Rekordniveau des Ifo-Geschäftsklimas spiegelt Länge, nicht Dynamik des Aufschwungs

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Super Ifo-Index, steigende Börsen. Da habe ich mich gefragt, wieso eigentlich. Denn Börsen handeln doch die Zukunft und nicht die Vergangenheit. Zwar soll der Ifo die Zukunft beschreiben, doch letztlich sind Börsen und Ifo gleichermaßen Stimmungsindikatoren. Ein Kommentar bei der FINANZ und WIRTSCHAFT greift das hervorragend auf:

  • Zunächst die Erinnerung an das schon länger bestehende Phänomen (gerade in den USA), wonach die „weichen Daten“ viel besser aussehen als die „harten Daten“: „Weiche Daten wie Umfrageergebnisse zeichnen weltweit ein viel zu rosiges Bild vom Konjunkturverlauf. Was bei einigen deutschen Volkswirten schon länger regelrechte Überhitzungsfantasien aufblühen lässt.“ bto: Das ist natürlich alles relativ zu sehen.
  • „(…) wie wir gesehen haben, ist die deutsche Volkswirtschaft weit von einem Investitionsboom entfernt. Die Unternehmen investieren zwar in den Ausbau ihres Kapitalstocks (Maschinen, Anlagen, Geräte usw.) – sonst würden die Deutschen auch keinen Aufschwung erleben. Nur eben mit angezogener Handbremse, was dem Land schliesslich auch keinen überragenden Lohn- und Preisanstieg beschert.“ bto: Weshalb sollten sie auch mehr investieren, angesichts der weltweiten Unsicherheit und der schlechten strukturellen Perspektiven?
  • „Im Gegenzug profitiert die Exportwirtschaft derzeit aber vom Nachfrageschub aus dem Rest des Eurolands. Was einige verwirrte Politiker in Berlin und sogar einige Volkswirte der Euroabwertung seit 2013/14 und damit der EZB-Politik zuschreiben wollen. Nur hat das einen anderen Grund: Die deutschen Exporteure haben den Nachfrageausfall während der Eurokrise sehr gut weggesteckt, indem sie ihre Ausfuhren auf den aussereuropäischen Märkten, z. B. in den USA, kräftig steigerten.“ bto: und was uns zunehmend in Kritik bringt, siehe Trump (aber nicht nur ihn!).
  • „Zugleich schwächen sich derzeit die aussereuropäischen Märkte im Trend ab, was wiederum die Investitionen in neue Produktionskapazitäten in Deutschland unter dem Strich bremst. (…) Ohne Investitionsboom aber keine binnenwirtschaftliche Überhitzung.“ bto: Und deshalb entwickelt sich auch kein richtiger Boom, sondern es bleibt eine gefährliche Abhängigkeit vom Ausland.
  • „Was uns zu den überoptimistischen Stimmungsindikatoren führt. Denn auch ein mickriger Aufschwung erreicht in seinem Lauf immer breitere Schichten von Managern und überhaupt in der Bevölkerung. Wenn er denn nur lange genug dauert.“ bto: und weil die Erinnerung an einen wirklichen Aufschwung lange zurückliegt.
  • „Vor Kurzem habe ich mir deshalb den Ifo-Geschäftslageindex in seiner Veränderung angeschaut und nicht nur in seinem absoluten Niveau. Und schon sehen die Ergebnisse realistischer aus, wenn wir noch die Bestellungen für Investitionsgüter aus dem Inland drüberlegen.“ bto: Klar, wenn ich gute Stimmung habe, investiere ich, sonst nicht. Das ist eine eindeutige Sache. Eigentlich müsste man die Investitionen noch um sechs bis neun Monate schieben, wegen der internen Entscheidungsprozesse und der Bestellverfahren.May 2015 Ifo-Geschäftslage: 0,8
Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT
  • „Bemerkenswert daran ist, dass sich die Wachstumsraten in der breiten Wirtschaft bereits langsam wieder abschwächen. (…) Und der Abstand zur Nulllinie ist bereits heute nicht mehr allzu gross. Vieles wird davon abhängen, wie lange die Erholung im Euroland noch dauert und wie stark sie ausfällt.“ bto: Und da darf man aller Euphorie zum Trotz nicht so optimistisch sein.
  • „Zum Ende des ersten bzw. zum Anfang des zweiten Quartals fuhren die Autobauer ihre Kapazitätsauslastung jedenfalls deutlich herunter, wie EU-Umfragen zeigen. So weit zur Überhitzungsgefahr in Deutschlands wichtigster Exportbranche.“ bto: Und da droht ohnehin Ungemach.

bto: Wenn es nun aber zu einer Abschwächung kommt, stellt sich die Frage, wie die Märkte darauf reagieren. Vermutlich nicht so positiv.

fuw.ch: „Wie der lange, mickrige Aufschwung die Hirne der Deutschen aufweicht“, 30. Juni 2017

3 Kommentare
  1. Michael Stöcker says:

    Hier wurde ganz ordentlich dokumentiert, warum es in einer selbstreferentiellen Finanzwelt kaum noch Wachstum gibt: https://www.swr.de/betrifft/die-grosse-geldflut-wie-reiche-immer-reicher-werden/-/id=98466/did=19829686/nid=98466/g6zt8x/index.html

    Ausnahmen: Das ewige EZB Zins-Bashing – hier durch den Volksbankdirektor -, das Goldmärchen von Bretton Woods sowie die Vollgeldillusion.

    LG Michael Stöcker

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