verbindlich eingehalten werden, diese Hoffnung ist ein feuchter Mythos, ein Phantasma. Alle, die solch optimistischen Vorschläge unterbreiten, sind Bewohner des Luftschlosses Eurotraum. Gesetze, Vereinbarungen, Regeln, Pakte werden durch den Club Mediterrane immer wieder pulverisiert und im Ground Zero, in einem Schwarzen Loch versenkt. Die jeweiligen nationalstaatlichen Politik-, Wirtschafts- und Sozialregimes sind einfach zu unterschiedlich.

    http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2017/07/zur-politik-der-staatsverschuldung-in-europa/

    =============
    Darf ich eine Frage stellen? Wie macht das Italien finanztechnisch eigentlich? Die 30 bis 40 Milliarden, um die es geht, werden ja nicht aus den italienischen Staatshaushalten entnommen!? Ich vermute: Die kommen trickreich über 5 Ecken aus der Gelddruckmaschine der EZB zu italienischen Sonderkonditionen, versteht sich: Nullprozent, die nie zurückzuzahlen sind; mit stiller Duldung der anderen Euro-Länder, auch Deutschlands.

    Live aus dem Biergarten Stoffeln zu Düsseldorf – spät! 21.15 Uhr Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Duesseldorf

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Gesetze, Vereinbarungen, Regeln, Pakte werden durch den Club Mediterrane immer wieder pulverisiert …>

      Nein, nicht pulverisiert, sie werden nicht für null und nichtig erklärt.

      Schließlich dokumentieren sie den guten Willen, GEMEINSAM etwas erreichen zu wollen.

      Sie werden missachtet, übrigens nicht nur vom Club Méditerranée. Wir waren mit die ersten, die die Maastricht Verträge nicht eingehalten haben.

      Alles kein Problem, weil es keine SANKTIONEN gibt bei Vertragsverletzung.

      Im Zivilrecht wird Schadenersatz vereinbart oder er kann eingeklagt werden.

      Braucht man nicht auf der europäischen Ebene und es ist, so vermute ich mal, auch ausgeschlossen, vor dem internationalen Gerichtshof zu klagen.

      Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    Man weiß schon, was zur Rettung erforderlich ist – bei den Banken z. B.

    Wenn auf die Größenordnung von fast € 1 TRILLION NPLs schaut, ist völlig klar:

    Über Nacht geht da gar nichts und wenn überhaupt etwas zu retten ist, dann nur durch den EUROPÄISCHEN Steuerzahler.

    Denn es wird gesagt, dass das Problem nationalstaatlich nicht gelöst worden ist und eine Lösung nützlich für die ganze EU wäre. Wenn das so ist, muss – logisch – jeder in der EU zu Kasse gebeten werden. Wohlgemerkt: für die Altschulden, die einige, aber nicht jeder zu verantworten haben.

    Hier:

    http://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2017/07/11-banking-action-plan-non-performing-loans/

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  5. Dietmar Tischer says:

    @ Johann Schwarting

    >Die Menschen werden zur „Einsicht“ gezwungen!>
    Die Menschen werde nicht zur Einsicht, sondern zur ANPASSUNG gezwungen.

    Aus der Anpassung ERWÄCHST Einsicht.

    Genau da kommt es darauf an, WAS wächst:

    Das kann auch eine so große Unzufriedenheit sein, dass das System destabilisiert wird.

    Das hat etwas mit den Lebensverhältnissen zu tun und zwar rückwärtsgewandt, mit Blick darauf, wie sie einmal waren und auch mit Blick darauf, wie es den anderen geht (intern wie extern)

    Das ist das Problem der Politik.

    Sie kann und wird durch den Interessenausgleich (wieder intern wie extern) versuchen, die Unzufriedenheit in Grenzen zu halten.

    Wenn es allerdings SYSTEMZWÄNGE gibt, wie gegenwärtig mit den EU-,Euro- oder Verschuldungskrisen, dann sind ihre Handlungsoptionen begrenzt.

    Das alles hat mit „Mainstream-Ökonomie“ nichts zu tun, sondern mit Wirkmechanismen.

    >Ich möchte mir den Zusammenbruch Europas keinesfalls wünschen.>

    Ich wünsche ihn mir auch nicht.

    Ich sehe aber nicht, dass er mit der Schäuble-Methode, aus der Krise eine INSTITUTIONELLE Einheit zu schaffen, zu verhindern ist.

    Institutionen können selbstverständlich etwas ERZWINGEN, sie können aber nicht destruktive Handlungsoptionen ausschließen.

    Die EZB z. B. wird nicht verhindern können, dass sich griechische oder italienische Wähler u. U. für Optionen entscheiden, die zu einem Zusammenbruch führen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Hier die Einschätzung von Coppola:

      „Aber Assetpreise zu stützen ist politisch toxisch, insbesondere dann, wenn dies mit fiskalischer Austerität kombiniert wird, die die Einkommen von Menschen komprimiert, die keine hohen Vermögenswerte besitzen. Wenn der kleine Junge zeigt, dass der Kaiser keine Kleider anhand, werden der Imperator und seine Entourage gestürzt, und es gibt einen Bürgerkrieg, der das Land verwüstet. Egal ob die Zentralbanken und Regierungen nun das vollständige Platzen einer Krise verhindern oder nicht – Finanzkrisen vom Ausmaß der 2007/08er Krise führen unvermeidlich auch zu einer politischen Krise, zu Regimewechseln und möglicherweise auch zu Krieg. Und letztendlich zu einer fundamentalen Neuordnung der Gesellschaft.“ https://makronom.de/finanzkrise-herdentrieb-wenn-die-musik-aufhoert-zu-spielen-21955

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Johann Schwarting says:

        KOHELET(vermutlich 10. Jhd. v. Chr.): „Was geschehen ist, wird wieder geschehen, / was man getan hat, wird man wieder tun: / Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“

        1. Zitat: „Aber Assetpreise zu stützen ist politisch toxisch, insbesondere dann, wenn dies mit fiskalischer Austerität kombiniert wird, die die Einkommen von Menschen komprimiert, die keine hohen Vermögenswerte besitzen. …“

        Dazu in: http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=2686

        „Jederzeit können weitere Beispiele nachgeliefert werden. Der Ablauf ist immer derselbe: Erster Anstoß („fresh money“ erscheint). Dann Kreditorgie (Staat und Private). Sachwerthausse. Dann Nachlassen der Zusatznachfrage, Disinflation. Finanztitelhausse wg. sinkender Zinsen. Dann kredit- und „New-Economy“/Gründerzeit usw.-getriebener Bubble. Der platzt. Die Guthaben, die den vordem gemachten Schulden entsprechen, wollen jetzt bedient werden. Scharfe Kontraktion, Finanztitel-Baisse, Wealth-Effect (ex – zumeist nicht realisierten – Aktiengewinnen) verflüchtigt sich. Alles versinkt im Mahlstrom sinkender Kurse, Preise, Werte. Ausweglose Lage. Ende der deflationären Depression erst, nachdem die alten Schulden (Guthaben) ausgebucht sind oder sich per Crash (Banken usw.) verflüchtigt haben. Dann Start zur nächsten Runde… “

        „Merke: Keine Depression ohne vorangegangene Prosperität (Clément Juglar), keine Inflation ohne nachfolgende Deflation.“

        2. Zitat: „…Wenn der kleine Junge zeigt, dass der Kaiser keine Kleider anhand, werden der Imperator und seine Entourage gestürzt, und es gibt einen Bürgerkrieg, der das Land verwüstet. Egal ob die Zentralbanken und Regierungen nun das vollständige Platzen einer Krise verhindern oder nicht – Finanzkrisen vom Ausmaß der 2007/08er Krise führen unvermeidlich auch zu einer politischen Krise, zu Regimewechseln und möglicherweise auch zu Krieg. Und letztendlich zu einer fundamentalen Neuordnung der Gesellschaft.“

        Dazu in: http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=363184

        „Alle Staaten sind Militärdiktaturen im Wartestand.“

      • Dietmar Tischer says:

        Die Frau hat recht, ich sehe es ähnlich.

        Nur eine Bemerkung dazu:

        Dass die Assetpreise so hoch gestiegen sind, ist die unvermeidbare FOLGE einer Notenbankpolitik, die bisher das ganz große Desaster verhindert hat. Ziel der Notenbanken war und ist es nicht.

        Ist ja bekannt und nicht anders als in der Medizin: Risiko und Nebenwirkungen.

        Das ändert aber nichts daran, dass damit hohe politische Risiken verbunden sind, vor allem dann, wenn die Assets an Wert verlieren und damit weitreichende negative Effekte in der Realwirtschaft auslösen.

        Ich denke, dass die Vermögensungleichheit zwar an Bedeutung gewinnt in der öffentlichen Diskussion, aber nicht das auslösende Moment für politische Krisen ist. Wenn es zu diesen kommt, dann durch extrem anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere in der Euro-Peripherie, und durch die zunehmende Zahl prekär beschäftigter Menschen in USA z. B.

        Wenn die Massen bei hinreichendem Wachstum positive Perspektiven für sich sehen, tritt die Vermögensungleichheit in den Hintergrund.

        In den 60er und 70er Jahren hat sich hierzulande jedenfalls kaum jemand über die damaligen Vermögensmilliardäre Flick, Quandt etc. aufgeregt.

        Die Leute hatten durchweg ordentlich bezahlte Jobs und wollten lediglich mehr Geld für ihre Arbeit haben. Dafür streikten sie. Vermögensumverteilung stand bei der breiten Masse nicht auf der Agenda.

      • Johannes says:

        DT: „In den 60er und 70er Jahren hat sich hierzulande jedenfalls kaum jemand über die damaligen Vermögensmilliardäre Flick, Quandt etc. aufgeregt.

        Die Leute hatten durchweg ordentlich bezahlte Jobs und wollten lediglich mehr Geld für ihre Arbeit haben. Vermögensumverteilung stand bei der breiten Masse nicht auf der Agenda.“

        So ist es. Die meisten Menschen sind zufrieden, mit dem was und wie sie es haben. Sie möchten nur Sicherheit und verlässlichkeit und DIE wird Ihnen zunehmend genommen. Das verunsichert zutiefst. In meinem näheren Bekanntenkreis kenne ich inzwischen eine Vielzahl von Menschen, die eine Vollzeitstelle inne haben UND ein oder zwei Mini-Jobs damit sie sich etwas leisten können. Da wären eine Bäckereifachverkäuferin, ein Facharbeiter in einer Tonfabrik, ein Fernfahrer, eine Friseuse usw.. Lauter Stellen mit einem Bruttolohn von unter 2100,- Euro… Diese Menschen realisieren zunehmend, dass sie später einmal in die Alters-Grundsicherung fallen und so ungewollt zu einem Sozialfall werden. Zum Teil schämen sie sich bereits heute dafür, dass es einmal dazu kommen wird. Der Anteil dieser Menschen wächst und sie haben keinerlei Verständnis für weitere „Euro-Rettungen“ zu ihren Steuerlasten und auch kein Verständnis für das massenhafte herein holen von Menschen aus fernen Ländern, die mehr oder weniger direkt in das Sozialsystem hinein wandern. Diese Bekannten registrieren inzwischen sehr wohl, dass die Kosten von 30 Mrd. Euro jährlich für die Letztgenannten auch von ihnen zu schultern ist. Und DAFÜR schwindet zunehmend die Bereitschaft.

        Und stehen sehr unruhige Zeiten bevor.

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